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	<title>Die Saugpappe</title>
	
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	<description>Magazin der schönen Künste</description>
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		<title>Deutsche Ampeln - Im gleichen Sinne wie das sagenumwobene "Stille Örtchen", ist das Warten an einer hiesigen Ampel ein Ausdruck westlicher Genügsamkeit. Der Moment absoluter innerer Ruhe, der in fernöstlichen Kulturen als Meditation definiert und Ihnen in großstädtischen Sitzungen inkl. Aldi-Isomatte teuer verkauft wird.</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Feb 2013 09:43:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im gleichen Sinne wie das sagenumwobene "Stille Örtchen", ist das Warten an einer hiesigen Ampel ein Ausdruck westlicher Genügsamkeit. Der Moment absoluter innerer Ruhe, der in fernöstlichen Kulturen als Meditation definiert und Ihnen in großstädtischen Sitzungen inkl. Aldi-Isomatte teuer verkauft wird.Leider wird die deutsche Obsession mit Ampeln von unseren transatlantischen Nachbarn oft als letztes tragisches [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h3 style="font-size: 20px; line-height: 1.3; text-align: left; color: #0aa; font-style: italic">Im gleichen Sinne wie das sagenumwobene "Stille Örtchen", ist das Warten an einer hiesigen Ampel ein Ausdruck westlicher Genügsamkeit. Der Moment absoluter innerer Ruhe, der in fernöstlichen Kulturen als Meditation definiert und Ihnen in großstädtischen Sitzungen inkl. Aldi-Isomatte teuer verkauft wird.</h3><p>Leider wird die deutsche Obsession mit Ampeln von unseren transatlantischen Nachbarn oft als letztes tragisches Überbleibsel der Nazizeit verlacht. Ampeln jedoch, in all ihrer verblüffenden Simplizität und zeitlosen Eleganz, sind ein Ruhepol für die geschundene postmoderne Seele des 21. Jahrhunderts.</p>
<p>Selbst an Sonntagen, wenn fernab der Verkehrsschlagadern der hiesigen Großstädte alle Ampelsysteme ruhen, nimmt man sich Zeit, um zu prüfen, ob andere Verkehrsteilnehmer den eigenen Übergang gefährden könnten. An einem Sonntag geschieht ein Glücksgefühl, das nur von klarer Sonne bei Frühlingswetter in den Schatten gestellt werden kann.</p>
<p>Am ultimativen Entspannungspotenzial der Ampel schätzt der Deutsche die Einfachheit der Anweisung, die ihm beim Besuch einer Ampel entgegenschlägt. Wenn wir ehrlich sind, sind jene einfachen Entscheidungen äußerst rar im Leben: Gehen oder Stehen. Das in der angelsächsischen Kultur so tief verankerte <a title="Definition jaywalking" href="http://www.dict.cc/englisch-deutsch/to+jaywalk.html" target="_blank">Jaywalking</a>, das beiläufige Übersehen akribischer Ampelschaltungen bei kritischer Verkehrslage, verkompliziert jene klare Entscheidungsanweisung und führt zumeist zu ungeheuerlichem Unbehagen.</p>
<p>Gerne wird dieses unangenehm komplexe Gefühl von rauchenden Eltern verstärkt, die mit Kopfschütteln und kruden Schimpftiraden Ihr Aufbegehren gegen die Diktatur der Ampel tadeln, während das dazugehörige Balg, gefesselt im Kinderwagen, fünf Oktaven auf und ab schreit.</p>
<p>Die deutsche Obsession mit der Ampel geht so weit, dass jedwede <a title="Bussgeld Rote Ampel Fussgaenger" href="http://www.derwesten.de/auto/bussgeld-auch-fuer-fussgaenger-id32459.html" target="_blank">Missachtung mit einem kleineren Bußgeld geadelt wird</a>. Ganz einfach, weil stete Achtung wichtig und als Kulturgut schützenswert ist. Ab fünf Euro sind Sie dabei, wenn Sie Ihren Teil beitragen wollen.</p>
