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	<title>Politik erklärt</title>
	
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	<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 14:39:32 +0000</pubDate>
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		<title>Vor 90 Jahren: Republikgründung in Deutschland</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 14:39:32 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>

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		<description><![CDATA[Viele Einträge verfasse ich ja nicht gerade auf politikerklaert.de in letzter Zeit. Meine Diss. und das, was ich zum Brötchenverdienen mache, mögen dafür als Erklärung dienen. Trotz dessen möchte ich am heutigen Tage auf ein Jubliäum hinweisen, dass von den Medien - soweit ich es gesehen habe - überhaupt nicht wahrgenommen wurde. Am 23. Mai [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Einträge verfasse ich ja nicht gerade auf <em>politikerklaert.de</em> in letzter Zeit. Meine Diss. und das, was ich zum Brötchenverdienen mache, mögen dafür als Erklärung dienen. Trotz dessen möchte ich am heutigen Tage auf ein Jubliäum hinweisen, dass von den Medien - soweit ich es gesehen habe - überhaupt nicht wahrgenommen wurde. Am 23. Mai dieses Jahres wurde die Bundesrepublik 60 Jahre - ein Jubiläum, dass die verdiente Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gefunden hat. Heute, am 11. August, wird die parlamentarische Demokratie in Deutschland 90 Jahre alt. Am 11. August 1919 trat die Weimarer Verfassung in Kraft. Nach knapp über 12 Jahren war es mit dieser ersten Demokratie in Deutschland bekanntlich schon wieder vorbei. Die Weimarer Verfassung hat gleich eine ganze Reihe an Sollbruchstellen: Ein Kanzler, der zwischen Reichspräsident und Reichstag gleichsam in der Luft hängt, ein radikales Verhältniswahlrecht, dazu eine ganze Reihe an radikalen Parteien, gegen die die Verfassung nichts tat und auch nichts tun wollte. In der Praxis zeigten sich zudem allzu häufig auch die demokratischen Parteien nicht fähig, ihrer Aufgabe - Übernahme von Regierungsverantwortung - gerecht zu werden und flüchteten sich auf die bequeme Oppositionsbank.</p>
<p>Trotz all dieser Negativposten sollten wir die Weimarer Verfassung nicht nur als gescheiterten Anlauf wahrnehmen. Ohne die Erfahrungen der Weimarer Verfassung wäre das dreißig Jahre später verabschiedete Grundgesetz nicht die erfolgreichste Verfassung geworden, die Deutschland je hatte, und deren Regelungen seitdem sogar zu einem &#8220;Exportschlager&#8221; geworden sind und in die Verfassungen zahlreicher anderer Staaten aufgenommen worden sind. Der Weg der Deutschen zur Demokratie begann nicht erst 1945. Die Weimarer Republik ist ein Teil dieses Weges, und das Datum des 11. Augusts 1919 markiert den Anfangspunkt der deutschen Demokratie. Auf dieses Datum dürfen wir zumindest ein kleines bisschen stolz sein.</p>
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		<title>Das merkwürdige Demokratieverständnis der Netzsperren-Gegner</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Jul 2009 06:50:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SG</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>

