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        <title>naklar</title>
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            <title>42 deiner Freunde gefällt das</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Führt der Informations-Überfluss dazu, dass wir unsere Vorurteile verfestigen, anstatt uns ein umfassendes Bild von der Welt zu verschaffen?</strong><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="like1.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/like1.jpg" width="240" height="180" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span></p><p>Als ich ein Kind war, hatten wir zwei Fernsehprogramme - die beiden staatlichen österreichischen Sender. In den Abendnachrichten sah man sich an, was die Redakteure eben für die wichtigsten Nachrichten des Tages hielten, egal ob man selbst auch dieser Meinung war oder nicht.</p>

<p>Das ist noch gar nicht so lange her - so schrecklich alt bin ich schließlich nicht. Aber die Art, wie wir an Information gelangen, hat sich radikal geändert. Unser Nachrichtenkonsum heute wird massiv durch Suchmaschinen wie Google oder durch soziale Plattformen wie Facebook beeinflusst. Wer tritt in diesem Informationsnetz an die Stelle der Nachrichtenredakteure? Wer sortiert die Neuigkeiten und wählt die wichtigsten für uns aus? Gerne glauben wir, dass wir selbst die bewusste Entscheidung treffen, an welche Information wir gelangen wollen. Doch das ist eine  Illusion, von der wir uns lösen müssen.</p>

<p><strong>Völlig unterschiedliche Informations-Welten</strong></p>

<p>Eine junge Arabistikstudentin liest vielleicht stundenlang Berichte über Innenpolitik im Nahen Osten, chattet mit ihren ägyptischen Freunden und bloggt dann darüber. Ihre Nachbarin hingegen ist Fotografin und informiert sich täglich über technische Neuigkeiten, über Fotowettbewerbe und Ausstellungen. Ihr Bruder weiß alles über die europäischen Königsfamilien und kann genau erklären, wessen königliche Verwandtschaft mit wem auf welcher Yacht gerade welcher Insel zusteuert. Alle drei fühlen sich bestens informiert, und doch leben alle drei in ganz verschiedenen Informations-Welten.</p>

<p>Das muss nicht unbedingt schlimm sein. Jeder hat das Recht, sich für gewisse Dinge zu interessieren und für andere nicht. Die Frage ist allerdings: Entscheiden wir tatsächlich selbst, an welche Information wir gelangen, und an welche nicht? Leider nicht. Ob wir es wollen oder nicht, wir schwimmen in einen Informations-Sog mit, aus dem man sich nur mit Mühe und Kraftanstrengung herauswinden kann.<br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="like2.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/like2.jpg" width="400" height="300" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span><strong>Mitschwimmen mit der Strömung</strong></p>

<p>Ich bin wohl ein ziemlich typischer Internetuser: Ich klicke regelmäßig auf verschiedene Onlinezeitungen, entscheide innerhalb von Sekunden, welche Artikel mich interessieren, die anderen ignoriere ich. Viel von dem was ich lese, wurde mir von anderen Leuten empfohlen: Auf Facebook verlinken Freunde interessante Artikel - natürlich klickt man gerne auf einen Text, der von einem Freund mit ähnlichen Interessen als lesenswert gesehen wird. Man liest Blogs, gerät von dort auf andere Blogs oder zu Zeitungsartikeln. Stundenlang kann man sich in ein Thema vertiefen, indem man Links folgt und von Video zu Artikel zu Podcast weiterklickt. Allerdings bewegen wir uns hier auf den ausgetretenen Pfaden, die uns Suchalgorithmen und von anderen Leuten gesetzte Links vorgeben. Mit Objektivität hat das nichts zu tun.</p>

<p><strong>Künstlich generierte Zensur?</strong></p>

<p>Wenn ich meinen Lesekonsum an dem ausrichte, was meine Freund auf Facebook empfehlen, bekomme ich einen hochgradig gefilterten Info-Mix, der sich höchstwahrscheinlich ziemlich gut mit meinen Ansichten und Meinungen deckt. Meine Meinung wird durch diese Selektion gestärkt, auf die Ansicht der Gegenseite stoße ich viel seltener. Schlimmer noch: Die Suchalgorithmen solcher Webseiten unterscheiden sogar zwischen Freunden, deren Links ich oft anklicke, und Freunden, mit denen ich wenig virtuellen Kontakt habe. Facebook präsentiert mir eine Seite, die zu meinem bisherigen Klickverhalten passt - das ist aber nicht unbedingt die Zusammenstellung, die zu meinen Bedürfnissen passt. Wenn ich auf Google einen Suchbegriff eingebe, bekomme ich andere Ergebnisse als andere Internetuser. So etwas wie „objektive" Google-Ergebnisse gibt es nicht. Aus meinem bisherigen Surfverhalten, oder auch aus Parametern wie meinem Aufenthaltsort, wird automatisch darauf geschlossen, welche Information für mich die richtige sein soll. Ich selbst kann auf diesen Prozess kaum Einfluss nehmen. Das ist ein echtes Problem. Auf Seiten wie "Scienceblogs" gelangt man als wissenschaftsinteressierter Mensch recht leicht. Andere Leute befinden sich in einem anderen Internet-Sog und landen ganz woanders.</p>

<p><strong>Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?</strong></p>

<p>Wir haben das Bedürfnis, uns weiterzuentwickeln. Daher kann es nicht die beste Lösung sein, immer mit jener Information konfrontiert zu werden, die möglichst gut zu dem passt, was wir bereits konsumiert haben. Auch wenn wir immer wieder mal auf Simpsons-Clips, auf geekige Webcomics oder LOLcats geklickt haben: Das bedeutet nicht, dass uns diese Information wichtiger ist als außenpolitische Nachrichten oder eine neue wissenschaftliche Entdeckung. Wenn uns von irgendwelchen Suchmaschinen vorgeschlagen wird, was uns interessieren könnte, dann sollte das auf die Person zugeschnitten sein, die wir gerne wären - nicht auf die, die wir sind. Wir sollten mit den Meinungen konfrontiert werden, die unser vorhandenes Wissen ergänzen - nicht mit Meinungen, die unseren Glauben bestärken. Wir sollten mit herausfordernden, neuen Gedanken in Kontakt gebracht werden - nicht mit den leichtverdaulichen Häppchen, die wir zwischendurch aus Bequemlichkeit ohnehin immer wieder mal konsumieren.</p>

<p>Wie sich das erreichen lässt, ist schwer zu sagen. Vielleicht entwickeln sich neue Ideen, mit denen wir unseren Suchmaschinen bewusst mitteilen können, wo unsere Bedürfnisse wirklich liegen. Letzten Endes wird man aber bei der Auswahl von Themen nie auf menschliche Intelligenz verzichten können. Den Redakteur, der mit großer Sachkenntnis auswählt, was veröffentlichenswert ist und was nicht, wird wohl kein Computer-Algorithmus wirklich ersetzen. Vielleicht sollte ich also weniger auf Facebook-Links klicken und mehr Zeit in ordentlich redigierten Online-Magazinen verbringen?</p>

<p><a href="http://www.ted.com/talks/eli_pariser_beware_online_filter_bubbles.html">Einen glänzenden Kurz-Vortrag zu diesem Thema hat Eli Pariser bei einer TED-Konferenz gehalten.</a></p>

<p><a href="http://www.naklar.at"><em>www.naklar.at</em></a><br />
 </p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/05/42-deiner-freunde-gefallt-das.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
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            <pubDate>Mon, 28 May 2012 17:34:22 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Billard spielen mit Quantenteilchen</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Mit Quanten-Billards habe ich mich einige Zeit lang selbst wissenschaftlich beschäftigt. Ich möchte im Lauf der Zeit hier einige Einblicke in dieses spannende Gebiet bieten - doch zuerst mal: Was ist das überhaupt für ein Zeug?</strong><br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="billard001.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/billard001.jpg" width="240" height="180" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span></p><p>Billard ist ein Spiel, das physikalisch ziemlich leicht zu verstehen ist. Wenn ich mit dem Queue die Kugel anstoße, wird sie sich von mir wegbewegen, wenn die Kugel die Bande trifft, wird sie reflektiert werden, wenn eine Kugel die andere berührt, werden sich beide mit geänderter Geschwindigkeit und Richtung weiterbewegen. Die Gesetze der klassischen Mechanik, die solche Bewegungen und Stöße mit wunderbarer Präzision beschreiben, sind seit langem genau bekannt. Niemand wird von irgendwelchen physikalischen Ereignissen am Billardtisch besonders überrascht sein - höchstens vom Talent der Spieler. Die Physik dahinter erscheint uns recht vertraut. Trotzdem gibt es heute viele Physiker, die sich mit Billardproblemen beschäftigen. <br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="billard005.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/billard005.jpg" width="240" height="240" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span></p>

<p><strong>Die Welt der großen Dinge ...</strong></p>

<p>Stellen wir uns nun vor, wir würden die Größe des Billardtisches ändern. Was würde geschehen, wenn unser Tisch mehrere Kilometer lang wäre? Passend dazu stellen wir uns auch noch Billardkugeln groß wie Einfamilienhäuser vor, und auch den Queue lassen wir entsprechend wachsen. Wenn wir selbst nun groß und stark genug wären, um mit diesem Riesenbillard zu spielen - wie würde das Spiel verlaufen? Die Kugeln würden sich genauso bewegen wie vorher. Wenn wir dieses Billardspiel im Fernsehen übertragen würden könnte niemand nur aufgrund der Bahnen der Kugeln sagen, ob es sich um den großen oder um den gewöhnlichen Billardtisch handelt. Die Gesetze der klassischen Mechanik sind auf dieselbe Weise anwendbar, unabhängig von der Größe unseres Systems. Diese Tatsache nennt man Skaleninvarianz. </p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="billard004.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/billard004.jpg" width="240" height="180" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span><strong>... und die Welt des Kleinen</strong></p>

<p>Was geschieht nun, wenn wir den Billardtisch immer kleiner machen? Zunächst überhaupt nichts. Auch auf einem zündholzschachtelgroßen Tisch mit winzigen Kugeln und zahnstocherartigen Queues könnte man - theoretisch - wie gewohnt Billard spielen. Wenn man allerdings die Abmessungen des Tisches weiter verkleinert, bis wir unser Billardspiel nur noch unter einem guten Mikroskop sehen können, bemerken wir, dass die Billardkugeln langsam beginnen, sich etwas ungewöhnlich zu benehmen. Die klassischen Kugelstoß-Gesetze an die wir uns so sehr gewöhnt haben, beschreiben das was wir sehen nur noch näherungsweise. Wenn wir in die Größenordnung von einzelnen Mikrometern (Millionstel Metern) oder gar Nanometern (Milliardstel Metern) kommen, und unsere Billardkugeln nur noch aus einem einzigen Teilchen (einem Atom oder Elektron) bestehen, dann erkennen wir, dass unsere Vorstellung von Kügelchen, die sich auf geraden Linien fortbewegen und aneinanderstoßen, endgültig keine Sinnvolle Betrachtungsweise mehr ist. Wir brauchen die Quantenphysik, um das Verhalten der Teilchen richtig vorhersagen zu können.</p>