<p>Da allgemein bekannt ist, dass Ampelmissachter zumeist auch Raucher und somit fehlgeleitete, schlechte Menschen sind, übersetzt die INVESTIGATIVE SAUGPAPPE diesen augenscheinlich geringen Betrag in Ihre Knastwährung: eine Schachtel Kippen bzw. ein Kugelschreibertattoo mit ihrem Lieblingsbuchstaben auf einem Finger Ihrer Wahl.</p>
<p>Bevor Sie sich also wieder einmal über miese Ampelschaltungen und lange Wartezeiten beschweren, überdenken Sie Ihren Groll und schätzen Sie die Vorteile einer kurzen Auszeit. Genießen Sie Ihre Zen-Ampel. Bis zur grünen Erleuchtung.</p>
<p>Foto © <a title="Traffic Light Signs by Ewan Munro, flickr.com" href="http://www.flickr.com/photos/55935853@N00/2468449425/" target="_blank">&#8220;Traffic Light Signs&#8221;, Ewan Munro, flickr.com</a></p>
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		<title>Hier geht es nicht um Kaffee! - Nein, wirklich nicht. Ok, ein Bisschen. Aber nicht viel.</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Aug 2012 20:32:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nein, wirklich nicht. Ok, ein Bisschen. Aber nicht viel.Kaffee, die braune Brühe, das schwarze Elixier und stetes Fernfahrerglück auf bundesdeutschen Autobahnen. Was uns hier interessieren soll, ist keinesfalls die mannigfaltige Unfähigkeit der hiesigen Kaffeeautomaten auf innerdeutschen Fernstraßen. Vorrangig auch nicht der Bohnensaft im eigentlichen Sinne. Auch soll hier nicht an die snobbistische Herangehensweise jener Kaffeegourmands [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h3 style="font-size: 20px; line-height: 1.3; text-align: left; color: #0aa; font-style: italic">Nein, wirklich nicht. Ok, ein Bisschen. Aber nicht viel.</h3><p style="text-align: left;">Kaffee, die braune Brühe, das schwarze Elixier und stetes Fernfahrerglück auf bundesdeutschen Autobahnen. Was uns hier interessieren soll, ist keinesfalls die mannigfaltige Unfähigkeit der hiesigen Kaffeeautomaten auf innerdeutschen Fernstraßen. Vorrangig auch nicht der Bohnensaft im eigentlichen Sinne. Auch soll hier nicht an die snobbistische Herangehensweise jener Kaffeegourmands angeknüpft werden, die das Internet mit ihren Nachkommastellen zur Kaffeedosierung fluten.</p>
<p style="text-align: left;">Sie soll hier viel mehr interessieren: Wie viele Stunden dieses sinnlosen Schlafes können durch die gezielte Einnahme des Kaffees verhindert werden? Aber zunächst folgt eine kurze Abhandlung über Schlaf als Solches und seine Rolle als gesellschaftliches Mammon des abendländischen 21. Jahrhunderts.</p>
<p style="text-align: left;">Sagen wir es offen. Schlaf ist verdammt langweilig und undankbar. Ist Ihnen schon mal etwas Phänomenales während Ihrer Nachtruhe passiert? Träume zählen heute leider nicht. Entweder ist das hemmungslose Verweilen in Embryonalstellung zu kurz oder zu lang. Wenn man blau war, oder die Matratze seitlich klemmte, ist das nächtliche Intermezzo zudem kaum erholsam. Mit Schmerzen wachen Sie sowieso schon seit Jahren auf. Dann, ganz viel später, aber doch immer zu früh, im so genannten »biblischen Alter«, beginnt die feudale Angst vor der nächtlichen Ruhe. Ja, kaum hatte man das Mobbing am Arbeitsplatz hinter sich gelassen, da beginnt also schon die Phase des vielzitierten angstvollen Schlafens. Dieser Unzustand geht einher mit unkontrollierbaren Körperfehlfunktionen. Weitere Symptome sind der niederschmetternde Gedanke, dass jeder Morgen der letzte sein könnte. Nur noch einmal die Augenlider aufschlagen und allmorgendlich die Flimmerkiste anwerfen. Hach.</p>
