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	<title>neueswort.de - Täglich ein Fremdwort</title>
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	<description>Auf neueswort.de stellen wir täglich ein Fremdwort samt seiner Herkunft, Bedeutung und Beispielsätzen vor.</description>
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	<title>Jeden Tag ein Fremdwort – neueswort</title>
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	<item>
		<title>Palaver</title>
		<link>https://neueswort.de/palaver/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jul 2026 12:31:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Palaver (das) bezeichnet ein &#8222;endloses, meist überflüssiges Gerede&#8220; oder ein &#8222;nicht enden wollendes Hin und Her&#8220;. Ein Palaver ist kein gutes Gespräch, sondern eines, das sich in die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Palaver</strong> (das) bezeichnet ein &#8222;endloses, meist überflüssiges Gerede&#8220; oder ein &#8222;nicht enden wollendes Hin und Her&#8220;.</p>
<p>Ein <strong>Palaver</strong> ist kein gutes Gespräch, sondern eines, das sich in die Länge zieht und zu nichts führt. Häufig geht es um Verhandlungen oder Besprechungen, die kein Ende finden. Viele Worte, wenig Ergebnis.</p>
<p>Der Ausdruck ist umgangssprachlich und abwertend.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Nur wenige Wörter haben eine so weite Reise hinter sich wie <strong>Palaver</strong>. Am Anfang stehen das griechische <em>parabole</em> und das lateinische <em>parabola</em> in der Bedeutung &#8222;Gleichnis, Vergleich&#8220;. Aus derselben Wurzel stammen auch die deutschen Wörter <em>Parabel</em> und <em>Parole</em>.</p>
<p>Aus dem lateinischen <em>parabola</em> entwickelte sich das portugiesische <em>palavra</em>, also schlicht &#8222;Wort&#8220;. Über die Handelswege gelangte es an die westafrikanische Küste. Dort bezeichnete es die langwierigen Verhandlungen zwischen europäischen Kaufleuten und der einheimischen Bevölkerung.</p>
<p>Die westafrikanische Bevölkerung übernahm das Wort als Bezeichnung für ihre religiösen und gerichtlichen Versammlungen. Von dort griffen es englische Seeleute auf und trugen es in die englische Sprache (englisch <em>palaver</em>).</p>
<p>Aus dem Englischen gelangte <strong>Palaver</strong> in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ins Deutsche. Das Verb <em>palavern</em> ist erst im 20. Jahrhundert belegt. So wurde aus einem Wort für &#8222;Wort&#8220; die Bezeichnung für allzu viele Worte.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [paˈlaːvɐ]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Nach drei Stunden <strong>Palaver</strong> war die Sitzung keinen Schritt weiter.</p></blockquote>
<blockquote><p>Statt langem <strong>Palaver</strong> traf sie eine klare Entscheidung und ging.</p></blockquote>
<blockquote><p>Das ganze <strong>Palaver</strong> um die Sitzordnung fand er reichlich überflüssig.</p></blockquote>
<blockquote><p>Im Ausschuss versank der gute Vorschlag in endlosem <strong>Palaver</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Auf dem Markt gehörte das laute <strong>Palaver</strong> der Händlerinnen und Händler zum Alltag.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>rabulistisch</title>
		<link>https://neueswort.de/rabulistisch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 19:08:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Adjektiv rabulistisch bedeutet &#8222;spitzfindig, wortklauberisch&#8220; und beschreibt eine Redeweise, die mit allen Mitteln recht behalten will. Wer rabulistisch argumentiert, sucht nicht die beste Lösung, sondern den eigenen Sieg. Begriffe [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Adjektiv <strong>rabulistisch</strong> bedeutet &#8222;spitzfindig, wortklauberisch&#8220; und beschreibt eine Redeweise, die mit allen Mitteln recht behalten will.</p>
<p>Wer <strong>rabulistisch</strong> argumentiert, sucht nicht die beste Lösung, sondern den eigenen Sieg. Begriffe werden zerlegt, Nebensächliches wird umgedeutet, und Worte werden so lange gedreht, bis die andere Seite keinen Einwand mehr findet. Es geht ums Rechtbehalten, nicht ums Rechthaben.</p>