		<category><![CDATA[Kompromiss]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Anliegen ist ein ehrenwertes. Die Gegner des Internet-Sperren-Gesetzes wollten und wollen die Demokratie in Deutschland schützen. Das insbesondere von Ursula von der Leyen (&#8221;Zensursula&#8221;) vorangetriebene und mittlerweile verabschiedete Gesetz errichte eine Infrastruktur der Zensur, die nicht nur zur Sperrung von Kinderpornographie, sondern auch zur Sperrung beliebiger anderer Inhalte benutzt werden könne, so der Vorwurf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Anliegen ist ein ehrenwertes. Die Gegner des Internet-Sperren-Gesetzes wollten und wollen die Demokratie in Deutschland schützen. Das insbesondere von Ursula von der Leyen (&#8221;Zensursula&#8221;) vorangetriebene und mittlerweile verabschiedete Gesetz errichte eine Infrastruktur der Zensur, die nicht nur zur Sperrung von Kinderpornographie, sondern auch zur Sperrung beliebiger anderer Inhalte benutzt werden könne, so der Vorwurf der Kritiker.</p>
<p>Um dieses in ihren Augen falsche und gefährliche Gesetz zu stoppen, haben sich viele, hauptsächlich junge Menschen (&#8221;Generation C64&#8243;) zusammengetan. Eine entsprechende Petition hat über 100.000 Mitzeichner gefunden. Der &#8220;<a href="http://ak-zensur.de/" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/ak-zensur.de');">Arbeitskreis Zensur</a>&#8221; hat mit Politikern der Großen Koalition verhandelt. Am Ende wurde das ursprünglich geplante Gesetz auch inhaltlich abgeändert. Der größte Erfolg der Gegner dürfte wohl die Aufnahme des Prinzips &#8220;Löschen statt Sperren&#8221; sein. Erst durch die Recherche des AK Zensur wurde offenbar, dass viele Kinderpornographieseiten sich auf Servern westlicher Länder befinden und somit nach geltendem Recht ohne Probleme gelöscht werden können. Zudem ist das Gesetz jetzt ausdrücklich auf die Anwendung auf Kinderpornographieseiten beschränkt und ist zudem zeitlich befristet.</p>
<p>Angesichts dessen mutet das Verhalten der sich selbst so nennenden &#8220;Internet-Community&#8221; seit Verabschiedung des Gesetzes merkwürdig an. Der AK Zensur und die Kritiker überhaupt sind in einen Status des beleidigten Eingeschnapptseins verfallen. Die Kontakte zu Parlamentariern, die insbesondere zur SPD-Fraktion bestanden, wurden <a href="http://ak-zensur.de/2009/06/zensur-beschlossen-brief.html" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/ak-zensur.de');">gekappt</a>:</p>
<blockquote><p>Sie planen, am Donnerstag die Büchse der Pandora zu öffnen. Daher sehen wir, die Internet-Community, keinen Grund mehr um weiter mit Ihnen zu reden. Alle weiteren Gespräche zu diesem Thema sagen wir hiermit ab.</p></blockquote>
<p>Die &#8220;Internet-Community&#8221; hat sich nicht 100 %-ig durchsetzen können. Die Internet-Sperren kommen. Doch ist der Einfluss der Kritiker auf den letztlich verabschiedeten Gesetzentwurf nicht unwesentlich gewesen. Die Große Koalition hat sich durchaus auf die Kritiker zu bewegt. Am Ende stand ein Kompromiss. Doch der AK Zensur verharrt weiterhin auf der Position, dass das Gesetz auf jeden Fall zu vermeiden gewesen sei. Es wäre konstruktiver und auch demokratischer, anzuerkennen, dass in einer Demokratie am Ende eines Aushandlungsprozesses fast immer ein Kompromiss steht und nicht sich die eine oder die andere Seite durchgesetzt hat. Die Internetsperren-Gegner hingegen vertreten eine Alles-oder-Nichts-Linie, die jeden Kompromiss und jedes Einlenken als Verrat verurteilt.</p>
<p>Die zweite Merkwürdigkeit im Demokratieverständnis der Kritiker ist die Geringschätzung des parlamentarischen Verfahrens und der parlamentarischen Mehrheit, die für das Gesetz zustande gekommen ist. Natürlich gab und gibt es Parlamentsentscheidungen, die sachlich falsch sind. Aber ein Großteil der Abgeordneten - und wohl auch ein Großteil der Deutschen - hält die jetzt verabschiedeten Maßnahmen für adäquat angesichts des Problems. Niemand erwartet, dass der AK Zensur diese Einschätzung teilt, aber zumindest sollte er diese Mehrheit insoweit respektieren, dass er nicht gleich den Verhandlungstisch im Trotz umwirft. <a href="http://rotstehtunsgut.de/2009/06/17/die-eigene-welt-der-netzgemeinde/" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/rotstehtunsgut.de');">Der AK Zensur spricht nur für einen kleinen Teil der Internet-Nutzer.</a></p>
<p>Ursula von der Leyen hat mit Franziska Heine - der Initiatorin der Petition - <a href="http://www.zeit.de/online/2009/26/leyen-heine-netzsperren?page=all" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.zeit.de');">gesprochen</a> und über die Petition gesagt:</p>
<blockquote><p>Das ist lebendige Demokratie. Ich meine: 134.000 Zeichner, das ist schon etwas. Aber es gibt 40 Millionen Internetnutzer. Jetzt beginnt die Phase, in der man erkennen wird, ob Sie nachhaltig dranbleiben. Politik besteht aus Meinungsäußerung, aber danach muss man sich Mehrheiten suchen und auch Alternativlösungen anbieten. Das ist das Entscheidende.</p></blockquote>
<p>Die als &#8220;Zensursula&#8221; verunglimpfte Ministerin geht sachlich und fair mit ihren Gegnern um. Mal sehen, ob die Kritiker den Mumm haben, sich über den trotzigen Protest hinaus nachhaltig für ihr Anliegen einzusetzen.</p>
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		<title>Silvana Koch-Mehrin und die Politik in Brüssel: Was der EU fehlt</title>
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		<comments>http://www.politikerklaert.de/silvana-koch-mehrin-und-die-politik-in-brussel-was-der-eu-fehlt-360/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 06:00:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SG</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[EU]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute sind Europawahlen. Die Beteiligung wird auch in diesem Jahr kaum höher, wahrscheinlich sogar niedriger sein als bei der letzten Wahl. Nicht unbedingt beitragen zu einer Steigerung der Wahlbeteiligung dürfte die in den letzten Wochen ans Tageslicht gelangte Nachricht, dass die FDP-Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin häufig gar nicht anwesend war im Europaparlament. Dabei hat Koch-Mehrin noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute sind Europawahlen. Die Beteiligung wird auch in diesem Jahr kaum höher, wahrscheinlich sogar niedriger sein als bei der letzten Wahl. Nicht unbedingt beitragen zu einer Steigerung der Wahlbeteiligung dürfte die in den letzten Wochen ans Tageslicht gelangte Nachricht, dass die FDP-Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin häufig gar nicht anwesend war im Europaparlament. Dabei hat Koch-Mehrin noch Glück, dass die Medien hauptsächlich über die Anwesenheitsquoten im Parlamentsplenum berichten und nicht über die noch viel niedrigeren Quoten bzw. Zahlen bei den Ausschusssitzungen und bei der Erstellung parlamentarischer Berichte, Anfragen etc. Hinzu kommt das <a href="http://www.henningschuerig.de/blog/2009/06/06/silvana-koch-mehrin-und-die-pressefreiheit/" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.henningschuerig.de');">vollkommen unprofessionelle Auftreten</a> Koch-Mehrins und der FDP, die nichts anderes zu tun haben, als wackelige einstweilige Verfügungen zu erwirken und <a href="http://www.zeineku.de/2009/06/04/supercool-dirk-niebel-schreibt-beschwerdebriefe/" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.zeineku.de');">Briefe an Intendanten</a> zu schreiben, in denen man sich über unabgesprochene Fragen aufregt.</p>
<p>Trotzdem ist die Causa Koch-Mehrin nur symptomatisch für tieferliegendere Eigenschaften des Systems EU. Die Wahlen zum Europäischen Parlament (EP) sollen zeigen, dass die Europäische Union eine demokratische Veranstaltung ist. Rein formell stimmt das ja auch. Es passiert nichts in der EU, das nicht irgendwie demokratisch legitimiert wäre. Kommission, Rat, Parlament - alle Angehörigen dieser Institutionen sind demokratisch gewählt worden. Trotzdem fehlen der europäischen Demokratie mehrere Dinge:</p>
<p><strong>1. Demos </strong></p>
<p>&#8220;Demos&#8221; stammt aus dem Griechischen und bedeutet &#8220;Volk&#8221;. Mit dem Begriff &#8220;Volk&#8221; ist man in Deutschland in Folge des Missbrauchs des Begriffes durch den Nationalsozialismus (&#8221;völkisch&#8221;, &#8220;Volksgemeinschaft&#8221;) vorsichtig geworden. Im Innenhof des Reichstagsgebäudes gibt es eine Kunstinstallation, die in großen Lettern die Inschrift &#8220;Der Bevölkerung&#8221; trägt - in der selben, typischen Schriftart wie die Inschrift &#8220;Dem deutschen Volke&#8221; an der Außenseite des Gebäudes.</p>
