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  <title>nulleffekt.net</title>
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  <description>Die neuesten Artikel von nulleffekt.net</description>
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    <title>Die verbrennen sich sogar selbst</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/daOiVsdPFWg/</link>
    <description>Ein buddhistischer Stupa in Niederösterreich? Nicht, wenn vorgeblich christliche Demagogen ihre perfide Rhetorik ins Spiel bringen.&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2012/02/ThichQuangDuc.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: Malcolm W. Browne &amp;ndash; Lizenz: Alle Rechte vorbehalten&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;In dem kleinen niederösterreichischen Örtchen Gföhl sollte das höchste buddhistische Friedensdenkmal Europas entstehen. Für den Bau des &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stupa"&gt;Stupas&lt;/a&gt; kaufte die ausführende Stiftung einen Grund auf dem Gemeindegebiet und beantragte die Umwidmung in Bauland. Der Bundespräsident wünschte dem "Bemühen um Frieden und Vermeidung von Gewalt &lt;a href="http://stupa.at/downloads/fischer.pdf"&gt;den besten Erfolg&lt;/a&gt;". Doch zuvor sollten in einer Bürgerbefragung auch die Gföhler über die Umwidmung abstimmen.

Dazu später mehr.

Gestern habe ich ein &lt;a href="http://derstandard.at/1328507706388/Kein-Stupa-in-Gfoehl-Buddhistischer-Moench-Sunim-Ewald-Stadler-verbreitet-Hass"&gt;Interview mit Bop Jon Sunim&lt;/a&gt; geführt. Er stammt aus Südkorea und ist Leiter des Projekts. Im Zuge der Recherche wurde uns zugespielt, was zuvor bei den Gföhlern in den Briefkästen landete. In einer Postwurfsendung mit dem Titel "&lt;a href="http://images.derstandard.at/2012/02/14/stupaaussendungen.pdf" target="_blank"&gt;Buddhismus in Österreich – ein Wolf im Schafspelz" (PDF)&lt;/a&gt;&lt;a href="http://images.derstandard.at/2012/02/14/stupaaussendungen.pdf" target="_blank"&gt;&lt;/a&gt; appellierte eine Allianz erzkonservativer Verschwörungstheoretiker an die Bürger Gföhls, mit "Nein" zu stimmen. Unterfertigt wurde das Pamphlet von reaktionären Organisationen, die sich selbst als christlich verstehen:
&lt;ul&gt;
	&lt;li&gt;Mission Europa - Netzwerk Karl Martell, ein &lt;a href="http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/682117/Hasspredigten-gegen-den-Islam-und-ihre-Folgen-fuer-den-Westen"&gt;FPÖ-naher&lt;/a&gt; Verein, hinter dem die wegen Herabwürdigung religiöser Lehren verurteilte Elisabeth Sabaditsch-Wolff steht;&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;der Wiener Akademikerbund, von dem sich der ÖVP-nahe Österreichische Akademikerbund trennte, nachdem sein Obmann die Aufhebung des NS-Verbotsgesetzes  und eine "generelle Beendigung der Einwanderung" &lt;a href="http://derstandard.at/1324170324358/Islam-Seminar-Sabaditsch-Wolff-will-bis-ans-Aeusserste-kaempfen"&gt;gefordert hatte&lt;/a&gt;;&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;eine bisher kaum öffentlich in Erscheinung getretene Gruppe namens Pius XIII.; vom nach Papst klingenden Namen darf man sich nicht täuschen lassen – einen solchen gab es nie, auch wenn &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lucian_Pulvermacher"&gt;Mr. Pulvermacher&lt;/a&gt; das von sich behauptete;&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;die Christen-Allianz und die Anti-Abtreibungs-Bewegung Pro Vita, beides Einrichtungen, hinter denen Alfons Adam steckt, der mit der Partei "Die Christen" und Aussagen wie "&lt;a href="http://diepresse.com/home/politik/neuwahlen/wahlchat/413438/Alfons-Adam_Homosexualitaet-ist-eine-Krankheit"&gt;Homosexualität ist eine Krankheit&lt;/a&gt;" schon mehrfach bei Wahlen gescheitert ist.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
Die Argumente in dem Manifest gegen den Bau des Stupa sind dumm bis niederträchtig. Aus der Aussage "wer seine/n Partner/in, Kinder oder Schutzbefohlene betrügt, verletzt  und schändet oder ganz allgemein seine sexuellen Neigungen anderen  aufnötigt, verletzt die Würde des anderen und schadet in Verletzung der  Eigenwürde letztlich auch sich selbst" drehen die reaktionären Gesellen den Buddhisten diesen Strick: "Mit solchen unklaren Aussagen wird der Pädophilie Tür und Tor geöffnet."

&lt;strong&gt;Verzehr von Ausscheidungen und Fleisch toter Menschen&lt;/strong&gt;

Die Paranoia gewinnt noch an Kontur. Einem nicht näher beschriebenen buddhistischen Zirkel mit "geheimen oberen Weihen" wird nachgesagt, zur "kriegerischen Welteroberung" aufzurufen. Der Dalai Lama als spiritueller Führer der Buddhisten selbst sehe sein "Endziel" als "diktatorischer Beherrscher der Welt". Eingerichtet werden soll der "buddhistische Gottesstaat", dessen Ideologie das "Fundament für eine esoterische Nazi-Religion" bildet[1. Amüsanterweise kritisiert die Priesterbruderschaft St. Pius X., ein Hort für &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Priesterbruderschaft_St._Pius_X.#Holocaustleugnung"&gt;Holocaustleugner und radikale Spinne diverser Coleur&lt;/a&gt;, den Dalai Lama in einer &lt;a href="http://www.fsspx.at/images/stories/ursprungundziel/2012/uz_2012_02.pdf"&gt;Sonderausgabe&lt;/a&gt; ihres Hefts "Ursprung und Ziel" wegen seiner marxistischen Ansichten. Daneben gab es noch weitere, vergleichsweise harmlosere Anti-Stupa-PR, etwa &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=LTJrZ0u5M3E"&gt;hier&lt;/a&gt;. Auch im oben verlinkten PDF finden sich noch andere Beispiele, darunter eine Aussendung einer Organisation mit dem klingenden Namen "Österreichische  Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum" und  dem Slogan "Zur Wiederherstellung einer christlichen Zivilisation".], mithilfe – es war fast zu erwarten – eines "blutigen und gnadenlosen Religionskrieges gegen die Anhänger der semitischen Religionen". Die innere Logik bildet hier einen schönen Kreis, denn das Hakenkreuz sei bereits auf dem Grab Buddhas bezeugt.

Die so Erleuchteten schreiben sich in einen wahnhaften Rausch gegen die Irrlehren, sind aber immerhin noch zurechnungsfähig genug, um zu erkennen, dass neben Unterstreichung und Fettsetzung nicht auch noch eine kursive Auszeichnung notwendig ist. "Das Böse könne nur durch das Böse bekämpft werden, weshalb die Schüler aufgefordert werden, zu töten, zu lügen, zu stehlen und die Ehe zu brechen. Auch zum Verzehr von Ausscheidungen und von Fleisch toter Menschen wird angeregt."

&lt;strong&gt;Brennende Mönche im Waldviertel
&lt;/strong&gt;

So grotesk die Rhetorik bisher war, dann wird sie perfide. "Sogar die Selbstverbrennung wird unter tibetischen Mönchen praktiziert", heißt es über eine 1963 aufgenommene Fotografie, die den brennenden Körper des vietnamesischen[2. Der Unterschied zwischen "tibetisch" und "vietnamisisch" wird den Urhebern recht egal sein. Für ein ähnliches Foto dieser Serie wurde Malcolm W. Browne übrigens 1963 mit dem &lt;a href="http://www.archive.worldpressphoto.org/search/layout/result/indeling/detailwpp/form/wpp/q/ishoofdafbeelding/true/trefwoord/year/1963"&gt;World Press Photo Award&lt;/a&gt; ausgezeichnet.] Mönchs Thích Quảng Đức zeigt. Auf halb joviale, halb aufhetzende Weise sagt dieses "sogar": Die verbrennen sich selbst, vielleicht aus Spaß, vielleicht, weil es ihrem Wesen entspricht, man weiß es nicht genau.

In Wahrheit sah Thích Quảng Đức in der Verbrennung den letzten Ausweg, um gegen die vom christlichen Regime Vietnams systematisch betriebene Ausmerzung buddhistischer Mönche zu protestieren – gegen &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Hue_chemical_attacks"&gt;chemische Attacken&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Hu%E1%BA%BF_Ph%E1%BA%ADt_%C4%90%E1%BA%A3n_shootings"&gt;Erschießungen Unbewaffneter&lt;/a&gt;.[3. Siehe auch &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Buddhist_crisis"&gt;Buddhist Crisis&lt;/a&gt;] Die Verteidiger des christlichen Abendlandes drehen die Optik kurzerhand um 180 Grad und schaffen eine Schreckensvision von orangefarben gekleideten Glatzköpfen, die brennend durchs Waldviertel zu stürmen pflegen, um ihre ideologische Mission zu erfüllen.

Der Plan der Allianz scheint aufgegangen zu sein. In der Bürgerbefragung  über die Umwidmung stimmten 67 Prozent der Gföhler gegen den Bau. Im Nachhinein ist natürlich nicht zu belegen, wie die Abstimmung ohne solche Aussendungen ausgegangen wäre. Elisabeth Lindmayer, eine Mitorganisatorin des Stupa-Baus, versicherte mir: "Die Mehrheit der Bevölkerung  ebendort war bis vor etwa einer Woche noch dafür, und die Propaganda der  letzten Tage dürfte die Stimmung zum Kippen gebracht haben." Es würde mich nicht wundern.&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/die-verbrennen-sich-sogar-selbst/"&gt;Die verbrennen sich sogar selbst&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/daOiVsdPFWg" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Wed, 15 Feb 2012 19:19:26 +0000</pubDate>
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  <item>
    <title>»Ewald Stadler verbreitet Hass«</title>
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    <description>Nach "Nein" zu Stupa-Bau reagiert der aus Südkorea stammende Ordensmann auf Vorwürfe von Pädophilie und Gewalt.&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2012/02/sunim.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: Privat &amp;ndash; Lizenz: Alle Rechte vorbehalten&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Die Errichtung eines im niederösterreichischen Gföhl geplanten buddhistischen Denkmals wurde bei einer verbindlichen Bürgerbefragung mit 67 Prozent der Stimmen &lt;a href="http://derstandard.at/1328507551298/Volksbefragung-Zwei-Drittel-gegen-Buddha-Tempel-in-Gfoehl" target="_self"&gt;abgelehnt&lt;/a&gt;. ÖVP-Bürgermeister Karl Simlinger, dem die Errichtung des größten Sakralbaus dieser Art in Europa ein wichtiges Anliegen war, &lt;a href="http://derstandard.at/1328507624440/Niederoesterreich-Ende-beim-Wettruesten-um-hoechsten-Buddha-Tempel-Europas" target="_self"&gt;akzeptierte&lt;/a&gt; die Entscheidung der Bevölkerung. Dass sich die Gföhler schlussendlich gegen den Stupa entschieden haben, liege an einer Hetzkampagne politischer Gegner, sagt Bop Jon Sunim, buddhistischer Mönch und Mitinitiator des geplanten Baus, im Interview.
&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;
&lt;strong&gt;Mehrere, vor allem christlich geprägte Organisationen erhoben zuletzt per &lt;a href="http://images.derstandard.at/2012/02/14/stupaaussendungen.pdf" target="_blank"&gt;Postwurfsendung (PDF)&lt;/a&gt; schwere Vorwürfe gegen den Buddhismus, um vor der Errichtung des Stupas zu warnen. Welche Auswirkungen hatte das?&lt;/strong&gt;

Bis eine Woche vor der Befragung waren die Rückmeldungen aus der Bevölkerung fast ausschließlich positiv. Das Ergebnis der Abstimmung war sicher auch eine Konsequenz dieser Aussendungen.

&lt;strong&gt;Einer der Vorwürfe lautete, der Dalai Lama wolle einen "diktatorischen Gottesstaat" einsetzen und mit einem "blutigen Religionskrieg gegen Andersdenkende" die Welteroberung anstreben. &lt;/strong&gt;

Ich glaube, eine solche Kritik an anderen Religionen ist höchstens eine Selbstdisqualifizierung. Vorwürfe von Parallelen mit einer Diktatur sind vollkommen falsch, der Buddhismus ist ein Weg der Liebe, nicht des Hasses. So denken nur wenige, die meisten Österreicher haben große Sympathien für den Dalai Lama. Er ist in Österreich sogar beliebter als der Papst und der Kardinal.

&lt;strong&gt;In dem Flugblatt wird auch eine Nähe des Buddhismus zum Nationalsozialismus hergestellt.&lt;/strong&gt;

Einen solchen Zusammenhang hat es nie gegeben. Wer das behauptet, macht bewusste Falschaussagen, die absolut unnötig sind. Für mich sind solche Behauptungen unglaublich.

&lt;strong&gt;Es heißt darin außerdem, durch "unklare Aussagen über Sexualität mit Kindern" werde im Buddhismus "Pädophilie Tür und Tor geöffnet".&lt;/strong&gt;

Diese Vorwürfe sind unvorstellbar. Die Piusbruderschaft und vor allem &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ewald_Stadler"&gt;Ewald Stadler&lt;/a&gt; arbeiten gegen uns und verbreiten mit solchen Aussagen nur Hass ohne jede Grundlage. Aber es ist sehr schwer, die Leute von der Wahrheit zu überzeugen, wenn an jeden Haushalt Broschüren mit diesen Lügen geschickt werden. Das ist nichts anderes als eine politische Negativkampagne.

&lt;strong&gt;Ein Kritikpunkt am Stupa selbst war seine geplante Höhe von 35 Metern. Hätte es vielleicht weniger Widerspruch gegeben, wenn der Bau niedriger gewesen wäre?&lt;/strong&gt;

In Österreich gibt es etwa 8.000 Kirchen, von denen die meisten höher sind. Die Kirche in Gföhl ist 45 Meter hoch, der Stephansdom über 130 Meter. Dieser Punkt kann also objektiv nicht so ein wichtiges Thema sein.

&lt;strong&gt;Sie haben kulturpolitisch eine Zusammenarbeit mit den Stiften Zwettl, Geras und Pernegg angedacht - wie war die Kommunikation mit den offiziellen Vertretern der katholischen Kirche?&lt;/strong&gt;

Wir haben sehr viele katholische Freunde, die uns&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;bei dem Projekt unterstützt haben. Anders als die sogenannten "christlichen" Kritiker mit ihrer Kampagne haben uns die offiziellen Kirchenvertreter immer sehr freundlich behandelt.

&lt;strong&gt;Das Gebäude hätte auf dem Galgenberg, einer ehemaligen Hinrichtungsstätte, erbaut werden sollen. Wäre das nicht eine etwas problematische Symbolik gewesen?&lt;/strong&gt;

Dazu gibt es eine schöne Geschichte: Vor über 2.200 Jahren herrschte Krieg in Indien und viele Menschen sind gestorben. Als König Ashoka gesehen hat, wie eine Frau den Tod ihres Sohnes betrauerte, hat er den Krieg beendet und am Schlachtfeld den ersten Stupa als Zeichen des Friedens errichtet.

&lt;strong&gt;Der Standort in Gföhl ist nicht mehr realisierbar - werden Sie sich nun nach einem anderen Standort umschauen?&lt;/strong&gt;

Wir haben bereits einige Angebote aus ganz Österreich und überlegen, wie es weitergehen wird.

&lt;strong&gt;Was passiert mit dem Gföhler Grundstück, das Sie erworben haben und nun doch nicht in Bauland umwidmen können?&lt;/strong&gt;

Auch das ist noch offen.

&lt;strong&gt;Sie waren schon Initiator des bisher größten Stupas in Europa, der 1993 im ungarischen Zalaszántó errichtet wurde. Gab es auch dort öffentlichen Widerstand?&lt;/strong&gt;

Es gab weder damals noch in der Zeit danach irgendwelche negativen Stimmen aus der Bevölkerung. Die Bewohner haben sich von Anfang an gefreut. Wir haben gedacht, dass die Mehrheit der Österreicher ähnlich tolerant und offen gegenüber anderen Religionen und Menschen ist.
&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;
&lt;strong&gt;Kommentar&lt;/strong&gt;: &lt;a href="http://nulleffekt.net/die-verbrennen-sich-sogar-selbst/"&gt;Die verbrennen sich sogar selbst&lt;/a&gt;

&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Dieser Artikel erschien zuerst auf &lt;a href="http://derstandard.at/1328507706388/Kein-Stupa-in-Gfoehl-Buddhistischer-Moench-Sunim-Ewald-Stadler-verbreitet-Hass"&gt;derStandard.at&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/ewald-stadler-verbreitet-hass/"&gt;»Ewald Stadler verbreitet Hass«&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/tt50Tx10DbQ" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Tue, 14 Feb 2012 20:33:06 +0000</pubDate>
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  <item>
    <title>»Die Politik wusste von den Misshandlungen«</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/qf1w8_yGSm8/</link>
    <description>Elektroschocks, Röntgenstrahlung, Malariaerreger: Wie Kinder in den 60er Jahren in Heimen »therapiert« wurden, »war auch damals als abseitig und sehr gewaltvoll zu beurteilen«, sagt Erziehungs&amp;shy;wissenschafterin Michaela Ralser&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2012/02/kinderheime.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: ORF/YouTube &amp;ndash; Lizenz: Alle Rechte vorbehalten&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;In den vergangenen Tagen meldeten sich immer mehr Betroffene mit Berichten über &lt;a href="http://derstandard.at/r1328507252249/Misshandlungen-von-Heimkindern"&gt;fragwürdige Therapiemethoden&lt;/a&gt; in österreichischen Kinderheimen der 1960er Jahre. Mit Elektroschocks, Röntgenbestrahlung, Tiermedikamenten und Malariaerregern sollen Kinder und Jugendliche gegen Jähzorn, Bettnässen oder sexuellen Antrieb behandelt worden sein. Michaela Ralser, Professorin am Innsbrucker Institut für Erziehungs­wissenschaft und Leiterin eines Forschungsprojekts über Vorarlberger und Tiroler Heime, im Interview.&lt;/p&gt;
&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;
&lt;p style="text-align: left;"&gt;&lt;strong&gt;Die inkriminierten Fälle liegen zum Teil über 50 Jahre zurück. Warum werden sie erst jetzt aufgearbeitet?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style="text-align: left;"&gt;Was jetzt etwa über die Innsbrucker Psychiatrische Kinderbeobachtungsstation  in der Öffentlichkeit behandelt wird, war bereits in den 1980er Jahren zum großen Teil bekannt. Der &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=WKPWExyzhhk" target="_blank"&gt;ORF berichtete&lt;/a&gt; schon vor mehr als 30 Jahren über diese Dinge, und auch die politisch Verantwortlichen müssen Bescheid gewusst haben, so sie über einen Fernseher verfügten. Offenbar verschwinden diese Aufmerksamkeiten, um dann wieder in den öffentlichen Fokus zu geraten.&lt;/p&gt;
&lt;strong&gt;Kann man aus heutiger Perspektive beurteilen, ob das übliche Behandlungsmethoden im wissenschaftlichen Konsens waren oder auch damals schon nichts anderes als schwere Körperverletzung?&lt;/strong&gt;

Diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn man überprüft, ob es zu diesem Zeitpunkt alternative Konzepte der Obsorge und der Hilfe gegeben hat. Und da kann man heute deutlich sagen: Ja, die hat es zuhauf gegeben. Der Leiter der Psychiatrischen Klinik in Innsbruck etwa, Kornelius Kryspin-Exner, hat schon damals gesagt, dass diese Mittel – zum Beispiel die Gabe von Epiphysan – nicht dem Stand der Wissenschaft entsprächen und völlig abzulehnen seien.