<p style="text-align: left;">An Wochentagen »Volle Kanne« und Ingo Nonsense beim Bartwuchs zuschauen. Im Sommer gerne aus dem Außenstudio moderierend, neben dem ein umherirrender Nachbar kunstvolle Laubsäge- und Hexelarbeiten vollzieht und mutwillig die Livesendung stört, währenddessen Sie wissbegierig erfahren wollen, wie man sich am besten vor umtriebigen Enkelkindern schützt. An zähen Wochenenden und vor der sonntäglichen Zeremonie der kleinbürgerlichen Schwachsinnigkeiten und gutbürgerlichen Ressentiments des klassischen Herrenwitzes, kurz »Fernsehgarten« genannt, geniessen Betroffene häufig den alterwürdigen Fernsehgottesdienst; wahlweise katholisch oder in Dolby Digital.</p>
<p style="text-align: left;">Für viele Bundesdeutsche bleiben jene unbeschwerten Fernsehtage jedoch immer öfter nur ein frommer Wunsch im kühlen Kerzenlicht. Allein schon deshalb sollten Sie Kaffee täglich einnehmen. Aber bitte nur im flüssigen, handaufgebrühtem Zustand. Alles Andere wäre eine riesige Sauerei und WIR machen DAS ganz bestimmt nicht für SIE sauber. Auch nicht wenn Sie garstig gucken! Doch nun zu den wirklich harten Fakten.</p>
<p style="text-align: left;">Nach SAUGPAPPE-Recherchen, und langwierigen Feldforschungen auf hoher See und zu Land, verlängert die gezielte Einnahme des körperfremden Botenstoffes »Kaffee« die durchschnittliche Wachphase eines kosmopolitischen Großstadtheinis mit ausgeprägter Trendaffinität und Hang zum ironischen Euphemismus um 3,37 Stunden. Daraus ergeben sich pro Jahr 216.145,65 volkswirtschaftlich nutzbare Arbeitsstunden, allein im Westteil der Bundesrepublik. Die gewonnene Zeit würde jedoch, nach unabhängigen Stimmungsumfragen, zum Großteil zum BILD-Lesen, Bloggen, Twittern, Liken oder Bockwurstessen verwendet werden.</p>
<p style="text-align: left;">Die SAUGPAPPE als unabhängige moralische Instanz rät deshalb: Wer heute noch Tee trinkt, dem ist nicht zu helfen. Genießen Sie Ihren Bockwurstkaffee und fürchten Sie weiterhin die verklärte volkstümliche Vorstellung des behaglichen Schlafes als Refugium der umherirrenden, postmodernen Seele. Denn bringt der Schlaf Sie erstmal um die Ecke, bringt er Sie alsbald zur Strecke. Lassen Sie Ihre Enkel rein und auch solche, die sich als die Ihrigen ausgeben. Das ist deutlich spannender und erfrischender als ein weiterer Morgen mit Ingo Nonsense und seinem präpubertären Bartwuchs.</p>
<p style="text-align: left;"><em>Foto © <a title="Ralf Skjerning &quot;Coffee with Unsalted Butter&quot;, flickr.com" href="http://www.flickr.com/photos/mononom/6975890563/" target="_blank">Ralf Skjerning &#8220;Coffee with Unsalted Butter&#8221;, flickr.com</a></em></p>
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		<title>Damals und heute - Nichts ahnend und noch weniger vom neuen Tag erwartend öffnete Michael Höllenschmied seine Augen. Es war April und einer jener Frühlingstage, an denen sich Apotheken mit geschmacklosen Pfandregenschirmen, die ob ihrer schieren Nützlichkeit nie zurück gebracht werden, eine goldene Nase verdienen.