<p>Trotzdem ist ein Volk, juristisch gesehen: ein Staatsvolk, eine der notwendigen Grundlagen eines Staates. Klar, die EU ist kein Staat. Sie will aber eine Demokratie sein, nicht nur ein Zusammenschluss von Nationalstaaten, der Beschlüsse auf Regierungskonferenzen fasst. In der Tat ist ein Volk aber nicht nur Bedingung für Staat, sondern auch Bedingung für Demokratie. Auch sechs Jahrzehnte nach dem Ende des 2. Weltkrieges, fünf Jahrzehnten europäischer Integration, zwei Jahrzehnte nach Überwindung der Teilung Europas und immerhin ein Jahrzehnt nach Einführung einer gemeinsamen Währung spricht nichts dafür, dass ein europäisches Volk entstanden wäre, und sei es auch nur in Ergänzung zur Identität als Deutscher, Franzose oder Rumäne.</p>
<p><strong>2. Öffentlichkeit</strong></p>
<p>Es gibt keine europäische Öffentlichkeit. Auch wenn die Probleme, mit denen die Politik sich in London, Madrid oder Bratislava befasst, zunehmend die gleichen seien mögen, so werden sie doch von den Völkern Europas getrennt voneinander debattiert. Es fällt mir kein Thema ein, das in den letzten Jahren in einer europäischen Öffentlichkeit diskutiert worden wäre und nicht nur in einzelstaatlichen Öffentlichkeiten. Eine europäische Öffentlichkeit gibt es allerhöchstens für einen verschwindend geringen Anteil der Menschen. Europäische Zeitungen, Fernsehsender: Nichts. Über europäische Politik wird nirgendwo diskutiert, weder in den Medien, noch am Stammtisch. Und für eine (Massen-)Demokratie ganz entscheidend: Es gibt auch keine europäischen Parteien. Klar, es gibt Zusammenschlüsse von Abgeordneten im Europaparlament, aber diese haben keine Strahlkraft über Brüssel und Straßburg hinaus. Sie haben keine Organisation, keine Mitglieder. Es sind potemkinsche Parteien. Im Grunde handelt es sich nur um Fraktionen, nicht um Parteien.</p>
<p><strong>3. Opposition</strong></p>
<p>Mit ein Grund für die mangelnde Öffentlichkeit: Vieles, was auf europäischer Ebene behandelt wird, ist entweder unumstritten oder wird zumindest von einer sehr breiten Koalition getragen. Das Europaparlament ist, wie <a href="http://blog.zeit.de/bittner-blog/2009/06/03/das-leatherman-parlament_645" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/blog.zeit.de');">Jochen Bittner</a> zutreffend schrieb, über weite Strecken eine &#8220;Simulation von Politik&#8221;. <a href="http://blog.zeit.de/bittner-blog/2009/06/04/halb-so-schlimm_686" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/blog.zeit.de');">Bittner schreibt</a>:</p>
<blockquote><p><span id="contentmain" class="storycontent">Die EU hat die Aufgabe, das Leben und Wirtschaften auf dem Kontinent zu verschönern und zu erleichtern. Sie soll für jene Reibungslosigkeit sorgen, deren Notwendigkeit sich aus der engen europäischen Staatennachbarschaft ergibt. Den Binnenhandel liberalisieren und den Wettbewerb schützen, zum Beispiel. Die Gemeinschaftswährung hüten. Für Lebensmittel-, Transport- und Spielzeugsicherheit sorgen, dafür, dass keine ungeprüften Chemikalien in Umlauf kommen, und, falls etwas davon einmal nicht klappt, dafür, dass man überall zum Arzt gehen kann. Alles Dinge, die unstreitig schön sind; und die genau deswegen niemanden aufregen.</span></p></blockquote>
<p>Aufgrund dieser informellen großen Koalition im Europaparlament ist es für den Wähler sehr schwer, verantwortungsvoll zu entscheiden. Es gibt keine Regierungswechsel auf EU-Ebene, deswegen kann der Wähler auch kaum eine Politik abwählen oder gutheißen.</p>
<p>Fehlender Demos, fehlende Öffentlichkeit, fehlende Opposition: All das führt dazu, dass es derzeit materiell keine europäische Demokratie geben kann. Das Demokratiedefizit ist nicht nur eine Angelegenheit der formalen Regelsetzungen. Das heißt nicht, dass die derzeitigen Zustände undemokratisch sind. Es heißt auch nicht, dass es nicht eines Tages eine europäische Öffentlichkeit und letztlich vielleicht auch eine wirklich politische EU geben mag. Aber es erklärt, warum die Menschen in Europa ein Unbehagen empfinden gegenüber EU-Politikern und den Entscheidungen, die sie fällen. Bei der Europawahl entscheiden sich die Bürger deswegen entweder für die Nichtteilnahme oder sie stimmen aufgrund von nationalen Stimmungslagen ab.</p>
<p>Auf nationaler Ebene wäre eine Causa Koch-Mehrin undenkbar, weil es dort die Wähler nicht nötig haben, ihre Wahlentscheidung von den Anwesenheitszahlen der Parlamentsverwaltung abhängig zu machen, sondern jeden Tag in der Zeitung und im Fernsehen, aber eben auch bei den getroffenen Entscheidungen und ihren Auswirkungen sehen, ob die Regierungskoalition gute oder schlechte Politik macht, oder ob die Rezepte der Opposition erfolgsversprechender sind.</p>
<p>So, und jetzt gehe ich wählen.</p>
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		<title>Wenn Verfassungsrichter die Verfassung nicht mögen: Hans-Jürgen Papier und das Grundgesetz</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 18:44:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SG</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer beim Abschied ins Arbeitszeugnis schreibt, er habe sich &#8220;im Wesentlichen bewährt&#8221;, dann bedeutet dies, dass er froh ist, einen unzuverlässigen Mitarbeiter losgeworden zu sein. Hans-Jürgen Papier, Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, meint über das Grundgesetz, es habe sich &#8220;in den 60 Jahren seines Bestehens im Wesentlichen bewährt&#8221;. Mit dieser Feststellung im ersten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer beim Abschied ins Arbeitszeugnis schreibt, er habe sich &#8220;im Wesentlichen bewährt&#8221;, dann bedeutet dies, dass er froh ist, einen unzuverlässigen Mitarbeiter losgeworden zu sein. Hans-Jürgen Papier, Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, meint über das Grundgesetz, es habe sich &#8220;in den 60 Jahren seines Bestehens im Wesentlichen bewährt&#8221;. Mit dieser Feststellung im ersten Satz ist schon der Tenor gesetzt von Papiers Beitrag in einer Sonderbeilage der FAZ zum Verfassungsjubiläum, die am letzten Freitag (22.05.) erschienen ist.</p>
<p>Papier sieht die Verfassungsordnung der Bundesrepublik als &#8220;Großbaustelle&#8221;. Föderalismus und Parlamentarismus, so Papier, müssten dringend und grundlegend umgebaut werden. Der Föderalismus sei zunehmend gefährdet durch die Kompetenzverflechtung zwischen Bund und Ländern; der Parlamentarismus werde durch die Verlagerung von Entscheidungen aus dem Parlament in Parteizirkel bedroht, das Staatsvolk &#8220;verliert [...] seine Vertretung&#8221; und der &#8220;Wahlakt&#8221; wird &#8220;entwertet&#8221;, so Papier in kernigen Worten.</p>
<p>Beides ist nicht neu. Schon 1949 wurden die zentralen Entscheidungen über Personal- und Gesetzgebundsangelegenheiten nicht im Bundestag getroffen (im Gegensatz zu den formalen Beschlüssen, die immer im Bundestag stattfanden), sondern die Parteien der jeweiligen Regierungskoalition haben über Köpfe und Gesetze entschieden. Auch im Föderalismus war Deutschland seit 1949 nie durch einen Konkurrenzföderalismus gekennzeichnet, sondern immer durch einen verflochtenen Konsensföderalismus.</p>
<p>Vordergründig fordert Papier eine Rückkehr zu den Prinzipien des Grundgesetzes. In Wahrheit aber widersprechen seine Vorstellungen von Föderalismus und Parlamentarismus der Struktur der Bundesrepublik, wie sie 1948/49 im Parlamentarischen Rat geschaffen worden sind. Noch mehr: Föderalismus und Parlamentarismus sind die zentralen Säulen der deutschen Verfassungsordnung. Hans-Jürgen Papier möchte die Verfassungsordnung des Grundgesetzes einer Totalrevision unterziehen. Er traut sich nur nicht, das auch offen zuzugeben.</p>
<p>60 Jahre lang hat das Grundgesetz in Deutschland für eine stabile Rahmenordnung gesorgt. In den 60 Jahren vor Inkrafttreten des Grundgesetzes 1949 hat Deutschland ein Kaiserreich, eine instabile Republik und eine Diktatur durchlebt. Hinzu kommen zwei Weltkriege und ein Völkermord, die maßgeblich von Deutschland ausgingen und in Berlin geplant wurden. In den 60 Jahren seit 1949 hat es keine derartigen Umbrüche gegeben - einmal abgesehen von Wende und Wiedervereinigung 1989/90. Die Deutschen leben heute, trotz aller Krisen und Umbrüche, in politisch stabilen Zeiten. Die Verfassungsordnung des Grundgesetzes hat sicherlich nicht alleine für diese positive Bilanz gesorgt, aber doch einen gewichtigen Teil dazu beigetragen. Die Deutschen sollten die Prinzipien dieses Grundgesetzes verteidigen, auch gegenüber den eigenen Verfassungsrichtern.</p>
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		<item>
		<title>Zur Wahl des Bundespräsidenten</title>
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		<pubDate>Sat, 23 May 2009 08:16:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SG</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>