&lt;strong&gt;Die Verantwortlichen behandelten also nicht guten Gewissens psychische Krankheiten, sondern brauchten nur eine Ausrede, umbewusst systematische Feldversuche an Menschen zu machen?&lt;/strong&gt;

Ob diese Dinge tatsächlich experimentellen Charakter hatten, also in Versuchsreihen angelegt waren, vermag ich nicht zu beurteilen. Was man sagen kann, ist, dass diese Therapieformen auch zur damaligen Zeit und in Relation zu dem, was an Alternativen möglich gewesen wäre, als abseitig, peripher und sehr gewaltvoll zu beurteilen sind.

&lt;strong&gt;Manche Beobachter versuchen diese disziplinierenden Therapieformen mit der Sozialisierung der verantwortlichen Ärzte und Aufseher während der NS-Zeit zu erklären – ist eine solche Prägung argumentierbar?&lt;/strong&gt;

Ein unmittelbarer Zusammenhang mag für einzelne Figuren stimmen. Wir haben aber – leider – eine wesentlich längere Tradition bei solchen Methoden. Die Beziehung zwischen Pädagogik und Psychiatrie, die sogenannte "Psychiatrisierung der Kindheit", hat bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert begonnen. Im Nationalsozialismus wurden dann die im beginnenden 20. Jahrhundert entwickelten Konzepte der psychopathischen Minderwertigkeit, der Erbtheorie oder der Eugenik radikalisiert und in die NS-Gesundheits- und -Vernichtungspolitik integriert.

&lt;strong&gt;Uns erscheint es heute befremdlich, dass Wutausbrüche mit provozierten Fieberschüben kuriert werden sollten. Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass in 50 Jahren ähnlich zurückgeschaut wird, weil wir Anfang des 21. Jahrhunderts Kinder mit Psychopharmaka von ADHS heilen wollten? &lt;/strong&gt;

Das ist aus derzeitiger Perspektive schwierig zu beantworten. Man kann aber sagen, dass es gerade heute relativ rasch einen starken medikamentösen Zugriff auf Kinder mit Schwierigkeiten gibt, etwa die Behandlung mit Ritalin bei ADHS. Ich habe erst kürzlich gehört: "Wenn ein Kind heute zwei heftige Gefühle äußert, dann müssen wir es behandeln." Dass Kindern, die dem hohen Anpassungsdruck nicht standhalten, Medikamente verabreicht werden, ist auch vom gegenwärtigen Standpunkt aus schon kritikabel – aus demselben Grund wie damals: weil es mit Erziehungstoleranz  oder auch Psychotherapie Alternativen gibt, die weniger invasiv sind, also weniger in den Organismus eingreifen. Ob sich in Zukunft soziale, psychotherapeutische und damit verträglichere Methoden eher durchsetzen als neurobiologisch-medikamentöse, kann ich nicht sagen. Ich hoffe Ersteres.

&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Dieser Artikel erschien zuerst auf &lt;a href="http://derstandard.at/1328507298626/Therapiemethoden-in-Heimen-Die-politisch-Verantwortlichen-wussten-von-Misshandlungen"&gt;derStandard.at&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/die-politik-wusste-von-den-misshandlungen/"&gt;»Die Politik wusste von den Misshandlungen«&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/qf1w8_yGSm8" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Fri, 10 Feb 2012 14:44:45 +0000</pubDate>
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    <title>Eine kurze Werbeunterbrechung</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/ItLQPijFwg8/</link>
    <description>Als unsere Ururgroßeltern noch mit Werbung zugepflastert wurden.&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2012/01/hohebruecke.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: siehe Bildunterschrift &amp;ndash; Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;&lt;span style="font-size:8pt;"&gt;Hohe Brücke, Wien I.; Foto links: um 1900, &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Wien_Hohe_Br%C3%BCcke_um_1900.jpg"&gt;Vienna Museum&lt;/a&gt;; Foto rechts: 2012, nulleffekt.net&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/eine-kurze-werbeunterbrechung/"&gt;Eine kurze Werbeunterbrechung&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/ItLQPijFwg8" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Sun, 29 Jan 2012 14:44:32 +0000</pubDate>
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  <item>
    <title>Einfache Lieder</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/XgtH39qdyoY/</link>
    <description>Das großartige US-Quartett The Shins stellt neues Material vor&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2012/01/theshins.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: The Shins &amp;ndash; Lizenz: Alle Rechte vorbehalten&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Höchst angemessen: &lt;a href="http://theshins.com"&gt;The Shins&lt;/a&gt; haben neues Material aufgenommen. Die Band aus Albuquerque, New Mexiko, wird im Frühling das Album "Port of Morrow" veröffentlichen. Es soll als erster Longplayer auf Aural Apothecary, dem neuen Label von Frontmann James Mercer, erscheinen. 

Als Releasetermin wurde der 20. März 2012 angegeben, das Artwork stammt von &lt;a href="http://jacobescobedo.com/"&gt;Jacob Escobedo&lt;/a&gt;, der unter anderem für Vampire Weekend und Mercers Seitenprojekt Broken Bells tätig war. Bereits jetzt stellten The Shins die erste Single "Simple Song" vor. Der Name ist Programm und der Inhalt so vielversprechend wie fast alles, das das 1997 gegründete Quintett bisher eingespielt hat.

&lt;iframe width="100%" height="166" scrolling="no" frameborder="no" src="http://w.soundcloud.com/player/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F32881757%3Fsecret_token%3Ds-k0Rs7&amp;auto_play=false&amp;show_artwork=true&amp;color=a65b58"&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/einfache-lieder/"&gt;Einfache Lieder&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/XgtH39qdyoY" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Wed, 11 Jan 2012 13:31:37 +0000</pubDate>
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  <item>
    <title>Schauplatz Ottakringer Friedhof</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/BwvU_Gf9zJU/</link>
    <description>27.552 Gräber wurden am &lt;a href="http://www.friedhoefewien.at/eportal/ep/channelView.do/channelId/-26791/pageTypeId/13572"&gt;Ottakringer Friedhof&lt;/a&gt; im 16. Wiener Gemeindebezirk seit fast 800 Jahren ausgehoben.&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2012/01/3a.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: nulleffekt.net &amp;ndash; Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Er scheint auch Heimat für mindestens so viele Rabenvögel zu sein. Im Hintergrund die Wiener Innenstadt.&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/schauplatz-ottakringer-friedhof/"&gt;Schauplatz Ottakringer Friedhof&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/BwvU_Gf9zJU" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Fri, 06 Jan 2012 18:04:20 +0000</pubDate>
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  <item>
    <title>»Die Seite ist nicht als Pranger gedacht«</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/Wq6qlXiIiug/</link>
    <description>Die verantwortlichen Anonymous-Aktivisten hinter der Website nazi-leaks.net im E-Mail-Interview&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2012/01/nazileaks.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: #OpBlitzkrieg &amp;ndash; Lizenz: Unbekannt&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;Aktivisten aus dem Hacker-Kollektiv "Anonymous" &lt;a href="http://derstandard.at/1325485406504/Operation-Blitzkrieg-Enthuellungsseite-nazi-leaksnet-veroeffentlicht-brisante-Infos" target="_blank"&gt;verschärften&lt;/a&gt; mit der Website &lt;a href="http://nazi-leaks.net/" target="_blank"&gt;nazi-leaks.net&lt;/a&gt; die Gegen-Rechts-Kampagne "Operation Blitzkrieg" (#OpBlitzkrieg). Namen, Adressen und Telefonnummern von Spendern der NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) und Kunden einschlägiger Händler wie "Odin Versand" wurden und werden weiterhin in einem Blogtemplate veröffentlicht. Eine schriftliche Korrespondenz mit den Verantwortlichen.&lt;/p&gt;
&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;
&lt;strong&gt;Wie viele Aktivisten stehen hinter nazi-leaks.net?&lt;/strong&gt;

Der harte Kern besteht aus fünf bis zehn Leuten.

&lt;strong&gt;Warum haben Sie des Rechtsextremismus verdächtige Personen zu Ihrem Ziel gemacht?&lt;/strong&gt;

Im Vergleich zu dem Content, der aus dem linken Spektrum kommt, haben wir beobachtet, dass sich die Rechtsextremisten sehr organisiert und strukturiert im Netz verbreiten. Die Offenlegung der Strukturen ist unserer Meinung nach ein anonymer Beitrag zu  der aktuellen Verfassungsschutzdebatte in Deutschland.

&lt;strong&gt;Sie sichern die Daten auf Spiegelservern ab, um sie bei Angriffen an anderer Stelle online zu halten. Wer hat Interesse daran, nazi-leaks.net lahmzulegen?&lt;/strong&gt;

Wütende Nazis oder andere Anonymous-Mitglieder, die die Operation nicht befürworten, haben natürlich vor, die Plattform zu sabotieren. Durch eine große Anzahl von Mirrors wollen wir bei eventuellen DDOS-Attacken redundant bleiben.

&lt;strong&gt;Haben Sie keine Angst davor, aufgedeckt und strafrechtlich – oder auf &lt;a href="http://pastebin.com/j37UP9JP" target="_self"&gt;schlimmere Weise&lt;/a&gt; – verfolgt zu werden?&lt;/strong&gt;

Nein.

&lt;strong&gt;Und Bedenken, den Rechtsstaat zu umgehen und den Boden für Denunziation und im Extremfall Lynchjustiz aufzubereiten?&lt;/strong&gt;

Die letzten zehn Jahre haben gezeigt, dass Rechtsextreme durchaus gewaltbereiter sind und mit Hilfe des Staates morden konnten. Die Frage von Moral und Rechtsstaatlichkeit wird doch überall da überrannt, wo niemand hinsieht.

&lt;strong&gt;Wo liegt der Unterschied zwischen dem mittelalterlichen Pranger und nazi-leaks.net?&lt;/strong&gt;

Die Seite ist nicht als Pranger gedacht. Das generieren eher die Medien.

&lt;strong&gt;Wenn Ihnen jemand glaubhaft versichert, er hätte früher zwar beim Odin-Versand bestellt, heute aber der rechten Szene abgeschworen, würden Sie ihm "verzeihen" und seinen Adresssatz löschen?&lt;/strong&gt;

Ja. Insofern das noch möglich ist, nachdem wegen der rechten Angriffe auf nazi-leaks.net die Mirrors erstellt wurden.

&lt;strong&gt;Sie kündigten weitere Veröffentlichungen in den nächsten Tagen und Wochen an. Können Sie ungefähr andeuten, in welche Richtung diese Leaks gehen werden?&lt;/strong&gt;

Nein. Das ist ganz von den Zusendungen und unserer eigenen Arbeit abhängig.

&lt;strong&gt;Was würden Sie davon halten, wenn Rechtsextreme auf einer Website die Namen von Menschen veröffentlichen, die Stalin-Shirts gekauft haben?&lt;/strong&gt;

Wir würden sagen: "Hätte man den Stalin-Shirt-Shop nur sicher gestaltet!"

&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Dieser Artikel erschien zuerst auf &lt;a href="http://derstandard.at/1325485588646/nazi-leaksnet-Anonymous-Die-Seite-ist-nicht-als-Pranger-gedacht"&gt;derStandard.at&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;.&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/die-seite-ist-nicht-als-pranger-gedacht/"&gt;»Die Seite ist nicht als Pranger gedacht«&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/Wq6qlXiIiug" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Wed, 04 Jan 2012 15:53:29 +0000</pubDate>
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  <item>
    <title>Die Strategie hinter Guttenbergs Beraterjob</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/S5706NNDihg/</link>
    <description>Mit "No Disconnect" will die EU der Welt Internetfreiheit schenken, die die Union ihren Bürgern selbst vorenthält&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/12/Guttenberg.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: Harald Dettenborn &amp;ndash; Lizenz: CC BY 3.0&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Die Begleitgeräusche waren so laut, dass der Sache selbst kaum jemand Aufmerksamkeit schenkte. Als Neely Kroes, EU-Kommissarin für Digitale Agenda, den ehemaligen deutschen Wirtschafts- und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg als EU-Berater in Fragen der Internetfreiheit vorgestellt hat, fiel &lt;a href="http://derstandard.at/1323222791376/Persoenliche-Erfahrungen-mit-Internet-Guttenberg-beraet-EU-Kommission-in-Sachen-Internetfreiheit" target="_self"&gt;wegen&lt;/a&gt; &lt;a href="https://derstandard.at/1323222841087/Netzaktivisten-empoert-ueber-Guttenberg-Auftritt" target="_self"&gt;seiner&lt;/a&gt; &lt;a href="http://derstandard.at/1323222841776/Pressefreiheits-Watchdog-Plagiator-als-Internetsheriff" target="_blank"&gt;Plagiatsaffäre&lt;/a&gt; fast unter den Tisch, dass auch die betreffende "No-Disconnect"-Strategie nicht frei von Unstimmigkeiten ist.

Die Kommission verfolgt mit "No Disconnect" das Ziel, "Aktivisten zu unterstützen, die unter repressiven Regierungen leben und Technologien verwenden, um sich zu organisieren, mobilisieren und ihre Rechte durchzusetzen". Neben Einschränkungen des Internets in Russland, Syrien oder China sei die Nutzung sozialer Netzwerke im arabischen Frühling ein Weckruf für die EU gewesen, sich verstärkt für Internetfreiheit und Menschenrechte einzusetzen, so Kroes.

&lt;strong&gt;"Internetüberlebenspakete"&lt;/strong&gt;

Blogger und Aktivisten in betroffenen Ländern sollen unter anderem mit "Internetüberlebenspaketen" ausgestattet werden, also Datenhosting, Hard- und Softwarepaketen, "die Menschen helfen, Zensur und Überwachung zu umgehen." Eine heikle Angelegenheit, wenn zum Aushebeln von Restriktionspraktiken in souveränen Drittstaaten aufgerufen wird – insbesondere vor dem Hintergrund, dass die EU erst Ende November selbst vom EU-Gerichtshof &lt;a href="http://en.rsf.org/european-union-eu-court-says-internet-filtering-28-11-2011,41472.html" target="_blank"&gt;gewarnt wurde&lt;/a&gt;, das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) wie verhandelt umzusetzen.

Beim ACTA handelt es sich um ein Anti-Piraterie-Abkommen, das technische Maßnahmen vorsieht, um Urheberrechtsverletzungen aufzuspüren und zu ahnden. Staaten ohne Internetzensur wie Brasilien oder Indien haben ACTA harsch kritisiert, genauso wie nun der Gerichtshof der EU: "Allgemeine Internetfilter verstoßen gegen die Grundrechte der europäischen Bürger, insbesondere gegen jenes des freien Informationsflusses online."

&lt;strong&gt;Netzfreiheit da und dort&lt;/strong&gt;

Federführend bei der Implementierung von ACTA in der EU ist die Europäische Kommission; genau jene Stelle, die nun mit "No Disconnect" auf Internetfreiheit pocht – offenbar solange sie außerhalb der Union durchgesetzt wird. Die Reaktion in Europa wäre nicht abzuschätzen, würden umgekehrt China oder Syrien europäischen Internetnutzern auf offiziellem Weg eine Infrastruktur in die Hand geben, um ACTA innerhalb der Union zu umgehen.

ACTA ist freilich nur ein Punkt auf der EU-Agenda, der Einschränkungen der Internetfreiheit vorsieht. So sind unter anderem die &lt;a href="http://derstandard.at/1303950452676/Nationalrat-Umstrittene-Vorratsdatenspeicherung-beschlossen" target="_self"&gt;Vorratsdatenspeicherung&lt;/a&gt;, die Österreich trotz breiter Kritik nächstes Jahr umsetzen wird, und &lt;a href="https://red.derstandard.at/1269448151039/Netzsperren-Kinderpornographie-EU-arbeitet-an-europaweiten-Web-Sperren" target="_blank"&gt;Netzsperren&lt;/a&gt;, die in Deutschland zuvor als verfassungswidrig aufgehoben worden waren, auf Bestrebungen der EU zurückzuführen.

&lt;strong&gt;Kein Kommentar zu Ausgaben oder Kontrolle
&lt;/strong&gt;

Neben den unterschiedlichen Maßstäben in der Netzfreiheit, die die Kommission nach außen und innen anlegt, bleibt in der "No-Disconnect"-Strategie noch eine Reihe weiterer Punkte offen. So gibt es keine Auskunft über die finanziellen Aufwendungen, die die EU für die Kampagne zur Verfügung stellen will. Ebenso unklar ist, nach welchen Kriterien Staaten und Empfänger von "Internetüberlebenspaketen" ausgewählt werden und wie sichergestellt werden kann, dass diese nicht in falsche Hände geraten. Auch über die spätere Veröffentlichung und Evaluierungsergebnisse von "No-Disconnect"-Aktivitäten wollte Kroes nichts sagen.

Wegen der Ungereimtheiten hat der grüne Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht eine &lt;a href="http://gruen-digital.de/2011/12/guttenberg-auftritt-bei-neelie-kroes-absurdes-schauspiel-der-eu-kommissarin-zur-netzfreiheit/" target="_blank"&gt;schriftliche Anfrage&lt;/a&gt; an die Kommission gerichtet. Zwar dreht auch sie sich in der Hauptsache um die Person Guttenbergs. Im letzten Punkt aber stellt Albrecht eine interessante Frage: "Richtet sich die 'no disconnect'-Strategie nur an Staaten außerhalb der
EU, oder wird die Kommission auch darauf hinwirken, dass Menschenrechte und Grundfreiheiten auch innerhalb der EU sowohl online als auch offline gewahrt werden? Wenn ja wie?" Albrecht und die Öffentlichkeit warten noch auf die Antwort.&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/die-strategie-hinter-guttenbergs-beraterjob/"&gt;Die Strategie hinter Guttenbergs Beraterjob&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/S5706NNDihg" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Wed, 14 Dec 2011 09:21:59 +0000</pubDate>
    <guid isPermaLink="false">http://nulleffekt.net/die-strategie-hinter-guttenbergs-beraterjob/</guid>
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  <item>
    <title>Die einsame Nacht des Fliegers</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/xlEsKi71urU/</link>
    <description>Im Einsatz mit den Flugrettern: Wie der ÖAMTC-Hubschrauber Christophorus 9 jäh zum Feierabend gezwungen wird. Eine Reportage.&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/12/flugrettung.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: nulleffekt.net &amp;ndash; Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Wenn er es für nötig hält, legt Robert Holzinger kurz den internationalen Flugverkehr still. Heute hält er es nicht für nötig. Statt die höchste Priorität  für die Überquerung des Flughafens anzufordern, wartet er, bis ihm der Tower von Wien-Schwechat ein Zeitfenster dafür zuweist.

"Fünfzig Sekunden", meldet der Lotse. So lange hält Holzinger den Hubschrauber "Christophorus 9" fast bewegungslos in der Luft. Dann drückt er den Steuerknüppel nach vorne, vier Minuten später kommen die Flugretter im niederösterreichischen Mannersdorf an. Verdacht auf Überdosis bei einem 29-Jährigen, Rettung und Polizei sind bereits vor Ort.