</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Apr 2012 08:30:54 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nichts ahnend und noch weniger vom neuen Tag erwartend öffnete Michael Höllenschmied seine Augen. Es war April und einer jener Frühlingstage, an denen sich Apotheken mit geschmacklosen Pfandregenschirmen, die ob ihrer schieren Nützlichkeit nie zurück gebracht werden, eine goldene Nase verdienen.In einem Anflug morgendlicher Unruhe schnappte sich Höllenschmied die abgegriffene Fernbedienung und warf sie gegen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h3 style="font-size: 20px; line-height: 1.3; text-align: left; color: #0aa; font-style: italic">Nichts ahnend und noch weniger vom neuen Tag erwartend öffnete Michael Höllenschmied seine Augen. Es war April und einer jener Frühlingstage, an denen sich Apotheken mit geschmacklosen Pfandregenschirmen, die ob ihrer schieren Nützlichkeit nie zurück gebracht werden, eine goldene Nase verdienen.</h3><p style="text-align: left;">In einem Anflug morgendlicher Unruhe schnappte sich Höllenschmied die abgegriffene Fernbedienung und warf sie gegen die glanzlose Fototapete. Über Nacht hatte sein Schlüssel zur Welt einen ungesunden roten Abdruck an seiner rechten Wange hinterlassen und das Karibikmotiv durfte Höllenschmieds aufflammende Wut darüber nun ausbaden. Die Tapete war jedoch ohnehin in einem erbärmlichen Zustand: den ehemals reinweißen Sandstrand überdeckte ein gelblicher Nikotinfilm und der blaue Himmel war überzogen von dunklen Überresten toter Stechmücken. “Pfandregenschirme! Sonnenklar dass diese Apotheker auf solche Ideen kommen. Schließlich verdienen die seit jeher das Geld mit dem Leid ihrer Mitmenschen. Die wissen wie der Hase rollt! Rubel läuft! Rubel rollt!”, sagte Höllenschmied und lachte kurz auf, nur um dann festzustellen, dass Sprichwörter noch nie zu seinen Stärken gehörten. Er lachte erneut kurz auf, nur um dann festzustellen, dass in seiner leeren Wohnung niemand seine spitzfindige Bemerkung mitbekommen hatte.</p>
<p style="text-align: left;" dir="ltr">Routiniert griff Höllenschmied zu den Zigaretten, die auf seinem Nachttisch lagen und warf dabei unachtsam die obligatorische Kleenex-Maxibox herunter. Gerade als er sie wieder aufheben wollte, der Tag war erst angebrochen und noch von äußerst langer Dauer, fiel sein Blick auf das kitschige Ratgeberbuch, das ihm seine Schwägerin zum Geburtstag geschenkt hatte. Er zündete eine Zigarette an und ließ den Rauch des ersten Zugs verächtlich durch seinen rechten Mundwinkel entweichen: “So ein Humbug. Mein Leben vereinfachen. Viel simpler geht’s ja kaum noch.”, sagte er während er durch die ungelesenen Seiten blätterte. Um ein Zeichen gegenüber jedweder Schundliteratur zu setzen, aschte und hustete er einmal kräftig in das Buch hinein und warf es vom Bett aus direkt in den Papierkorb.</p>
<p style="text-align: left;" dir="ltr">Auf einmal klingelte sein Radiowecker. Er hatte wohl vergessen ihn auszuschalten und die Klänge eines Jason Derulos verdrängten die morgendliche Idylle seines Kleinods. “Ich vermisse dich nur, wenn ich atme. Ich brauche dich nur, wenn mein Herz schlägt.”, tönte es aus den winzigen Lautsprechern. Überwältigt von Derulos Vertrauen in die Abstraktiongsgabe seines jugendlichen Publikums und niedergeschlagen ob der überschäumenden Naivität des Textes, schloss Höllenschmied seine Augen und begann zu träumen. Das Träumen fiel ihm leicht. Er musste sich nur zurück lehnen und das Kopfkissen, welches nun als Rückenlehne diente, aufrichten, um seinen Gedanken freien Lauf zu lassen.</p>