		<category><![CDATA[Koalitionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute wird in Berlin der neue Bundespräsident gewählt. Seit 1979 findet die Wahl des Bundespräsidenten immer am 23. Mai statt, dem Tag, an dem 1949 das Grundgesetz verkündet wurde. In diesem Jahr steht bekanntlich der Amtsinhaber, Horst Köhler zur (nach Grundgesetz einmalig möglichen) Wiederwahl. Mit ihm konkurriert Gesine Schwan, die bereits vor fünf Jahren angetreten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute wird in Berlin der neue Bundespräsident gewählt. Seit 1979 findet die Wahl des Bundespräsidenten immer am 23. Mai statt, dem Tag, an dem 1949 das Grundgesetz verkündet wurde. In diesem Jahr steht bekanntlich der Amtsinhaber, Horst Köhler zur (nach Grundgesetz einmalig möglichen) Wiederwahl. Mit ihm konkurriert Gesine Schwan, die bereits vor fünf Jahren angetreten (und gegen Köhler gescheitert) war.</p>
<p>Gesine Schwan braucht zu ihrer Wahl auf jeden Fall die Stimmen der Linkspartei - neben den Stimmen von SPD und Grünen, die als sicher gelten. Viele Kritiker werfen ihr und der SPD daher vor, dass hier ein Bündnis von SPD und Linker vorbereitet werden soll. Die bisherige Politik der SPD, mit der Linken auf Bundesebene nicht zusammenzuarbeiten, sei durchbrochen und damit unglaubwürdig geworden. Diese Kritik kann ich nicht vollkommen teilen, denn die Wahl eines Bundespräsidenten ist etwas ganz anderes als die Wahl eines Bundeskanzlers. Wenn ein Kanzler sich durch eine Mehrheit im Bundestag wählen lässt, dann ist er in den nächsten vier Jahren auf die Zusammenarbeit mit dieser Mehrheit angewiesen. Gerhard Schröder war abhängig von den Abgeordneten der Grünen und der SPD im Bundestag. Im Frühjahr 2005 bröckelte die Unterstützung durch den linken Flügel der SPD offenbar so stark, dass Schröder Neuwahlen herbeiführte.</p>
<p>Im Falle des Bundespräsidenten ist es anders: Er soll nicht regieren, er braucht die Mehrheit nur einmal - bei seiner Wahl. Die Bundesversammlung, die den Präsidenten wählt, tritt nur einmal in fünf Jahren zusammen. Die Koalitionen dort sind keine dauerhaften Koalitionen wie im Bundestag, sondern sind nur bei der Wahl des Bundespräsidenten relevant. Deswegen kann Gesine Schwan sich durchaus von der Linken wählen lassen, ohne nachher von der Linken abhängig zu sein.</p>
<p>Häufig gelten die Koalitionen, die sich bei Bundespräsidentenwahlen in der Bundesversammlung bilden, als wegweisend für zukünftige Regierungskoalitionen im Bundestag. So wurde die Wahl von Gustav Heinemann mit den Stimmen von SPD und FDP im Frühjahr 1969 häufig als Vorzeichen der Koalition zwischen SPD und FDP nach der Bundestagswahl im Herbst 1969 gewertet. Doch es gibt genauso viele Beispiele gegen diese Regel. Köhler wurde vor fünf Jahren von CDU/CSU und FDP ins Amt gehievt, doch aus der Bundestagswahl 2005 ergab sich bekanntlich keine schwarzgelbe Koalition. Andersherum gewann 1998 Rot-Grün die Bundestagswahl, obwohl einige Jahre zuvor Roman Herzog von einer schwarzgelben Koalition zum Präsidenten gewählt worden war. Falls Gesine Schwan also heute gewählt würde - was recht unwahrscheinlich scheint -, dann wäre dies nicht notwendigerweise ein Zeichen für eine mögliche Kooperation von Linker und SPD nach der nächsten Bundestagswahl.</p>
<p>Bei der diesjährigen Bundespräsidentenwahl wird häufig beklagt, dass ein echter Wahlkampf zwischen zwei Bewerbern stattfinde, die der Würde des Amtes nicht gerecht werde. In der Tat aber hat es diese Art von Wahlkampf immer gegeben, und mit der Ausnahme von Richard Weizsäckers Wiederwahl war die Wahl des Bundespräsidenten immer ein parteipolitisches Ereignis, Kandidaten für das Amt wurden auch immer parteipolitisch ausgewählt. Dass die Bundespräsidenten in ihrer Amtsführung dann als weitgehend unparteiisch gelten, liegt wohl zum einen an der Prägung der Amtsführung durch die bisherigen Amtsinhaber, zum anderen aber eben auch an der Machtlosigkeit des Präsidenten. Wer politisch etwas bewegen will, darf nicht Bundespräsident werden. Das Bundespräsidentenamt ist, wie Walter Bagehot es formuliert hätte, ein &#8220;dignified part&#8221; der deutschen Verfassung, nicht ein &#8220;efficient part&#8221;. Bagehot wollte mit dieser Unterscheidung, die er im 19. Jahrhundert mit Blick auf die britische Verfassung entwickelt hat, keinesfalls die &#8220;dignified parts&#8221; schlechtmachen. Sie sind sehr wichtig, um dafür zu sorgen, dass alle Teile der Bevölkerung und auch alle Teile des politischen Systems, auch alle Parteien, integriert werden zu einem Ganzen. Der Bundespräsident ist die Klammer im politischen System Deutschlands, die diese Leistung vollbringt.</p>
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		<title>HSH Nordbank-Krise in Kiel: Werner Marnette ist als Politiker gescheitert</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Apr 2009 13:00:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SG</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Carstensen Peter Harry (CDU)]]></category>

