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	<title>publicopinia</title>
	
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	<description>Kultur &amp; Wissenschaft</description>
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		<title>Illusion der Netzfreiheit</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 14:54:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhart Gruhn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Netzfreiheit ist kein Netzthema. Es ist auch kein Thema der &#8216;Netzgemeinde&#8217;. Wie vieles andere auch, zum Beispiel das Urheberrecht, die Privatsphäre, die Forderung nach Transparenz und demokratisch-kultureller Teilhabe, das Marktverhalten mächtiger Konzerne wie Google oder Amazon, die Lage der Zeitungen und des &#8220;klassischen&#8221; Journalismus, &#8211; all diese vermeintlich eigenen Themen der Internet-Aktivisten, der Piraten, der Netzgemeinde <a href='http://publicopinia.de/?p=2180' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Netzfreiheit ist kein Netzthema. Es ist auch kein Thema der &#8216;Netzgemeinde&#8217;. Wie vieles andere auch, zum Beispiel das Urheberrecht, die Privatsphäre, die Forderung nach Transparenz und demokratisch-kultureller Teilhabe, das Marktverhalten mächtiger Konzerne wie Google oder Amazon, die Lage der Zeitungen und des &#8220;klassischen&#8221; Journalismus, &#8211; all diese vermeintlich eigenen Themen der Internet-Aktivisten, der Piraten, der Netzgemeinde oder der &#8216;Netzelite&#8217;, sind überhaupt keine spezifischen Netzthemen. Es sind <strong>politische</strong> Themen, vielleicht besonders aktuelle und brisante, aber eben Themen im politischen Raum, die sich die Aufmerksamkeit mit anderen Themen im politischen Raum teilen müssen. Netzfreiheit als Forderung / Slogan / Mobilisierungsthema ist nur dann ein gesellschaftliches Thema, wenn es auch als solches verstanden und in die politische Diskussion eingebunden wird. Es <strong>ist</strong> nur dann ein Thema, wenn es ein öffentlich relevantes <strong>politisches</strong> Thema wird. Nur als Gegenstand von irgendwelchen Netzdebatten einer Gruppe von Internet-Enthusiasten oder als Lieblingsthema der &#8220;Bloggosphäre&#8221; ist es völlig irrelevant.</p>
<div id="attachment_2182" class="wp-caption aligncenter" style="width: 604px"><a href="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/republica13-594.jpg"><img class="size-full wp-image-2182" alt="re:publica 13" src="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/republica13-594.jpg" width="594" height="338" /></a><p class="wp-caption-text">re:publica 13</p></div>
<p>Es greift zu kurz, nur die Abgehobenheit der Netzdiskussion oder die Selbstbezogenheit der Netzaktivisten zu kritisieren und jetzt &#8220;Handeln&#8221; zu fordern. Vor dem Handeln sollte schon das Denken kommen, möglichst das kritische. Das würde dann auch die eigene Borniertheit und Selbstverliebtheit der Netzsphäre aufdecken können. Mir geht es um eine wirklich gut begründete Kritik der netztypischen Illusionen und Verklärungen. Die gestellte Aufgabe ist also eine grundlegende Kritik der ideologischen Wurzeln des Technizismus bzw. der Technikkultur, des Reduktionismus der Wissenschaften auf <em>science</em> (Naturwissenschaften), der ungebrochenen Fortschrittsgläubigkeit und des diesem Fortschrittsglauben zu Grunde liegenden Menschenbildes der Machbarkeit, Formbarkeit, Erziehbarkeit durch &#8211; ja wen oder was denn? die Gattung? die Elite der Wissenden? einen sozial-evolutionären Paternalismus? Wer hier und heute noch von der schranken- und &#8216;klassenlosen&#8217; Netzfreiheit träumt, hat sich schon im Wolkenkuckuksheim eines romantischen Cyberspace verloren. Die Netzwelt ist längst <em>real world</em> geworden. <em>It&#8217;s ecnomy, stupid</em>!</p>
<p>Diese zugegeben etwas polemischen Bemerkungen müssen theoretisch fundiert und in den öffentlichen Diskurs eingebracht werden: als <strong>politischen</strong> Beitrag. Nur &#8220;Handelt endlich!&#8221; reicht nicht, überhaupt nicht. Wenn sich aus den Veränderungen der technisch-sozialen Welt neben öknonomisch-medialen Prozessen der Generierung von Mehrwert auch noch neue Chancen des Politischen, des Demokratischen, der Beteiligung und der Teilhabe möglichst Vieler ergeben sollen, dann ist ein enormer politischer Prozess erforderlich, ein politischer Wille zum Disput der Ideen, zu einer Ziel- und Mitteldiskussion, zu einer Rückbindung dieser Diskussion auf bestehende Interessen und Machtverhältnisse. Also kurz: eine eminent politische Diskussion ist dran um Themen wie Freiheitsrechte des Individuums, Eigentumsrechte im Verhältnis zu den neuen digitalen Gütern, Mitwirkungsmöglichkeiten (Partizipation) über die vorhandenen politischen Parteien, Gruppen und Gremien hinaus. Aber nicht ohne sie, sonst verläuft sich alles wieder im unpolitischen Raum. Auch die &#8216;subversive&#8217; Kraft des Kulturellen, speziell der Kunst, ist nur dann wirklich subversiv, wenn sie &#8211; politisch wird. Denn Kultur braucht Freiheit wie die Luft zum Atmen.</p>
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		<title>Theory of Mind 3.0</title>
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		<pubDate>Sun, 12 May 2013 11:15:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhart Gruhn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bewusstsein]]></category>
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		<description><![CDATA[Eines der spannendsten Gebiete der heutigen Wissenschaften befasst sich mit dem Geist, unter dem englischen Begriff einer Theory of Mind. Das Spannende ist, dass es bei der Frage nach dem menschlichen Geist nicht um das Spezialgebiet einer einzelnen Wissenschaft geht, sondern um eine Frage, die nur interdisziplinär angegangen werden kann. Neurowissenschaften, Kognitionswissenschaft, Psychologie und Philosophie, <a href='http://publicopinia.de/?p=2154' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Eines der spannendsten Gebiete der heutigen Wissenschaften befasst sich mit dem Geist, unter dem englischen Begriff einer <em>Theory of Mind</em>. Das Spannende ist, dass es bei der Frage nach dem menschlichen Geist nicht um das Spezialgebiet einer einzelnen Wissenschaft geht, sondern um eine Frage, die nur interdisziplinär angegangen werden kann. Neurowissenschaften, Kognitionswissenschaft, Psychologie und Philosophie, um die wichtigsten Disziplinen zu nennen, können offenbar nur miteinander unter jeweils eigenen, aber auf einander bezogenen Fragestellungen denjenigen &#8220;Gegenstand&#8221; untersuchen, den man herkömmlich den &#8220;Geist&#8221; nennt, darunter das Bewusstsein als einem Spezialbereich, die Frage nach dem Ich, nach dem Selbst, nach dem &#8220;computationalen&#8221; Denkvermögen und vor allem nach der Physiologie und Funktionalität des Gehirns, das offenbar mit allen geistigen Prozessen unlösbar verbunden ist. Aber wie? (Einige <a title="Der Mensch" href="http://publicopinia.de/?p=2095" target="_blank">frühere</a> Beiträge in diesem Blog zeigen, dass mich diese Frage nicht los lässt.)</p>
<p>Und da ist sie auch schon, die Frage aller Fragen, an der sich die Geister (metaphorisch) scheiden. Weitgehend unbestritten ist es, von einer <strong>Korrelation</strong> zwischen neuralen Funktionen und geistigen Fähigkeiten zu sprechen. Aber was genau bedeutet diese Korrelation? Oder ist da mehr, nicht nur Korrelation, sondern <strong>Kausalität</strong>? Bedingen also physiologisch-neurale Prozesse alle Erscheinungen und Fähigkeiten des Geistes, des Bewusstseins? Neurologen formulieren meist, dass geistige Vermögen einschließlich des Bewusstseins auf neuralen Substraten &#8220;beruhen&#8221;. Aber was genau heißt dieses &#8220;beruhen&#8221;? Werden ausgelöst, verursacht, bedingt, beeinflusst? Oder &#8220;nur&#8221; begleitet, ermöglicht, basal fundiert im Sinne von &#8220;kein Geist ohne Gehirn&#8221;?</p>
<p>Auf Seiten der analytischen Philosophie hat sich die Fragestellung lange Zeit auf die &#8220;Qualia&#8221; konzentriert, also auf das sogenannte &#8220;phänomenale Bewusstsein&#8221;, das als &#8220;Gefühl von etwas&#8221; beschrieben werden kann. Was die Wahrnehmung der Farbe &#8220;rot&#8221; verursacht, wissen wir, aber können wir damit auch erklären, wie es sich anfühlt, &#8220;rot&#8221; zu sehen, also diesen (oder jeden anderen) sensorischen Eindruck zu haben? Die Verneinung der Frage argumentiert mit der berühmten &#8220;Erklärungslücke&#8221; (<em>explanatory gap</em>), die zwischen Bewusstsein und physiologischer Erklärung bestehe. Aber sind diese &#8220;sekundären Qualitäten&#8221; wirklich Gegenstände, also objektivierbare Gegebenheiten unseres psycho-physischen Erlebens oder sind es eher sprachliche Zuschreibungen, also kein introspektives &#8220;Was&#8221;, sondern eben ein &#8220;Wie&#8221;, in dem sich unser Erleben ausdrückt? Neurokognitionswissenschaft und philosophischer, d.h. epistemischer und / oder ontologischer Reduktionismus sehen hier allenfalls ein Scheinproblem. Vielleicht ist die Zuspitzung auf die Qualia auch nur ein in der Diskussion immer stärker isolierter Aspekt, der inzwischen das eigentliche Problem verdeckt: Können wir das Bewusstsein in all seinen Funktionen <strong>und</strong> Phänomenen naturwissenschaftlich erklären?</p>
<div id="attachment_2157" class="wp-caption aligncenter" style="width: 670px"><a href="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/PLoSBiol4.e126.Fig6fNeuron-650.jpg"><img class="size-full wp-image-2157" alt="Neuronen (Wikipedia)" src="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/PLoSBiol4.e126.Fig6fNeuron-650.jpg" width="660" height="360" /></a><p class="wp-caption-text">Neuronen (Wikipedia)</p></div>
<p>Immerhin ist es auch in der Hirnforschung unbestritten, dass trotzt gewaltiger Fortschritte in den letzten Jahren noch sehr Vieles wenn nicht das Meiste der Arbeitsweise des Gehirns <em>terra incognita</em> ist. Wir stehen da erst ganz am Anfang. Dies betont auch immer wieder der analytische Philosoph und Vertreter der &#8220;Selbstmodell-Theorie der Subjektivität&#8221;, insbesondere des &#8220;phänomenalen Selbst-Modells&#8221;, Thomas Metzinger. Seine genial klingende Theorie der mehrfach gestuften Selbstmodellierung als der repräsentationalen Arbeitsweise des Geistes bzw. des Bewusstseins fragt immer wieder nach den neuralen Korrelaten dieser Theorie, die es erst noch zu finden gilt. So forderte der finnische Neuro-Kognitionswissenschaftler <a title="Revonsuo" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Antti_Revonsuo" target="_blank">Antti Revonsuo</a> Ende der neunziger Jahre eine &#8220;multidisziplinäre Bewusstseinswissenschaft&#8221; (in &#8220;Grundkurs&#8221; Bd. 1, siehe unten). Allein die &#8220;systematische Beschreibung des Bewusstsein&#8221;, also der phänomenologischen Ebene, sei &#8220;vielleicht die größte Herausforderung&#8221;. Ohne Zweifel ist man damit inzwischen schon etwas weiter, aber offenbar keineswegs am Ziel. Und das ist ja nur der erste Schritt.</p>
<p>Zu leicht macht es sich auf jeden Fall die populäre Rezeption der Bücher von Antonio Damasio, dass halt &#8220;alles&#8221; im Denken und Empfinden &#8220;nur&#8221; Prozesse auf der Basis von neuronalen Substraten seien. Der Geist wird rasch durch das elektrische Funken und biochemische Prozesse des Gehirns ersetzt. Das ist dann nichts anderes als die recht vereinfachende These der Reduktionisten. Wie schon vor einhundert Jahren hat der (damals verbreitete) &#8220;biologische Mechanismus&#8221; den betörenden Vorteil eines einheitlichen und einfachen Weltmodells, nämlich des materialistischen. Wir werden um die relative Wahrheit dieses Ansatzes nicht herum kommen, aber man sollte den materialistischen Grundsatz auch nicht zum Glaubensbekenntnis der Wissenschaftstheorie hoch stilisieren. Oder ist er etwa <em>nur</em> ein Glaubenssatz, also ein weltanschauliches Axiom?</p>