<p>Das Wort ist deutlich abwertend, denn es unterstellt Unehrlichkeit. Eine spitzfindige Bemerkung kann geistreich sein. Eine rabulistische Argumentation ist es nie, weil sie die Form über die Sache stellt. Nah verwandt sind die Ausdrücke <a href="https://neueswort.de/sophistisch/">sophistisch</a> und &#8222;haarspalterisch&#8220;.</p>
<p>Der Begriff gehört zur gehobenen, bildungssprachlichen Ebene und begegnet uns vor allem in Debatten über Politik, Recht und Rhetorik. Zur selben Wortfamilie zählen das Substantiv <strong>Rabulistik</strong> für die Kunst des Wortverdrehens und der <strong>Rabulist</strong> als handelnde Person.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Adjektiv geht auf den lateinischen <em>rabula</em> zurück, den &#8222;schreienden, marktschreierischen Advokaten&#8220; bzw. &#8222;Rechtsverdreher&#8220;. Gemeint war kein besonnener Jurist, sondern der laute Winkeladvokat, der im Gerichtssaal mehr lärmte als überzeugte.</p>
<p>Der <em>rabula</em> wiederum gehört zum Verb <em>rabere </em>(toben, wüten, rasen). Damit steckt im Wort ein überraschend wildes Bild: Der Rabulist tobt mit Worten, statt ruhig zu überzeugen.</p>
<p>Dieselbe Wurzel führt zu weiteren deutschen Wörtern. Über das lateinische <em>rabies</em> (Wut, Raserei) stammen aus ihr auch das Adjektiv <em>rabiat</em> und der medizinische Name der Tollwut, <em>Rabies</em>. Wortverdrehung und Wutkrankheit teilen sich also denselben Ursprung.</p>
<p>Ins Deutsche gelangte die Wortfamilie im 18. Jahrhundert.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ʁabuˈlɪstɪʃ]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>In der Debatte wich die Abgeordnete jeder klaren Antwort mit <strong>rabulistischen</strong> Winkelzügen aus.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Anwalt zerpflückte den Vertrag so <strong>rabulistisch</strong>, dass am Ende niemand mehr wusste, was eigentlich vereinbart worden war.</p></blockquote>
<blockquote><p>Statt den Fehler einzuräumen, verteidigte sich mein Kollege mit <strong>rabulistischer</strong> Wortklauberei.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Professorin warnte ihre Studierenden davor, echte Argumente durch <strong>rabulistische</strong> Tricks zu ersetzen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Kommentar entlarvte die Rede als <strong>rabulistisches</strong> Blendwerk ohne inhaltlichen Kern.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Muse</title>
		<link>https://neueswort.de/muse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2026 08:11:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Muse (die) bezeichnet im übertragenen Sinn &#8222;eine Person, die einen kreativen Menschen inspiriert&#8220; und ursprünglich &#8222;jede der neun griechischen Göttinnen der Künste und Wissenschaften&#8220;. Als Muse gilt, wer [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Muse</strong> (die) bezeichnet im übertragenen Sinn &#8222;eine Person, die einen kreativen Menschen inspiriert&#8220; und ursprünglich &#8222;jede der neun griechischen Göttinnen der Künste und Wissenschaften&#8220;.</p>
<p>Als <strong>Muse</strong> gilt, wer eine schaffende Person zu Werken anregt, sei es durch Ausstrahlung, durch Zuwendung oder durch eine Liebesbeziehung. Der Begriff wird meist auf Frauen im Umfeld männlicher Künstler bezogen, gelegentlich aber auch auf Männer.</p>
<p>Sehr geläufig ist die Wendung &#8222;von der <strong>Muse</strong> geküsst werden&#8220;. Sie meint einen plötzlichen schöpferischen Einfall und klingt heute oft scherzhaft.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>In der griechischen Mythologie sind die Musen neun Schwestern, Töchter des Zeus und der Titanin Mnemosyne, der Göttin der Erinnerung. Diese Abstammung ist kein Zufall.</p>
<p>Wer in einer Kultur ohne Buchdruck dichtet, braucht vor allem ein Gedächtnis, und die Musen sind es, die dem Vortragenden die Verse zurückgeben.</p>
<p>Die großen Epen beginnen mit einer Anrufung der Muse. Der Dichter bittet sie, ihm den Stoff einzugeben. Dahinter steht die Vorstellung, dass ein Einfall nicht aus dem Menschen selbst stammt, sondern ihm von außen zuteilwird. Genau diese Vorstellung lebt im modernen Musenkuss weiter.</p>