<p style="text-align: left;" dir="ltr">Die gelben Schleier an seiner Fototapete verschwanden und er erwachte an einem makellosen Südseestrand. Um ihn herum standen aufgeregte Menschen, die sich nach seinem Befinden erkundigten. “Sehr aufmerksam”, dachte er sich. “Wird er wieder? Ist ja wieder mal typisch. In solchen Situationen bekommt er immer kalte Füße.”, sagten die Stimmen. “So, Michael, scheiß Kreislauf, kennen wir ja. Dann können wir ja gleich loslegen. Geh dich noch mal auf dein Hotelzimmer frisch machen! Der DJ ist gerade mit dem Soundcheck fertig geworden. Jason Derulo für deine Strandhochzeit. Euer Lied! So wie du es dir schon immer vorgestellt hast.” “Haha, Derulo auf meiner Hochzeit, genau.”, dachte er sich. Jetzt mussten sich sogar seine Träume gegen ihn verschworen haben. Also versuchte er mit aller Gewalt aufzuwachen. Für ihn war es genau der Moment, in dem er normalerweise bemerkte, dass sein Kopf ihm wieder mal einen Streich spielte. Aber diesmal wachte er nicht auf, egal wie sehr er sich anstrengte. “Was ist los, Michael?”, fragte eine schemenhafte Figur.</p>
<p style="text-align: left;" dir="ltr">Langsam erlangte Höllenschmied wieder volles Bewusstsein und erkannte Peter, seinen Trauzeugen. “Was ist bloß aus mir geworden, Peter?” “Übertreib mal nicht, so lang warst du auch nicht weg. Ich musste dich dreimal Ohrfeigen, damit du wieder zu dir kommst! Deine Wange ist schon ganz rot.” Ungläubig fuhr sich Höllenschmied über sein Gesicht und tatsächlich spannte und schmerzte seine Haut. Was war bloß aus ihm geworden?</p>
<p style="text-align: left;" dir="ltr">Foto © by <a title="The Greek Idyll at flickr.com" href="http://www.flickr.com/photos/mistybushell/4034360298/" target="_blank">sub_lime 79, &#8220;The Greek Idyll&#8221; via flickr.com</a></p>
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		<title>Der Stadtist - Die Stadt ist seine Bühne. Herold Kleinmann ist selbsternannter "Stadtist". Jeden Tag, außer montags, versucht er seine Heimatstadt für Bewohner und Touristen ein bisschen erträglicher zu machen</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Apr 2012 08:00:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Stadt ist seine Bühne. Herold Kleinmann ist selbsternannter "Stadtist". Jeden Tag, außer montags, versucht er seine Heimatstadt für Bewohner und Touristen ein bisschen erträglicher zu machenFür Herold Kleinmann ist es ein Tag wie jeder andere. Der Frührentner, 31, kocht sich einen Rooibos-Tee und nach exakt dreieinhalb Minuten wendet er den Teebeutel, nur um ihn [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h3 style="font-size: 20px; line-height: 1.3; text-align: left; color: #0aa; font-style: italic">Die Stadt ist seine Bühne. Herold Kleinmann ist selbsternannter "Stadtist". Jeden Tag, außer montags, versucht er seine Heimatstadt für Bewohner und Touristen ein bisschen erträglicher zu machen</h3><p id="internal-source-marker_0.33336440186447935" style="text-align: left;" dir="ltr">Für Herold Kleinmann ist es ein Tag wie jeder andere. Der Frührentner, 31, kocht sich einen Rooibos-Tee und nach exakt dreieinhalb Minuten wendet er den Teebeutel, nur um ihn wenige Sekunden später aus der Tasse zu nehmen und im Biomüll zu entsorgen. Das Etikett kommt vorher natürlich ins Altpapier &#8211; darauf legt Kleinmann wert. Gleich bricht er auf in die Stadt, doch während der Tee abkühlt überprüft er nochmal sämtliche Details seines beigen Anzugs, den er routiniert mit hellbraunen Budapestern kombiniert. “Irgendwann war ich dem Frührentnerdasein überdrüssig. Ich meine, man freut sich jahrelang auf den Ruhestand, das Studium war stressig genug, und plötzlich ist er da. Nun gut, nicht ganz freiwillig. Betriebsbedingte Kündigung, Sie wissen schon. Aber nach zwei Jahren Praktikum ist man ziemlich dankbar für jeden Tapetenwechsel, auch wenn es die eigene ist.”</p>