<p>Abgesehen von der vor einigen Jahren in verschiedenen Feuilletons, Vorträgen und öffentlichkeitswirksamen Disputen behandelten Frage nach dem &#8220;freien Willen&#8221; &#8211; Wirklichkeit oder Illusion &#8211; ist das Interesse an den Theorien und Ergebnissen der Neurowissenschaften <strong>und</strong> der analytischen Kognitionswissenschaften öffentlich kaum vorhanden. Die Aufmerksamkeits-Karawane ist heute woanders hin gezogen. Wen es dennoch interessiert und wer sich über den aktuellen Stand der Wissenschaft informieren will, der kann zu &#8220;Der Ego-Tunnel&#8221; von Thomas Metzinger greifen (<a title="EGO-Tunnel" href="http://www.amazon.de/Der-Ego-Tunnel-Philosophie-Hirnforschung-Bewusstseinsethik/dp/3833307196" target="_blank">Taschenbuch 2009; 5. Auflage 2012</a>): &#8220;Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik&#8221;. Diesem für das menschliche Selbstverständnis zentralen Thema, was denn &#8220;der Geist&#8221; ist und wie das &#8220;Selbst&#8221; zustande kommt, ist mehr Aufmerksamkeit zu wünschen. Denn die Wissenschaft vom Bewusstsein hat heute mindestens die Explanationsstufe &#8220;3.0&#8243; erreicht.</p>
<p>[Die ausführliche Beschäftigung mit der analytisch-philosophischen Fragestellung anhand von zahlreichen klassischen Texten zu unterschiedlichen Positionen, jeweils kurz eingeleitet, ermöglicht  der dreibändige "Grundkurs Philosophie des Geistes" von Thomas Metzinger, 2006 - 2009.]</p>
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		<title>Die Freiheit des Wortes und die Unfreiheit des Netzes</title>
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		<pubDate>Thu, 09 May 2013 09:32:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhart Gruhn</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Netzgemeinde ist verunsichert. Sascha Lobos viel beachteter Blogartikel hat das vor einigen Wochen nur offenkundig gemacht. Auf der gerade zu Ende gegangenen re:publica 13 setzte er noch einen drauf, indem er die Internetszene eine &#8220;Hobbylobby ohne politische Verbündete&#8221; nannte (z.B. im Tagesspiegel). Ein c&#8217;t Onlinetalk trug kürzlich den Titel &#8220;Netzpolitik zwischen Katzenjammer und Aufbruchstimmung&#8221;, <a href='http://publicopinia.de/?p=2134' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Netzgemeinde ist verunsichert. Sascha Lobos viel beachteter <a title="Sascha Lobo" href="http://saschalobo.com/2013/03/22/unsere-muetter-unsere-fehler/" target="_blank">Blogartikel</a> hat das vor einigen Wochen nur offenkundig gemacht. Auf der gerade zu Ende gegangenen re:publica 13 setzte er noch einen drauf, indem er die Internetszene eine &#8220;Hobbylobby ohne politische Verbündete&#8221; nannte (z.B. im <a title="Tagesspiegel" href="http://www.tagesspiegel.de/medien/re-publica-2013-sascha-lobo-netzgemeinde-ist-hobbylobby-ohne-politische-verbuendete/8176158.html" target="_blank">Tagesspiegel</a>). Ein<a title="c't Onlinetalk" href="http://www.heise.de/ct/artikel/c-t-Onlinetalk-Netzpolitik-zwischen-Katzenjammer-und-Aufbruchstimmung-1845764.html" target="_blank"> c&#8217;t Onlinetalk </a>trug kürzlich den Titel &#8220;Netzpolitik zwischen Katzenjammer und Aufbruchstimmung&#8221;, und Christian Sickendieck fragte neulich auf <a title="Christian Sickendieck" href="https://plus.google.com/u/0/103530505728523689178/posts/R5x9uyxsECG" target="_blank">Google+</a> provokant: &#8220;Wo ist eigentlich dieses freie und offene Internet, von dem alle reden?&#8221; und fasste seine Antwort so zusammen:</p>
<blockquote><p>Wir haben in den letzten beiden Jahrzehnte den Traum des freien Internets gelebt. Es war eine tolle Zeit. Wenn man aktuell die Entwicklung sieht, muss man konstatieren, dass diese Zeit vorbei ist. Das freie Internet war eine tolle Idee, die positiven Auswirkungen auf unsere Gesellschaft sind noch nicht im Ansatz erfasst. Heute muss man aber sagen: Das freie Internet ist ebenso Geschichte, wie es das Schwarz-Weiß-Fernsehen ist.</p></blockquote>
<p>Wer hoch steht, kann tief fallen; zu hohe Erwartungen werden umso leichter enttäuscht. Allzu oft wurden die Chancen des Internets, die Utopie der &#8216;klassenlosen Netzgesellschaft&#8217; wie ein Evangelium verkündet. Dass dabei wenig Realismus an Board war, konnte dem wohlmeinenden, aber etwas distanzierteren Beobachter zu keiner Zeit verborgen bleiben. &#8220;Internetfuzzis&#8221; behalten selten einen kühlen, realpolitischen Kopf &#8211; Ausnahmen wie Christoph Kappes (&#8220;<a title="Christoph Kappes" href="http://christophkappes.de/code-for-germany-ein-politisches-programm/" target="_blank">Code für Deutschland</a>&#8220;) bestätigen die Regel. Die plötzliche Ernüchterung ist schon etwas überraschend, auch wenn sie an einigen Einzelereignissen als Kristallisationspunkten fest gemacht werden kann (Absturz der Piraten, politische Ohnmacht bei Netzthemen; &#8220;Drosselkom&#8221;). Das &#8220;Klassentreffen&#8221; (Sickendieck) re:publica versuchte dem zwar durch Aufbruchstimmung (z.B. 3D-Druck) entgegen zu wirken, aber wenn man sich das <a title="re:publica13" href="http://www.re-publica.de/news/rp13-hier-geht-etwas-neues-los-abschlussinterview" target="_blank">Abschlussvideo</a> anschaut, dann ist es eigentlich absurd, wie in einem Beitrag von 6:40 Minuten null Information transportiert wird (alles war toll, klasse, neu,<em> old school</em> ist <em>lame</em> usw.)  - Was also ist da mit dem Internet passiert?</p>
<p>Das Internet ist erwachsen geworden. Die Spielwiese der Bastler und Tüftler, der Freaks und Nerds, hat sich in einen realen Bereich des Alltagslebens verwandelt. Genau so wie die alltägliche Lebenswelt von Ökonomie und Machtinteressen (und von beidem gemeinsam) beherrscht wird, ist auch das Netz mit seinen Möglichkeiten endgültig Teil der Realwirtschaft geworden: <em>online</em> <strong>ist</strong> <em>real life</em>. Der quantitativ dominierende Netzverkehr wird heute von professionellen News- und Lifestyle &#8211; Portalen, Videos, Sex- und Gaming-Angeboten bestimmt, und natürlich von <strong>der</strong> sozialen Plattform Facebook und der &#8220;Datenkrake&#8221; Google. Blogs, dieses kleine hier ebenso wie die viel bekannteren, viel besuchten, stellen nur eine Randerscheinung dar; an die Reichweite der altbekannten Medien mit ihren Online-Präsenzen (BILD, Spiegel) kommt auch das beste Blog nicht heran, von der Masse der Vielen ganz zu schweigen. Wo es um ökonomische Nutzung geht, gelten die Regeln der Ökonomie: Ein Angebot muss sich rechnen und Gewinn bringen. &#8220;Don&#8217;t be evil&#8221; war / ist ein wunderbarer Werbe-Slogan, mehr nicht.</p>
<p>Wo es um Macht geht, um Einfluss auf Menschen und Meinungen, da ist die Politik sogleich zur Stelle. Was Wunder, dass sich weltweit Regierungen aller Couleur inzwischen den vorbehaltlosen Zugriff auf die Netzarchitektur und damit auf die Inhalte und Nutzer sichern (in der schier endlosen Reihe der Meldungen dazu nur die letzte von gestern über <a title="Netzüberwachung Indien" href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Indien-installiert-System-zur-umfangreichen-Onlineueberwachung-1858738.html" target="_blank">Indien</a>). Nicht Netzfreiheit, &#8211; <strong>Netzüberwachung</strong> ist das Thema der unmittelbaren Zukunft. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich ein mögliches Instrument der Freiheit in ein effektives Instrument der Herrschaft, der Unterdrückung und das Ausbeutung verwandelt, um es kurz und plakativ zu sagen. (Auch das US-amerikanische Recht auf Waffenbesitz jedes Bürgers war einmal ein Freiheitsrecht gegen obrigkeitliche Macht). Unter den Zielen Terrorismusbekämpfung, Sicherheit und Gefahrenabwehr lassen sich so gut wie alle nur erdenklichen Methoden fassen, mittels derer im Vergleich zu früher  viel umfassender (<em>big data</em>) und leichter (<a title="Sicherheitszugriff" href="https://netzpolitik.org/2013/usa-strafen-fur-unternehmen-die-keine-daten-liefern/" target="_blank">Zugriffsrecht</a> direkt bei den Providern) Kontrolle ausgeübt und Macht durchgesetzt werden kann. Mit der Forderung nach Transparenz, Privatsphäre und Datenschutz, gewissermaßen nach &#8216;Bürgerrechten im Internet&#8217;, scheint man mir jetzt schon hoffnungslos auf der Verliererseite zu sein. Derzeit gilt eher: Erlaubt ist, was technisch möglich ist und der Durchsetzung von Macht nützt. Demgegenüber klingen die Versuche eines Netzdiskurses mit den Zielen eines positiven Leitbildes, der Intensivierung digitaler Informationsverarbeitung für mehr Wissen und Kultur (Code für Deutschland) zwar begrüßenswert, aber fast hoffnungslos utopisch.</p>
<div id="attachment_2138" class="wp-caption aligncenter" style="width: 570px"><a href="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/562x329px-Heidelberg-Tiegel-Deutsches-Museum.jpg"><img class="size-full wp-image-2138" alt="Heidelberger Tiegeldruckpresse (Wikipedia)" src="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/562x329px-Heidelberg-Tiegel-Deutsches-Museum.jpg" width="560" height="329" /></a><p class="wp-caption-text">Heidelberger Tiegeldruckpresse (Wikipedia)</p></div>
<p>Angesichts der aktuellen Entwicklungen des Netzes, nämlich der Zunahme effektiver staatlicher Kontrollmaßnahmen und der Optimierung der privat-ökonomischen Nutzung zur Gewinnmaximierung, ist es schwer, weiterhin an die Freiheit des Netzes zu glauben und auf die emanzipatorischen Möglichkeiten der Ausweitung von Kultur und Wissen zu setzen. Vielleicht gelingt das dennoch entgegen dem Trend, aber wenn, dann wohl nur als Nische, als eine Begleiterscheinung, so wie es der Kultur immer eigen war. Oftmals wird die &#8220;Revolution&#8221; der Entwicklung des Internets mit der Erfindung des Buchdrucks verglichen. Ich hielt das schon immer für schief, und heute erst recht. Das Buch hat eine bleibende, unausrottbar emanzipative Funktion: Lesen können und ein Druckwerk ohne weitere Zugriffsmöglichkeit verteilen oder bei sich behalten zu können ist der eigentliche &#8220;Kontrollverlust&#8221; der Mächtigen. In Zeiten der Totalüberwachung des Internets dürfte die Drucktechnik erst recht ihren freiheitlichen, subversiven Charakter behalten. Nicht wenn das Internet kontrolliert wird, sondern wenn der Buchdruck verboten wird, erst dann ist es mit der Freiheit des Denkens und Redens vorbei. Internetseiten können gesperrt, eBooks zurück gezogen und Online-Zeitungen vom Netz genommen werden. Vielleicht werden wir uns noch einmal nach dem gedruckten Buch und nach der knisternden (Untergrund-) Zeitung sehnen.</p>
<p>Mein Plädoyer ist also weiterhin für Nüchternheit: Chancen nutzen, auch wenn sie klein sind, Gegenbewegungen (&#8220;Netzfreiheit&#8221; als heutige Form der &#8220;Redefreiheit&#8221;) fördern, Netz-Bildung und Bildung im Netz ermöglichen und Datenschutz nachdrücklich anmahnen. Aber zugleich auch: Sich der Totalüberwachung und der Allgegenwart der Netzkontrolle bewusst sein, sich dem entziehen lernen z.B. durch Abschalten (des Smartphones!), der anhaltenden Pflege &#8220;analoger&#8221; Strukturen des Wissens und des Meinungsaustausches, nämlich des persönlichen Gesprächs und des gedruckten Wortes. In diesem Wissen liegt Macht.</p>
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		<title>Die Vergangenheit der Nation</title>
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		<pubDate>Sun, 05 May 2013 08:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhart Gruhn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Nation]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalstaat]]></category>
		<category><![CDATA[UNO]]></category>
		<category><![CDATA[Weltmacht]]></category>
