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	<title>Roman</title>
	
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		<title>41. Die Würfel fallen</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 02:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Der Roman]]></category>

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		<description><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ -->Mareike machte in dieser Nacht kein Auge zu. Schon wieder hatte sich in ihrem Leben alles auf den Kopf gestellt. Sie hatte eine Entscheidung getroffen und musste ihr Leben neu planen.
Ihre Wohnung und ihre Stelle in Hamburg hatte sie aufgegeben. Alles Wichtige hatte sie in ihren beiden Koffern mitgebracht.
Aber sie war nicht der Typ, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ --><p>Mareike machte in dieser Nacht kein Auge zu. Schon wieder hatte sich in ihrem Leben alles auf den Kopf gestellt. Sie hatte eine Entscheidung getroffen und musste ihr Leben neu planen.<br />
Ihre Wohnung und ihre Stelle in Hamburg hatte sie aufgegeben. Alles Wichtige hatte sie in ihren beiden Koffern mitgebracht.<br />
Aber sie war nicht der Typ, der sich so davon schleicht. Gleich nach Weihnachten würde sie einen Flug buchen und auf Teneriffa regeln, was zu regeln war. Mit Michael würde sie ihren Arbeitsvertrag lösen und Fernando würde sie bitten, sich weiterhin um ihre Ferienwohnung zu kümmern. Er könnte sie, so wie er das immer gemacht hatte, in der Zeit vermieten, in der sie nicht da war. Einen kurzen Moment dachte sie sogar daran, sie  zu verkaufen. Aber ihr Herz hing an der Wohnung, wie auch an dieser Insel.</p>
<p>Hand in Hand liefen Mareike und Stefan am Strand entlang. Der Himmel war tiefblau, die Sonne schien, so dass die klirrende Kälte nicht wirklich spürbar war.</p>
<p>„Was hast du jetzt vor, Mareike?&#8221;  Stefan hatte ihre Gedanken scheinbar erraten, denn darüber dachte Mareike auch gerade nach. „Ich werde in den nächsten Tagen nach Teneriffa fliegen, alles Erforderliche in die Wege leiten und wieder zurück kommen. Und dann werde ich weiter sehen.&#8221; „Und du kommst wirklich zurück?&#8221; Stefan war stehen geblieben und schaute sie ein wenig besorgt an. „Ja, Stefan, ich komme wieder.&#8221; „Kneif mich mal, damit ich sicher bin, dass ich das alles nicht träume.&#8221;</p>
<p>Er wusste nicht, wie er anfangen sollte. „Könntest du dir vorstellen, als Arzthelferin in einer Praxis zu arbeiten?&#8221; Mareike schaute ihn verständnislos an. „Was meinst du damit? Ich habe so etwas noch nie gemacht.&#8221; „Nun, das alles kann man lernen. Erinnerst du dich, dass du mich damals fragtest, ob ich nicht mal daran dächte, mich als Internist niederzulassen?&#8221; „Ja&#8221; lächelte  Mareike, „als ich dich mit nach Teneriffa nehmen wollte. Aber das Thema hat sich  ja nun erledigt.&#8221; „Nicht so ganz&#8221;, lächelte Stefan, „unser alter Hausarzt in Hamburg, der mich schon als Kind behandelt hat, hört auf und sucht einen Nachfolger für seine Praxis. Sie liegt in einem ruhigen Stadtteil Hamburgs, ist im Erdgeschoss  eines  geräumigen Einfamilienhauses und ist von einem  großem Garten umgeben. Der gute Doktor hat sich in einem Seniorenstift angemeldet und will Praxis, Haus und Garten am liebsten zusammen verkaufen. Es ist ein ideales Plätzchen für eine kleine Familie.&#8221;</p>
<p>Unsere kleine Familie?&#8221; Mareike sah Stefan fragend an. „Bist du dir da wirklich sicher?&#8221; „Ich war mir noch nie sicherer!&#8221; Stefan hatte Mareikes Hand gegriffen, „meinst du, dass du es mit uns aushalten kannst?&#8221; „Ich denke schon, ich bin ja einiges gewöhnt!&#8221; -  ein leicht bitterer Unterton schwang in Mareikes Antwort mit. „Na, na - so schlimm sind wir Hasslers nun doch nicht!&#8221; Stefan hatte bemerkt, dass Mareike noch immer mit den Schatten der Erinnerung an ihre Zeit auf Teneriffa kämpfte und ließ seine Worte so unbefangen wie möglich klingen.<br />
Auch an ihm waren die Ereignisse der letzten Monate, insbesondere aber die Verfolgung durch Viktor und dessen Tod während einer Routineoperation unter seiner Leitung, nicht spurlos vorbeigegangen. Er war aber bereit, die Vergangenheit ruhen zu lassen und einen Neuanfang zu wagen - mit Mareike, der Frau, die er so sehr liebte.<br />
„Schau Mareike, in ein paar Tagen beginnt ein neues Jahr und warum sollten wir nicht auch die Gelegenheit nutzen und ganz von vorne anfangen? - Was haben wir zu verlieren?&#8221;<br />
Stefan Augen suchten den Blick Mareikes aufzufangen und das, was er ablesen konnte, bestätigte ihn: vollstes Vertrauen und ein glühender Funken ehrlicher Liebe spiegelten sich in ihm wider.<br />
Behutsam nahm er sie in den Arm und ihre Lippen fanden sich zu einem zärtlichen, nicht enden wollenden Kuss. Die Wellen schlugen mit sanftem Rauschen an den Strand und ließen die beiden Liebenden in einer emotionsgeladenen Atmosphäre versinken.</p>
<p>Mareike fand zuerst in die Realität zurück. „Ja, ja, ja!&#8221; jubelte sie - „ich liebe dich!&#8221; „Dich, Stefan - nur dich, das musst du mir glauben!&#8221; „Du weißt nicht, wie glücklich du mich machst! Ich bin bestimmt der glücklichste Mensch auf der Insel - nie hätte ich geglaubt, mich einmal wieder so verlieben zu können!&#8221; „Aber&#8221; Mareike wurde nachdenklich, „wie wird Juliane darauf reagieren?&#8221; „Juliane hat dich schon in ihr Herz geschlossen. Sie war damals zu klein, um sich bewusst an ihre Mutter zu erinnern und wird froh sein, eine Freundin an ihrer Seite zu haben.&#8221;<br />
Unbeschwert wie zwei fröhliche Kinder liefen Stefan und Mareike am Sylter Weststrand entlang, bis Mareike plötzlich abrupt stehenblieb. „Du musst morgen schon fahren!&#8221; Beiden wurde bewusst, wie nahe der Abschied voneinander bevorstand. „Jetzt vergehen doch die Tage viel schneller! - Wir werden jeden Tag mindestens einmal telefonieren!&#8221; versicherte Stefan. „Bestimmt!&#8221; machte sich Mareike neuen Mut.<br />
Die beiden setzten ihren Spaziergang fort. Beide schmiedeten Pläne für die Zukunft und unterbrachen ihr Gespräch nur ab und zu, um stehen zu bleiben und in einem innigen Kuss zu versinken.</p>
<p>Es war spät, als Mareike am Abend in die Wohnung ihres Vaters zurückkehrte. Sie fühlte sich schuldbewusst, weil sie ihren Vater so lange allein gelassen hatte. Doch dieser verzieh seiner Tochter sofort, als er das glückliche Strahlen in ihren Augen sah. „Papa - es tut mir leid. Ich wollte schon viel früher wieder hier sein!&#8221; Sie senkte zerknischt ihren Blick. „Es gab aber so viel zu besprechen!&#8221; „Was habt ihr denn besprochen?&#8221; Herbert Kramers väterliche Neugier erwachte.  „Stefan und ich bleiben in Hamburg. Dann können wir über&#8217;s Wochenende immer<br />
Mal wieder auf die Insel zu dir kommen!&#8221; „Mareike, ich freue mich für dich! Ich habe es mir so gewünscht, dass du wieder in meiner Nähe bist. Ich mag Stefan sehr!&#8221; gerührt nahm er seine Tochter in den Arm.<br />
„Jetzt muss ich aber mal schnell telefonieren!&#8221; Mareike griff  das Telefon und verschwand im Schlafzimmer. „Das ist wirklich Liebe, kaum von einander verabschiedet, schon müssen sie wieder mit einander reden!&#8221; er schüttelte schmunzelnd den Kopf.</p>
<p>Was Herbert Kramer aber nicht wusste, Mareike telefonierte nicht mit Stefan sondern mit Michael. „&#8230; Nein &#8230; ich komme nicht wieder! Nein, auch nicht um alles zu regeln! Ich kündige hiermit fristlos! &#8230; Danke, &#8230;ich werde einen Anwalt mit der Regelung aller Angelegenheiten beauftragen! &#8230; Das wünsche ich dir auch! &#8230;. Ja, ich mache das Richtige! Leb&#8217; wohl!&#8221; und schon war das Gespräch beendet.</p>
<p>Mareike ging zum Schrank und warf ihre Kleidungsstücke auf das Bett. Dann holte sie ihre zwei Koffer hervor und legte alles hinein. Leise öffnete sich die Tür des Schlafzimmers. „Was hast du vor?&#8221; fragte Mareikes Vater besorgt. „Ich fahre morgen mit Stefan nach Hamburg!&#8221; „Weiß er das?&#8221; „Nein, Papa - das ist eine Überraschung. Bitte verrate es nicht!&#8221;<br />
„Dann muss ich dich schon wieder deinen Weg gehen lassen?&#8221; die Worte Herbert Kramers klangen ein wenig betrübt. „Ach, Papa - ich weiß! Aber kannst du mich nicht ein bisschen verstehen?&#8221; „Doch Mareike - einerseits freue ich mich, dass du so glücklich bist, andererseits bin ich traurig, dass du mich schon wieder verlässt.&#8221; „Ich bleibe doch in deiner Nähe und du kannst mich auch jederzeit besuchen, falls du mal den Inselkoller bekommst!&#8221; Mareike hatte sich auf das Bett gesetzt. „Bringst du mich morgen früh zur Autoverladestelle in Westerland?&#8221; „Sicher - ich möchte auch gern Stefans erstauntes Gesicht sehen, wenn du dort plötzlich mit deinen Koffern auftauchst!&#8221;</p>
<p>Mareike konnte vor Aufregung nicht schlafen und war am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages schon früh auf den Beinen. Für ein ausgiebiges Frühstück mit ihrem Vater fehlte ihr die nötige Ruhe.<br />
Das Telefon klingelte. Nach nur zweimaligem Klingeln hob Mareike erwartungsvoll den Hörer ab. „Ich wollte dir nur schnell ‚tschüß&#8217; sagen!&#8221; hörte sie Stefans Stimme. „Wir fahren gleich los!&#8221; „Tschüß!&#8221;, erwiderte Mareike knapp. „Habe ich dich geweckt oder warum bist du so kurz angebunden?&#8221; wunderte sich Stefan. „Nein, nein - es ist nichts. Ich bin nur ein bisschen traurig!&#8221; versuchte  Mareike schnell zu erklären. „Musst du nicht - wir sehen uns ja schon in ein paar Tagen wieder!&#8221; tröstete Stefan sie. „Wer weiß?&#8221; Die Worte klangen vielsagend. „Kommt gut nach Hamburg! Grüße bitte deine Eltern und Juliane! Wir telefonieren wieder! Ja?&#8221; „Versprochen - aber jetzt lass den Kopf nicht hängen! Ich liebe dich!&#8221; „Ich dich auch!&#8221; und mit dieser Bestätigung beendete Mareike das Gepräch.</p>
<p>„Wir müssen los, Papa!&#8221; Herbert Kramer hatte schon die Koffer in den Wagen geladen und wartete bereits auf seine Tochter. „Dann kann es ja losgehen!&#8221;<br />
Als sie in Westerland auf den Parkplatz der Autoverladestelle einbogen, standen nur wenige Autos dort. Der Wagen mit Stefan und seiner Familie war noch nicht dabei.<br />
Mareike bat ihren Vater an, etwas abseits einen Parkplatz zu suchen.  Ungeduldig blieben beide im Auto sitzen. Der Parkplatz füllte sich nur zögerlich. Nach einer Weile fuhr ein Wagen mit Hamburger Kennzeichen langsam auf den Parkplatz. „Das müssen sie sein!&#8221; vermutete Mareike erfreut. „Jetzt wird&#8217;s ernst!&#8221; Sie stieg aus, ging langsam auf den Wagen zu und klopfte an die Fensterscheibe der Fahrertür. Ganz langsam senkte sich diese und Mareike blickte in Stefans erstaunte Augen. „Was machst du denn hier?&#8221; Stefan war verdutzt. „Hast du noch Platz in deinem Auto?&#8221; „Na, klar!&#8221; klang es aus dem Fond des Wagens. „Du kannst neben mir sitzen!&#8221; Juliane hatte ihrem sprachlosen Vater die Antwort vorweg genommen.<br />
Stefan öffnete die Autotür und stieg aus. Noch immer verschlug ihm diese Überraschung die Sprache. „Du willst&#8230; mit uns&#8230; nach Hamburg?&#8221; „Ich kann ja auch den Zug nehmen!&#8221;<br />
„Nein, Mareike fährt mit uns, Papa!&#8221; mischte sich Juliane erneut ein. „Papa, es geht schon los. Die Autos fahren schon auf den Zug!&#8221; aufgeregt erinnerte Juliane an die bevorstehende Zugfahrt.</p>
<p>Noch immer überrascht von Mareikes Entschluss mit ihnen nach Hamburg zu fahren, verstaute Stefan das Gepäck. Mareike umarmte ihren Vater, der nun ebenfalls zu Stefans Auto gekommen war. Es fiel ihr schwer, ihn loszulassen, aber Stefan hatte ihre Hand ergriffen und zog sie sanft zu sich. „Wenn du wirklich mit willst, müssen wir jetzt fahren!&#8221; Er nickte Herbert Kramer zu, reichte ihm zum Abschied die Hand und stieg in das Auto. Mareike rutschte in den Fond des Wagens neben den Kindersitz von Juliane.<br />
Langsam setzte sich der Wagen in Bewegung und fuhr als letztes Auto auf den Autozug. Kurz danach ertönte das Signal zur Abfahrt.</p>
<p>Der Zug fuhr an, aus allen vier Fenstern des Autos winkten Herbert Kramer überaus glückliche Menschen zu und obwohl er einsam auf dem Parkplatz zurückblieb, war er doch in seinem Innersten ebenso glücklich. „Mareike?&#8221; „Ja, Stefan!?&#8221; „Ich liebe dich!&#8221;  - „Ich mag dich auch!&#8221; Julianes Stimmchen klang ungewohnt ernst. „Und ich liebe euch alle beide!&#8221; versicherte Mareike.</p>
<p>Mehr als ein Jahr waren Mareike Kramer und die anderen Personen des Romans unsere täglichen Begleiter. Sie nahmen - mal mehr und mal weniger - Besitz von unseren Gedanken, waren aber in ihrem Schicksal immer von uns abhängig. Wir konnten ihr Leben, ihre Erfahrungen, Enttäuschungen und Glücksmomente bestimmen.<br />
Es fällt schwer, Mareike und Stefan nun in eine glückliche Zukunft zu verabschieden.<br />
Aber vielleicht - eines Tages kehrt die kleine Familie mit neuen Geschichten wieder zurück. Warten wir es einmal ab!</p>
<p>ENDE</p>
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		<title>40. Der Nebel lichtet sich</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Jun 2009 02:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>literatussis</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Der Roman]]></category>

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		<description><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ -->Mareike war schon lange vor dem verabredeten  Termin in der Nähe des  Lister Hafen. Sie brauchte einen langen Spaziergang, um ihre aufgewühlten Gedanken zu ordnen. Sie hatte nichts zu verlieren und konnte nur gewinnen.  Sie wusste, dass Stefan sie sehr mochte. Vielleicht liebte er sie auch.