<p style="text-align: left;" dir="ltr">Nach einem kurzen Blick in den Spiegel bindet er kurzerhand seine goldfarbene Krawatte neu (<em>Anm. der Red.: Aus dem Kent wird ein doppelter Windsor</em>) und achtet penibel darauf, dass ihre Spitze akkurat kurz über der Gürtelschnalle endet. “Jedenfalls sitzt man dann an seinem Küchentisch, liest die Tageszeitung und fragt sich: Soll es das nun schon gewesen sein?” Kleinmann hätte es wie viele andere seiner Altersgenossen machen können. Aber er wollte nicht mit Anfang 30 in Selbstmitleid versinkend die alten Zeiten preisen, über die Jugend herziehen und auf einem Kopfkissen aus dem Fenster lehnend fremde Passanten ansprechen. Stattdessen macht er sich zum Wohle der Gesellschaft nützlich. “Viele würden mein Frührentnerdasein als Unruhestand bezeichnen!”, sagt Kleinmann und lacht mit dem ganzen Körper. Er ist ein fröhlicher Mann.</p>
<p style="text-align: left;" dir="ltr">Wir fahren in die Innenstadt. Die zündende Idee kam ihm schon wenige Wochen nachdem er entlassen wurde. Herold, wie wir ihn nach wenigen Sätzen nennen dürfen (er bot uns im Bus das Du an), nimmt uns mit in sein Lieblingscafé und bestellt einen doppelten Espresso. Nach einem langen prüfenden Blick aus dem Fenster seufzt er und wendet sich uns zu: “Sie werden es nicht glauben wie verlottert diese Stadt inzwischen daher kommt. Das kann man doch niemanden zumuten! In den Straßen sieht man alte Leute und junge Väter auf Rollerblades, die den Kinderwagen wie einen römischen Streitwagen vor sich hertreiben. Schaut man in die Cafés und Restaurants, sieht man ausschließlich sektschlürfende Zahnarztgattinnen beim Lachsfrühstück und schon abends um Zehn werden die Bordsteine hochgeklappt. Nichts ist geblieben vom Charme der alten Kurstadt.”</p>
<p style="text-align: left;" dir="ltr">Herold erzählt uns wie er verwunderte Touristen beobachtete, die gestresst Fotos der rollerbladenden Väter machten und berichtet von einfachen Bürgern, die erschöpft auf den Bänken der Stadt saßen, von denen sie sogleich durch kräftige Tauben verjagt wurden. “Dann kam mir jene zündende Idee: Ich werde Stadtkomparse.” Seine Idee stellte er dem Citymarketing vor. “Die Reaktionen waren überragend. Endlich konnte ich von meinen Powerpoint-Kenntnissen profitieren. Die Präsentation schlug ein wie eine mittelgroße Bombe.”, berichtet Herold. Seine Idee war einfach und brillant: “Wie können Sie den Untergang Ihres Stadtbildes verhindern? Ganz einfach. Sie mieten mich für kleines Geld als Stadtkomparse!”</p>
<p style="text-align: left;" dir="ltr">Anfangs spielte Herold Kleinmann nur den freundlichen Mitbürger, der nach unvorhergesehenen Körperkontakt um Verzeihung bat und sich nach dem Befinden erkundigte. Schnell fanden Unternehmen Interesse an dem vitalen Anfangsdreißiger. Mit seinen Aufträgen wuchs auch seine Rollenvielfalt. “Da ich ja Frührentner bin darf ich nur wenige Stunden pro Tag arbeiten, aber das reicht mir. Über die reine Komparsenrolle bin ich aber hinausgewachsen.” Inzwischen hat er sogar feste Engagements. Zweimal wöchentlich spielt er für einige Stunden den verständnisvollen Busfahrer, einmal pro Woche den ausnahmslos freundlichen Kellner im Café, in dem wir gerade sitzen.</p>
