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	<title>neueswort.de - Täglich ein Fremdwort</title>
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	<description>Auf neueswort.de stellen wir täglich ein Fremdwort samt seiner Herkunft, Bedeutung und Beispielsätzen vor.</description>
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	<title>Jeden Tag ein Fremdwort – neueswort</title>
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	<item>
		<title>Ostrazismus</title>
		<link>https://neueswort.de/ostrazismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Oct 2026 09:18:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Ostrazismus (der) bezeichnet heute die &#8222;soziale Ausgrenzung&#8220; einer Person durch eine Gruppe. Ursprünglich meint es das &#8222;Scherbengericht&#8220; des antiken Athens. Im heutigen Gebrauch, vor allem in der Sozialpsychologie, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Ostrazismus</strong> (der) bezeichnet heute die &#8222;soziale Ausgrenzung&#8220; einer Person durch eine Gruppe. Ursprünglich meint es das &#8222;Scherbengericht&#8220; des antiken Athens.</p>
<p>Im <strong>heutigen Gebrauch</strong>, vor allem in der Sozialpsychologie, steht <strong>Ostrazismus</strong> für ein alltägliches Phänomen: das <strong>Ignorieren und Ausschließen einzelner Menschen</strong>, etwa am Arbeitsplatz, in der Schule oder im privaten Umfeld. Die Forschung zeigt, dass solche Ausgrenzung als sehr schmerzhaft erlebt wird und Grundbedürfnisse wie Zugehörigkeit und Anerkennung bedroht.</p>
<p>Im <strong>historischen Sinne</strong> meint <strong>Ostrazismus</strong> ein <strong>Abstimmungsverfahren der athenischen Demokratie</strong>. Die Bürger konnten damit einen Mitbürger für zehn Jahre <strong>aus der Stadt verbannen</strong>. Das Verfahren richtete sich vor allem gegen Politiker, die zu mächtig zu werden drohten.</p>
<h2>Abgrenzung</h2>
<p>Vom <strong>Mobbing</strong> unterscheidet sich Ostrazismus durch die Form der Ablehnung. Mobbing umfasst aktive und wiederholte Angriffe, zum Beispiel Beleidigungen oder Schikanen. Ostrazismus ist dagegen eine passive Form: Die betroffene Person wird übersehen, übergangen und behandelt, als wäre sie gar nicht da. Beide Phänomene können gemeinsam auftreten.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort geht zurück auf das griechische <em>ostrakismós</em> (Scherbengericht), eine Ableitung von <em>óstrakon</em> (Schale, Tonscherbe). Das zugehörige Verb <em>ostrakízein</em> bedeutet &#8222;durch das Scherbengericht verbannen&#8220;.</p>
<p>Namensgebend war der Ablauf des Verfahrens. Einmal im Jahr stimmte die Volksversammlung in Athen darüber ab, ob ein Scherbengericht stattfinden sollte. Kam es dazu, ritzte jeder Bürger den Namen des Mannes, den er verbannt sehen wollte, in eine Tonscherbe. Scherben waren das Schmierpapier der Antike: Sie lagen überall herum und kosteten nichts, während Papyrus teuer importiert werden musste.</p>
<p>Wen die meisten Stimmen trafen, der musste Athen für zehn Jahre verlassen. Vermögen und Bürgerrechte blieben ihm jedoch erhalten. Das Verfahren sollte die junge Demokratie schützen und verhindern, dass sich Einzelne zu <a href="https://neueswort.de/despot/">Despoten</a> aufschwingen. Es traf berühmte Politiker wie Themistokles und Aristides.</p>
<p>Zu Aristides überliefert der antike Schriftsteller Plutarch eine Anekdote: Ein Bauer, der nicht schreiben konnte, bat einen Fremden, den Namen &#8222;Aristides&#8220; auf seine Scherbe zu ritzen. Der Fremde war Aristides selbst. Auf die Frage, was dieser Aristides ihm denn getan habe, antwortete der Bauer: nichts, aber er könne es nicht mehr hören, dass alle ihn &#8222;den Gerechten&#8220; nennen.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ɔstʁaˈt͡sɪsmʊs]</p>
<h2>Beispielsätze</h2>
<blockquote><p>Nach ihrer Kritik an der Geschäftsleitung erlebte sie im Kollegium einen stillen <strong>Ostrazismus</strong>: Niemand sprach mehr mit ihr.</p></blockquote>
<blockquote><p>&#8222;In der Forschung sprechen wir von <strong>Ostrazismus</strong>&#8222;, sagt die Sozialpsychologin Selma Rudert.<br />
– Spektrum.de</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Schulpsychologin erklärte den Eltern, dass <strong>Ostrazismus</strong> unter Jugendlichen oft unauffälliger abläuft als offenes Mobbing.</p></blockquote>
<blockquote><p>Sein Ausschluss aus dem Verein kam einem modernen <strong>Ostrazismus</strong> gleich.</p></blockquote>
<blockquote><p>Im antiken Athen diente der <strong>Ostrazismus</strong> dazu, allzu mächtig gewordene Bürger für zehn Jahre aus der Stadt zu verbannen.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>blasiert</title>