Je mehr  sie über die letzten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ --><p>Mareike war schon lange vor dem verabredeten  Termin in der Nähe des  Lister Hafen. Sie brauchte einen langen Spaziergang, um ihre aufgewühlten Gedanken zu ordnen. Sie hatte nichts zu verlieren und konnte nur gewinnen.  Sie wusste, dass Stefan sie sehr mochte. Vielleicht liebte er sie auch.<br />
Je mehr  sie über die letzten Monate auf Teneriffa nachdachte, desto weniger verstand sie sich selbst. Die Trennung von Martin war notwendig gewesen. Aber warum hatte sie sich so von Julio und Carlo blenden lassen? Sie war nie der Typ gewesen, der sich von einer Beziehung kopfüber in die nächste gestürzt hatte und auch jedem davon abraten würde. Aber auf Teneriffa war alles anders, sie hatte sich treiben lassen. Ohne diese Affairen  wäre sie auf Martin vielleicht  wieder reingefallen, als er plötzlich vor ihrer Tür stand.<br />
Unwillkürlich schüttelte sie sich wie ein nasser Hund, um auch die letzten Gedanken an Julio und Carlo zu verdrängen.<br />
Bei Stefan war alles anders. Sie wusste, tief in ihrem Inneren, dass er der Mann war, zu dem sie bedingungslos ‚ja&#8217; sagen würde.<br />
Je näher die Verabredung mit ihm bevor stand, desto ruhiger wurde sie. Was sollte passieren? Wenn Stefan noch Zeit brauchte, sich innerlich von Andrea zu lösen, musste sie ihm die Zeit geben.  Und sie war entschlossen, auf ihn zu warten.</p>
<p>Sie stand gedankenverloren am Meer und sog die salzige Luft tief in ihre Lungen ein. Plötzlich legte sich ganz vorsichtig eine Hand auf ihre rechte Schulter. Erschrocken trat sie einen Schritt vor und riss den Kopf herum. „Hattest du zu Hause auch keine Ruhe mehr?&#8221; „Nein. Als ich mich entschloss, zu unserem Treffen zu kommen, wollte ich es auch rasch hinter mich bringen.&#8221; „Musstest du dich überwinden, dich mit mir zu treffen?&#8221;<br />
Was sollte sie darauf antworten?  Er war am Zuge und sie wollte sich nicht  in die Karten gucken lassen. „Das kann man so nicht sagen. Ich hatte nicht erwartet, dich je noch einmal zu sehen und schon gar nicht hier. Schließlich haben wir lange nichts voneinander gehört.&#8221;<br />
„&#8217;Aus den Augen&#8217; heißt noch lange nicht ‚&#8217;aus dem Sinn&#8217;&#8221; war alles, was er dazu sagen konnte.<br />
„Wollen wir erst ein Stück laufen?&#8221; Ohne ihre Antwort abzuwarten, ging er los. Alles, was er sich an Worten zurechtgelegt hatte, war wie weg geblasen.<br />
Während Stefan und Mareike,  für Zuschauer eher unbeteiligt  nebeneinander herliefen, suchten beide innerlich nach Worten, jedoch darauf bedacht, dem anderen  nicht zuviel von seinem Innersten preiszugeben.</p>
<p>„Kennst du einen Victor?&#8221;  Erstaunt sah Mareike ihn an. „Nicht, dass ich wüsste. Was ist mit ihm?&#8221; „Er hatte mich beschattet, tagelang. Dann kam er in die Klinik und ist mir bei einer Notoperation unter den Händen weg gestorben. Das einzige, was er mir hinterließ, war ein Brief, in dem dein Name und der eines gewissen Carlo standen. Und - dass du in Gefahr seiest.<br />
Ich habe mehrfach versucht, dich anzurufen, habe aber immer nur deine Mailbox erwischt.&#8221;<br />
Mareike blieb stehen und sah Stefan mit großen Augen an.</p>
<p>‚Carlo!&#8217; - Mareike wurde schlagartig bewusst in welcher Gefahr sie sich wirklich befunden hatte. Das Entsetzen, das in ihren Augen aufleuchtete, machte Stefan betroffen. Er fühlte, dass er Mareike mit seinen Fragen an etwas erinnert hatte, das ihr Angst machte. „Du musst es mir nicht erklären, wenn du nicht willst!&#8221;, er bemühte sich seiner Stimme einen unbefangenen Klang zu geben, doch Mareike hatte sich abgewendet. Stefan sollte die Tränen nicht sehen, die ihr in die Augen geschossen waren.</p>
<p>Stefan zögerte einen Moment, dann trat er hinter Mareike und legte seine beiden Hände auf ihre Schultern. „Du kannst mir vertrauen, Mareike. Ich werde dich nicht weiter bedrängen, mir alles zu erklären!  Aber eine Frage solltest du mir doch beantworten!&#8221; Mareike hatte sich wieder zu Stefan gedreht, seine Hände lagen noch immer auf ihren Schultern. Ein warmes, wohliges Kribbeln lief, trotz der winterlichen Temperaturen und dem kalten Wind, Mareikes Rücken hinunter, während sie Stefans Frage gespannt erwartete. „Ja?&#8221; „Warum bist du heute hierher gekommen?&#8221; Stefans Worte klangen erwartungsvoll.</p>
<p>„Ich wollte einen guten Freund treffen!&#8221; Mareike betonte die beiden Wörter ‚guter Freund&#8217; ganz besonders. „Ach, so!&#8221; Stefan nahm ohne zu zögern seine Hände von Mareikes Schultern. Ihre Antwort hatte ihn entmutigt. Beinahe hätte er ihr seine Gefühle eingestanden.<br />
„Lass uns umkehren, mir ist kalt und mein Vater wartet bestimmt auch schon auf mich!&#8221; Sie ging ein paar Schritte. „Mareike,&#8230;!&#8221; „Was?&#8221; fragte sie kurz und bündig. „Mareike, ich&#8230;!&#8221; Wo waren all seine vorbereiteten Worte und Erklärungen? Warum stand er jetzt hier und fühlte sich wie ein Teenager beim ersten Rendezvous?</p>
<p>„Nun bleib doch einmal stehen!&#8221; wandte sich Stefan trotzig an Mareike. „Ich, &#8230; ich&#8230;! Meinst Du&#8230;!&#8221; Stefan stotterte aufgeregt. „Kannst du auch ganze Sätze sprechen?&#8221; Mareike blickte amüsiert zu Stefan „Mareike, ich liebe&#8230;!&#8221; „Paaapaaa!!!&#8221; lautes Rufen unterbrach Stefans wohl entscheidenden Satz. Juliane rannte auf ihn zu, gefolgt von ihren Großeltern. Mit Schwung warf sie sich Stefan an den Hals. „Wir wollten auch spazieren gehen!&#8221; erklärte Juliane mit unschuldigem Blick.</p>
<p>„Tut uns Leid, Stefan.  Juliane wollte unbedingt zum Hafen und war nicht davon abzubringen!&#8221; Ruth Haasler hatte die Situation sofort überblickt. „Stellst Du uns die junge Dame auch mal vor?&#8221; Stefans Vater war neben Mareike getreten, musterte sie wohlwollend und streckte seine Hand aus.<br />
„Das ist eine gute Freundin von Papa!&#8221;, mischte sich Juliane vorlaut ein. „Wir haben sie gestern schon getroffen! Sie hat nur einen kleinen Weihnachtsbaum!&#8221;  Im Gegensatz zu Stefan und Mareike, die sich gegenseitig sprachlos anblickten, war Juliane sehr redefreudig.<br />
Mareike fand zu erst ihre Stimme wieder: „Mareike Kramer, Stefan hat meinem Vater und mir einmal sehr zur Seite gestanden!&#8221; Sie vermied es, weiter genauere Erklärungen zu geben und begrüßte mit einem unverbindlichen, freundlichen Lächeln Stefans Eltern. Dann wandte sie sich zu Juliane, „hallo, wir kennen uns ja schon!&#8221;<br />
„Du kennst meinen Vater schon lange?&#8221;, Juliane platzte fast vor Neugier. „Juliane!&#8221;, auch Stefan mischte sich nun in die Unterhaltung ein und warf seiner Tochter einen strengen Blick zu, aber Juliane ließ sich nicht beirren.</p>
<p>„Wir haben einen großen Weihnachtsbaum! Warum kommst du nicht zu uns?&#8221; „Weil Mareike mit ihrem Vater Weihnachten feiert!&#8221;, beantwortete Stefan schnell Julianes Frage, ohne Mareike Zeit für eine Antwort zu geben. Mareike nickte bestätigend.<br />
„Ooch, dann muss sie ihn eben mitbringen!&#8221;, Juliane hatte für Probleme immer eine kindlich, einfache Lösung parat.<br />
Stefan gefiel die Idee seiner Tochter und auch seine Eltern schauten zustimmend  abwechselnd von Mareike zu ihrem Sohn.<br />
„Was meinst du?&#8221; wollte Stefan nun von Mareike wissen. „Ich muss erst mit meinem Vater reden. Er hatte sich auf ein ruhiges Weihnachtsfest mit mir gefreut!&#8221;, erwiderte Mareike überlegt.<br />
„Ich würde mich auch sehr freuen!&#8221; Stefan griff Mareikes Hand und blickte sie erwartungsvoll an. „Wir auch!&#8221;, quäkte Julianes Kinderstimmchen.</p>
<p>Als sie die Wohnung ihres Vaters betrat, duftete es vorweihnachtlich nach selbst gebackenen Keksen und Zimttee.  „Du bist schon wieder da?&#8221; Ungläubig schaute Herr Kramer seine Tochter an.  Sein erster Blick fiel auf die von der Kälte geröteten Wangen  und die rote  Nase.<br />
Mareikes Augen aber strahlten Wärme und Freude aus. „Lass uns Tee trinken, du scheinst ja völlig  durchgefroren zu sein.&#8221;<br />
Er platzte fast vor Neugier, aber Mareike war noch zu  sehr in ihren Gedanken verhaftet, die er nicht stören wollte. Plötzlich sah sie ihm direkt in die Augen. „Paps, Stefan und seine Eltern haben uns eingeladen, mit ihnen Weihnachten zu feiern. Es ist das erste Weihnachtsfest ohne Mutti und das willst du sicher nicht mit anderen Menschen verbringen, oder?&#8221;<br />
Überrascht schaute Herr Kramer seine Tochter an. „Ganz im Gegenteil. Wenn wir beide hier alleine sitzen, werden wir eher an frühere Weihnachtsfeste mit deiner Mutter denken und das heulende Elend könnte uns überfallen. Nein, Mareike, das Leben muss weiter gehen. Wenn es dir recht ist, nehmen wir die Einladung an. Deine Mutter hätte das sicher so gewollt.&#8221;<br />
Mareike lächelte ihrem Vater zustimmend zu. „Stefans Tochter ist ein kleiner Wirbelwind, der dir sicher Löcher in den Bauch fragen wird,&#8221; setzte sie verschmitzt hinzu. „Vielleicht bekomme ich ja irgendwann mal ein Enkelkind. Da kann ich ja schon mal üben, ob ich mich als Großvater überhaupt eignen werde.&#8221;<br />
„Ich rufe Stefan an und sage ihm Bescheid,&#8221; antwortete sie ausweichend, nahm ihr Handy und verschwand für längere Zeit in ihrem Zimmer.</p>
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		<title>39. Geheimnisse</title>
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		<pubDate>Mon, 25 May 2009 02:00:48 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ -->Mareike war schon lange vor dem verabredeten  Termin in der Nähe des  Lister Hafen. Sie brauchte einen langen Spaziergang, um ihre aufgewühlten Gedanken zu ordnen. Sie hatte nichts zu verlieren und konnte nur gewinnen.  Sie wusste, dass Stefan sie sehr mochte. Vielleicht liebte er sie auch.