<p><strong>Halbleiterbillards</strong></p>

<p>Winzigkleine Billardsysteme können also ein nettes Spielzeugmodell für Theoretiker sein. Ist das alles? Wenn das so wäre, hätten die Physiker wohl schon längst das Interesse daran verloren. Es steckt mehr dahinter. Solche winzigen Billards gibt es wirklich: Statt der Kugel verwendet man ein einzelnes Elektron, den "Tisch" kann man mikrometergroß herstellen - in Halbleiterstrukturen. Der Einfachheit halber hat unser Quanten-Billardtisch nur zwei Löcher: Eines links, das ist der Eingang, durch den das Elektron hereintritt, das andere rechts, dort kann das Elektron hinaus. Es kann sich aber auch, nachdem es mehrmals an den Wänden angestoßen ist, in das Eingangsloch zurückbewegen. Wenn nun immer wieder einzelne Elektronen von links in das Billard eintreten und (zumindest viele von ihnen) rechts wieder austreten, dann wird elektrische Ladung transportiert, es fließt Strom. Unser Billard ist also nun ein winziger elektronischer Bauteil, ein Stromleiter, wie ein Mini-Kabel.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="billard002.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/billard002.jpg" width="240" height="177" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span><br />
Bei einer Lampe mit Dimmschalter kann man kontinuierlich einstellen, wie viel Strom fließt. Wenn der Stromfluss in einem Mini-Draht aber nur aus einigen wenigen Elektronen besteht, ist das anders. Ein einzelnes Elektron geht entweder durch den Draht oder eben nicht. Niemals wird man ein halbes Elektron messen. Daraus ergeben sich quanten-Phänomene, die man am Computer berechnen und im Experiment überprüfen kann. Der Quanten-Hall-Effekt, für dessen Erklärung 1985 der Nobelpreis an Klaus von Klitzing vergeben wurde, ist Beispiel für einen Quanten-Effekt, der in solchen Mini-Billards nachweisbar ist. Er ermöglicht Strommessungen mit bisher unübertroffener Präzision. </p>

<p><a href="http://www.naklar.at/content/features/quanten2/"><em><br />
Mehr zum Quanten-klassischen Übergang auf www.naklar.at</em></a></p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


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            <pubDate>Tue, 22 May 2012 00:00:07 +0100</pubDate>
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            <title>Was machen die Briten besser?</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Seltsam, wie deutlich spürbar Unterschiede zwischen europäischen Staaten auch heute noch sein können. Gedanken von der Science Communication Conference 2012 in London.</strong></p><p>Raus aus dem Elfenbeinturm! Langsam spricht sich herum, dass Wissenschaft kein exklusiver Geheimbund sein kann, der mit der breiten Bevölkerung nichts zu tun hat. Ich bin derzeit in London und habe die Science Communication Conference 2012 besucht - hier wurde diskutiert, wie man Leute, die nicht vom Fach sind, für Wissenschaft begeistern kann. Mein erster Eindruck: Großbritannien ist uns in diesem Bereich deutlich voraus.</p>

<p>Mehrere hundert Personen hatten sich hier in London bei der Konferenz versammelt. Manche machen, so wie ich, Wissenschaftskommunikation für Universitäten, manche sind Wissenschaftler auf der Suche nach neuen Wegen, die Allgemeinheit zu erreichen, ein großer Teil von ihnen kommt von vielen verschiedenen Organisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Wissenschaft leicht verständlich und spannend zugänglich zu machen.</p>

<p><strong>Ich will auch!</strong><br />
Mit einer gehörigen Portion Neid muss ich sagen: Von den Strukturen, die hier in Großbritannien aufgebaut worden sind, können wir in Zentraleuropa nur träumen. Natürlich gibt es auch in Österreich hervorragende Arbeit in diesem Bereich - und in Deutschland sieht die Situation wohl noch etwas besser aus als in Österreich. Doch in meinen Diskussionen mit britischen Kollegen hier erkenne ich schon einen deutlichen Unterschied: In Großbritannien ist Wissenschaftskommunikation etwas Selbstverständliches, ein wesentlicher Teil der wissenschaftlichen Arbeit, ähnlich wie das Unterrichten von Studierenden oder das Schreiben von Papers. In Zentraleuropa sieht man Wissenschaftskommunikation ein nettes kleines Zusatz-Feature, das ganz erfreulich ist, das aber ebenso gut auch fehlen könnte. Wissenschaft für die Öffentlichkeit, das ist die Olive im Martini, die Schokostreusel auf dem Milchschaum: Nett - aber kein Teil des Wesentlichen.<br />
<strong><br />
Wissenschaftskommunikation gehört dazu</strong><br />
In Großbritannien, so wurde mir immer wieder versichert, sehen Wissenschaftler das „Public Engagement" als eine ihrer Aufgaben. Teilweise ist das in ihren Arbeitsverträgen verankert, die finanzielle Dotierung wissenschaftlicher Projekte richtet sich zu einem bestimmten Prozentsatz nach dem Public Outreach Impact. Das bedeutet zwei Dinge: Erstens gibt es Geld für diesen Bereich - sowohl aus dem öffentlichen als auch aus dem privaten Sektor, zweitens ist es relativ einfach, Wissenschaftler zu finden, die sich bereiterklären, bei Wissenschaftskommunikations-Projekten mitzumachen.</p>

<p><strong>Lachen über Wissenschaft</strong><br />
Steve Cross ist Betreiber von "<a href="http://www.brightclub.org/">Bright Club</a>". Bei diesem Wissenschaftskommunikations-Format wird Wissenschaft mit Comedy verknüpft. Bei jedem dieser Comedy-Abende stellen sich mehrere aktive Wissenschaftler auf die Bühne und präsentieren einen humorvollen Act rund um ihre Forschung. Ich stelle mir bildhaft vor, welches Gesicht Wissenschaftler in Wien machen würden, wenn ich sie bitten würde, einen Comedy-Act zusammenzustellen. Ich käme in größte Schwierigkeiten, auch nur für einen solchen Abend die nötigen Personen aufzutreiben - hier in Großbritannien ist das Format ein Selbstläufer, verbreitet sich von Stadt zu Stadt. Ich frage Steve Cross, was er macht, wenn die Wissenschaftler nicht wollen - er sieht mich erstaunt an und antwortet: Dann fragt er sie einfach noch einmal.</p>

<p><strong>Auch in Zentraleuropa gibt es tolle Ideen</strong><br />
Klar, auch bei uns gibt es ähnliche Konzepte: Die <a href="http://www.sciencebusters.at/sections/aktuell/posts">Science Busters</a> haben riesigen Erfolg und sind mittlerweile auch in Deutschland bekannt. In verschiedenen Städten gibt es Science Slams, bei denen junge Wissenschaftler die Massen begeistern - organisiert von Leuten wie<a href="http://www.scienceslam.de/hamburg/"> Julia Offe aus Hamburg</a> oder <a href="http://www.scienceslam.at/">Bernhard Weingartner</a> in Wien. Weingartners „<a href="http://www.physikmobil.at/">Physikmobil</a>" ist ein großartiges Projekt, das sicher auch hier in Großbritannien Begeisterung hervorrufen würde: Er packt ein Auto voll mit Physikexperimenten und zeigt sie dort vor, wo man normalerweise keine Wissenschaft zu sehen bekommt: Im Gemeindebau, im Freibad, beim Stadtfest. Doch solche Leistungen gehen in Österreich und Deutschland auf kleine Einzelinitiativen zurück. Kreative Menschen mit viel Energie und Einsatz leisten Großes - doch solche Initiativen sind schlecht finanziert, niemand weiß, wie lange man sie noch weiterführen kann, große Projekte sind auf diese Weise kaum durchführbar. In Großbritannien gibt es ein ganzes Netz von Organisationen, die in diesem Bereich tätig sind - finanziert von öffentlichen Mitteln und privaten Spenden, auch aus der Industrie.</p>

<p><strong>Kulturelle Unterschiede</strong><br />
Letztlich ist es eine Frage der Kultur. Im deutschsprachigen Raum gibt es leider noch immer die Vorstellung, man müsse möglichst hochgestochen und kompliziert daherreden, um als klug gelten zu können. Deutsche Philosophen sind viel schwerer zu lesen als englischsprachige, und es ist kein Zufall, dass viele große Wissenschaftskommunikatoren wie Richard Dawkins, Carl Sagan oder Neil deGrasse Tyson aus dem englischsprachigen Raum kommen. Wissenschaftskommunikation hat nun mal in Großbritannien mehr Gewicht als in Deutschland oder Österreich, das werden wir nicht von einem Tag auf den anderen ändern können. Aber ein paar große Schritte in diese Richtung würde ich mir schon wünschen.</p>

<p><a href="http://www.naklar.at"><em>www.naklar.at</em></a></p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


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            <link>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/05/post.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
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            <pubDate>Wed, 16 May 2012 00:52:37 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Von Durchfallerkrankungen und Einschaltquoten</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Vom Einfachen gibt es meist mehr als vom Komplizierten - das stimmt bei biologischen Organismen genauso wie bei Kulturgütern und Ideen. Vor allzu simplen Qualitätsbewertungen sollten wir uns hüten.</strong></p><p>Wir Menschen sind der Höhepunkt der Evolution - so sehen wir uns gerne. Die gesamte Evolutionsgeschichte kann als Entwicklung vom Einfachen zum Komplexen gesehen werden, und ganz am Ende dieser Entwicklung sehen wir uns selbst - ausgestattet mit einem atemberaubend komplizierten Gehirn, das uns ermöglicht, unsere Umwelt viel radikaler zu beeinflussen als das irgendeine andere Spezies dieses Planeten jemals konnte. Wir sind die Krönung der Evolution, wir sind die Lebewesen, die unsere Erde fest im Griff haben, alles andere ist Beiwerk.<br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="quotenkönig.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/quotenk%C3%B6nig.jpg" width="240" height="195" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span><br />
<strong>Menschen? Eine Randgruppe!</strong></p>

<p>Solchen Hochmut kann man aber auch recht schnell hinwegfegen, wenn man etwas andere Maßstäbe anlegt. Es gibt auf der Erde nämlich viele Lebewesen, denen wir Menschen ziemlich egal sein können. Die Ameisen, die manchmal durch Ritzen im Fenster in meine Altbauwohnung eindringen, betrachten meinen Schreibtisch als ihr Territorium - eigentlich mit dem selben Recht wie ich. Bei einer demokratischen Abstimmung würde ich verlieren: Ich bin nur einer - doch in einem Ameisenstaat können mehr Individuen leben als Menschen in ganz Wien. </p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="quote2.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/quote2.jpg" width="240" height="174" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span><br />
Insekten sind einfacher und weniger komplex gebaut als wir - aber spielt Komplexität wirklich die entscheidende Rolle? Welche Lebewesen haben die Erde wirklich im Griff? Nach welchen Kriterien misst man evolutionären Erfolg? Insekten haben ein kurzes Leben, doch sie können sich rasend schnell vermehren. Sie sind widerstandsfähig und flexibel. Insekten haben die unterschiedlichsten Ökosysteme bevölkert, man schätzt, dass es auf der Welt insgesamt etwa zehn hoch neunzehn von ihnen gibt - tausende für jeden Quadratmeter Erdoberfläche. Dagegen sind wir Säugetiere eine lächerliche Minderheit. </p>