&lt;strong&gt;Auf dem Weg zum "Willi"&lt;/strong&gt;

Sanitäter Wolfgang Heiden und Notarzt Michael Süssenbacher verlassen den gelben Helikopter nach der Landung als Erste und versorgen den Patienten. Als die Rotorblätter zum Stillstand kommen, steigt auch Holzinger aus. "Schon lang nicht mehr gesehen", begrüßt ihn der diensthabende Polizist. Sie kennen einander von früheren Einsätzen.

Der Patient hat einen Cocktail aus Alkohol und Tabletten im Blut. Beim Start wird er unruhig. "Hubschrauber?" murmelt er in die Kabine, die rasch den fauligen Geruch von Alkohol annimmt. Augenblicke danach verliert er das Bewusstsein. Notarzt Süssenbacher überwacht die Körperfunktionen an den klinischen Geräten. "Willi?" fragt er in das am Helm befestigte Mikrofon und meint das Wilhelminenspital in Wien-Ottakring. Pilot Holzinger bestätigt und landet den Hubschrauber wenig später auf dem Heliport des Krankenhauses.

&lt;img class="alignnone size-full wp-image-4382" title="Flugrettung" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/12/flugrettung1.jpg" alt="" width="476" height="263" /&gt;

Als die Crew der Flugrettung zum Stützpunkt am Rand des ehemaligen Flugfelds Wien-Aspern zurückkehrt, ist es früher Nachmittag. Holzinger setzt den vier Millionen Euro teuren Helikopter mittig auf der kleinen Plattform vor dem Hangar ab.

Es war bereits der vierte Einsatz an diesem grauen Herbsttag. Zuvor hatte der Hubschrauber wegen konstanten Nebels drei Tage am Boden bleiben müssen. In diesem Fall übernehmen Notarztwagen die Aufträge, die sonst geflogen werden. "An eine so lange Zeit ohne Flug kann ich mich nicht erinnern", sagt Holzinger, während er die Einsatzdaten am Rechner protokolliert. Im Aufenthaltsraum läuft das Radio, Hubschraubermodelle in verschiedenen Materialien und Größen stehen auf Regalen oder hängen an Nylonschnüren von der Decke.

&lt;strong&gt;Von der Morgen- zur Abenddämmerung
&lt;/strong&gt;

Für Holzinger, Süssenbacher und Heiden hat der Dienst wie immer mit Sonnenaufgang begonnen. Und wie immer soll er bei Sonnenuntergang enden. "Wenn du in der Früh aufstehst, weißt du nie, was dich erwartet", sagt Holzinger und stellt ein Fertiggericht in die Mikrowelle.

Der 41-Jährige ist Stützpunktleiter und einer von drei Piloten am Wiener Standort der &lt;a href="http://www.oeamtc.at/flugrettung" target="_blank"&gt;ÖAMTC-Flugrettung&lt;/a&gt;. 1983 übernahm der Verkehrsclub einen Teil des Luftrettungsbetriebs vom Innenministerium und baute ihn kontinuierlich aus. Heute unterhält der Club über den Christophorus Flugrettungsverein eine Flotte von 24 Hubschraubern an 16 Standorten in ganz Österreich.

&lt;img class="alignnone size-full wp-image-4383" title="Flugrettung" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/12/flugrettung2.jpg" alt="" width="476" height="263" /&gt;

Rund 15.000 Einsätze fliegt die ÖAMTC-Staffel pro Jahr, in Wien waren es im Vorjahr mehr als 1.700. Die Sozialversicherung sei aber nur bereit, einen Bruchteil der tatsächlichen Ausgaben zu ersetzen, erklärt Holzinger. "Wenn wir eine Querschnittslähmung und die Folgekosten verhindern, ist das Geld wieder herinnen. Aber so sieht das fast keiner", sagt der ausgebildete Bundesheerpilot.

Die Kostendebatte führte 2008 zur Kündigung des Vertrags zwischen ÖAMTC und Bund. Mit Februar 2012 wird die Flugrettung an die Länder abgegeben. Weil von Aspern aus Notfallorte in Wien und Niederösterreich etwa halb und halb angeflogen werden, beteiligen sich beide Bundesländer – und werden unter neu verhandelten Konditionen weiterhin den ÖAMTC beauftragen. Die Entlohnung der Notärzte und der Sanitäter bestreitet das Land Wien über die MA 70, die Berufsrettung, schon heute.

&lt;strong&gt;Ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung&lt;/strong&gt;

Einer der 15 fliegenden Notärzte am Stützpunkt Aspern ist Michael Süssenbacher. Der in Wien niedergelassene Allgemeinmediziner verrichtet zwei Diensttage pro Monat bei der Flugrettung – bezahlt, aber in der Freizeit. "Den Job würden viele Ärzte gern machen", sagt Süssenbacher und streicht sich mit der Hand über den rötlichen Bart. Er sitzt neben Holzinger auf der blauen Eckbank im Aufenthaltsraum, als sein Handy läutet. Süssenbacher liest die SMS, lacht.

Es hätte auch ein Einsatzbefehl sein können. Die Notrufe gehen heute per Telefon, Funk und Internet ein – gleichzeitig bei allen Crewmitgliedern. Drei Minuten danach müssen sie in der Luft sein.

&lt;img class="alignnone size-full wp-image-4386" title="Flugrettung" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/12/flugrettung5.jpg" alt="" width="476" height="263" /&gt;

Ob der Helikopter aufsteigt, entscheidet die zentrale Rettungsleitstelle. Meist sind es besonders zeitkritische Fälle, und manchmal, wie bei Wirbelsäulenverletzungen, wird der Helikopter als schonendere Transportvariante angefordert. Obwohl es für die Entscheidung einen festgelegten Kriterienkatalog gibt, folgt rund jedem zehnten Notruf ein Fehleinsatz. Auch heute war schon einer darunter. Stornos in dieser Zahl seien aber auch international üblich, sagt Holzinger: "Besser einmal zu oft fliegen, als einmal zu wenig."

Ist der Job in der Luft so riskant, wie seine Beschreibung klingt? Natürlich gibt es Risikofaktoren, etwa Stromleitungen oder Sturmböen, die die Landung erschweren – und weil sich Route oder Flughöhe von Christophorus 9 jederzeit ändern können, müssen andere Fluggeräte als mögliche Hindernisse ständig mitgedacht werden. "Aber an eine wirklich gefährliche Situation kann ich mich nicht erinnern", sagt Sanitäter Wolfgang Heiden. Er ist seit 1991, dem Beginn der Flugrettung in Wien, dabei.

Einfach ist seine Arbeit dennoch nicht immer: "Wenn Kinder abgeholt werden müssen, bleibt das oft unterbewusst im Kopf", meint Heiden. Wie seine neun Kollegen, mit denen er sich im Dienstrad abwechselt, fungiert er als Mittler zwischen Pilot und Notarzt, übernimmt Navigation, Funk und medizinische Aufgaben.

&lt;img class="alignnone size-full wp-image-4384" title="Flugrettung" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/12/flugrettung3.jpg" alt="" width="476" height="248" /&gt;

"Im Dienst ist man nie auf Null, eine gewisse Bereitschaft ist immer da", sagt Holzinger. Telefonläuten unterbricht ihn und übertönt auch das Radio. Am anderen Ende der Leitung spricht der Redakteur einer Tageszeitung. Auch ihn kennt der Stützpunktleiter mit Vornamen. Der Redakteur fragt nach Fotos von einem früheren Einsatz an diesem Tag. Verkehrsunfall auf der B10, vom Auto blieb nur ein weißer Metallklumpen übrig. Der Lenker überlebte, das Angebot eines Speibsackerls im fliegenden Helikopter lehnte er trocken ab: "Wenn's is, dann macht's die Tür'n auf und ich speib ausse."

Obwohl die Flugretter oft mit dem Tod konfrontiert werden, ist ihr Job ein dankbarer Lieferant für Anekdoten. Vor ein paar Jahren habe Bill Gates bei einem Wien-Besuch vergeblich eine Landeerlaubnis für den Heldenplatz beantragt. "Ein paar Tage später sind wir dort ohne irgendein Ansuchen gelandet. Das kannst du dir auch als reichster Mensch der Welt nicht kaufen", sagt der Rettungspilot grinsend und nicht ohne Stolz.

&lt;strong&gt;Mit 240 Stundenkilometern nach Bruck an der Leitha&lt;/strong&gt;

Draußen schultert Holzinger einen Schlauch und mustert den vorm Hangar geparkten Hubschrauber. Heute ist sein siebter Arbeitstag in Folge, der letzte vor einer dienstfreien  Woche. "Vor der Übergabe an den nächsten Piloten wird der Flieger gründlich geputzt." Wenn sie über den Helikopter sprechen, nennen ihn die Luftretter immer nur &lt;em&gt;den Flieger&lt;/em&gt;.

In dessen Frontscheibe spiegelt sich die tief stehende Nachmittagssonne. Laut Kalender wird sie an diesem Tag kurz vor 17.00 Uhr untergehen, Dienstschluss für die Crew.

Wie um zu beweisen, dass sich Notfälle nicht an  Dienstschlüsse halten, bricht eine halbe Stunde davor der Alarm los.  Eine Frau habe eine stark blutende Wunde am Hals, funkt die Leitstelle. Holzinger, Süssenbacher und Heiden gehen in ihren roten Overalls rasch, aber ohne Hektik zum Hubschrauber. Sekunden später tragen die Rotorblätter sie mit 240 Stundenkilometern nach Bruck an der Leitha.

&lt;img class="alignnone size-full wp-image-4385" title="Flugrettung" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/12/flugrettung4.jpg" alt="" width="476" height="273" /&gt;

Weil die Gasse vor dem Haus der Patientin zu eng für eine Landung ist, setzt Holzinger den Hubschrauber in einem nahen Hof zwischen Miethäusern ab. Fahrräder und Müllcontainer fallen im Luftsog um wie Spielzeug, Kamerahandys werden aus den Fenstern der umliegenden Wohnungen gestreckt.

Während sich Heiden und Süssenbacher um die Patientin kümmern, verdichtet sich der Nebel minütlich. Holzinger  verfolgt auf seinem Tablet-PC die  Wetterverhältnisse und wird unruhig.

Als er den Hubschrauber schließlich startet und Richtung AKH steuert,  mischt sich die Dämmerung in den Nebelschleier. Wenn er jetzt hoch genug  aufsteigt, um die Starkstromleitungen sicher zu überfliegen, würde der  Pilot den Sichtkontakt zum Boden verlieren. Dafür könnte er rechtlich  belangt werden.

Holzinger weiß aber auch aus Erfahrung, dass er die Sicherheit der Insassen so nicht länger gewährleisten kann. Er landet auf einem Acker zwischen Bruck an der Leitha und Wien. Ein Rettungswagen bringt die Patientin ins Spital, ein anderer die Crew zum Stützpunkt. Christophorus 9 aber verbringt seine Nacht hier.

Am nächsten Tag, dem ersten freien seit einer Woche, wird Holzinger um sechs Uhr früh auf dem Feld stehen und den Helikopter an seinen Kollegen übergeben. "Einmal im Jahr passiert so etwas", sagt er mit leichtem Ärger in der Stimme. Gleichzeitig schwingt darin etwas mit, als hätte er einen Freund zurücklassen müssen. Der Flieger, die Frontscheibe provisorisch mit Leintüchern abgedeckt, verschwindet langsam aus den Rücklichtern des Rettungswagens.

&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Die Reportage erschien zuerst auf &lt;a href="http://derstandard.at/1322531466618/Retter-aus-der-Luft-Die-einsame-Nacht-des-Fliegers"&gt;derStandard.at&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/die-einsame-nacht-des-fliegers/"&gt;Die einsame Nacht des Fliegers&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/xlEsKi71urU" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Thu, 08 Dec 2011 18:33:54 +0000</pubDate>
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  <item>
    <title>»Das Cannabisverbot wird fallen wie der Eiserne Vorhang«</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/OeJ00Y-LEOA/</link>
    <description>Rechtsanwalt Gebhard Heinzle über sprachliche Manipulationen bei Suchtgift und die politische Motivation dahinter&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/11/cannabis.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: aforero &amp;ndash; Lizenz: CC BY 2.0&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;Die Regelungen im Suchtmittelgesetz (im Wortlaut: Bundesgesetz über Suchtgifte, psychotrope Stoffe und Drogenausgangsstoffe) gehören entschlackt, fordert der Bregenzer Rechtsanwalt Gerhard Heinzle. Gerade bei Cannabis-Produkten sei die Gesetzgebung ungerechtfertigt, weil es zu viele und zu komplexe Rechtsgrundlagen und Auslegungen gebe. "Generell erfüllen solche Gesetze häufig nur die Funktion, den Preis für Drogen durch staatliche Intervention künstlich hoch zu halten", so Heinzle.&lt;/p&gt;
&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;
&lt;strong&gt;Bei der Rechtslage zu Besitz und Konsum von Cannabis ist oft von Definitionsschwierigkeiten zu hören, etwa was die "geringe Menge" für den Eigengebrauch betrifft. So kann der jeweilige Staatsanwalt genauso ein Gerichtsverfahren einleiten, wie er die Anzeige nach eigenem Ermessen auch zurücklegen kann – handelt es sich tatsächlich um eine rechtliche Grauzone mit Optimierungsbedarf oder sind die Regelungen eindeutig?&lt;/strong&gt;

Aus meiner Perspektive gibt es in dieser Hinsicht im Suchtmittelgesetz einen enormen Entschlackungsbedarf. Diverse Mehrgleisigkeiten verursachen dem Staat sehr hohe bürokratische Kosten. Allein für das Mitwirken an der amtsärztlichen Untersuchung, das nach erstmaligem Vergehen ohne rechtliche Folgen verweigert werden kann,  gibt es derzeit drei verschiedene Rechtsgrundlagen. Das Thema Cannabis ist auch im Bagatellbereich so ausjudiziert und komplex, dass selbst ein spezialisierter Anwalt nur eine verbindliche Auskunft geben kann, wenn er in einem konkreten Fall die Vorladung der Behörde vor sich hat.

&lt;strong&gt;Der THC-Wert von Marihuana liegt &lt;a href="http://www.goeg.at/cxdata/media/download/berichte/Drogensituation_2010.pdf" target="_blank"&gt;laut Drogenbericht&lt;/a&gt; üblicherweise zwischen 0,08 und 39 Prozent – zehn Gramm 39-prozentiges Marihuana haben demnach dieselbe Wirkungsmenge wie knapp fünf Kilogramm 0,08-prozentiges Marihuana. Würden in diesen Fällen beide Delinquenten gleich hart bestraft?&lt;/strong&gt;

Auf die THC-Reinheit und die Menge kommt es dem Gesetzgeber in erster Linie gar nicht an. Eine Ideologie, die hinter dem Suchtmittelgesetz steht, lautet: Es soll die Verbreitung und die Gesundheitsgefährdung in der Bevölkerung verhindert werden. Bestraft werden also eher die sogenannten qualifizierten Begehungsformen wie Erzeugung, entgeltliche oder unentgeltliche Weitergabe, Ein- und Ausfuhr. Wenn es keine Anzeichen für "Dealertätigkeiten" gibt, kann man auch hundert Kilo für den Eigengebrauch besitzen, ohne mehr als die Grundstrafdrohung von sechs Monaten Freiheitsentzug zu riskieren. Gibt es allerdings Hinweise auf einen Handel, kommt es sehr wohl auf die Quantität an. Wird dabei eine Grenzmenge von &lt;a href="http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;amp;Gesetzesnummer=10011056&amp;amp;ShowPrintPreview=True" target="_blank"&gt;20 Gramm reinen THCs&lt;/a&gt; – das sind nach einer Faustregel rund 200 Gramm Marihuana oder Haschisch im Straßenverkauf – überschritten, dann wird dementsprechend der Reinheitswert geprüft und schärfer gestraft. Für Mitglieder einer kriminellen Vereinigung ist ein Strafrahmen von bis zu zehn Jahren Haft vorgesehen.

&lt;strong&gt;Laut Grenzmengenverordnung ist härter zu bestrafen, wer solche Mengen besitzt, die "in großem Ausmaß eine Gefahr für das Leben oder die Gesundheit von Menschen herbeiführen" können. Betrachten Sie es als gerechtfertigt, dass Supermärkte eine Gefahr für Menschenleben herbeiführen dürfen, bloß weil Alkohol nicht unter das Suchtmittelgesetz fällt?&lt;/strong&gt;

Ich halte speziell die Cannabisgesetzgebung, aber auch große Teile des Suchtmittelgesetzes für absolut ungerechtfertigt. Generell erfüllen solche Gesetze häufig nur die Funktion, den Preis für Drogen durch staatliche Intervention künstlich hoch zu halten. In meinen Augen ist das ein kompletter Irrweg. Man sollte Cannabis vielmehr entdämonisieren und entkriminalisieren.

&lt;strong&gt;Es gibt einige Argumente für eine Legalisierung von Cannabis: Die Inhaltsstoffe könnten kontrolliert werden; es könnten Steuern generiert werden; der Status als Einstiegsdroge würde wegfallen, da Konsumenten nicht mehr mit Dealern in Kontakt geraten, die auch härtere Drogen verkaufen. Warum geht die Politik dennoch keinen Fußbreit von der Kriminalisierung von Cannabis weg?&lt;/strong&gt;

Natürlich wäre die regulierte, lizensierte Abgabe mit Altersgrenzen vernünftiger. Politisch spricht aber dagegen, dass sich rund um das Cannabisverbot ein ganzer Dienstleistungssektor etabliert hat. Es gibt dort sehr viele Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt vom Verbot gestützt werden: Vom kleinen Polizisten über die vielen Drogenberater und Anwälte bis hin zu den Amtsärzten, deren einzige Tätigkeit oft in diesem Bereich liegt.

&lt;strong&gt;Rein juristisch ist diese Bezeichnung "Suchtgift" für Cannabis die richtige, wenngleich sowohl der Suchtfaktor als auch der "Gift"-Begriff diskussionswürdig sind. Inwiefern trägt die Rechtssprache zur gesellschaftlichen Wahrnehmung von Cannabis bei?&lt;/strong&gt;

Natürlich verwendet der Gesetzgeber die Sprache manipulativ. Euphemismen wie "freiwillige Nachschau" für eine Hausdurchsuchung sind nichts anderes als "Newspeak", wie wir sie von George Orwell kennen. Die Gesetzesadministratoren stellen durch die sprachliche Dämonisierung "Suchtgift" eine Parallele zum umgangssprachlich abwertenden "Giftler" her. Der  adäquateste Begriff, der mir bisher untergekommen ist, war "illegalisierte psychotrope Substanz". Alkohol müsste dann "legalisierte psychotrope Substanz" heißen.

&lt;strong&gt;Anzeigen wegen Cannabisbesitzes blieben in Österreich im vergangenen Jahrzehnt relativ konstant, ebenso stabil lagen die Beschlagnahmungszahlen. Hat sich der Konsum in letzter Zeit nicht verändert?&lt;/strong&gt;

Diesen Schluss würde ich nicht ziehen. Die Zahlen sagen nichts darüber aus, wie viele Ressourcen der – auch so ein Euphemismus: – Sicherheitsapparat in die Verfolgung investiert hat. Wenn die Drogenfahnder zum Beispiel keine größeren Fälle haben, dann werden halt stattdessen "Cannabianten" minutiös zerlegt. Die Zahlen laut Drogenbericht stehen jedenfalls in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Konsumenten.