		<link>https://neueswort.de/blasiert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Oct 2026 09:04:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Adjektiv blasiert bedeutet &#8222;überheblich&#8220;, &#8222;hochnäsig&#8220; oder &#8222;herablassend&#8220;. Als blasiert gelten Menschen, die sich für etwas Besseres halten und das auch zeigen. Meist bezieht sich das Wort auf das Auftreten: [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Adjektiv <strong>blasiert</strong> bedeutet &#8222;überheblich&#8220;, &#8222;hochnäsig&#8220; oder &#8222;herablassend&#8220;.</p>
<p>Als blasiert gelten Menschen, die sich für etwas Besseres halten und das auch zeigen. Meist bezieht sich das Wort auf das Auftreten: eine gelangweilte Miene, ein herablassendes Lächeln, ein Blick von oben herab.</p>
<p>Das Wort ist abwertend. In Literatur und Presse ist von blasierten <a href="https://neueswort.de/dandy/">Dandys</a>, Aristokraten oder Kellnern die Rede.</p>
<p>Daneben gibt es eine veraltende Bedeutung: &#8222;durch Übersättigung gelangweilt&#8220; oder &#8222;abgestumpft&#8220;. Sie steht dem <a href="https://neueswort.de/ennui/">Ennui</a> nahe, der Langeweile aus Überdruss.</p>
<h2>Abgrenzung</h2>
<p><strong>Arrogant</strong> ist der allgemeinere Begriff. Blasiert beschreibt eine bestimmte Form der Überheblichkeit: kühl, distanziert und demonstrativ unbeeindruckt.</p>
<p>Auch <strong><a href="https://neueswort.de/sueffisant/">süffisant</a> </strong>liegt nahe. Wer süffisant lächelt, genießt die eigene Überlegenheit und lässt oft Spott durchblicken. Wer blasiert lächelt, gibt sich eher gelangweilt.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort stammt vom französischen <em>blasé</em> (abgestumpft, übersättigt) und ist seit dem Ende des 18. Jahrhunderts im Deutschen belegt.</p>
<p>Die Vorgeschichte ist wenig vornehm. Das französische Verb <em>blaser</em> (durch Alkohol ruinieren) bezog sich ursprünglich auf die Folgen des Trinkens. Wer im 18. Jahrhundert als <em>blasé</em> galt, hatte sich durch zu viel Alkohol zugrunde gerichtet.</p>
<p>Schon im 18. Jahrhundert wurde das Wort auch übertragen gebraucht. Nun war <em>blasé</em>, wer von allem zu viel gehabt hatte und nichts mehr wirklich empfinden konnte. In dieser Bedeutung kam das Wort ins Deutsche. Hier verschob sich der Schwerpunkt danach zur Überheblichkeit.</p>
<p>Woher <em>blaser</em> selbst stammt, ist nicht sicher geklärt. Eine Vermutung führt es auf das mittelniederländische <em>blāsen</em> (blasen, aufblähen) zurück. Dazu passt ein Mundartwort aus Nordfrankreich: <em>blasé</em> (vom Trinken aufgedunsen).</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [blaˈziːɐ̯t]</p>
<h2>Beispielsätze</h2>
<blockquote><p>Der neue Kollege musterte die Präsentation mit einem <strong>blasierten</strong> Lächeln, sagte aber kein Wort.</p></blockquote>
<blockquote><p>Sie fand die Kunstszene der Hauptstadt anregend, aber auch ein wenig <strong>blasiert</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Mit <strong>blasierter</strong> Miene erklärte uns die Galeristin, das Bild sei leider schon reserviert.</p></blockquote>
<blockquote><p>Viele Wählerinnen und Wähler empfanden den Auftritt der Ministerin als <strong>blasiert</strong> und abgehoben.</p></blockquote>
<blockquote><p>Wer bei jedem Konzert nur <strong>blasiert</strong> gähnt, sollte vielleicht einfach zu Hause bleiben.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Partikularismus</title>
		<link>https://neueswort.de/partikularismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Oct 2026 21:48:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Partikularismus (der) bezeichnet das &#8222;Streben einzelner Teile eines Ganzen, ihre eigenen Interessen über die Interessen der Gemeinschaft zu stellen&#8220;. Gemeint sein können Gruppen in einer Gesellschaft, Staaten in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Partikularismus</strong> (der) bezeichnet das &#8222;Streben einzelner Teile eines Ganzen, ihre eigenen Interessen über die Interessen der Gemeinschaft zu stellen&#8220;.</p>
<p>Gemeint sein können Gruppen in einer Gesellschaft, Staaten in einem Bündnis, Verbände oder Abteilungen eines Unternehmens. Immer geht es darum, dass die Teile vor allem auf den eigenen Vorteil achten und das Gemeinwohl aus dem Blick verlieren.</p>
<p>Das Wort ist meist abwertend. Wer von Partikularismus spricht, wirft den Beteiligten Eigennutz und fehlenden Sinn für das Ganze vor.</p>