<p>Jede der Musen erhielt später einen eigenen Zuständigkeitsbereich:</p>
<ul>
<li>Kalliope die epische Dichtung,</li>
<li>Klio die Geschichtsschreibung,</li>
<li>Melpomene die Tragödie,</li>
<li>Thalia die Komödie,</li>
<li>Terpsichore den Tanz,</li>
<li>Erato die Liebesdichtung,</li>
<li>Euterpe den Gesang,</li>
<li>Polyhymnia den Kultgesang,</li>
<li>Urania die Sternkunde.</li>
</ul>
<p>Das Wort geht über lateinisch <em>Musa</em> auf griechisch <em>Mūsa</em> (Μοῦσα) zurück und ist seit dem 17. Jahrhundert in deutschen Texten belegt. Seine Herkunft im Griechischen selbst gilt als ungeklärt. Erwogen werden unter anderem eine ursprüngliche Bedeutung &#8222;seelische Erregung&#8220; sowie eine Verbindung zu griechisch <em>mōsthai</em>  &#8222;streben, trachten&#8220;.</p>
<p>Zur selben Wortfamilie gehören zwei Wörter, die heute kaum noch nach Mythologie klingen. <em>Museum</em> geht auf griechisch <em>mūseion</em> &#8222;Musensitz, Ort für Kunst und Gelehrsamkeit&#8220; zurück. Und <em>Musik</em> stammt von <em>mūsikḗ téchnē</em>, wörtlich &#8222;Musenkunst&#8220;.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ˈmuːzə]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Die Malerin bezeichnete ihren Nachbarn scherzhaft als ihre <strong>Muse</strong>, weil ihr in seinem Garten die besten Ideen kamen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Nach Monaten ohne Fortschritt hat ihn endlich wieder die <strong>Muse</strong> geküsst.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Ausstellung fragt, wie viele Frauen als <strong>Muse</strong> in die Kunstgeschichte eingingen, obwohl sie selbst gemalt haben.</p></blockquote>
<blockquote><p>Er wartet nicht darauf, dass die <strong>Muse</strong> vorbeikommt, sondern setzt sich jeden Morgen um sechs an den Schreibtisch.</p></blockquote>
<blockquote><p>Alma Mahler-Werfel wurde von gleich mehreren Künstlern als <strong>Muse</strong> verehrt.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ägide</title>
		<link>https://neueswort.de/aegide/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jul 2026 19:09:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Ägide (die) bezeichnet die &#8222;Schirmherrschaft, Leitung oder Obhut&#8220;, unter der etwas steht oder geschieht. Das Wort kommt fast nur in der festen Wendung &#8222;unter jemandes Ägide&#8220; vor. Sie [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Ägide</strong> (die) bezeichnet die &#8222;Schirmherrschaft, Leitung oder Obhut&#8220;, unter der etwas steht oder geschieht.</p>
<p>Das Wort kommt fast nur in der festen Wendung &#8222;unter jemandes <strong>Ägide</strong>&#8220; vor. Sie bedeutet, dass eine Sache unter der Leitung, dem Schutz oder der Verantwortung einer Person oder einer Institution steht.</p>
<p>Dahinter steht die Vorstellung eines Verhältnisses: Eine übergeordnete Instanz gewährt Schutz oder Führung, eine untergeordnete steht darunter. Oft schwingt ein Nebensinn von Verantwortung und Autorität mit.</p>
<p>Ägide gehört der gehobenen, bildungssprachlichen Ebene an. In der Alltagssprache kommt es kaum vor. Man liest es vor allem in Texten über Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft. Das Wort wird nur im Singular gebraucht.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p><strong>Ägide</strong> wurde im späteren 18. Jahrhundert aus dem lateinischen <em>aegis</em> (Genitiv <em>aegidis</em>) entlehnt. Dieses geht auf das griechische <i>aigis</i> zurück, das ursprünglich &#8222;Ziegenfell&#8220; bedeutet haben dürfte.</p>
<p>In der griechischen Mythologie ist die <strong><em>Aigis</em> </strong>weit mehr als ein Stück Fell. Der Schmiedegott Hephaistos formte daraus einen <strong>Schild von übermenschlicher Macht</strong>. Er galt als unzerstörbar. Selbst die Blitze des Zeus konnten ihm nichts anhaben.</p>
<p>Wer die Aigis schüttelte, ließ Blitz, Donner und finstere Wetterwolken aufziehen. Sie war ein Zeichen göttlicher Gewalt und verbreitete Schrecken unter den Feinden. In der <em>Ilias</em> trägt Zeus sie, leiht sie dem Gott Apollon und versetzt damit ganze Heere in Panik.</p>
<p>Vor allem aber wurde die Aigis zum Sinnbild der Göttin Athene. Sie trug sie wie einen Umhang über der Schulter. In ihrer Mitte prangte das Haupt der Gorgo Medusa, dessen Anblick Gegner erstarren ließ.</p>