Je mehr  sie über die letzten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ --><p>Mareike war schon lange vor dem verabredeten  Termin in der Nähe des  Lister Hafen. Sie brauchte einen langen Spaziergang, um ihre aufgewühlten Gedanken zu ordnen. Sie hatte nichts zu verlieren und konnte nur gewinnen.  Sie wusste, dass Stefan sie sehr mochte. Vielleicht liebte er sie auch.<br />
Je mehr  sie über die letzten Monate auf Teneriffa nachdachte, desto weniger verstand sie sich selbst. Die Trennung von Martin war notwendig gewesen. Aber warum hatte sie sich so von Julio und Carlo blenden lassen? Sie war nie der Typ gewesen, der sich von einer Beziehung kopfüber in die nächste gestürzt hatte und auch jedem davon abraten würde. Aber auf Teneriffa war alles anders, sie hatte sich treiben lassen. Ohne diese Affairen  wäre sie auf Martin vielleicht  wieder reingefallen, als er plötzlich vor ihrer Tür stand.<br />
Unwillkürlich schüttelte sie sich wie ein nasser Hund, um auch die letzten Gedanken an Julio und Carlo zu verdrängen.<br />
Bei Stefan war alles anders. Sie wusste, tief in ihrem Inneren, dass er der Mann war, zu dem sie bedingungslos ‚ja&#8217; sagen würde.<br />
Je näher die Verabredung mit ihm bevor stand, desto ruhiger wurde sie. Was sollte passieren? Wenn Stefan noch Zeit brauchte, sich innerlich von Andrea zu lösen, musste sie ihm die Zeit geben.  Und sie war entschlossen, auf ihn zu warten.<br />
Sie stand gedankenverloren am Meer und sog die salzige Luft tief in ihre Lungen ein. Plötzlich legte sich ganz vorsichtig eine Hand auf ihre rechte Schulter. Erschrocken trat sie einen Schritt vor und riss den Kopf herum. „Hattest du zu Hause auch keine Ruhe mehr?&#8221; „Nein. Als ich mich entschloss, zu unserem Treffen zu kommen, wollte ich es auch rasch hinter mich bringen.&#8221; „Musstest du dich überwinden, dich mit mir zu treffen?&#8221;<br />
Was sollte sie darauf antworten?  Er war am Zuge und sie wollte sich nicht  in die Karten gucken lassen. „Das kann man so nicht sagen. Ich hatte nicht erwartet, dich je noch einmal zu sehen und schon gar nicht hier. Schließlich haben wir lange nichts voneinander gehört.&#8221;<br />
„&#8217;Aus den Augen&#8217; heißt noch lange nicht ‚&#8217;aus dem Sinn&#8217;&#8221; war alles, was er dazu sagen konnte.<br />
„Wollen wir erst ein Stück laufen?&#8221; Ohne ihre Antwort abzuwarten, ging er los. Alles, was er sich an Worten zurecht gelegt hatte, war wie weg geblasen.<br />
Während Stefan und Mareike,  für Zuschauer eher unbeteiligt  nebeneinander herliefen, suchten beide innerlich nach Worten, jedoch darauf bedacht, dem anderen  nicht zuviel von seinem Innersten preiszugeben.<br />
„Kennst du einen Victor ?&#8221;  Erstaunt sah Mareike ihn an. „Nicht, dass ich wüsste. Was ist mit ihm?&#8221; „Er hatte mich beschattet, tagelang. Dann kam er in die Klinik und ist mir bei einer Notoperation unter den Händen weg gestorben. Das einzige, was er mir hinterließ, war ein Brief, in dem dein Name und der eines gewissen Carlo stand. Und - dass du in Gefahr seiest.<br />
Ich habe mehrfach versucht, dich anzurufen, habe aber immer nur deine Mailbox erwischt.&#8221;<br />
Mareike blieb stehen und sah Stefan mit großen Augen an.</p>
<p>‚Carlo!&#8217; - Mareike wurde schlagartig bewusst in welcher Gefahr sie sich wirklich befunden hatte. Das Entsetzen, das in ihren Augen aufleuchtete, machte Stefan betroffen. Er fühlte, dass er Mareike mit seinen Fragen an etwas erinnert hatte, das ihr Angst machte. „Du musst es mir nicht erklären, wenn du nicht willst!&#8221;, er bemühte sich seiner Stimme einen unbefangenen Klang zu geben, doch Mareike hatte sich abgewendet. Stefan sollte die Tränen nicht sehen, die ihr in die Augen geschossen waren.<br />
Stefan zögerte einen Moment, dann trat er hinter Mareike und legte seine beiden Hände auf ihre Schultern. „Du kannst mir vertrauen, Mareike. Ich werde dich nicht weiter bedrängen, mir alles zu erklären!  Aber eine Frage solltest du mir doch beantworten!&#8221; Mareike hatte sich wieder zu Stefan gedreht, seine Hände lagen noch immer auf ihren Schultern. Ein warmes, wohliges Kribbeln lief, trotz der winterlichen Temperaturen und dem kalten Wind, Mareikes Rücken hinunter, während sie Stefans Frage gespannt erwartete. „Ja?&#8221; „Warum bist du heute hierher gekommen?&#8221; Stefans Worte klangen erwartungsvoll.<br />
„Ich wollte einen guten Freund treffen!&#8221; Mareike betonte die beiden Wörter ‚guter Freund&#8217; ganz besonders. „Ach, so!&#8221; Stefan nahm ohne zu zögern seine Hände von Mareikes Schultern. Ihre Antwort hatte ihn entmutigt. Beinahe hätte er ihr seine Gefühle eingestanden.<br />
„Lass uns umkehren, mir ist kalt und mein Vater wartet bestimmt auch schon auf mich!&#8221; Sie ging ein paar Schritte. „Mareike,&#8230;!&#8221; „Was?&#8221; fragte sie kurz und bündig. „Mareike, ich&#8230;!&#8221; Wo waren all seine vorbereiteten Worte und Erklärungen? Warum stand er jetzt hier und fühlte sich wie ein Teenager beim ersten Rendezvous?<br />
„Nun bleib doch einmal stehen!&#8221; wandte sich Stefan trotzig an Mareike. „Ich, &#8230; ich&#8230;! Meinst Du&#8230;!&#8221; Stefan stotterte aufgeregt. „Kannst du auch ganze Sätze sprechen?&#8221; Mareike blickte amüsiert zu Stefan „Mareike, ich liebe&#8230;!&#8221; „Paaapaaa!!!&#8221; lautes Rufen unterbrach Stefans wohl entscheidenden Satz. Juliane rannte auf ihn zu, gefolgt von ihren Großeltern. Mit Schwung warf sie sich Stefan an den Hals. „Wir wollten auch spazieren gehen!&#8221; erklärte Juliane mit unschuldigem Blick.<br />
„Tut uns Leid, Stefan.  Juliane wollte unbedingt zum Hafen und war nicht davon abzubringen!&#8221; Ruth Haasler hatte die Situation sofort überblickt. „Stellst Du uns die junge Dame auch mal vor?&#8221; Stefans Vater war neben Mareike getreten, musterte sie wohlwollend und streckte seine Hand aus.<br />
„Das ist eine gute Freundin von Papa!&#8221;, mischte sich Juliane vorlaut ein. „Wir haben sie gestern schon getroffen! Sie hat nur einen kleinen Weihnachtsbaum!&#8221;  Im Gegensatz zu Stefan und Mareike, die sich gegenseitig sprachlos anblickten, war Juliane sehr redefreudig.<br />
Mareike fand zu erst ihre Stimme wieder: „Mareike Kramer, Stefan hat meinem Vater und mir einmal sehr zur Seite gestanden!&#8221; Sie vermied es, weiter genauere Erklärungen zu geben und begrüßte mit einem unverbindlichen, freundlichen Lächeln Stefans Eltern. Dann wandte sie sich zu Juliane, „hallo, wir kennen uns ja schon!&#8221;<br />
„Du kennst meinen Vater schon lange?&#8221;, Juliane platzte fast vor Neugier. „Juliane!&#8221;, auch Stefan mischte sich nun in die Unterhaltung ein und warf seiner Tochter einen strengen Blick zu, aber Juliane ließ sich nicht beirren.<br />
„Wir haben einen großen Weihnachtsbaum! Warum kommst du nicht zu uns?&#8221; „Weil Mareike mit ihrem Vater Weihnachten feiert!&#8221;, beantwortete Stefan schnell Julianes Frage, ohne Mareike Zeit für eine Antwort zu geben. Mareike nickte bestätigend.<br />
„Ooch, dann muss sie ihn eben mitbringen!&#8221;, Juliane hatte für Probleme immer eine kindlich, einfache Lösung parat.<br />
Stefan gefiel die Idee seiner Tochter und auch seine Eltern schauten zustimmend  abwechselnd von Mareike zu ihrem Sohn.<br />
„Was meinst du?&#8221; wollte Stefan nun von Mareike wissen. „Ich muss erst mit meinem Vater reden. Er hatte sich auf ein ruhiges Weihnachtsfest mit mir gefreut!&#8221;, erwiderte Mareike überlegt.<br />
„Ich würde mich auch sehr freuen!&#8221; Stefan griff Mareikes Hand und blickte sie erwartungsvoll an. „Wir auch!&#8221;, quäkte Julianes Kinderstimmchen.</p>
<p>Als sie die Wohnung ihres Vaters betrat, duftete es vorweihnachtlich nach selbst gebackenen Keksen und Zimttee.  „Du bist schon wieder da?&#8221; Ungläubig schaute Herr Kramer seine Tochter an.  Sein erster Blick fiel auf die von der Kälte geröteten Wangen  und die rote  Nase.<br />
Mareikes Augen aber strahlten Wärme und Freude aus. „Lass uns Tee trinken, du scheinst ja völlig  durchgefroren zu sein.&#8221;<br />
Er platzte fast vor Neugier, aber Mareike war noch zu  sehr in ihren Gedanken verhaftet, die er nicht stören wollte. Plötzlich sah sie ihm direkt in die Augen. „Paps, Stefan und seine Eltern haben uns eingeladen, mit ihnen Weihnachten zu feiern. Es ist das erste Weihnachtsfest ohne Mutti und das willst du sicher nicht mit anderen Menschen verbringen, oder?&#8221;<br />
Überrascht schaute Herr Kramer seine Tochter an. „Ganz im Gegenteil. Wenn wir beide hier alleine sitzen, werden wir eher an frühere Weihnachtsfeste mit deiner Mutter denken und das heulende Elend könnte uns überfallen. Nein, Mareike, das Leben muss weiter gehen. Wenn es dir recht ist, nehmen wir die Einladung an. Deine Mutter hätte das sicher so gewollt.&#8221;<br />
Mareike lächelte ihrem Vater zustimmend zu. „Stefans Tochter ist ein kleiner Wirbelwind, der dir sicher Löcher in den Bauch fragen wird,&#8221; setzte sie verschmitzt hinzu. „Vielleicht bekomme ich ja irgendwann mal ein Enkelkind. Da kann ich ja schon mal üben, ob ich mich als Großvater überhaupt eignen werde.&#8221;<br />
„Ich rufe Stefan an und sage ihm Bescheid,&#8221; antwortete sie ausweichend, nahm ihr Handy und verschwand für längere Zeit in ihrem Zimmer.</p>
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		<title>38. Unerwartetes Wiedersehen</title>
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		<pubDate>Mon, 18 May 2009 02:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>literatussis</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Der Roman]]></category>

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		<description><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ -->Herbert Kramer stand fast allein in der kleinen Ankuftshalle des Westerländer Flughafens. Einige mit Koffern bepackte Fluggäste liefen an ihm vorbei. Er hielt Ausschau nach seiner Tochter und endlich - Mareike kam durch die Halle. ‚Gut sieht sie aus!&#8217; dachte er mit väterlichem Stolz. Er ging ihr einige Schritte entgegen und als Mareike ihn sah, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ --><p>Herbert Kramer stand fast allein in der kleinen Ankuftshalle des Westerländer Flughafens. Einige mit Koffern bepackte Fluggäste liefen an ihm vorbei. Er hielt Ausschau nach seiner Tochter und endlich - Mareike kam durch die Halle. ‚Gut sieht sie aus!&#8217; dachte er mit väterlichem Stolz. Er ging ihr einige Schritte entgegen und als Mareike ihn sah, stellte sie ihre Koffer ab, beschleunigte ihren Schritt und nahm ihren Vater in den Arm. Beide verharrten in inniger Umarmung ohne dass auch nur einer von ihnen ein Wort sagte. Mareike begann leise zu schluchzen, die innere Anspannung fiel von ihr ab. „Mein Mädchen!&#8221; Herbert Kramer räusperte sich. Auch ihn bewegte das Wiedersehen mit seiner Tochter sehr. „Lass dich anschauen, gut siehst du aus!&#8221;, aber Mareike wusste, dass er nicht ganz die Wahrheit sagte.<br />
Hinter ihrer von der Sonne Teneriffas gebräunten Haut  versteckte sich die eine oder andere Kummerfalte, von den Ereignissen der letzten Monate in ihre sonst makellose Haut gezeichnet.</p>