<p style="text-align: left;" dir="ltr">Auf die Frage warum er sich das in seinem Alter noch antut, lächelt er kurz, rückt seine Krawatte zurecht und antwortet: “Wissen Sie, es geht mir nicht mehr ums große Geld. Ich brauche nicht viel zum Leben. Ich möchte Menschen einfach glücklich machen und der Gesellschaft etwas zurückgeben.” Kaum hat er diesen Satz ausgesprochen, zahlt er seinen doppelten Espresso und begibt sich zu seinem nächsten Auftrag. Heute wird er sich unauffällig, aber schick gekleidet, auf Touristenfotos schmuggeln und ihnen so die Erinnerungen an diese schnöde Stadt verschönern. So hatte alles vor wenigen Monaten angefangen. “Ich mache das immer noch am liebsten. Back to the Roots, sozusagen!”, ruft er uns noch zu bevor sich der Windfang hinter ihm schließt. Es sind eben die kleinen Dinge im Leben, die für den Frührenter Herold Kleinmann zählen. Auch wenn dafür sein wohlverdienter Ruhestand auf ihn warten muss.</p>
<p style="text-align: left;" dir="ltr">Foto © by <a title="Tauben via flickr.com" href="http://www.flickr.com/photos/80342577@N00/123121348" target="_blank">m.rauh, &#8220;Tauben&#8221;, flickr.com</a></p>
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		<title>Der Artikel - Direkt aus dem Epizentrum der Saugpappe</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Apr 2012 15:33:57 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Direkt aus dem Epizentrum der SaugpappeIch bin froh, dass ich diesen Artikel geschrieben habe. Vor mir hergeschoben habe ich ihn, Tage, Wochen, Monate. Eine ganze Dekade von Tagen. Tage, die davon bestimmt waren, dass ich morgens aufstand, meine Gedanken notgedrungen sortierte und mich nach einem kurzen Spaziergang, das Bad und die Küche streifend, wieder unverhohlen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h3 style="font-size: 20px; line-height: 1.3; text-align: left; color: #0aa; font-style: italic">Direkt aus dem Epizentrum der Saugpappe</h3><p style="text-align: left;">Ich bin froh, dass ich diesen Artikel geschrieben habe. Vor mir hergeschoben habe ich ihn, Tage, Wochen, Monate. Eine ganze Dekade von Tagen. Tage, die davon bestimmt waren, dass ich morgens aufstand, meine Gedanken notgedrungen sortierte und mich nach einem kurzen Spaziergang, das Bad und die Küche streifend, wieder unverhohlen in das wohltemperierte Bett begab, das mit seinen doppelt gelegten Winterdaunen und Art Deco-Bezug weiterhin entspannte Stunden versprach. So klopfte ich drei Mal auf das Zedernholz bevor ich meine Kaffeetasse nahm und sie sogleich wieder abstellte, denn sie war zu heiß geraten.</p>
<p style="text-align: left;">Eigentlich wunderbar dieses Zedernholz. Mir wurde es vor vielen Jahren von einem buckeligen Schreiner empfohlen, der noch krumme Reste übrig hatte. Normalerweise baute er daraus Standuhren, die er mir in aller Ruhe vorführte bevor er den kurzen Bleistift aus seiner Hemdtasche zückte und Maß nahm. Mit ein wenig Leim und viel Geduld schaffte er es, die Zargen fachmännisch zu dingsen, um dem Laien ein wannenähnliches Objekt des Schlafes wegen zu kredenzen. Täglich wenn ich zu Bett ging erinnerte es mich an die Wiege aus der Zeit, die meiner Adoleszenz vorausging. Deshalb gehen Menschen auch gerne auf Kreuzfahrten. Nicht mehr des Missionierens und nicht nur des großen Fressens wegen. Sondern um sich an das sanfte Schaukeln des mütterlichen Schoßes zu erinnern, das jäh abgelöst wurde durch eine Stahl-Wiegen-Konstruktion, die der sitzende Vater sonntäglich viel zu stark anschob; genauso wie er es kurze Jahre später tat mit der Autoreifenschaukel des öffentlichen Spielplatzes.</p>