		<category><![CDATA[Weltpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Fixierung der Gegenwart auf die Gegenwart ist oft erstaunlich. Die &#8220;Normativität des Faktischen&#8221; (Georg Jellinek) hat eine kaum hoch genug einzuschätzende Kraft. Allenfalls ein wenig in die Zukunft reicht der Blick, aber nur, soweit sie abzuschätzen ist. Und das ist nicht allzu weit. Karl Valentin wird bekanntlich die Äußerung zugeschrieben: &#8220;Prognosen sind schwierig, besonders <a href='http://publicopinia.de/?p=2114' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Fixierung der Gegenwart auf die Gegenwart ist oft erstaunlich. Die &#8220;Normativität des Faktischen&#8221; (<a title="Jellinek" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Jellinek" target="_blank">Georg Jellinek</a>) hat eine kaum hoch genug einzuschätzende Kraft. Allenfalls <strong>ein wenig</strong> in die Zukunft reicht der Blick, aber nur, soweit sie abzuschätzen ist. Und das ist nicht allzu weit. Karl Valentin wird bekanntlich die Äußerung zugeschrieben: &#8220;Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen&#8221;. Das Handeln im Alltag ist durchweg von recht kurzfristigen Überlegungen geleitet. Große Firmen denken sich gelegentlich langfristige Strategien aus, und die klappen allenfalls teilweise, siehe Valentin. Etwas anders liegt es bei Zielen, die man sich steckt, individuell wie generell. Über ihre Erreichbarkeit ist damit aber noch überhaupt nichts gesagt. Großer Elan im Blick auf die Zukunft ist stets von Wunschbildern geprägt. Dies alles gilt sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Letztere ist wahrscheinlich noch viel stärker auf Beharrung und Idealisierung fest gelegt.</p>
<p>Der Blick zurück in die Vergangenheit gilt als wenig verlockend, wenn es um gegenwärtiges Handeln geht. Selbst Erlebnisse von katastrophalen Ausmaßen verblassen spätestens in der nächstfolgenden Generation. Die politisch oft zitierte Aufforderung &#8220;Niemals vergessen!&#8221; ist durchweg von einem speziellen Bild einer bestimmten Vergangenheit geprägt und wird instrumentell im Blick auf gegenwärtige Ziele benutzt. Die Mahnung, nicht zu vergessen, sagt meist mehr über die Gegenwart dessen aus, der ein bestimmtes Bild der Vergangenheit beschwört, als über die Vergangenheit selbst. Das ist ein wesentlicher Grund dafür, dass &#8216;der Mensch&#8217; (sorry für diese Pauschalierung) so schrecklich wenig aus der Geschichte und so gar nichts aus der nahen Vergangenheit lernt. Der heutige Umgang mit dem Nationalsozialismus und den Weltkriegen ist davon nur vordergründig eine Ausnahme.</p>
<p>Ein Beispiel. Die gegenwärtigen globalen politischen Verhältnisse sind von Nationalstaaten geprägt. Die Basis stabiler (welt-) politischer Verhältnisse ist der geregelte Umgang der Staaten miteinander, und diese Staaten sind weitgehend national definiert. Die gesamte Idee der UNO beruht &#8211; nach dem gescheiterten Völkerbund &#8211; darauf, dass Nationalstaaten ihre Verhältnisse nach innen souverän (keine Einmischung) und nach außen gemäß dem Völkerrecht (also Nationenrecht) gestalten. Grenzen liegen ein für allemal fest. Ausnahmen (Kosovo) werden als solche deutlich gekennzeichnet und gerechtfertigt. Der Zusammenbruch der UdSSR verlief in weiten Teilen als eine verspätete Bildung von Nationalstaaten auf dem Territorium der UdSSR. In China wäre wohl Ähnliches zu erwarten, wenn es &#8211; aus welchen Gründen auch immer &#8211; zu seinem Zerfall der Zentralmacht käme, wie es schon so oft in der chinesischen Geschichte der Fall war. Im Grunde ist es die Globalisierung eines europäischen Modells: die Bildung von Staaten auf der Basis eines einheitlichen Staatsgebietes, Staatsvolkes und einer effektiven Staatsgewalt (dreifach Definition von Jellinek). Dieses Modell ist in Europa als Ergebnis Jahrhunderte langer Machtkämpfe und Revolutionen entstanden (vom dreißigjährigen Krieg ab 1618 über den Westfälischen Frieden 1648 und die Französische Revolution 1789 bis zum Wiener Kongress 1814/15). Die daraus erwachsenen Nationalstaaten wurden dann besonders auf dem Hintergrund der Erfahrungen zweier &#8220;Weltkriege&#8221; zu Blaupausen für die internationale Staatlichkeit, verfasst in der UNO, und der Ausbildung eines &#8220;Völkerrechts&#8221;, also eines Rechtes der Nationen. Das entsprach dem Bedürfnis nach internationaler und nationaler staatlicher Stabilität und ist bisher auch einigermaßen erfolgreich gewesen.</p>
<div id="attachment_2125" class="wp-caption aligncenter" style="width: 608px"><a href="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/Sede_de_la_ONU_NY_10-web.jpg"><img class="size-full wp-image-2125" alt="UN Building (wikiarchitectura)" src="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/Sede_de_la_ONU_NY_10-web.jpg" width="598" height="334" /></a><p class="wp-caption-text">UN Building (wikiarchitectura)</p></div>
<p>Das Problem steckt schon in der Definition des Begriffes &#8220;national&#8221;. Inwiefern sind die Deutschen (nur als Beispiel) eine Nation? Sprachlich würden auch die Österreicher dazu gehören und ein Teil der Schweizer &#8211; die alte Idee eines &#8220;Großdeutschland&#8221; wurde bekanntlich zuletzt von Nazi-Deutschland gewaltsam durchexerziert. Aber schon die Reichsgründung 1871 bezog sich auf eine nationalstaatliche Lösung, die unter der Dominanz Preußens einige Kleinstaaten (deutsche Fürstentümer) und sogar das Königreich Bayern integrierte. Das geschah also keineswegs auf der Grundlage eines klaren Nation-Begriffes, sondern aus machtpolitischen Zweckmäßigkeiten und ambivalenten Möglichkeiten. Die Zweistaatlichkeit (1949 &#8211; 1989) auf dem Boden des ehemaligen Deutschen Reiches entsprach viel eher früheren geschichtlichen Erfahrungen. Wie schwierig auch unter anderen europäischen Nationalstaaten die Definition des Staatsvolkes auf nationaler Basis ist, zeigen einerseits die nationalen Minderheiten (zum Beispiel die Basken) wie auch die nationalen Eigenständigkeiten selbst unter dem Dach einer konstitutionellen Monarchie (Great Britain aus England, Schottland, Wales und überseeischen Gebieten). Zuletzt hat auf mitteleuropäischem Boden der Zerfall Jugoslawiens in zerbröckelte Nationalstaaten zu Krieg und instabilen Verhältnissen geführt bis auf diesen Tag. Normal, &#8216;natürlich&#8217;, unveränderlich ist da gar nichts. Die Beispiele aus Indien (Trennung Bangladeschs 1971), Indochina (Vietnam) und erst recht Afrika (Somalia) lassen sich leicht ergänzen. Nationalstaatlichkeit ist offenbar <strong>keine</strong> allgemein gültige Gegebenheit mit Ewigkeitswert. Der Streit über Minderheiten, Sprachen, Kulturen inklusive unterschiedliche Religionen haben Nationalstaaten heutiger Prägung immer wieder zu einem Pulverfass gemacht. Es sind meist nicht mehr als momentan &#8216;eingefrorene&#8217; Staatlichkeiten aufgrund konkreter veränderlicher Machtverhältnisse.  Aktuelles Beispiel: Syrien. Es gibt übrigens auch keinerlei Gewähr, dass es sich in Europa im Prinzip anders verhält. Nichts ist hier sicher und von Ewigkeitswert, ganz gewiss auch nicht durch den Euro.</p>
<p>Große Reiche waren in der Vergangenheit stets &#8220;Vielvölkerstaaten&#8221;, d.h. Staatsgebilde, deren konstitutives Element nicht eine Nation (nicht einmal den Begriff gab es), sondern die Machtausübung einer bestimmten aristokratischen Herrschaftsgruppe / Clan war. Das gilt noch bis zum Osmanischen Reich und ebenso für die habsburgische &#8220;Donaumonarchie&#8221; Maria Theresias. Die Probleme und das Ende dieses letzten Vielvölkerstaates auf europäischem Boden sind eng mit dem Entstehen des Nationalismus verbunden. Aber auch ganz andere Staatsgebilde wie die griechischen Poleis waren keineswegs auf einer Nation aufgebaut, sondern eben auf die Lebens- und Wirtschaftsform einer Stadtkultur. Nicht einmal das Recht musste in einem Staatsgebiet einheitlich sein. Für die Ostgoten (Theoderich) in Italien galt stets deren eigenes Recht nur für die eigenen Leute, während die eroberte Region ihr altes Recht behielt. Was hieß überhaupt &#8216;Eroberung&#8217;? Zunächst Plünderung und dann Tributpflicht als Anerkennung der neuen Oberherrschaft. So jedenfalls hielten es die &#8216;Römer&#8217; in ihren Reichen. Interessant ist insbesondere bei den Römern, dass im Verlauf des Römischen Reiches die &#8220;Romanitas&#8221; immer stärker als Idee und viel weniger als Volks- oder Herkunftsbezeichnung verstanden wurde. Die meisten römischen Kaiser vor allem der Spätzeit waren mitnichten &#8216;Römer&#8217; von Geburt. &#8211; Noch ein Hinweis auf die Vielfalt des <strong>Rechtes</strong>, die in einem Territorium gelten konnte: Im Mittelalter bis zur Neuzeit konnte in deutschen Ländern / Fürstentümern unterschiedliches Recht gelten: ein Hamburger, der in Köln vor Gericht stand, konnte nach hanseatischem Recht beurteilt zu werden beanspruchen. Erst unter Napoleon setzte sich ein einheitliches Recht für alle &#8220;Bürger&#8221; durch, der <a title="Code Napoleon" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Code_Napoleon" target="_blank">Code Napoleon</a> (Bürgerliches Recht und Strafrecht + weitere). In summa: Das, was uns als selbstverständliche Gegebenheit staatlicher Organisation erscheint, der Nationalstaat (selbst innerhalb der EU), ist weder selbstverständlich noch vorgegeben. Unsere heutige &#8216;Normal-Staatlichkeit&#8217; ist ebenso geschichtlich geworden und veränderlich wie alles Geschichtliche überhaupt. Insofern sind auch Nationalstaaten nur eine Episode.</p>
<p>Und was kommt danach? Multipolare, technokratische Großmacht-Staaten, wie in Ansätzen die USA, China und &#8211; mit Einschränkung &#8211; in Russland, Indien, Brasilien? Zerfall der bisherigen Nationalstaaten in kleinere quasi staatliche Verbände von Volksgruppen bzw. Machteliten (Afrika, aber auch Spanien, Balkan, Kaukasus, EU)? Neuartige Hypermacht-Kontrollorganisationen, die ein technisch geschlossenes System informeller Herrschaft etablieren (weit entwickelte Ansätze dazu im US-Einreiseverfahren und dem Datenaustausch mit ähnlichen Verfahren in Europa (geplant) und Australien; weltweites &#8220;Homeland Security Office&#8221;; ebenso die Totalüberwachung des Netzes und dadurch der Menschen in China)? Tendenzen zu einer neuen antagonistischen Dualität von &#8220;Cyber-Gov&#8217;s&#8221; in Washington und Peking, dem sich der Rest der Welt entweder unterordnet oder chaotisch-terroristisch entzieht? Nobody knows. Was immer sich entwickeln wird, welche neuen machtpolitischen Konstellationen Bedeutung erlangen, inwiefern neue Technologien zu neuen effektiveren Formen von Dominanz und Herrschaft führen werden, ist offen. Ob auch die freiheitliche Demokratie westlichen Zuschnitts nur eine weltgeschichtliche Episode bleibt, ist ebenfalls offen, aber nicht unwahrscheinlich. Demokratisch verfasste Nationalstaaten leiden an einer doppelten historischen Relativität: westlich-demokratisch und national zu sein. Soviel ist sicher: Die Welt der Staaten, so wie sie heute ist und Ewigkeitswert beansprucht, ist nur eine Übergangsform aufgrund der besonderen politischen Konstellationen nach 1945. Das ist lange her. Umso wahrscheinlicher, dass sich etwas Neues ankündigt.</p>
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		<title>Ein zweibeinig federlos Geschöpf</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Apr 2013 10:19:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhart Gruhn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Dualismus]]></category>
		<category><![CDATA[Emergenz]]></category>