		<category><![CDATA[Schleswig-Holstein]]></category>

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		<description><![CDATA[In der CDU Schleswig-Holstein rumort es. Vor einer Woche ist Wirtschaftsminister Marnette zurückgetreten, weil er mit der Linie der Landesregierung in Bezug auf die Sanierung der in Schieflage geratenen HSH Nordbank nicht übereinstimmte. Sogleich gab er dem Spiegel ein gepfeffertes Interview, in dem er nicht mit Kritik an Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und der Landesregierung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der CDU Schleswig-Holstein rumort es. Vor einer Woche ist Wirtschaftsminister Marnette zurückgetreten, weil er mit der Linie der Landesregierung in Bezug auf die Sanierung der in Schieflage geratenen HSH Nordbank nicht übereinstimmte. Sogleich gab er dem Spiegel ein <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,617645,00.html" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.spiegel.de');">gepfeffertes Interview</a>, in dem er nicht mit Kritik an Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und der Landesregierung geizte. Dieser sei auf seine wiederholt vorgebrachte Kritik an der Politik der Landesregierung nicht eingegangen, habe sich sogar dagegen im Beisein anderer verwehrt: &#8220;Da kriegt man sogar nachts SMS und E-Mails von dem Kerl&#8221; - &#8220;muss das denn sein, dass Sie mir immer was schreiben&#8221;, so zitiert Marnette Carstensen.</p>
<p>Auf den ersten Blick ist Marnettes Vorgehen sympathisch. Er steht da als aufrechter, ehrbarer Mann - Typ hanseatischer Geschäftsmann -, der sich nicht verbiegen lässt und lieber sein Amt erhobenen Hauptes verlässt, als faule Kompromisse einzugehen. In Wahrheit aber hat Marnette sich unprofessionell verhalten.</p>
<p>Denn in der CDU-Landtagsfraktion gärt es schon seit längerem. Zwar gilt Peter Harry Carstensen als Zugpferd für die Landtagswahl, doch gibt es einiges Unbehagen an seinem Führungsstil. Marnette berichtet, Carstensen habe über die CDU-Landtagsfraktion geäußert, das seien Leute, &#8220;die ihre Hausaufgaben in ihrer Schlosserei oder ihrem Elektrogeschäft nicht hinkriegen, die aber hier große Finanzwelt spielen wollen&#8221;. Sich so zu äußern ist sehr dumm von Carstensen, denn von diesen Handwerkern und Elektrohändlern ist er, selbst übrigens auch nur Landwirt, als Ministerpräsident ständig abhängig.</p>
<p>Marnette schildert dem Spiegel sehr eindrücklich, wie er immer wieder versucht hat, Finanzminister Wiegard und Carstensen selbst davon zu überzeugen, dass die HSH-Krise sehr viel größer ist, als diese bislang zugibt. Doch er war da offenbar an der falschen Adresse: Carstensen hatte sich, wahrscheinlich zusammen mit dem Hamburger Senat Ole von Beusts als Miteigentümern der HSH, bereits auf einen Kurs geeinigt. Es wäre deswegen sehr viel klüger gewesen, wenn sich Marnette Verbündete in der Landtagsfraktion gesucht hätte. So hätte man gemeinsam Carstensen und Wiegard effektiv unter Druck setzen können. Angesichts Carstensens Arroganz gegenüber den Abgeordneten hätte Marnette hier zumindest bei Teilen der CDU-Fraktion offene Türen eingerannt. Die Öffentlichkeit hätte davon sehr viel weniger mitbekommen als durch Marnettes Krawall-Interview, mit dessen Veröffentlichung aber auch Marnettes innerparteilicher Einfluss rapide gesunken sein dürfte, denn dadurch, dass er den Streit an die Öffentlichkeit getragen hat, entsteht ein sehr negatives Bild von der Nord-CDU. Es bleibt der Eindruck: Carstensen kann es nicht. Und an einem solchen Eindruck sind natürlich auch die Abgeordneten im Jahr vor der Landtagswahl nicht interessiert.</p>
<p>Wenn Marnette sich in der Fraktion Verbündete gesucht hätte, wäre am Ende wahrscheinlich ein Kompromiss dabei heraus gekommen zwischen der Postion Carstensens und der Position Marnettes. Aber damit hätte Marnette mehr erreicht für seine Position und somit dem Land sicher mehr gedient als mit seinem Rückzug. Es geht in der Politik nicht ums Recht haben, sondern um das Schmieden von Mehrheiten, um das Aushandeln und Eingehen von sinnvollen Kompromisslösungen.</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/2009/15/Meinungsleiter-Politikerberuf?page=all" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.zeit.de');">Matthias Krupa</a> bringt es in der Zeit auf den Punkt:</p>
<blockquote><p>Mag sein, dass Werner Marnette mit seiner Warnung recht hat, dass das Festhalten des Landes Schleswig-Holstein an der eigenen Landesbank fatale Folgen haben wird. Nur hat er keinen Weg und keine Mehrheit gefunden, um das zu verhindern. Als Minister ist der Manager gescheitert.</p></blockquote>
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		<title>Erst die Partei, oder erst das Land?</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Mar 2009 08:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SG</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>

		<category><![CDATA[Gemeinwohl]]></category>

		<category><![CDATA[Merkel, Angela (CDU)]]></category>

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		<description><![CDATA[Michael Spreng versucht sich an einer Verteidigung der Bundeskanzlerin. Angesichts der Wirtschaftskrise habe Merkel sich entschieden, die Interessen der Bundesrepublik vor die Interessen ihrer Partei zu stellen:
Aber kann es nicht sein, dass sie sich jetzt richtig verhält? Ist es nicht besonnen und verantwortungsvoll, angesichts der Katastrophe, die auch auf Deutschland zukommt, die große Koalition so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="Anlass: Spreng schreibt von dieser Alternative http://www.sprengsatz.de/?p=801" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.sprengsatz.de');">Michael Spreng</a> versucht sich an einer Verteidigung der Bundeskanzlerin. Angesichts der Wirtschaftskrise habe Merkel sich entschieden, die Interessen der Bundesrepublik vor die Interessen ihrer Partei zu stellen:</p>
<blockquote><p>Aber kann es nicht sein, dass sie sich jetzt richtig verhält? Ist es nicht besonnen und verantwortungsvoll, angesichts der Katastrophe, die auch auf Deutschland zukommt, die große Koalition so lange wie möglich handlungsfähig zu halten, auch um den Preis, in der eigenen Partei in die Kritik zu geraten? Kann es nicht sein, dass Angela Merkel tatsächlich das Land vor die Partei stellt?</p></blockquote>
<p>In der Theorie sollte das, was gut ist für die Regierungsparteien, auch gut sein für das Land. Denn immerhin sind die Regierungsparteien von einer Mehrheit der Bürger gewählt worden - wegen der besonderen Situation der großen Koalition sind derzeit sogar ungefähr zwei Drittel aller Wähler sozusagen &#8220;in der Regierung&#8221;. Insofern gibt es den Gegensatz von Interessen der Partei und Interessen des Landes nicht in der Weise, die häufig festgestellt wird. Merkel hat dazu der <a href="http://www.bundeskanzlerin.de/nn_4922/Content/DE/Interview/2009/03/2009-03-12-merkelbild.html" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.bundeskanzlerin.de');">Bild-Zeitung gesagt</a>:</p>
<blockquote><p><strong>Bild:</strong> Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger fordert Sie auf, schon jetzt &#8220;die Uniform der Kanzlerin abzulegen und die Unform der Parteichefin&#8221; anzuziehen, also vor allem Wahlkampf zu machen. Wie gehen Sie mit einem solchen Ratschlag um?</p>
<p><strong>Merkel:</strong> Ich trage keine Uniformen, schon deswegen passt sein Bild nicht. Wenn ich Parteivorsitzende bin, lege ich meine staatliche Verantwortung nicht ab. Und umgekehrt bin ich in allem. was ich als Kanzlerin tue, immer auch CDU-Parteivorsitzende. Ich gehe bei dem, was ich tue, von meinen Grundüberzeugungen und meiner Verantwortung für das Ganze aus.</p></blockquote>
<p>Trotzdem ist manchmal offensichtlich, dass die Entscheidungen der Politiker eher am Gewinnen der nächsten Wahlen orientiert sind als an den <em>langfristigen </em>Interessen des Landes. Nur so lässt sich die seit Jahrzehnten betriebene Praxis der exzessiven Staatsverschuldung erklären. Gerade in diesen Monaten werden ja wieder hunderte Milliarden Euro in die Wirtschaft gesteckt, von denen die Regierung ganz genau weiß, dass erst zukünftige Generationen sie zurückzahlen müssen werden. Das ist im Grunde natürlich schon eine Politik für die Partei (bzw. für den nächsten Wahlsieg) und gegen das Land, zumindest in langfristiger Perspektive. Deswegen ist das Verschuldungsverbot, dass gerade für Bund und Länder umgesetzt wird, eigentlich eine (sehr) gute Idee.</p>
<p>Dennoch wird sich dieses Problem nie ganz beheben lassen. Es ist in einer Demokratie unvermeidbar, dass die Parteien sich an den Wünschen der Wähler orientieren, die heute leben, und nicht an den Wünschen der Wähler, die in 20, 30 oder 100 Jahren leben. Es ist insofern nicht eine Alternative zwischen Parteiinteressen und Landesinteressen, sondern zwischen Landesinteressen heute und Landesinteressen in einer Generation.</p>
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		<title>Merkel führt, aber anders</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Mar 2009 09:00:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SG</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>