<p><strong>Klein, einfach, zahlreich</strong></p>

<p>Die allermeisten Lebewesen allerdings sind noch viel simpler: Die meisten Individuen auf der Erde gehören zu den Prokaryoten - zu ihnen zählen auch die Bakterien. Diese winzigen Lebewesen mit einem vergleichsweise simplen Zellaufbau haben nicht einmal einen richtigen Zellkern, aber den brauchen sie offensichtlich nicht, um unglaublich erfolgreich zu sein. Man könnte sie durchaus als die Herrscher der Erde betrachten. Sie sind auf dem ganzen Planeten allgegenwärtig. In einem Milliliter Wasser unserer Flüsse und Seen sind rund hunderttausend von ihnen enthalten. Ob im Gestein am Meeresgrund oder hoch oben auf Berggipfeln: Überall Prokaryoten! Durch Zellteilung können sie sich rasend schnell vermehren. Insgesamt bevölkern etwa fünf mal zehn hoch dreißig von ihnen die Erde. Auch wenn sie winzig klein sind übertrifft ihre Biomasse bei weitem die der gesamten Menschheit. Nicht einmal in unserem eigenen Körper sind wir alleine: Jedes Stückchen unseres Darms enthält mehr Bakterien als es Menschen auf der Welt gibt. Eine Durchfallerkrankung ist für mich zwar ziemlich ärgerlich, aber für die Mehrzahl der Lebewesen in meinem eigenen Körper eine äußerst erfreuliche Entwicklung.</p>

<p><strong>Einfachheit bring Erfolg</strong></p>

<p>Dass die Evolution immer Komplizierteres hervorbringt, mag zwar durchaus stimmen, aber mindestens genauso wichtig scheint eine ganz andere evolutive Grundregel zu sein: Was einfach ist und sich mit wenig Aufwand vervielfältigen lässt, liegt am Ende in der größten Stückzahl vor. Das ist der Grund, warum Cholerabakterien häufiger sind als Pandabären und warum es mehr Fruchtfliegen gibt als Menschen. Einfachheit und rasche Reproduktion sind allerdings nicht nur bei Lebewesen wichtig, sondern auch bei Ideen, Gedanken und Verhaltensmustern. Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins prägte den Begriff „Memetik" und wies darauf hin, dass sich Geistiges (die „Meme") ganz ähnlich verbreiten kann wie die Gene der Erbinformation.</p>

<p>Kochrezepte, Witze, Geschichten, Musikstücke, Religionen, Staatsformen - sie alle sind Inhalte unseres Denkens, die von einer Person zur nächsten weitergegeben werden, sich dabei verändern können und oft in Konkurrenz zueinander stehen. Genau wie es eine genetische Evolution gibt, kann man auch eine memetische Evolution beobachten. Und genau wie bei der genetischen Evolution gilt auch in der Memetik: Nicht das Klügste, Komplizierteste, Durchdachteste muss sich durchsetzen, sondern meist ist das Einfache besonders erfolgreich.</p>

<p>Verkürzte Slogans, die einfach klingen und rasch von Mensch zu Mensch weitergegeben können, finden daher in der Welt der Meme die größte Verbreitung. So wie sich manche Krankheitserreger darauf spezialisiert haben, unseren Verdauungstrakt zu befallen, weil sie dort eine nahrhafte und warme Umgebung vorfinden, gibt es auch Ideen und Gedankenkonzepte, die sich tief in unserem Bauchgefühl ansiedeln, und es sich dort gemütlich machen. Populistische Politiker nützen das aus und streuen bewusst Meme ins Volk, die sich schnell vermehren können - und das sind nicht die klugen, durchdachten, komplexen Problemlösungsansätze, die wir eigentlich brauchen würden. „Ausländer raus!" ist rasch an eine Hauswand gesprayt, erregt die Gemüter, befällt neue Gehirne und wird weitergegeben. „Wir müssen im Rahmen der sozioökonomischen Gesamtsituation integrative Schritte setzen um das Abnehmen der sozialen Kohärenz und damit verbundene demokratiefeindliche Entwicklungen nicht ausufern zu lassen" ist hingegen ein jämmerlich schlechtes Mem. Ich könnte den Satz an hundert Hauswände schmieren und nächste Woche hätte ihn sich trotzdem noch niemand gemerkt.  <br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="quote3.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/quote3.jpg" width="320" height="299" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span><br />
<strong>Wissenschaft - ein unhandlicher Mem-Komplex</strong></p>

<p>Die Wissenschaft hat in diesem Punkt keine einfache Position: Wissenschaftliche Inhalte sind meist nicht auf den ersten Blick zu verstehen. Man muss viel Zeit investieren, um sich die Meme der Wissenschaft anzueignen, und selbst wenn man das geschafft hat, ist man noch nicht notwendigerweise in der Lage, sie auch korrekt weiterzugeben. Noch dazu haben Wissenschafts-Meme so etwas wie eine eingebaute Vermehrungsbremse: Als Wissenschafts-Mem wird nur etwas anerkannt, das durch neue Experimente getestet und widerlegt werden kann - und wenn das geschieht, stirbt das Mem rasch aus. Unwissenschaftliche Aussagen können viel bessere Meme sein: „Ich habe mein Schlafzimmer auspendeln lassen, mein Bett von der Wasserader weggerückt, und jetzt schlafe ich viel besser."  „Im Dezember schlägt ein fremder Planet auf der Erde ein, die Regierung weiß davon, aber vertuscht alles." „Wenn man Kristalle ins Wasser legt, wird es mit kosmischer Energie aufgeladen und heilt alle Krankheiten." - Simpel, leicht zu merken, emotional ansprechend: Diese Aussagen erfüllen alle Kriterien erfolgreicher Meme. Es ist kein Wunder, wenn sie sich ähnlich rasch verbreiten wie E. coli in einem warmen Misthaufen.</p>

<p><strong>Einschaltquoten als memetische Inventur</strong></p>

<p>Die selbe Argumentationslinie kann auch erklären, warum das Fernsehprogramm so schlecht ist, warum auf so vielen Radiosendern nur Musik läuft, die mit maximal drei Akkorden auskommt, und warum Monstertruckshows populärer sind als Theaterabende. Vielleicht ist das auch alles nicht so tragisch: Unser Ökosystem würde ohne simple Mikroorganismen nicht funktionieren - und vielleicht braucht auch das menschliche Gehirn einfach ab und zu mal primitivere Geistesnahrung. Dagegen ist nichts zu sagen. Wir dürfen nur nicht den Fehler machen, Popularität mit Wahrheit zu verwechseln. </p>

<p>Manchmal kann man Meme durchaus anhand ihrer Verbreitung beurteilen: Wenn ich hundert Leute frage, ob Rom oder Madrid die Hauptstadt von Italien ist, dann kann ich mich danach auf die Mehrheitsentscheidung vermutlich ziemlich gut verlassen. Hier vergleiche ich zwei Meme ähnlicher Komplexität. Dasselbe geschieht bei demokratischen Abstimmungen, daher funktioniert Demokratie meist ziemlich gut. Wenn man dieses Prinzip aber ausdehnt und auch unterschiedliche Meme nur noch nach ihrer Häufigkeit bewertet, wenn man Einschaltquoten, Abonnentenzahlen und Internetklicks mit allgemeingültigen Wertmaßstäben verwechselt, dann macht man den selben Fehler als würde man eine Bakterienkultur mit zwanzig Milliarden Einheiten wichtiger nehmen als die Menschheit. </p>

<p>Wir Menschen sind, mit dem ungeheuren geistigen Komplexitätsgrad, den wir erreicht haben, für diesen Planeten tatsächlich etwas ganz Besonderes. Wir haben Dinge hervorgebracht, die es vorher nie gegeben hat. Wir haben Landwirtschaft erfunden, Gentechnik und Antibiotika. Durch Wissenschaft und Technik können wir tiefer tauchen als Wale und höher fliegen als Adler - und das obwohl es gerade mal ein paar Milliarden von uns gibt. Komplexität ist schon ziemlich großartig. Es kommt eben nicht immer auf die Quoten an.</p>

<p><a href="http://www.naklar.at/content/comments/sensationsmedien/"><em>Mehr auf www.naklar.at: Sensationsmedien gefährden die Wissenschaft</em></a></p>

<p><br />
<small><br />
Mehr Zahlenmaterial:<br />
<a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC33863/?tool=pmcentrez">Prokaryotes: The unseen majority:  William B. Whitman, David C. Coleman, and William J. Wiebe, PNAS, 1998.</a></small><br />
<small><a href="http://www.si.edu/Encyclopedia_SI/nmnh/buginfo/bugnos.htm">Smithsonian Institution, Washington: Numbers of Insects</a></small></p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/05/von-durchfallerkrankungen-und-einschaltquoten.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Massenmedien</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Memetik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaft</category>
            
            <pubDate>Tue, 08 May 2012 00:08:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Tod durch Lichtnahrung</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Todesfälle durch anti-wissenschaftlichen Wunderglauben sind furchtbar. Nach einzelnen Schuldigen zu suchen löst keine Probleme.</strong></p><p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="black.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/black.jpg" width="240" height="180" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span><br />
Es ist ein trauriges Thema - und eines, bei dem man nicht polemisieren soll: Wie der Schweizer <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Von-Licht-ernaehrt--bis-in-den-Tod/story/28039574">„Tages-Anzeiger" berichtete</a>, ist eine Frau beim Lichtfasten gestorben. Es heißt, sie habe eine Radikalfastenkur begonnen, wie sie die australische Esoterikerin Jasmuheen anpries: Drei Wochen lang müsse man fasten, in der ersten Woche dürfe man auch nichts trinken, dann stelle sich der Körper auf die Aufnahme von Prana um - einer Art von Lichtenergie. Statt Nahrung brauche man dann nur noch Licht. Bekannt wurde diese selbstzerstörerische Fastenmethode durch den Film „Am Anfang war das Licht" von P.A. Straubinger, <a href="http://www.naklar.at/content/comments/lichtfasten/">über den ich bereits ausführlicher berichtet habe.</a></p>

