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	<title>neueswort.de - Täglich ein Fremdwort</title>
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	<description>Auf neueswort.de stellen wir täglich ein Fremdwort samt seiner Herkunft, Bedeutung und Beispielsätzen vor.</description>
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	<title>Jeden Tag ein Fremdwort – neueswort</title>
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	<item>
		<title>habituell</title>
		<link>https://neueswort.de/habituell/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Aug 2026 12:55:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Adjektiv habituell bedeutet &#8222;gewohnheitsmäßig&#8220;, &#8222;ständig&#8220; oder &#8222;zur Gewohnheit geworden&#8220;. Wer etwas habituell tut, tut es nicht einmalig und nicht aus einer Laune heraus. Gemeint ist ein Verhalten, das sich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Adjektiv <strong>habituell</strong> bedeutet &#8222;gewohnheitsmäßig&#8220;, &#8222;ständig&#8220; oder &#8222;zur Gewohnheit geworden&#8220;.</p>
<p>Wer etwas <strong>habituell</strong> tut, tut es nicht einmalig und nicht aus einer Laune heraus. Gemeint ist ein Verhalten, das sich so oft wiederholt hat, dass es fest zur Person gehört und kaum noch bewusst gesteuert wird.</p>
<p>Das Wort gehört der gehobenen Bildungssprache an und steht meist vor einem Substantiv, etwa in &#8222;habituelle Kritik&#8220; oder &#8222;eine habituelle Reaktionsweise&#8220;.</p>
<p>In der <strong>Psychologie</strong> ist die Bedeutung etwas enger gefasst. Dort meint <strong>habituell</strong>, was zum Charakter eines Menschen gehört und sein Verhalten dauerhaft prägt. Eine habituelle Zurückhaltung ist demnach kein Zustand des Augenblicks, sondern ein stabiles Muster.</p>
<p>Auch die <strong>Medizin</strong> nutzt das Wort, dort im Sinne von &#8222;immer wiederkehrend&#8220;. Von einer habituellen Luxation spricht man, wenn ein Gelenk wiederholt aus seiner Pfanne springt; von habituellen Aborten, wenn es mehrfach hintereinander zu einer Fehlgeburt kommt.</p>
<h2>Abgrenzung</h2>
<p>Am nächsten steht <a href="https://neueswort.de/notorisch/">notorisch</a>. Beide Wörter beschreiben eine feste Gewohnheit, doch <strong>habituell</strong> bleibt sachlich, während notorisch fast immer einen Vorwurf mitträgt. Ein notorischer Zuspätkommer ist dafür berüchtigt; eine habituelle Unpünktlichkeit wird lediglich festgestellt.</p>
<p><a href="https://neueswort.de/repetitiv/">Repetitiv</a> zielt dagegen auf den Vorgang selbst: Eine repetitive Tätigkeit besteht aus immer gleichen Wiederholungen, ganz gleich, wer sie ausführt. <strong>Habituell</strong> sagt etwas über die Person aus, nicht über den Ablauf.</p>
<p>Von chronisch unterscheidet sich das Wort in der Medizin durch den Zeitverlauf. Chronisch heißt &#8222;lang andauernd&#8220;, habituell dagegen &#8222;in Abständen immer wiederkehrend&#8220;.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort kam über das Französische ins Deutsche. Zugrunde liegt <em>habituel</em> (gewohnheitsmäßig, üblich), das auf mittellateinisch <em>habitualis</em> zurückgeht. Dieses gehört zu lateinisch <em>habitus</em> (Haltung, äußere Erscheinung, Beschaffenheit, Gewohnheit), einer Bildung zum Verb <em>habere</em> (haben, halten).</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [habituˈɛl]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Ihr Zögern vor jeder Entscheidung war <strong>habituell</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Ärztin erklärte, dass sich eine <strong>habituelle</strong> Luxation der Schulter operativ stabilisieren lässt.</p></blockquote>
<blockquote><p>In manchen Familien ist der Sonntagsspaziergang so <strong>habituell</strong>, dass niemand mehr über ihn spricht.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Trainerin arbeitete geduldig daran, die <strong>habituelle</strong> Fehlhaltung ihrer Schützlinge zu korrigieren.</p></blockquote>
<blockquote><p>Höflichkeit war bei ihm nichts Aufgesetztes, sie war über die Jahre <strong>habituell</strong> geworden.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>paritätisch</title>
		<link>https://neueswort.de/paritaetisch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Aug 2026 17:29:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Adjektiv paritätisch bedeutet &#8222;gleichgestellt&#8220;, &#8222;gleichrangig&#8220; oder &#8222;zu gleichen Teilen&#8220;. Das Wort beschreibt ein Verhältnis, in dem alle beteiligten Seiten gleich stark vertreten sind. Meist geht es um zwei Gruppen, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Adjektiv <strong>paritätisch</strong> bedeutet &#8222;gleichgestellt&#8220;, &#8222;gleichrangig&#8220; oder &#8222;zu gleichen Teilen&#8220;.</p>
<p>Das Wort beschreibt ein Verhältnis, in dem alle beteiligten Seiten gleich stark vertreten sind. Meist geht es um zwei Gruppen, etwa die Arbeitgeber und die Beschäftigten. Es können aber auch drei oder mehr sein.</p>
<p><strong>Beispiel:</strong> Ein <strong>paritätisch</strong> besetzter Ausschuss gibt jeder Seite gleich viele Sitze und damit gleiches Gewicht.</p>
<p>Man findet das Wort vor allem in Politik, Recht und Wirtschaft. Es ist bildungssprachlich und klingt nüchtern und förmlich.</p>
<h2>Abgrenzung</h2>
<p>Das Wort ist eng verwandt mit <em>gleichberechtigt</em>, sagt aber mehr. Wer gleichberechtigt ist, hat dieselben Rechte, muss aber nicht in gleicher Zahl vertreten sein. <strong>Paritätisch</strong> verlangt darüber hinaus, dass beide Seiten zahlenmäßig gleich auftreten.</p>
<p>Auch von <em>proportional</em> unterscheidet sich das Wort deutlich. Eine proportionale Verteilung richtet sich nach der Größe der Gruppen. Eine paritätische Verteilung ignoriert diese Größe und gibt jeder Seite gleich viel.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort geht auf das Substantiv <strong>Parität</strong> zurück. Dieses wurde im 17. Jahrhundert aus dem Spätlateinischen entlehnt und beruht auf <em>paritas</em> (Gleichheit), einer Bildung zu <em>par</em> (gleich, gleichkommend). Das Adjektiv <strong>paritätisch</strong> ist seit dem 18. Jahrhundert belegt.</p>
<p>Am Anfang meinte das Wort etwas ganz Bestimmtes: das ausgewogene Verhältnis der christlichen Konfessionen und die gleichen Rechte ihrer Anhänger. Nach dem Dreißigjährigen Krieg schrieb der Westfälische Friede von 1648 diese Parität für einige Reichsstädte fest, darunter Augsburg. Dort mussten alle öffentlichen Ämter gleichmäßig auf die katholische und die evangelische Seite verteilt werden. Jeder Ratssitz und jeder Ausschuss war doppelt besetzt, einmal für jede Seite.</p>
<p>Später löste sich das Wort von diesem religiösen Ursprung. Heute denkt man bei <strong>paritätisch</strong> vor allem an die gleiche Besetzung von Gremien, an die Mitbestimmung im Betrieb und an die gleiche Vertretung von Frauen und Männern.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [paʁiˈtɛːtɪʃ]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Die Vorsitzende bestand darauf, dass der neue Ausschuss <strong>paritätisch</strong> besetzt wird.</p></blockquote>
<blockquote><p>In der Aktiengesellschaft sind die Kapitalseite und die Belegschaft <strong>paritätisch</strong> im Aufsichtsrat vertreten.</p></blockquote>
<blockquote><p>Nach der Trennung teilten sich beide Elternteile die Betreuung der Kinder <strong>paritätisch</strong> auf.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Kosten für den neuen Aufzug tragen die Eigentümerin und ihr Mieter <strong>paritätisch</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Partei möchte ihre Wahllisten künftig <strong>paritätisch</strong> mit Frauen und Männern besetzen.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Implikation</title>
		<link>https://neueswort.de/implikation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[ak]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Aug 2026 15:38:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[A Noch nicht im Newsletter verschickt]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[I]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Implikation (die) bezeichnet &#8222;etwas, das in einer Aussage mitgemeint ist, ohne ausdrücklich gesagt zu werden&#8220;. Häufig steht das Wort im Plural. Die Implikationen einer Entscheidung, einer Aussage oder [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Implikation</strong> (die) bezeichnet &#8222;etwas, das in einer Aussage mitgemeint ist, ohne ausdrücklich gesagt zu werden&#8220;.</p>
<p>Häufig steht das Wort im Plural. Die <strong>Implikationen</strong> einer Entscheidung, einer Aussage oder einer Theorie sind die Folgen und Voraussetzungen, die sie mit sich bringt, ohne dass man sie eigens nennt.</p>
<p>Der Ausdruck ist bildungssprachlich. Man findet ihn vor allem in Texten aus Wissenschaft, Politik und Kultur. Dort bezeichnet er das, was eine Sache nach sich zieht oder stillschweigend voraussetzt.</p>
<p>In <strong>Logik und Mathematik</strong> hat <strong>Implikation</strong> eine engere, fachsprachliche Bedeutung. Gemeint ist die Verknüpfung zweier Aussagen nach dem Muster &#8222;wenn …, dann …&#8220;. Sie besagt, dass aus der ersten Aussage die zweite folgt.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort geht auf das lateinische <em>plicare</em> (falten, zusammenfalten) zurück. Daraus entstand <em>implicare</em> (hineinwickeln, verwickeln, verflechten) und weiter das Substantiv <em>implicatio</em> (Verwicklung, Verflechtung). Seit dem 16. Jahrhundert ist es im Deutschen belegt.</p>
<p>Im Bild gesprochen ist eine Implikation etwas Eingefaltetes. Sie steckt in einer Aussage, ohne ausgebreitet zu sein. Wer sie erkennt, faltet gleichsam auseinander, was zusammengelegt war.</p>
<p>Darin liegt der Gegensatz zu <a href="https://neueswort.de/explizit/">explizit</a>. Dieses Wort stammt vom lateinischen <em>explicare</em> (ausbreiten, entfalten, erläutern), gebildet aus derselben Wurzel <em>plicare</em>. Was <strong>implizit</strong> bleibt, ist eingefaltet und mitgemeint. Was <em>explizit</em> wird, ist ausgefaltet und ausgesprochen. Auch <em>kompliziert</em>, wörtlich &#8222;zusammengefaltet&#8220;, gehört zu dieser Wortfamilie.</p>
<p>Im Deutschen stehen daneben das Verb <a href="https://neueswort.de/implizieren/">implizieren</a> (mit einschließen, einbeziehen) und das Adjektiv <a href="https://neueswort.de/implizit/">implizit</a> (mit enthalten).</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ˌɪmplikaˈt͡si̯oːn]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Bevor der Vorstand zustimmte, ließ die Finanzchefin sämtliche <strong>Implikationen</strong> der Übernahme genau durchrechnen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Kollege sagte es nicht offen, doch die <strong>Implikation</strong> seiner Bemerkung war unmissverständlich.</p></blockquote>
<blockquote><p>In der formalen Logik gilt eine <strong>Implikation</strong> nur dann als falsch, wenn die Voraussetzung zutrifft, die Folge aber nicht.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Wissenschaftlerin diskutierte die ethischen <strong>Implikationen</strong> ihrer Forschung offen mit dem Publikum.</p></blockquote>
<blockquote><p>Erst im Nachhinein erkannte der Bürgermeister, welche <strong>Implikationen</strong> der Beschluss für den Haushalt der Stadt hatte.</p></blockquote>
<blockquote><p>&#8222;Das würde vermutlich einigen hoch verschuldeten Ländern in der Eurozone zu schaffen machen, was wiederum tiefgreifende politische <strong>Implikationen</strong> hätte&#8220;, prophezeite Sewing.<br />
<a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-christian-sewing-warnt-vor-wirtschaftlichen-schocks-a-1225493.html">Spiegel online, Stefan Kaiser, &#8222;Deutsche-Bank-Chef warnt vor wirtschaftlichen Schocks durch politischen Nationalismus&#8220;, 29.08.2019</a></p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>intersubjektiv</title>
		<link>https://neueswort.de/intersubjektiv/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2026 01:23:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Newsletter]]></category>
		<category><![CDATA[I]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Adjektiv intersubjektiv bedeutet &#8222;mehreren Personen gemeinsam&#8220;, &#8222;für verschiedene Betrachter gleichermaßen zugänglich&#8220;. Gemeint ist etwas, das nicht allein auf dem Standpunkt einer einzelnen Person beruht. Mehrere Menschen können es in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Adjektiv <strong>intersubjektiv</strong> bedeutet &#8222;mehreren Personen gemeinsam&#8220;, &#8222;für verschiedene Betrachter gleichermaßen zugänglich&#8220;.</p>
<p>Gemeint ist etwas, das nicht allein auf dem Standpunkt einer einzelnen Person beruht. Mehrere Menschen können es in gleicher Weise wahrnehmen, nachvollziehen oder beurteilen. Das Wort markiert damit eine Zwischenstufe zwischen dem rein Persönlichen und dem, was unabhängig vom Menschen gilt.</p>
<p>Zu Hause ist es vor allem in Philosophie, Wissenschaft und Sozialforschung. Dort steht es oft in festen Verbindungen, etwa intersubjektiv nachprüfbar, intersubjektiv nachvollziehbar oder intersubjektiv gültig. Der Ton ist gehoben und fachsprachlich.</p>
<p>Ein feiner Unterschied ist wichtig: intersubjektiv heißt nicht wahr. Dass mehrere Personen zu demselben Urteil kommen, macht dieses Urteil nachvollziehbar und teilbar, aber nicht automatisch richtig.</p>
<h2>Abgrenzung</h2>
<p>Am deutlichsten wird die Bedeutung im Vergleich mit zwei verwandten Wörtern.</p>
<ul>
<li><strong><a href="https://neueswort.de/subjektiv/">Subjektiv</a> </strong>ist, was nur für eine einzelne Person gilt und von ihrem Empfinden abhängt.</li>
<li><strong>Objektiv</strong> ist, was unabhängig von jedem Betrachter besteht.</li>
<li><strong>Intersubjektiv</strong> liegt dazwischen: Es ist mehreren Personen gemeinsam, ohne schon den Anspruch auf betrachterunabhängige Geltung zu erheben.</li>
</ul>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Sprachlich ist <strong>intersubjektiv</strong> eine junge Bildung. Es verbindet die lateinische Vorsilbe <em>inter</em> (zwischen) mit dem Adjektiv subjektiv, das auf lateinisch <em>subiectivus</em> (zum Subjekt gehörig) zurückgeht.</p>
<p>Seine schärfste Kontur gewann das Wort in der Wissenschaftstheorie. Ein völlig standpunktfreier Zugang zur Welt gilt dort als unerreichbar. An seine Stelle tritt die Forderung, dass Ergebnisse intersubjektiv nachprüfbar sein müssen: Verschiedene Personen sollen unter gleichen Bedingungen zu denselben Beobachtungen kommen können. Karl Popper machte diesen Gedanken in seiner &#8222;Logik der Forschung&#8220; zum Kern wissenschaftlicher Objektivität.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Hörbeispiel:</strong> <audio id="hoerbeispiel">
  <source src="https://neueswort.de/audio/ogg/intersubjektiv.ogg" type="audio/ogg">
  <source src="https://neueswort.de/audio/mp3/intersubjektiv.mp3" type="audio/mpeg">
</audio>
<a style="cursor: pointer;" onclick="document.getElementById('hoerbeispiel').play(); ga('send','event','Hörbeispiel','Hörbeispiel anhören','Aussprachebutton');"><img decoding="async" style="width:22px;vertical-align: -4px;" width="22" height="20" src="https://neueswort.de/wp-content/plugins/neueswort-hoerbeispiel/lautsprecher.svg" alt="Lautsprechersymbol"/> Aussprache anhören</a><br />
<strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ˌɪntɐzʊpjɛkˈtiːf]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Ein Befund zählt in der Forschung erst dann, wenn er <strong>intersubjektiv</strong> nachprüfbar ist und sich von anderen wiederholen lässt.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Philosophin fragte, ob sich moralische Urteile überhaupt <strong>intersubjektiv</strong> begründen lassen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Dass der Saal viel zu kalt war, empfanden im Team alle gleich, dieses Urteil war also <strong>intersubjektiv</strong> und nicht bloß persönliche Empfindlichkeit.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Gutachterin muss zeigen, dass ihre Bewertung auf <strong>intersubjektiv</strong> überprüfbaren Kriterien beruht.</p></blockquote>
<blockquote><p>Sprache funktioniert nur, weil die Bedeutung der Wörter <strong>intersubjektiv</strong> geteilt wird.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
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			</item>
		<item>
		<title>insinuieren</title>
		<link>https://neueswort.de/insinuieren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Aug 2026 22:13:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[I]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Verb insinuieren bedeutet &#8222;unterstellen&#8220;, &#8222;indirekt behaupten&#8220; oder &#8222;andeuten&#8220;. Wer etwas insinuiert, stellt einen Vorwurf oder einen Verdacht in den Raum, ohne ihn offen auszusprechen. Die Aussage bleibt unterschwellig, und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Verb <strong>insinuieren</strong> bedeutet &#8222;unterstellen&#8220;, &#8222;indirekt behaupten&#8220; oder &#8222;andeuten&#8220;.</p>
<p>Wer etwas <strong>insinuiert</strong>, stellt einen Vorwurf oder einen Verdacht in den Raum, ohne ihn offen auszusprechen. Die Aussage bleibt unterschwellig, und das Gegenüber soll den eigentlichen Schluss selbst ziehen.</p>
<p>Das Wort ist gehoben und trägt fast immer einen leicht abwertenden Beiklang. Was <strong>insinuiert</strong> wird, gilt als unbelegt, unfair oder hinterhältig. Es ist also kein neutraler Hinweis, sondern eine verdeckte Anschuldigung.</p>
<h2>Abgrenzung</h2>
<p>Nah verwandt sind <em>andeuten</em>, <em>suggerieren</em> und <em>unterstellen</em>, doch die <a href="https://neueswort.de/nuance/">Nuancen</a> unterscheiden sich.</p>
<ul>
<li><em>Andeuten</em> ist neutral und kann völlig harmlos sein.</li>
<li><a href="https://neueswort.de/suggerieren/"><em>Suggerieren</em> </a>legt eine bestimmte Deutung nahe und zielt darauf, das Gegenüber zu beeinflussen.</li>
<li><em>Unterstellen</em> spricht den Vorwurf offener aus.</li>
</ul>
<p>Beim Insinuieren bleibt die Anschuldigung verdeckt und schwingt fast immer negativ mit.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort geht auf das lateinische <em>insinuare</em> (einflüstern, tief eindringen lassen) zurück und wurde im 16. Jahrhundert entlehnt. Zugrunde liegt <em>sinus</em> (Bausch, Busen, das Innerste). Das ursprüngliche Bild ist also das des Hineinsteckens in eine Falte des Gewandes, des behutsamen und verdeckten Eindringens.</p>
<p>Von diesem Bild führten zwei Wege. Zum einen meinte <strong>insinuieren</strong> früher so viel wie sich einschmeicheln oder jemandem etwas nahebringen. Zum anderen stand es in der Amtssprache für förmlich mitteilen, überbringen oder gerichtlich zustellen. Beide Verwendungen gelten heute als veraltet.</p>
<p>Geblieben ist der verdeckte, leicht negative Kern: etwas unterschwellig zu verstehen geben, ohne es offen zu sagen.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ɪnzinuˈiːʁən]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Der Bericht nannte keine Beweise, <strong>insinuierte</strong> aber, das Unternehmen habe seine Zahlen geschönt.</p></blockquote>
<blockquote><p>Mit einer beiläufigen Bemerkung <strong>insinuierte</strong> die Abteilungsleiterin, er habe den Termin absichtlich versäumt.</p></blockquote>
<blockquote><p>Ich wollte damit nicht <strong>insinuieren</strong>, dass du bei der Abrechnung unehrlich warst.</p></blockquote>
<blockquote><p>In der Sitzung <strong>insinuierte</strong> der Redner eine geheime Absprache, ohne sie je beim Namen zu nennen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Rezensentin <strong>insinuiert</strong>, der Verfasser habe seine Quellen nur flüchtig geprüft.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Phalanx</title>
		<link>https://neueswort.de/phalanx/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Maral Golkoshki]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Aug 2026 07:13:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Phalanx (die) bezeichnet (übertragen) eine &#8222;geschlossene Front&#8220; und in der Medizin ein &#8222;Finger- oder Zehenglied&#8220;. Ursprünglich ist eine Phalanx eine &#8222;tief gestaffelte, geschlossene Schlachtreihe im antiken Griechenland&#8220;. Heute [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Phalanx</strong> (die) bezeichnet (übertragen) eine &#8222;geschlossene Front&#8220; und in der Medizin ein &#8222;Finger- oder Zehenglied&#8220;. Ursprünglich ist eine Phalanx eine &#8222;tief gestaffelte, geschlossene Schlachtreihe im antiken Griechenland&#8220;.</p>
<p><strong>Heute</strong> wird das Wort fast nur im übertragenen Sinne verwendet. Eine <strong>Phalanx</strong> ist dann eine fest zusammenstehende Gruppe, die einig für oder gegen etwas auftritt.</p>
<p>Der Begriff klingt oft nach Entschlossenheit und Stärke. Aus der Sicht der Gegenseite kann er aber auch eine undurchdringliche, kaum zu bewegende Front meinen.</p>
<p><strong>Ursprünglich</strong> bezeichnet das Wort eine Kampfformation der Antike. Schwer bewaffnete Fußsoldaten stellten sich dicht nebeneinander und in mehreren Reihen hintereinander auf. Ihre Schilde und langen Speere bildeten eine geschlossene Wand, die von vorn nur schwer zu durchbrechen war.</p>
<p>In der <strong>Medizin</strong> steht <strong>Phalanx</strong> für die kleinen Knochen der Finger und Zehen. Die Mehrzahl lautet hier Phalangen.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort geht über lateinisch <em>phalanx</em> auf griechisch <em>phálanx</em> (Rolle, Walze, Balken) zurück. Aus dem Bild vom langen, geraden Balken entwickelte sich im Griechischen die Bedeutung der dicht ausgerichteten Schlachtreihe.</p>
<p>In deutschen Texten findet man das Wort seit dem 16. Jahrhundert, zunächst in gelehrten Schriften und in Übersetzungen antiker Autoren. Die übertragene Verwendung im Sinne einer geschlossenen Front kommt seit dem 18. Jahrhundert vor.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ˈfaːlaŋks]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Gegen die geplante Schließung des Freibads bildete sich eine breite <strong>Phalanx</strong> aus Eltern, Vereinen und Betrieben.</p></blockquote>
<blockquote><p>Als neue Abteilungsleiterin stieß sie auf den Widerstand einer eingespielten <strong>Phalanx</strong> im Team.</p></blockquote>
<blockquote><p>In der antiken Schlacht rückte die <strong>Phalanx</strong> Schild an Schild und in dichten Reihen vor.</p></blockquote>
<blockquote><p>Vom Gipfel aus blickte die Wanderin auf eine <strong>Phalanx</strong> schroffer Felszacken.</p></blockquote>
<blockquote><p>Beim Sturz vom Rad brach sich der Junge eine <strong>Phalanx</strong> des kleinen Fingers.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>distinkt</title>
		<link>https://neueswort.de/distinkt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2026 15:03:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://neueswort.de/?p=16954</guid>

					<description><![CDATA[Das Adjektiv distinkt bedeutet &#8222;klar und deutlich abgegrenzt&#8220; oder &#8222;deutlich unterschieden&#8220;. Wer etwas als distinkt bezeichnet, betont, dass es sich sauber von anderem trennen lässt und nicht mit ihm verschwimmt. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Adjektiv <strong>distinkt</strong> bedeutet &#8222;klar und deutlich abgegrenzt&#8220; oder &#8222;deutlich unterschieden&#8220;.</p>
<p>Wer etwas als <strong>distinkt</strong> bezeichnet, betont, dass es sich sauber von anderem trennen lässt und nicht mit ihm verschwimmt. <strong>Distinkte</strong> Kategorien, Merkmale oder Bedeutungen stehen scharf nebeneinander und gehen nicht ineinander über.</p>
<p>Das Wort gehört zur gehobenen Bildungssprache. In Philosophie, Sprachwissenschaft oder Mathematik ist es nützlich, wenn es auf eine genaue Unterscheidung ankommt. Im Alltag findet man es selten.</p>
<p><strong>Distinkt</strong> hat sich im 18. Jahrhundert aus dem lateinischen <em>distinctus</em> (getrennt, deutlich unterschieden) gebildet. Es geht zurück auf lat. <em>distinguere</em> (trennen, unterscheiden, gliedern).</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [dɪsˈtɪŋkt]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>In ihrer Studie unterschied die Forscherin drei <strong>distinkte</strong> Gruppen, die sich in ihrem Verhalten kaum überschnitten.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die beiden Begriffe klingen ähnlich, bezeichnen aber zwei <strong>distinkte</strong> Sachverhalte.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Architekt gab jedem Raum einen <strong>distinkten</strong> Charakter, sodass keiner dem anderen glich.</p></blockquote>
<blockquote><p>Ihre Stimme hat einen so <strong>distinkten</strong> Klang, dass man sie sofort wiedererkennt.</p></blockquote>
<blockquote><p>Erst als er die Aufgabe in <strong>distinkte</strong> Schritte zerlegte, verlor das Projekt seinen Schrecken.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>evaluieren</title>
		<link>https://neueswort.de/evaluieren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[hannes]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jul 2026 06:01:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[E]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://neueswort.de/?p=9395</guid>

					<description><![CDATA[Das Verb evaluieren bedeutet &#8222;sach- und fachgerecht beurteilen&#8220; oder &#8222;bewerten&#8220;. Wer etwas evaluiert, gibt nicht einfach eine Meinung ab. Gemeint ist ein geordnetes Verfahren: Man legt Kriterien fest, sammelt über [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Verb <strong>evaluieren</strong> bedeutet &#8222;sach- und fachgerecht beurteilen&#8220; oder &#8222;bewerten&#8220;.</p>
<p>Wer etwas <strong>evaluiert</strong>, gibt nicht einfach eine Meinung ab. Gemeint ist ein geordnetes Verfahren: Man legt Kriterien fest, sammelt über einen längeren Zeitraum Daten und zieht daraus ein begründetes Urteil.</p>
<p>Zu Hause ist das Wort vor allem in Schule, Hochschule, Forschung und Verwaltung. Lehrpläne, Förderprogramme, Studiengänge und Gesetze werden <strong>evaluiert</strong>, meist von einer unabhängigen Stelle und oft nach einer festgelegten Frist.</p>
<p>Daneben steht eine lockerere Verwendung. Hier heißt <strong>evaluieren</strong> so viel wie &#8222;gründlich abwägen&#8220;, etwa wenn ein Unternehmen mehrere Angebote prüft oder jemand die eigene Lebenssituation überdenkt.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort kam im 18. Jahrhundert über das französische <em>évaluer </em>(abschätzen, bewerten) ins Deutsche. Es gehört zu <em>value</em> (Wert) und <em>valoir</em> (wert sein), die auf lateinisch <em>valere</em> (stark sein, wert sein) zurückgehen.</p>
<p>Anfangs ging es dabei ausschließlich um Geld. Wer damals etwas <strong>evaluierte</strong>, bestimmte einen Geldwert oder rechnete eine Währung in eine andere um. So findet man es bei Lessing im Jahr 1768 und bei Goethe im Jahr 1810, der notiert, dass gegenwärtig alles nur in Gulden <strong>evaluiert</strong> werde.</p>
<p>Die heutige Bedeutung ist deutlich jünger. Sie setzte sich erst im 20. Jahrhundert durch, und zwar unter dem Einfluss des englischen <em>evaluate</em>. Aus dem Umrechnen von Geldbeträgen wurde das Prüfen von Programmen, Projekten und Einrichtungen. Der Wert, um den es geht, ist seither kein Geldwert mehr.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [evaluˈiːʁən]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Das Ministerium lässt die neuen Lehrpläne nach drei Jahren extern <strong>evaluieren</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Bevor die Firma sich für eine Software entscheidet, will die Projektleiterin drei Anbieter gründlich <strong>evaluieren</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>In der Studie wurde <strong>evaluiert</strong>, ob das Training die Beschwerden dauerhaft lindert.</p></blockquote>
<blockquote><p>Das Gesetz sieht vor, dass die Maßnahmen nach fünf Jahren <strong>evaluiert</strong> werden.</p></blockquote>
<blockquote><p>Am Ende des Semesters <strong>evaluierte</strong> er in Ruhe, was ihm der Auslandsaufenthalt tatsächlich gebracht hatte.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sarkophag</title>
		<link>https://neueswort.de/sarkophag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2026 14:13:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Sarkophag (der) bezeichnet einen &#8222;prunkvollen, großen Sarg aus wertvollem Material&#8220;. Meist besteht ein Sarkophag aus Stein, oft aus Marmor. Anders als der hölzerne Sarg wird er in der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Sarkophag</strong> (der) bezeichnet einen &#8222;prunkvollen, großen Sarg aus wertvollem Material&#8220;.</p>
<p>Meist besteht ein <strong>Sarkophag</strong> aus Stein, oft aus Marmor. Anders als der hölzerne Sarg wird er in der Regel nicht vergraben. Er steht sichtbar in einer Kirche, einer Gruft oder einem <a href="https://neueswort.de/mausoleum/">Mausoleum</a> und ist auf Dauer angelegt.</p>
<p>Im Deutschen klingt das Wort gehobener als Sarg. Der Duden führt <strong>Sarkophag</strong> als bildungssprachliche Entsprechung dazu. Wer das Wort verwendet, meint fast immer etwas Kunstvolles oder etwas Historisches.</p>
<p>Daneben gibt es eine jüngere, übertragene Bedeutung. Auch die Betonhülle, die einen zerstörten Kernreaktor dauerhaft einschließt, wird <strong>Sarkophag</strong> genannt. Das Bild liegt nahe, denn in beiden Fällen soll ein Behälter etwas für immer verschließen.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort stammt aus dem Griechischen. <em>Sarkophágos</em> war dort zunächst ein Adjektiv und bedeutete &#8222;fleischfressend&#8220;. Es setzt sich zusammen aus <em>sárx</em> (Fleisch) und <em>phageîn</em> (aufessen, verzehren).</p>
<p>Gemeint war damit ein bestimmter Stein. Als <em>líthos sarkophágos</em>, also als &#8222;fleischfressenden Stein&#8220;, bezeichnete man einen Kalkstein, der bei Assos in Kleinasien gebrochen und zu Särgen verarbeitet wurde. Ihm sagte man nach, er zersetze die Leichen darin.</p>
<p>Ganz gesichert ist diese Erklärung nicht. Pfeifers Etymologisches Wörterbuch hält es für wahrscheinlich, dass ursprünglich Ätzkalk gemeint war, mit dem man Tierkadaver bedeckte und auflöste. Erst danach wäre der Name auf die Steinart übergegangen.</p>
<p>Im Deutschen hat das Wort zwei ganz verschiedene Wege genommen. Über das Vulgärlatein entstand aus <em>sarcophagus</em> eine verkürzte Form, aus der unser Wort Sarg hervorging. Es ist bereits im 9. Jahrhundert belegt. Die vollständige Form kam erst viel später hinzu. <strong>Sarkophag</strong> ist um 1600 vereinzelt entlehnt und seit dem 18. Jahrhundert geläufig.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [zaʁkoˈfaːk]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Im Museum steht ein römischer <strong>Sarkophag</strong>, dessen Reliefs eine Jagdszene zeigen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Archäologin ließ den <strong>Sarkophag</strong> erst öffnen, nachdem sie ihn vollständig dokumentiert hatte.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Restaurator reinigte den Marmor des <strong>Sarkophags</strong> mit einem weichen Pinsel.</p></blockquote>
<blockquote><p>In der Krypta ruhen die Grafen und Gräfinnen des Hauses in schlichten <strong>Sarkophagen</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Über dem zerstörten Reaktor wurde ein <strong>Sarkophag</strong> aus Beton errichtet.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Saudade</title>
		<link>https://neueswort.de/saudade/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Jul 2026 12:18:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Saudade (die) bezeichnet eine &#8222;schwermütige Sehnsucht&#8220; nach etwas Abwesendem oder Verlorenem. In Portugal und Brasilien gilt sie als charakteristische Seelenhaltung. Gemeint ist ein Gefühl, das sich auf etwas [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Saudade</strong> (die) bezeichnet eine &#8222;schwermütige Sehnsucht&#8220; nach etwas Abwesendem oder Verlorenem. In Portugal und Brasilien gilt sie als charakteristische Seelenhaltung.</p>
<p>Gemeint ist ein Gefühl, das sich auf etwas Abwesendes richtet: auf einen Menschen, einen Ort, eine Zeit. Anders als beim bloßen Vermissen schwingt darin auch etwas Zärtliches mit. Wer <strong>Saudade</strong> empfindet, leidet an einem Verlust und hält zugleich fest, was verloren ging.</p>
<p>Im Deutschen ist das Wort selten und bildungssprachlich. Man findet es vor allem in Texten über Musik, Literatur und Reisen, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Fado, dem portugiesischen Musikstil.</p>
<p>Oft heißt es, <strong>Saudade</strong> lasse sich nicht übersetzen. Ein wirklich passendes Wort fehlt im Deutschen tatsächlich.</p>
<h2>Abgrenzung</h2>
<p>Von der <a href="https://neueswort.de/nostalgie/">Nostalgie</a> unterscheidet sich das Wort in der Färbung. Die Nostalgie verklärt das Vergangene und blickt dabei stets zurück. Die <strong>Saudade</strong> erinnert sich und vermisst, ohne zu verklären.</p>
<p>Und anders als die <a href="https://neueswort.de/melancholie/">Melancholie</a> hat sie stets ein Gegenüber. Sie ist Sehnsucht nach etwas Bestimmtem, nicht eine allgemeine Schwere.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort stammt aus dem Portugiesischen und geht auf das lateinische <em>solitas</em> (Einsamkeit) zurück. Im Galicisch-Portugiesischen des 13. Jahrhunderts lautete es noch <em>soidade</em> und ist in der Dichtung jener Zeit früh belegt.</p>
<p>Der Weg von <em>soidade</em> zu <em>saudade</em> ist lautlich unregelmäßig und lässt sich nicht allein aus der Wortgeschichte erklären. Die verbreitete Deutung nimmt an, dass zwei ähnlich klingende Wörter eingewirkt haben: <em>saudar</em> (grüßen, Gesundheit wünschen) und <em>saúde</em> (Gesundheit), beide zu lateinisch <em>salus</em>. Sicher belegt ist diese Erklärung nicht, sie gilt aber als die plausibelste.</p>
<p>Auch das Galicische kennt den Begriff und beansprucht ihn für sich. Ins Deutsche gelangte er erst spät und blieb ein Zitatwort. Der Duden führt ihn, das DWDS bislang nicht.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [sauˈðaːðə]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Wer den Fado zum ersten Mal hört, ahnt schon nach wenigen Takten, was mit <strong>Saudade</strong> gemeint ist.</p></blockquote>
<blockquote><p>Nach dem Umzug blieb ihm eine stille <strong>Saudade</strong> nach den langen Sommern am Meer.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Übersetzerin suchte lange nach einem deutschen Wort für <strong>Saudade</strong> und ließ den Begriff schließlich unübersetzt stehen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Sie sprach von einer <strong>Saudade</strong>, die sie jedes Mal überkam, wenn sie alte Fotos durchsah.</p></blockquote>
<blockquote><p>Viele Menschen, die ihr Land verlassen haben, beschreiben eine <strong>Saudade</strong>, die auch nach Jahrzehnten nicht nachlässt.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
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