<p>Häufig steht es dem Universalismus gegenüber. Dieser geht davon aus, dass bestimmte Werte und Rechte für alle Menschen gleich gelten. Partikularismus meint dann eine Haltung, die die eigene Gruppe, Kultur oder Nation in den Mittelpunkt stellt. Dieses Begriffspaar prägt Debatten über Menschenrechte, Zugehörigkeit und Identität. Auch in der Philosophie ist es ein fester Fachbegriff.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort geht auf das spätlateinische <em>particularis</em> (einen Teil betreffend) zurück. Es gehört zu <em>particula</em> (Teilchen), einer Verkleinerung von <em>pars</em> (Teil). Daraus entstand im 16. Jahrhundert das deutsche <em>partikular</em>. Verwandt sind auch <em>Partikel</em> und <a href="https://neueswort.de/partiell/">partiell</a>.</p>
<p>Belegt ist Partikularismus seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zunächst bezog es sich auf den Staat: auf Länder und Regionen, die möglichst viel Eigenständigkeit verlangten und sich der Zentralgewalt widersetzten. Ein ähnliches, ebenfalls abwertendes deutsches Wort dafür ist <em>Kleinstaaterei</em>.</p>
<p>Damals bestand Deutschland noch aus vielen selbstständigen Einzelstaaten. Wer die nationale Einheit anstrebte, sah in ihrem Festhalten an der Eigenständigkeit ein Hindernis.</p>
<p>Wie eng das Wort mit der deutschen Geschichte verbunden war, zeigt ein Blick ins Englische. Ein amerikanisches Wörterbuch von 1913 erklärt <em>particularism</em> unter anderem ausdrücklich mit Bezug auf die deutsche Politik: als Treue zum eigenen Königreich oder zur eigenen Provinz statt zum Reich.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [paʁtikulaˈʁɪsmʊs]</p>
<h2>Beispielsätze</h2>
<blockquote><p>Die Soziologin warnt vor einem neuen <strong>Partikularismus</strong>, bei dem jede Gruppe nur noch für sich selbst spricht.</p></blockquote>
<blockquote><p>Wenn jedes Mitgliedsland nur an seinen eigenen Vorteil denkt, droht die Union am <strong>Partikularismus</strong> zu scheitern.</p></blockquote>
<blockquote><p>In der Debatte über die Menschenrechte prallen Universalismus und <strong>Partikularismus</strong> aufeinander.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die neue Geschäftsführung will den <strong>Partikularismus</strong> der einzelnen Abteilungen überwinden und gemeinsame Ziele festlegen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Historiker schildert, wie der <strong>Partikularismus</strong> der Fürstenhäuser die deutsche Einigung lange erschwerte.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Intransigenz</title>
		<link>https://neueswort.de/intransigenz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Oct 2026 14:07:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Intransigenz (die) bezeichnet &#8222;Unnachgiebigkeit&#8220; und &#8222;Unversöhnlichkeit&#8220;. Man verwendet das Wort, wenn jemand in einem Konflikt starr an seiner Position festhält. Diese Person oder Gruppe lehnt jede Konzession ab. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Intransigenz</strong> (die) bezeichnet &#8222;Unnachgiebigkeit&#8220; und &#8222;Unversöhnlichkeit&#8220;.</p>
<p>Man verwendet das Wort, wenn jemand in einem Konflikt starr an seiner Position festhält. Diese Person oder Gruppe lehnt jede <a href="https://neueswort.de/konzession/">Konzession</a> ab. Eine Einigung wird dadurch schwer oder unmöglich.</p>
<p>Am häufigsten kommt das Wort in Politik und Diplomatie vor. Man spricht etwa von der Intransigenz einer Regierung, einer Partei oder einer Verhandlungsdelegation. Es kann aber auch die Haltung einzelner Menschen beschreiben, zum Beispiel in einem Streit am Arbeitsplatz.</p>
<p>Meist schwingt bei dem Wort Kritik mit. Wer einer Seite Intransigenz vorwirft, gibt ihr die Schuld am Stillstand. Wer dieselbe Haltung teilt, spricht dagegen eher von Standhaftigkeit oder Prinzipientreue.</p>
<h2>Abgrenzung</h2>
<p><strong>Sturheit</strong> ist ein Alltagswort. Es beschreibt oft eine persönliche Eigenart, die nicht unbedingt begründet ist. Intransigenz meint dagegen meist eine bewusste, grundsätzliche Haltung in einer Verhandlung oder einem Konflikt.</p>
<p><strong><a href="https://neueswort.de/dogmatismus/">Dogmatismus</a> </strong>bezeichnet das unkritische Festhalten an einer Lehre oder an Glaubenssätzen. Intransigenz richtet sich dagegen an ein Gegenüber: Man weigert sich, der anderen Seite entgegenzukommen. Beides kann zusammenhängen, muss es aber nicht.</p>
<p>Wer <strong><a href="https://neueswort.de/renitent/">renitent</a> </strong>ist, widersetzt sich einer Anordnung oder einer Autorität. Bei der Intransigenz geht es dagegen meist um zwei Seiten, die eigentlich zu einer Einigung kommen sollen.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort geht auf das lateinische Verb <em>transigere</em> (hindurchtreiben, zu Ende bringen, sich einigen) zurück. Es setzt sich aus <em>trans</em> (hindurch, hinüber) und <em>agere</em> (treiben, handeln) zusammen. Aus derselben Wurzel stammt das Wort &#8222;Transaktion&#8220;.</p>