<p><a href="http://www.relativ-kritisch.net/blog/allgemein/p-a-straubinger-%E2%80%9Eam-anfang-war-das-licht-am-ende-die-dunkelheit">In</a> <a href="http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2012/04/am-anfang-war-das-licht-fordert-erstes-opfer.php">verschiedenen </a><a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/04/lichtnahrung-und-weltuntergang-wenn-irrationaler-unsinn-menschen-umbringt.php">Blogs </a>wurde bereits darüber geschrieben - und nicht nur dort. Es ist nicht besonders überraschend, dass nun die Frage gestellt wird: Wer trägt Schuld an diesem traurigen Todesfall? Jasmuheen? Der Film? P.A. Straubinger?</p>

<p>Nein. Es wäre viel zu simpel, einer bestimmten Person die Schuld an dieser Tragödie aufzubürden. So mächtig ist kein Film und kein Filmemacher - zum Glück nicht. Ein Film wie „Am Anfang war das Licht" bringt keine Leute um. Aber er ist ein Symptom einer Geisteshaltung, die gesellschaftlich äußerst problematisch ist - einem tief verankerten esoterischen Wunderglauben, gepaart mit geringer wissenschaftlicher Bildung und einem tiefen Misstrauen gegenüber naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.</p>

<p>Menschen, die von anti-wissenschaftlichen und esoterischen Theorien ins Unglück gestürzt werden, gibt es leider immer wieder: Es gibt Leute, die von dubiosen Sekten in psychische Abhängigkeit gezerrt werden. Es gibt Leute, die sich finanziell ruinieren, weil ihnen esoterische Berater oder Gesundbeter einreden, es sei ihre einzige Chance. Es gibt Leute, die einen vielleicht lebensrettenden Arztbesuch verweigern, weil sie auf unwirksame Alternativmittelchen setzen. Jeder einzelne Fall ist eine persönliche Tragödie. Allen Opfern gebührt Mitgefühl, ein überlegener Abschottungsreflex nach dem Motto „selber Schuld - Dummheit bestraft sich eben selbst", ist völlig fehl am Platz. </p>

<p>Gefährdet sind Menschen in Krisenphasen, die irgendwo Halt suchen - und dabei oft an die Falschen geraten. Welche esoterische Theorie dann eine Katastrophe auslöst, ist am Ende wohl reiner Zufall. Wer vom einen Eso-Trend verschont bleibt, verfängt sich eben in einem anderen. Wenn wir bei einem konkreten Fall nach Schuldigen suchen, machen wir einen logischen Fehler, der auch in Gesundheitsdebatten oft zu beobachten ist: „Mein Kind ist lungenkrank - ist die Autobahn schuld?", wird dann gefragt. Wer ist letztes Jahr an einem Krebs gestorben, der durch erhöhte Strahlung in Transatlantikflügen ausgelöst wurde? Hat ein großes Grillfest vor zehn Jahren Todesfälle durch Herzverfettung verursacht? All diese Fragen machen keinen Sinn. Schädlich sind nicht Einzelursachen, sondern ein ungesunder Lebensstil, der sich aus vielen einzelnen Ursachen zusammensetzt. Ob das Auto meines Nachbarn Lungenkrebs auslöst, lässt sich nicht sagen. Dass der Straßenverkehr durch Abgase und Feinstaub insgesamt gesundheitliche Schäden hervorruft, ist allerdings unbestritten.</p>

<p>Genauso sollte man auch im Esoterik-Bereich nicht nach singulären Schuldigen suchen, aber wir sollten darauf aufmerksam machen, dass dieses anti-wissenschaftliche Gedankengebäude insgesamt sehr gefährlich sein kann. <em>Wenn man die Schuld nur an einem einzelnen Faktor festmacht, besteht die Gefahr, andere Problemfelder zu übersehen. Wenn ein Stück Autobahn gesperrt wird, ist damit der Kampf gegen Lungenprobleme nicht gewonnen. Hätte es ein bestimmtes Buch oder einen bestimmten Film nie gegeben, wäre die Welt deshalb nicht rational und aufgeklärt. Wir sollten immer mit dem nötigen Ernst auf alle Gefahren hinweisen.</em> Lustig war das Thema nie. Jetzt erst recht nicht mehr.</p>

<p><a href="http://www.naklar.at/content/comments/lichtfasten/"><em>Mehr zum Lichtfasten-Film auf www.naklar.at<br />
</em></a></p>

<p><small><em>Anmerkung: Kursiver Text oben nachträchlich eingefügt.</em></small></p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/04/tod-durch-lichtnahrung.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Esoterik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Lichtfasten</category>
            
            <pubDate>Mon, 30 Apr 2012 22:00:32 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Statistik rettet Leben</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Der Kopfschmerz ist weg. Als wäre er nie dagewesen. Und dabei habe ich gerade erst vor zwölf Minuten eine Tablette genommen. Kann die überhaupt schon wirken? Egal - dass ich keine Kopfschmerzen mehr habe, ist ja wohl der beste Beweis.</strong></p><p>Wir alle haben unsere Hausmittel, unsere Lieblingsmedikamente, unsere medizinischen Tricks, auf die wir völlig vertrauen. Wir fühlen uns besser - doch beweisen lässt sich dadurch überhaupt nichts. Der Kopfschmerz hätte sich vielleicht auch ohne Tablette verabschiedet, vielleicht war es eher das Glas Wasser, das ich getrunken habe, vielleicht hat mir der Placeboeffekt geholfen. Ob eine Behandlung wirklich wirkt oder nicht, das lässt sich nur durch Statistik herausfinden. Es gibt keine alternative Möglichkeit. Erfahrungsberichte zufriedener Kunden, Empfehlungen erfahrener Ärzte, Umsatzzahlen großer Pharmaunternehmen - all das ist wissenschaftlich völlig wertlos. Nur eine saubere medizinische Studie, bei der verschiedene Patientengruppen statistisch untersucht werden, können uns sagen, was als echte Medizin gelten kann, und was wirkungsloser Hokuspokus ist.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="semmelweis.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/semmelweis.jpg" width="200" height="289" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span></p>

<p><strong>Ignaz Semmelweis - Retter der Mütter</strong></p>

<p>Ein besonders beeindruckendes historisches Beispiel von evidenzbasierter Medizin ist die Geschichte von Ignaz Semmelweis: Mitten im neunzehnten Jahrhundert arbeitete er an der Geburtenabteilung im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien. Das Gebäude, in dem Semmelweis Medizingeschichte schrieb, ist nur wenige Gehminuten von meinem Schreibtisch entfernt. Es gehört heute zur Universität Wien, das Allgemeine Krankenhaus Wien ist längst in ein moderneres Gebäude übersiedelt. </p>

<p><strong>Hände waschen, Herr Doktor!</strong></p>

<p>Damals, in den Vierzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts, wütete an der Geburtenabteilung das Kindbettfieber: Etwa zehn Prozent der Mütter starben dort, in manchen Monaten waren es deutlich mehr. Semmelweis erkannte die Ursache dieses Problems: Die Medizinstudenten, die an seiner Geburtenabteilung mitarbeiteten, sezierten Leichen und untersuchten dann ihre Patientinnen, ohne besondere Hygienemaßnahmen. So wurden gefährliche Bakterien von Frau zu Frau verteilt. Semmelweis schrieb seinen Studenten vor, sich die Hände zu desinfizieren. Diese Maßnahme zeigte sehr schnell große Wirkung - und Semmelweis konnte diesen Erfolg in sauberen statistischen Untersuchungen nachweisen. Er gilt daher heute als einer der Väter der evidenzbasierten Medizin.</p>

<p><a href="http://www.naklar.at/content/features/semmelweis/"><em><strong>Den ganzen Text über Ignaz Semmelweis gibt es auf naklar.at zu lesen.</strong></em></a></p>

<p><br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="evidenz.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/evidenz.jpg" width="340" height="255" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span><br />
<div style="text-align: center;"><small>Na gut, Statistik allein rettet auch keine Leben - aber sie ist wichtig!</small></div></p>

<p><a href="http://www.naklar.at"><em>www.naklar.at</em></a></p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/04/statistik-rettet-leben.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Bakterien</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Semmelweis</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaftstheorie</category>
            
            <pubDate>Mon, 23 Apr 2012 23:10:05 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Naturwissenschaftler sind unsympathisch </title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Furchtbare Menschen, diese Wissenschaftsgläubigen! Halten sich selbst für strahlend schlau und unterstellen allen anderen tiefdunkle Dummheit. Sollen sie doch mal etwas Offenheit lernen, für neue, alternative Ideen, die man nicht in einem Schulbuch nachlesen kann!</strong><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="laempel.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/laempel.jpg" width="240" height="301" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span></p><p>Solche Diskussionen kennt man. Ich hatte heute wieder mal eine davon. Man wird ertappt, ein Naturwissenschaftler zu sein, vielleicht sogar ein Skeptiker, der den Glauben an kuriose Übernatürlichkeiten und unbewiesene Absurditäten ablehnt und ein rational-wissenschaftliches Weltbild hat. Damit hat man sich bei manchen Menschen schon von vornherein unbeliebt gemacht. Ich spreche hier gar nicht von wünschelruten-wandelnden Wundeheilern, gott-gleichen Gurus und energie-erleuchteten Esoterikern. Interessanterweise wird man durchaus auch von klugen, gebildeten Leuten manchmal recht despektierlich angeblickt, wenn man sich als naturwissenschaftstreuer Skeptiker zu erkennen gibt.</p>

<p>„Ich bin ja Sozialwissenschaftler", heißt es dann, oder auch „Geisteswissenschaftler" - es wird also sofort mal eine völlig unnötige scharfe Grenze zwischen der Naturwissenschaft und dem Rest der intellektuellen Welt gezogen. Und dann kommt immer der selbe Vorwurf: Die Naturwissenschaftler sind sich ihrer Sache immer so unverschämt sicher. Sie ziehen gar nicht in Betracht, dass sie falsch liegen könnten und lassen andere Meinungen einfach nicht gelten. Naturwissenschaftler sind also Besserwisser. Und Besserwisser nerven.</p>

<p><strong>Bessern wir uns!</strong></p>

<p>Ganz ehrlich: An diesem Vorwurf ist schon etwas dran. In der Naturwissenschaft lernt man, zu eindeutigen Ergebnissen zu kommen. Und wenn man diese Ergebnisse dann hat, dann verteidigt man sie auch. Nicht jeder Naturwissenschaftler bringt dabei die soziale Kompetenz auf, die man für eine sinnvolle Diskussion braucht. Auch wenn man vollkommen stahlbetonfest davon überzeugt ist, richtig zu liegen, sollte man freundlich und anständig bleiben. Auch wenn man sein ganzes Vermögen, den linken Arm und seine zwei Kinder darauf verwetten würde, dass die Argumente des Diskussionspartners einfach nur muffige geistige Abgase sind, sollte man ihm das vielleicht nicht so direkt ins Gesicht sagen. Es stimmt schon: Auch  Naturwissenschaftler sind schon oft genug falsch gelegen - auch solche, die sich ihrer Sache sehr sicher waren. Mancher glaubt, mit ein paar vereinfachten Formeln die ganze Welt erklären zu können, auch wenn die Wirklichkeit gerade etwas komplizierter aussieht. Ein bisschen Zurückhaltung und Bescheidenheit tut daher tatsächlich gut. Wir sollten uns benehmen.</p>