		<category><![CDATA[Physikalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Qualia]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Mensch sei &#8220;ein zweibeiniges, federloses Geschöpf&#8221;, so habe Platon gesagt. Diogenes habe ihm daraufhin einen gerupften Hahn vorgehalten, das sei also Platons Mensch. Dieser habe dann ergänzt, &#8220;mit platten Nägeln&#8221;, was aber auch nicht ganz überzeugte, zumal in dieser Ergänzung ein Wortspiel mit dem Namen Platons enthalten war. Also wurde korrigierend noch einmal erweitert <a href='http://publicopinia.de/?p=2095' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Mensch sei &#8220;ein zweibeiniges, federloses Geschöpf&#8221;, so habe Platon gesagt. Diogenes habe ihm daraufhin einen gerupften Hahn vorgehalten, das sei also Platons Mensch. Dieser habe dann ergänzt, &#8220;mit platten Nägeln&#8221;, was aber auch nicht ganz überzeugte, zumal in dieser Ergänzung ein Wortspiel mit dem Namen Platons enthalten war. Also wurde korrigierend noch einmal erweitert &#8220;der Vernunft und Wissenschaft teilhaftig&#8221; &#8211; und damit haben wir den Salat. Auch wenn dieser aus kynischer Tradition überlieferte Wortwechsel zwischen Platon und Diogenes wohl nur legendarischen Charakter hat (eine entsprechende &#8216;Definition&#8217; findet sich nirgendwo in den Werken Platons, 1), so ist sie zumindest gut erfunden, macht sie doch genau das Problem deutlich: Was zeichnet den Menschen gegenüber den übrigen Lebewesen, insbesondere den Tieren, aus?</p>
<p>&#8220;Was ist der Mensch?&#8221; Diese Grundfrage hat insbesondere die Philosophie zu allen Zeiten beschäftigt. Sie liegt aber auch aller Wissenschaft unausgesprochen zugrunde, wenn man durch Forschung und Wissen Aufschluss zu erhalten sucht über das, was einen selbst und die gesamte &#8220;Welt im Innersten zusammen hält&#8221;. Nun gut, könnte man meinen, da haben doch Biologie, Chemie, Physik, Medizin, aber auch Metaphysik, Anthropologie und nicht zuletzt die Überlieferung der Religionen einiges zusammengetragen. Besonders die neuzeitlichen Naturwissenschaften (<em>science</em>) haben inzwischen recht genau analysiert, wie sich der Mensch evolutionär entwickelt hat und wie er daraufhin physiologisch zu beschreiben ist. Die Neurowissenschaften bemächtigen sich derzeit mit erstaunlichen Fortschritten des menschlichen Gehirns, um seine basalen Zustände und Funktionsweisen zu erklären. Wenn auch längst noch nicht alles an und in unserem Gehirn verstanden ist, so kann man doch getrost davon ausgehen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch die letzten Lücken geschlossen und neurophysiologisch und kognitionswissenschaftlich erkannt und verstanden sein werden. Die Frage ist nur: Hat man dann auch &#8220;automatisch&#8221; die Frage beantwortet, was der Mensch eigentlich als besonderes Wesen ist? Wie steht es mit dem erklärenden Zusatz &#8220;der Vernunft teilhaftig&#8221;? Kurz &#8211; was hat es mit dem Geist des Menschen auf sich?</p>
<p>Da haben wir den Salat deswegen, weil über die Beantwortung der Frage nach dem Geist, nach den mentalen Fähigkeiten und &#8220;mentalen Phänomenen&#8221;, unter den Wissenschaftlern und Philosophen allergrößte Uneinigkeit besteht. Und es kann hierbei auch keineswegs die Zuversicht geben, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis auch darüber Einvernehmen hergestellt ist. Das Problem beginnt schon bei der näheren Bestimmung des zu untersuchenden Gegenstandes &#8220;Geist&#8221;. Ist das Denkvermögen gemeint, der Verstand, die Vernunft, die Urteilskraft, die Logik? Ist das alles ein und dasselbe oder wodurch unterschieden? Ist es mehr die Fähigkeit, sich zu erinnern, sich etwas vorzustellen, zu planen, absichtsvoll zu handeln? Und wie verhält sich das Bewusstsein, zumal das &#8220;phänomenale Bewusstsein&#8221;, zum Bereich des Geistigen, insbesondere das Selbstbewusstsein? Oder ist es nur so etwas wie ein &#8220;Aggregatzustand&#8221; des Gehirns? Was ist mit Phantasie, Imagination, Intuition, und dann erst mit Empfindungen, Ahnungen, Gefühlen, die wir kennen und benennen? Was ist im Bereich des Geistigen das Objektive, was das Subjektive, oder ist schon diese Unterscheidung falsch? Was geschieht, wenn man die Frage &#8220;Was ist der Mensch&#8221; umformuliert zu der Frage &#8220;Wie fühlt es sich an, ein Mensch zu sein?&#8221;</p>
<div id="attachment_2102" class="wp-caption aligncenter" style="width: 650px"><a href="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/Vancouver-web640.jpg"><img class="size-full wp-image-2102" alt="Menschen - Bilder (Vancouver)" src="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/Vancouver-web640.jpg" width="640" height="369" /></a><p class="wp-caption-text">Menschen &#8211; Bilder (Vancouver)</p></div>
<p>Diese letzte Frage nimmt das etwas provokante Thema des US-amerikanischen Philosophen Thomas Nagel auf, der 1974 in einem berühmten <a title="What is it like to be a bat? Nagel" href="http://organizations.utep.edu/Portals/1475/nagel_bat.pdf" target="_blank">Aufsatz</a> fragte &#8220;What is it like to be a bat?&#8221;, was man übersetzen muss mit &#8220;Wie fühlt es sich an, eine Fledermaus zu sein?&#8221; Damit wurde mit einem Paukenschlag die bis heute andauernde Diskussion um die &#8220;Qualia&#8221; eröffnet, die, wie die einen meinen, sich jedem pysikalischen Reduktionismus entziehen, was die &#8220;Reduktionisten&#8221; oder &#8220;Emergentisten&#8221; energisch bestreiten &#8211; mit einer Vielzahl an differenzierenden Zwischenpositionen. Qualia (Plural, Singular: Quale, abgekürzt für &#8220;mentale Qualitäten&#8221; bzw. Qualitäten des phänomenalen Bewusstseins), scheinen sich einer biophysischen oder neurologischen Erklärung zu entziehen. Zwar kann man exakt angeben, was es elektrodynamisch und neurophysiologisch bedeutet, die Farbe Rot zu sehen, also zu beschreiben, welcher Vorgang beim Auftreffen des Lichtes auf die Zäpfchen in der Retina ausgelöst wird und schließlich an einer bestimmten Stelle optischer Wahrnehmung im Gehirn ankommt und &#8220;verarbeitet&#8221; wird, man kann also erklären, was passiert, wenn man Rot sieht, aber damit, so die entscheidende Zuspitzung, ist noch längst nicht gesagt, wie es sich im Innern des Sehenden anfühlt, rot zu sehen. Ebenso kann man alle Funktionen und Eigenschaften einer Fledermaus genauestens beschreiben bis hin zu einem denkbaren molekularen Nachbau (Kopie) eines solchen Tieres, ohne je zu wissen, wie es sich als Fledermaus anfühlt, eben eine Fledermaus und nicht ein Mensch oder sonst ein anderes Lebewesen zu sein. Wenn man sich in dieses Problem vertiefen will, tun sich einem Bücherschränke an Literatur aus den jüngst vergangenen Jahrzehnten auf. An der Charakterisierung dieser Qualia scheint so viel zu hängen, weil man darin einen irreduziblen &#8220;Rest&#8221; einer rein mentalen Fähigkeit erkennen will, die nicht von einem physikalischen Zustand verursacht ist. Hier scheinen also die hehren Retter der Unabhängigkeit des Geistes gegen die plumpen Naturwissenschaftler und Physikalisten zu stehen.</p>
<p>Ich betone &#8220;scheinen&#8221;, denn beim näheren Hinsehen sind auch die monistischen Positionen (im Gegensatz zu den Dualisten) weder plump noch geistesfremd. Es ist doch in der Tat die Frage, ob wir bei der Beschreibung dessen, was uns wissenschaftlich erkennbar ist, von einem einheitlichen, in sich kausal geschlossenen Weltbild ausgehen wollen, oder ob wir zwei verschiedene Ontologien, eine physikalische und eine geistige, meta-physische (darum Dualismus) behaupten wollen. Fragt man sich nun, warum der ganze Terz, ist das denn so wichtig? Kann man nicht einfach von zwei unterschiedlichen Wirklichkeiten (Ontologie = Seinslehre) ausgehen, wenn  einem eine einzige &#8220;rein&#8221; physikalische nicht auszureichen scheint? Das Problem ist dann nur anzugeben, wie sich diese beiden Seinsweisen denn aufeinander beziehen, da sie doch im Menschen offenkundig gemeinsam versammelt sind. Damit sind wir flugs bei Platon, Aristoteteles, und und und. Will man aber ein einheitliches &#8220;konsistentes&#8221; Weltbild zugrunde legen, wie es die naturwissenschaftliche Forschung de facto tut, dann bekommt man spätestens dann Schwierigkeiten, wenn  man die besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten beschreiben (um nicht zu sagen erklären) will, die für unverwechselbare Kennzeichen des Geistigen gehalten werden: Selbstbewusstsein, Erleben, Empfindung, Intuition, &#8211; von all dem, was man unter &#8220;Mystik&#8221; zusammen fasst, einmal ganz zu schweigen. Woher kommt &#8220;Neues&#8221; in die Welt? Was ist (nicht nur künstlerische) Kreativität? Wie verhält sich die Sprache zu unserer Erkenntnisfähigkeit? Wie soll man denjenigen Bereich des menschlichen Daseins verstehen, den <a title="Karl Popper Welt 3" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Raimund_Popper#.E2.80.9EDrei-Welten-Theorie.E2.80.9C" target="_blank">Karl Popper </a>so schön als &#8220;Welt 3&#8243; kategorisiert, womit er die Welt geistiger &#8220;Gegenstände&#8221; (Gedanken, Ideen, Kultur) meint? Kann ich das alles im Ursprung &#8220;reduktionistisch&#8221; auf biophysische Vorgänge zurück führen, und wenn ja, was würde das genau bedeuten? Reduktion heißt ja nicht, verschwinden lassen, es bedeutet vielmehr eine Rückführung oder besser Verknüpfung der Erklärung und des Verstehens auf basale oder wenigstens vorgängige Strukturen und Funktionen, die unsere Welt, belebt und unbelebt, im Ganzen bestimmen und die wir unter anderem als Naturgesetze kennen. Dem unterliegt der Mensch doch auch sonst. Da kommen dann Begriffe wie Emergenz, Supervenienz und Epiphänomenalismus zur Geltung, die genau einen positiv gefüllten Begriff einer physikalistischen, monistischen Ontologie entfalten und erweitern wollen. Allein diese drei Begriffe zu erklären würde schon wieder einen längeren Aufsatz erfordern. Der Hinweis auf sie mag hier anzeigen, dass auch auf der Basis eines nicht-dualistischen Weltbildes die Dinge keineswegs einfacher liegen, als sie sich vermeintlich aus dualistischer Perspektive ergeben.</p>
<p>Eines allerdings, und darin sind sich fast alle Gegenwartsphilosophen einig, ist &#8216;verbotenes Land&#8217;, zumindest vermintes Gebiete: die Metaphysik, gerne mit dem Adjektiv &#8220;traditionell&#8221; versehen. Alle bisher beschriebenen Bemühungen sind in dem Bereich der Philosophie angesiedelt, den man als &#8220;analytisch&#8221; bezeichnet, mit oder ohne  &#8221;linguistic turn&#8221;. Die analytische Philosophie wollte und will sich als Alternative zu metaphysischen Spekulationen anbieten, die man zum Beispiel im Deutschen Idealismus kulminieren und zu überwinden sieht. Ganz klar, zu Hegel &amp; Co. gibt es kein zurück, und das ist auch gut so &#8211; aus meiner Sicht. Aber die Verheißungen der analytischen Philosophie, die Phänomene von Geist und &#8216;Sinn&#8217; einfacher, klarer und konsistenter zu beschreiben und zu verstehen, haben sich definitiv <strong>nicht</strong> erfüllt, fast möchte man sagen: eher im Gegenteil. Aber wenn auch neben vielen sehr guten Ergebnissen (wie die genauere Bestimmung von Qualia, Emergenz, Supervenienz, epistemischer oder nomologischer Ontologie und vielem anderen mehr) auch Abwege und Sackgassen deutlich werden, so ist damit auch viel gewonnen. Mir scheint besonders die extensive Diskussion der Qualia inzwischen in einem unergiebigen Abseits gelandet zu sein. In der Verlagsbeschreibung eines neueren Buches von Michael <a title="Michael Pauen, 2007" href="http://www.amazon.de/Begriff-Erkl%C3%A4rung-Bewusstsein-Beitr%C3%A4ge-Qualia-Problem/dp/3897853957/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1367047522&amp;sr=1-1&amp;keywords=Pauen%2C+ph%C3%A4nomenales+Bewusstsein" target="_blank">Pauen</a> zum Thema Qualia heißt es sehr schön:</p>