<p>„Papa, was bin ich froh, dich zu sehen!&#8221; Mareike wischte sich die Tränen aus ihren Augen. „Komm&#8217;, ich hole die Koffer und dann fahren wir nach Hause! Ich freue mich darauf, bei einer Tasse Tee, mit dir zu plaudern. Ich möchte wissen, was du mir Neues berichten kannst.&#8221; Mareike hatte sich wieder gefasst und streichelte einmal sanft über die Wange ihres Vaters. „Es ist schön, nach Hause zu kommen!&#8221;, stellte sie fest.<br />
„Ich freue mich auch, Mareike, dass du wieder da bist. Wie lange kannst du bleiben?&#8221; „Das kann ich noch nicht sagen, Papa. Lass uns später darüber reden!&#8221; Mareikes Stimme bebte ein wenig.<br />
„Komm&#8217;, auf nach Hause. Wo steht dein Auto?&#8221; „Wir müssen noch&#8230;.&#8221; „Was?&#8221;, erstaunt blickte Mareike auf ihren Vater. „&#8230; einen Weihnachtsbaum kaufen!&#8221; antwortete Herbert Kramer leise. Er war sich nicht sicher, ob Mareike überhaupt der Sinn nach einem traditionell geferiertem Weihnachtsfest stand. „Oh, ja!&#8221;, stimmte Mareike ihrem Vater erfreut zu. „Der gehört doch zu Weihnachten dazu!&#8221;, ergänzte sie.<br />
„Dann lass uns endlich fahren!&#8221; Herbert Kramer griff nach einem von Mareikes Koffern. „Hast du Lavasteine von Teneriffa im Gepäck?&#8221;, fragte er schmunzelnd als er den Koffer anheben wollte. „Nein, Papa - mein Leben passte in zwei Koffer!&#8221;, stellte sie mit Wehmut in der Stimme fest. Herbert Kramer fragte nicht nach.</p>
<p>Beide fuhren in die Innenstadt von Westerland. Auf dem Platz vor dem Spielcasino hatte ein Weihnachtsbaumhändler seine Bäume aufgestellt. Einige Kunden begutachteten die Bäume, ließen sich den einen oder anderen zeigen, aber gingen schließlich doch weiter. Neben einer großen, wunderschön gewachsenen, auf dem Boden liegender Nordmanntanne, stand ein kleines Mädchen.<br />
„Das ist unser!&#8221;, fuhr sie Mareike an, als diese den Baum aufrichten wollte. „Mein Papa holt nur das Auto und dann nehmen wir ihn mit!&#8221; Juliane machte eine klare Ansage. „Ist ja gut, ich will dir doch den Baum nicht wegnehmen!&#8221; entschuldigte sich Mareike, verwundert über die Konsequenz in der Stimme des Mädchens. „Mein Papa hat gesagt, ich soll darauf aufpassen, egal was passiert!&#8221; Juliane blickte Mareike keck an. „Wir haben nämlich keinen Baum und ohne Baum ist doch Weihnachten gar nicht schön! Hast du auch keinen Baum?&#8221; Neugierig beäugte Juliane Mareike. „Ja, wir haben auch keinen Baum!&#8221;, Mareike war eigentlich nicht dazu aufgelegt, diesem vorlauten kleinen Mädchen Rede und Antwort zu stehen. „Du passt weiter auf den Baum auf und ich suche mir einen neuen, o.k.?&#8221; bei diesen Worten trafen sich Julianes und Mareikes Augen. Ein Schauer lief über Mareikes Rücken. Diese Augen, sie hatte diese Augen schon einmal gesehen!<br />
Die letzten Monate liefen in Gedanken vor ihr ab, aber momentan konnte sie kein Gesicht mit diesen Augen in Verbindung bringen.</p>
<p>Während Mareike gedankenverloren nach einem passenden Weihnachtsbaum suchte, hatte ihr Vater bereits eine kleine Blautanne gefunden, die nicht viel Platz in seiner kleinen Wohnung beanspruchen würde. „Mareike, sieh&#8217; - der passt zu uns!&#8221;, rief er ihr zu. „Das ist aber ein kleines Bäumchen!&#8221;, Juliane mischte sich wieder ein. „Wir haben einen großen Baum!&#8221; „Schön für euch!&#8221; Mareike war genervt. „Lass uns den Baum bezahlen und endlich nach Hause fahren!&#8221; Jetzt hörten sich Mareikes Worte an wie die eines ungeduldigen, quengelnden Kindes.<br />
Herbert Kramer nahm den Baum, trug ihn zum Verkäufer, bezahlte und ließ ihn sich in ein Netz verpacken. Der Baum war so klein, dass er ihn bequem unter den Arm nehmen konnte.<br />
In der Zwischenzeit hatte sich Mareike ein wenig abseits gestellt um den Fragen des neugierigen kleinen Mädchens zu entgehen. Die Augen - an wen erinnerten sie? Mareike versank in Gedanken. Sie bemerkte nicht, dass das kleine Mädchen auf einen Mann zugelaufen war.</p>
<p>Doch plötzlich erschien es ihr, als ob der Boden unter ihren Füßen aus Watte bestand. Sie wollte einen Schritt vorwärts machen, aber die Beine versagten ihr den Dienst.<br />
‚Stefan!&#8217; - Der Mann war Stefan Haasler. - Dann musste das seine Tochter sein! Mareike fühlte sich wie betrunken - betrunken vor Glück. Ihr Herz klopfte und in diesem Moment wurde ihr klar, wie sehr sie ihn liebte, doch sie hielt sich abwartend zurück.<br />
„Die Tante da hatte auch keinen Baum und wollte unseren, aber nun hat sie einen kleinen Baum!&#8221; Julianes Worte überschlugen sich fast als sie ihrem Vater berichtete, was in seiner Abwesenheit passiert war.<br />
Stefan blickte auf die Frau, die im Halbdunkel des Tages ein wenig im Abseits stand.<br />
„Ma&#8230;. Mareike?&#8221; ungläubig starrte Stefan in ihre Richtung. „Mareike Kramer? - Du hier? Das kann doch nicht sein!&#8221;, Stefan Worte klangen zweifelnd. Er konnte es einfach nicht glauben.<br />
Herbert Kramer und Juliane standen sprachlos neben Mareike und Stefan, blickten von einem zum anderen. Langsam ging Stefan auf Mareike zu, ihre Augen versanken ineinander und ohne ein weiteres Wort, fielen sich beide in die Arme.<br />
„Papa, wer ist die Tante? -  Papa!&#8221; Julianes plärende Kinderstimme holte Mareike und Stefan wieder in die Realität zurück.</p>
<p>Nur zögerlich ließ Stefan Mareike aus seinen Armen frei. Er wandte sich zu Juliane und beugte sich zu ihr herab um ihr etwas ins Ohr zu flüstern. „Das ist Mareike - eine ganz, ganz liebe Freundin!&#8221; Mareike hatte nur Stefans letzte Worte verstanden, „&#8230;ganz liebe Freundin!&#8221; ‚So&#8217;, dachte sie, ‚ich bin also nur eine ganz liebe Freundin für dich!&#8217; Abrupt drehte sich sich zu ihrem Vater um und sagte unüberhörbar laut, „komm&#8217; lass uns nun endlich nach Hause fahren!&#8221; Herbert Kramer zögerte, „willst du Stefan nicht fragen, wo er wohnt!&#8221; „Nein!&#8221; kam es knapp von Mareike zurück.</p>
<p>Stefan blickte verwundert von Mareike zu ihrem Vater und wieder zurück. Er konnte sich die plötzliche Veränderung nicht erklären. „Mareike? Können wir uns treffen?&#8221;, fragte Stefan vorsichtig. „Ich glaube, wir haben uns viel zu erzählen!&#8221;<br />
„Ich weiß nicht&#8221;, antwortete Mareike kühl. „Eigentlich wollte ich die ganze Zeit mit meinem Vater verbringen - außerdem ist fast Weihnachten und da musst du dich sicher um deine Tochter kümmern&#8221;, bei diesen Worten fiel Mareikes Blick auf Juliane, die artig neben ihrem Vater stand, dessen Hand festhielt und mit gespannter Neugier dem Gespräch zwischen den Erwachsenen lauschte. Gern hätte sie in diesem Moment ihren Vater über die unbekannte Frau ausgefragt, aber ihr kindliches Gefühl sagte ihr, dass es wohl besser wäre, alle ihre Fragen auf später zu verschieben.</p>
<p>„Lass uns morgen bei ‚Gosch&#8217; im Lister Hafen treffen - sagen wir &#8230; 13 Uhr!&#8221;, Stefans Stimme klang bestimmt und Mareike fühlte, dass er kein ‚Nein&#8217; akzeptieren würde.<br />
„Gut, &#8230; dann bis morgen!&#8221;, Mareike griff den Arm ihres Vaters und zog diesen mitsamt des Weihnachtsbaumes, den er unter seinen Arm geklemmt hatte, zum Auto.</p>
<p>Stefan und Juliane standen stumm nebeneinander und blickten den beiden nach. Herbert Kramer drehte sich noch einmal kurz um und nickte Stefan ermunternd zu. Er wunderte sich auch über seine Tochter, wagte es aber im Moment nicht, ihr Verhalten zu hinterfragen.<br />
„Komm, Papa&#8221;, Juliane hatte ihre Stimme wiedergefunden. „Oma und Opa warten bestimmt schon auf uns. &#8230;Und die Tante..!&#8221; „Du meinst ‚Mareike!&#8221; ergänzte Stefan. „Ja, die kannst du ja morgen wieder sehen!&#8221;<br />
Juliane wollte zu ihren Großeltern und ihnen über dieses Treffen mit Mareike berichten. Doch Stefan musste ihre Gedanken gelesen haben. „Kein Wort zu Oma und Opa - versprochen?&#8221; Stefan blickte seine Tochter ernst an. „Versprochen, Papa!&#8221;,  erwiderte Juliane, aber Stefan konnte nicht sehen, dass hinter ihrem Rücken die kleinen Finger in den warmen Handschuhen gekreuzt  waren.</p>
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		<title>37. Vorbereitungen</title>
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		<pubDate>Mon, 11 May 2009 02:00:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>literatussis</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Der Roman]]></category>

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		<description><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ -->Herbert Kramer stand am Fenster seiner kleinen Wohnung in List auf Sylt. Er schaute hinaus in den klaren Dezembertag. Ein kalter Westwind hatte die Wolken vom Himmel gefegt. Strahlendes Blau schimmerte wie Seide über der Insel, die in diesen Tagen vor Weihnachten längst nicht so überlaufen war, wie während der Sommersaison. An den Stränden nutzten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ --><p>Herbert Kramer stand am Fenster seiner kleinen Wohnung in List auf Sylt. Er schaute hinaus in den klaren Dezembertag. Ein kalter Westwind hatte die Wolken vom Himmel gefegt. Strahlendes Blau schimmerte wie Seide über der Insel, die in diesen Tagen vor Weihnachten längst nicht so überlaufen war, wie während der Sommersaison. An den Stränden nutzten nur  wenige Touristen die momentane Beschaulichkeit der Insel, ließen die Seele baumeln, spürten wie der kalte Wind die salzhaltige Luft auf die Haut und auf die Lippen trug, wanderten durchs Watt oder durch die Dünen  und blickten bei tiefstehender Wintersonne auf die aufgewühlte Nordsee unendlich bis zum Horizont.</p>
<p>Herbert Kramer liebte die Insel, besonders an diesen ruhigen Tagen. Seinen täglichen Spaziergang, dick vermummt mit Mütze und Schal durch den feinen Sand der endlosen Dünen hatte er bereits hinter sich. In der klaren Luft konnte er ungestört seinen Gedanken nachhängen. Wie gern hätte er seine Frau an seiner Seite! Ein gemeinsamer Lebensabend war ihnen nicht vergönnt, aber hier, in der verletzlichen und wunderschönen Landschaft aus Sand, Himmel und Meer fühlte er sich ihr nahe - die Vision von Unendlichkeit war perfekt. Er redete mit ihr und es schien ihm häufig so, dass das Rauschen des Meeres ihre Antwort an sein Ohr trug. „Rüm Hart, klaar Kimming! - Weites Herz, klarer Horizont&#8221; so lautet der Wahlspruch alter seefahrender Nordfriesen und auch für Herbert Kramer gewann er mehr und mehr an Bedeutung.</p>
<p>Das Klingeln des Telefons unterbrach die Stille. „Kramer! &#8230; Mareike, wie schön! &#8230; Ja, sicher hole ich dich ab! &#8230;. Wann kommst Du nun? &#8230; „Übermorgen - 17 Uhr - Westerland Flughafen! &#8230;Ach, Mareike, Du glaubst nicht, wie ich mich freue! &#8230; Bis bald!&#8221;<br />
Trotz seines Alters freute sich Herbert Kramer wie ein kleines Kind. So, nun war es sicher: Dr. Stefan Haasler würde über die Weihnachtstage auf der Insel sein und seine Tochter ebenfalls. Es musste doch etwas zu machen sein, dass sich die Wege der beiden genau hier auf der Insel kreuzten. Es durfte aber keineswegs arrangiert aussehen - das würde beide  wieder verschrecken - da war sich Herbert Kramer sicher. Nein, alles müsste so zufällig wie nur möglich aussehen!<br />