<p><strong>Nett sein heißt nicht Klappe halten</strong></p>

<p>Das heißt aber nicht, dass man still sein soll. Das heißt nicht, dass man Aussagen hinnehmen soll, von denen man weiß, dass sie falsch sind. Und das heißt auf gar keinen Fall, dass sich konträre Meinungen immer intellektuell auf der selben Augenhöhe befinden. Es gibt nun mal so etwas wie beobachtbare, reproduzierbare wissenschaftliche Fakten. Theorien, die sich mit ihnen in Einklang befinden sind gut, Theorien, die zu ihnen nicht passen, sind schlecht. Daran kann kein abstruser Wissenschaftsrelativismus etwas ändern. Es kommt schon vor, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Aber manchmal trifft eben der eine ins Schwarze, und der andere schießt sich bloß ins Knie.</p>

<p>„Aber die Wissenschaft hat ja auch schon viel Unglück gebracht", müssen wir uns dann anhören. „Was ist mit Umweltverschmutzung, mit neuen Zivilisationskrankheiten und mit der Sicherheit der Atomkraftwerke?" Das ist kein Argument, sondern ein billiges Ablenkungsmanöver. Kein vernünftiger Mensch würde bestreiten, dass man mit klugen wissenschaftlichen Methoden dumme, gefährliche und schädliche Dinge anstellen kann. An diesem Punkt reden wir aber nicht mehr über Wissenschaft, sondern über ihre Anwendung - über Technologie. Eine schädliche Verwendung wissenschaftlicher Theorien ist kein Argument gegen die Theorien. Wenn ich mit einer ledergebundene Ausgabe vom „Mann ohne Eigenschaften" jemandem den Kopf blutig schlage, macht das Robert Musil nicht zu einem schlechten Autor.<br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="sceptic.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/sceptic.jpg" width="360"  class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span><strong><br />
Bauchgefühl gegen Fakten</strong></p>

<p>Ob mein Tomatensoßenrezept besser ist als das meiner Mutter, kann man diskutieren. Hier zählt das Bauchgefühl. Jede Meinung, die dazu abgegeben wird, ist in gleichem Maß ernst zu nehmen. Bei Naturwissenschaftlichen Fragen ist das manchmal eben anders. Hier gibt es nicht nur Meinungen, sondern intersubjektiv festgestellte Beobachtungen. Wer der Wissenschaft nicht mehr als Bauchgefühle entgegenzusetzen hat, verschwendet seine Zeit - und die Zeit des Wissenschaftlers, mit dem er zu diskutieren versucht. Wenn das Bauchgefühl sagt, dass die Erde vor sechstausend Jahren erschaffen wurde, dass man mit beschwörendem Handauflegen Krankheiten heilen kann, oder dass ausländische Mächte mit geheimnisvollen Strahlen versuchen, unsere Gedanken fernzusteuern, dann sollte man diese Bauchgefühle nicht Richtung Mund entweichen lassen, sondern auf anderem Weg loswerden. </p>

<p>Als Wissenschaftler sollte man auch den haarsträubendsten Unfug immer wieder mit ehrlichen, sauberen Argumenten widerlegen. Man soll dabei freundlich bleiben. Aber wenn man ein überwältigendes Arsenal wissenschaftlich solider Fakten auf seiner Seite hat, darf man durchaus etwas Selbstbewusstsein zeigen.</p>

<p>Naturwissenschaftliche Bildung ist keine Entschuldigung für schlechtes Benehmen. Aber wenn der Klügere immer nachgibt, regieren am Ende die Dummen.<br />
</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/04/naturwissenschaftler-sind-unsympathisch.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Arroganz</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Benehmen</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaft</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaftskommunikation</category>
            
            <pubDate>Mon, 16 Apr 2012 23:50:07 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Nachtrag zu Dunning-Kruger: Warum ich doch der beste Autofahrer bin</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>In <a href="http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/04/warum-alle-sich-fur-toll-halten-der-dunningkrugereffekt.php">meinem letzten Beitrag habe ich vom Dunning-Kruger-Effekt</a> erzählt: In Bereichen, in denen man selbst nicht besonders gut ist, kann man auch die Leistungen anderer nicht zuverlässig bewerten. Dadurch überschätzt man sich oft selbst. Sind Sie intelligenter als die Mehrheit der Bevölkerung? Sind Sie ein besserer Autofahrer als die meisten anderen? Fast jeder würde solche Fragen mit ja beantworten - aber es können doch nicht alle zu den Besten gehören, oder?</strong></p><p>In manchen Bereichen vielleicht doch. Wenn man die Frage nämlich ausreichend allgemein formuliert, erlaubt man jeder einzelnen Person, die eigenen Leistungen nach dem ganz persönlichen Bewertungsmaßstab zu beurteilen. Wenn ich jemanden frage, ob er seine Fähigkeiten beim Autofahren besser einschätzt als die Fähigkeiten von mindestens 50% der anderen Autofahrer, dann überlasse ich es ihm, festzulegen, was „gutes Autofahren" eigentlich ausmacht. <br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="autos320.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/autos320.jpg" width="320" height="174" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span><br />
<strong>Schneller, weiter, besser?</strong></p>

<p>Hier gibt es natürlich ganz unterschiedliche Bewertungskriterien: Ist ein guter Autofahrer, wer es schafft, mit halsbrecherischer Geschwindigkeit und quietschenden Reifen eine kurvige Küstenstraße entlangzujagen, ohne sich und sein Auto am nächsten Felsen in einen Feuerball zu verwandeln? Ist ein guter Autofahrer, wer ohne Kratzer in die kleinste Parklücke kommt, wer jahrelang keinen Verkehrsunfall verursacht hat, oder wer auf der Landstraße abbremst, um ein paar Frösche unzermatscht auf die andere Straßenseite wechseln zu lassen?</p>

<p><strong>Ich bin der Beste!</strong></p>

<p>Für den Dunning-Kruger-Effekt spielt das eigentlich keine Rolle - denn im Paper von Dunning und Kruger ging es um standardisierte Tests und objektiv festgelegte Bewertungskriterien, aber beim Autofahren sieht die Sache tatsächlich anders aus. Wenn jeder seine Kriterien anders legt, ist es natürlich möglich, dass jeder - nach den eigenen Kriterien - zu den allerbesten Autofahrern gehört.</p>

<p>Der allerbeste Autofahrer allerdings bin ich - das muss ich jetzt nicht ohne Stolz noch hinzufügen. Ich verursache keine Unfälle, ich bekomme keine Strafmandate, ich produziere keinen CO2-Ausstoß. Ich habe nämlich kein Auto. Daran sollten sich die anderen mal ein Beispiel nehmen!</p>

<p><a href="http://www.naklar.at"><em>www.naklar.at</em></a></p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/04/nachtrag-zu-dunningkruger-warum-ich-doch-der-beste-autofahrer-bin.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/04/nachtrag-zu-dunningkruger-warum-ich-doch-der-beste-autofahrer-bin.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Dunning-Kruger</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaft</category>
            
            <pubDate>Sun, 15 Apr 2012 15:37:55 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Warum alle sich für toll halten - der Dunning-Kruger-Effekt</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Wer schlechte Leistungen bringt kann auf diesem Gebiet auch die Leistungen anderer nicht beurteilen und neigt zur Selbstüberschätzung. Kruger und Dunning kamen einem verbreiteten Effekt auf die Spur, der auch rund um die Wissenschaft oft sichtbar wird.</strong></p><p>Sind Sie ein guter Autofahrer? Besser als der Durchschnitt? Besser als 70% aller Autofahrer? Wo würden Sie sich einordnen? Fast jeder hält sich für überdurchschnittlich - nicht nur beim Autofahren, sondern auch wenn es um intellektuelle Fähigkeiten, um Sozialkompetenz oder um Humor geht. Und trotzdem kann definitionsgemäß auf jedem Gebiet nur jeder Zweite <strike>überdurchschnittlich gut sein</strike> zu den besten 50% gehören. Dieses Paradoxon wurde von den Psychologen Justin Kruger und David Dunning im Jahr 1999 untersucht - in einem mittlerweile recht berühmten Paper, das nach wie vor äußerst lesenswert ist.<br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="alle sieger.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/alle%20sieger.jpg" width="240" height="255" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span><strong><br />
Alle sind besser</strong></p>

<p>In mehreren Experimenten stellten Kruger und Dunning ihren Probanden Aufgaben - etwa Logik-Tests oder Grammatik-Fragen. Dabei zeigte sich: Je schlechtere Fähigkeiten man in einem bestimmten Gebiet hat, umso schlechter sind auch die Fähigkeiten, Leistungen in diesem Gebiet zu bewerten - seien es die eigenen Leistungen, oder die Leistungen anderer. Für die Auswertung wurden die Probanden je nach ihren Testergebnissen in vier Gruppen eingeteilt - und sogar das jeweils schwächste Viertel hielt sich nach eigener Einschätzung bei allen Tests für überdurchschnittlich gut. Die besten 25 Prozent hielten sich auch für überdurchschnittlich - damit hatten sie zwar recht, sie unterschätzten ihre Fähigkeiten aber sogar.<br />
<strong><br />
Man muss ein gutes Huhn sein, um Gegacker beurteilen zu können</strong></p>

<p>In nächsten Schritt wurden die besten 25% und die schlechtesten 25% der Testpersonen aufgefordert, Antworten anderer Teilnehmer zu beurteilen. Erwartungsgemäß gelang das den Personen, die selbst gut abgeschnitten hatten, viel besser als den weniger begabten. Man braucht Können, um das Können anderer zu beurteilen. Interessant ist allerdings, welche Schlüsse die beiden Gruppen daraus über sich selbst ableiteten: Den Kandidaten wurde die Möglichkeit gegeben, ihre Einschätzung über ihre eigene Leistung zu ändern. Konfrontiert mit den Ergebnissen anderer erkannten die besonders guten Teilnehmer, wie gut sie im Vergleich zu den Kollegen abgeschnitten hatten - und schätzten sich besser ein als vorher. Damit lag ihre Selbsteinschätzung ziemlich nahe an der Wahrheit. Die besonders schlechten Teilnehmer allerdings konnten aus der zusätzlichen Information überhaupt keine neuen Schlüsse ziehen - ihre Selbsteinschätzung blieb weiterhin viel zu positiv, weit weg von ihrem tatsächlichen Testergebnis. Selbst die Konfrontation mit besseren Leistungen führte nicht zur Erkenntnis der eigenen Schwäche.</p>