<blockquote><p>Wie kann das phänomenale Bewusstsein in unser naturwissenschaftliches Weltbild integriert werden, wenn doch, wie viele Philosophen des Geistes heute glauben, auch seine Abwesenheit mit allen naturwissenschaftlichen Tatsachen logisch vereinbar ist? Hier haben sich in der jüngsten Diskussion zwei Strategien heraus kristallisiert: Erstens die Strategie der phänomenalen Begriffe, derzufolge die explanatorischen Rätsel des phänomenalen Bewusstseins nichts mit einer ontologischen Kluft zwischen dem Physischen und dem Phänomenalen zu tun haben, sondern sich allein aus den Besonderheiten unserer phänomenalen Begriffe ergeben. Zweitens die Strategie des verfehlten Erklärungsmodells, derzufolge die gegenwärtigen Schwierigkeiten mit reduktiven Erklärungen phänomenaler Eigenschaften nichts mit unerklärbaren Besonderheiten des Bewusstseins zu tun haben, sondern einfach mit falschen Vorstellungen darüber, wie reduktive Erklärungen funktionieren.</p></blockquote>
<p>Ja, an &#8220;verfehlten Erklärungsmodellen&#8221; könnten viele der genannten Probleme wirklich liegen. Es geht also wieder einmal darum, die Spreu vom Weizen zu trennen. Und dazu war in der Philosophie oft genug Anlass und ist immer eine besondere Anstrengung nötig.</p>
<p>Was also ist der Mensch, dieses &#8220;zweibeinig federlos Geschöpf, plattnägelig, der Vernunft und Wissenschaft teilhaftig&#8221;? Spannende Frage. Wir werden dran bleiben müssen.</p>
<p>___________</p>
<p>1) siehe in Margaret Billerbeck (Hrg.), Die Kyniker in der modernen Forschung, 1991, den Beitrag von C.W. Goettling, Diogenes der Kyniker, S. 43 (<a title="Google books" href="http://books.google.de/books?id=LD22r6_3nMkC&amp;pg=PA43&amp;lpg=PA43&amp;dq=mensch+zweibeinig&amp;source=bl&amp;ots=XYrZAIXM4X&amp;sig=tHLo3RnDUjW8AglzrUTRoU6N2aM&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=fXl7UbDUK8bVtAaHhoDADA&amp;ved=0CGMQ6AEwBg#v=onepage&amp;q=mensch%20zweibeinig&amp;f=false" target="_blank">Google books</a>)</p>
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		<title>Zeiterscheinungen</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Apr 2013 09:04:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhart Gruhn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne]]></category>
		<category><![CDATA[Burn-out]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Individualität]]></category>
		<category><![CDATA[Komplexität]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist schwierig, die gegenwärtige Zeit in Gedanken zu fassen. Das liegt weniger daran, dass die Gegenwart so schwierig wäre, sondern verweist auf ein grundsätzliches Problem. Die unmittelbare Nähe und Distanzlosigkeit des Erlebens der jeweils aktuellen Zeit macht es nahezu unmöglich, in der Gegenwart etwas &#8220;objektiv&#8221; zu sehen, denn das hieße ja: aus der Distanz, <a href='http://publicopinia.de/?p=2075' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist schwierig, die gegenwärtige Zeit in Gedanken zu fassen. Das liegt weniger daran, dass die Gegenwart so schwierig wäre, sondern verweist auf ein grundsätzliches Problem. Die unmittelbare Nähe und Distanzlosigkeit des Erlebens der jeweils aktuellen Zeit macht es nahezu unmöglich, in der Gegenwart etwas &#8220;objektiv&#8221; zu sehen, denn das hieße ja: aus der Distanz, mit Abstand. &#8220;Mit Abstand von einigen Jahren&#8221; sieht bekanntlich alles ganz anders aus. Der subjektive Gesichtswinkel, aus dem heraus man jeweils seine Zeit wahr nimmt und beurteilt, ist ebenfalls unvermeidbar, solange die unmittelbare Mitbetroffenheit im Verlauf gegenwärtiger Ereignisse und Erscheinungen die neutrale Position aus der Perspektive eines Dritten unmöglich macht. Es ist das oft zitierte Problem, den Vogel aktuell im Fluge zu zeichnen. Ohne die Richtung und das Ziel zu kennen, ist das ein schier unmögliches Unterfangen. Völlig anders ist die Situation, wenn man die mediale Aufzeichnung desselben Vogelfluges betrachtet. Da ist dann jegliche Beschreibung und Analyse sehr leicht möglich, weil der Gesamtverlauf bekannt ist.</p>
<p>Wiewohl die Beurteilungen von Zeiterscheinungen also stets und prinzipiell schwierig sind, gibt es doch Dinge und Erscheinungen, deren &#8220;Gegenwart&#8221; sich bereits eine Zeit lang hin dehnt, die also rückblickend einen Verlauf aufweisen. Hier ist es schon leichter, zu Beurteilungen zu gelangen, da ihre jeweilige Gegenwart bereits einen Teil (naher) Vergangenheit und somit Distanz enthält. Offensichtlicher sind daneben solche Phänomene der Gegenwart, die sich leicht als Modeerscheinung, als &#8216;Hype&#8217;, erkennen lassen, weil sie vielfach medial verstärkt gleichsam von allen Dächern zugleich herab tönen und in vielen gesellschaftlichen Bereichen zugleich auftreten. Ihre mediale Verstärkung macht sie nur scheinbar übermächtig. Zwischen noch unklaren Ereignissen der Gegenwart mit ungewissem Ausgang und unsicherer Bedeutung einerseits und klar erkennbaren Modeerscheinungen der Alltagsöffentlichkeit andererseits liegen Trends. Trends können eine tatsächliche Richtung, ein wirkliches Gefälle (<em>&#8216;bias&#8217;</em>) der Entwicklung anzeigen, sie können aber auch ganz in die Irre gehen oder in eine Sackgasse führen. Da ist man erst hinterher schlauer. Wer einen &#8216;richtigen&#8217; Trend erkennt (zum Beispiel an den Börsen, in der kulturellen oder auch technologischen Entwicklung), gilt dann im Nachhinein als ein besonders schlauer oder genau analysierender Zeitgenosse, &#8211; dabei hat er wahrscheinlich in einem konkreten Fall nur Glück gehabt. Über erfolgreiche Trends wird berichtet, &#8211; falsch erkannte Trends werden schnell vergessen.</p>
<p>Mit dieser vorsichtigen Annäherung und durch Hinweis auf die möglichen inkludierten Schwierigkeiten einer Zeitbeschreibung möchte ich nun doch ein paar Beobachtungen über die Gegenwart aus versuchter Distanz heraus mitteilen. Es gibt eine Reihe von Dingen und Zuschreibungen, die zwar wieder und wieder geschrieben und verbreitet werden, die also so etwas wie eine öffentliche Übereinkunft über den Zustand der Gegenwart darstellen, die aber nichts desto weniger fragwürdig und bezweifelbar und also keineswegs selbstverständlich sind.</p>
<p>Ein Beispiel ist die Aussage, die gegenwärtige Zeit sei besonders &#8220;beschleunigt&#8221;. Das bezieht sich dann auf gesellschaftliche Veränderungen einerseits und auf technologische  Entwicklungen andererseits. Oft wird die Feststellung einer Beschleunigung auch mit dem Hinweis auf die Hektik des Alltags begründet. Das aus meiner Sicht einzig konkret fassbare Datum (=Gegebene) aber ist die zunehmende Verdichtung von mancherlei Arbeits- und Produktionsprozessen. Hier ist die Aussage einer Beschleunigung sicher zutreffend. Ob das aber im Blick auf das Leben insgesamt gilt, ist für mich eher zweifelhaft. Konkrete Alltagsbeobachtungen sprechen eher dagegen. Ob man sich gerne in jeden Trubel stürzt und möglichst viel mit bekommen will oder ob man bedächtiger und behutsamer Schritt für Schritt an Dinge und Entscheidungen heran geht, ist eine Frage der persönlichen Einstellung, der Mentalität. Die angeblich so verbreitete Beschleunigung der Lebensverhältnisse und ihrer Veränderungen besteht zum einen aus der Verwechslung von Beschleunigung mit selbst induzierter Hektik (man macht sich Stress) vermittels übersteigerter Ansprüche, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu erleben, zum anderen darin, dass der erlebnishafte Vergleich mit der Vergangenheit fehlt. Liest man zeitgenössische Berichte zum Beispiel aus den &#8220;goldenen Zwanzigern&#8221; des vorigen Jahrhunderts in Berlin, so ist die Klage oder Freude über eine übergroße Hektik (&#8220;Jubel, Trubel, Heiterkeit&#8221;) kaum zu übersehen. So neu scheint das Phänomen der Beschleunigung also gar nicht zu sein. Dass die jeweilige Zeit hektisch und überstürzt sei, wurde eigentlich zu vielen Zeiten gesagt (vgl. Renaissance). Darüber hinaus zeigt uns die Sozialforschung, dass sich Einstellungen und Mentalitäten nur sehr allmählich, im Grunde nur von Generation zu Generation wirklich ändern und verschieben. Was also ist heute so &#8220;beschleunigt&#8221;?</p>
<div id="attachment_2081" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/Times-Square-New-York-City-United-States-web.jpg"><img class="size-full wp-image-2081" alt="Times Square NY" src="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/Times-Square-New-York-City-United-States-web.jpg" width="680" height="312" /></a><p class="wp-caption-text">Times Square NYC</p></div>
<p>Am ehesten scheint das auf die technologischen Entwicklungen zuzutreffen. Die Taktzahl der allfälligen Neuerscheinungen hat sich gewaltig erhöht; alle halbe Jahr gibt es neue technische Geräte, insbesondere im Bereich von Medien und Kommunikation (Handys!). Doch marktgetriebene Neuerungen sind selten eine wirkliche Beschleunigung, entpuppen sich doch die meisten Neuheiten als nur geringfügig verbesserte Altversionen. Auch technologische Entwicklungsschübe bleiben weitaus seltener, als es die medialen p<em>romotions</em> (PR!) glauben machen. Wie das Automobil in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts <strong>die</strong> künftige Entwicklungen verändernde und bestimmende Neuerung war, so dürfte wohl die Verbreitung des Mediums <strong>Internet</strong> zu den wegweisenden Neuerungen dieses Jahrhunderts gehören. Ein neues iPhone allerdings macht wie eine Schwalbe noch längst keinen &#8216;beschleunigten&#8217; Sommer. In diesem Sinne sind konsumorientierte Neuheiten eigentlich nichts, was eine Beschleunigung des Lebens des Einzelnen bewirken könnte. Auch hier zeigt sich beim näheren Hinsehen, dass sich Verbraucherverhalten nur sehr allmählich ändert und auf neue Verhältnisse einstellt. Hier muss man manche &#8220;Internetfuzzis&#8221; bei aller Begeisterung einfach mal auf den Boden der Tatsachen zurück holen.</p>
<p>Ein anderes Phänomen ist der Burn-Out. Unter Medizinern ist es nach wie vor umstritten, ob es sich dabei um ein eigenes Krankheitsbild handelt, und wenn ja, um welches, oder ob es sich um eine unscharfe Bezeichnung für ein Art von Depressionen oder depressivem Verhalten handelt. Schaut man in die Medien, bekommt man allerdings den Eindruck, es handele sich um eine neue Volksseuche. Nun ja, vor einhundertfünfzig Jahren gehörte es in der Damenwelt zum guten Ton, regelmäßig in Ohnmacht zu fallen. Mir scheint das, was man mit Burn-out-Syndrom bezeichnet, eher ein symptomatischer Ausdruck für ein Gefühl der Selbstüberforderung zu sein. Die kann natürlich auch handfeste klinische Befunde verursachen. Die Leidenserfahrung Betroffener will ich weder klein reden noch ignorieren. Nur könnten die Ursachen und Zusammenhänge von anderer Art sein, als es die &#8220;Modekrankheit&#8221; Burn-Out anzeigt. Das Ausgebranntsein hat zwar auch etwas mit Selbstüberschätzung bzw. Selbstüberforderung zu tun, vor allem aber verweist es auf eine Desorientierung und vielleicht sogar Desillusionierung innerhalb der umgebenden Lebenswelt.</p>