<p style="text-align: left;">Aber dann kam mir die Erleuchtung, die Eingebung für diesen Artikel. Genau sowas wollte ich abliefern. In den Himmel hinein wollte ich es schreiben. Lang sollte der Text werden; länger als die XXXL-Wurst von Galileo, die fein säuberlich aufgerollt vor der Garage des hiesigen thüringischen Dorfmetzgers, mit Hilfe von seinen beiden Lehrlingen, fachmännisch auf ein Stahlgestell geschraubt wurde. Die baldigen Gesellen schwitzten, denn es war Hochsommer &#8211; aber am gestrigen Abend nur im Rundfunkempfänger, denn draußen vor der Tür bließ heute stetig der Ostwind, den Ben Wettervogel in den frühen Morgenstunden über acht Mal, wohlwollend variiert und notdürftig paraphrasiert, mit trügerischer Genauigkeit angekündigt hatte. Wie so oft stand Wettervogel irgendwo in der nichtssagenden Lüneburger Heide, vor einer nichtssagenden Wetterstation, um dem nichtsahnenden Zuschauer frühmorgendlich die Schweißesnässe ins Gesicht zu treiben. “Von Osten zieht eine Hagelfront auf, Autofahrer sollten besser ihre Wagen stehen lassen, um dem Unwetter ein Schnippchen zu schlagen!”, sagte er in seinem gewohnt staksig-unsicheren Sprachduktus, der von seiner schlechtsitzenden und von Orange geprägten ZDF-Wetterjacke visuell unterstrichen wurde.</p>
<p style="text-align: left;">Kaum hatte dieser Wettervogel seine Sätzchen an jenem Tag aufgesagt, hörte ich das Raunen der nachbarschaftlichen Mittelklassekombis. Ich zog mich am Bettpfosten hoch, fasste an den rostigen Griff und öffnete das Fenster ein wenig, denn es befindet sich auf Höhe meiner Knie, die zu nachts häufig kalt wurden bis ich Abhilfe schaffte und eine dickere Gänsedaunendecke kaufte. Draußen auf der Straße war der nachbarliche Herr Schneider erzürnt des Wetterberichts wegen und brach sogleich auf, damit er dem herannahenden Wolkenbruch entgehen konnte. Schließlich habe er heute neue Zahlen zu präsentieren. Gute Zahlen in stürmischen Zeiten, ausnahmsweise. Und “das bisschen Hagel kann einen leitenden Sachbearbeiter des Fachbereichs ‘Kredite’ einer Stadtsparkasse nicht davon abhalten, um 8.30 Uhr am Schreibtisch Dienst nach Vorschrift zu vollziehen!”, schrie er durch die geöffnete Wohnungstür, nachdem er hektisch seinen Autoschlüssel gesucht hatte und ihn im Vorgarten fallen ließ, was dazu führte, dass seine Nochehefrau vom gekippten Küchenfenster schrie, dass er auf die neu gepflanzten Radieschen aufpassen solle, denn bald sei Frühling und da würde sie das Gemüse ernten und es dem Vorspeisensalat beigeben. Denn bald sei sie weg und dann könne er sein Gemüse selbst ernten. Doch als er die Autotür verschloss und den Motor selbstzündete fiel ich, der Diskretion wegen, wieder auf meinen Rücken, genoss den erkalteten Kaffee und schrieb meinen Artikel, den ich bald darauf dem Telefax zuführte und nach Hamburg schickte. Dort war das Unwetter bereits angekommen.</p>
<p style="text-align: left;">Foto © by <a title="Notepad Art" href="http://www.flickr.com/photos/stephendann/3238731252/" target="_blank">Stephan Dann, &#8220;Notepad Art&#8221; via flickr.com</a></p>
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