<p><strong>Können rauf, Selbsteinschätzung runter</strong></p>

<p>Wie ist es dann überhaupt möglich, inkompetenten Personen die eigene Inkompetenz klar zu machen? Kruger und Dunning fanden darauf eine ganz einfache Antwort: Wenn Selbsterkenntnis mit Kompetenz korreliert, dann muss man eben die Kompetenz erhöhen, um die Selbsteinschätzung näher an die Realität zu bringen. Sie gaben daher Probanden, die beim Logik-Test schlecht abgeschnitten hatten, Nachhilfe in Logik und ließen sie danach die eigenen Fähigkeiten noch einmal bewerten. Obwohl das Zusatz-Training die Leistungen der Probanden verbesserte, verschlechterte sich dabei die Selbsteinschätzung. Offenbar führte das Erweitern der Fähigkeiten dazu, dass sich die Test-Teilnehmer ihrer eigenen Schwächen endlich bewusst wurden.<br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="ich kann kunst.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/ich%20kann%20kunst.jpg" width="240" height="208" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span><br />
<strong>Schau, Mama, ich kann Picasso!</strong></p>

<p>Dieser Effekt lässt sich oft an Leuten beobachten, die ein neues Hobby entdeckt haben: Mit riesengroßer Begeisterung entlockt man seinem Musikinstrument endlich ein paar zusammenhängende Töne, man hängt die krampfhaft angefärbelte Leinwand stolz übers Wohnzimmersofa, man rezitiert ein Gedicht beim Poetry-Slam und hält sich für ein Jahrhundertgenie. Erst wenn man sich dann länger damit beschäftigt, erkennt man, dass diese ersten Leistungen vielleicht doch nicht ganz so strahlend waren wie man zuerst dachte. Man entwickelt feineren Geschmack, vergleicht sich mit Profis, wird unzufriedener mit sich selbst. Wenn man dann aber die eigenen Werke der Reihe nach in Ruhe ansieht, stellt man fest, welche Fortschritte man doch gemacht hat, auch wenn die subjektive Zufriedenheit mit den Ergebnissen sich anders entwickelt hat.<br />
<strong><br />
Einstein? Schon gut, aber ich mach das jetzt anders!</strong></p>

<p>Zu beobachten ist der Effekt aber leider auch bei Wissenschafts-Diskussionen: Erstaunlich oft glauben esoterische Halb- oder Viertelgebildete, etwas zu wissenschaftlichen Kontroversen zu sagen zu haben. Dann verfassen sie als Hobbyforscher abstruse Theorien, mit mystischem Quantenzauber inklusive, oder sie widerlegen wieder mal Einstein. Diese Leute sind von der wirklichen Wissenschaft so weit entfernt, dass sie die Wissenschaft nicht einmal am Horizont erkennen können - und dadurch können sie auch nicht einschätzen, wie weit sie noch wandern müssten, um echte Wissenschaft zu Gesicht zu bekommen.<br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="fancy equation.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/fancy%20equation.jpg" width="240" height="92" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span><br />
<strong><br />
Mehr Bildung!</strong></p>

<p>Nach Kruger und Dunning gibt es nur eine Möglichkeit, das zu ändern: Bildung. Wissen für alle. Damit möglichst viele Menschen ein solides Basiswissen über Wissenschaft erwerben - und damit die, bei denen das nur in eingeschränkten Ausmaß möglich ist, zumindest erkennen, was sie alles nicht wissen. Wenn man, wie es Sokrates in den Mund gelegt wird, weiß, dass man nichts weiß, dann hat man schon ziemlich viel erreicht.<br />
<em><a href="http://www.naklar.at"><br />
www.naklar.at</a></em><br />
</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/04/warum-alle-sich-fur-toll-halten-der-dunningkrugereffekt.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Dunning-Kruger</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">wissenschaft</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaftskommunikation</category>
            
            <pubDate>Tue, 10 Apr 2012 23:45:20 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Doktor rer. nat. ctrl-c ctrl-v</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Schon wieder eine Plagiatsaffäre - diesmal in Ungarn. Die Schuld nur den unehrlichen Pseudo-Doktoren zuzuschieben greift aber zu kurz.</strong><br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="ctrl c v.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/ctrl%20c%20v.jpg" width="240" height="180" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span></p><p>Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich durch eine Plagiatsaffäre im Zusammenhang mit seiner Dissertation aus der Politik entfernt, dem ungarischen Präsidenten Pal Schmitt könnte nun dasselbe passieren. Auch der österreichische Politiker Johannes Hahn (er ist immerhin EU-Kommissar) wurde mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert (in Österreich dauert aber vieles ein bisschen länger). Nicht einmal das Plagiieren von Doktorarbeiten ist mehr eine originelle Idee. Was kann man dagegen tun, dass sich dieses Vergehen so ausbreitet? Und wer ist daran schuld?</p>

<p>Das Problem kann eigentlich nur auftreten, wenn die Arbeit an einer Dissertation von der klassischen akademischen Arbeit abgekoppelt ist. Wer, wie das in den Naturwissenschaften üblich ist, täglich im Labor steht oder am Computer sitzt, wer permanent Kontakt mit Kollegen und mit betreuenden Professoren ist, der hat gar nicht die Möglichkeit, Plagiate zu begehen. Der Arbeitsfortschritt von Dissertanten, die fest an ihrem Institut verwurzelt sind, wird ohnehin ständig überwacht - zumindest sollte das so sein. Schwieriger ist diese Art von Dissertations-begleitendem Monitoring natürlich bei Leuten, die nebenbei berufsbegleitend an einer Dissertation arbeiten und nur wenig Kontakt mit ihrer Universität haben. </p>

<p><strong>Die akademischen Betreuer tragen Verantwortung</strong><br />
In jedem Fall aber sollte eine Dissertation wissenschaftliche Substanz beinhalten, die es vorher noch nicht gegeben hat (zumindest nicht in derselben Form und basierend auf den selben Methoden) sonst ist das Thema falsch gewählt. Ein Dissertationsprojekt, dessen Ergebnis anderswo bereits fertig in einer Bibliothek steht, darf eigentlich gar nicht begonnen werden.</p>

<p>Insofern greift es zu kurz, wenn in der Diskussion um abgeschriebene Doktorarbeiten nur die Schummler-Doktoren selbst kritisiert werden. Genauso peinlich ist die Sache für die betreuenden Professoren. Niemand ist gezwungen, Dissertanten zu betreuen - doch wenn er es macht, dann hat er für wissenschaftliche Qualität zu sorgen. Ein Dissertationsbetreuer steht auch mit seinem Namen für die Qualtität der abgegebenen Arbeit - wie auch die Universität, die den Titel vergibt.</p>

<p>Wenn Doktorarbeiten abgeschrieben werden, ist das also nicht nur ein Symptom dafür, das gewisse Leute zu wenig Anstand haben, sondern auch Zeichen, dass Dissertationen aus den Wohnzimmern eifriger Titelsammler zurück an die Universitäten geholt werden müssen. Wissenschaftliches Arbeiten ist dazu da um Wissen zu generieren. Und wer Wissen neu generiert, der kann seine Resultate von niemandem abschreiben.</p>

<p><strong>Das Trauerspiel mit den Diplomarbeiten</strong><br />
Viel schlimmer ist die Situation natürlich bei Diplomarbeiten: An vielen Universitäten haben einzelne Professoren viel mehr Diplomarbeiten zu betreuen als sich realistischerweise mit ausreichender fachlicher Tiefe überblicken lässt. </p>

<p>Im naturwissenschaftlichen Bereich gibt es zum Glück viele Diplomarbeitsthemen, die sich direkt aus der aktuellen wissenschaftlichen Forschung der Institute ergeben: Eine Frage, die im Labor gerade dringend beantwortet werden soll, bekommt ein Diplomand eben als Aufgabe zugeschoben. Auch hier ist die Gefahr eines Plagiats eigentlich von vornherein gebannt. Hat ein Professor aber dutzende Diplomanden im Semester abzufertigen, bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als ihnen irgendwelche lieblosen Themen zuzuschieben, über die man im Internet vielleicht bereits viel mehr runterladen kann, als der Professor für möglich hält.</p>

<p>Die Botschaft, die wir aus den Plagiatsaffären mitnehmen sollen ist also: Sorgen wir für sinnvolle Betreuungsverhältnisse an den Universitäten! Geben wir dem Uni-Personal die Möglichkeit, sich mit jeder akademischen Arbeit intensiv auseinanderzusetzen! Die Studierenden werden dadurch nicht nur gezwungen, ihre Arbeiten selbst zu verfassen - je enger sie in den wissenschaftlichen Alltag an den Instituten eingebunden werden können, umso mehr werden sie lernen.</p>

<p><em><a href="http://www.naklar.at">www.naklar.at</a></em></p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/03/doktor-rer-nat-ctrlc-ctrlv.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/03/doktor-rer-nat-ctrlc-ctrlv.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Dissertation</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">wissenschaftliches Arbeiten</category>
            
            <pubDate>Thu, 29 Mar 2012 23:59:05 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Wer soll über Wissenschaft reden?</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Forschung soll leicht verständlich erklärt werden. Aber von wem eigentlich?</strong></p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="kommunikation.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/kommunikation.jpg" width="240" height="180" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span></p><p>Wissenschaftskommunikation ist ein Modewort. Im englischen Sprachraum weiß man schon länger, dass es wichtig ist, Wissenschaft auch an eine breite Öffentlichkeit heranzutragen, irgendwann hat sich diese Erkenntnis offenbar auch nach Kontinentaleuropa verirrt. Selbst in Teilen Österreichs ist soll sie bereits angekommen sein. Was Wissenschaftskommunikation aber bedeutet, ist noch immer nicht so ganz klar. Gut, die Medien sollen mit ofenfrischen Neuigkeiten aus der Forschung versorgt werden, die Steuerzahler sollen erfahren, was die Universitäten mit ihrem Geld so treiben. Aber wer ist für diese Form der Kommunikation eigentlich zuständig?</p>

<p><strong>Forscher, die über Forschung reden</strong></p>

<p>Die Wissenschaftler sollen das machen - könnte man sagen. Tatsächlich gibt es Forscher, die großes Öffentlichkeitstalent haben und es schaffen, in peppigen Interviews, bei spannenden Veranstaltungen oder in populärwissenschaftlichen Büchern zu erklären, worum es in ihrer Forschungsarbeit geht. Das ist bewundernswert - und mir ist oft nicht ganz klar, wie das überhaupt möglich ist. Sich in der wissenschaftlichen Community einen internationalen Ruf aufzubauen ist mehr als ein Vollzeitjob. Gerade junge Wissenschaftler arbeiten oft ausgesprochen viel. Dazu sollen sie Studierende betreuen, auf Konferenzen fahren und große Teile ihrer Zeit darauf verwenden, kunstvolle Projektanträge zu schreiben, um irgendwelchen Forschungsförderungsstellen möglichst viel Geld zu entlocken. Wie sollen solche Leute auch noch Zeit finden, Forschung auf allgemeinverständliche Weise zu kommunizieren?</p>