		<category><![CDATA[CDU/CSU]]></category>

		<category><![CDATA[Merkel, Angela (CDU)]]></category>

		<category><![CDATA[Politische Führung]]></category>

		<category><![CDATA[SPD]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Monaten wird Angela Merkel Führungsschwäche vorgeworfen: Von der Öffentlichkeit, von SPD und CSU, inzwischen auch von Teilen der CDU selbst. Was ist dran an den Vorwürfen?
Zunächst einmal ist hervorzuheben, dass jeder Kanzler abhängig ist von einer Regierungskoalition. Ohne die grundsätzliche Zustimmung von CDU, CSU und SPD kann Merkel nicht Kanzlerin sein. Sie hat zwar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Monaten wird Angela Merkel Führungsschwäche vorgeworfen: Von der Öffentlichkeit, von SPD und CSU, inzwischen auch von Teilen der CDU selbst. Was ist dran an den Vorwürfen?</p>
<p>Zunächst einmal ist hervorzuheben, dass jeder Kanzler abhängig ist von einer Regierungskoalition. Ohne die grundsätzliche Zustimmung von CDU, CSU und SPD kann Merkel nicht Kanzlerin sein. Sie hat zwar nach dem Grundgesetz das Recht, die Richtlinien der Politik zu bestimmen (<a href="http://dejure.org/gesetze/GG/65.html" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/dejure.org');">Art. 65</a>), aber in der Praxis hilft ihr diese Kompetenz nicht in der Auseinandersetzung innerhalb ihrer Koalition: Sie ist politisch (zu Recht) bedeutungslos.</p>
<p>Die große Koalition war nie Merkels Wunschtraum. Sie wollte, wie sie vor der Wahl 2005 klar gemacht hatte, die Schröderschen Reformen (Agenda 2010, Hartz I bis IV) weiterführen, ja sogar massiv ausbauen. Der Finanzexperte Paul Kirchhof sollte Finanzminister werden. Merkel wollte, mit Hilfe der FDP (und ohne die SPD) und mit einer schwarz-gelben Mehrheit in Bundestag und Bundesrat , &#8220;durchregieren&#8221;. Die Beschlüsse des Leipziger Parteitags im Dezember 2003 setzten auf ein ambitioniertes Reformprogramm. Damals hatte Merkel ganz offensichtlich eine klare Vorstellung davon, was sie inhaltlich wollte. Niemand wäre auf die Idee gekommen, ihr Führungsschwäche vorzuwerfen.</p>
<p>Bekanntlich kam es anders. Die CDU erreichte bei der Wahl 2005 ein recht mageres Ergebnis - insbesondere angesichts der Tatsache, dass die rot-grüne Koalition ein Jahr vor dem planmäßigen Wahltermin wegen der Spannungen innerhalb der SPD nicht mehr regierungsfähig war. Am Wahlabend lagen SPD und CDU/CSU fast gleichauf. In der legendären Interviewrunde der Parteivorsitzenden (&#8221;<a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;source=web&amp;ct=res&amp;cd=2&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DV8_F5L5KiDQ&amp;ei=Lf25ScKJLcXN-AaF4czUBA&amp;usg=AFQjCNHRywW7GidRBmpfz5pNpoznAw5okQ&amp;sig2=1u-DCivQAebwY9v8FDvqmw" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.google.de');">Elefantenrunde</a>&#8220;), in der Schröder sich nach allgemeinem Empfinden wenig kanzlerhaft verhalten hatte, sah auch Merkel nicht gerade aus wie jemand, der die Wahl gewonnen hatte.</p>
<p>Seit 2005 hat sich Merkel und die Union Schritt für Schritt von den Beschlüssen des Leipziger Parteitags entfernt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen wären die Leipziger Beschlüsse mit der SPD nicht umzusetzen gewesen. Zwar gab es Teile der SPD, die einem weitergehenden Reformprogramm sicher nicht abgeneigt gegenüberstanden, aber es war klar, dass die SPD-Linke, die ja auch die Agenda 2010 nur mit Bauchgrimmen und widerwillig unterstützt hatte, das nicht mitmachen würde. Merkel wäre nie Kanzlerin geworden, wenn sie auf den Leipziger Parteitagsbeschlüssen gegenüber der SPD bestanden hätte.</p>
<p>Zum anderen kam nach dem enttäuschenden Wahlergebnis auch aus der CDU selbst Gegenwind, weil mit den Leipziger Beschlüssen schlecht Wahlen zu gewinnen sind. Insbesondere Jürgen Rüttgers, der 2005 in Nordrhein-Westfalen, der &#8220;Herzkammer der Sozialdemokratie&#8221;, die Wahl gewonnen hatte, was ja Anlass für die Bundestags-Neuwahl 2005 war, profilierte sich zunehmend als Gegner eines allzu harten Reformkurses. In den letzten Jahren kam noch die CSU-Krise dazu, aus der mit Horst Seehofer auch ein eher linker Unionspolitiker siegreich hervorging. (Darunter zu leiden hatte der Wirtschaftsflügel der Union, am prominentesten vertreten von Friedrich Merz. Vor ein paar Jahren war er noch eine der größten Zukunftshoffnungen der CDU, mittlerweile hat er sich aus der Bundespolitik frustriert zurückgezogen. Den Merz-Flügel der Union hätte Merkel wohl tatsächlich besser einbinden müssen. Andererseits war klar, dass seine Positionen in der großen Koalition keine Chance auf Umsetzung hatten.)</p>
<p>Damit war im Grunde das Feld abgesteckt, auf dem sich Kanzlerin Merkel bewegen konnte. In einer großen Koalition heißt Führung vor allem: Kompromisse vermitteln. Ohne die SPD geht nichts in der derzeitigen Koalition. Es war von vornherein klar, dass die SPD kein Junior-Partner sein würde in der Koalition.</p>
<p>Viele, die jetzt die Führungsschwäche Merkels kritisieren, lehnen eigentlich die große Koalition ab. Tatsächlich ist die Koalition aus Union und SPD keine Einrichtung, die unsere Demokratie befördert, nicht zuletzt deswegen, weil die inhaltlichen Überschneidungen einer so breiten Koalition (mit ungefähr 70 % der Wählerstimmen und Parlamentssitze) recht gering sind. Kompromisse sind in einer kleineren Koalition prinzipiell einfacher zu erreichen. Trotzdem muss jeder Gegner der großen Koalition anerkennen, dass diese Konstellation wegen des erfolgreichen Abschneidens der Linkspartei 2005 die einzig gangbare Alternative für die Regierungsbildung war. Die Alternative dazu wären Verhältnisse gewesen, wie man sie im letzten Jahr in Hessen betrachten konnte, wo über ein Jahr keine Regierungskoalition zu Stande kam.</p>
<p>Merkels Führungsschwäche ist insofern ein demokratisches Phänomen. Merkel kann nicht alleine bestimmen, wo es lang geht, wie es Schröder erfolglos versucht hatte (&#8221;Basta&#8221;-Politik). Merkel muss Kompromisse eingehen, legt sich inhaltlich (in der Öffentlichkeit) meist erst spät fest, weil (hinter den Kulissen) die Verhandlungen zwischen den Koalitionsparteien laufen. Falls es nach den Bundestagswahlen im Herbst zur Bildung einer schwarz-gelben Koalition kommt, wird man sehen, ob Merkel dann einen dominanteren Führungsstil versucht.</p>
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		<title>Linktipps 2009/01</title>
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		<comments>http://www.politikerklaert.de/linktipps-200901-304/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 13 Mar 2009 07:00:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SG</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>