<p>Entscheidend für die spätere Wortbedeutung ist eine Doppelfunktion. Die Aigis schützte nicht nur die Gottheit, die sie trug, sondern auch alle, die unter deren Obhut standen. Sie war zugleich Schutzschild und Zeichen der Herrschaft.</p>
<p>Dieses Bild lebt in der heutigen Bedeutung fort. Wer &#8222;unter jemandes Ägide&#8220; handelt, steht sinnbildlich unter einem schützenden Schild. Aus der Waffe einer Gottheit wurde die abstrakte &#8222;Schirmherrschaft&#8220;.</p>
<p>Den mythologischen Gegenstand nennt man im Deutschen meist die <em>Ägis</em>. Die Form <em>Ägide</em> geht auf den lateinischen Genitivstamm <em>aegid-</em> zurück und lebt fast nur noch in der übertragenen Bedeutung fort.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ɛˈɡiːdə]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Die Waffenruhe wurde unter der <strong>Ägide</strong> der Vereinten Nationen ausgehandelt.</p></blockquote>
<blockquote><p>Unter der <strong>Ägide</strong> der neuen Intendantin blühte das Stadttheater wieder auf.</p></blockquote>
<blockquote><p>Unter der <strong>Ägide</strong> des langjährigen Geschäftsführers verdoppelte der Betrieb seinen Umsatz.</p></blockquote>
<blockquote><p>Das Ausgrabungsprojekt stand von Beginn an unter der <strong>Ägide</strong> einer erfahrenen Archäologin.</p></blockquote>
<blockquote><p>Ein landesweites Programm zur Leseförderung entstand unter der <strong>Ägide</strong> einer gemeinnützigen Stiftung.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hiobsbotschaft</title>
		<link>https://neueswort.de/hiobsbotschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 16:57:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Hiobsbotschaft (die) bezeichnet eine &#8222;sehr schlimme, erschreckende Nachricht&#8220;. Eine Hiobsbotschaft überbringt Unheil. Sie meldet einen Todesfall, eine schwere Erkrankung oder einen anderen empfindlichen Vrlust. Oft trifft sie die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Hiobsbotschaft</strong> (die) bezeichnet eine &#8222;sehr schlimme, erschreckende Nachricht&#8220;.</p>
<p>Eine Hiobsbotschaft überbringt Unheil. Sie meldet einen Todesfall, eine schwere Erkrankung oder einen anderen empfindlichen Vrlust. Oft trifft sie die betroffene Person unerwartet und mit voller Wucht.</p>
<p>In den Medien wird das Wort gerne in Berichten aus Wirtschaft, Politik und Sport genutzt, um einen schweren Rückschlag anzukündigen.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort geht auf die Gestalt des <em>Hiob</em> im Alten Testament zurück. <em>Hiob</em> ist darin ein frommer und wohlhabender Mann. Um seinen Glauben zu prüfen, lässt Gott eine Reihe von Schicksalsschlägen über ihn hereinbrechen.</p>
<p>In der Bibelstelle Hiob 1, 14 bis 19 treffen mehrere Boten kurz nacheinander bei <em>Hiob</em> ein. Jeder meldet eine neue Katastrophe: geraubte Herden, erschlagene Knechte und schließlich den Tod seiner Kinder, die ein Sturm unter dem einstürzenden Haus begräbt. Jeder Bote beginnt zu reden, während der vorige noch spricht. Aus dieser Häufung von Unglücksnachrichten entstand die Bedeutung des Ausdrucks.</p>
<p><strong>Hiobsbotschaft</strong> ist zusammengesetzt aus dem Namen Hiob und dem Substantiv Botschaft, verbunden durch das Fugen-s. Die ältere Form <em>Hiobspost</em> ist seit dem 18. Jahrhundert belegt, mit Post im veralteten Sinne von &#8222;Botschaft, Nachricht&#8220;. <em>Goethes</em> Verwendung in <em>Götz von Berlichingen</em> trug zu ihrer Verbreitung bei. Seit dem frühen 19. Jahrhundert ist <strong>Hiobsbotschaft</strong> die gebräuchliche Form.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ˈhiːɔpsˌboːtʃaft]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Am Telefon erreichte sie die <strong>Hiobsbotschaft</strong>, dass ihr Großvater in der Nacht gestürzt war.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Abteilungsleiter musste seinem Team die <strong>Hiobsbotschaft</strong> vom Verlust des großen Auftrags überbringen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Nach der Untersuchung rechnete der Patient mit einer <strong>Hiobsbotschaft</strong>, doch die Ärztin konnte ihn beruhigen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Für den Verein war der Ausfall der Torhüterin eine <strong>Hiobsbotschaft</strong> kurz vor dem Saisonstart.</p></blockquote>