Er wusste nicht, wo Stefan Haasler und seine Familie wohnen würden - er war abhängig davon, dass sich Stefan bei ihm melden würde, wenn er auf der Insel eingetroffen war. Also hieß es abwarten!<br />
Mit der Melodie von ‚Morgen Kinder, wird&#8217;s was geben!&#8217; auf den Lippen und voller Vorfreude machte sich Herbert Kramer an die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest.<br />
‚Ein Weihnachtsbaum muss her!&#8217;, stellte er fest.</p>
<p>&#8220;Guck mal, Papa -  auf fast allen Autos ist ein Weihnachtsbaum!&#8221;, stellte Juliane erstaunt fest, als der Wagen mit Stefan, den Großeltern und ihr auf den Parkplatz zur Autoverladung  in Niebüll einbog. „Kann das daran liegen, dass bald Weihnachten ist!&#8221;, antwortete Stefan gut gelaunt. Stefan blickte sich um. Erstaunlicherweise standen doch einige Autos auf dem Parkplatz und warteten darauf, dass der Autozug nach Westerland beladen wurde.<br />
„Sind wir denn jetzt bald da?&#8221; Juliane war ganz aufgeregt und ließ die Fensterscheibe des Autos  herunter. „Riech mal, Papa - das riecht hier ganz anders als bei uns in Hamburg&#8221; Auch Stefan ließ die Fensterscheibe der Fahrertür herunter. Er atmete ganz tief die frische Luft ein, schloss dabei die Augen und fühlte sich trotz der Autofahrt schon jetzt ganz entspannt.<br />
Ein lautes Signal aus den Lautsprechern teilte den wartenden Autofahrern mit, dass die Beladung des Autozuges in wenigen Minuten beginnen würde. Für Juliane, Stefan und ihre Großeltern waren dies aufregende Minuten, denn noch nie waren sie mit dem Autozug über den Hindenburgdamm nach Sylt gefahren. Alle vier betrachteten aus dem Auto heraus wie nacheinander die Autos herangewinkt wurden und mit Schritttempo auf den Autozug fuhren.<br />
„Hoffentlich dürfen wir nach oben!&#8221; Juliane vermutete, dass man von der oberen Ebene des Zuges die bessere Aussicht während der fünfunddreißig-minütigen Fahrt hätte. Und sie sollte Recht behalten. Der Bahnangestellte wies ihnen mit einem kurzen Winken an, nach oben auf den Autozug zu fahren.</p>
<p>Juliane wäre am liebsten aus dem Auto ausgestiegen, aber Stefan wies sie an, sitzenzubleiben.<br />
Mit einem leichten Ruck setzte sich der Zug in Bewegung. Ein paar Minuten zogen die Häuser Niebülls an ihnen vorbei. An den Schranken standen warm angezogene Menschen und winkten dem vorbeifahrenden Zug zu. Als der Zug auf den Hindenburgdamm fuhr lag rechts und links von ihnen das durch die untergehende Sonne in ein glänzendes Licht getauchte Wattenmeer. „Papa, schau mal - die vielen Möwen!&#8221; Julianes Augen entdeckten immer mehr von der Natur des unberührten Wattenmeers. „Aber hier gibt es ja gar keine Wellen!&#8221; enttäuscht blickte Juliane abwechselnd von ihrem Vater zu ihrem Großvater. „Ihr habt mir doch Wellen versprochen!&#8221; Stefan lachte und auch Alexander schaute schmunzelnd zu seiner Enkelin. „Du musst noch ein bisschen Geduld haben&#8221;, vertröstete Stefan seine Tochter.</p>
<p>Der Zug erreichte den Bahnhof von Westerland. Stefan fuhr den Wagen vom Zug und bog auf die Straße nach List ein. Weder seine Eltern noch Juliane wussten, wo sie die nächsten Tage wohnen würden, Stefan hatte nichts verraten. Die Fahrt führte sie vorbei an schmucken Friesenhäusern mit Reetdächern, die sich in  die hügelige Dünenlandschaft kuschelten, um sich gegen den kalten Westwind zu schützen; vorbei am noblen Kampen, das selbst zu dieser Zeit elegant und fein wirkte; vorbei an den beiden ursprünglich belassenen Wanderdünen des List-Lands - von den Inselbewohnern auch liebevoll „Lister Sahara&#8221; genannt - kurz vor dem nördlichsten Ort Deutschlands: List auf Sylt. Kurz hinter dem Ortseingangsschild bog Stefan rechts ab. „Mannemorsumtal! - Das klingt lustig!&#8221; Juliane hatte das Straßenschild laut vorgelesen. Stefan fuhr auf einen Parkplatz direkt vor ein reetgedecktes Haus auf einer Düne.</p>
<p>„Angekommen&#8221; Stefan streckte sich in seinem Sitz. „Wir sind da! Aussteigen!&#8221; - „Ist das schön hier!&#8221; Ruth Haasler nahm Juliane an die Hand, während ihr Mann Alexander seinem Sohn auf die Schulter klopfte. „Schön ausgesucht! Hier werden wir uns richtig wohlfühlen!&#8221;<br />
„Papa!&#8221; „Ja, mein Schatz!&#8221; „Papa! Uns fehlt aber etwas ganz Wichtiges!&#8221; die Stimme von Juliane klang betrübt. „Was denn?&#8221; „Wir haben KEINEN Weihnachtsbaum!&#8221;</p>
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		<title>36. Überraschung</title>
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		<pubDate>Mon, 04 May 2009 02:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>literatussis</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Der Roman]]></category>

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		<description><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ -->Juliane kniete auf dem Stuhl und schaute aus dem Wohnzimmerfenster ihrer Großeltern. Es war ein grauer, regnerischer Dezembertag. Dicke Regentropfen klatschten an die Fensterscheibe.
„Wann kommt Papa denn endlich?&#8221;, Juliane wartete in der Vorweihnachtszeit immer ungeduldig auf ihren Vater. Stefan hatte täglich eine kleine Überraschung für seine Tochter in der Tasche, um ihr die Wartezeit auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ --><p>Juliane kniete auf dem Stuhl und schaute aus dem Wohnzimmerfenster ihrer Großeltern. Es war ein grauer, regnerischer Dezembertag. Dicke Regentropfen klatschten an die Fensterscheibe.<br />
„Wann kommt Papa denn endlich?&#8221;, Juliane wartete in der Vorweihnachtszeit immer ungeduldig auf ihren Vater. Stefan hatte täglich eine kleine Überraschung für seine Tochter in der Tasche, um ihr die Wartezeit auf den Heiligen Abend zu verkürzen. Er konnte sich selbst nicht genug um seine Tochter kümmern, das ließ sein verantwortungsvoller Beruf nicht zu, aber er war froh, dass seine Eltern nach dem Tod seiner Frau fürsorglich die Betreuung von Juliane übernommen hatten. Juliane liebte ihre Großeltern, manchmal aber betrachtete sie traurig das Bild ihrer Mutter, das neben ihrem Bett stand. Wenn Stefan das sah, fuhr ein scharfer Stich in sein Herz.<br />
„Ich kann sein Auto immer noch nicht sehen! - Oma, wann kommt Papa?&#8221; Juliane wurde immer ungeduldiger. Sie schien zu spüren, das es heute ein besonderer Abend werden würde.<br />
Ruth Haasler strich ihr über die Haare und lächelte. Julianes Aufregung und Ungeduld erinnerte sie an ihren Sohn Stefan, der als Kind genauso ungeduldig auf Weihnachten und seine Geschenke wartete.</p>
<p>Es war ein unglückliches Schicksal, dass Stefan seine Ehefrau schon so früh verloren hatte. Sie hätte ihrem Sohn eine glückliche Familie so sehr gewünscht und konnte ihn gut verstehen, dass er sich noch nicht wieder auf eine neue Beziehung eingelassen hatte. Doch ewig konnte es nicht so weiter gehen! Sie und ihr Mann Alexander würden auch nicht jünger werden. Noch fühlten sie, dass sie den Ansprüchen, die Juliane an ihre Geduld und Aufmerksamkeit stellte, gerecht wurden. Aber wie lange noch? Es wurde Zeit, dass sich jemand jüngeres um die Erziehung Julianes kümmern sollte und sie sich auf ihre Großelternpflichten beschränken konnten.<br />
Alexander Haasler saß im Schaukelstuhl und las. Ab und zu hob er seinen Blick und betrachtete seine Frau und seine Enkelin. Sein Blick traf den seiner Frau und er erriet sofort ihre Gedanken. „Du kannst es nicht erzwingen!&#8221; mahnte er mit tiefer, freundlich klingender Stimme. „Es wird sich alles fügen!&#8221; setzte er hinzu.</p>
<p>Es hupte vor dem Haus. „Papa kommt!&#8221; Juliane lief zur Tür und öffnete diese. Stefan verschloss den Wagen und lief mit schnellen Schritten zur Haustür, schüttelte sich einmal und fing seine Tochter,die ihm entgegen gehüpft war, gerade noch auf.<br />
„Was hast Du heute mitgebracht? - Ist es da drin?&#8221; Juliane konnte ihre Neugier kaum bremsen und griff nach Stefans Aktenkoffer. „Jetzt mach&#8217; schon, Papa!&#8221; Stefan zog sich, mit einem Lächeln auf dem Gesicht, ganz in Ruhe den Mantel aus, begrüßte seine Mutter und seinen Vater und setzte sich an den Esstisch.<br />
„Was gibt&#8217;s denn heute zu Essen? Ich habe Hunger! - Juliane, bitte deck&#8217; den Tisch!&#8221; Stefan ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Papa - Mensch, du hast doch sonst immer etwas dabei! Hast du mich etwa vergessen?&#8221; Julianes Worte klangen enttäuscht. Sie rutschte auf Stefans Schoß und schlang die Arme um seinen Hals.</p>
<p>Ruth und Alexander Haasler betrachteten ihren Sohn und ihre Enkelin in dieser liebevollen Vertrautheit mit einem warmen Gefühl ums Herz.<br />
Stefan nahm Julians Hand und schob diese in seine Jackettasche. Juliane zog einen Umschlag heraus. „Was ist das Papa?&#8221;, wollte sie wissen. „Tja, Stefan, nun rück&#8217; mal mit der Sache raus!&#8221; unterstützte sie ihr Großvater.<br />
„Lest doch selbst! - Ich möchte jetzt essen!&#8221;, erklärte Stefan beiläufig, fast unbeteiligt.<br />
Ruth nahm ihrer Enkelin den Umschlag aus der Hand und öffnete ihn. Sie las, was auf einer Karte stand: „Draußen ist es kalt und der Wind stürmt. Drinnen aber ist es wohlig und gemütlich. Punsch bei Kerzenschein genießen. Romantik und Entspannung pur! Unvergessene Weihnachtstage und ein unvergleichlicher Jahreswechsel auf Deutschlands schönster Insel!&#8221;<br />
„Oma, nun sag&#8217; schon - was hat uns Papa mitgebracht?&#8221; Juliane konnte ihre Neugier kaum bremsen.<br />
„Wir fahren in den Urlaub - auf die Insel Sylt!&#8221; Man sah es Ruth Haasler an, dass sie sich freute.<br />
„Was heißt wir?&#8221; wollte Juliane wissen. „Wir&#8230; wir alle??&#8221;, fragend blickte sie auf ihren Vater. „Du kommst auch mit?&#8221;, fügte sie ungläubig hinzu und als Stefan nickte, drückte sie ihn ganz fest.<br />
„Das ist die schönste Weihnachtsüberraschung, die du mir je gemacht hast, Papa!&#8221; jubelte Juliane und auch Stefans Eltern strahlten vor Freude.<br />
„Wann?&#8221;, wollte Juliane jetzt noch wissen. „Übermorgen! - und jetzt essen wir endlich, sonst bin ich verhungert, bevor wir in den Urlaub fahren können!&#8221; Stefan fühlte sich sehr wohl, er hatte die richtige Entscheidung getroffen.</p>
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		<title>35. Entscheidungen</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 02:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>literatussis</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Der Roman]]></category>

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		<description><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ -->Mareike hatte keine Ahnung davon, dass ihr Vater und Stefan gelegentlich telefonierten.  Ihr  Vater hatte den jungen Arzt ins Herz geschlossen und nicht vergessen, wie rührend er sich um ihn und Mareike nach dem plötzlichen Tod seiner Frau gekümmert hatte.
Er hätte Stefan gern als seinen Schwiegersohn gesehen, aber er wollte seiner Tochter keine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ --><p>Mareike hatte keine Ahnung davon, dass ihr Vater und Stefan gelegentlich telefonierten.  Ihr  Vater hatte den jungen Arzt ins Herz geschlossen und nicht vergessen, wie rührend er sich um ihn und Mareike nach dem plötzlichen Tod seiner Frau gekümmert hatte.<br />
Er hätte Stefan gern als seinen Schwiegersohn gesehen, aber er wollte seiner Tochter keine Steine in den Weg legen, als sie Deutschland wenige Wochen nach der Beerdigung wieder verließ, um ihr Leben weiterhin auf Teneriffa zu verbringen.<br />
Es war einsam für den alten Mann geworden, nachdem seine Frau ihn allein gelassen hatte.<br />
Trotz seiner Bekannten auf Sylt und seiner reizenden Nachbarn fühlte er sich sehr alleine.<br />
Er unternahm lange Spaziergänge und nicht selten stand er am Meer und fixierte einen Punkt in der unendlichen Ferne. So manches Mal kam ein Stoßgebet über seine Lippen. ‚Lieber Gott, wenn du mich holen willst, ich bin bereit. Ich würde gern wieder bei meiner Frau sein.&#8217;</p>
<p>Als das Telefon klingelte, sah er verwundert auf die Uhr. Wer ruft ihn denn jetzt noch an? Als er vernahm, wer sich am anderen Ende der Leitung meldete, huschte ein Lächeln über sein Gesicht. „Ja, das freut mich von ganzem Herzen&#8230;&#8230;..  Du wirst mich doch mit Deiner Familie sicher besuchen kommen? &#8230;&#8230;melde Dich, wenn Ihr auf der Insel seid&#8230;&#8230;.&#8221;</p>
<p>Er legte den Hörer auf, goss sich einen Kognak in einen Schwenker  und setzte sich in seinen Sessel. Sein Gehirn begann fieberhaft zu arbeiten. Jeder Schritt wollte genauestens überlegt werden. Wann würde er je wieder die Gelegenheit bekommen, Schicksal zu spielen, wenn nicht jetzt?<br />
Am Tag zuvor hatte Mareike ihren Vater angerufen und ihm mitgeteilt, dass sie einige Tage Urlaub nähme  und Weihnachten und Silvester mit ihm auf Sylt verbringen würde. Und nun rief Stefan an und wollte die Feiertage ebenfalls mit seiner Familie auf der Insel verbringen. Welch eine Fügung.</p>
<p>Mareike fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken, Michael erklären zu müssen, dass sie über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel nicht arbeiten würde und sich sogar mit dem Gedanken beschäftigte, Teneriffa für immer zu verlassen. Ihrem Vater hatte sie telefonisch schon mitgeteilt, dass sie zu ihm auf die Insel kommen wollte. Sie hatte auch die leise Freude in seiner Stimme bemerkt, als er das Telefongespräch mit seinem gewohnten „bis bald!&#8221; beendete.<br />
Jetzt stand ihr allerdings noch bevor, ihre Pläne Michael zu unterbreiten. Sie wusste, dass sich Michael im Stillen Hoffnungen gemacht hatte, die Festtage nach deutscher Tradition mit ihr zu verbringen. Diese Hoffnungen würde sie nun enttäuschen müssen.</p>
<p>Vorsichtig klopfte sie an die Tür mit der Aufschrift ‚&#8217;dirección&#8217;. Michaels kräftiges „Si!&#8221; erschreckte Mareike ein wenig und so antwortete sie mit „¡Perdonen las molestias!&#8221; auf Spanisch!<br />
Michael saß an seinem Schreibtisch und las konzentriert im &#8220;EL DIA&#8221;. Nur kurz hob er seinen Blick und wies mit der Hand auf den Sessel, der vor seinem Schreibtisch stand. Mareike ging ohne einen weiteren Gruß zum Sessel, setzte sich und atmete laut hörbar einmal kräftig durch. Sie wusste, in welchen Artikel Michael so vertieft war.<br />
„Ich muss mit Dir reden!&#8221;, Mareike bemühte sich, die Worte neutral klingen zu lassen um Michael nicht zu zeigen, dass sie innerlich sehr berührt war.<br />
„Du? - Ich dachte&#8230;.&#8221;, Michaels Kopf fuhr hoch. Er legte die Zeitung beiseite und erhob sich, um Mareike mit einer Umarmung zu begrüßen, doch er zögerte, da Mareike beide Hände abwehrend erhoben hatte.</p>
<p>„Gut! Was gibt es?&#8221;, Michaels Worte waren kurz und knapp.<br />
„Ich möchte nach Deutschland fliegen. Über die Weihnachtstage und Silvester!&#8221; Jetzt war es raus und Mareike fühlte sich erheblich erleichtert.<br />
„Ich dachte, wir könnten die Feiertage gemeinsam verbringen. Du bist allein!&#8221; Sein Blick deutete auf die Zeitung, „ich bin allein!&#8221; Er zuckte mit den Achseln, „oder ist es dir mit mir zu langweilig?&#8221; Mareike spürte den ironischen Unterton in Michaels Worten und fühlte, wie er seine Hand auf ihre Schulter legte.<br />
„Nein, Michael, nicht! Lass das! Ich dachte, es wäre auch dir klar, dass zwischen uns nie mehr als gute Freundschaft sein wird.&#8221; Michael zog seine Hand zurück.<br />
„Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich hier auf Teneriffa bleiben möchte. Zu viel ist geschehen!&#8221; Mareikes Worte klangen ernst.<br />
„Und ich soll dich so einfach gehen lassen? Was aus mir wird, ist dir wohl egal?&#8221; Michael setzte sich vor Mareike auf den Schreibtisch.<br />
Mareike war klar, dass er  jetzt auf ihr Mitleid abzielte. Es ging ihr schon nahe, doch sie musste nun hart bleiben.<br />
„Ich fliege in den nächsten Tagen. Der Flug ist bereits gebucht! Im neuen Jahr werde ich dich wissen lassen, wie es weitergeht. Bitte versuche nicht, mich umzustimmen!&#8221; mit diesen Worten erhob sich Mareike aus dem Sessel und wollte an Michael vorbei zur Tür gehen. Doch Michael griff Mareikes Arm und hielt sie fest. Mit sanften Druck zog er sie an sich und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.<br />
„Wenn es mir auch sehr schwer fällt, du kannst gehen! Ich werde dich nicht aufhalten! Es würde uns nichts bringen!&#8221; Große Enttäuschung klang in seinen Worten mit.<br />
„Geh - aber bitte geh schnell!&#8221;, fügte er hinzu.<br />
„Auf Wiedersehen, Michael!&#8221; Mareike wagte es nicht, ihm gute Wünsche für die Feiertage auszusprechen, sie hätten in seinen Ohren mit Sicherheit wie Hohn geklungen.<br />
„Leb wohl!&#8221; Michael hatte sich inzwischen wieder an seinen Schreibtisch gesetzt und in die Zeitung vertieft.  Mareike konnte die Träne, die über sein Gesicht rann, nicht mehr sehen. Sie zog die Tür des Büros leise hinter sich ins Schloss und atmete tief durch.<br />
Ein ruhiges Weihnachtsfest mit ihrem Vater lag vor ihr und ein neues Jahr, das ihr neue Wege aufzeigen würde.</p>
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		<title>34. Weihnachtspläne</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Apr 2009 02:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>literatussis</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Der Roman]]></category>

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		<description><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ -->Es war kurz vor Weihnachten. Sie hätte das Fest gern bei ihrem Vater auf Sylt verbracht, der zum ersten Mal ganz alleine war. In dieser Jahreszeit blühte der Tourismus auf der Insel auf. Wer Zeit und Geld hatte, entfloh dem grauen, kalten deutschen Winter, um sich in der Sonne Teneriffas  zu erholen. Obwohl sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ --><p>Es war kurz vor Weihnachten. Sie hätte das Fest gern bei ihrem Vater auf Sylt verbracht, der zum ersten Mal ganz alleine war. In dieser Jahreszeit blühte der Tourismus auf der Insel auf. Wer Zeit und Geld hatte, entfloh dem grauen, kalten deutschen Winter, um sich in der Sonne Teneriffas  zu erholen. Obwohl sie große Bedenken hatte, über die Feiertage Urlaub zu bekommen, wollte sie mit Michael gleich morgen darüber sprechen.</p>
<p>Stefan schloss die Tür des Chefarztzimmers, lehnte sich an die Wand rechts von der Tür und atmete tief durch. Obwohl er sich in den letzten Tagen sicher war, nichts Negatives befürchten zu müssen, hatte ihn der Exitus während der Operation sehr belastet.</p>
<p>Die Obduktion und einige weitere Untersuchungen waren abgeschlossen und die Unterredung mit dem Chefarzt hatte auch den geringsten  Zweifel ausgeräumt. Stefan traf keinerlei Schuld. Das schriftliche, mehrseitige Untersuchungsergebnis bestätigte, dass der Patient infolge eines Aneurysmas der Hirngefäße gestorben war. Das war eine Gefahrenquelle im Gehirn, von der niemand was geahnt hatte, der Patient möglicherweise auch nicht.<br />
Der Leichnam wurde nun zur Überführung nach Teneriffa freigegeben.</p>
<p>Stefan konnte nichts an Victors Tod ändern. Offen blieb jedoch die Frage, was es mit dem Brief auf sich hatte, den Victor ihm hinterlassen hatte. Der Brief hatte irgend etwas mit Mareike zu tun. Mareike - bei diesem Gedanken wurde ihm warm ums Herz, und der Gedanke, mit dem er sich seit ihrer Abreise auseinandergesetzt hatte, ihr zu folgen oder sie ganz und gar zu vergessen, bohrte sich wieder wie ein Kopfschmerz in sein Gehirn.</p>
<p>Stefan wusste, dass er noch einige freie Tage beanspruchen konnte. Nach allen Aufregungen, Befragungen und Gesprächen der letzten Tage wäre ein Tapetenwechsel genau das Richtige. Weihnachten stand vor der Tür und was sprach dagegen, seine Tochter und seine Eltern ins Auto zu packen und über die Weihnachtsfeiertage einen ruhigen Familienurlaub zu verbringen. Für seine Eltern wäre das schon mal ein schönes Weihnachtsgeschenk über das sie sich bestimmt sehr freuen würden, denn sie wussten um die knappe Zeit ihres Sohnes. Für seine Tochter wären gemeinsame Tage mit Vater und Großeltern sicherlich das Größte. Stefan war sich sicher. Mit einem Familienurlaub über die Feiertage würde er allen eine große Freude bereiten. Und für sich selbst beschloss er, endlich einmal seine Gedanken zu ordnen und eine Lebensperspektive abzustecken. Doch wohin sollte es gehen? Kurzfristig etwas zu buchen würde sicherlich nicht einfach werden. Ins Ausland wollte er für diese kurze Zeit nicht. Er sehnte sich nach Ruhe und Gemütlichkeit. Er wollte am Kamin sitzen, mit seiner Tochter spazieren gehen, einfach das Winterwetter genießen. Auf seinem Heimweg am späten Nachmittag fuhr Stefan in die Innenstadt um einige Besorgungen zu machen. Mit vielen Tüten beladen führte ihn sein Weg auch an einem Reisebüro vorbei. Sein Blick fiel auf die Angebote im Schaufenster. ‚Sie suchen das Besondere? - Weihnachten und Silvester auf Deutschlands schönster Insel - Sylt!&#8217; ‚Ja!&#8217;, schoss es Stefan durch den Kopf. Er betrat das Reisebüro. „Ich möchte gerne Sylt buchen!&#8221; Stefan war sich absolut sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.</p>
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		<title>33. Unerwartete Entwicklungen</title>
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		<comments>http://literatussis.com/blogs/roman/2009/04/13/33-unerwartete-entwicklungen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2009 02:00:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>literatussis</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Der Roman]]></category>

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		<description><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ -->Mareike blieb stehen und stützte die Hand in ihre rechte Seite.  Sie hatte sich nicht ausreichend aufgewärmt, bevor sie an diesem frühen Morgen ihre Joggingschuhe angezogen und los gelaufen war.
Die Luft war kühl und schmeckte salzig. Es versprach, ein herrlicher Tag zu werden.
Mareike genoss es, früh am Morgen fast alleine am Strand zu sein. Hin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ --><p>Mareike blieb stehen und stützte die Hand in ihre rechte Seite.  Sie hatte sich nicht ausreichend aufgewärmt, bevor sie an diesem frühen Morgen ihre Joggingschuhe angezogen und los gelaufen war.<br />
Die Luft war kühl und schmeckte salzig. Es versprach, ein herrlicher Tag zu werden.<br />
Mareike genoss es, früh am Morgen fast alleine am Strand zu sein. Hin und wieder begegnete ihr ein weiterer Jogger, man erhob kurz die Hand zu einem sportlichen Gruß und lief weiter.<br />
Sie versuchte, den Kopf frei zu bekommen, aber es wollte ihr nicht gelingen. Stefan  hatte sich wie ein Virus  in ihre Gedankenwelt eingenistet.</p>
<p>Sie war seit vier Wochen wieder auf der Insel, aber eine Unruhe hatte sie von Anfang an befallen, die sie nicht mehr los werden konnte.  Carlo hatte sich zurück gezogen, aber sie traute diesem Frieden nicht. Nachdem sie eine Woche lang im Hotel geschlafen hatte, war sie in ihre Wohnung zurück gekehrt. Aber auch dort fühlte sie sich nicht wohl.</p>
<p>Ihre letzte Begegnung mit Stefan hing ihr nach. Wie konnte sie ihm vorschlagen, so mir nichts, dir nichts mit ihr auf die Insel zu kommen? Hätte sie vorher von Andrea und Juliane gewusst, hätte sie ihm den Vorschlag nicht gemacht.</p>
<p>Er hatte ihr versprochen, darüber nachzudenken und seinen nächsten Urlaub auf Teneriffa zu verbringen, aber wann? Sie hatte ihn nicht angerufen, um ihn nicht zu bedrängen. Lange würde sie das aber nicht mehr aushalten, selbst wenn sie so viel laufen würde, dass sie einen Marathon bestreiten könnte.</p>
<p>Vielleicht hatte er sie  auch schon vergessen, sich so in seine Arbeit gestürzt, so wie er auch den Tod seiner Frau durch Arbeit kompensieren wollte.</p>
<p>Als sie unter der Dusche stand und das lauwarme Wasser auf ihrer schweissnassen Haut fühlte,  spürte sie eine Sehnsucht, die ihr körperlich fast weh tat.</p>
<p>Das Telefon, das ungeduldig in ihrem Wohnzimmer klingelte, überhörte sie.</p>
<p>Mareike hatte frei und überlegte bei einem ausgiebigen Frühstück auf der Terrasse, wie sie den Tag verbringen würde. Das quietenschende Gartentor kündigte einen unangemeldeten Besucher an. &#8220;Hola, hast du noch einen Kaffee für mich?&#8221; Fernando setzte sich Mareike gegenüber und schaute sie erwartungsvoll an.</p>
<p>&#8220;Was ist los mit dir, Mareike? Du wirkst in letzter Zeit so angespannt. Hast du Probleme?&#8221; Mareike kannte Fernando lange genug und wusste, dass sie ihm vertrauen konnte. Sie überlegte einen kurzen Moment, dann sah sie Fernando offen in die Augen. &#8220;Ja, das Problem ist dein Bruder Carlo. Ich habe Angst vor ihm. Ich weiß nicht, ob er akzeptiert hat, dass es zwischen uns vorbei ist. Erst hat er mich bedroht und sich aufgeführt wie ein Geisteskranker und nun ist er wie vom Erdboden verschwunden. Das alles kommt mir unheimlich vor.&#8221;<br />
Fernendo schwieg und räusperte sich, bevor er antwortete. &#8220;Carlo ist zur Zeit in einer Klinik in Barcelona, du brauchst keine Angst zu haben, er kommt vorläufig nicht zurück.&#8221; &#8220;Was macht er da?&#8221; fragte Mareike, sichtlich erleichtert.<br />
&#8220;Carlo ist mein Halbbruder, trotzdem habe ich ihn immer wie einen richtigen Bruder gesehen. In der Familie seines Vaters gibt es eine Erbkrankheit, eine Krankheit, die nach und nach die Gehirnzellen absterben lässt. Wir wissen das seit langem, aber wir haben selten darüber gesprochen, bis Carlos Verhalten in den letzten Monaten immer seltsamer wurde. Er selbst hat sehr darunter gelitten, hatte immer mehr Aussetzer und hat die Kontrolle über sich zunehmend verloren. Vor wenigen Wochen hat sich eingehender untersuchen lassen. Diese Krankheit ist nicht heilbar, aber ihr Verlauf lässt sich durch Medikamente verlangsamen.&#8221;</p>
<p>Mareike schwieg. Eine Welle der Erleichterung durchflutete ihren Körper und ihr Innerstes erlebte eine Wandlung wie vom schwersten Sturm zur lauen Brise.<br />
&#8220;Das tut mir Leid&#8221;, mehr brachte sie nicht hervor und war sich nicht sicher, ob sie das wirklich meinte. Sie konnte plötzlich wieder tief durchatmen, das warme Sonnenlicht auf ihrer Seele spüren und ihre innere Ruhe ein wenig zurück gewinnen.<br />
&#8220;Seine Krankheit hat ihn nicht nur körperlich beeinträchtigt, sie hat ihn auch seelisch fertig gemacht. Ich habe ein paar Manuskripte gefunden, in denen er seinen Zustand zu beschreiben versucht hat. Es muss die Hölle für ihn gewesen sein. In diesen Phasen hat er Kontakte zu  Leuten geknüpft, mit denen er normalerweise nichts zu tun haben wollte.&#8221; Leise setzte Fernando hinzu &#8220;Ich glaube sogar, er ist in kriminelle Handlungen verstrickt.&#8221;</p>
<p>Mareike fröstelte plötzlich. Wie hatte sie sich von diesem gutaussehenden, interessanten Mann blenden lassen?<br />
Sie war immer der Meinung, eine recht gute Menschenkenntnis zu besitzen, aber von Martin hatte sie sich ins Bockshorn jagen lassen, für Julio war sie nur ein weiteres Abenteuer, Carlo war ein Irrer.<br />
Und Stefan? Zu ihm hatte sie sich hingezogen und bei ihm hatte sie sich geborgen gefühlt. Aber so lange Stefan seine Vergangenheit nicht hinter sich gelassen hatte, gab es für sie beide keine Chance.<br />
Die Nachricht, dass Carlo ausser Reichweite war und ihr nicht mehr  gefährlich werden konnte, erfüllte sie mit so einer Freude, dass sie Fernando zu einem festlichen  Abendessen einlud.</p>
<p>In den nächsten Tagen fühlte Mareike sich wie im siebenten Himmel. Jeglicher Druck war von ihr gefallen, ihre psychosomatischen Magenbeschwerden waren wie weg geblasen. Sie machte ihre Arbeit mit neuem Elan, ohne jedesmal ängstlich um sich zu schauen, wenn sie nach Feierabend nach Hause wollte.<br />
Carlo tat ihr zwar irgendwie Leid, aber das war nicht ihr Problem.<br />
Alles wird gut - dachte sie. Aber was sollte gut werden?</p>
<p>Sie lebte allein auf ihrer Lieblingsinsel Teneriffa, hatten eine erfüllende Arbeit, eine hübsche Wohnung, einige Freunde und Freundinnen, aber etwas Wesentliches fehlte ihr. Sie vermisste die Liebe und Nähe eines Partners, eines Mannes, mit dem sie eine Familie gründen und alt werden wollte. Sie wurde schließlich nicht jünger und ihre biologische Uhr begann, unüberhörbar immer lauter zu ticken.<br />
Sie musste sich immer mehr eingestehen, dass ihr Abschied von Deutschland eine Flucht war. Die Flucht vor Martin, dessen kalte Beziehungsfüße sie zur Weißglut getrieben hatten und ihr Job, der schon lange keine Herausforderung mehr war, sondern tagtäglicher Einheitsbrei.<br />
Da war die Sehnsucht nach &#8216;ihrer&#8217; Insel mit dem ewigem Frühling und die Aussicht, in ihrer hübsch eingerichteten Wohnung zur Ruhe zu kommen, ein Licht am Ende des Tunnels gewesen.</p>
<p>Aber konnte sie es hier auf Dauer wirklich aushalten? Zweifel keimte in ihr auf. War es das, was sie sich vom Leben erhoffte?<br />
„Stefan!&#8221; Sehnsuchtsvoll hauchte sie den Namen in die frische Morgenluft. Sofort fühlte sie sich von einem Gefühl der Geborgenheit umgeben. Mareike griff zum Telefon, drückte die Kurzwahltaste und wartete ungeduldig auf den Verbindungsaufbau. Die Verbindung war nicht sehr gut und Mareike musste sich alle Mühe geben, die Ansage der Mailbox zu verstehen.<br />
„Hallo Stefan - hier ist Mareike! Schade, dass ich Dich nicht erreiche. Ich hätte so gern mit Dir gesprochen! Aber dann melde ich mich später noch einmal! Bye!&#8221;<br />
Mit einem Gefühl der Enttäuschung klappte Mareike das Handy zu und warf es auf den Sessel. ‚Warum meldete sich Stefan nicht?&#8217;, sie dachte nach.  ‚Oh, vielleicht ist er im Krankenhaus und kann gar nicht ans Telefon!&#8217; Mit dieser Feststellung beruhigte sie sich erst einmal und griff zur Tageszeitung.</p>
<p>Ihr Blick fiel auf ein Bild und dessen Unterschrift. ‚Verhaftung geglückt!&#8217; - stand dort fettgedruckt unter einem Bild, auf dem sie Julio erkannte. Mareike ließ sich in den Sessel fallen und begann den Zeitungsartikel zu lesen.<br />
‚Gestern abend gelang der Polizei&#8230;.&#8217; Mareike sog die Zeilen förmlich in sich auf. Unglaublich, was sie las!<br />
&#8230;die Festnahme eines der meist gesuchten Betrüger der Insel. Seit längerer Zeit stand der Casinoangestellte J.R. in Verdacht, nach und nach Geld in Höhe von etwa 100.000 € im Casino unterschlagen zu haben. Bis gestern tappte die Polizei im Dunkeln, da die Vorwürfe gegen J.R. nicht eindeutig bewiesen werden konnten. Überraschenderweise meldete sich die von R. getrennt lebende Ehefrau C.R. aus Madrid und gab der Polizei einige Hinweise, wie J.R. das veruntreute Geld angelegt habe. Nach Aushebung seines Liebesnestes, eines luxuriösen Apartments  an der Punta Brava, legte J.R. ein umfassendes Geständnis ab. Er wurde sofort dem Haftrichter vorgeführt.&#8221;</p>
<p>Mareike saß in ihrem Sessel wie fest gewachsen. Sie ließ den &#8220;EL DIA&#8221; langsam sinken und schüttelte mehrmals ihren Kopf, als wolle sie ein lästiges Insekt vertreiben. Sie schalt sich innerlich, mit welchen Kerlen sie sich wieder einmal abgegeben hatte. Wie auch damals bei Martin, hatte sie sich wieder einmal von zweien dieser Gattung &#8220;Scheißkerl&#8221; blenden lassen. Charmant, gut aussehend, humorvoll und witzig, erotisch und leidenschaftlich, mit diesen Attributen hatten sie, Julio und Carlo, Mareike um den Finger gewickelt. Nach und nach hatte  sich die Farbe ihrer rosaroten Brille zwar geändert, aber viel zu spät war ihr die Realität bewusst geworden.</p>
<p>&#8216;Was soll&#8217;s&#8217;, dachte Mareike und erhob sich aus ihrem Sessel, &#8216;beide werden ihre gerechte Strafe bekommen&#8217;. Über der schneebedeckten Spitze des Pico del Teide zogen sich dunkle Wolken zusammen, ein Spiegelbild ihrer Gedanken und Gefühle.</p>
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		<title>32. Zwischen Leben und Tod</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 02:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>literatussis</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Der Roman]]></category>

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		<description><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ -->Viktors Kontakte reichten weit, so dass es ihn nur wenige Stunden gekostet hatte, Stefan in Hamburg ausfindig zu machen. Er heftete sich unauffällig an Stefans Fersen und binnen einer Woche hatte er dessen Leben durchschaut.
Er hatte sich in der Klinik umgehorcht und erfahren, dass Stefan ein angesehener Arzt war, der mehr Zeit bei seinen Patienten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Powered by Shantz WP Prefix Suffix. Tech Blog: http://tech.shantanugoel.com/ Secure Programming Blog: http://www.safercode.com/blog/ Blog: http://blog.shantanugoel.com/ --><p>Viktors Kontakte reichten weit, so dass es ihn nur wenige Stunden gekostet hatte, Stefan in Hamburg ausfindig zu machen. Er heftete sich unauffällig an Stefans Fersen und binnen einer Woche hatte er dessen Leben durchschaut.<br />
Er hatte sich in der Klinik umgehorcht und erfahren, dass Stefan ein angesehener Arzt war, der mehr Zeit bei seinen Patienten in der Klinik als sonst wo verbrachte. Auch dass Stefan Witwer war und regelmäßig das Grab seiner Frau besuchte, hatte er persönlich ausgespäht. Regelmäßig verbrachte Stefan Zeit mit seiner bildhübschen Tochter Juliane, die er schweren Herzens  nach mehreren Stunden wieder zu seinen Eltern brachte.</p>
<p>Falls Mareike etwas mit diesem jungen Arzt hatte, so bekam Viktor vollstes Verständnis dafür. Was wollte sie mit einem Ganoven wie Carlo, der zudem egoistisch, jähzornig und unberechenbar war? Mit Stefan und seiner bezaubernden Tochter konnte sie eine kleine glückliche Familie gründen.<br />
Viktor begann seinen Auftrag zu hassen. Es zog ihn in die Sonne und Wärme Teneriffas zurück. Seinem Auftraggeber konnte er guten Gewissens versichern, dass sich zwischen diesem Stefan und Mareike wohl nichts abspielte, dazu war der junge Arzt viel zu beschäftigt und hier fest verwurzelt. So legte es sich Viktor zurecht und buchte für den übernächsten Tag seinen Rückflug. Die Abende an der Hotelbar hatten seinem Leibesumfang nur geschadet, das unbequeme Bett seines Hotelzimmers stand mit seinen Bandscheiben auf Kriegsfuß und er fühlte sich in der großen pulsierenden Stadt nach wie vor fremd.</p>
<p>Mitten in der Nacht wachte Viktor auf. Schon wieder diese verdammten Schmerzen! Seit Tagen hatte er von Zeit zu Zeit heftige Unterleibskrämpfe, Brechreiz und Schweißausbrüche. Zu Hause wollte er sofort einen Arzt konsultieren. Aber in dieser Nacht litt er unter diesen Schmerzen so sehr, dass er die Feuerwehr rufen musste. Er dachte, sein letztes Stündlein hatte geschlagen.<br />
Der Krankenwagen brachte ihn mit Blaulicht und Martinshorn in die Klinik, und während er halb benommen auf der Trage in die Rettungsstelle gefahren wurde, vernahm er bruchstückhaft die Lautsprecherdurchsage &#8220;Dr. Haasler, bitte in die Notaufnahme - dringend - Dr. Haasler bitte in die Notaufnahme!&#8221;</p>
<p>Wenig später beugte sich ein vertrautes Gesicht über Viktor. &#8220;Was kann ich für Sie tun?&#8221; fragte eine angenehme, beruhigende Stimme. Viktor konnte vor Schmerzen nicht sprechen, sondern deutete mit der Hand stumm auf seinen Unterleib. Stefan hatte von den Sanitätern bereits die Verdachtsdiagnose ‚Blinddarm&#8217;  erhalten.<br />
Er beugte sich dichter über Viktor und eine gefährliche Schärfe lag in seiner Stimme, als er Viktor zuraunte. &#8220;So, lieber Freund, wenn ich nicht jetzt das Versprechen von Ihnen erhalte, mir zu erklären, warum Sie mich seit Tagen beschatten, vergesse ich meinen hippokratischen Eid und lasse sie hier elendig verrecken, wie eine stinkende Ratte, ist das klar?&#8221;<br />
Viktor riß die Augen auf, entsetzt von dem Gedanken, sich schon bald die Radieschen von unten ansehen zu müssen und flüsterte &#8220;Ich werde Ihnen alles erzählen, aber bitte helfen Sie mir.&#8221;<br />
Stefan nickte zufrieden und veranlasste alle notwenigen Maßnahmen zur Untersuchung und für eine Notoperation.<br />
Die Vorbereitungen zur Operation Viktors liefen in routinemäßiger Gelassenheit ab. Alle Beteiligten hatten eine solche Notoperation schon häufig genug durchgeführt, nur Viktor fühlte eine unangenehme Spannung - einerseits durch seine immer stärker werdenden Schmerzen und die Nervosität vor dem bevorstehenden Eingriff, auf der anderen Seite belastete ihn die Drohung Stefans. Er war ihm in seiner momentanen Situation völlig ausgeliefert.<br />
&#8220;Schwester?&#8221;, rief er ziemlich kleinlaut in den kalten, hell erleuchteten Raum der Notaufnahme. &#8220;Ja, es geht ja gleich los - wir müssen erst die Messer wetzen!&#8221;, kam es unwirsch und mit - für Viktor sehr gewöhnungsbedürftigen Humor - barsch zurück.<br />
Die Schwester war an den Untersuchungstisch getreten. &#8220;Was kann ich noch für Sie tun?&#8221;, ihre Stimme klang jetzt ein wenig verbindlicher. &#8220;Ich brauche ein Blatt Papier und einen Umschlag, bitte!&#8221;</p>
<p>&#8220;So schlimm ist es nun auch nicht, dass Sie gleich ihren letzten Wunsch aufschreiben müssen&#8221;, Schwester Anke hatte kein besonderes Gefühl für die richtigen Worte zur richtigen Zeit. &#8220;Unser Doktor wird das schon hin kriegen - darauf können Sie sich verlassen!&#8221; Daran zweifelte Viktor in keinster Weise, nur mit welchem Ausgang für ihn - das stellte er in Frage.<br />
Wenig später brachte ihm Schwester Anke das Papier nebst Stift und Umschlag, half Viktor fürsorglich, sich aufzurichten und stützte seinen Rücken während Viktor schnell ein paar Worte auf das Papier kritzelte, das Blatt faltete und in den Umschlag steckte.<br />
&#8220;Bitte geben Sie diesen Brief Dr. Haasler!&#8221; und mit einem bittenden Blick hielt Viktor den Umschlag Schwester Anke vor die Nase. Sie griff ihn, nickte und steckte ihn in ihre Kitteltasche.</p>
<p>In diesem Moment war der Anästhesist an den Untersuchungstisch getreten. &#8220;Dann wollen wir mal versuchen, Sie von den Schmerzen zu befreien! Sie werden jetzt für ein paar Stunden tief und fest schlafen. Wir werden auch nicht zuhören, was Sie uns alles im Schlaf zu erzählen haben!&#8221; Viktor stand kalter Schweiß auf der Stirn. Seit Stefans Drohung hatten alle Äußerungen einen doppelten Sinn. Er spürte, wie eine Kanüle in die Vene der Hand gestochen wurde und nur wenige Sekunden später wurde er von Dunkelheit umgeben.<br />
Stefan wusch sich die Hände mit steriler Lösung, trocknete sie und ließ sich von einer Schwester die Op-Handschuhe über die Hände streifen. Er versuchte sich auf die bevorstehende Operation zu konzentrieren. Dieser Eingriff war nichts Besonderes für ihn. Blinddarmoperationen standen fast täglich auf dem Plan, auch in einer solchen Notfallsituation lief die übliche Routine ab.</p>
<p>Doch heute war es anders! Stefan schossen seine Worte durch den Kopf, die er Viktor während der Untersuchung zugeflüstert hatte. &#8216;Wie unüberlegt!&#8217;, Stefan kannte zwar vom Krankenblatt einige Daten von Viktor, jedoch konnte er keine Verbindung zu seiner eigenen Person herstellen. Ihm war klar, dass er keineswegs seinen hippokratischen Eid verletzen würde. Hier war ein Mensch, der Hilfe benötigte, egal was und wer er war.<br />
Stefan schloss die Augen - konzentriert ging er in Gedanken die einzelnen Schritte der Operation durch. Dann trat er an den OP-Tisch, atmete einmal tief durch und streckte seine rechte Hand aus, in die ihm sofort von seiner Assistentin ein Skalpell gelegt wurde.<br />
Er richtete seinen Blick auf das Operationsfeld und setzte das Skalpell mit leichtem Druck auf die Haut der rechten Seite von Viktors Unterbauch. Mit sicherer Hand zog er den Schnitt und durchtrennte die oberste Hautschicht. Danach führte er nach und nach Schnitte durch Fettgewebe und Muskelschichten bis er den Bauchraum eröffnen konnte. Im Operationssaal herrschte absolute Ruhe, die nur durch das Piepsen der Kontrollmonitore unterbrochen wurde.<br />
&#8220;Ach du Mist!&#8221;, entfuhr es Stefan laut als er in den geöffneten Bauchraum blickte und als er zu seiner Assistentin blickte, sah er das Entsetzen auch in ihren Augen.<br />
Stefan konzentrierte sich wieder auf die Operation. Schweiß stand auf seiner Stirn, der von der Assistenzärztin vorsichtig abgetupft wurde.<br />
Viktors Bauchraum war mit eitriger Flüssigkeit gefüllt - offensichtlich war der Blinddarm bereits durchgebrochen. Nun hieß es für Stefan schnell und sorgfältig handeln, um eine Entzündung des Bauchfells und weitere Komplikationen zu vermeiden. Mit nun wieder sicherer Hand führte Stefan alle notwendigen Maßnahmen durch. Dabei hatte er nicht bemerkt, dass mehr Zeit vergangen war als für eine normale Operation angesetzt wurde. Ein flüchtiger Blick auf den Kontrollmonitor zeigte ihm, dass der Blutdruck langsam aber stetig sank und sich die Plusfrequenz erhöht hatte.<br />
Stefan legte seine Stirn in Falten und blickte in die Augen seiner Assistentin. Sie nickte ihm aufmunternd zu - es musste gutgehen, sonst hätte er ein Problem. Die kurz vor der Operation ausgesprochene Drohung schoss ihm wieder durch den Kopf. Außer Viktor hatte sicherlich kein anderer diese geflüsterten Worte gehört - sicher war sich Stefan allerdings nicht.<br />
In diesem Moment wurde die absolute Stille im Operationssaal durch einen lauten Signalton unterbrochen. Das gesamte Operationsteam starrte auf den Kontrollmonitor und konnte sehen, wie sich die Frequenz der Herztöne Viktors langsam zu einer geraden Linie formte.<br />
&#8220;Reanimation - schnell&#8221;, Stefan schrie die Worte in die angespannte Stille und begann sofort mit der Herzmassage. Verzweifelt drückte er rhythmisch auf Viktors Brustkorb, während seine Assistentin eine Sauerstoffmaske über Viktors Gesicht gelegt hatte. Selbst in dieser dramatischen Situation liefen alle notwendigen Maßnahmen ruhig und überlegt ab.</p>
<p>Minute um Minute verging - der alarmierende Signalton war nicht verstummt.<br />
Vorsichtig berührte die Op-Schwester Stefan am Arm. &#8220;Dr. Haasler - es ist vorbei! Bitte! Geben Sie auf!&#8221;<br />
Stefan nahm sie nicht wahr. Wieder und wieder drückte er auf Viktors Brustbein&#8230;Nein, noch nie war ihm ein Patient auf dem Tisch gestorben! Das konnte er nicht zulassen!<br />
&#8220;Exitus!&#8221; Alle Vitalfunktionen Viktors waren erloschen!</p>
<p>Stefan saß an seinem Schreibtisch im Arztzimmer. Er hatte seinen Kopf in die Hände gestützt und seine Augen geschlossen. In Gedanken ging er nochmals den Verlauf der Operation durch. Er konnte es nicht begreifen, warum der Patient so unvermutet unter seinen Händen verstorben war. Zweifel quälten ihn - was hatte er falsch gemacht? Er fühlte einen beklemmenden Druck - wieder und wieder hörte er seine ausgesprochene Drohung an Viktor. Das hatte er doch nicht gewollt - er hatte sich aus Wut zu diesen Worten hinreißen lassen. Nie im Leben hätte er einem Patienten die Hilfe verweigert - das ließ schon seine Berufseinstellung nicht zu: &#8220;Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen &#8230;&#8221; - im Moment straften ihn diese Worte Lügen!<br />
Das leise Klopfen an der Tür registrierte Stefan nicht. Ebenso wenig bemerkte er, dass die diensthabende Oberschwester leise die Tür geöffnet hatte und in das Zimmer getreten war. Sie räusperte sich leise - &#8220;Dr. Haasler?&#8221; - Stefan schreckte aus seinen Gedanken hoch. &#8220;Der Exitus von eben hat einen Brief hinterlassen, den ich Ihnen geben soll!&#8221; Aus ihren Worten war deutlich die Distanz zu den Ereignissen hier im Krankenhaus zu bemerken, die sich in ihrer jahrelangen Tätigkeit aufgebaut hatte.</p>
<p>Sie reichte Stefan den Umschlag und verließ mit einem leisen Gruß wieder das Zimmer.<br />
Stefan hielt den Brief in den Händen, er zögerte ihn zu öffnen. Warum hatte ihm Viktor, dessen Namen er gerade mal seit einigen Stunden kannte, diesen Brief hinterlassen. Seit Tagen fühlte er sich von diesem Mann verfolgt und nun hatte das Schicksal sein Leben unter seinen Händen beendet.<br />
Voller Anspannung griff Stefan zum Brieföffner. Dabei fiel sein Blick auf das Foto seiner Frau. &#8220;Hilf mir!&#8221;, flehte er stumm. Sie lächelte ihm zu - ihre Augen strahlten ihn an. Auch nach ihrem Tod fühlte Stefan ihre Anwesenheit - häufig sprach er mit ihr und fühlte sich befreit, wenn er Sorgen, Kummer und auch erfreuliche Ereignisse mit ihr im Monolog klären konnte.<br />
Mit ruhiger Hand öffnete Stefan den Brief und faltete den Briefbogen auseinander. Er atmete tief durch und begann die Zeilen, die Viktor vor der Operation hastig und unter Schmerzen aufgeschrieben hatte, zu lesen.</p>
<p>Stefans Augen glitten über die Zeilen. Sorgfältig erfasste er Wort für Wort, zwischendurch schüttelte er seinen Kopf oder strich sich über die Stirn. Obwohl er den Brief mehrmals las, konnte er dessen Sinn und Zusammenhang nicht begreifen. Alles was er verstand war, dass es in einen Zusammenhang mit Mareike und seinem Aufenthalt auf Teneriffa stehen musste. Er lehnte sich in seinem Sessel zurück und schloss die Augen. ‚Mareike&#8217; - er versuchte sich ihr Bild in seine Erinnerung zurückzurufen. Das Bild, das aber vor seinem geistigen Auge auftauchte, war das Bild seiner verstorbenen Frau und er versank in seinen Gedanken&#8230;.</p>
<p>Stefan war sich der Zeit nicht bewusst, die er gedankenverloren an seinem Schreibtisch gesessen hatte. Auf jeden Fall hatte er nicht bemerkt, dass Chefarzt Dr. Glasbrenner in das Zimmer getreten war und ihn durch seine Brille beobachtete. Das Räuspern Dr. Glasbrenners holte ihn in die Wirklichkeit zurück. „Dr. Haasler!&#8221;, er holte tief Luft, „ich dachte, Sie würden gar nicht mehr wach werden!&#8221; Stefan setzte sich aufrecht in seinen Sessel, fuhr sich einmal mit beiden Händen durch die Haare und murmelte ein etwas verlegenes „Entschuldigung!&#8221; „Sind Sie aufnahmebereit?&#8221;, fragte der Chefarzt streng und zog seine linke Augenbraue nach oben. Stefan nickte wortlos. „Es wird eine Untersuchung geben!&#8221; &#8230;. „Sie sind vorerst vom Dienst befreit!&#8221; Die knappen Informationen erreichten Stefan nur oberflächlich. Erst als Dr. Glasbrenner grußlos das Zimmer verlassen hatte, wurde Stefan die Tragweite seiner Worte bewusst. Man würde eine Untersuchung einleiten, die Presse würde mit Sicherheit darüber berichten und er würde sich in allen Punkten rechtfertigen müssen. Schnell faltete er den Brief wieder zusammen und steckte ihn in seine Hosentasche. Stefan erhob sich, zog seinen Kittel aus, hängte diesen an den Haken, griff das Bild seiner Frau und das seiner Tochter. Vorsichtig legte er beide Bilder in seinen Aktenkoffer und klappte diesen energisch zu. Sein Blick schweifte noch einmal durch sein Arztzimmer, dann ging er zur Tür. Als er das Krankenhaus verlassen hatte, atmete er mit einem tiefen Seufzer die frische Luft ein. Sein Blick richtete sich gegen den Himmel, an dem dunkle Wolken aufzogen.</p>
<p>Nach einem langen Spaziergang hatte sich Stefans Gemüt wieder etwas beruhigt. In seinem Inneren hatte er die Gewißheit, dass er alles richtig gemacht hatte. Dass der Fremde trotzdem gestorben war, mußte andere Ursachen haben, Vorerkrankungen, die zu entdecken in der Kürze der Zeit unmöglich waren. Die Obduktion des Patienten würde klären, was die genaue Todesursache war. Und das blieb abzuwarten.</p>
<p>Was Stefan auf der Seele lag, waren seine eigenen Worte, die er unüberlegt vor der Operation ausgesprochen hatte. Er hatte den Fremden wahrgenommen, ihn urplötzlich auftauchen sehen, gemerkt, wie er ihm hinterher gefahren war. Er war noch nie von jemandem verfolgt worden, das kannte er nur aus Krimis.<br />
Der Fremde hatte ihn nervös gemacht. Nicht, dass Stefan Angst um sein Leben gehabt hätte, seine Sorge galt seiner kleinen Tochter. Öfter als sonst rief er bei seinen Eltern an, um sich zu erkundigen, ob es Juliane gut ging.<br />
Nachts verfolgten ihn Träume, Juliane in der Hand von Entführern, die ein hohes Lösegeld verlangten und seine Tochter  doch umbrachten&#8230; Juliane misshandelt und missbraucht&#8230; Seine verstorbene Frau, die ihn mit Juliane wortlos verlassen hatte&#8230;.<br />
Nur aus diesem Druck heraus konnte sich Stefan seine Worte zu dem Fremden vor der Operation erklären.<br />
Nun war der Fremde tot, die unmittelbare Gefahr gebannt. Aber da war der Brief, mit dem er nichts anzufangen wusste, der Brief, der mit einer Frau zu tun hatte, die er liebte, der er aber nicht nach Teneriffa folgen konnte, da die Schatten der Vergangenheit ihn bisher nicht los gelassen hatten.</p>
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