<p>Damit kommen wir zu einem dritten Bereich, der als letztes Beispiel dienen soll. Es handelt sich um die viel beschworene zunehmende Komplexität unserer Gesellschaft und Lebensverhältnisse. Dabei ist es zunächst einmal gleichgültig, ob diese Zunahme der Komplexität real abbildbar ist, oder ob sie als solche lediglich erlebt wird. Letzteres ist offenkundig der Fall, bei Ersterem bin ich mir nicht so sicher. Meine These ist dabei, dass es weniger die objektiven Verhältnisse unseres Lebens sind, die so viel &#8216;komplexer&#8217; geworden sind, als vielmehr die Art und Weise, wie wir mit den Gegebenheiten und Zufälligkeiten der Ereignisse des Lebens umgehen. Leben ist immer und an sich von großen Zufälligkeiten und überraschenden Veränderungen geprägt, eine Allerweltsweisheit. Dem sollten in früheren, zum Beispiel eher ständisch organisierten Gesellschaften, klare Orientierungsrahmen entgegenwirken, die als Lebensordnungen bestimmten Werten folgten und einigermaßen klare Verhaltensweisen in den Unfällen des Lebens ermöglichten. Der Aufbruch in eine offene Gesellschaft der individuellen Freiheit, der Auswahl eigener Werte ohne vorgegebenes Wertesystem, die zunehmende Eigenverantwortlichkeit für die Gestaltung des eigenen Lebensverlaufs, sind große neuzeitliche Errungenschaften für die Selbstwerdung als freie Person, werden aber mit einem Verlust an selbstverständlicher Stabilität und Systemorientierung  erkauft. Ein guter Teil dessen, was heute als Zunahme objektiver Komplexität beschrieben wird, ist viel mehr der subjektiven Seite des Umgangs mit stets unsicheren und wechselhaften Lebensverhältnissen zuzuschreiben. Wenn es keine oder kaum selbstverständliche Verhaltensweisen im Umgang mit den Zufälligkeiten und Wechselfällen des Lebens gibt, muss sich jeder einzelne stets aufs Neue damit für sich auseinandersetzen und einen Ausweg finden. Das ist der Preis der Freiheit, der Offenheit und der Individualisierung unserer Lebensverhältnisse. Wer sie nicht missen möchte (ich gehöre jedenfalls dazu), muss damit leben, dass die Verhältnisse und Gegebenheiten jeweils eine eigene Entscheidung erfordern, dass eigene Werte und Verbindlichkeiten gesucht und freiwillig befolgt werden wollen und dass diese Freiheit und Offenheit in unserer modernen Gesellschaft der Individuen eben auch anstregend sein kann. Sich Übersicht zu verschaffen über die eigenen Lebensumstände und Ziele und hierbei eigene Prioritäten zu setzen fernab von gesellschaftlich verbindlichen Konventionen muss erlernt und geübt werden. Was Wunder, wenn sich da bisweilen das Gefühl der Überforderung und der &#8220;Überkomplexität&#8221; der Lebensverhältnisse breit macht. Die offene Gesellschaft freier Individuen in der modernen Zeit (<em>&#8220;everything goes&#8221;</em>) gibt es tatsächlich nicht zum Nulltarif.</p>
<p>Dies sind nur einige Aspekte der Betrachtung unserer Gegenwart. Vor allem was den Blick auf die Entwicklung der modernen Gesellschaft betrifft,  ist hier nur ein einziger, wenngleich grundsätzlicher Aspekt genannt worden. Selbstverständlich sind die politischen Verhältnisse, Machtstrukturen, kulturelle Bindungen und Verflechtungen, globalisierte Entwicklungen usw. usw. in eine genauere Analyse einzubeziehen. Hier geht es nur um einige Beobachtungen und Anregungen, die gegenwärtige Zeit und einige ihrer Entwicklungen ruhig in den Blick zu nehmen. Das Bild ließe sich um viele Aspekte ergänzen, erweitern, korrigieren. Nur der Versuch der vorsichtigen Distanzierung (Abstand gewinnen) kann hierbei weiter helfen.</p>
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		<title>Fundamentalismus als Antimoderne</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Apr 2013 08:56:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhart Gruhn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Fundamentalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Antimoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Bielefeld]]></category>
		<category><![CDATA[Forum Offene Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne]]></category>
		<category><![CDATA[Sekten]]></category>

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		<description><![CDATA[In einem Vortrag des Forums Offene Wissenschaft der Uni Bielefeld sprach der linke Altmeister der deutschen Politologen Arno Klönne zum Thema &#8220;Christliche Fundamentalisten in Deutschland &#8211; Konsequenzen des Abschieds von der Volkskirche&#8221;. Er legte dar, wie die wachsende Zahl &#8220;fundamentalistischer&#8221; Gruppierungen innerhalb und außerhalb der christlichen Großorganisationen (evangelische und katholische &#8220;Volkskirchen&#8221;) als eine Reaktion auf <a href='http://publicopinia.de/?p=2051' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In einem Vortrag des <a title="Forum Offene Wissenschaft" href="http://www.uni-bielefeld.de/forum/" target="_blank">Forums Offene Wissenschaft der Uni Bielefeld </a>sprach der linke Altmeister der deutschen Politologen Arno Klönne zum Thema &#8220;Christliche Fundamentalisten in Deutschland &#8211; Konsequenzen des Abschieds von der Volkskirche&#8221;. Er legte dar, wie die wachsende Zahl &#8220;fundamentalistischer&#8221; Gruppierungen innerhalb und außerhalb der christlichen Großorganisationen (evangelische und katholische &#8220;Volkskirchen&#8221;) als eine Reaktion auf die Moderne, nämlich als deren Ablehnung und Abwendung von ihr, verstanden werden kann. Dabei unterstrich Klönne, dass der Begriff &#8220;Fundamentalismus&#8221; recht unscharf gebraucht und oftmals mit Terrorismus verbunden werde und darum näher bestimmt werden müsse. Er markierte vier Kennzeichen christlich-fundamentalistischer Gruppen und Strömungen:</p>
<ol>
<li><span style="font-size: 14px; line-height: 19px;">Enthistorisierung des eigenen Weltbildes</span></li>
<li><span style="font-size: 14px; line-height: 19px;">Abkehr vom pluralistischen Wertesystem</span></li>
<li><span style="font-size: 14px; line-height: 19px;">Unfähigkeit zum Dialog</span></li>
<li><span style="font-size: 14px; line-height: 19px;">Aggressiver Hang zur &#8220;Missionierung&#8221;</span></li>
</ol>
<p style="padding-left: 30px;">1. Enthistorisierung meint, dass die eigenen Glaubensinhalte und Wertvorstellungen, die das jeweilige religiöse Weltbild prägen, als unverrückbar und dem historischen Wandel entzogen gelten. Die eigenen Glaubensaussagen werden entweltlicht und haben quasi Ewigkeitscharakter. Dementsprechend sind auch die Wertvorstellungen unhinterfragbar vorgegeben, zum Beispiel in der Familienethik oder Sexualmoral.</p>
<p style="padding-left: 30px;">2. Dieser Herauslösung der eigenen Glaubensinhalte und Wertvorstellungen aus dem Fluss des geschichtlichen Wandels hypostasiert diese zu über- oder ungeschichtlichen Größen. Sie sind damit auch der gemeinschaftlichen Diskussion oder auch der gesellschaftlichen Kommunikation entzogen. Es geht allenfalls um die zeit- und situationsgerechte Anwendung dieser unverrückbaren Wahrheiten. Gleichrangige andere Glaubens- und Wertsysteme sind damit undenkbar geworden. Die eigenen Glaubensinhalte und Wertsysteme werden zur ewigen Wahrheit erklärt, die aus pluralistischen Denk- und Lebensweisen heraus fallen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">3. Aus dieser hochgradigen Selbstbezogenheit und Selbstgewissheit, im Besitz der allein richtigen und unwandelbaren Wahrheit zu sein, ergibt sich die Unfähigkeit zum Dialog. Ein Gespräch mit Andersgläubigen (auch &#8216;andersgläubigen&#8217; Christen und Mitgliedern der eigenen Kirchen) kann nur nach taktischen Gesichtspunkten erfolgen, um den &#8220;Dialogpartner&#8221; für sich zu gewinnen. Der eigene Standpunkt steht dabei niemals ernsthaft zur Disposition. So wird das Gespräch letztlich nur monologisch geführt unter der taktischen Hülle eines &#8220;Dialogs&#8221;.</p>
<p style="padding-left: 30px;">4. Glaubt man sich selber im Besitz letztgültiger Wahrheiten, eingeschlossen in vorgegebenen Glaubensgrundlagen und Grundsätzen (Fundamenten), dann kann sich mit der eigenen Haltung ein massiver Drang zur Missionierung verbinden, um &#8220;die Welt&#8221; vom &#8220;falschen&#8221; Weg zu retten und die Anerkennung der Wahrheit und der Wirklichkeit der als allmächtig verehrten eigenen Gottheit zu erzwingen. Spätestens hier werden fundamentalistische Glaubensgruppen politisch bedeutsam.</p>
<p style="padding-left: 30px;">5. Zusammenfassend kann man diese so bestimmten &#8220;fundamentalistischen&#8221; Gruppierungen innerhalb und außerhalb der christlichen Großorganisationen als eine Reaktion auf den pluralistischen Wertewandel der Moderne begreifen und sie als antimodernistische Reaktion verstehen. Durch die Enthistorisierung allgemein gültiger Wahrheiten sieht man sich dem nivellierenden Wandel der Zeiten entzogen.</p>
<p>Klönne wies darauf hin, dass solche christlichen Gruppierungen dann und dadurch eine besondere Problematik begründen, dass sie sich immer öfter mit spezifisch &#8220;rechtem&#8221; politischen Gedankengut verbänden (Rettung des christlichen Abendlandes) und ihrerseits von rechten Gruppen und ihren Organen (&#8220;<a title="Junge Freiheit" href="http://www.jungefreiheit.de/" target="_blank">Junge Freiheit</a>&#8220;) für sich vereinnahmt würden (Rettung vor Islamisierung und Überfremdung). Gerade die sich bürgerlich gerierende Wochenzeitung &#8220;Junge Freiheit&#8221; spielt hierbei eine bedeutende Rolle als intellektueller Türöffner. Von den Piusbrüdern bis zu bestimmten evangelikalen Kreisen eröffnet sich in Deutschland ein Feld christlich-fundamentalistischer und zugleich rechts-reaktionärer Strömungen, die besonders dann gefährlich verführerisch werden können, wenn soziale Verwerfungen in unserer Gesellschaft zunehmen. Klönne nannte die wachsende Schere zwischen Arm und Reich und ging davon aus, dass sich Deutschland mittelfristig kaum von den wirtschaftlichen und sozialen Problemen der übrigen Europäischen Union abkoppeln könne. Genau hier erkannte er die gesellschaftliche und politische Gefahr, die von christlichen Fundamentalisten und ihren rechten Gesinnungsgenossen ausgehen können, wenn sie mehr und mehr in die Mitte der Gesellschaft drängen.</p>
<div id="attachment_2054" class="wp-caption aligncenter" style="width: 646px"><a href="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/Pfingstler.jpg"><img class="size-full wp-image-2054" alt="Pfingstler" src="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/Pfingstler.jpg" width="636" height="315" /></a><p class="wp-caption-text">Pfingstler</p></div>
<p>Man kann der Meinung sein, dass dieses gezeichnete Bild aus verschiedenen Gründen unwahrscheinlich und zu negativ akzentuiert sei, &#8211; ganz von der Hand zu weisen ist diese Perspektive allerdings nicht. Gerade dem bürgerlichen und biederen Deckmäntelchen der &#8220;christlichen Rechten&#8221; kommt einige Bedeutung zu, auch wenn die Verhältnisse bei uns in Deutschland noch meilenweit von der politischen Aggressivität der christlichen Rechten in den USA verschieden sind. Zumindest scheint mir die Aufforderung Klönnes gut begründet zu sein, diesen Gruppierungen in unserer Gesellschaft mehr kritische Aufmerksamkeit zu schenken.</p>
<p>Auch der Hinweis darauf, dass sich manche &#8220;fundamentalistischen&#8221;, insbesondere evangelikalen Gruppen völlig unpolitisch begreifen und sich und die Ihren &#8220;nur&#8221; von den verderblichen Einflüssen des modernen Wertepluralismus fernhalten und abschotten wollen, macht deren Einfluss nicht weniger brisant. Zum einen betonte Klönne, dass sich gerade auch rechte Gruppen im kommunalen Umfeld bewusst scheinbar &#8220;unpolitisch&#8221; verhielten, zum anderen zeigen die Konfliktfelder der evangelikalen Abgrenzung (Schulausflüge, Klassenfahrten, koedukativer Sportunterricht, Verweigerung der Teilnahme am Sexualkundeunterricht, Kreationismus) durchaus gesellschaftspolitische Sprengkraft. Werden hier um des lieben (Schul-) Friedens willen vorschnell und übereifrig Kompromisse im Sinne von Zugeständnissen gemacht, gibt man diesen antimodernistischen Strömungen de facto mehr und mehr Raum mitten <strong>in</strong> der Gesellschaft. Allein diese Auswirkung sollte von all denen, denen Pluralismus, Individualismus und Liberalität als Kennzeichen der Moderne lebenswichtig sind, genauestens beobachtet werden, um dem fundamentalistischen Anspruch angemessen begegnen zu können.</p>