<p>Ich finde es großartig und begrüßenswert, wenn Wissenschaftler eine Rolle als Auskunftspersonen für die Massen einnehmen. Doch kann man das von Wissenschaftlern verlangen? Wohl kaum! Wenn Forscher mit kaltem Grausen dagegen protestieren, neben Lehre, Administration, Mitteleinwerbung und Journal-Reviewtätigkeit auch noch Öffentlichkeitsarbeit aufs Auge gedrückt zu bekommen, dann kann ich das verstehen.</p>

<p><strong>PR-Wissen reicht nicht</strong></p>

<p>Auf der anderen Seite gibt es Kommunikationsexperten, die mit Wissenschaft nie etwas zu tun hatten, aber behaupten, sehr viel über Facebook und Networking und Medien zu wissen. Solche Leute sind vielleicht die perfekten Ansprechpartner für Wirtschafts-PR und Lobbying, aber wissenschaftliche Zusammenhänge kann man nicht erklären, wenn man sie selbst nicht versteht. Leider ist diese Spezies trotzdem auch in der Wissenschaftskommunikation sehr zahlreich vertreten. Mehrfach schon bin ich (auch unter Wissenschaftsjournalisten) auf Leute gestoßen, die tatsächlich versucht haben, ihr naturwissenschaftliches Nichtwissen als Vorteil zu verkaufen: Ohne störende Ausbildung, so wurde mir erklärt, könne man unvoreingenommen an das Thema herangehen und die Inhalte so simpel transportieren, dass sie jeder versteht - dummerweise versteht dann aber am Ende überhaupt niemand mehr irgendetwas. Wissenschaft kann man nicht unters Volk bringen wie eine neue Zahnpastamarke.</p>

<p><strong>Ein neues Berufsbild entsteht</strong></p>

<p>Wenn die Wissenschaftler keine Zeit für Wissenschaftskommunikation haben und Medienleuten oft das Basiswissen fehlt - wer soll diese Aufgabe dann übernehmen? Ich glaube, wir brauchen tatsächlich ein neues Berufsbild - das Berufsbild des akademisch geschulten Wissenschaftskommunikators. An vielen Forschungseinrichtungen ist es bereits selbstverständlich, dass für die Öffentlichkeitsarbeit naturwissenschaftlich geschulte Leute eingestellt werden. Es gibt aber auch nach wie vor große PR-Abteilungen, wo das einfach kein Thema ist.</p>

<p>Irgendwann, da bin ich ziemlich sicher, wird aber eine solide, fachlich fundierte Wissenschaftskommunikation einfach zur Grundausstattung jeder Universität gehören und wird auch von den Forschern vorausgesetzt werden. Genau wie es Leute geben muss, die das Computernetzwerk administrieren, wie es Herausgeber von wissenschaftlichen Journalen geben muss, die Forschungsergebnisse publizieren, so muss es eben auch Leute geben, die schöne Ergebnisse für die breite Öffentlichkeit aufarbeiten. Die Öffentlichkeit hätte es verdient.</p>

<p><em><a href="http://www.naklar.at">www.naklar.at</a></em></p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/03/wer-soll-uber-wissenschaft-reden.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Öffentlichkeitsarbeit</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaftskommunikation</category>
            
            <pubDate>Thu, 22 Mar 2012 00:25:40 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Zwei Photonen, eine Reaktion</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>An der TU Wien werden Skulpturen in Sandkorn-Größe erzeugt - durch Zwei-Photonen-Lithographie.<br />
</strong></p><p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="indy.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/indy.jpg" width="500" height="376" class="mt-image-none" style="" /></span></p>

<p>3D-Drucker sollen in Zukunft die Möglichkeit bieten, nicht nur zweidimensionale Farbe auf Papier zu drucken, sondern maßgeschneiderte Skulpturen zu fabrizieren. In Wien hat man nun die Technik der Zwei-Photonen-Lithographie erheblich beschleunigt: Bisher wurde die Geschwindigkeit dieser Druckvorgänge in Millimetern pro Sekunde gemessen - ein neues Gerät schafft fünf Meter pro Sekunde. </p>

<p>Die Grundidee dieser Technik ist einfach: Man verwendet flüssiges Harz, das genau dort aushärtet, wo es von einem fokussierten Laserstrahl getroffen wird. Lenkt man den Fokuspunkt des Laserstrahls geschickt durch das Harz, kann man dadurch ausgehärtete Harz-Linien im dreidimensionalen Raum erzeugen.</p>

<p>Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Laserlicht mit Materie wechselwirken kann. Materie kann Photonen des Laserstrahls absorbieren und in Atomschwingungen - und damit in Wärme - umwandeln. Photonen können Elektronen eines Atoms auf einen höheren Energiezustand heben oder Moleküle zu Schwingungen und Vibrationen anregen. Meist braucht man für solche Vorgänge immer nur ein Photon. Je mehr Photonen zur Verfügung stehen, umso häufiger kann Energie des Lasers auf die Materie übertragen werden - aber jedes einzelne Photon wirkt für sich alleine.</p>

<p>Die Zwei-Photonen-Lithographie funktioniert aber anders: Das Harz enthält Moleküle, die vom Laserlicht aktiviert werden und eine Reaktion auslösen, die zu einer Aushärtung des Harzes führt. Wichtig dabei ist, dass es zu dieser Aktivierung nur dann kommt, wenn ein Molekül gleichzeitig zwei Photonen des Laserstrahls absorbiert. Damit das (mit messbarer Wahrscheinlichkeit) geschehen kann, muss die Intensität des Laserstrahls sehr hoch sein. So ein Zwei-Photonen-Effekt tritt also nur dort ein, wo die Laser-Intensität am höchsten ist: im zentralen Inneren des Brennpunktes.</p>

<p>Daher lassen sich mit der Zwei-Photonen-Technik unglaublich feine Details erzeugen: Nur dort, wo die Intensität am allerhöchsten ist, wird das Harz gehärtet. So ist es möglich, Skulpturen herzustellen, die kleiner sind als die Dicke eines menschlichen Haars.  Im folgenden Video lässt sich außerdem sehen, wie beeindruckend schnell diese Technik funktioniert: Ein paar Laser-Lichtblitze genügen, und schon ist eine ganze Schicht fein strukturierten Harzes ausgehärtet.</p>

<p><iframe width="420" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/5y0j191H0kY" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/03/zwei-photonen-eine-reaktion.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/03/zwei-photonen-eine-reaktion.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Technik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">3D-Druck</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Laser</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Photonen</category>
            
            <pubDate>Thu, 15 Mar 2012 23:31:44 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Quantenzufall</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Die Quantenphysik führt eine neue Form des Zufalls in die Welt ein. Das macht aber nichts.</strong></p><p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="wurfelsuper.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/wurfelsuper.jpg" width="200" height="200" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span>Wir reden alle immer wieder von „Zufall", und jeder hat sofort ein Bild davon, was damit gemeint ist. Doch eigentlich ist der Zufall eine verzwickte Sache: Im Grunde ist er meistens nur ein Mangel an Information. Dass die Ampel gerade auf rot springt, wenn ich mit dem Fahrrad die Kreuzung überqueren möchte, erscheint für mich als unangenehmer Zufall. Würde ich aber die exakte Ampelprogrammierung kennen und hätte ich meinen Abfahrtszeitpunkt mit einer Uhr gemessen, die auf die Ampel-Software abgestimmt ist, dann hätte ich genau vorhersehen können, ob die Ampel umschalten wird.</p>

<p>Wenn sich jedes Ereignis im Universum auf eine eindeutige Ursache zurückführen lässt, dann gibt es keinen echten Zufall - nur eine unzureichende Datenlage. Einen Münzwurf könnte man theoretisch vorausberechnen, wenn man die exakte Beschaffenheit der Münze, die Bewegung meiner Hand und jeden feinsten Luftzug kennen würde. Dieses Weltbild war im neunzehnten Jahrhundert populär - man betrachtete die Welt als riesengroßes, äußerst kompliziertes Uhrwerk.</p>

<p>Die Quantenmechanik macht die Sache allerdings etwas komplizierter und verwirrender. Wie sich quantenmechanische Systeme verhalten, wird durch die Schrödingergleichung beschrieben. Mit dieser Gleichung lässt sich aus dem momentanen Zustand eines Quanten-Objektes (etwas eines Atoms) berechnen, welchen Zustand das Objekt zu einem beliebigen anderen Zeitpunkt haben wird. In diesem Sinn ist die Quantenphysik völlig deterministisch und vorhersagbar. Eine solche Vorherberechenbarkeit ist das Gegenteil von Zufall. Wenn wir uns aber nicht auf kleine Quantensysteme beschränken, sondern auch den quantenphysikalischen Messprozess mit einbeziehen, ist es mit dieser Vorhersagbarkeit vorbei. Der Messprozess in der Quantenphysik, der ein kleines Quantensystem mit etwas Großem (einem Messgerät) in Kontakt bringt, wählt immer aus verschiedenen quantenphysikalisch erlaubten Zuständen einen aus, der „tatsächlich" gemessen wird. Welcher Zustand das ist, der Quanten-Möglichkeit zur gemessenen Wirklichkeit wird, lässt sich im Rahmen der Quantenphysik tatsächlich nicht vorhersagen. Diese Auswahl, die beim Messprozess stattfindet, ist rein zufällig.</p>

<p>Das hat allerlei philosophische Diskussionen angestoßen: Wenn von mehreren Möglichkeiten nur eine realisiert wird, was geschieht dann mit den anderen? Spaltet sich die Welt in unterschiedliche parallel-Wirklichkeiten auf, in denen das Quanten-Experiment jeweils unterschiedlich ausgegangen ist? </p>

<p>Solche Spekulationen haben mit Wissenschaft nicht mehr viel zu tun. Für uns hat es auch keine echte praktische Konsequenz. Und ob für uns etwas zufällig erscheint, weil es auf Quanten-Ebene tatsächlich keine tiefere Ursache hat, oder ob sich die Zufälligkeit nur aus einem Mangel an Information ergibt, ist eigentlich auch egal: Für uns als Lebewesen in einer komplexen, chaotischen Welt wird sich das Ergebnis eines Münzwurfs immer genauso zufällig anfühlen wie der Quanten-Zufall, der aus spontan und zufällig zerfallenden Atomen abgeleitet wird.</p>

<p><strong>Mehr zum Quanten-Zufall gibt es in einem neuen naklar-Artikel nachzulesen:</strong><br />
<em><a href="http://www.naklar.at/content/features/quantenzufall/">www.naklar.at</a></em></p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/03/quantenzufall.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">quanten</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">wissenschaft</category>
            
