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<?xml-stylesheet type="text/xsl" media="screen" href="/~d/styles/rss2full.xsl"?><?xml-stylesheet type="text/css" media="screen" href="http://feeds.feedburner.com/~d/styles/itemcontent.css"?><rss xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:openSearch="http://a9.com/-/spec/opensearch/1.1/" xmlns:georss="http://www.georss.org/georss" xmlns:feedburner="http://rssnamespace.org/feedburner/ext/1.0" version="2.0"><channel><atom:id>tag:blogger.com,1999:blog-33287463</atom:id><lastBuildDate>Fri, 13 Nov 2009 16:26:21 +0000</lastBuildDate><title /><description /><link>http://silent-diva.blogspot.com/</link><managingEditor>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</managingEditor><generator>Blogger</generator><openSearch:totalResults>41</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>25</openSearch:itemsPerPage><atom10:link xmlns:atom10="http://www.w3.org/2005/Atom" rel="self" href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy" type="application/rss+xml" /><atom10:link xmlns:atom10="http://www.w3.org/2005/Atom" rel="hub" href="http://pubsubhubbub.appspot.com" /><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-4941014093940718057</guid><pubDate>Thu, 05 Nov 2009 15:39:00 +0000</pubDate><atom:updated>2009-11-05T17:25:46.721+01:00</atom:updated><title>Die Lesungen.</title><description>Hi Fans. Ich wäre dann soweit! Das Buch, das ich 9 Monate im Fruchtmantel leerer Versprechungen herumtrug, schickt sich an, die Begeisterungskreische der breiten Öffentlichkeit entgegen zu nehmen. &lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SvLzUx76PAI/AAAAAAAAASQ/UhC72cxzULI/s1600-h/Bild+003.jpg"&gt;&lt;img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;width: 270px; height: 185px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SvLzUx76PAI/AAAAAAAAASQ/UhC72cxzULI/s320/Bild+003.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5400646441498196994" /&gt;&lt;/a&gt;  Bist du neu hier? So lasse dir sagen, dass ich einen autobiografisch inspirierten Roman darüber schreibe, wie es ist, mit einem Migrationshintergrund als Klotapete in Deutschland aufzuwachsen.  Exzentrische Charaktere, absurde Situationen, hirnrissige Vergleiche und wissenswerte Fakten rund um dich und mich und unsere spezifischen Sozialisationsbedingungen fügen sich zu einem intensiven Erlebnis, auf das du getrost verzichten kannst, wenn du Freunde und ein intaktes Leben dein eigen nennst. So. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 31.10. gab ich mich auf der Release-Party des grandiosen &lt;a href="http://www.royalkomm.de/stijlroyal/stijlroyal_magazin"&gt;Stijlroyal.Magazin&lt;/a&gt;s bereits in Wiesbaden der Lächerlichkeit preis. Kam gut an, glaub ich, ich fand mich nämlich am nächsten Tag übersät mit blauen Flecken im Krankenbett wieder. Was soll ich sagen? Ich kann gar nicht genug bekommen von der Dresche! Hier die kommenden Termine, zu denen ich alle aus dem jeweiligen Umkreis und darüber hinaus einlade (bitte niemand, den ich kenne!). Natürlich lese ich nicht alleine, sondern als Skribifax-Büttel von komischen Leuten aus der Kulturszene, die es nicht anders gewollt haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;07.11. &lt;a href="http://ich-male-meine-follower.de/html/ausstell.html"&gt;Nürnberg&lt;/a&gt;, Galerie Armer Teufel &lt;br /&gt;30.11. &lt;a href="http://jour-fitz.de/"&gt;Berlin&lt;/a&gt;, Soupanova (Eintritt 4 Euro) &lt;br /&gt;??. 12. &lt;a href="http://cdu-politik.de/wordpress261/wp-content/uploads/2008/08/800px-skyline_frankfurt_am_main.jpg"&gt;Frankfurt am Main&lt;/a&gt; (in Planung) &lt;br /&gt;12.12. &lt;a href="http://ich-male-meine-follower.de/html/ausstell.html"&gt;Köln&lt;/a&gt;, Kulturbunker (Special Guest: Mutti) &lt;br /&gt;16.01. &lt;a href="http://ich-male-meine-follower.de/html/ausstell.html"&gt;München&lt;/a&gt;, Niederlassung &lt;br /&gt;26.02. &lt;a href="http://ich-male-meine-follower.de/html/ausstell.html"&gt;Hamburg&lt;/a&gt;, irene’s interiors &amp; meyola (noch nicht sicher)&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für regelmäßige Updates und Fun Facts empfehle ich, mich auf &lt;b&gt;Facebook&lt;/b&gt; zu &lt;a href="http://facebook.com/alexandra.tobor"&gt;adden&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gute Nacht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-4941014093940718057?