&lt;strong&gt;In manchen Ländern – wie Tschechien oder einigen südamerikanischen Staaten – wurden in jüngerer Zeit die Hürden gelockert, die in dieser Hinsicht liberalen Niederlande ziehen die Zügel – &lt;a href="http://red.derstandard.at/1317019469269/Laut-Medien-Niederlande-wollen-starkes-Haschisch-verbieten" target="_blank"&gt;zumindest für Ausländer&lt;/a&gt; – wieder an. Wie schätzen Sie die Zukunft der Cannabisgesetzgebung ein?&lt;/strong&gt;

Meine Prognose: Das Cannabisverbot wird eines Tages genauso fallen wie der Eiserne Vorhang. Dafür braucht es nur mehr einen entsprechenden Anstoß. Ob das in zwei oder in dreißig Jahren so weit ist, kann ich nicht sagen. Wenn im November 2010 die Volksabstimmung in Kalifornien für eine generelle Freigabe von Cannabis nicht knapp gescheitert wäre, hätten sich in der Folge die Cannabisverbote womöglich weltweit in Luft aufgelöst.

&lt;strong&gt;Was halten Sie vom "Recht auf Rausch", das der ehemalige Richter am deutschen Bundesgerichtshof Wolfgang Nešković in den 1990er Jahren proklamierte?&lt;/strong&gt;

Ein Recht auf Rausch ist verfassungsmäßig zwar nicht vorgesehen, aber schauen wir uns die Menschheitsgeschichte an: Es ist ein Fakt, dass der Mensch sich manchmal berauschen will und schon immer Drogen genutzt hat. Die meisten können damit umgehen, manche kommen unter die Räder – jeweils unabhängig davon, ob die Substanz legal oder illegal ist.

&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Dieses Interview erschien zuerst auf &lt;a href="http://derstandard.at/1318726181852/Thema-Cannabis-Das-Cannabisverbot-wird-fallen-wie-der-Eiserne-Vorhang"&gt;derStandard.at&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/das-cannabisverbot-wird-fallen-wie-der-eiserne-vorhang/"&gt;»Das Cannabisverbot wird fallen wie der Eiserne Vorhang«&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/OeJ00Y-LEOA" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Thu, 01 Dec 2011 18:36:47 +0000</pubDate>
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    <title>»Wir entziehen der Piraterie die Grundlage«</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/g-riEKxXgG4/</link>
    <description>Jonathan Forster, General Manager Europe des Musikdienstes Spotify, im Gespräch über den Launch der Streaming-Plattform in Österreich&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/11/jonathanforster.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: nulleffekt.net &amp;ndash; Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Der Musikstreaming-Dienst &lt;a href="http://www.spotify.com/" target="_blank"&gt;Spotify&lt;/a&gt; startete heute in Österreich. Nach Anwendern in acht skandinavischen und westeuropäischen Ländern sowie den USA können registrierte Nutzer mit Facebook-Account nun auch hierzulande mehr als 15 Millionen Songs aller Genres legal und gratis streamen.

Der Basisdienst sieht eine Beschränkung von zehn Stunden Abspielzeit pro Monat und Werbeeinschaltungen vor, Premium-User können für ein Abonnement um 9,99 Euro unbeschränkt und werbefrei Musik hören – per App auf mobilen Geräten und markierte Playlists auch offline. Dazwischen besteht ein sogenannter Unlimited-Service um monatliche 4,99 Euro.

&lt;strong&gt;Speed, devices, social&lt;/strong&gt;

Zum Launch in Österreich unterhielen wir uns mit Jonathan Forster. Er ist General Manager Europe des 2006 von Daniel Ek und Martin Lorentzon in Schweden gegründeten Unternehmens.

In den hohen Büroräumen einer Wiener Agentur präsentiert der künftig für Österreich verantwortliche Regional Manager Axel Bringéus die Funktionen der Software, ehe Forster über die Grundpfeiler Spotifys spricht. Er zeichnet drei Aufzählungspunkte auf ein weißes Blatt Papier und füllt sie mit den Worten &lt;em&gt;speed&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;devices &lt;/em&gt;und &lt;em&gt;social &lt;/em&gt;aus: Die User müssen in der Lage sein, die Musik ohne erkennbare Ladevorgänge oder Pausen zu konsumieren; die Software müsse auf einer größtmöglichen Bandbreite an Betriebssystemen und – vor allem mobiler – Hardware laufen; schließlich sollen die Nutzer Songs und Playlists möglichst einfach mit ihren Freunden teilen können.
&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;
&lt;p style="text-align: left;"&gt;&lt;strong&gt;Spotify hat eine deutschsprachige Benutzeroberfläche erhalten; vermutlich nicht nur für den österreichischen, sondern vor allem für den weitaus größeren Markt in Deutschland. Die deutschen User müssen noch warten – warum diese Vorreiterrolle für Österreich?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style="text-align: left;"&gt;Grundsätzlich wollen wir die Musik der ganzen Welt anbieten. Als wir ursprünglich gestartet sind, hätten wir noch weitere Länder berücksichtigen können, waren aber bei den personellen Ressourcen vor Ort eingeschränkt. Seit Sommer gibt es Spotify in den USA, einem enorm wichtigen Markt, und seit wenigen Wochen auch in Dänemark. Neben Österreich werden wir unseren Dienst jetzt nach und nach in weiteren Ländern launchen. Die Starts werden wir aber eher kurzfristig bekanntgeben, weil es viele User leid sind, mit Ankündigungen vertröstet zu werden, wenn noch nicht einmal ein Starttermin fixiert ist.&lt;/p&gt;
&lt;p style="text-align: left;"&gt;&lt;strong&gt;Es heißt, sie hatten Gebühren- und Lizenzprobleme mit der deutschen Verwertungsgesellschaft GEMA. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
Ich würde nicht von Problemen sprechen. Aber natürlich starten wir nicht in Märkten, für die wir nicht alle notwendigen Lizenzen besitzen.

&lt;strong&gt;Gab es in Österreich vor dem Start größere Hürden aus dem Weg zu räumen?&lt;/strong&gt;

Nein, wir waren von Beginn an sehr gut aufgestellt. Wir haben uns die wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen angesehen und hatten in Österreich von Anfang an ein gutes Gefühl. Es gibt eine hohe Internet-Durchdringung, die Leute nutzen Smartphones und Apps und haben wenig Vorbehalte gegen Online-Shopping.

&lt;strong&gt;Muss man beim Launch in einem neuen Markt besondere Rücksicht auf landesspezifische Eigenheiten nehmen?&lt;/strong&gt;

Das Produkt ist ein globales, neunzig Prozent der Strategien sind übertragbar. Ob ein Programmierer in New York oder Stockholm sitzt, macht keinen großen Unterschied. Worauf wir uns immer neu einstellen müssen, sind Besonderheiten in der Werbung. Da gibt es in den USA andere Gepflogenheiten als in Frankreich und dort wiederum andere als in Österreich. Und natürlich können Kooperationen mit Unternehmen und Einrichtungen im Land sowie behördliche Angelegenheiten immer nur regional geregelt werden. Dafür haben wir dann Mitarbeiter mit dem nötigen Know-how im jeweiligen Land.

&lt;strong&gt;Wird es demnach ein Büro in Wien geben?&lt;/strong&gt;

Noch nicht am Dienstag (lacht).

&lt;strong&gt;Wie viele Nutzer erhoffen Sie sich in Österreich?&lt;/strong&gt;

Es ist schwierig, das in Zahlen auszudrücken. Wir haben weltweit mehr als zehn Millionen Nutzer, das wollen wir natürlich auf allen Märkten so weit wie möglich ausbauen.

&lt;em&gt;Axel Bringéus: &lt;/em&gt;In unserem Heimatmarkt Schweden hat mittlerweile jede dritte Person, die Sie auf der Straße treffen, einen Spotify-Account. Auch meine 78-jährige Großmutter, die die ganzen Klassiker aus ihren Jugendtagen wieder entdeckt. Das zeigt schon das mögliche Potenzial.

&lt;strong&gt;Im September wurden Spotify-Features in Facebook &lt;a href="http://www.spotify.com/int/blog/archives/2011/09/21/spotify-and-facebook/" target="_blank"&gt;integriert&lt;/a&gt;. Trotz Kritik, weil ein Facebook-Account seither Pflicht für Spotify-Nutzer ist, soll Ihnen &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;diese Kooperation &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; vier Millionen neue User beschert haben.&lt;/strong&gt;

Diese Zahl hat Mark (Zuckerberg, Anm.) in Umlauf gebracht. Danke dafür, Mark (lacht). Im Ernst: Natürlich ist eine solche Kooperation äußerst hilfreich. Wenn es um Social Media geht, gibt es an Facebook mit über 800 Millionen Nutzern kein Vorbeikommen. Ich denke, dass Musik eines der sozialsten Dinge überhaupt ist. Sozial in dem Sinn, dass man seinen Freunden gerne neue Lieder empfiehlt, sich darüber unterhält usw. Bis heute haben unsere User 400 Millionen Playlists erstellt und viele davon mit ihren Freunden geteilt.

&lt;strong&gt;Sehen Sie bei der Zusammenarbeit mit Facebook Probleme, was den Datenschutz betrifft?&lt;/strong&gt;

Wir versuchen natürlich, möglichst sorgfältig mit den Daten umzugehen. Was die Privatsphäre betrifft, darf man aber einen kulturellen Wendepunkt nicht außer Acht lassen: Bis vor kurzem war es Standard, offline zu sein, man ist bewusst online gegangen. Vor allem junge Menschen sind heute aber mit Smartphones und Flatrates defaultmäßig immer online und für ihre Kontakte verfügbar. Nur manchmal wechseln sie gewollt in den Offline-Modus.

&lt;strong&gt;Analysten von Ovum &lt;a href="http://ovum.com/2011/03/09/volume-turned-up-for-telco-music-subscriptions/" target="_blank"&gt;erklärten&lt;/a&gt; heuer, es würde zu viel kostenlose Musik im Netz geben, sowohl illegal als auch auf Diensten wie Spotify. Dadurch würden die Umsatzchancen der Labels eingeschränkt. Was halten Sie von dieser These? &lt;/strong&gt;

Ich muss ihr widersprechen. In Wahrheit haben wir der Musikbranche in den letzten beiden Jahren rund 100 Millionen Euro gebracht. Wenn überhaupt, dann entziehen wir der Piraterie ihre Grundlage. In den Ländern, in denen Spotify bisher gelauncht wurde, wuchsen die Gesamtmärkte für digitale Musik um ein Vielfaches der übrigen Länder. Das weist deutlich darauf hin, dass Spotify andere Quellen nicht untergräbt, sondern den Märkten sogar zusätzliche Impulse gibt.

&lt;strong&gt;Wie hoch schätzen Sie die Bereitschaft ein, für Musik zu bezahlen, wenn man sie auch gratis haben kann?&lt;/strong&gt;

Ein Fünftel unserer User haben einen bezahlten Account. Die Bereitschaft, einen gewissen monatlichen Betrag für Online-Inhalte auszugeben, ist also durchaus vorhanden. Bei Apps ist das mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Wenn man die monatlichen Kosten für unseren Premium-Account mit dem Handelspreis eines iPhones oder eines High-End-Android-Geräts vergleicht, dann sehe ich keinen vernünftigen Grund, nicht auch einen Bruchteil davon auszugeben, um auf diesen Geräten jederzeit Millionen Songs verfügbar zu haben. Ein solcher Cloud-Service ist auch rationaler, als einzelne MP3-Dateien um 99 Cent pro Stück lokal am Rechner zu speichern.
&lt;p style="text-align: left;"&gt;&lt;strong&gt;Die Musikindustrie schien es verschlafen zu haben, als Musik in Form von MP3s in den späten Neunzigern ihren Weg ins Netz fand. Es gab auf Napster und seinen Nachfolgern massenhaft kostenlose Tracks, aber bis zum Start des iTunes Store 2003 kein funktionierendes Geschäftsmodell. Warum wachte die Branche nicht früher auf? &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
Wahrscheinlich haben sie es verabsäumt, weil ihre Grundeinstellung war: 'Es würde nie jemand in den Supermarkt gehen und dort die Waren kostenlos verlangen. Warum sollte es also mit unserem Produkt anders sein?' Man hat wohl einfach nicht damit gerechnet, dass sich ein hervorragend funktionierendes Geschäftsmodell wie der Verkauf von Musik auf physischen Datenträgern innerhalb eines Jahrzehnts so dynamisch wandeln könnte. Die Konsumenten und die Technologie warten aber nicht, bis die Branche eine angepasste Marktstrategie entdeckt.

&lt;strong&gt;Massenhafte Abmahnungen und Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen drohten in der Folge zu einem neuen Geschäftszweig der Plattenfirmen zu werden. Können Sie diesen Ansatz nachvollziehen?&lt;/strong&gt;

Wir waren bestimmt nicht immer einer Meinung mit den Labels, auf welchem Weg man diesem Wandel begegnen soll. Ich kann verstehen, dass sie ihre Rechte schützen und so gut wie möglich vergütet sehen wollen. Das konnte ich bei vielen Lizenzverhandlungen beobachten. Ich hätte jedoch große Skrupel, die eigene Kundschaft zu verklagen. Ich muss aber auch zugeben, dass die Kollegen in den letzten Jahren dazugelernt haben.

&lt;strong&gt;Sie kennen wahrscheinlich &lt;a href="http://www.informationisbeautiful.net/2010/how-much-do-music-artists-earn-online/" target="_blank"&gt;diese Infografik&lt;/a&gt; – sie besagt, dass ein unabhängiger Künstler nur 143 selbstgepresste CDs verkaufen müsste, um so viel zu verdienen, wie er durch vier Millionen Zugriffe auf Spotify erhält. Bezahlen Sie Musiker ohne Majorlabel, die zum Erfolg von Spotify mitbeitragen, gerecht?&lt;/strong&gt;
&lt;p style="text-align: left;"&gt;Ich kenne diese Aufstellung und weiß auch, wie viele grobe Mängel in der Rechnung stecken. Der Vergleich ist an sich nicht praxistauglich: Bei der CD im Eigenverlag lässt sich einfach berechnen, welcher Betrag für den Künstler übrig bleibt. Man muss bloß die Produktions- und Vertriebskosten abziehen. Das Spotify-Modell ist wesentlich differenzierter. Wenn ein User im Monat 10 Euro für sein Abo bezahlt und zehn Lieder streamt, dann ist jeder Abspielvorgang vor Abzug der Kosten einen Euro wert. Streamt er aber tausend Lieder, dann verringert sich dieser Betrag plötzlich auf einen Cent.&lt;/p&gt;
&lt;p style="text-align: left;"&gt;&lt;strong&gt;Viele Startups und sogar Projekte von Großkonzernen sind auf diesem Markt gescheitert. Haben Sie eine einfache Erklärung, warum es Spotify nicht so gegangen ist? &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style="text-align: left;"&gt;Es gab tatsächlich schon einige Versuche mit Abo-Systemen für Musik, die aber allesamt Nischenprodukte geblieben sind. Eine einfache Erklärung, warum wir uns durchgesetzt haben, habe ich auch nicht. Als wir 2006 gestartet sind, war Schweden die Heimat der Piraterie. Für rund 80 Prozent des Datenverkehrs waren Torrents verantwortlich. Es gab also eine größere Nachfrage nach Musik als je zuvor, aber kein Geschäftsmodell, das diese Musik online legal zur Verfügung stellte und dabei bequemer zu bedienen war als die illegalen Dienste. Diese Marktlücke haben wir offenbar erfolgreich besetzt. Zum Teil hat das sicher mit dem kostenlosen Angebot zu tun, zum Teil auch mit der mobilen Verfügbarkeit und dem sozialen Aspekt. Vielleicht gibt es aber doch eine einfache Erklärung: Wir sind mit Spotify nie Kompromisse eingegangen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/wir-entziehen-der-piraterie-die-grundlage/"&gt;»Wir entziehen der Piraterie die Grundlage«&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/g-riEKxXgG4" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Mon, 14 Nov 2011 17:34:27 +0000</pubDate>
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  <item>
    <title>»Es waren Bleikugeln, keine digitalen Nullen und Einsen«</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/OKkOzkhhl6s/</link>
    <description>Andreas Schmidt von der TU Delft über Informationskriege und die Schwierigkeit dieses Begriffs&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/11/infowar.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: Patrick Hoesly  &amp;ndash; Lizenz: CC BY 2.0&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Andreas Schmidt forscht &lt;span&gt;am Department "Technologie, Politik und Management" der &lt;/span&gt;Technischen Universität Delft (Niederlande) zu Themen der Netzsicherheit und -politik. Im Interview erläutert er die Zulässigkeit des Begriffs "Informationskrieg", die Einstellung in der Bevölkerung zu Hackern und die Folgen von Utöya.
&lt;p style="text-align: center;"&gt;&lt;strong&gt;***&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;strong&gt;Der US-amerikanische Internet-Aktivist John Perry Barlow &lt;a href="http://twitter.com/#!/jpbarlow/status/10627544017534976" target="_blank"&gt;twitterte&lt;/a&gt; im vergangenen Dezember, dass wir uns seit den &lt;a href="https://derstandard.at/1289608950820/US-Diplomatie-Wikileaks-veroeffentlicht-brisante-Botschaftsakten" target="_self"&gt;Cablegate-Depeschen&lt;/a&gt; von Wikileaks am Beginn des ersten Informationskrieges befinden. Schlägt Anonymous gerade die nächste Schlacht in diesem Krieg?&lt;/strong&gt;

Es ist kein Krieg, es fehlen die Charakteristiken des Krieges, die Toten, die Verwüstungen. Krieg beinhaltet immer die Anwendung von organisierter Gewalt zwischen größeren Kollektiven. Was wir sehen, ist allerdings ein Konflikt darüber, wie die Vorteile der Informationstechnologie und des Internet verteilt werden. Es ist ein Konflikt darüber, wer welche Regeln im Internet setzen darf und ob und wie diese Regeln durchgesetzt werden, wer von diesen Regeln vorwiegend profitiert. Es ist auch ein Konflikt über die Rolle von Staatlichkeit und Zentralität von Macht. Idealtypisch betrachtet, stehen auf der einen Seite die Technolibertären und auf der anderen die Anhänger unbedingter staatlicher Souveränität über wichtige Kommunikationsinfrastrukturen. Was für den eigentlichen politischen Zündstoff sorgt, ist das Zusammenfallen von "klassischen" weltlichen Konflikten mit den großen Fragen der Internetpolitik wie Meinungsfreiheit, Privatheit und die Rechte an den eigenen Daten.

&lt;strong&gt;Wenn wir bei diesen Auseinandersetzungen trotzdem vom Arbeitsbegriff  "Informationskrieg" oder "Cyberwar" ausgehen, wer wären hier analog zu bisherigen Kriegen die Generäle, die Taktik und Ziele vorgeben? Wie lassen sich die Fußsoldaten erkennen?&lt;/strong&gt;

Fußsoldaten sind die, die nachher in den Gräben liegen. Zynismus beiseite. Bei Anonymous' Operation Payback waren es rechtsunkundige Teenies in Holland, die bald verhaftet wurden. Ähnlich in Estland 2007. Für einfache DDoS-Angriff brauchen sie keine Entscheidungshierarchien und komplexen Prozesse. Man trifft sich im IRC,
stimmt über ein  Ziel ab, legt die Zeit fest, jemand bastelt ein Skript oder ein Tool.

&lt;strong&gt;Lässt sich das Vorgehen von Wikileaks mit jenem von Anonymous vergleichen?&lt;/strong&gt;

Anonymous wählt ein völlig anderes Organisationsmodell als Wikileaks. Wikileaks folgt einem eher gewöhnlichen Organisationsmodell mit einer gewissen internen Hierarchisierung und Parzellierung, interner Geheimhaltung, bekannten Gesichtern für die Öffentlichkeitsarbeit. Im Konflikt mit mächtigeren Gegnern ist ein solches Modell leicht angreifbar, indem man wichtige Akteure etwa festsetzt oder umdreht. Anonymous dagegen ist keine feste Gruppe, Gang oder gar Organisation, sondern ein loses, verteiltes Netzwerk. Die Akteure bleiben auch untereinander anonym, es wird nicht personalisiert, die Kommunikation läuft öffentlich, es gibt keine Beitrittsbarrieren. Wie wir aus der Forschung zu Netzwerken und halbseidenen Organisationen oder Gangs wissen, hat auch dieses Modell seine Schwächen

&lt;strong&gt;Wo liegen diese?&lt;/strong&gt;

Die werden etwa dann sichtbar, wenn einzelne Anonyme dazu übergehen, öffentlich mit Pseudonymen hervorzutreten. Das erhöht die Chancen oder, je nach Sichtweise, die Gefahr der Identifizierung. Die extrem losen Verbindungen sind zum einen eine Stärke, weil sie die Resilienz, die Widerstandsfähigkeit, einer solchen Form der Zusammenarbeit erhöhen. Zugleich dürfte es schwierig sein, "Anonymous" als Marke gegen Verwendungen zu schützen, die von den bisherigen Anonymen nicht geteilt werden. Darunter dürften Außenwirkung und etwaige Sympathien leiden, was unter anderem die Fähigkeit zur Rekrutierung neuer Anonyma beeinträchtigen würde.

&lt;strong&gt;Aktionen von Anonymous richten sich laut Eigenbeschreibung gegen "Regierungen, Banken und andere korrupte Institutionen, um Meinungs- und Pressefreiheit sowie Menschenrechte zu wahren." Vermuten Sie hinter den vermehrten Hacking-Angriffen der letzten Zeit noch andere Motive?&lt;/strong&gt;

Die Motivation ergibt sich meist direkt aus den Aktionen. Sie sind häufig eine Reaktion auf Maßnahmen von Regierungen und Unternehmen, die darauf zielten, die Veröffentlichung und den Austausch von Informationen im Internet zu beschränken. Bei den technisch etwas anspruchsvolleren Aktionen von LulzSec oder AntiSec ging es häufig darum, die Schwachstellen bei einigen der Informationsfreiheit nicht immer wohlgesonnen Informations- und Sicherheitsanbietern aufzuzeigen. Man macht sich auf diese Weise über die IT-Sicherheits-Kompetenzen dieser Organisationen lustig und kratzt ein wenig an der Legitimität deren Handelns. Die Veröffentlichung privater Daten stößt natürlich auf Kritik, es ist illegal, es verstößt gegen die alten Hacker-Ethiken.

&lt;strong&gt;Es scheint, als hätten die Aktivisten keine großen Probleme in ihrem Tun.&lt;/strong&gt;

Dieses Bloßstellen weist auf ein grundlegendes Problem in IT-Organisationen hin: Lange Jahre galt die Devise "never change a running system"; heute müssen sie schon aus Sicherheitsgründen zeitnah jedes Update einspielen. Und gerade bei der Entwicklung von Anwendungen, die speziell für eine Organisation geschrieben werden, genießt Sicherheit häufig die geringste Priorität, zumal vor einigen Jahren als das Thema noch nicht ganz oben in den Medien war. In der IT-Sicherheitsszene weiß man seit Jahren, dass hier einiges im Argen liegt, dass aus Gründen der Sparsamkeit notwendige Erneuerungen unterbleiben.

&lt;strong&gt;LulzSec benannte sich nach dem Netzterminus "Laughing Out Loud", Anonymous verwendet bei Defacements Ponys, Regenbögen und kitischige Midi-Sounds – sehen sich diese Gruppen aus ihrer Genese heraus als Spaßfraktionen und gleichzeitig als politische Gruppierungen?&lt;/strong&gt;

Die historischen Wurzeln von Anonymous sind die Messageboards von 4chan, einer Website mit Foren zu verschiedenen Themen und teils sehr eigenen kulturellen Vorlieben. Dort wurden Memes wie Rick-Rolling und Lolcats popularisiert, bevor sie Internet-Mainstream wurden. Politisiert wurden diese Boards 2008, als Scientology Medienanbieter zwingen wollte, ein internes Scientology-Werbevideo mit einem befremdlich lobpreisenden Tom Cruise zu löschen. Die Church of Scientology (CoS) ist mit ihrer Propaganda und ihrem klagewütigen Vorgehen gegen Kritiker so was wie der natürliche Feind der freiheitsliebenden Geek-Kultur. Interessant war, dass man sich mit konventionellen Scientology-Kritikern verband und weltweite On- und Offline-Proteste gegen die CoS organisierte. Im Frühjahr 2010 kam dann Operation Titstorm, ein DDoS-Angriff gegen das australische Parlament, das ein Gesetz gegen bestimmte Formen von Pornografie zensieren wollte: solche, in denen Frauen mit flachen, kleinen Brüsten vorkommen. Dieselbe Protesttechnik, manuelle DDoS, wurde dann auch Ende 2010 gegen Mastercard und PayPal verwendet.

&lt;strong&gt;Machen sich die Aktivisten mit ihren Angriffen tatsächlich Sympathien in der Bevölkerung? Geht deren Robin-Hood-Konzept – "Wir kämpfen im Namen der User gegen die Großen und Mächtigen" – auf, oder werden sie eher als Verbrecher wahrgenommen?&lt;/strong&gt;

Diese Debatte zieht sich durch alle sozialen Bewegungen und Protestkulturen: Bedient man sich anerkannter, harmloser Protesttechniken oder möchte man hart am Rande der Legalität oder auch ein wenig darüber hinaus agieren? So etwas gab es auch in der Anti-Atom-Bewegung. Die Rechtmäßigkeit von Sitzblockaden wurde von einigen Opferbereiten über Jahre und mit großen persönlichen Entbehrungen gerichtlich durchgesetzt. Dass Aktionen etwa von Hackergruppen wie LulzSec oder AntiSec gegen bestehende Gesetze verstoßen, ist offenkundig.

Anonymous – und wohl auch LulzSec – hat sich häufig Gegner ausgesucht, die sich zuvor selbst so verhalten haben, dass das in Teilen der Öffentlichkeit als unschön bezeichnet wird. Mastercard und eBay haben ohne Gerichtsbeschluss Gelder eingefroren, die für eine gemeinnützige, in Deutschland sitzende Stiftung bestimmt waren. Der Sicherheitsdienstleister HB Gary hat für die Bank of America und das US-Justizministerium den Ratschlag erteilt, dass man versuchen sollte, die beruflichen Karrieren einiger Prominenter Anhänger von Wikileaks zu zerstören. Die Wahrnehmung und Bewertung dieser Aktionen in der Bevölkerung hängen natürlich vor allem von der Berichterstattung in den Nachrichtenmedien mit großer Reichweite ab.

&lt;strong&gt;Könnte Anonymous eine etablierte politische Massenbewegung des 21. Jahrhunderts werden? Etwa analog zur Sozialdemokratie, deren Anliegen Anfang des letzten Jahrhunderts die Vertretung der vom Kapital ferngehaltenen Bevölkerungsmasse war? Wie plausibel ist die These, Anonymous würde die datenschutzrechtlich benachteiligten Massen dieses Jahrhunderts vertreten?&lt;/strong&gt;

Noch scheinen mir die Techniken von Anonymous dafür ein wenig zu elaboriert. Sie sind weniger Massenbewegung, sondern allenfalls eine Avantgarde. Unklar ist, ob sie in die Sackgasse oder zu etwas Neuem führt. Massenbewegungen erfordern ein weithin ähnlich empfindendes Unrecht. Bei der einstigen Sozialdemokratie war es die als ungerecht empfundene Verteilung von Kapital und den daraus resultierenden Einkommens- und Machtverhältnissen. In der Anti-Atom-Bewegung war es die Bedrohung, die von einer Technologie mit einem extrem hohen Schadenspotential ausgeht. In der Umweltbewegung die Sozialisierung der Gefahren, die aus nicht-nachhaltiger Produktion entstehen. Einige Entwicklungen in der Internetpolitik lassen beim Betrachter das Gefühl aufkommen, dass die Vorteile von IT-Systemen asymmetrisch verteilt sind; dass das Datensammeln weiten Teilen der Bevölkerung nicht zum Vorteil gereichen wird; dass neue Technologien bislang nicht gekannte Eingriffe in Kommunikation erlauben und diese irgendwann gegen die Menschen verwendet werden.

&lt;strong&gt;Die Aktivisten agieren oft unabhängig von Staatsgrenzen – sind nationalstaatliche Konzepte hier überhaupt noch praktikabel?&lt;/strong&gt;

China ist offenbar ganz erfolgreich damit, den Protest gegen Freiheitsbeschränkungen und für Transparenz auszuschalten. Wenn man ein offeneres Internet bevorzugt, dann kommt man ohne internationale Kooperation nicht umhin. Da läuft sehr viel und die Dinge sind im Fluss. Es gibt eine zunehmende Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden, Internetsicherheitsdienstleister, Sicherheitssoftwareproduzenten, internationalen Organisationen, um gegen Internetkriminalität vorzugehen.

&lt;strong&gt;Wie wahrscheinlich erachten Sie es, dass Hackergruppen irgendwann aus den reinen Netzaktivitäten heraussteigen und gewalttätigen Widerstand leisten werden? Oder läuft das einem Nur-Online-Konzept zuwider?&lt;/strong&gt;

Aussagen über die Wahrscheinlichkeiten einer Vermengung mit gewalttätigen oder gar terroristischen Formen des Widerstands sind Spekulation. Denkbar ist alles. In der Phantasie kann man aggressives Hacking mit allen möglichen Formen und Zielen von Organisationen zusammenbringen, mit legalen oder illegalen, mit fremden Großmächten oder schlecht erzogenen Mobs, mit Sorge um die Armen und Entrechteten oder mit kriminellem Gewinnstreben. Offen ist, wie wahrscheinlich welches Szenario ist und welche Rolle aggressives Hacking darin spielen kann.

&lt;strong&gt;Nils Minkmar bezeichnete Anders Behring Breivik in der &lt;a href="http://www.faz.net/artikel/C30351/anders-breivik-wahn-und-sinn-30476396.html" target="_blank"&gt;FAS&lt;/a&gt; überspitzt als "ersten Open-Source-Naziterroristen 2.0". Der Attentäter legte Spuren im Netz, veröffentlichte ein aus Internetquellen gebasteltes Manifest nach den Regeln der Remix- oder Mashup-Kultur. Ihn als "Cyberkrieger" zu bezeichnen wäre für Sie unangebracht?&lt;/strong&gt;

Es waren kleine Bleikugeln in Hochgeschwindigkeit, die die Leiber der Kinder und Jugendlichen auf der Insel Utöya durchlöcherten – keine digitalen Nullen und Einsen.

&lt;strong&gt;Nach der Tat wurden zwar nicht in Norwegen, dafür aber in Deutschland und Österreich Stimmen laut, netzrelevante Gesetze zu verschärfen. Können Terroranschläge durch die lückenlose Überwachung unseres Online-Verhaltens verhindert werden?&lt;/strong&gt;

In Norwegen würde es möglicherweise als Verhöhnung der Opfer aufgefasst, ein trauriges Ereignis als Anlass für politische Forderungen zu nehmen, deren Umsetzung das Ereignis gar nicht hätte verhindern können. In Deutschland fällt ein Sack Kartoffeln um und Sie können sicher sein, dass jemand Vorratsdatenspeicherung, Zensur oder sonst was fordert, um so etwas künftig zu verhindern. Vieles in der Internetsicherheitspolitik ist Symbolpolitik.&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/es-waren-bleikugeln-keine-digitalen-nullen-und-einsen/"&gt;»Es waren Bleikugeln, keine digitalen Nullen und Einsen«&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/OKkOzkhhl6s" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Sun, 06 Nov 2011 13:30:59 +0000</pubDate>
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    <title>Schauplatz Paranal</title>
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    <description>Forschungseinrichtungen des &lt;a href="http://www.eso.org/"&gt;ESO&lt;/a&gt; (European Southern Observatory) links, Mond und Milchstraße rechts.&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/10/paranal.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: ESO/H.H. Heyer &amp;ndash; Lizenz: CC BY 3.0&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Seit 1. April 1999 schauen Astronomen von der Paranal-Sternwarte in der chilenischen Atacamawüste aus ins All.&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/schauplatz-paranal/"&gt;Schauplatz Paranal&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/zXsM8C_J_IM" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Thu, 13 Oct 2011 16:57:26 +0000</pubDate>
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    <title>Nevermind!</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/-q3KgSoNk4E/</link>
    <description>Heute vor zwanzig Jahren erschien mit Nirvanas Album "Nevermind" der plausible Grund für die vorliegende Würdigung.&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/09/Nevermind.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: dnak &amp;ndash; Lizenz: CC BY 2.0&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Am 24. September 1991 kam in die Plattenläden, was Epoche machen sollte. Als "Nevermind" in die Regale einsortiert wurde, galten Nirvana, eine zuvor wenig bekannte Rockband aus der Gegend um Seattle, Washington, mit einem Schlag als Aushängeschild des Zeitgeists. Dem Album wurde nachgesagt, den Zorn der Jugend abzubilden. Falls es das jemals getan hat, ist der Zorn längst verraucht und die rebellierenden Teenager der Neunziger sitzen heute, wie damals ihre Eltern, auf Vorstandssitzen und Hausmeisterposten.

Geblieben aber ist ein Album ohne Füllmaterial, das sich seiner prägenden Stellung in der Musikgeschichte gewiss bleiben darf. Wie einflussreich die zentrale Platte der Band bis heute ist, lässt sich am leichtesten am Spektrum der Künstler ablesen, die sich seither der zwölf Songs (und des Bonusstücks) angenommen haben. Es ist die Godmother of Punk darunter, ein Reggaesänger, der bereits im Jamaika der Rocksteady-Ära erfolgreich war, der Grandsigneur des Triphop, ein 20-köpfiges Symphonic-Pop-Projekt, ein Rockmusiker, der zumindest in Japan weltberühmt ist, und ein spätberufener Soulguru. Doch alles der Reihe, der Tracklist nach.

&lt;strong&gt;1. Smells Like Teen Spirit (Patti Smith)&lt;/strong&gt;

Schon ab dem Opener geht es nur mehr bergab. Nicht unbedingt musikalisch, aber den Mainstreamerfolg von "Smells Like Teen Spirit" konnten Sänger und Gitarrist Kurt Cobain, Bassist Krist Novoselic und Schlagzeuger Dave Grohl mit keiner Nummer übertreffen. Die erste Singleauskopplung von "Nevermind" überragt das sonstige Schaffen der Band dermaßen, dass sie zu spielen heute sogar in der Alternativdisco als unkreativ gilt. Bei späteren Nirvana-Konzerten verschwand sie auch aus diesem Grund von der Setlist: "Everyone has focused on that song so much", beklagte sich Cobain. 

"Teen Spirit" war Nummer eins in mehreren Ländern, erreichte Platinstatus mit über einer Million verkaufter Kopien, wurde vom NME zur zweitbesten Single aller Zeiten (hinter Joy Divisions "Love Will Tear Us Apart") und von MTV und dem Rolling Stone auf Platz drei der besten Popsongs gewählt (hinter "Yesterday" und "Satisfaction"). Das Lied gefiel so sehr, dass Pearl Jam, Tori Amos, Metallica, Avril Lavigne, Paul Anka, Miley Cyrus, Limp Bizkit, Willie Nelson, The Ukulele Orchestra of Great Britain und tausend andere nicht auf eine Coverversion verzichten wollten. Es war sogar so erfolgreich, dass es der professionelle Musikversaubeutler Weird Al Yankovic &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=FklUAoZ6KxY" target="_blank"&gt;versaubeutelte&lt;/a&gt;. (Cobain sagte darüber: "I laughed my butt off. I thought it was one of the funniest things I ever saw.")

Patti Smith, die auch "Godmother of Punk" genannt wird, versuchte sich für ihr 2007er Album "Twelve" an, erraten, zwölf Songs, allesamt Klassiker der jüngeren Popgeschichte – darunter auch eine sehr organische Version des Liedes mit der prägnanten F-B♭-A♭-D♭-Folge und den unvergesslichen Zeilen "I feel stupid and contagious / Here we are now, entertain us".

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;iframe width="478" height="354" src="http://www.youtube.com/embed/m2tv1ShcVmQ" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=I_3qNdBiWn8" target="_blank"&gt;"Smells Like Teen Spirit" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

&lt;strong&gt;2. In Bloom (Hooverphonic)&lt;/strong&gt;

"In Bloom" erschien als vierte und letzte Single aus "Nevermind" erst 14 Monate nach dem Album, wurde aber bereits 1990 in einer Demo-Version aufgenommen. Nachdem Nirvanas Debütalbum "Bleach" (1989) auch Radiohörern abseits des Seattler Undergrounds zu Ohren kam, wandte sich Cobain auf "In Bloom" mit spöttischen Worten an die unbedarften neuen Fans: "He's the one / Who likes all our pretty songs / And he likes to sing along / And he likes to shoot his gun / But he knows not what it means / When I say / He's the one"

Auch im &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=PbgKEjNBHqM" target="_blank"&gt;Video&lt;/a&gt; geht es nicht allzu ernst zu. Die Band entschied sich für eine Persiflage der großen Unterhaltungsshows der sechziger Jahre, Cobain trug eine Hornbrille und steckte wie seine Kollegen unter ordentlich gescheitelten Frisuren und in Beach-Boys-Anzügen. Zur Wahrung der Authentizität wurden die fünf Minuten "In Bloom" für die Videoversion mit kreischendem Publikum im Stil der Beatles-Auftritte in der Ed-Sullivan-Show unterlegt. Die Fassade fällt aber spätestens mit dem Bühnenbild, wenn Novoselic es, urplötzlich in ein Nachtkleid gewandet, zu malträtieren beginnt.

Ende 2008, kurz vor dem Ausstieg ihrer langjährigen Sängerin Geike Arnaert, nahm die belgische Indie-Band Hooverphonic für den Sampler "Rendez Vous — 25 Unieke Covers Uit 25 Jaar Studio Brussel" ein eindringliches Cover von "In Bloom" auf.

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;iframe width="478" height="354" src="http://www.youtube.com/embed/sRS_3WHBbio" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=LhRwkC6RxcU" target="_blank"&gt;"In Bloom" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

&lt;strong&gt;3. Come As You Are (Little Roy)&lt;/strong&gt;

Bei DGC/Geffen, dem Plattenlabel, auf dem "Nevermind" erschien, und der Band selbst war "Smells Like Teen Spirit" bloß als Wegbereiter für einen breiten Erfolg der zweiten Single "Come As You Are" angelegt. Breiter konnte der Erfolg freilich kaum werden, doch vermochte "Come As You Are" Nirvanas Ruf als Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit zu festigen. Maßgeblichen Anteil daran trug das melodiöse Riff, das Cobain allerdings nicht ganz alleine eingefallen sein dürfte: Die britische Post-Punk-Band Killing Joke beauftragte sogar zwei Musikwissenschafter, um beweisen zu lassen, dass er die Melodie von ihrer 1984er Single "&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=x1U1Ue_5kq8" target="_blank"&gt;Eighties&lt;/a&gt;" abgeschrieben hatte.