<p>Leider fehlten in dem klaren und anregenden Vortrag Arno Klönnes (ich habe ihn aus meiner eigenen Sicht paraphrasiert) Zahlen: Wie groß sind diese fundamentalistisch genannten Gruppen, gibt es belegte Zahlen des Wachstums oder nachprüfbare Untersuchungen über ihren gesellschaftlichen Einfluss? Eine erste Übersicht über christliche Gruppen (&#8220;Kirchen&#8221; und &#8220;Sekten&#8221;) verschaffen die Aufstellungen des <a title="REMID e.V." href="http://www.remid.de/index.php?text=info_zahlen" target="_blank">Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienstes</a>. Will man hier aber weder einem selbst gebastelten Feindbild noch der Euphorie eines interreligiösen / interkulturellen Dialogs aufsitzen, sind belastbare Zahlen und wissenschaftlich gesicherte Ergebnisse vonnöten. Das von Klönne skizzierte Szenario möglicher christlich-fundamentalistischer Gefährdungen reicht für sich genommen noch nicht zur Beurteilung der Tragweite dieser Phänomene aus, wenngleich von ihm wertvolle und weiter zu verfolgende Analysen und Hinweise gegeben wurden.</p>
<p>Ferner ist nach Parallelen und Übereinstimmungen mit den Fundamentalismen anderer Religionen zu fragen. Vieles oben Skizzierte ließe sich sicher auch über den islamischen Fundamentalismus aussagen. Dem steht aber zum Beispiel die Interpretation von <a title="Olivier Roy" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Olivier_Roy" target="_blank">Olivier Roy</a> entgegen, der den fundamentalistischen Islamismus als eine spezifisch moderne Erscheinung analysiert, nämlich als eine besondere Form der postkolonialen Aneignung der Moderne. Das lässt eine spannende Ambivalenz des Phänomens &#8220;neuzeitlicher Fundamentalismus&#8221; erkennen und regt zu weiteren Überlegungen und Forschungen an.</p>
<p>Insgesamt war es ein erfrischend klarer und anregender Vortrag dieses zweiundachtzig jährigen Großmeisters der deutschen Politologie.</p>
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		<title>Wie wollen wir leben?</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Apr 2013 09:08:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhart Gruhn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Netzgemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der Öffentlichkeit ist das so eine Sache, zumindest mit der Öffentlichkeit in den Medien. Würde man sie als realistischen Spiegel der gegebenen Verhältnisse ansehen, dann entstünde ein merkwürdiger Eindruck. Etwas Verwirrung und Unschlüssigkeit ist da zu erkennen über das, was derzeit &#8220;wirklich&#8221; Sache ist, ein Rauschen, das kaum markante Spitzen aufweist. Die &#8220;Netzgemeinde&#8221; ist <a href='http://publicopinia.de/?p=2032' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Öffentlichkeit ist das so eine Sache, zumindest mit der Öffentlichkeit in den Medien. Würde man sie als realistischen Spiegel der gegebenen Verhältnisse ansehen, dann entstünde ein merkwürdiger Eindruck. Etwas Verwirrung und Unschlüssigkeit ist da zu erkennen über das, was derzeit &#8220;wirklich&#8221; Sache ist, ein Rauschen, das kaum markante Spitzen aufweist. Die &#8220;Netzgemeinde&#8221; ist schnell abgehandelt, denn spätestens seit Sascha Lobos kritischem <a title="Sascha Lobo" href="http://saschalobo.com/category/blog/" target="_blank">Beitrag</a> ist diese hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet und mit Selbstbetrachtungen beschäftigt. Typisch dafür ist auch die Selbstzerlegung der Piraten, die gerade in NRW mit einem neuen Akt in diesem kleinlichen Drama aufwarten. Aber das betrifft inzwischen nur noch einen minimalen Bereich öffentlicher Beachtung und Wahrnehmung.</p>
<p>Dass der Wahlkampf angeblich begonnen hat, merkt man kaum, seit Steinbrück keine unterhaltsamen Beiträge mehr liefert. Von der Regierung hört man eh nichts mehr. Zypern-Krise? Irgendwie kein Aufreger, oder nur ein sehr kurzer wegen der Sparer, aber dass beim Geld nichts mehr undenkbar ist, hatte man auch vorher schon geahnt. Euro-Krise? &#8220;Überstanden&#8221;, heißt es beruhigend aus Brüssel, auch wenn sich eigentlich nichts wesentlich geändert hat. Die Rezession und damit verbunden Arbeitslosigkeit und Lethargie wachsen in den Ländern Südeuropas. Ob das mit der Lethargie stimmt, weiß ich nicht, das ist nur mein Eindruck aus der &#8220;öffentlichen Meinung&#8221;, seit in Athen, Nikosia, Lissabon oder Madrid keine Massenproteste mehr vermeldet werden. Aber es würde schon passen, denn in der Not denkt jeder an sich selbst zuerst.</p>
<p>Bei uns im Land scheint die Wirtschaftsentwicklung stabil zu sein mit weiterhin positiven Aussichten. Gute Lohnabschlüsse sorgen in großen Teilen der Bevölkerung für das nötige Kleingeld zur Belebung von Konsum und Reisen. Wenn des Handels größte Sorge der verspätete Frühling ist mit wenig Lust auf Gartenpflanzen, Neuwagen und Sommerklamotten, dann scheint es uns so schlecht nicht zu gehen. Miese Nachrichten findet man wenige, abgesehen von der nicht neuen Klage über steigende Mieten in den attraktiven Ballungsräumen. Selbst die Strompreise treiben niemanden auf die Straße. Über &#8220;Armut&#8221; bei uns klagt es sich auch nicht mehr so leicht, seit man sieht, was Armut zum Beispiel in Griechenland aktuell wirklich bedeutet. Also was solls? Ach ja, Korea, irgenwie ein Irrer, leider sehr ernst zu nehmen. &#8211; Ansonsten alles gut.</p>
<div id="attachment_2037" class="wp-caption aligncenter" style="width: 650px"><a href="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/Google-antennen-640.jpg"><img class="size-full wp-image-2037" alt="Satellitenantenne (Google)" src="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/Google-antennen-640.jpg" width="640" height="380" /></a><p class="wp-caption-text">Satellitenantenne (Google)</p></div>
<p>Dabei gäbe es genug Dinge, die eines &#8220;öffentlichen Diskurses&#8221; bedürften, oder sagen wir es einfacher: über die geredet, diskutiert, gestritten werden sollte. Da sind die Ursachen der gegenwärtigen Finanzkrisen. Wenn die heiße Phase hektischer Nachtsitzungen erst einmal vorbei zu sein scheint, wäre es doch an der Zeit, sehr ernsthaft nach den Ursachen zu forschen. Viele der schnell geäußerten Gründe sind eher Schuldzuweisungen denn genaues Fragen nach den komplexen Zusammenhängen. Auf Ungleichgewichte der Wirtschaftsräume, auf die Folgen der &#8216;neoliberalen&#8217; Marktideologie, auf eine aggressive Exportpolitik (ja, damit ist Deutschland gemeint) ist mancherorts schon hingewiesen worden. Dem wäre noch viel genauer nach zu gehen. &#8211; Dann ist da das weite Feld der Energieversorgung und der Energiepolitik, die bei uns kaum sachdienlich, sonder sehr ideologisch (&#8220;öko&#8221; ist per se gut) &#8220;veröffentlicht&#8221; wird, &#8211; &#8220;diskutiert&#8221; kann man das ja kaum nennen. Hier wäre eine wirklich streitige Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit angesagt. Der Strompreis ist nur der eine Aspekt, die Folgen des Klimawandels sind ein anderer. Auch wenn die Prognosen auf prinzipiell unsicheren Modellen beruhen (es können nur Annäherungen sein aufgrund bekannter Daten), ist das Nachdenken und die Diskussion darüber keine Angelegenheit, die man als Modethema mal aufbauschen und dann wieder in der Versenkung verschwinden lassen darf.</p>
<p>Eigentlich geht es bei all diesen Themen um die grundsätzliche Frage, wie wir denn künftig <strong>leben</strong> wollen, welche Welt wir unseren Kindern bauen und hinterlassen wollen. Einig sind sich eigentlich alle öffentlichen Äußerungen darin, dass wir uns in Zeiten eines rasanten Umbruchs befinden. Es ist ein Umbruch in Wirtschaft, Gesellschaft und Familie, ein Wandel des Verhaltens in Kultur und gegenüber der Um-Welt, ein &#8220;Paradigmenwechsel&#8221; der technischen und medizinischen Möglichkeiten, deren Ausmaß noch kaum abzuschätzen ist. Wie wollen wir leben? Wie soll die Welt aussehen, in der wir und unsere Kinder leben wollen und können? Welche Werte können da weiterhin gelten, welche Werte gilt es als verändert zu akzeptieren? Wie gehen wir mit der Tatsache weiträumiger Migration um? Was bedeutet das dichte, spannungsreiche Zusammenleben ganz unterschiedlicher Kulturen (weltweit!) für den Alltag? Wenn es keine Grenzen des technisch Machbaren gibt, wie gehen wir mit den Perspektiven künftiger Entwicklungen zum Beispiel der Veränderung des menschlichen Erbguts um? Es ist keine Frage mehr des Ob, sondern nur noch des Wie. Wissen und Fakten kann man nicht annullieren.</p>
<p>Die Öffentlichkeit scheint das nicht zu interessieren, zumindest die mediale Öffentlichkeit nicht. Aufklärungs- und Informationsbedarf ist genug da. Anschauungsmaterial ebenso; an kundigen und verständlichen Beiträgen aus Wissenschaft und Forschung mangelt es nicht. Ich erlebe es so: Da, wo derartige Themen und Perspektiven artikuliert werden, da sagen die Menschen: &#8220;Das ist ja wahnsinnig interessant, da müsste man doch viel mehr drüber erfahren und viel intensiver diskutieren.&#8221; Genau dafür ist die Öffentlichkeit doch da. Die &#8220;Wissensgesellschaft&#8221; hat eine einzige Voraussetzung: dass man sie auch am Wissen teil haben lässt, nicht nur in Nischen und elitären Zirkeln. <a title="Gerhardt Öffentlichkeit" href="http://publicopinia.de/?p=2020" target="_blank">Volker Gerhardt</a> hat mit seinem Vertrauen in die rein &#8220;an sich&#8221; gegebene aufklärerische Struktur der Öffentlichkeit eine doch etwas reichlich abgehobene These vertreten. Da ist mehr &#8220;Fleisch&#8221; nötig, denn es geht immer auch und zuerst um Interessen und um Macht. Ob die &#8220;Netzgemeinde&#8221; ohnmächtig ist oder sich selbst beweint, ist ziemlich gleichgültig. Ganz und gar nicht gleichgültig ist es aber, dass die öffentliche Diskussion der uns und unsere heutige und künftige Welt bewegenden Themen <strong>eingefordert</strong> wird. Das geht nur, indem immer wieder Fragen gestellt werden, dass zum Beispiel Konzepte der TV-Talks durch Querfragen durchbrochen werden, dass die Möglichkeiten der Kommunikation im Netz weit mehr und besser genutzt werden. Bislang lässt dort oft nur ein neues iPad oder Samsung Galaxy den Erregungspegel steigen. <strong>DAS</strong> ist entschieden zu wenig, wozu das Netz bisher taugt.</p>
<p>Die Öffentlichkeit hat eine eigene Struktur, die ständig im Wandel ist. Richtig. Die öffentliche Diskussion aber braucht ebenso sehr Sachhaltigkeit und Interesse an gegenseitiger Orientierung. Daran fehlts. Darum klingt das öffentliche Getöse so wirr. <strong>Wie wollen wir morgen leben?</strong> Darum gehts.</p>
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		<title>Öffentlichkeit – ein Buch</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Apr 2013 08:25:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhart Gruhn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Aufklärung]]></category>
		<category><![CDATA[evolutionär]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Volker Gerhard hat uns mit seinem jüngsten Werk einiges zu lesen und zu denken aufgegeben. Das umfangreiche und im wahrsten Sinne vielseitige Werk trägt sein Programm zwar im Titel, nämlich „Öffentlichkeit als politische Form des Bewusstseins&#8221; darzustellen, aber was dies für Gerhardt bedeutet, weiß man natürlich erst nach der Lektüre. Vermuten darf man bei diesem <a href='http://publicopinia.de/?p=2020' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Volker Gerhard hat uns mit seinem jüngsten Werk einiges zu lesen und zu denken aufgegeben. Das umfangreiche und im wahrsten Sinne vielseitige Werk trägt sein Programm zwar im Titel, nämlich „Öffentlichkeit als politische Form des Bewusstseins&#8221; darzustellen, aber was dies für Gerhardt bedeutet, weiß man natürlich erst nach der Lektüre. Vermuten darf man bei diesem Titel eine Auseinandersetzung mit dem neuzeitlichen Phänomen Öffentlichkeit, erwarten kann man eine begriffliche Bestimmung dessen, was heute sinnvoll unter Öffentlichkeit zu verstehen ist im Zusam­menhang von individuellem Bewusstsein und allgemeiner Politik. Gleich auf den ersten Seiten formuliert darum Gerhardt sein Programm: eine neue, alles auf den Kopf stellende Lösung „eines der ältesten Rätsel“: „Das uns Nächste des individuellen Bewusstseins soll das Allgemeine der Gegenstände und Begriffe sein, während das scheinbar Erste der subjektiven Empfindungen und Gefühle sich als relativ später Eintrag einer individuellen Distanzierung erweist.“ Er möchte „das scheinbar Privateste, nämlich das <i>Selbstbewusstsein des einzelnen Menschen</i>, als ein[en] <i>Spezialfall des Öffentlichen</i> [verstehen], in dem alle verständigen Wesen verbunden sind.“ (13) Das klingt provokativ und ist auch so gemeint. Wie das genauer zu verstehen ist, skizziert Gerhardt in seiner Einleitung über die „Weltöffentlichkeit des Bewusstseins“.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Dies ist die Einleitung eines Textes, in dem ich mich ausführlicher mit Volker Gerhardts Buch &#8220;Öffentlichkeit. Die politische Form des Bewusstseins&#8221; (2012) auseinander setze. Ich gebe einen Überblick über den Aufbau und die einzelnen Kapitel des Werkes und gehe dann näher auf drei Problemkreise ein: auf den Gebrauch des Begriffs Öffentlichkeit; auf den Komplex Bewusstsein &#8211; Geist &#8211; Seele; auf die explizit aufklärerische Zielrichtung; auf die Ontologie des Naturalismus, die seiner Theoriebildung zugrunde liegt. Dabei stelle ich Anfragen nach dem rechten Verständnis, nach der Schlüssigkeit und nach den Voraussetzungen Gerhardts bei der Behandlung dieses großartigen Themas &#8220;Öffentlichkeit&#8221;.</p>