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/COwQzbqAykc" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/COwQzbqAykc/die-lesungen.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SvLzUx76PAI/AAAAAAAAASQ/UhC72cxzULI/s72-c/Bild+003.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">5</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2009/11/die-lesungen.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-8241464338055929422</guid><pubDate>Mon, 12 Oct 2009 12:33:00 +0000</pubDate><atom:updated>2009-10-12T14:59:19.781+02:00</atom:updated><title>Das Ich und das Twitter-Ich</title><description>Es scheint eine anthropologische Konstante zu sein, dass der Mensch seinen Eltern Twitter zu erklären sucht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/StMjWhEOcOI/AAAAAAAAARQ/eZfCOHvPhco/s1600-h/eltern.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 145px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/StMjWhEOcOI/AAAAAAAAARQ/eZfCOHvPhco/s400/eltern.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5391692048632803554" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das bedarf einer Erklärung, denn im gesunden Normalfall hofft man doch eher, vor seinen Eltern, jenen, die aus „abschließbaren“ Tagebüchern sowieso schon zuviel über uns wissen, geheim halten zu können, wo man sich so herumtreibt. Meine Mutter weiß über das Internet nur so viel, wie sie damals über meinen frühen Zigarettenkonsum im Gebüsch beim Hallenbad wusste: sie tut es. Und es ist ungesund. Ganz zu schweigen von den ganzen anderen Gefahren. Da sind nämlich diese ganzen Psychopaten drin, die sitzen da drin, früher saßen sie im Gebüsch, heute sitzen sie in diesem Internet. Sie schreiben einfach so Sachen rein, und keiner weiß, ob sie stimmen. Die Menschen entfremden sich voneinander, seit Kommunikation möglich ist, die einen so hohen Grad an Anonymität erlaubt. Die Chancen auf baldige Heirat der Tochter sinken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich muss gestehen, dass ich in all den Jahren, da ich mit Internet und Mutter unter einem Dach lebte, keine überzeugenden Argumente gegen die ihren gefunden habe. Denn ich war nun mal 24/7 online, vergeudete mein Leben und schrieb allenfalls mal lustige Glossen über meine Online-Dates mit Psychopaten. Dann war lange nichts. Nur lasches Real Life. And along came Twitter. Alles, was ich meiner Mutter darüber erzählen würde, wäre die Art Report, die Eltern hören wollen. Es ist nämlich Denksport, Papa! Humor basteln, weißte? Es sind Kontakte zu Literaten, Autoren, Künstlern, Mutter! Da beißt die Maus keinen Faden ab! Während meines Sommerferienbesuchs hatte ich Gelegenheit, meinen Eltern Twitter „in echt“ vorzuführen. Es endete damit, dass Mama und Papa sich bis zwei Uhr nachts brüllend auf dem Boden wälzten. Tränenüberströmt. „Wir wussten gar nicht, dass du so bist!“, hieß es dann. Hä? Waren meine Tagebücher denn nicht auch hin und wieder amüsant? Jedenfalls erfuhr ich, dass meine Eltern in der Tat nichts über mich wussten. @bartmeise hat neulich zu diesem Phänomen getwittert:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/StMkI4-gbqI/AAAAAAAAARY/rRAvFkwBcmU/s1600-h/bartmeise.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 207px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/StMkI4-gbqI/AAAAAAAAARY/rRAvFkwBcmU/s400/bartmeise.