<blockquote><p>An der Börse jagte eine <strong>Hiobsbotschaft</strong> die nächste, und die Kurse gaben den ganzen Tag nach.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Moloch</title>
		<link>https://neueswort.de/moloch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Jun 2026 09:27:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Moloch (der) bezeichnet &#8222;etwas, das ständig und unersättlich Opfer fordert&#8220;. Gemeint ist meist eine übermächtige, unpersönliche Kraft, die immer neue Opfer verschlingt und scheinbar nie genug bekommt. Häufig [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Moloch</strong> (der) bezeichnet &#8222;etwas, das ständig und unersättlich Opfer fordert&#8220;.</p>
<p>Gemeint ist meist eine übermächtige, unpersönliche Kraft, die immer neue Opfer verschlingt und scheinbar nie genug bekommt. Häufig wird das Wort auf Großstädte, den Straßenverkehr, den Behördenapparat oder das Kapital angewandt.</p>
<p>Das Bild trägt stets eine düstere, kritische Färbung. Wer von einem <strong>Moloch</strong> spricht, drückt Unbehagen aus: Etwas ist so groß und gefräßig geworden, dass der einzelne Mensch darin zu verschwinden droht. Geläufig sind Zusammensetzungen wie <em>Verkehrsmoloch</em>, <em>Behördenmoloch</em> oder <em>Großstadtmoloch</em>.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort führt über das spätlateinische <em>Moloch</em> (so in der Vulgata und bei Luther) und das griechische <em>Μολόχ</em> auf das hebräische <em>molek</em> zurück. In der Hebräischen Bibel erscheint Moloch im Zusammenhang mit Kinderopfern. Im Buch Levitikus und im 2. Buch der Könige ist davon die Rede, dass Kinder &#8222;durch das Feuer&#8220; gegeben wurden. Die biblischen Texte verurteilen diese Praxis aufs Schärfste.</p>
<p>Über <strong>Moloch</strong> selbst herrscht in der Forschung Uneinigkeit, und schon die Wörterbücher gehen auseinander. Die hebräischen Konsonanten <em>m-l-k</em> bedeuten eigentlich &#8222;König&#8220; (<em>melek</em>). Nach einer verbreiteten Deutung, der etwa Pfeifer folgt, wurde dieser Königsname absichtlich entstellt, indem man ihm die Vokale eines Wortes für &#8222;Schande&#8220; unterlegte. Aus dem &#8222;König&#8220; sei so ein anrüchiger Götze geworden. Andere, darunter der Duden, halten Moloch ursprünglich gar nicht für einen Gottesnamen, sondern für die Bezeichnung einer bestimmten Opferart, die erst später als Name eines Gottes missdeutet wurde. Welche Erklärung zutrifft, ist nicht abschließend geklärt.</p>
<p>Im Deutschen ist <strong>Moloch</strong> seit dem 16./17. Jahrhundert bildlich gebräuchlich, zunächst für jede gierige, opferfordernde Macht. Die Vorstellung des menschenverschlingenden Götzen prägte sich tief in die europäische Kultur ein, etwa durch <em>John Miltons</em> Versepos <em>Das verlorene Paradies</em>, in dem Moloch als blutiger Höllenfürst auftritt.</p>
<p>Besonders wirkmächtig wurde das Bild im 20. Jahrhundert. In <em>Fritz Langs</em> Stummfilm <em>Metropolis</em> (1927) verwandelt sich eine riesige Maschine in der Vision der Hauptfigur in einen Moloch, in dessen Rachen die Arbeiterschaft geführt wird. Damit war die moderne Bedeutung anschaulich geworden: der <strong>Moloch</strong> als gefräßige Großstadt oder Maschinerie, die den Menschen verschlingt.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ˈmoːlɔx]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Kaum in der Hauptstadt angekommen, fühlte sie sich vom <strong>Moloch</strong> der Großstadt verschluckt.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Verwaltungsreform sollte den <strong>Moloch</strong> der Behörden verschlanken, ließ ihn am Ende aber noch weiter wachsen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Jahr für Jahr frisst der wachsende <strong>Moloch</strong> aus Autobahnen und Zubringern neue Felder und Wälder.</p></blockquote>
<blockquote><p>Kritikerinnen warnen, der Konzern sei längst zu einem <strong>Moloch</strong> geworden, der kleinere Betriebe verschlingt.</p></blockquote>