<p>Zum politischen Schlagwort wurde die verneinte Form <em>intransigente</em> (unnachgiebig) erst im Spanien des 19. Jahrhunderts.</p>
<p>Im Februar 1873 dankte <em>König Amadeo I.</em> ab, und Spanien wurde zur Republik. Die Anhänger einer föderalen Republik waren sich jedoch uneinig. Eine radikale Gruppe wollte den Bundesstaat sofort durchsetzen, von unten und ohne auf eine neue Verfassung zu warten. Diese Gruppe hieß <em>los intransigentes</em> (die Unnachgiebigen). Nach Angaben des Oxford English Dictionary führte sie den Namen auch selbst. Für ihre Mitglieder war er offenbar kein Vorwurf.</p>
<p>Im Sommer 1873 riefen ihre Anhänger in mehreren spanischen Städten unabhängige Kantone aus. Die Regierung schlug den Aufstand nieder. Am längsten hielt Cartagena durch, das sich erst im Januar 1874 ergab.</p>
<p>Über das Französische (<em>intransigeant</em>, <em>intransigeance</em>) verbreitete sich das Wort dann in Europa. Dabei löste es sich von der spanischen Partei und bekam seine heutige allgemeine Bedeutung.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ɪntʁanziˈɡɛnt͡s]</p>
<h2>Beispielsätze</h2>
<blockquote><p>Die Friedensgespräche scheiterten an der <strong>Intransigenz</strong> beider Regierungen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Betriebsrat warf der Geschäftsführung <strong>Intransigenz</strong> vor, weil sie jedes Gegenangebot ablehnte.</p></blockquote>
<blockquote><p>&#8222;Dieser erste Akt des vietnamesischen Dramas war eine Folge der <strong>Intransigenz</strong> Frankreichs.&#8220; (Süddeutsche Zeitung, 1996)</p></blockquote>
<blockquote><p>Die erfahrene Diplomatin wusste, dass sie mit reiner <strong>Intransigenz</strong> keinen Vertrag erreichen würde.</p></blockquote>
<blockquote><p>Was seine Anhänger als Prinzipientreue feierten, nannten seine Gegner schlicht <strong>Intransigenz</strong>.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Deregulierung</title>
		<link>https://neueswort.de/deregulierung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Oct 2026 13:47:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Deregulierung (die) bezeichnet den &#8222;Abbau oder die Vereinfachung von Gesetzen und Vorschriften&#8220;. Mit Deregulierung ist meist gemeint, dass der Staat weniger in einen Markt eingreift. Er schafft Vorschriften ab, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Deregulierung</strong> (die) bezeichnet den &#8222;Abbau oder die Vereinfachung von Gesetzen und Vorschriften&#8220;.</p>
<p>Mit <strong>Deregulierung</strong> ist meist gemeint, dass der Staat weniger in einen Markt eingreift. Er schafft Vorschriften ab, lockert Auflagen oder lässt mehr Wettbewerb zu, etwa auf dem Arbeitsmarkt oder auf den Finanzmärkten.</p>
<p>Das Wort ist politisch umstritten. Wer Deregulierung fordert, verspricht sich davon weniger Bürokratie, mehr Wettbewerb und niedrigere Preise.</p>
<p>Kritische Stimmen sehen darin dagegen den Abbau von Schutzregeln, etwa im Arbeitsrecht oder beim Verbraucherschutz. Manche sehen in der Deregulierung der Finanzmärkte auch eine Mitursache von Finanzkrisen.</p>
<p>Die Haltung, dass sich der Staat möglichst ganz aus der Wirtschaft heraushalten soll, nennt man <a href="https://neueswort.de/laissez-faire/">Laissez faire</a>.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort ist vom Verb deregulieren abgeleitet. Es setzt sich aus der lateinischen Vorsilbe <em>de-</em> (von, weg) und regulieren zusammen. Regulieren geht auf das spätlateinische <em>regulare</em> (regeln, einrichten) zurück. Dahinter steht <em>regula</em> (Latte, Lineal, Richtschnur, Regel), ursprünglich also ein gerades Holz, an dem man etwas ausrichtet. Auch das deutsche Wort Regel stammt davon ab.</p>
<p>Im amerikanischen Englisch sind <em>deregulate</em> und <em>deregulation</em> schon in den 1950er-Jahren belegt. Im Deutschen wirkte das Wort Ende der 1970er-Jahre offenbar noch neu: Die Zeit setzte es 1979 in Anführungszeichen.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [deʁeɡuˈliːʁʊŋ]</p>
<h2>Beispielsätze</h2>
<blockquote><p>Der Betriebsratsvorsitzende warnte, eine weitere <strong>Deregulierung</strong> des Arbeitsmarkts gehe vor allem zulasten junger Beschäftigter.</p></blockquote>
<blockquote><p>In ihrem Buch untersucht die Ökonomin, welche Rolle die <strong>Deregulierung</strong> der Finanzmärkte beim Ausbruch der Finanzkrise spielte.</p></blockquote>