Erst vorvergangene Woche veröffentlichte Little Roy, musikalisch sozialisiert im Jamaika der sechziger Jahre, mit "Battle For Seattle" ein Album mit zehn Coverversionen aus der Nirvana-Diskografie. "When these Nirvana songs hit you, you'll feel the music, and no pain", sagt der Reggae-Sänger über die Aufnahmen, und das hört man der fast schon leichtfüßigen Offbeat-Variation von "Come As You Are" auch an.

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;iframe width="478" height="354" src="http://www.youtube.com/embed/I1aEo4SkOWg" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=6YyDg9tT0Vw" target="_blank"&gt;"Come As You Are" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

&lt;strong&gt;4. Breed (Steve Earle)&lt;/strong&gt;

"Breed" erzählt in resignierenden Lyrics von der Möglichkeit gesellschaftlicher Verweigerung. "We don't have to breed" ("Wir müssen uns nicht fortpflanzen"), schrieb Cobain dem von Novoselic’&lt;span style="display:none;"&gt;.&lt;/span&gt; Basslinie getriebenen Rhythmus auf den Leib. Später sagte er über die Bedeutung des Songs: "Getting into Middle America. Marrying at age 18, getting pregnant, stuck with a baby - and not wanting it."

Steve Earle, ein politisch geprägter Singer-Songwriter aus Texas, zupfte auf Patti Smiths "Smells Like Teen Spirit" das Banjo. Schon sieben Jahre zuvor spielte er als Bonustrack für den Japan-Release seines Albums "Transcendental Blues" eine dichte Hommage an "Breed" ein.

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;iframe width="478" height="354" src="http://www.youtube.com/embed/cnfdgL5ahhw" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=0mC7jbG9yi0" target="_blank"&gt;"Breed" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

&lt;strong&gt;5. Lithium (The Polyphonic Spree)&lt;/strong&gt;

"Lithium", die dritte Singleauskopplung, ist für viele der beste Song des Albums. (Ich nehme mich nicht aus.) Cobain beschreibt den Protagonisten als Suchenden, der in einer nicht näher genannten Religion sein Heil zu finden glaubt. Das nach einem stark ätzenden Leichtmetall benannte Stück ist in den Versen verhalten, geradezu gehemmt, im Refrain tritt Cobain auf das Distortion-Pedal und schreit sich den Heiligen Zorn von der Seele.

"Lithium" wurde auch von Nirvana (der gleichnamigen und bereits 1967 gegründeten britischen &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Nirvana_(UK_band)" target="_blank"&gt;Band&lt;/a&gt;) gecovert, eine viel sympathischere Version nahmen aber Polyphonic Spree auf. Das orchestrale Bandprojekt um Tim DeLaughter gilt als eines der größten Kollektive der Popgeschichte (mit über zwanzig aktuellen und mehr als dreißig Ex-Mitgliedern &lt;em&gt;zahlenmäßig&lt;/em&gt;) und veröffentlichte "Lithium" als Bonustrack seines dritten Albums "The Fragile Army" (2007). Mit der Band in weißen Gewändern - darunter ein Harfist - erinnert das Video selbst an einen liturgischen Festakt (allerdings tun das die meisten Spree-Videos). 

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;iframe width="478" height="354" src="http://www.youtube.com/embed/7vzUh_55x2M" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=3fIqq5XVFKQ" target="_blank"&gt;"Lithium" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

&lt;strong&gt;6. Polly (Kazuya Yoshii)&lt;/strong&gt;

Anders als alle anderen "Nevermind"-Stücke wurde "Polly" nicht zwischen Mai und Juni 1991 in den kalifornischen Sound City Studios eingespielt, sondern schon im April 1990 in den Smart Studios (Madison, Wisconsin). Das erklärt auch, warum darauf der einzige Beitrag des während der Aufnahmen gefeuerten Ex-Drummers Chad Channing zu hören ist. 

Cobain hatte "Polly" bereits 1988 geschrieben, empfand es für das raue Debüt "Bleach" aber als zu melodiös. Inhaltlich wird das harmonische Gerüst von einem schwer lastenden Motiv konterkariert – Cobain erzählt die wahre Geschichte der Entführung, Vergewaltigung und Folterung eines 14-jährigen Mädchens aus der Perspektive des Täters.

Im Original allein von Akustikgitarre und Bass getragen (Channings einzelner Becken-Anschlag zu Beginn der Refrains ist vernachlässigbar), bleibt der in seiner japanischen Heimat verehrte Rockmusiker Kazuya Yoshii beim Cover recht nah an der Ursprungsvariante. Yoshii erweitert sie um biederes Händeklatschen und einen kurzatmigen japanischen Akzent. 

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;iframe width="478" height="354" src="http://www.youtube.com/embed/QoxyNUplcq8" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=rBCytd4JgIY" target="_blank"&gt;"Polly" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

&lt;strong&gt;7. Territorial Pissings (Scott Matthew)&lt;/strong&gt;

"Territorial Pissings" ist die kürzeste und mit dem Massengeschmack wahrscheinlich am wenigsten zu vereinbarende Nummer auf "Nevermind". Im Intro bedient sich Cobain auf äußerst dissonante Art bei der Hippie-Weise "&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=o4fWN6VvgKQ" target="_blank"&gt;Get Together&lt;/a&gt;" der Youngbloods (weshalb auch Urheber Chet Atkins in den Liner Notes als Mitautor von "Territorial Pissings" angegeben wird). Einen klassischen Refrain hat der Song nicht: Es wechselt sich eine aggressive Passage jeweils mit einer noch aggressiveren ab. Auch textlich ist der Track überschaubar, immerhin brachte Cobain das in einer anderen Variante Henry Kissinger zugeschriebene Kleinod "Just because you're paranoid / Don't mean they're not after you" unter.

Scott Matthew schafft es in seiner Version nicht nur, Nirvanas ursprüngliche Aggression herauszunehmen, sondern bewältigt auch die wesentlich schwierigere Aufgabe, ihr auf dem Piano einen neuen, sehr atmosphärischen Charakter entgegenzusetzen.

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;iframe width="478" height="354" src="http://www.youtube.com/embed/XFNqAdBiw5g" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=q5ENDN0WbE4" target="_blank"&gt;"Territorial Pissings" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

&lt;strong&gt;8. Drain You (Horse Feathers)&lt;/strong&gt;

Zu eigenem Ruhm hat es "Drain You" kaum gebracht. Bekannt ist der "Nevermind"-Track mit den meisten Gitarrenspuren - gezählte sechs - in erster Linie als B-Seite der Single-Version von "Smells Like Teen Spirit". Die Legende besagt, dass die Textzeile "It is now my duty to completely drain you" ("Es ist jetzt meine Pflicht, dich komplett kaputtzumachen") von Tobi Vail stammte. Während er die Texte zu "Nevermind" schrieb, waren Cobain und Vail ein Paar – bis sie mit diesen Worten ihre Beziehung beendete. Cobain durfte es halbwegs verwunden haben, das Stück zählte bis zum Schluss zu seinen Live-Favoriten.

Die Indiefolk-Combo Horse Feathers aus Portland, Oregon, spielte "Drain You" in einer deutlich gediegeneren Akustikfassung ein, die im Oktober 2010 auf Kill Rock Stars als 7-Inch-Single erschien.

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;object width="478" height="360"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.popmatters.com/inc/jwplayer/player.swf"&gt;&lt;param name="allowscriptaccess" value="always"&gt;&lt;param name="allowfullscreen" value="true"&gt;&lt;param name="backcolor" value="27201B"&gt;&lt;param name="frontcolor" value="F2AB00"&gt;&lt;param name="lightcolor" value="F2AB00"&gt;&lt;param name="screencolor" value="635950"&gt;&lt;param name="flashvars" value="file=http://media.popmatters.com/downloads/Horse Feathers - Drain You.mp3"&gt;&lt;embed src="http://www.popmatters.com/inc/jwplayer/player.swf" width="478" height="354" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" flashvars="file=http://media.popmatters.com/downloads/Horse Feathers - Drain You.mp3&amp;backcolor=27201B&amp;frontcolor=F2AB00&amp;lightcolor=F2AB00&amp;screencolor=635950" /&gt;&lt;/object&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=tKTRJZkNoSo" target="_blank"&gt;"Drain You" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

&lt;strong&gt;9. Lounge Act (Jessica Lea Mayfield)&lt;/strong&gt;

Laut Novoselic handelt auch "Lounge Act" von Cobains Beziehung zu Tobi Vail und der Urangst, betrogen und hintergangen zu werden. Der Titel verweist auf die Bassfigur, die die Band an Loungemusik erinnerte. (In Wahrheit erinnert sie vielmehr an den Doors-Song "&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=AJDolFFndjc#t=1m28s" target="_blank"&gt;Take It As It Comes&lt;/a&gt;".)

In ihrer Version von "Lounge Act" klingt Jessica Lea Mayfield über weite Strecken wie die begnadete Nicht-Sängerin &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Nico" target="_blank"&gt;Nico&lt;/a&gt;. Die 22-Jährige aus Ohio drosselt das Tempo auf das für ihre Zwecke erforderliche Idealmaß und verleiht dem Stück per gedoppelter Gesangsstimme in den Refrains eine erhabene Dimension.

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;iframe width="478" height="354" src="http://www.youtube.com/embed/gEfCskXbvZ4" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=OPYcFQxsKlQ" target="_blank"&gt;"Lounge Act" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

&lt;strong&gt;10. Stay Away (Charles Bradley &amp; The Menahan Street Band)&lt;/strong&gt;

"Stay Away" trug den Arbeitstitel "Pay To Play" (und folgerichtig singt Cobain darin auch "Every line ends in rhyme"). Nachdem er sich während des Stücks mehrfach die Stimme aus dem Leib schreit, martert sich Cobain durch das langgezogene Outro, wiederholt die Titelzeile in hysterischer Trance und ersetzt sie zum Abschluss durch "God is gay". Kein Statement gegen Gott, sondern für die Homosexuellenbewegung.

Charles Bradley ist ein Spätberufener. Der gelernte Koch wurde 1948 in Gainsville, Florida, geboren und trat bis 2002 lediglich als Mietmusiker in einer New Yorker James-Brown-Tribute-Show auf. Damals entdeckte ihn ein Scout des Retro-Soul-Labels Daptone Records und nahm ihn unter Vertrag. Seither veröffentlichte er elf Singles, ein Album und tourt durch die Welt - erst im Juli begeisterte er beim &lt;a href="http://derstandard.at/1308680679699/Jazzfest-Wien-Tiefer-Schmerz-und-wahre-Schoenheit" target="_blank"&gt;Jazzfest Wien&lt;/a&gt;. Bradley schnürt "Stay Away" ein derart eigenständiges Soul-Korsett, dass die ursprüngliche Komposition nur noch schwer zu orten ist. 

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;iframe width="478" height="354" src="http://www.youtube.com/embed/ncZW9QSz7Go" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=xA5HbqgCIUE" target="_blank"&gt;"Stay Away" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

&lt;strong&gt;11. On A Plain (Animal Collective)&lt;/strong&gt;

Cobain schrieb "On A Plain" 1990 und griff bei Konzerten Zeit seines Lebens mit Vergnügen darauf zurück. Nach dem Debüt auf "Nevermind" erschien es in mehreren Live-Fassungen, am stärksten bleibt wohl jene in Erinnerung, die Nirvana für das Akustik-Album "&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=yc7yXc679NM" target="_blank"&gt;MTV Unplugged in New York&lt;/a&gt;" einspielten. Der Text schildert ein egoistisches Gefühlshoch (manche schreiben ihm wie den Lyrics jedes anderen Nirvana-Songs ein Drogenhoch zu) und ist dabei ehrlich bis auf die Knochen: "I love myself better than you / I know it's wrong but what should I do?"

Animal Collective sind seit 1999 aktiv und werden als Psychedelik-, Avantgarde- oder Experimental-Band (manchmal alles drei) eingestuft, was auch die Pseudonyme der Musiker erklärt. Avey Tare, Panda Bear, Geologist und Deakin haben eine verhaltensauffällige Lo-Fi-Version von "On A Plain" aufgenommen.

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;iframe width="478" height="354" src="http://www.youtube.com/embed/PgSxvXYMgHw" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=aGAFR1wVUFY" target="_blank"&gt;"On A Plain" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

&lt;strong&gt;12. Something In The Way (Tricky)&lt;/strong&gt;

"Something In The Way" handelt laut Cobain von den Steinen (oder Felsen), die einem das Leben in den Weg legt. Als er aus seinem Elternhaus geworfen wurde, soll er die Worte an den Pfeiler jener Brücke gesprayt haben, unter der er zur damaligen Zeit ein Nachtquartier gefunden hatte. So leise und monoton wie in der Albumfassung von "Something In The Way" vernahm man Cobain kaum wieder. Flankiert wird seine fragile Stimme vom einzigen Gastmusiker auf "Nevermind": Kirk Canning steht ihm am Cello zurückhaltend, aber verlässlich zur Seite.

Tricky hört es nicht gern, als Vorreiter des Trip-Hop bezeichnet zu werden. Definiert man das in seiner englischen Heimatsadt Bristol entstande Genre aber als elektronische Downtempovariante mit angewandtem Sprechgattung, so lässt sich seine 2001 auf dem Album "Blowback" veröffentlichte Version von "Something In The Way" durchaus dort einordnen.

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;iframe width="478" height="354" src="http://www.youtube.com/embed/mR5xSf-NxdM" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=XOAd7tDM8f8" target="_blank"&gt;"Something In The Way" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

&lt;strong&gt;+ Endless, Nameless (EMA)&lt;/strong&gt;

"Something In The Way" dauert im Grunde keine vier Minuten, gaukelte dem Abspielgerät aber immer schon über 21 Minuten vor. Zehn davon bestehen nach dem Schlussakkord aus Stille, dann setzt der rund siebenminütige Hidden Track "Endless, Nameless" ein. Er entstand aus einer frustrierten Jam-Session, als die Aufnahmen zu "Lithium" keine Fortschritte zeigten. Neben "Smells Like Teen Spirit" ist es das einzige der dreizehn Stücke, das in den Credits alle drei Bandmitglieder als Autoren anführt. 

Wenn es zuvor geheißen hat, "Territorial Pissings" träfe den Massengeschmack am wenigsten, dann gilt das für die zwölf regulären "Nevermind"-Nummern. "Endless, Nameless", inoffiziell auch als "Noise" oder "The Noise Jam" bekannt, setzt einen markanten Schlusspunkt aus quälenden Improvisationsversuchen und Lärm gewordener Wut.

Wenn etwas als musikalische Herausforderung bezeichnet werden darf, dann die Coverversion eines solchen Tracks. Die aus South Dakota stammende Erika M. Anderson nahm sie mit ihrer Noiserock-Band EMA an und fabrizierte eine "Endless, Nameless"-Melange aus Schwermut und Rage, mindestens so verstörend wie das Original.

&lt;p style="text-align:right; font-size:10px;"&gt;
&lt;iframe width="478" height="354" src="http://www.youtube.com/embed/bjHkAbYPXWc" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=faJdBl0_e-I" target="_blank"&gt;"Endless, Nameless" im Original&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

Nirvana maßlos überschätzt zu finden, ist heute ebenso &lt;a href="http://www.google.at/search?q=nirvana+overrated" target="_blank"&gt;verbreitet&lt;/a&gt; wie unoriginell. "Nevermind" inspirierte wie keine andere Platte der neunziger Jahre Musiker aller Stilrichtungen. Dieser kleine Ausschnitt an Coverversionen deutet an, welch feine Nuancen und revolutionäre Zugänge sich "Nevermind" bis heute abgewinnen lässt.

Ein solches Album zu machen ist wahrscheinlich noch schwieriger, als es zu rezensieren, ohne auch nur einmal das Wort "Grunge" zu verwenden. Verdammt.
&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/nevermind/"&gt;Nevermind!&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/-q3KgSoNk4E" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Sat, 24 Sep 2011 13:57:34 +0000</pubDate>
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  <item>
    <title>Die Piratenpartei steht sich selbst im Weg</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/AaYJOv5hUoc/</link>
    <description>Inhaltliche Konflikte und persönliche Animositäten, aufgelöste Landesverbände und eine Abspaltung prägen derzeit das Bild der PPÖ.&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/09/Piratenpartei.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: Marcus Povey &amp;ndash; Lizenz: CC BY 2.0&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Seit 2006 in Schweden die erste Piratenpartei gegründet worden war, gewann die Bewegung weltweit an Gewicht. Über 60 Mitglieder zählt der internationale Dachverband mittlerweile. Bei der Berlin-Wahl vergangenes Wochenende zog die Piratenpartei Deutschland &lt;a href="https://derstandard.at/1315006675890/Update-Piratenpartei-schafft-Einzug-in-Berliner-Abgeordnetenhaus"&gt;erstmals&lt;/a&gt; in ein Landesparlament ein. Längerfristig bereitet sich auch die österreichische Schwesternpartei (PPÖ) auf Wahlen vor – die Voraussetzungen stehen allerdings weniger günstig.

Schon zu Jahresbeginn kam es zu Zerwürfnissen, im Mai spaltete sich eine Gruppe von der Landesorganisation Tirol ab und gründete mit den "Piraten Tirol" einen "unabhängigen und überparteilichen Zusammenschluss aktiver Piraten". Ebenfalls im Mai warf ein ehemaliger Pirat der Bundesorganisation "&lt;a href="https://red.derstandard.at/1304551991283/Kommentar-Ex-Mitglied-Piratenpartei-Oesterreich-ist-handlungsunfaehig" target="_self"&gt;Handlungsunfähigkeit&lt;/a&gt;" vor, da Account-Zugänge lediglich im Besitz von Ex-Mitgliedern gewesen seien, die diese aber anfangs nicht herausgeben wollten. Im Juni wurden die Landesorganisationen Oberösterreich und Steiermark aufgelöst, im Juli schließlich ein neuer Bundesvorstand gewählt, um eine "Phase interner Konflikte zu beenden".

&lt;strong&gt;"Terrorverdacht" in Tirol&lt;/strong&gt;

"Man könnte meinen es kehrt wieder etwas piratiger Aktivismus ein. Leider ist dem nicht so", schrieb der ehemalige Tiroler Landesvorstand Clemens Lassnig Ende August in seinem &lt;a href="http://www.lassnig.org/2011/08/31/zur-lage-der-piraten-tirol/" target="_blank"&gt;Blog&lt;/a&gt;. Nachdem ihm im PPÖ-Forum eine Nähe zum Attentäter Anders Behring Breivik vorgeworfen wurde, legte Lassnig auch seine Tätigkeiten für die "Piraten Tirol" nieder. Er habe "keine Lust mehr, mit Leuten zu arbeiten die auf einem derartigen Niveau agieren", bekräftigte er.

"Nachdem nun auch weitere Tiroler Piraten ausgetreten sind, hat  sich das Projekt 'Piraten Tirol' bis auf weiteres erledigt. Da dieses  Projekt erst gar nicht über die Planungsphase hinausgegangen ist", will sich Lassnig auf Anfrage von derStandard.at nicht weiter zu den Konflikten äußern.

&lt;strong&gt;"So ein Kindergarten"
&lt;/strong&gt;

Vorwürfe, Tiroler Aktivisten würden die Bundes-PPÖ demontieren wollen, quittiert Lassnig mit den Worten: "So ein Kindergarten. Grüße nach Wien; das macht ihr schon selbst, keine Angst." Solche Aussagen würden eine Einzelmeinung darstellen, erwidert Patryk &lt;span class="st"&gt;Kopaczynski&lt;/span&gt;, der Vorsitzende des Bundesvorstands.

"Für Außenstehende sieht es immer anders aus als für die Leute, die intern beteiligt sind. Es gab früher einen Konflikt mit Ex-Mitgliedern, die sich nicht mehr mit den Meinungen neuer Mitglieder identifizieren konnten und via Medien, Twitter und Foren parteischädigend gewirkt haben. Das hat sich jetzt zum Glück aufgehört", sagt &lt;span class="st"&gt;Kopaczynski&lt;/span&gt;, um aber nachzusetzen: "Zumindest hält es sich in Maßen." Im Großen und Ganzen sei die PPÖ aber handlungsfähig.

&lt;strong&gt;Persönliche Animositäten
&lt;/strong&gt;

"Im Moment gibt es intern eigentlich keine Probleme", kalmiert auch Pressesprecher und Vorstandsmitglied Sylvester Heller: "Es sind zwar alle Individualisten und natürlich ist man öfter unterschiedlicher Meinung. Aber dazu gibt es die Piratenpartei, um auch unterschiedlicher Meinung sein zu dürfen, ohne dass eine Parteimeinung von oben herab bestimmt
wird."

Ob es sich aber immer nur um entgegenstehende Sachmeinungen handelt, ist unklar. Tatsächlich gab es auch in jüngerer Zeit wieder persönliche Angriffe zwischen Parteimitgliedern. Etwa wurde anhand von Foreneinträgen bei einem Bundesfunktionär eine "psychische Erkrankung" diagnostiziert, die innerhalb der Partei "ihr Zerstörungswerk fortführt", und deswegen eine Enthebung aller Parteiaufgaben gefordert. Der Angegriffene wiederum reagierte seinerseits Ende August mit einem Ausschlussansuchen gegen den ursprünglichen Antragsteller.

&lt;strong&gt;Staunen, "was da abgeht"
&lt;/strong&gt;

"Die Streitereien in Tirol gibt es schon seit Jahren", klagt Heller: "Es waren Leute dabei, von denen man nicht wusste, welche Motive sie hatten, in die Politik zu gehen." Bei einer der Auseinandersetzungen in der letzten Zeit habe es Missverständnisse gegeben, jemand habe etwas auf sich bezogen, der gar nicht gemeint war, sagt der Pressesprecher.

Von Seiten des Bundesvorstands herrsche immer wieder Staunen, "was da abgeht. Und wenn es Anwürfe in unsere Richtung gibt, dann lassen wir das auch nicht unwidersprochen. Natürlich versuchen wir, die Reibereien zu beenden, aber es herrscht Ratlosigkeit, was zu tun ist. Zumal der Konflikt zwischen Tirol und Wien konstruiert wirkt und in Wahrheit nur von zwei, drei Leuten ausgeht", meint Heller.

&lt;strong&gt;"Zwei Monate später lag die Partei in Scherben"&lt;/strong&gt;

"Anfang des Jahres war alles wunderbar, wir hatten eine sehr konstruktive Jahresversammlung. Zwei Monate später lag die Partei in Scherben", sagt Alexander Steinwendner, der Vorsitzende der Tiroler Landesorganisation. "Offensichtlich sind innerhalb der PPÖ sehr energische Individuen aufeinandergetroffen. Tirol hat versucht, sich möglichst herauszuhalten.
Es gab dann aber Vorwürfe, wir würden uns abspalten wollen – ausgerechnet die eine Landesorganisation, die am treuesten war. Daraufhin waren die Tiroler natürlich ordentlich sauer." Was schließlich tatsächlich zu einer Abspaltung geführt habe.

Erschwert wird die Causa, weil es in der Landesorganisation Tirol trotz offiziellem Weiterbestehen kaum mehr Mitglieder geben würde, die aktiv mit der Bundesorganisation zusammenarbeiten, so Sylvester Heller: "Es ist ähnlich wie mit den Landesorganisationen Oberösterreich und Steiermark. Es hat sich herausgestellt, dass es manchmal besser ist, man lässt sie sich auflösen und eventuell neu gründen, bevor man sich mit personellen Altlasten herumstreitet."

&lt;strong&gt;Eine vollkommen andere Partei als heute&lt;/strong&gt;

Angesprochen auf die Auflösungstendenzen beschwichtigt &lt;span class="st"&gt;Kopaczynski: &lt;/span&gt;"Ich glaube, es ist nicht so relevant, ob es überall eine Landesorganisation gibt." Vielmehr komme es darauf an, dass die Kommunikation mit den Mitgliedern in den jeweiligen Bundesländern funktioniert. Dessen ungeachtet würden im Burgenland, in Kärnten und wiederum in Oberösterreich Landesorganisationen neu aufgebaut.

Andreas Demmelbauer war bis August PPÖ-Mitglied in Linz, legte seine Mitgliedschaft jedoch nieder, weil es zu viele kleine Scharmützel zwischen einzelnen Mitgliedern, aber auch erhebliche Kontroversen bei der inhaltlichen Ausrichtung gegeben habe: "Es ist ziemlich schnell eine neue Generation ans Ruder gekommen, deren Pläne nicht mehr den Vorstellungen der Gründungsmitglieder entsprachen." Verglichen mit vor einem Jahr sei die Partei eine vollkommen andere, fast alle aus dem engeren Kreis seien nach und nach ausgetreten, sagt Demmelbauer. Aus dieser Entwicklung heraus sei auch die oberösterreichische Landesorganisation auseinandergebrochen.

&lt;strong&gt;Antritt bei der Nationalratswahl 2013&lt;/strong&gt;

Die Aussichten für die kommende Zeit scheinen nicht die vielversprechendsten. "Ich glaube nicht, dass die Partei in dieser Besetzung eine Zukunft hat und etwas bewegen kann", so Ex-Mitglied Demmelbauer.

Der Marschplan sei dennoch definiert, meint Alexander Steinwendner: "Das nächste Ziel ist ganz klar, bei der Nationalratswahl 2013 anzutreten." Es sei allerdings noch einiges an Arbeit notwendig, gesteht &lt;span class="st"&gt;Kopaczynski ein:&lt;/span&gt; "Wir müssen Aufklärung betreiben, damit die Leute uns wahrnehmen, neue Mitglieder anwerben."

&lt;strong&gt;Ein Kategorienmodell zur Erweiterung des Spektrums&lt;/strong&gt;

Außerdem sei auch inhaltlich noch ein langer Weg zu beschreiten und ein detailliertes Wahlprogramm auszuarbeiten. Ein erster Schritt, der auch eine Verbreiterung des Spektrums vorsieht, sei schon gesetzt, erklärt Steinwendner. Es wurde ein Kategorienmodell erstellt, in dem die erste Kategorie den Kernthemen – wie Überwachung und Privatsphäre, Reform des Urheberrechts oder freier Zugang zu Bildung und Wissen – gewidmet ist und die vierte und letzte den weniger zentralen Anliegen entspricht.

Um eine konstruktive inhaltliche Tätigkeit zu gewährleisten, müssen allerdings erst die parteiinternen Konflikte gelöst werden. "Momentan sind wir zwar noch kein zusammengeschweißtes Team, sondern eher auf einer Vorstufe. Aber wir befinden uns am besten Weg", sagt der Tiroler Steinwendner hinsichtlich eines intakten Umgangs miteinander. Auf die Frage, ob für eine bessere Zukunft die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden einwandfrei funktionieren müsse, antwortet &lt;span class="st"&gt;Kopaczynski: &lt;/span&gt;"Einwandfrei wird sie wahrscheinlich nie funktionieren. Wie bei allen anderen Parteien."

&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Dieser Artikel erschien zuerst auf &lt;a href="http://derstandard.at/1315006028713/"&gt;derStandard.at&lt;/a&gt;.&lt;/span&gt;
&lt;div style="display:none;"&gt;
&lt;a name="update" style="color:black";&gt;&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;&lt;/a&gt;

&lt;strong&gt;Update und Erklärung am 20. September 2011&lt;/strong&gt;: Heute erschien eine gekürzte Version dieses Artikels in der Printausgabe des S&lt;span style="font-size:10px;"&gt;TANDARD&lt;/span&gt;. Clemens Lassnig, der im Text erwähnte Ex-Vorstand der Tiroler PPÖ-Landesorganisation, erhob im Anschluss in einem offenen Brief &lt;a href="http://www.lassnig.org/2011/09/20/leserbrief-an-den-standard/"&gt;Anwürfe in meine Richtung&lt;/a&gt;:

&lt;span class="zitat"&gt;"wie mir soeben zugetragen wurde, wurden Aussagen meinerseits und von meiner Homepage im Print Standard veröffentlicht. Wie mir gesagt wurde, wurden meine Texte aus dem Zusammenhang gerissen und stellen mich als Saobteur der PPÖ sowie als Sympathisanten vom Attentätern von Oslo dar. Das entspricht in keinster Weise der Wahrheit. Ich hätte den Jounalisten vom Standard doch etwas mehr Feingefühl zugetraut. Ich erwarte mir eine Richtigstellung."&lt;/span&gt;

Lassnig betrafen zwei Sätze:

&lt;span class="zitat"&gt;"Wenig später zog sich der Tiroler Ex-Vorstand Clemens Lassnig zurück – ihm war Nähe zum norwegischen Attentäter Behring Breivik vorgeworfen worden. Er wolle nicht mit Leuten arbeiten, 'die auf einem derartigen Niveau agieren'."&lt;/span&gt;

&lt;a name="printartikel"&gt;&lt;img class="alignnone size-medium wp-image-4041" alt="Wenig später zog sich der Tiroler Ex-Vorstand Clemens Lassnig zurück – ihm war Nähe zum norwegischen Attentäter Behring Breivik vorgeworfen worden. Er wolle nicht mit Leuten arbeiten, die auf einem derartigen Niveau agieren." title="Wenig später zog sich der Tiroler Ex-Vorstand Clemens Lassnig zurück – ihm war Nähe zum norwegischen Attentäter Behring Breivik vorgeworfen worden. Er wolle nicht mit Leuten arbeiten, die auf einem derartigen Niveau agieren." src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/09/PPOe_DerStandard.jpg" alt="" width="476" height="820" /&gt;&lt;/a&gt;

Ich halte nicht viel davon, solche Dinge öffentlich auszutragen. Vor allem, weil hier zwei den Tatsachen entsprechende Sätze in einer Art zur Affäre aufgeblasen werden, die vielleicht auch Auskunft über die Konfliktkultur in Teilen der österreichischen Piratenbewegung gibt. Ich kann Lassnigs Anschuldigungen allerdings auch nicht unerwidert stehen lassen und möchte mich einer abschließenden Erklärung nicht enthalten:

&lt;p style="text-align: center;"&gt;Ø&lt;/p&gt;

Lieber Herr Lassnig,

der Print-Artikel ist eine gekürzte Version des online veröffentlichten Textes, von dem Sie selbst sagen, Ihre Aussagen seien "&lt;a href="http://www.lassnig.org/2011/09/16/ich-im-standard/"&gt;korrekt wiedergegeben&lt;/a&gt;" worden. Dementsprechend kann ich Ihre plötzliche Verärgerung nicht nachvollziehen.

Sie schreiben "wie mir soeben zugetragen wurde" und "wie mir gesagt wurde" – ich würde Sie bitten, sich nicht nur aufs Hörensagen zu verlassen, sondern sich auch selbst ein Bild zu machen, um mögliche Missverständnisse auszuräumen. Derer gibt es mehrere:

Erstens: Ich habe Ihnen &lt;em&gt;nicht vorgeworfen&lt;/em&gt;, Sie würden die Piratenpartei sabotieren wollen. Ich habe lediglich über diesen Vorwurf, der von einigen Ihrer Ex-Kollegen ausgegangen war, &lt;em&gt;berichtet&lt;/em&gt;. &lt;a href="http://www.lassnig.org/2011/08/31/zur-lage-der-piraten-tirol/"&gt;Sie selbst bestätigen den Bericht&lt;/a&gt;: "von Seiten der PPÖ Piraten kommen laufend Vorwürfe und Unterstellungen die Piraten Tirol würden einzig zum Ziel haben der PPÖ zu schaden und diese zu demontieren. So ein Kindergarten. Grüße nach Wien; das macht ihr schon selbst, keine Angst."

(Es besteht ein Unterschied zwischen einem &lt;em&gt;Vorwurf&lt;/em&gt; und dem &lt;em&gt;Bericht über einen Vorwurf&lt;/em&gt;.)

Zweitens: Ich habe Ihnen &lt;em&gt;nicht vorgeworfen&lt;/em&gt;, Sie würden mit dem norwegischen Attentäter Behring Breivik sympathisieren. Ich habe lediglich über diesen Vorwurf, der von einem Ihrer Ex-Kollegen ausgegangen war, &lt;em&gt;berichtet&lt;/em&gt;. &lt;a href="http://www.lassnig.org/2011/08/16/wie-ich-ein-terrorverdachtiger-wurde/"&gt;Sie selbst bestätigen den Bericht&lt;/a&gt;: "für einen 'Piraten' war ich somit ein Terrorverdächtiger" &lt;a href="http://www.lassnig.org/2011/08/31/zur-lage-der-piraten-tirol/"&gt;und&lt;/a&gt; "Auch ich habe nach dem letzten Shitstorm keine Lust mehr mit Leuten zu arbeiten die auf einem derartigen Niveau agieren."

(Siehe oben.)

Drittens: Ihre Unterstellung, die beiden Sie betreffenden Sätze aus dem Print-Artikel seien aus dem Zusammenhang gerissen, ist paradox. Die Sätze verweisen unmittelbar aufeinander und fassen die &lt;a href="http://www.lassnig.org/2011/08/16/wie-ich-ein-terrorverdachtiger-wurde/"&gt;beiden&lt;/a&gt; &lt;a href="http://www.lassnig.org/2011/08/31/zur-lage-der-piraten-tirol/"&gt;Blogposts&lt;/a&gt;, auf die sie sich beziehen, unmissverständlich zusammen.

Apropos Feingefühl: Ich bitte Sie, die Anschuldigung, ich hätte "in keinster Weise die Wahrheit" geschrieben, zurückzunehmen. Auch wenn Sie mich &lt;em&gt;nur&lt;/em&gt; in einem aufgeregt getippten Blogpost der Lüge bezichtigen, entspricht das doch dem Tatbestand der &lt;a href="http://www.jusline.at/111_%C3%9Cble_Nachrede_StGB.html"&gt;Üblen Nachrede&lt;/a&gt;.

Viele Grüße,
MM&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/die-piratenpartei-steht-sich-selbst-im-weg/"&gt;Die Piratenpartei steht sich selbst im Weg&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/AaYJOv5hUoc" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Mon, 19 Sep 2011 12:49:26 +0000</pubDate>
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  <item>
    <title>Bilder aus der Jungsteinzeit</title>
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    <description>Was aussieht wie das Satellitenbild eines fernen Planeten, ist eine &lt;a href="http://iceman.eurac.edu/"&gt;Nahaufnahme&lt;/a&gt; des mumifizierten "Ötzi".&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/09/oetzi.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: EURAC Research &amp;ndash; Lizenz: Copyright&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Die 5.300 Jahre alte Leiche des "Mannes aus dem Eis" wurde heute vor 20 Jahren am Südtiroler Hauslabjoch gefunden.&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/bilder-aus-der-jungsteinzeit/"&gt;Bilder aus der Jungsteinzeit&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/dbuBqKXxACQ" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Mon, 19 Sep 2011 10:38:07 +0000</pubDate>
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    <title>Inzest-Opa unschuldig!</title>
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    <description>Wie Missverständnisse bei Ermittlungen das Funktionieren der hiesigen Boulevardmedien offenlegen.&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/09/inzopa.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: atmedia.at &amp;ndash; Lizenz: Copyright: "Österreich"&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Aus dem Nachhinein betrachtet ist &lt;a href="http://www.kobuk.at/2011/08/der-inzest-opa-und-die-journalisten-richter-henker-meute/"&gt;dieser Kobuk-Artikel&lt;/a&gt; ein hervorragendes Lehrstück über die systematische Vorverurteilung in den Boulevardmedien des Landes. Ein 80-Jähriger Innviertler soll seine Töchter jahrzehntelang vergewaltigt haben. "Wahnsinn: Die Gemeinde glaubt an seine Unschuld!" schrieb die Tagesillustrierte "Heute" Ende August über den "Inzest-Opa" (so das Fellner-Blatt "Österreich", siehe Ausriss). Während die Austria Presse Agentur und die seriöseren Medien bei dem Ende August bekannt gewordenen Fall stets von einem "Inzest-&lt;em&gt;Verdacht&lt;/em&gt;" sprachen – &lt;a href="http://derstandard.at/1314652670730/Verdaechtiger-weist-alle-Vorwuerfe-zurueck"&gt;und dass hier Aussage gegen Aussage steht&lt;/a&gt; –, blendeten die Sensationsblätter jede Eventualität einer Unschuld des "neuen &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Fritzl"&gt;Fritzl&lt;/a&gt;" ("Österreich") kategorisch aus. Was auch rechtzufertigen schien, in private Räume mutmaßlicher Opfer zu &lt;a href="http://www.kobuk.at/2011/08/suchbild-oesterreich-fotograf-bei-der-arbeit/"&gt;fotografieren&lt;/a&gt;.

Der 80-Jährige wurde gestern aus der Untersuchungshaft &lt;a href="http://derstandard.at/1315005978827/Oberoesterreich-Inzest-Verdacht-U-Haft-gegen-80-jaehrigen-Innviertler-aufgehoben"&gt;entlassen&lt;/a&gt;, weil es Missverständnisse bei der Befragung seiner Töchter gegeben habe. Die 53-Jährige und die 45-Jährige, bei denen "geistige Defizite vorhanden sind", beschuldigen ihren Vater zwar weiterhin der Gewalt und gefährlicher Drohungen, sprachen ihn aber vom "Inzest"-Aspekt frei, auf den die Journaille so geil angesprungen ist.

&lt;span style="font-size: xx-small;"&gt;(Verpixelung von nulleffekt.net)&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/inzest-opa-unschuldig/"&gt;Inzest-Opa unschuldig!&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/PAK9OLh389c" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Fri, 09 Sep 2011 11:25:10 +0000</pubDate>
    <guid isPermaLink="false">http://nulleffekt.net/inzest-opa-unschuldig/</guid>
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  <item>
    <title>Deeskalationsparolen</title>
    <link>http://feedproxy.google.com/~r/nulleffekt/~3/WMbAhgiQilc/</link>
    <description>In Ausübung seiner Tätigkeit zweimal innerhalb weniger Minuten von der Polizei angehalten zu werden – ist das noch Zufall?&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/09/deeskalationsparolen.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: nulleffekt.net &amp;ndash; Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Kürzlich fand am Yppenplatz in Wien-Ottakring eine &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Angelobung#Bundesheer"&gt;Angelobung&lt;/a&gt; des Bundesheers statt. Sie wurde verknüpft mit einem von der Muslimischen Jugend organisierten, öffentlichen &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fastenbrechen"&gt;Fastenbrechen&lt;/a&gt; am Abend eines Ramadantages. Das Heer selbst verkündete per Presseaussendung, dass "alle Medienvertreter und Medienvertreterinnen herzlich eingeladen sind", den soldatischen Initiationsritus zu besuchen. Das Interesse war groß, allerdings  auch jenes der Polizei an den Medienvertretern; wenigstens an jenem Anteil an Medienvertretern, den ich stellte.

Schon bald nach meinem Eintreffen gerate ich in das Augenmerk einer vor mir stehenden Gruppe Polizeibeamte. Als ich an ihr vorbeigehen will, dreht sich der offensichtlich Verantwortliche zu mir und erklärt, die Personenbeschreibung eines Handtaschenräubers in der Nachbarschaft treffe auf mich zu. Das ist zwar nicht das Kompliment, das man an einem lauen Sommerabend erwartet. Während der Uniformierte meine Daten erfasst und ein anderer behenden Griffes den Rucksack durchstöbert, schlägt mein Unmut jedoch rasch in Verblüffung um.

&lt;strong&gt;Um die Ecke gedacht oder einen Vorwand gesucht?
&lt;/strong&gt;

Mich erstaunt der Gedanke, dass die Herren annehmen, ein Räuber würde nach seiner Tat mit einer Spiegelreflexkamera verkleidet den Ort mit der größten Polizeipräsenz in der Gegend aufsuchen. Womöglich um in perfekter Tarnung weitere Handtaschen abzugreifen. Clever, wie die österreichische Polizei um die Ecke denkt.

Oder es war ein Vorwand – um an die Daten desjenigen zu gelangen, der vor einem möglichen Einsatz identifizierende Fotos der Beamten gemacht haben könnte? (&lt;a href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/07/29/polizisten-die-sich-nicht-gern-fotografieren-lassen/"&gt;Es&lt;/a&gt; &lt;a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Wenn-die-Polizei-gar-kein-schoenes-Bild-abgibt/story/29920540"&gt;wäre&lt;/a&gt; &lt;a href="http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/ueberregional/baden-wuerttemberg_artikel,-Haller-Tagblatt-gewinnt-Rechtsstreit-_arid,109634.html"&gt;kein&lt;/a&gt; &lt;a href="http://www.20min.ch/news/zuerich/story/20992878"&gt;Einzelfall&lt;/a&gt;.)

&lt;strong&gt;"Dann habe ich Ihre Identität"&lt;/strong&gt;

Während ich diesen Gedanken entwickle, nimmt mich ein anderer Polizeitrupp ins Visier. "Haben Sie einen Ausweis?" tritt einer an mich heran. Mit gehobener Stimme weise ich die um mich entstehende Polizistentraube darauf hin, dass ich gerade eben perlustriert worden war, vergeblich, und ebenso vergeblich, dass ich einen Presseausweis vorweisen könne.

Wenn ich kooperiere, sei das für alle Beteiligten einfacher, packt der Beamte die im Theoriekurs eingeübte Deeskalationsparole aus. Im Hintergrund hält einer seiner Kollegen meinen Führerschein in der einen Hand und sein Funkgerät in der anderen, lässt offenbar meine Personalien mit der Datenbank abgleichen. "Es gibt entsprechende Anweisungen" für das Vorgehen, erläutert der Wachmann, weil kürzlich das Foto eines &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/WEGA_%28Sondereinheit%29"&gt;Wega&lt;/a&gt;-Beamten unrechtmäßig in einer Tageszeitung zu sehen gewesen sei. "Wenn Sie mich  fotografieren oder filmen und das auf YouTube veröffentlichen, dann habe ich Ihre Identität", war er in seiner Ehrlichkeit nicht zurückhaltend. Meinen Einwand, dass die Aufnahme eines Fotos aber schon gar nichts mit einer Veröffentlichung (die dann tatsächlich &lt;a href="http://www.internet4jurists.at/urh-marken/urh01.htm#Persönlichkeitsschutz"&gt;strafbar wäre&lt;/a&gt;) zu tun hat, nickt er ebenso geringschätzig wie beiläufig ab. Ist das schon Präventivverdacht?

&lt;span style="font-size: xx-small;"&gt;Mehr Bilder der Angelobung (natürlich ohne Polizei) gibt es auf &lt;a href="http://derstandard.at/1313025196805/Angelobung-mit-Fastenbrechen-in-Wien-Kebapspiess-und-Gulaschkanone"&gt;derStandard.at&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/nulleffekt/sets/72157627528460860/"&gt;Flickr&lt;/a&gt;.&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/deeskalationsparolen/"&gt;Deeskalationsparolen&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/WMbAhgiQilc" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Thu, 08 Sep 2011 14:51:45 +0000</pubDate>
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    <title>Schauplatz Hauptbahnhof</title>
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    <description>Im Süden Wiens entsteht der neue Hauptbahnhof. Die größte Baustelle im Land hat eine Fläche von 1,09 km².&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/08/Hauptbahnhof.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: nulleffekt.net &amp;ndash; Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Bis 2020 soll ringsum ein Stadtviertel mit 20.000 Arbeits- und 13.000 Wohnplätzen erwachsen. Mehr Bilder auf &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/nulleffekt/sets/72157627402259210/"&gt;Flickr&lt;/a&gt;.&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/schauplatz-hauptbahnhof/"&gt;Schauplatz Hauptbahnhof&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/bJiXcA5impw" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Wed, 10 Aug 2011 16:49:51 +0000</pubDate>
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    <title>»Die Bevölkerung wird abgestumpft«</title>
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    <description>Der Vorsitzende der Piratenpartei Österreich, Patryk Kopaczynski, im Interview über Kleinstparteien, Großkonzerne und interne Schwierigkeiten.&lt;br/&gt;&lt;img style="padding:10px 0;" src="http://nulleffekt.net/wp-content/uploads/2011/07/Piratenpartei.jpg" alt="nulleffekt.net"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;span style="margin:0px 0 20px; text-align:right;"&gt;Abbildung: piratenpartei.at &amp;ndash; Lizenz: CC BY&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;&lt;span style="float: left; display: inline;"&gt;Ein ehemaliges Mitglied der Piratenpartei Österreich warf kürzlich seinen Ex-Kollegen &lt;a href="http://derstandard.at/1304551991283/Kommentar-Ex-Mitglied-Piratenpartei-Oesterreich-ist-handlungsunfaehig" target="_self"&gt;Handlungsunfähigkeit&lt;/a&gt; vor: Es sei keine Bundesgeneralversammlung möglich und nur Personen, die gar nicht mehr in der Partei sind, hätten Zugriff auf die Mitgliederdaten. Auch die Schwesternpartei in Deutschland stand im Mai in den Schlagzeilen, als ein Teil ihrer Server wegen der &lt;a href="http://derstandard.at/1304552570519/Anonymous-Angriffe-auf-Kernkraftwerk-nie-moeglich-gewesen" target="_blank"&gt;Anonymous-Aktion&lt;/a&gt; gegen einen französischen Kraftwerksbetreiber beschlagnahmt wurde. Unter anderem darüber sprachen wir mit dem Vorsitzenden der Piratenpartei Österreich, Patryk Kopaczynski.&lt;/span&gt;
&lt;p style="text-align: center; clear: both;"&gt;&lt;strong&gt;***
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;strong&gt;In der deutschen Öffentlichkeit wurde die Piratenpartei wegen "Servergate" harsch kritisiert - denken Sie, dass es sich dabei um eine politische Kampagne gegen die Interessen der Piratenpartei handelt?&lt;/strong&gt;

Statt auf Spekulationen sollte man sich auf die Fakten konzentrieren. Für eine Kampagne gibt es derzeit keine Anzeichen. Wenn die näheren Umstände des Zustandekommens des Durchsuchungsbeschlusses und die daran beteiligten Personen bekannt gemacht werden, kann man die Situation bestimmt besser einschätzen. Ein Rechtsstaat sollte ein Interesse an einer Aufklärung dieser Vorfälle haben. Wenn diese Aufklärung ausbleibt, können wir nochmal über eine Kampagne spekulieren.

&lt;strong&gt;Sehen Sie einen Grund, sich im Namen der Piratenpartei von solchen oder anderen Anonymous-Aktionen zu distanzieren?&lt;/strong&gt;

Zuerst möchte ich erwähnen, dass Anonymous ein Kollektiv ist, bei dem es keine Mitgliedslisten gibt, keine Sprecher, keine Aufnahmehürden. Anonymous ist viel mehr ein Label als eine Gruppe, das sich jeder umhängen und auch wieder ablegen kann, wann immer er will. Daher distanziert sich die Piratenpartei Österreichs nur teilweise von diesen Aktionen und kann sie nur bedingt gutheißen. Die Ziele der Piratenpartei decken sich zum Teil mit denen von Anonymous, die gewählten Methoden tun dies nicht, wenn sie die Rechtsstaatlichkeit verlassen. Um es mal vorsichtig zu formulieren: Sofern die Aktionen von Anonymous als Teil politischer Willensbildung interpretiert werden können, sollte über eine adäquate Beurteilung nachgedacht werden. Demonstrationen sind legale Ausdrucksformen, um auf einen Missstand aufmerksam zu machen, daher sehen wir keinen Grund, das als rechtswidrig zu betrachten.

&lt;strong&gt;Wie groß würden Sie die Schnittmenge an Anonymous-Aktivisten und Mitgliedern der Piratenpartei einschätzen?&lt;/strong&gt;

Derzeit sind keine Mitglieder der Partei als Anonymous-Mitglieder bekannt, daher kann auch keine Abschätzung abgegeben werden. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass bei den Großparteien, alleine schon aufgrund der größeren Mitgliederzahl, mehr Personen unter dem Label Anonymous aktiv sein könnten als bei der Piratenpartei.

&lt;strong&gt;Eines Ihrer ehemaligen Mitglieder verlautbarte vor kurzem, die PPÖ sei handlungsunfähig – zudem gab es in der Partei in letzter Zeit sogar einen leichten Mitgliederschwund. Wie ernst ist die Lage?&lt;/strong&gt;

Aufgrund von Fehlinterpretationen der Satzung von diversen Ex-Mitgliedern sah es tatsächlich so aus, als wäre die Piratenpartei Österreich handlungsunfähig. Durch die mediale Verlautbarung des Ex-Mitglieds und die dadurch mobilisierte Hilfe von internationalen Piraten sind wir dankenswerterweise wieder dran, klar Schiff zu machen. Am vergangenen Mittwoch wurde die Bundesgeschäftsführung sowie der Bundesvorstand nachbesetzt. Einer satzungskonformen Übergabe der Mitgliedsdaten sowie der Serverzugänge sollte jetzt nichts mehr im Wege stehen. Aktuell sind wir gerade bei der Kontaktaufnahme zu den Ex-Mitgliedern, die die Zugangsdaten verwahren, um eine Übergabe in die Wege zu leiten. Damit möchten wir auch alle Parteimitglieder und Interessenten zur &lt;a href="http://www.piratenpartei.at/einladung-zur-bundesgeneralversammlung-201107-0" target="_blank"&gt;Bundesgeneralversammlung &lt;/a&gt;am 9. Juli in Tirol einladen.

&lt;strong&gt;Warum haben es in Ihren Augen in den letzten 60 Jahren mit Grünen, LIF und BZÖ erst drei neue Parteien in den Nationalrat geschafft? Besteht vielleicht einfach nicht das Bedürfnis nach einer alternativen Bewegung?&lt;/strong&gt;

Den Grund sehen wir einerseits beim mangelnden Budget der kleinen Bewegungen, um mit den großen mitzuhalten. Andererseits an der medialen Berichterstattung und den Hürden, denen sich kleine Gruppierungen bei Wahlen stellen müssen. Im Rahmen der Wien-Wahl 2010 gab es dazu eine &lt;a href="http://www.wiener-wahl.at/unterstuetzungserklaerung.html" target="_blank"&gt;Pressekonferenz&lt;/a&gt; der Kleinstparteien. Wenn man sich die Prozedur der Abgabe von Unterstützungserklärungen anschaut, dann scheint dieser bürokratische Stacheldraht gezielt gesetzt worden zu sein, damit ja keine Frischluft in die Ämter kommt. In diesem Bereich müsste man überhaupt eine Wahlreform durchbringen. Aber gerade jetzt besteht ein Bedürfnis nach wählbaren alternativen Bewegungen. Wie aus einem &lt;a href="http://derstandard.at/1301874192128/Koalition-am-Tiefststand-Politologen-Viel-Potential-fuer-neue-Partei" target="_self"&gt;Artikel auf derStandard.at&lt;/a&gt; vom April hervorgeht, schätzen Politikwissenschafter die Chancen für eine neue Bewegung zwischen 15 und 20 Prozent ein.

&lt;strong&gt;Könnte auch fehlende Massentauglichkeit der PPÖ ein Grund sein, dass sie noch keine relevanten Wahlerfolge feiern konnte? Oder gar am Namen, der in der Öffentlichkeit negativ geprägt ist?&lt;/strong&gt;

Im Gegenteil, die Massentauglichkeit ist sehr wohl vorhanden. Was uns fehlt, ist die öffentliche Präsenz abseits des Internets, sowie mediale Berichterstattung, die das nötige Bewusstsein für unsere Themen schafft. Im Grunde müssten jede Österreicherin und jeder Österreicher, die schon mal eine Datei "am Urheberrecht vorbei" heruntergeladen haben, zumindest Sympathisanten, wenn nicht sogar Mitglieder der Piratenpartei sein. Damit wäre die Piratenpartei Österreich über Nacht vermutlich bei den größten Parteien Österreichs anzusiedeln. Das Bewusstsein dafür fehlt aber noch, hauptsächlich, weil es in Österreich noch keine drakonischen Strafen für das illegale Herunterladen gibt. Würden diese Strafen rigoros exekutiert werden, wäre das Bewusstsein schlagartig hergestellt und somit auch die Massentauglichkeit kommuniziert. Das Wort "Pirat" wurde übrigens im 15. Jahrhundert aus dem italienischen "pirata" geliehen, verfolgt man die Wurzeln aber weiter, kommt man zum griechischen Ausdruck "peira", der soviel wie "der Versuch, die Wagnis" bedeutet.

&lt;strong&gt;Vertreter der Urheberrechtswirtschaft kritisieren das kostenlose Filesharing, weil dadurch die Einnahmen wegbrechen und die Millionen teuren Produktionen nicht mehr finanzierbar seien. Können Sie deren Anliegen nachvollziehen? &lt;/strong&gt;

Wir können die Interessen der Urheberrechtslobby sehr gut nachvollziehen: Gewinnmaximierung und Steuerbarkeit des Marktes, die sich rein nur auf die Kreativwirtschaft richten. Wenn keine ausreichende Nachfrage nach Millionen teuren Produktionen besteht, sollte man dann nicht seine Strategie überdenken und das Angebot zurückfahren? Die Nachfrage besteht nicht nur aus der Anzahl, sondern auch aus dem Preis, den jemand dafür bereit ist zu zahlen. Schön zu sehen ist ebenfalls gerade an der aktuellen Debatte zum Leistungsschutzrecht, wo schon für das Zitieren von Überschriften Gebühren anfallen würden. Die Piratenpartei setzt sich für künstlerische Vielfalt ein, sowie für die Freiheit der Kunstschaffenden, Vertriebswege abseits der Contentmafia zu finden. Übrigens bei Qualitätsbands hat sich in letzter Zeit der Trend zu Gratisdownloads immer weiter verstärkt, da diese ihre Umsätze hauptsächlich bei Live-Konzerten und mit Merchandising-Artikeln machen. Dass die Hochglanz-Playback-Produkte der großen Konzerne da nicht mithalten können, zeigt nur die verfehlte Strategie, die dahintersteckt.

&lt;strong&gt;Sie sprechen beim Verlagsdenken der Kreativwirtschaft von einem veralteten Modell. Ist dieses Modell – wie Apple mit iTunes beweist – nicht sogar das Modell der Zukunft?&lt;/strong&gt;

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, sollte man alternative Modelle einfach ausprobieren können, Offenheit für eine Veränderung, denn es werden potentielle Kunden zu Feinden erklärt und veraltete Modelle künstlich erhalten. Apples iTunes funktioniert (oberflächlich) deshalb so gut, weil es von einem Großkonzern betrieben wird, der über das nötige Kapital verfügt und eine gewisse mediale Aufmerksamkeit genießt. Dass Apple nicht gerade als Datenschützer bekannt ist, wusste man auch schon vor dem iPhone-Geodaten-Skandal, etwa indem iTunes persönliche Musikbibliotheken der Nutzer an die Zentrale schickte. Die Preispolitik orientiert sich auch nicht an den Künstlern, da sie im Schnitt fünf Prozent des iTunes-Preises erhalten. Ein echter Quantensprung der Kreativwirtschaft wäre es, sich selbst untereinander zu organisieren, ohne Großkonzern. Gerade das Internet bietet die Möglichkeit dazu. Ich bin der persönlichen Meinung, dass jeder kunstschaffende Mensch selber die rechtmäßige Nutzung seines Opus bestimmten sollte, deswegen möchte ich auf Creative Commons aufmerksam machen.

&lt;strong&gt;Die Piratenpartei hat mehrfach die Vorratsdatenspeicherung kritisiert. Wo liegen die Gefahren genau?&lt;/strong&gt;

Das Fatale an der Vorratsdatenspeicherung ist, dass es eben keine konkreten Auswirkungen gibt, solange die Betroffenen nicht am Radar der Behörden auftauchen. Das kann jederzeit und auch recht willkürlich passieren. Ebenfalls haben wir einen leichten Zweifel an der technischen Kompetenz unserer Behörden: Welche Formen das Ganze annehmen kann, haben wir im Tierschützer-Prozess gut mitverfolgen können. Darüber hinaus kann man noch weitere Auswirkungen vermuten, etwa den Anstieg der Wirtschaftskriminalität, weil potentielle Whistleblower abgeschreckt werden, Missstände aufzudecken. Oder mehr Korruption, da ein Missbrauch dieser Daten einer diesbezüglichen Aufdeckung entgegen wirkt. Die Menschen werden mit ihren Kontakten sorgsamer umgehen, was einen Verlust der freien Meinungsäußerung bewirken könnte. Dieses ganze System bedeutet auch enorme Kosten, wodurch letztendlich die Bürger ihre eigene Überwachung bezahlen werden. Schließlich ebnet jede neue Kontrollmethode auch den Weg für weitere Einschränkungen der persönlichen Freiheiten, damit der Status Quo der gefühlten Sicherheit aufrecht erhalten werden kann. Die Bevölkerung wird in die Passivität gedrängt und gleichzeitig abgestumpft. Analog zu einer Stadt, in der eine sehr dichte Abdeckung von Überwachungskameras gegeben ist, wird der Bürger immer im Hinterkopf haben, dass er gefilmt wird und deshalb automatisch versuchen, weniger aufzufallen. Wenn er jetzt noch weiß, dass seine gesamte Kommunikation für sechs Monate gespeichert wird, wird er auch versuchen, hier möglichst wenig aufzufallen. Die Kritik wird im Endeffekt immer leiser und der Bürger passiver in seiner Zivilcourage.
&lt;ul&gt;
	&lt;li&gt;Dieser Artikel erschien zuerst auf &lt;a href="http://derstandard.at/1304553185188/Netzpolitik-Piratenpartei-Die-Bevoelkerung-wird-abgestumpft"&gt;derStandard.at&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;Im Original lesen: &lt;a href="http://nulleffekt.net/die-bevoelkerung-wird-abgestumpft/"&gt;»Die Bevölkerung wird abgestumpft«&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/nulleffekt/~4/dM45YTkWg_Q" height="1" width="1"/&gt;</description>
        <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 19:29:14 +0000</pubDate>
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