<p>Mein Text ist mit einigen Anmerkungen versehen, die auf die Hintergründe meiner Kritik verweisen. Die in runde Klammern gesetzten Zahlen sind stets Seitenangaben aus dem besprochenen Buch Gerhardts. Ich habe mich auf diese letzte und bislang umfassendste Darlegung Volker Gerhardts beschränkt; frühere Werke über Selbstbestimmung (1999), Individualität (2000) und Partizipation (2007) finden breiten und zum Teil veränderten Eingang in das vorliegende Buch. Einen guten Überblick über Gerhardts Wirken gibt der <a title="Wikipedia: Volker Gerhardt" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Volker_Gerhardt" target="_blank">Wikipedia-Artikel</a>. Meine Auseinandersetzung mit Gerhardt ist trotz der zehn Seiten recht komprimiert und vielleicht nicht immer klar  und  leicht genug zu verstehen. Zumindest habe ich versucht, die Voraussetzungen meines eigenen Denkens anzudeuten. Der geneigte Leser und die geneigte Leserin mögen sich ihr eigenes Bild davon machen. Hier ist der Link zum Text (PDF):</p>
<p style="text-align: center;"><a title="Bemerkungen zu Volker Gerhardt Öffentlichkeit" href="http://g21.de/text/Bemerkungen-zu-Volker-Gerhardt-Oeffentlichkeit-ebook.pdf" target="_blank">Reinhart Gruhn, Bemerkungen zu Volker Gerhardt, Öffentlichkeit.</a><br />
<a title="Bemerkungen zu Volker Gerhardt Öffentlichkeit" href="http://g21.de/text/Bemerkungen-zu-Volker-Gerhardt-Oeffentlichkeit-ebook.pdf" target="_blank"> Die politische Form des Bewusstseins, München 2012</a></p>
<div id="attachment_2021" class="wp-caption aligncenter" style="width: 650px"><a href="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/Kempten-640.jpg"><img class="size-full wp-image-2021" alt="Öffentlichkeit" src="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/Kempten-640.jpg" width="640" height="318" /></a><p class="wp-caption-text">Öffentlichkeit (in Kempten)</p></div>
<p>UPDATE, am 4.4. gefunden:</p>
<p>&#8220;Mit ihrer Hilfe entwickeln sich jene Gesellschaften, denen wir schon im außermenschlichen organischen Leben begegnen, zu höheren Stufen gesellschaftlichen Lebens und schließlich zur Bildung eines sozialen Bewußtseins im Menschen&#8230; Sein Selbstbewußtsein gewinnt der Mensch durch das Medium gesellschaftlichen Lebens.&#8221;</p>
<p>Ernst Cassirer, 1944</p>
<div id="tweetbutton2020" class="tw_button" style="float:left;margin-right:10px;"><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fpublicopinia.de%2F%3Fp%3D2020&amp;via=rgruhn&amp;text=%C3%96ffentlichkeit%20%26%238211%3B%20ein%20Buch&amp;related=&amp;lang=en&amp;count=horizontal&amp;counturl=http%3A%2F%2Fpublicopinia.de%2F%3Fp%3D2020" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><div class="feedflare">
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		<title>Tierethik II</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Mar 2013 10:05:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhart Gruhn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[Tier]]></category>
		<category><![CDATA[bester Freund]]></category>
		<category><![CDATA[Haustier]]></category>
		<category><![CDATA[Verhätschelung]]></category>

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		<description><![CDATA[Im vorigen Blogpost über die Ethik der Tiere ist ein Aspekt denn doch zu kurz gekommen. Bei der Frage nach einer &#8220;Würde aller Lebewesen&#8221; habe ich auf die &#8220;brutale&#8221; Distanzierung des Menschen vom Tier hingewiesen. Nicht als Objekt sollte das Tier behandelt werden, sondern als Subjekt, als &#8220;Mitgeschöpf&#8221;, als &#8216;beseeltes Lebewesen&#8217; muss es in den Blick einer <a href='http://publicopinia.de/?p=2008' class='excerpt-more'>[...]</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Im vorigen <a title="Ethik der Tiere" href="http://publicopinia.de/?p=1985" target="_blank">Blogpost über die Ethik der Tiere</a> ist ein Aspekt denn doch zu kurz gekommen. Bei der Frage nach einer &#8220;Würde aller Lebewesen&#8221; habe ich auf die &#8220;brutale&#8221; Distanzierung des Menschen vom Tier hingewiesen. Nicht als Objekt sollte das Tier behandelt werden, sondern als Subjekt, als &#8220;Mitgeschöpf&#8221;, als &#8216;beseeltes Lebewesen&#8217; muss es in den Blick einer ethischen Betrachtung genommen werden. Dies gilt nicht nur nach der negativen Seite hin (Tierquälerei, Massentierhaltung), sondern auch nach der positiven Seite: Das Tier als &#8216;bester Freund des Menschen&#8217;.</p>
<p>Tiere hatten zu allen Zeiten eine ganz besondere Rolle in der Entwicklung und Ausgestaltung der menschlichen Kultur. In den verschiedensten Kulturen und religiösen Kulten spielen &#8220;heilige&#8221; Tiere eine ausgezeichnete Rolle. Bei Löwen und Stieren mag man das ja noch leicht verstehen als lebendige Symbole der Kraft, aber erstens ist das, schaut man näher hin, doch nicht so einfach mit der Deutung als simples Kraftsymbol, zweitens tauchen da noch ganz andere Tiere auf: die Schlange, der Affe, bestimmte Vögel, Kühe, Gänse, der Wolf, der Wal, der Reiher &#8211; die Reihe ließe sich noch lang fortsetzen. Gemeinsam sind nicht bestimmte, gleichartige Eigenschaften dieser Tiere, sondern ihre besondere Bedeutung. Sie sind Träger des Göttlichen; in ihrer Gleichartigkeit und Unterschiedenheit vom Menschlichen stehen sie für die geheimnisvolle Macht der Götter und Geister, die auf eigentümliche Weise in die Lebenswelt der Menschen hinein wirken und sich dem Menschen zugleich entziehen. Tiere gehören damit zu dem, was den Alltag und die eigene Natur des Menschen transzendiert; bestimmte &#8220;heilige&#8221; Tiere haben dafür eine besondere Symbolkraft gewonnen. Symbol ist mehr als bloßes Zeichen: Das Symbol wirkt, wofür es steht. Mir scheint, hier ist das Wissen kondensiert, dass Mensch und Tier zwar besonders zusammen gehören, aber ebenso eigentümlich von einander unterschieden sind, so wie es auch für das Göttliche, die Geister und Ahnen gilt.</p>
<div id="attachment_2011" class="wp-caption aligncenter" style="width: 648px"><a href="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/03/grotte-chauvet-640.jpg"><img class="size-full wp-image-2011" alt="Grotte Chauvet (Wikipedia)" src="http://publicopinia.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/03/grotte-chauvet-640.jpg" width="638" height="326" /></a><p class="wp-caption-text">Grotte Chauvet (Wikipedia)</p></div>
<p>In anderer Weise sind Tiere zu lebensnotwendigen Partnern geworden: bei der Jagd, als Wächter, als Last- und Zugtiere, als Hilfen zur Fortbewegung wie Pferde, Kamele, Huskies. Hier ergänzt das Tier mit seinen Fähigkeiten das, was der Mensch nicht so gut oder gar nicht kann. Eine Kulturgeschichte zu schreiben ist ohne eine Geschichte der &#8220;Kultivierung&#8221; der Tiere nicht möglich. Erst durch Mechanisierung und Technisierung haben die Tiere ihre wichtige Funktion als Helfer des Menschen weitgehend verloren. Der Mensch hat damit aber auch das lebendige Gegenüber verloren, das ihm seine Grenzen gezeigt und sich mit seinen ganz eigenen Fähigkeiten besondere Wertschätzung, ja Respekt, erworben hat. Heute sind viele Tierarten nur noch auf den &#8220;Nutzen&#8221; für die Ernährung des Menschen zusammen geschrumpft. Das ist kulturgeschichtlich eine recht neue Entwicklung, die mit der Industrialisierung zusammen hängt. Sie ist offenbar auch die Ursache für eine massive Veränderung des Verhaltens der Menschen gegenüber den Tieren.</p>
<p>Zu dieser Veränderung gehört auch das Phänomen der Haus- und Lieblingstiere. Tiere als des Menschen bester Freund gab es zu allen Zeiten (der treue Hund, das anhängliche Pferd). Nie zuvor allerdings hat das Tier als Haus-, besser Wohnungstier eine solche Rolle gespielt wie heute bei den Stadtmenschen. Es gibt in Deutschland Millionen von Hunden, Katzen (&#8220;Stubentiger&#8221;), Vögeln, die die Wohnungen bevölkern. Sie sind Teil der Familie und Begleiter im Alter und bei Einsamkeit. Sie sind der Mode unterworfen und gehören bisweilen zu den Statussymbolen. Sie werden geliebt, verhätschelt, &#8211; und immer wieder auch vernachlässigt und ausgesetzt. Die Hersteller und Verkäufer von (Haus-)  Tiernahrung und Tierartikeln sind eine wichtige Branche geworden, die Tiermedizin nicht zu vergessen. In den städtischen Parks laufen oft mehr Menschen mit Hunden als mit Kindern herum. Bei manchen mag tatsächlich der Hund als &#8220;Investition&#8221; besser zu kalkulieren sein als ein Kind. Dies alles zeigt, wie sehr der Mensch sich immer wieder zum Tier hingezogen fühlt, wie sehr er in ihm etwas Gleichartiges erkennen kann. Oft ist hier die Grenze der Vermenschlichung überschritten, und auch dies ist dann ein Fall von Missachtung der Würde des Tieres. Es gibt Beispiele von einseitigen Zucht-&#8221;erfolgen&#8221;, von Tier-Modenschauen und Wettbewerben, in denen nur scheinbar das Tier, in Wirklichkeit aber &#8220;sein&#8221; Mensch im Mittelpunkt steht, der es für sich zugerichtet und vereinnahmt hat.</p>
<p>Man kann also die Würde des Tieres nach beiden Seiten hin verletzen: durch Vergegenständlichung (Tier als Sache) und durch Vermenschlichung (Tier als Ersatzmensch). Die Würde des Tieres ist nur da gewahrt, wo es als Tier, in seiner eigentümlichen Subjektivität, mit seinem Eigensinn und Eigenwillen ernst genommen und respektiert wird. Dann aber kann ein Tier als ein beeindruckendes Mitgeschöpf wahrgenommen werden, das seinen Charakter und seine Sensibilität umso mehr zeigen kann, je mehr nicht nur der Mensch das jeweilige Tier, sondern ebenso sehr das Tier den jeweiligen Menschen als seinen &#8220;Partner&#8221; erwählt hat. Wenn dies gelingt, ist es immer wieder überraschend zu sehen, wie sehr das Tier zum besten Freund des Menschen werden kann.</p>
<p>Dies gilt auch in einem letzten Bereich, den ich nur noch erwähnen möchte: nämlich den Bereich der &#8220;wilden&#8221;, in freier Natur lebenden Tiere. Es ist eine ganz eigene Überlegung wert, inwiefern hier das Tier zum Spiegel für den Menschen wird: Wo kein Tier mehr leben kann, wird es auch mit dem Menschen nicht mehr weit her sein. Umgekehrt gilt aber: Wo kein Mensch mehr leben kann, da können Paradiese für Tiere sein! Die Bedeutung der Tiere für die Ökologie des Menschen wäre also noch einmal ein ganz neues Thema. Aber kehren wir zurück zu unserem Thema, der Würde der Tiere, der Würde aller Lebewesen. Sie gilt es, in einer &#8220;Ethik aller Lebewesen&#8221; zu beschreiben und in ihren Konsequenzen für den Alltag aufzuzeigen. Auch der Mensch als &#8220;Mitgeschöpf&#8221; kann dabei nur gewinnen.</p>
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