<blockquote><p>Seit der <strong>Deregulierung</strong> des Luftverkehrs sind viele Flüge günstiger geworden, und die Fluggesellschaften stehen in hartem Wettbewerb.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Wirtschaftsminister kündigte eine umfassende <strong>Deregulierung</strong> an, um Unternehmensgründungen zu erleichtern.</p></blockquote>
<blockquote><p>Nach der <strong>Deregulierung</strong> des Strommarkts verglich Lena zum ersten Mal die Tarife verschiedener Anbieter.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>äquivalent</title>
		<link>https://neueswort.de/aequivalent/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Sep 2026 22:02:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[A Noch nicht im Newsletter verschickt]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[A]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Adjektiv äquivalent bedeutet &#8222;gleichwertig&#8220; oder &#8222;einander entsprechend&#8220;. Was äquivalent ist, hat denselben Wert, dieselbe Wirkung oder dieselbe Funktion wie etwas anderes. Es muss dafür nicht genauso aussehen. Beispiel: Ein [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Adjektiv <strong>äquivalent</strong> bedeutet &#8222;gleichwertig&#8220; oder &#8222;einander entsprechend&#8220;.</p>
<p>Was <strong>äquivalent</strong> ist, hat denselben Wert, dieselbe Wirkung oder dieselbe Funktion wie etwas anderes. Es muss dafür nicht genauso aussehen.</p>
<p><strong>Beispiel:</strong> Ein ausländischer Studienabschluss kann einem deutschen Abschluss äquivalent sein, obwohl er anders heißt und anders aufgebaut ist.</p>
<p>In der <strong>Logik und der Mathematik</strong> hat das Wort eine genaue Bedeutung: Zwei Aussagen sind äquivalent, wenn sie immer gemeinsam wahr oder gemeinsam falsch sind. Zwei Mengen nennt man äquivalent, wenn sich ihre Elemente paarweise zuordnen lassen. Jedes Element der einen Menge hat dann genau einen Partner in der anderen. Solche Mengen sind gleich groß, auch wenn sie ganz verschiedene Dinge enthalten.</p>
<h2>Abgrenzung</h2>
<p>Äquivalent ist nicht dasselbe wie <strong>identisch</strong>. Was identisch ist, gleicht etwas anderem vollständig oder ist sogar ein und dasselbe. Äquivalente Dinge können sich dagegen deutlich unterscheiden. Sie haben nur denselben Wert oder erfüllen denselben Zweck.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort stammt aus dem Latein des Mittelalters. Dort gab es das Wort <em>aequivalens</em> (gleichwertig). Es setzt sich aus <em>aequus</em> (gleich) und <em>valere</em> (stark sein, wert sein) zusammen. Gemeint ist also etwas, das gleich viel wert ist.</p>
<p>Ins Deutsche kam zuerst das Substantiv Äquivalent. Es wurde aus dem französischen <em>équivalent</em> übernommen, die Schreibung richtete sich aber nach dem Lateinischen. Aufgekommen ist der Ausdruck gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges in der Sprache der Diplomatie. Er tauchte vor allem dann auf, wenn Länder oder Gebiete abgetreten werden sollten. Ein Äquivalent war der gleichwertige Ausgleich für einen solchen Verlust.</p>
<p>Das Adjektiv äquivalent und das Substantiv Äquivalenz kamen erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Ein früher Einzelbeleg für das Adjektiv stammt allerdings schon aus dem Jahr 1731, aus einem Stadtrecht am Oberrhein.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ɛkvivaˈlɛnt]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Ihr Abschluss aus Kanada wurde als <strong>äquivalent</strong> zum deutschen Master anerkannt.</p></blockquote>
<blockquote><p>Weil er auf den Dienstwagen verzichtet, bekommt er jeden Monat einen <strong>äquivalenten</strong> Betrag ausgezahlt.</p></blockquote>
<blockquote><p>Für die Stelle wird ein abgeschlossenes Studium oder eine <strong>äquivalente</strong> Qualifikation verlangt.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Übersetzerin fand für das portugiesische Wort keinen <strong>äquivalenten</strong> Ausdruck im Deutschen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Im Seminar zeigte sie, dass die erste Aussage der zweiten <strong>äquivalent</strong> ist.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Disposition</title>
		<link>https://neueswort.de/disposition/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Janine Raderschadt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 22:14:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[D]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Disposition (die) bedeutet &#8222;Veranlagung&#8220;, &#8222;Planung&#8220; oder &#8222;freie Verfügung über etwas&#8220;. Das Wort ist bildungssprachlich, in einigen Fachsprachen aber fest verankert. Veranlagung: Im Bereich von Charakter und Gesundheit meint [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Disposition</strong> (die) bedeutet &#8222;Veranlagung&#8220;, &#8222;Planung&#8220; oder &#8222;freie Verfügung über etwas&#8220;. Das Wort ist bildungssprachlich, in einigen Fachsprachen aber fest verankert.</p>
<p><strong>Veranlagung:</strong> Im Bereich von <strong>Charakter und Gesundheit</strong> meint Disposition eine <strong>innere Anlage</strong>, etwa eine psychische Disposition. In der <strong>Medizin</strong> bezeichnet das Wort die Empfänglichkeit für bestimmte Krankheiten, ebenso wie Prädisposition. Eine solche Anlage macht eine Erkrankung wahrscheinlicher, aber nicht zwangsläufig.</p>
<p><strong>Planung:</strong> Im Sinne von &#8222;Planung&#8220; trifft man seine Dispositionen oder muss kurzfristig <a href="https://neueswort.de/umdisponieren/">umdisponieren</a>. In Betrieben plant die Disposition, wann welche Waren oder Fahrzeuge wo gebraucht werden.</p>
<p><strong>Freie Verfügung:</strong> Wer die Disposition über ein Vermögen hat, darf frei darüber bestimmen. Auch der Dispo gehört hierher. Der Dispositionskredit ist ein Kreditrahmen, über den man auf dem Girokonto frei verfügen kann.</p>
<p><strong>Die Wendung &#8222;zur Disposition&#8220;</strong> hat zwei Seiten. Steht einem etwas zur Disposition, ist es verfügbar. Wird dagegen ein Projekt zur Disposition gestellt, steht infrage, ob es weiter bestehen soll.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort geht zurück auf das lateinische <em>dispositio</em> (Anordnung, Einrichtung). Es gehört zu <em>disponere</em> (verfügen, anordnen, einteilen), gebildet aus <em>dis-</em> (auseinander) und <em>ponere</em> (setzen, stellen, legen). In der antiken Redekunst war die <em>dispositio</em> ein fester Arbeitsschritt: das Ordnen der Argumente. Schon Cicero zählte sie zu den fünf Teilen der Redekunst.</p>
<p>Im Deutschen ist Disposition seit dem 16. Jahrhundert belegt. Die Bedeutung &#8222;Anlage&#8220; lässt sich als Bild verstehen: Ein Mensch ist auf eine bestimmte Weise &#8222;eingerichtet&#8220;. Verwandt sind unter anderem disponieren und <a href="https://neueswort.de/indisponibel/">indisponibel</a>.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [dɪspoziˈtsi̯oːn]</p>
<h2>Beispielsätze</h2>
<blockquote><p>Nach dem Tod ihres Vaters hatte sie die freie <strong>Disposition</strong> über das Familienvermögen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Wegen der hohen Kosten stellt der Stadtrat das geplante Hallenbad erneut zur <strong>Disposition</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Als der Lieferant ausfiel, war die gesamte <strong>Disposition</strong> für die Woche hinfällig.</p></blockquote>
<blockquote><p>Seine Gelassenheit in Krisen ist weniger eine Frage der Übung als der inneren <strong>Disposition</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Arzt erklärte ihr, dass eine familiäre <strong>Disposition</strong> für Migräne nicht zwangsläufig zu Beschwerden führt.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Parvenü</title>
		<link>https://neueswort.de/parvenue/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 05:03:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[P]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Parvenü (der) bezeichnet einen &#8222;Emporkömmling&#8220; oder &#8222;Neureichen&#8220;, also jemanden, der schnell zu Geld und Ansehen gekommen ist. Das Wort ist abwertend. Kritisiert wird dabei nicht der Aufstieg selbst, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Parvenü</strong> (der) bezeichnet einen &#8222;Emporkömmling&#8220; oder &#8222;Neureichen&#8220;, also jemanden, der schnell zu Geld und Ansehen gekommen ist.</p>
<p>Das Wort ist abwertend. Kritisiert wird dabei nicht der Aufstieg selbst, sondern das Auftreten danach: Ein <strong>Parvenü</strong> stellt seinen Reichtum gern protzig zur Schau. Zugleich fehlen ihm, so der Vorwurf, Bildung und Stil der alteingesessenen Oberschicht.</p>
<p>Im Wort steckt deshalb oft auch Herablassung. Wer es benutzt, grenzt sich meist von den &#8222;Neuen&#8220; ab.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort kam Ende des 18. Jahrhunderts ins Deutsche, kurz vor der Französischen Revolution. Es stammt vom französischen <em>parvenu</em> (gelangt, emporgekommen). Dahinter steht das Verb <em>parvenir</em> (anlangen, emporkommen), das auf das lateinische <em>pervenire</em> (ankommen, gelangen) zurückgeht. Darin steckt <em>venire</em> (kommen).</p>
<p>Ein <strong>Parvenü</strong> ist also wörtlich ein &#8222;Angekommener&#8220;. Dasselbe Bild steckt in <a href="https://neueswort.de/arriviert/">arriviert</a>, das auf das französische <em>arriver</em> (ankommen) zurückgeht. Doch während arriviert heute anerkennend klingt, schwingt beim Parvenü Spott mit.</p>
<p>Um 1800 war Parvenü ein Modewort. Schon in den 1780er-Jahren kam als deutsche Entsprechung &#8222;Emporkömmling&#8220; auf.</p>
<p>Die Philosophin Hannah Arendt nutzte das Begriffspaar <a href="https://neueswort.de/paria/">Paria</a> und Parvenu, um die Lage von Minderheiten, insbesondere jüdischer Menschen im 19. Jahrhundert zu beschreiben. Der Paria bleibt Außenseiter. Der Parvenu erkauft sich die Zugehörigkeit durch Anpassung und verleugnet dafür die eigene Herkunft.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ˌpaʁveˈnyː], [ˌpaʁvəˈnyː]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>In den Salons des alten Adels galten reich gewordene Fabrikantenfamilien lange als <strong>Parvenüs</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Mit seinem goldenen Sportwagen und den Champagnerpartys galt er in der Nachbarschaft bald als <strong>Parvenü</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Roman erzählt von einer jungen Frau aus einfachen Verhältnissen, die in der Pariser Gesellschaft als <strong>Parvenü</strong> belächelt wird.</p></blockquote>
<blockquote><p>&#8222;Nur ein <strong>Parvenü</strong> muss jedem zeigen, was er hat&#8220;, pflegte meine Großmutter zu sagen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Mit ihrem <strong>parvenühaften</strong> Auftreten machte sich die neue Geschäftsführerin im Traditionsunternehmen wenig Freunde.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Impunität</title>
		<link>https://neueswort.de/impunitaet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Sep 2026 12:22:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Impunität (die) bezeichnet die &#8222;Straflosigkeit&#8220; oder &#8222;Straffreiheit&#8220;, also den Zustand, dass eine strafbare Tat ohne Strafe bleibt. Wer Impunität genießt, muss für sein Handeln keine Konsequenzen fürchten. Das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Impunität</strong> (die) bezeichnet die &#8222;Straflosigkeit&#8220; oder &#8222;Straffreiheit&#8220;, also den Zustand, dass eine strafbare Tat ohne Strafe bleibt.</p>
<p>Wer <strong>Impunität</strong> genießt, muss für sein Handeln keine Konsequenzen fürchten. Das Wort beschreibt dabei nicht die Tat selbst, sondern das <strong>Ausbleiben der Strafe</strong>.</p>
<p>Es wird fast immer kritisch gebraucht. Impunität gilt als Schwäche eines Rechtssystems oder als Zeichen dafür, dass Mächtige über dem Gesetz stehen.</p>
<p>Impunität kann zwei Ursachen haben:</p>
<ol>
<li>Entweder lässt das Recht selbst eine Bestrafung nicht zu, etwa durch Verjährung, eine <a href="https://neueswort.de/amnestie/">Amnestie</a> oder eine Gesetzeslücke.</li>
<li>Oder eine Tat ist zwar strafbar, wird aber trotzdem nicht verfolgt, weil die Justiz zu schwach ist, die Täter fliehen oder Behörden wegsehen.</li>
</ol>
<p>Im Deutschen ist Impunität ein seltenes, fachsprachliches Wort. Es wird vor allem im Völkerrecht und in der Menschenrechtsarbeit verwendet. Dort spricht man von einer &#8222;Kultur der Impunität&#8220;, wenn schwere Verbrechen wie Folter oder Verschwindenlassen systematisch ohne Folgen bleiben.</p>
<h2>Abgrenzung</h2>
<p><strong>Immunität</strong> ist ein rechtlicher Schutz vor Strafverfolgung, den bestimmte Personen wegen ihres Amtes genießen, etwa Abgeordnete oder Diplomaten. Impunität ist dagegen das Ergebnis: Eine Strafe bleibt aus, aus welchem Grund auch immer.</p>
<p>Eine <strong>Amnestie</strong> ist ein bewusster Straferlass durch den Staat, meist für eine ganze Gruppe von Taten. Sie ist damit eine mögliche Quelle von Impunität, aber ein rechtlich geregelter Vorgang.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort stammt aus dem lateinischen <em>impunitas</em> (Straflosigkeit). Dieses leitet sich ab von <em>impunis</em> (unbestraft, straflos), einer Verbindung aus <em>in-</em> (nicht) und <em>poena</em> (Strafe, Buße).</p>
<p>Aus derselben Wurzel <em>poena</em> stammen im Deutschen auch das Wort &#8222;Pein&#8220; und der Fachbegriff <a href="https://neueswort.de/poenale/">Pönale</a> für eine Vertragsstrafe. Das deutsche Wort &#8222;Strafe&#8220; ist dagegen germanischen Ursprungs und nicht mit <em>poena</em> verwandt.</p>
<p>Schon im Lateinischen hatte <em>impunitas</em> einen zweiten Sinn: &#8222;Zügellosigkeit&#8220; oder &#8222;Rücksichtslosigkeit&#8220;. Der Gedanke dahinter ist alt: Wer keine Strafe fürchten muss, verliert leicht jedes Maß.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ɪmpuniˈtɛːt]</p>
<h2>Beispielsätze</h2>
<blockquote><p>Die Menschenrechtsorganisation warnt vor einer Kultur der <strong>Impunität</strong>, in der Übergriffe der Sicherheitskräfte folgenlos bleiben.</p></blockquote>
<blockquote><p>Solange die Täter <strong>Impunität</strong> genießen, werden die Opfer der Diktatur keinen Frieden finden, sagte die Anwältin.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Historiker beschreibt, wie die <strong>Impunität</strong> der Kolonialbeamten das Unrecht über Jahrzehnte stabilisierte.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Journalistin sieht in der <strong>Impunität</strong> mächtiger Konzerne eine Gefahr für den Rechtsstaat.</p></blockquote>
<blockquote><p>Verjährung schafft <strong>Impunität</strong> mit Ansage: Nach einer festen Frist darf niemand mehr für die Tat belangt werden.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Austerität</title>
		<link>https://neueswort.de/austeritaet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2026 13:51:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Austerität (die) bezeichnet eine &#8222;strenge staatliche Sparpolitik&#8220; oder (seltener) eine &#8222;strenge, entsagungsvolle Lebensführung&#8220;. Im heutigen Sprachgebrauch geht es fast immer um Staatsfinanzen. Gemeint ist ein Kurs, bei dem [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Austerität</strong> (die) bezeichnet eine &#8222;strenge staatliche Sparpolitik&#8220; oder (seltener) eine &#8222;strenge, entsagungsvolle Lebensführung&#8220;.</p>
<p>Im heutigen Sprachgebrauch geht es fast immer um Staatsfinanzen. Gemeint ist ein Kurs, bei dem der Staat seine Ausgaben kürzt, um Schulden abzubauen oder den Haushalt auszugleichen. Häufig gehören höhere Steuern und Abgaben dazu.</p>
<p>Das Wort bezeichnet dabei ein<strong> ganzes Programm</strong>, nicht eine einzelne Kürzung. Es steht auch für den <strong>Zustand</strong> selbst, also für die <strong>Zeit der Knappheit</strong>, die ein solcher Kurs mit sich bringt.</p>
<p>Daneben gibt es eine ältere Bedeutung: strenge Ernsthaftigkeit und Genügsamkeit in der Lebensführung. Diese Verwendung ist heute selten.</p>
<p>Übertragen steht das Wort außerdem für schmucklose Schlichtheit der Form, etwa in der Architektur.</p>
<h2>Abgrenzung</h2>
<p><strong>Sparsamkeit</strong> ist eine persönliche Eigenschaft und in der Regel freiwillig. Austerität beschreibt dagegen ein Programm, das für viele Menschen zugleich gilt und über das die Betroffenen nicht selbst entscheiden.</p>
<p><strong><a href="https://neueswort.de/askese/">Askese</a></strong> zielt auf die eigene Person. Wer asketisch lebt, verzichtet freiwillig, oft aus religiösen oder geistigen Gründen. Nur die ältere Bedeutung von Austerität liegt nahe daran.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Am Anfang steht ein Geschmack. Das griechische <em>austērós</em> (herb, zusammenziehend) beschrieb den trockenen, pelzigen Eindruck, den unreifes Obst oder gerbstoffreicher Wein auf der Zunge hinterlässt. Verwandt ist <em>auos</em> (trocken).</p>
<p>Im Lateinischen wurde daraus <em>austerus</em> (herb, sauer, streng) und weiter <em>austeritas</em> (Herbheit, Strenge). Schon in der Antike wanderte die Bedeutung vom Gaumen auf den Charakter. Streng war nun nicht mehr nur der Wein, sondern auch der Mensch.</p>
<p>In dieser moralischen Bedeutung findet man das Wort im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert in gehobenen Texten. Vermittelt hat es vermutlich das französische <em>austérité</em> (Strenge, Sparsamkeit).</p>
<p>Die heutige Hauptbedeutung ist jünger und stammt aus dem Englischen. In Großbritannien wurde <em>austerity</em> im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach zum Schlagwort für Rationierung, Verzicht und staatliches Sparen. Nach 1945 übernahm das Deutsche diese Lesart.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [aʊ̯steʁiˈtɛːt]</p>
<h2>Beispielsätze</h2>
<blockquote><p>Die Opposition warf der Regierung vor, mit ihrer <strong>Austerität</strong> die wirtschaftliche Erholung abzuwürgen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Nach dem Krieg erlebte Großbritannien Jahre der <strong>Austerität</strong>, in denen selbst Zucker und Fleisch rationiert waren.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Kämmerin verteidigte den Sparkurs: Ohne eine Phase der <strong>Austerität</strong> sei der Haushalt nicht zu retten.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Ordensgründer verlangte von seinen Brüdern dieselbe <strong>Austerität</strong>, die er sich selbst auferlegte.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die <strong>Austerität</strong> des Baus wirkt kühl: glatter Beton, kein Schmuck, kein überflüssiges Detail.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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