<blockquote><p>In ihrem Roman erscheint der Krieg als <strong>Moloch</strong>, der eine ganze Generation junger Menschen fordert.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mausoleum</title>
		<link>https://neueswort.de/mausoleum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jun 2026 08:42:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://neueswort.de/?p=16912</guid>

					<description><![CDATA[Das Substantiv Mausoleum (das) bezeichnet ein &#8222;monumentales, prachtvolles Grabmal in Gebäudeform&#8220;. Ein Mausoleum ist kein gewöhnliches Grab, sondern ein eigenes Bauwerk, in dem Tote bestattet werden. Errichtet wird es meist [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Mausoleum</strong> (das) bezeichnet ein &#8222;monumentales, prachtvolles Grabmal in Gebäudeform&#8220;.</p>
<p>Ein <strong>Mausoleum</strong> ist kein gewöhnliches Grab, sondern ein eigenes Bauwerk, in dem Tote bestattet werden. Errichtet wird es meist für eine bedeutende Person, eine Herrscherfamilie oder eine ganze Dynastie. Es soll ehren und für lange Zeit Bestand haben.</p>
<p>Mit dem Wort schwingt der Eindruck von Pracht und Dauer mit, manchmal auch von Prunk.</p>
<p>Gelegentlich wird es (übertragen) kritisch verwendet, etwa für einen kühlen, leblos wirkenden Bau.</p>
<p>Der <strong>Plural</strong> lautet: die Mausoleen.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Das Wort geht auf ein bestimmtes Bauwerk der Antike zurück: <em>Mausolos</em>, ein Statthalter des Perserreichs, herrschte im 4. Jahrhundert v. Chr. über die Landschaft <em>Karien</em> im Südwesten der heutigen Türkei. Nach seinem Tod ließ ihm seine Witwe <em>Artemisia</em> in der Stadt <em>Halikarnassos</em> ein gewaltiges Grabmal errichten.</p>
<p>Dieser Bau, auf Griechisch <strong><em>Mausōleion</em></strong>, war so prächtig, dass er schon in der Antike zu den<strong> sieben Weltwundern</strong> zählte. Sein Name wurde bald zum allgemeinen Begriff für jedes prunkvolle Grabmal.</p>
<p>Im Deutschen ist <strong>Mausoleum</strong> seit dem 16. Jahrhundert belegt, zunächst nur für das Grab des Mausolos. Seit dem 17. Jahrhundert steht es allgemein für ein monumentales Grabmal. Das antike Bauwerk selbst wurde im Mittelalter durch Erdbeben zerstört. Erhaltene Skulpturen befinden sich heute im Britischen Museum in London.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [maʊ̯zoˈleːʊm]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Auf ihrer Reise durch die Türkei besichtigte sie die Reste eines antiken <strong>Mausoleums</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Familie ließ auf dem Friedhof ein schlichtes <strong>Mausoleum</strong> errichten.</p></blockquote>
<blockquote><p>In manchen Hauptstädten ruhen bedeutende Persönlichkeiten der Geschichte in prunkvollen <strong>Mausoleen</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Architektin wollte kein kühles <strong>Mausoleum</strong> entwerfen, sondern einen lebendigen Ort.</p></blockquote>
<blockquote><p>Als die Gäste gegangen waren, kam ihm das leere Haus wie ein <strong>Mausoleum</strong> vor.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Philippika</title>
		<link>https://neueswort.de/philippika/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 13:05:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://neueswort.de/?p=16910</guid>

					<description><![CDATA[Das Substantiv Philippika (die) bezeichnet eine &#8222;heftige, leidenschaftliche Strafrede&#8220;, eine scharfe Anklage gegen eine Person oder eine Sache. Eine Philippika ist ein leidenschaftlicher Angriff in Worten, der anklagt und verurteilt. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Philippika</strong> (die) bezeichnet eine &#8222;heftige, leidenschaftliche Strafrede&#8220;, eine scharfe Anklage gegen eine Person oder eine Sache.</p>
<p>Eine <strong>Philippika</strong> ist ein leidenschaftlicher Angriff in Worten, der anklagt und verurteilt. Typisch ist die Wendung &#8222;eine <strong>Philippika</strong> gegen jemanden halten&#8220;, auch &#8222;loslassen&#8220; oder &#8222;anheben&#8220;.</p>