		<category><![CDATA[EU]]></category>

		<category><![CDATA[Kommunalpolitik]]></category>

		<category><![CDATA[Lafontaine Oskar (Linke)]]></category>

		<category><![CDATA[Linktipps]]></category>

		<category><![CDATA[SPD]]></category>

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		<description><![CDATA[Ab heute gibt es auf Politik erklärt eine neue Kategorie: Linktipps. Hier will ich in unregelmäßigen Abständen interessante Artikel aus Presse und Blogs zusammentragen.
Vor 10 Jahren hat sich Oskar Lafontaine ohne Ankündigung von seinem Ministeramt aus der rot-grünen Koalition zurückgezogen. (Am Rande: Ja, es ist wirklich schon so lange her. Ja, wir waren damals alle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ab heute gibt es auf <em>Politik erklärt </em>eine neue Kategorie: Linktipps. Hier will ich in unregelmäßigen Abständen interessante Artikel aus Presse und Blogs zusammentragen.</p>
<p>Vor 10 Jahren hat sich Oskar Lafontaine ohne Ankündigung von seinem Ministeramt aus der rot-grünen Koalition zurückgezogen. (Am Rande: Ja, es ist wirklich schon so lange her. Ja, wir waren damals alle noch etwas jünger. Ja, finde ich auch erschreckend.) <strong>Günter Bannas</strong> schildert in der FAZ noch einmal die Dynamik, die zwischen Schröder und Lafontaine herrschte - <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E0F4D34F8818144DCB106D7A5E6D3F296~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.faz.net');">Er oder Ich</a>:</p>
<blockquote><p>Der eine wollte als Kanzler herrschen. Der andere dachte, er könne mit den Ämtern des Parteivorsitzenden und des Bundesfinanzministers der Chef sein. Doch einer war zu viel in der Arena. Vor zehn Jahren legte Oskar Lafontaine alle politischen Ämter nieder - kampflos, wie seine Freunde bedauerten, stillos und feige, wie seine immer zahlreicheren Gegner kritisierten.</p></blockquote>
<p><strong>Nico Fried</strong> schreibt in der Süddeutschen über <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/630/461257/text/" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.sueddeutsche.de');">Lafontaines Schuld</a> und trifft damit des Pudels Kern:</p>
<blockquote><p>Nur mal angenommen, Oskar Lafontaine hätte recht. Nur mal angenommen, mehr oder weniger alles, was die SPD in den zehn Jahren seit seinem Rücktritt als Parteichef politisch veranstaltet hat, wäre falsch gewesen. [...]</p>
<p>Wer hätte die machtvolle Position gehabt, den politischen Einfluss, die rhetorische Kraft und angeblich ja auch immer schon die richtige Überzeugung?</p>
<p>Da fällt einem nur einer ein.</p></blockquote>
<p>Lafontaine setzte sich nicht ein für seine Überzeugungen, weil er keine Kompromisse eingehen wollte. Prinzipientreue ist das eine, Sturköpfigkeit das andere. In der Regierung hätte Lafontaine hundertmal mehr für seine Klientel erreichen können als in der Opposition und mit der Bild-Zeitungs-Kolumne, die er schreibt. Insofern ist Lafontaine einem anderen Ex-Sozialdemokraten recht ähnlich: <a href="http://www.politikerklaert.de/category/personen/clement/" target="_blank" >Wolfgang Clement</a>.</p>
<p><span id="contentmain" class="storycontent"><strong>Jochen Bittner</strong> schreibt über das in Brüssel beschlossene Ende der Glühbirne und schaut etwas genauer hin: </span><a href="http://blog.zeit.de/bittner-blog/2009/02/18/wer-war-das_346" target="_blank">Wer war das?<br />
</a></p>
<blockquote><p><span id="contentmain" class="storycontent">Reisende ins Ausland jenseits der EU werden künftig wohl mit neuen Mitbringselwünschen verabschiedet werden. „Oh, du fliegst in die Türkei? Bringst du mir eine Stange Glühbirnen mit?“</span></p></blockquote>
<p>Es lässt sich nämlich durchaus feststellen, welche Politiker und welche Parteien für Entscheidungen in Brüssel verantwortlich sind.</p>
<p><strong>Franz Walter </strong>schreibt bei Spiegel Online über die Charaktereigenschaften, die Politiker mitbringen müssen, um erfolgreich zu sein - <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,608322,00.html" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.spiegel.de');">Wieso Politiker nicht die klügsten sind</a>:</p>
<blockquote><p>Ohne Geduld, langen Atem, zähe Ausdauer und belastungsfähiges Sitzfleisch geht nichts in der Politik. Personen mit einem ausgeprägten Schlafbedürfnis sind ohne Chance. Hochintelligente Menschen, denen Redundanzen in stundenlangen Kommissionen ein Greuel sind, sollten sich politische Karrierepläne aus dem Kopf schlagen.</p></blockquote>
<p>In der Tat gibt es einen großen Unterschied zwischen Experten und Politikern. Die zentralen Fragen in einer Demokratie müssen politisch entschieden werden, weil es in der Regel mehr als eine richtige Antwort auf sie gibt. Ich hatte vor einiger Zeit schon mal  <a href="http://www.politikerklaert.de/der-armutsbericht-politische-fragen-lassen-sich-nicht-wissenschaftlich-beantworten-90/" target="_blank" >darüber geschrieben</a>.</p>
<p>Und <strong>Chrismon </strong>zeigt in der Reihe <em>Anfänge </em>eine Frau, die in die Kommunalpolitik hineingeschliddert ist - <a href="http://www.chrismon.de/3820.php" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.chrismon.de');">Auf einmal macht sie Politik</a>:</p>
<blockquote><p>Ich hatte gar nicht vorgehabt, Stadträtin in Tübingen zu werden. Ich bin zwar schon lange Mitglied bei den Grünen, war aber nie politisch aktiv. Vor der letzten Gemeinderatswahl habe ich mich breitschlagen lassen, auf einem aussichtslosen Platz zu kandi­dieren, damit die Liste voll wird.</p></blockquote>
<p>(Merke: Wahlergebnisse lassen sich <em>nie </em>vorhersagen!) Das Beispiel zeigt auch, wie sehr Politik selbst im kommunalen Bereich von Spezialisierung und Vertrauen auf die Expertise der Fraktionskollegen abhängig ist:</p>
<blockquote><p>Die Uni will groß bauen und zeigt dem Gemeinderat die Pläne; die Musikschule will uns ihr Dach vorführen, durch das es reinregnet&#8230; Da muss ich strikt Prioritäten setzen und ansonsten auf die Expertise von Fraktionskollegen vertrauen.</p></blockquote>
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		<item>
		<title>Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Parteien - Roland Koch und das ZDF</title>
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		<comments>http://www.politikerklaert.de/offentlich-rechtlicher-rundfunk-und-parteien-roland-koch-und-das-zdf-307/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 11 Mar 2009 08:21:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SG</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Beck, Kurt (SPD)]]></category>