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            <pubDate>Thu, 08 Mar 2012 00:08:58 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Frühlingsbeginn!</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Heute beginnt der Frühling. Astronomen werden sich jetzt beschweren und darauf hinweisen, dass die Tag- und Nachtgleiche erst bevorsteht, doch nach der meteorologischen Definition ist der erste März der erste Frühlingstag.</strong><br />
</p><p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="fruehling.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/fruehling.jpg" width="240" height="180" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span><br />
Ich habe mich immer schon eher an die meteorologische Jahreszeitendefinition gehalten. Die astronomische Variante ist irgendwie meteoro-unlogisch. Wieso soll der Sommer erst beginnen, wenn die Tage wieder kürzer werden? Schon als Kind wollte ich nicht verstehen, warum man Mitte Dezember zwar wunderbare Schneemänner bauen kann, der Winter aber offiziell noch gar nicht begonnen hat.</p>

<p>Die astronomische Definition ist zweifellos die wissenschaftlichere. Sie orientiert sich nicht an einer willkürlichen Einteilung des Jahres in zwölf unterschiedlich lange Monate, sie hält sich an sauber objektivierbare Fakten. Allerdings reicht das für Definitionen und Reglementierungen nicht aus: Regeln werden nur angenommen, wenn sie auch zu unserer Intuition passen. Dass der Mensch das Maß aller Dinge ist, klingt zwar nach abgedroschener Binsenweisheit, ist aber nun mal wahr.</p>

<p>Das ist oft ein Problem: Manchmal gerät unsere Intuition bei Regeln und Definitionen nämlich in Konflikt mit dem, was nützlich und praktisch ist. Als Längeneinheit ist ein Fuß intuitiver zu fassen als ein Meter, und eine Pferdestärke kann man sich eher vorstellen als ein Kilowatt. Trotzdem ist es bei diesen physikalischen Größen sinnvoll, sich an eine logische, wissenschaftliche und daher möglichst einfache Definition zu halten. Den Frühlingsbeginn am ersten März lasse ich mir aber trotzdem nicht wegnehmen: Solange Frühling mit tauendem Schnee und den ersten Blumen assoziiert wird, bleibe ich bei der meteorologischen Definition. </p>

<p>Also: Schönen Frühlingsbeginn!</p>

<p><a href="http://www.naklar.at">www.naklar.at<br />
</a></p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
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            <pubDate>Thu, 01 Mar 2012 14:21:13 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Doktorspiele</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Eine Dissertation schreiben ist kein Kindergeburtstag. Soll man sich das antun?</strong></p>

<p><em>Gewisse Dinge werden sich nie ändern: Abends wird es dunkel, im Frühling wird es wärmer, und eine Dissertation ist ein Auf und Ab zwischen Enthusiasmus und Frust. Wenn man, so wie ich, viel mit jungen Wissenschaftlern zu tun hat, lässt sich nicht übersehen, mit welcher Regelmäßigkeit sich gewisse Grundthemen durch alle Doktorarbeiten ziehen (und bei meiner war es natürlich auch nicht anders).</em></p><p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/naklar/doktorhut.jpg"><img alt="doktorhut.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/assets_c/2012/02/doktorhut-thumb-220x180.jpg" width="220" height="180" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></a></span><br />
Irgendwie ist das Grundstudium am Ende dann doch zu schnell vorbeigegangen, auch wenn es eine ganze Weile gedauert hat. Endlich beginnen sich die auf viel zu viel Papier brav mitgeschriebenen Theorien im Kopf zusammenzufügen. Endlich hat man sich an das herangetastet, was man mit etwas gutem Willen Wissenschaft nennen kann. Endlich hat man das Gefühl, etwas Kreatives in seinem Fach gestalten zu können - und nun soll man aufhören?</p>

<p>Zum Glück gibt es einen eleganten Ausweg: Eine Dissertation schreiben! - Der erste Schritt auf dem langen und beschwerlichen Weg, der bis hinauf in die angeblich so goldglänzenden Gipfel der akademischen Karriere hinaufführt - oder einfach nur eine Verlegenheitslösung, weil man noch keine Ahnung hat, was man sonst tun möchte und sich vor drohenden Vorstellungsgesprächen ekelt. Ein paar Jahre gut geheizter Elfenbeinturm statt rauer Wind in der freien Wildbahn. Als Naturwissenschaftler sucht man also nach einer Assistentenstelle und jammert über die mickrige Bezahlung. (Als Geisteswissenschaftler arbeitet man an der Dissertation meist gratis, hat das Jammern aber ohnehin schon längst aufgegeben.)</p>

<p>Und dann sitzt man plötzlich am Schreibtisch oder steht im Labor und soll nun ganz alleine in den Eingeweiden der Wissenschaft herumwühlen. Nun ist man also einer dieser Doktoranden, die man als Erstsemester so ehrfurchtsvoll für allwissende Halb-Professoren gehalten hat und versteht trotzdem nicht, was man nun tun soll. Es ist wie beim Autofahrenlernen, wenn man sich vom Übungsplatz mit den freundlich-kompromissbereiten Kippstangen zum ersten mal in den tosenden Fließverkehr einschleust. Es ist aufregend, es macht Spaß, aber es kann auch ziemlich furchteinflößend sein. Man schreibt sein erstes Paper, man fährt zu seiner ersten Konferenz, man hält den ersten wissenschaftlichen Vortrag. Man hat Angst, von den anwesenden Wissenschaftlern aus der ganzen Welt mit höchst penetrant bohrenden Fragen durchlöchert zu werden und ist dann überrascht von den banalen Harmlosigkeiten, die man stattdessen beantworten muss. Man fühlt sich wichtig und überlegen und ist eigentlich fast beinahe ein Wenig ziemlich sicher, dass man eines Tages den Nobelpreis bekommen wird. Oder so etwas Ähnliches, zumindest.</p>

<p><strong>Und wenn ich auch wandle in finsterem Tal ...</strong></p>

<p>Und irgendwann kommen dann die dunklen Phasen. Bei jeder Dissertation. Immer. Niemand bleibt davon verschont. Man stellt fest, dass sich die geplanten Erfolge viel langsamer einstellen, als man gedacht hätte. Das kleine Anfangs-Projekt, geplant als harmlose Fingerübung, bevor man sich den eigentlichen Aufgaben widmet, dauert nun plötzlich schon zwei Jahre. Wozu das alles? Man erkennt, dass die akademische Welt nicht nur aus Triumphen, Nobelpreisen und Ehrenprofessuren besteht, sondern auch aus harter Konkurrenz, Publikationsdruck und unkooperativen Projektpartnern, die sich ein paar tausend Kilometer weit entfernt ganz anders verhalten, als man sich das gewünscht hätte. Man ärgert sich über unerklärliche Computerfehlermeldungen, und über Geräte, die genau dann kaputt gehen, wenn man sie am dringendsten braucht. Man findet einen Fehler in seinem Computerprogramm, auf dem die gesamte bisherige Arbeit aufbaut. Nächtelang kann man nicht schlafen, weil man befürchtet, alle bisher publizierten Ergebnisse könnten nun falsch sein. Tagelang wagt man nicht, mit irgendjemandem darüber zu reden. Schließlich stellt sich der Fehler als harmlos und völlig unproblematisch heraus. Man atmet auf, doch wieder hat man ein Stück kindlichen Enthusiasmus unwiederbringlich verloren.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/naklar/procrastinate.jpg"><img alt="procrastinate.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/assets_c/2012/02/procrastinate-thumb-300x218.jpg" width="300" height="218" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></a></span></p>

<p><strong>Zwischen Selbstausbeutung und Prokrastination </strong></p>

<p>Man verbringt Nächte im Büro. Man arbeitet am Wochenende. Man addiert die Wochenarbeitszeit, vergleicht sie mit der Wochenarbeitszeit in anderen Berufen, wirft einen Blick auf den Gehaltszettel und verzweifelt. Dann rechnet man nach, wie viel Zeit man im Büro tatsächlich mit Arbeit verbringt, und wie viel Zeit verlorengeht, weil man Internetblogs liest, Tee kocht und sich darüber beschwert, dass man so viel arbeiten muss. Das macht den Vergleich mit anderen Berufen ausgewogener, fördert die innere Stimmung aber auch nicht. Man stellt fest, dass man intensiver und zielorientierter arbeiten sollte. Man will aber nicht unbedingt heute damit anfangen. Übermorgen dann. Oder nächste Woche vielleicht. Bei einem Projekt, das auf mehrere Jahre ausgelegt ist, kommt es auf einzelne Tage schließlich nicht an. Wenn man gegen Mittag erscheint, wenn Leute in anderen Berufen schon die Hälfte ihres Arbeitstages hinter sich gebracht haben, wird sich niemand beschweren. Wenn man zwei Wochen lang unproduktiv ist, wird keiner darüber schimpfen. Diese Freiheit, die man als Dissertant oft genießt, ist aber auch eine schwere Belastung. Für Konsequenz, Ehrgeiz und Motivation muss man nämlich selbst sorgen. Und jeder hat Phasen, in denen das nicht klappt.</p>

<p><strong>Am Schluss wird alles gut.</strong></p>

<p>Und dann, eines Tages, geschieht ein Wunder. Man beschließt, fertig zu werden. Man sammelt die Daten zusammen, sortiert die verwendbaren Textpassagen, die sich zu unterschiedlichen Anlässen bereits angesammelt haben. Man rechnet nach, wie viel man da nun wohl noch hinzufügen muss, damit eine Dissertation daraus wird. Erstaunt stellt man fest: So völlig unproduktiv wie man das in unruhigen Nächten befürchtet hatte, war man ja doch nicht. Man findet sich damit ab, dass die drei zusätzlichen Projekte, die so interessant gewesen wären, aber nie zu vernünftigen Ergebnissen geführt haben, einfach unvollendet liegenbleiben müssen. Man beißt die Zähne zusammen und schreibt. Und man wird fertig. Einfach so. <br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/naklar/dunnit.jpg"><img alt="dunnit.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/naklar/assets_c/2012/02/dunnit-thumb-240x233.jpg" width="240" height="233" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></a></span></p>

<p>Plötzlich steht man vor dieser gutgekleideten Prüfungskommission und beantwortet brav die freundlich gestellten Fragen. Man hat Sekt mitgebracht und stößt gemeinsam an. Erst mit den Professoren, dann von den anderen Dissertanten, die ein bisschen neidisch dreinschauen. Man klopft ihnen aufmunternd auf die Schulter und lächelt ihnen zu, denn nun weiß man ja: Es hat sich ausgezahlt. Am Ende wird alles gut. Ganz sicher. Nur weiter so!</p>

<p><br />
<em><a href="http://www.naklar.at">www.naklar.at</a></em><br />
<em><br />
Welche Erfahrungen oder Beobachtungen haben Sie mit den Tücken der akademischen Arbeit gemacht? Posten Sie, erzählen Sie, schimpfen Sie und jubeln Sie - gleich hier im Forum!</em><br />
</p>
     <hr />

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            <pubDate>Tue, 28 Feb 2012 00:30:58 +0100</pubDate>
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