<p>Das Wort ist gehoben und wirkt heute etwas veraltend. Meist geht es um eine Rede, gelegentlich auch um einen scharfen Text wie eine Kolumne oder eine Streitschrift. Der Plural lautet die Philippiken.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Der Ausdruck stammt aus der Antike. Im 4. Jahrhundert v. Chr. hielt der athenische Redner<em> Demosthenes</em> mehrere flammende Reden gegen <em>Philipp II. von Makedonien</em>, der die Freiheit der griechischen Städte bedrohte. Diese Reden nannte man auf Griechisch <em>tà Philippiká</em>, &#8222;die Philippischen Reden&#8220;.</p>
<p>Rund dreihundert Jahre später griff der römische Redner <em>Cicero</em> das Vorbild auf. Seine scharfen Reden gegen <em>Marcus Antonius</em> nannte er nach diesem Muster <em>orationes Philippicae</em>. Über diese lateinische Form gelangte das Wort später ins Deutsche.</p>
<p>Im Deutschen ist <strong>Philippika</strong> seit dem frühen 19. Jahrhundert belegt.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [fiˈlɪpika]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Die Abgeordnete hielt eine flammende <strong>Philippika</strong> gegen die geplante Kürzung der Bildungsmittel.</p></blockquote>
<blockquote><p>In ihrer Kolumne ließ die Journalistin eine <strong>Philippika</strong> gegen die Bequemlichkeit der Mächtigen los.</p></blockquote>
<blockquote><p>Niemand hatte mit einer so wütenden <strong>Philippika</strong> gegen die neue Arbeitszeitregelung gerechnet.</p></blockquote>
<blockquote><p>Im Geschichtsunterricht lasen die Schülerinnen und Schüler eine berühmte <strong>Philippika</strong> der Antike.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die Rednerin steigerte sich in eine <strong>Philippika</strong>, die kein Ende nehmen wollte.</p></blockquote>
<blockquote><p>Dann beendet er seine <strong>Philippika</strong> mit zwei quasi kontrapunktischen Sätzen.<br />
– Süddeutsche Zeitung, 8. Dezember 2001</p></blockquote>
<blockquote><p>Seine günstigstenfalls leicht hysterisch anmutende <strong>Philippika</strong> ließe sich womöglich schweigend übergehen, wäre er irgendwer.<br />
– Die Welt, 16. April 2004</p></blockquote>
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			</item>
		<item>
		<title>Prokrustesbett</title>
		<link>https://neueswort.de/prokrustesbett/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jun 2026 12:29:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Prokrustesbett (das) bezeichnet ein &#8222;starres Schema, in das etwas mit Gewalt hineingezwängt wird&#8220;. Fast immer erscheint das Wort in der Wendung &#8222;jemanden oder etwas in ein Prokrustesbett zwängen&#8220; [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Prokrustesbett</strong> (das) bezeichnet ein &#8222;starres Schema, in das etwas mit Gewalt hineingezwängt wird&#8220;.</p>
<p>Fast immer erscheint das Wort in der Wendung &#8222;jemanden oder etwas in ein <strong>Prokrustesbett</strong> zwängen&#8220; (auch &#8222;pressen&#8220; oder &#8222;zwingen&#8220;). Gemeint ist, eine Person, eine Idee oder eine Sache in ein enges Raster zu zwingen, das ihr eigentlich nicht entspricht.</p>
<p>Das Bild betont, dass die Anpassung gewaltsam geschieht und Schaden anrichtet. Häufig richtet sich der Vorwurf gegen starre Theorien, Vorschriften oder Kategorien, denen die Wirklichkeit untergeordnet wird, statt umgekehrt.</p>
<p>Der Ausdruck ist bildungssprachlich und wirkt heute etwas veraltend.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Der Ausdruck stammt aus der griechischen Mythologie. <em>Prokrustes</em> war ein Bandit, der an der Straße nach Athen Reisende überfiel. Sein Name bedeutet etwa &#8222;der Strecker&#8220; und spielt auf seine grausame Methode an.</p>
<p><em>Prokrustes</em> bot den Reisenden ein Bett an und passte sie mit Gewalt an dessen Länge an. Wer zu groß war, dem hieb er die überstehenden Glieder ab. Wer zu klein war, den streckte er gewaltsam in die Länge.</p>
<p>Der Held <em>Theseus</em> bereitete dem Treiben ein Ende. Er tötete <em>Prokrustes</em>, indem er ihn auf dieselbe Weise behandelte, die dieser seinen Opfern zugedacht hatte.</p>