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5391692914044726946" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit hat sie ein Problem berührt, das wir alle mehr oder weniger mit dem Real Life haben. Es ist nicht leicht, immer und überall rüberzubringen, wie man „so drauf“ ist. Der Fehler liegt allerdings nicht in uns. Die Leute interessieren sich einfach nen Scheißdreck für unseren Output. Es wissen so ziemlich alle in meinem realen Umfeld, dass ich blogge. Liest aber kaum einer, höchstens mal „rein“, um lakonisch festzustellen: „Du scheinst ja im Internet ziemlich aktiv zu sein.“ Fälschlicherweise herrscht im echten Leben die Auffassung vor, dass man zu den Leuten passt, die dasselbe studieren, ähnliche Musik hören, ähnlichen ideologischen Strömungen und Szenen anhängen und dieselbe Idee von einer Party haben wie man selbst. Dass zwischenmenschliche Beziehungen, die auf dieser Basis entstehen, oft zu Enttäuschungen führen, verwundert nicht weiter, denn in Wirklichkeit sind es eben nicht die Inhalte des materiellen und „realen“ Aspekte des Seins, auf die es ankommt, sondern die Art und Weise, wie man subjektive und objektive Wirklichkeit zu verarbeiten tendiert. So ist man dann wirklich. Man ist, wie man am liebsten wahrnimmt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein kleiner Einblick in meine Wirklichkeit: ich lebe ein sehr zurückgezogenes Leben als Marburger Studentin. Die Einsamkeit ist mein Freund. Ich besuche keine Parties, ich gehöre keiner Szene an. Ich nehme keinen Besuch in Empfang, und besuche nicht. Schon gar nicht WGs. Für die meisten Leute bin ich, nach oberflächlichen Kriterien betrachtet, eine ziemlich langweilige Sau. Alle meine Freunde sind homosexuell. Wir gehen hin und wieder zu „Kaffeekuchen“ in die Mensa. Oder wir treffen uns zum Spielen. Also zum Abspacken. Diese Freunde sind mir lieb, denn wir reden nicht über die neue Beziehung von Steffi. Ängste, Traumata, und was dergleichen Galimathias mehr ist, müssen draußen bleiben, wenn wir uns in unserem Schwachsinn wälzen, die einzige Sache, die zusammen tatsächlich mehr Spaß macht als allein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt viele meiner Art. Sie treten öffentlich nicht in Erscheinung, weil sie, wie gesagt, meiner Art sind. Begegnen sie jedoch einer Person, die ebenfalls verspielt ist und mit der Welt der Fakten und Informationen nicht so kann, springen sie auf wie die jungen Knospen einer Heckenrose, auf der frische Tautropfen tänzeln. Wo findet man solche Leute? Ein Kreuz ist’s, sie sich von der Straße zu holen. Angesichts der Steifheit mancher Menschen höre ich nach einer sarkastischen oder absurden Bemerkung aus meinem Munde nur den Eiszapfen sozialer Kälte klirren. Unverständnis. Was redet diese Frau da? Und ich spüre diese mich zerreißende Beklemmung, die nur durch eine Runde Twitterzocken aufgelöst werden kann. Da versteht nämlich nahezu jeder, was die Frau da redet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn Twitter, das ist unsere Spielwiese. Für Leute, die nicht darüber reden wollen, wie das Wetter ist und zu welchen Zeiten man sich die Scheine abholen kann. Nee, das war gelogen. Twitter ist natürlich für alle da und das ganze Spektrum gesellschaftlicher Ärgernisse und Erregungen ist vertreten. Aber man muss den Scheiß nicht lesen. Das ist es auch, was Twitter von alten Community-Formen unterscheidet wie etwa einem Diskussionsforum. Als ich mich noch in Foren herumtrieb, wurde ich bisweilen leidenschaftlich gehasst. Ich nahm es persönlich und mein Selbstwertgefühl hat darunter gelitten. „Ist doch nur Internet“ hieß es dann apologetisch, aber nein, ist eben nicht nur Internet, wenn man sein Herzblut opfert, um die Massen zu unterhalten und gegen Widerstand prallt von Leuten, die einem Egozentrik, Selbstverliebtheit, Wichtigtuerei und dergleichen unterstellen, nur weil man aus seinem eigenen Hirn (zugegeben etwas exzentrischen) Content generiert. Andererseits selbstverständlich, dass man nicht allen gefallen kann. Twitter löst das Problem mit der Unfollow-Funktion. