<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" version="2.0"><channel><description></description><title>mrwsch</title><generator>Tumblr (3.0; @mrwsch)</generator><link>http://mrwsch.tumblr.com/</link><item><title>App: der, die, das. Wieso, weshalb, warum.</title><description>&lt;p&gt;Ich liebe die deutsche Sprache. Ja, das klingt übertrieben und dick aufgetragen. Ist es auch. Trotzdem. Ich kann es nicht ertragen, wenn die Sprache falsch angewandt wird. Viele Mitmenschen haben offenbar ein Problem mit bestimmten Artikeln. Besonders dann, wenn diese zu Begriffen gehören, die aus dem Englischen stammen. Der derzeit beliebteste Fehler: &amp;ldquo;das App&amp;rdquo;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mittlerweile wurden über zehn Milliarden Apps über Apples Server vertrieben. Und trotzdem ist sich auch Apple Deutschland nicht sicher, welcher Artikel angebracht wäre. Denn auf der deutschen Website wird konsequent der Plural &amp;ldquo;die Apps&amp;rdquo; benutzt. Gesucht wird allerdings der bestimmte Artikel des Wortes App im Singular. Zum Glück gibt es einen Weg, diesen zu bestimmen. Mithilfe eines dreistufigen Modells können fremdsprachigen Begriffen, die im Deutschen genutzt werden sollen, die bestimmten Artikel zugeordnet werden. Vorweg: &lt;em&gt;App&lt;/em&gt; ist in allen erdenklichen Bereichen ein Sonder- und somit Problemfall. Es wird also kompliziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Stufe 1&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der ersten Stufe sucht der geneigte Germanist nach dem bestimmten Artikel in der Herkunftssprache. Im Englischen gibt es nur einen einzigen bestimmten Artikel, das &lt;em&gt;the&lt;/em&gt;. Im Deutschen sind es dagegen drei (bekanntlich &lt;em&gt;der&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;die&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;das&lt;/em&gt;). Daher kann sich kein passender Vergleich ergeben. Eine Sackgasse also.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Stufe 2 &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Wörterbuch in der Herkunftssprache wird aufgeschlagen und nach dem Genus, also dem grammatikalischen Geschlecht des Begriffs, durchsucht. Genera sind in im Deutschen an den Artikeln erkennbar. Der, die und das stehen dabei für &lt;em&gt;Maskulinum&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;Femininum&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Neutrum&lt;/em&gt;. Jetzt wird es kleinkariert, also bitte langsam lesen. Im Englischen gibt es keine Genera. Stattdessen werden nur die biologischen Geschlechter unterschieden. Der grammatikalische Fachbegriff dazu ist Sexus. Man kennt &lt;em&gt;männlich&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;weiblich&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;sachlich&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genera und Sexus, das ist doch das gleiche. Nein! Ein passendes Beispiel ist das Wort Tisch. Im Deutschen sagt man &lt;em&gt;der Tisch&lt;/em&gt; und nicht &lt;em&gt;das Tisch&lt;/em&gt;. Klänge doch bescheuert. Das Genus ist also Maskulinum, obwohl der Sexus natürlich sachlich ist. Noch auffälliger ist das beim Wort Mädchen. Es besteht also keine Übereinstimmung zwischen grammatikalischem und biologischem Geschlecht. Konkret bedeutet diese Erkenntnis, dass dem Wort App aufgrund der „biologischen Sachlichkeit“ nicht einfach der Artikel &lt;em&gt;das&lt;/em&gt; zugeteilt werden kann. Wäre ja auch zu schön. Die ebenso veraltete wie plumpe Ansicht, Anglizismen seien immer Neutrum, ist daher falsch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Stufe 3&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erfolgreich verwirrt? Noch mal lesen. Für alle, die mitgekommen sind – es geht weiter. In Stufe 3 wird fremdsprachigen Substantiven das Genus eines bedeutungsähnlichen deutschen Wortes zugeteilt. Da die beiden ersten Stufen für das Englische nie funktionieren können, gibt es für die dritte Stufe viele Beispiele. Dazu gehören bekannte Anglizismen wie &lt;em&gt;das Baby&lt;/em&gt; (das Kind), &lt;em&gt;der Bob &lt;/em&gt;(der Schlitten) oder &lt;em&gt;die Story&lt;/em&gt; (die Geschichte).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jetzt braucht‘s also nur noch ein bedeutungsähnliches Wort zu App aus dem Deutschen. App ist eine Abkürzung des englischen Begriffs &lt;em&gt;application&lt;/em&gt;. Leider gibt es dazu nicht eine einheitliche Übersetzung, sondern mehrere. Die geläufigsten sind &lt;em&gt;Programm&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;Anwendung&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Applikation&lt;/em&gt;. Es scheint, dass beim Wort App der Artikel tatsächlich variabel sei. Glücklicherweise gibt es jedoch eine weitere Besonderheit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Semantik und Bedeutungsentlehnungen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Werden die drei Übersetzungen untersucht, fällt eines auf. Sie alle werden nicht bloß als Übersetzung zu &lt;em&gt;application&lt;/em&gt; benutzt, sondern haben bereits heimische Bedeutungsebenen. Ein Programm ist ein geregelter Ablauf, eine Anwendung der Gebrauch eines Verfahrens und eine Applikation ein dekorativ angefügter Gegenstand. Die Übersetzungen Programm und Anwendung ergeben an dieser Stelle noch einen inhaltlichen Sinn. Schließlich funktionieren Apps (technisch betrachtet) durch geregelte Abläufe und den Gebrauch von festgelegten Verfahren. Aber Applikation? Was haben dekorative Gegenstände und Apps gemeinsam? Nichts. Dass sie trotzdem denselben semantischen Wert besitzen, hat einen anderen Grund.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Applikation&lt;/em&gt; hat eine Bedeutungsentlehnung aus dem Englischen erfahren. Da die Wörter ähnlich klingen und fast gleich geschrieben werden, ist der semantische Wert des englischen Wortes in die deutsche Sprache gewandert. Das liegt am engen sprachlichen Kontakt. Da die sprachliche Annäherung des Deutschen und Englischen noch im Gange ist, ist das deutsche Wort &lt;em&gt;Applikation&lt;/em&gt; mit der semantisch übereinstimmenden Bedeutung zu &lt;em&gt;application&lt;/em&gt; derzeit ein Neologismus, also ein Neuwort. Die Bedeutung des englischen &lt;em&gt;application&lt;/em&gt; stimmt aus diesem Grund zu einhundert Prozent mit dem deutschen Wort &lt;em&gt;Applikation&lt;/em&gt; überein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Komposita&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das macht einen von mehreren Unterschieden zu &lt;em&gt;Programm&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Anwendung&lt;/em&gt; aus. Diese Begriffe stehen zudem in ihrer semantischen Ähnlichkeit zu &lt;em&gt;application&lt;/em&gt; (historisch betrachtet) nicht alleine. Zu Beginn der Computerära wurde der inhaltliche Zusammenhang nämlich mithilfe von Zusätzen wie &lt;em&gt;EDV&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Computer&lt;/em&gt; verdeutlicht. &lt;em&gt;EDV-Anwendung&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Computerprogramm&lt;/em&gt; sind Begriffe, die die Bedeutung klar machten. Diese zusammengesetzten Substantive, in der Grammatik Komposita genannt, werden jedoch in der Alltagssprache nicht mehr benutzt. Der Einfachheit halber beschränkt man sich auf das jeweilige Hauptwort. Da der Neologismus Applikation in der beschriebenen Bedeutung ohne den grammatikalischen Trick der Komposition auskommt, erhält er als Substantiv eine höhere und gewichtigere Bedeutung. Daher ist &lt;em&gt;Applikation&lt;/em&gt; der bedeutungsähnlichste Begriff zu &lt;em&gt;application&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Erkenntnis&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wort Applikation hat das Genus Femininum. Gemäß Stufe 3 übertragen wir dieses nun auf App. Zur Erinnerung: Das ändert nichts am Sexus. Der ist und bleibt sachlich. Nur ist das Genus von &lt;em&gt;App&lt;/em&gt; nun Femininum. Und somit haben wir bewiesen, dass der richtige Artikel &lt;em&gt;die&lt;/em&gt; ist. Korrekt heißt es also (Trommelwirbel einfügen) &lt;em&gt;die App&lt;/em&gt;. Herzlichen Glückwunsch.&lt;/p&gt;</description><link>http://mrwsch.tumblr.com/post/2991888246</link><guid>http://mrwsch.tumblr.com/post/2991888246</guid><pubDate>Sun, 30 Jan 2011 15:06:00 +0100</pubDate></item></channel></rss>