<p>Aus dieser Geschichte ist ein festes sprachliches Bild geworden. Das <strong>Prokrustesbett</strong> steht seither für jedes Schema, dem etwas gewaltsam angepasst wird.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [pʀoˈkʀʊstɛsˌbɛt]</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Die Forscherin weigerte sich, ihre Beobachtungen in das <strong>Prokrustesbett</strong> der bestehenden Theorie zu zwängen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Starre Vorschriften pressten jeden Einzelfall in dasselbe <strong>Prokrustesbett</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Übersetzer klagte, die fremde Lyrik lasse sich nicht ohne Verlust in das <strong>Prokrustesbett</strong> der deutschen Grammatik zwingen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Ein Freigeist fügt sich nur ungern in das <strong>Prokrustesbett</strong> vorgegebener Lebensläufe.</p></blockquote>
<blockquote><p>Historikerinnen und Historiker warnen davor, vergangene Epochen in das <strong>Prokrustesbett</strong> heutiger Maßstäbe zu pressen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Was neu, was anstößig sein könnte, wird ins <strong>Prokrustesbett</strong> der Routine gezwängt.<br />
– Die Zeit, 6. Mai 1977</p></blockquote>
<blockquote><p>Sprachen sind lebendige Gebilde und lassen sich nicht in ein <strong>Prokrustesbett</strong> spannen.<br />
– Süddeutsche Zeitung, 22. Juli 2002</p></blockquote>
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		<title>Augiasstall</title>
		<link>https://neueswort.de/augiasstall/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jan Sievers]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 13:56:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Substantiv Augiasstall (der) bezeichnet einen &#8222;verschmutzten, verwahrlosten Raum&#8220; oder (übertragen) &#8222;verrottete, korrupte Verhältnisse&#8220;. Oft erscheint das Wort in der festen Wendung &#8222;den Augiasstall ausmisten&#8220;. Gemeint ist, eine über lange [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Substantiv <strong>Augiasstall</strong> (der) bezeichnet einen &#8222;verschmutzten, verwahrlosten Raum&#8220; oder (übertragen) &#8222;verrottete, korrupte Verhältnisse&#8220;.</p>
<p>Oft erscheint das Wort in der festen Wendung &#8222;den <strong>Augiasstall</strong> ausmisten&#8220;. Gemeint ist, eine über lange Zeit durch Nachlässigkeit entstandene große Unordnung mit Mühe zu beseitigen.</p>
<p>Heute wird das Bild meist übertragen gebraucht. Es zielt auf Behörden, Unternehmen, Vereine oder politische Verhältnisse, in denen sich Missstände, Schlamperei oder Korruption angesammelt haben. Mitschwingen kann die Vorstellung, dass das Aufräumen einen enormen, fast heldenhaften Einsatz verlangt.</p>
<h2>Hintergrund</h2>
<p>Der Ausdruck stammt aus der griechischen Mythologie: König <em>Augias</em> von Elis besaß einen riesigen Rinderstall. Dort standen Tausende Tiere, und der Mist war seit dreißig Jahren nicht entfernt worden.</p>
<p>Die Reinigung dieses Stalls war eine der zwölf Arbeiten des Helden <em>Herakles</em> (lateinisch <em>Herkules</em>). Er bewältigte sie an einem einzigen Tag. Dazu leitete er die Flüsse <em>Alpheios</em> und <em>Peneios</em> um und ließ sie durch die Ställe strömen, sodass das Wasser den gesamten Unrat fortspülte.</p>
<p>Im Deutschen ist das Wort seit dem 18. Jahrhundert geläufig. An dieselbe Sage erinnert auch der Ausdruck <strong>Herkulesaufgabe</strong>, der eine besonders große, kaum zu bewältigende Aufgabe bezeichnet.</p>
<h2>Aussprache</h2>
<p><strong>Lautschrift (IPA):</strong> [ˈaʊ̯ɡi̯asˌʃtal] oder [aʊ̯ˈɡi̯asˌʃtal], also Betonung auf der ersten oder zweiten Silbe.</p>
<h2>Verwendungsbeispiele</h2>
<blockquote><p>Die neue Leitung versprach, in der Behörde endlich den <strong>Augiasstall</strong> auszumisten.</p></blockquote>
<blockquote><p>Als Vorständin übernahm sie ein Unternehmen, das in seinen Finanzen einem wahren <strong>Augiasstall</strong> glich.</p></blockquote>
<blockquote><p>Der Verein steckte so tief in Skandalen, dass nur eine unabhängige Person den <strong>Augiasstall</strong> ausräumen konnte.</p></blockquote>
<blockquote><p>Nach Wochen ohne Aufräumen empfand er seine eigene Wohnung als <strong>Augiasstall</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Reformerinnen und Reformer sahen sich der Aufgabe gegenüber, einen ganzen <strong>Augiasstall</strong> an Missständen zu beseitigen.</p></blockquote>
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