		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>

		<category><![CDATA[Koch, Roland (CDU)]]></category>

		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[In den letzten Wochen ist eine Welle der Empörung über Roland Koch zusammengeschlagen, weil er angekündigt hat, im ZDF-Verwaltungsrat der Verlängerung des Vertrags mit dem derzeitigen Chefredakteur, Nikolaus Brender, nicht zustimmen zu wollen - gegen die Empfehlung des ZDF-Intendanten. In der FAZ vom 10.03. kritisiert Schirrmacher Koch (ganz vorne auf Seite 1):
Der Journalismus wird zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten Wochen ist eine Welle der Empörung über Roland Koch zusammengeschlagen, weil er angekündigt hat, im ZDF-Verwaltungsrat der Verlängerung des Vertrags mit dem derzeitigen Chefredakteur, Nikolaus Brender, nicht zustimmen zu wollen - gegen die Empfehlung des ZDF-Intendanten. In der FAZ vom 10.03. kritisiert Schirrmacher Koch (ganz vorne auf Seite 1):</p>
<blockquote><p>Der Journalismus wird zum Beute- und Kompromissobjekt politischer Parteien, in einer völlig neuartigen Weise. Es geht nicht mehr um die Parteilichkeit des Redakteurs, sondern um dessen Unparteilichkeit. Denn anders als in vergleichbaren Fällen ist dem Chefredakteur Brender, der parteipolitische Beschwerden nur in Schriftform entgegennahm, nicht vorzuhalten, dass er einem anderen Gesetz als dem der Unparteilichkeit folgte. Daraus ergibt sich für jeden künftigen politischen Redakteur des Senders: Er muss parteiisch sein, oder er wird nichts.</p></blockquote>
<p>Bemerkenswert ist in der Tat die <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E2A0EFC256F3F44AEA0E3668BCA1D9A07~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.faz.net');">Begründung</a>, die Koch für sein Vorgehen liefert:</p>
<blockquote><p>Wenn die Verträge von leitenden Direktoren auslaufen, hat der Verwaltungsrat die Aufgabe, die Entwicklung in den Arbeitsbereichen zu prüfen. Und da haben eine Reihe von Verwaltungsratsmitglieder – auch ich – Fragen gestellt. Diese Fragen betreffen nicht, wie öffentlich kolportiert wird, parteipolitische Zusammenhänge, sondern die betreffen ganz handfest: Wie hat sich die Informationssparte des ZDF in den letzten sieben, acht Jahren entwickelt? Können wir im Wettbewerb mit anderen damit zufrieden sein?</p></blockquote>
<p>Im Folgenden gibt sich Koch dann besorgt um die <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E189126835EA244C69A0E259B8E8F1A6B~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.faz.net');">fallenden Quoten</a> bei einigen ZDF-Sendungen (übrigens mit <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/koch-ich/" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.stefan-niggemeier.de');">unzutreffenden Zahlen</a>, zeigt Stefan Niggemeier). Das ist natürlich in der Tat unglaubwürdig. Natürlich geht es bei der Besetzung der ZDF-Posten um Parteipolitik. Das wird schon daran sichtbar, dass prompt <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,611388,00.html" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.spiegel.de');">Kurt Beck Partei für Brender ergriffen hat</a> (dazu auch <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=724" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.sprengsatz.de');">Michael Spreng</a>). Brender wurde 2000 nur deswegen Chefredakteur, weil die SPD ihn unterstützte, er hatte ein &#8220;SPD-Ticket&#8221;, wie der <a href="http://www.focus.de/kultur/medien/tid-13552/streitfall-brender-von-heuchlern-und-falschen-helden_aid_376817.html" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.focus.de');">Focus schreibt</a>. Traditionell bestimmt die SPD den ZDF-Chefredakteur, die CDU den Intendanten. Und natürlich arbeiten die Kandidaten einer Partei, wenn sie erstmal gewählt sind, auch weiterhin grundsätzlich im Sinne dieser Partei. Sie können ja auch schlecht ihr Gehirn - ihre Sozialisiation, ihre Einstellungen, ihre Ideale - bei Dienstbeginn gegen ein anderes tauschen. <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/wie-geht-es-uns-herr-kueppersbusch-73/" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.taz.de');">Friedrich Küppersbusch</a> über Brender:</p>
<blockquote><p>Habe unter WDR-Chefredakteur Brender gearbeitet und als unkollegial empfunden, dass er Politikerbeschwerden gegen unsere Sendung stattgab, ohne mit uns als betroffener Redaktion gesprochen zu haben. Einem eher bizarren Wunsch Schröders, meine Redaktion zu maßregeln, zeigte er sich besonders aufgeschlossen. Dass er später als Erster auf den fallenden Schröder <a href="http://www.youtube.com/watch?v=V8_F5L5KiDQ" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.youtube.com');">drauftrat</a>, fand ich sehr mannhaft. Von Schröder.</p></blockquote>
<p>Unglaubwürdig und verlogen ist also auf jeden Fall die Behauptung, diese Einflussnahme von Politikern auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sei irgendwie neu. Die Verwaltungsräte der öffentlich-rechtlichen Sender sind schon immer besetzt gewesen nach Parteiproporz. <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=724" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.sprengsatz.de');">Michael Spreng meint</a>:</p>
<blockquote><p>Sowohl Kochs Kritik an Brender als auch Becks Votum für Brender beweisen nur eines: dass der unselige Anachronismus aus den 70er Jahren, die öffentlich-rechtlichen Anstalten zur Beute der Parteien und zur Versorgungsanstalt parteinaher Journalisten zu machen, immer noch nicht besiegt ist.</p></blockquote>
<p>Spreng hat mit seiner Kritik vielleicht sogar, zum Teil zumindest, Recht. Aber er sagt leider nicht: Wie soll man die Verwaltungsräte sonst besetzen? Und wer soll das tun? Wer soll dazu besser legitimiert sein als die Politik? Deswegen gefährdet diese Kritik den öffentlich-rechtlichen Rundfunk <a href="http://www.zeineku.de/2009/03/07/koch-vs-brender-die-angst-des-staatsrundfunks/" target="_blank" onclick="javascript:urchinTracker ('/outbound/article/www.zeineku.de');">in seiner Substanz</a>:</p>
<blockquote><p>Denn wer soll an Stelle von Ministerpräsidenten, Parteisoldaten und Landtagsabgeordneten in den Rundfunkräten und sonstigen Anstaltsgremien Platz finden? Es ist eine naive Selbsttäuschung, wenn man glaubt, man könne gleichzeitig eine effiziente und demokratisch legitimierte Kontrolle über die öffentlich-rechtlichen Sender bewerkstelligen und Politiker aus den Gremien fernhalten. Wer es Ernst meint mit dem Anliegen, parteigeprägtes Pöstchenverschieben in den Sendern zu beenden, sägt in Wahrheit am öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt.</p></blockquote>
<p>Der eigentliche Skandal an Kochs Vorgehen ist, dass er die Proporzregel einseitig aufkündigt. Seit 1961 werden die Leitungsstellen beim ZDF nach dem Proporzsystem besetzt, wobei natürlich auf die fachliche Eignung der Kandidaten zu achten war. Dieses System sichert zwar der Politik einen gewissen Zugriff auf die Sender, aber gleichzeitig schafft er auch eine Balancesituation, ein Gleichgewicht der Kräfte, das eine zu einseitige politische Berichterstattung der Sender in der Summe zumindest verhindert. Es handelt sich um einen Teil der ungeschriebenen Verfassung, den Koch hier in fahrlässiger Weise angreift.</p>
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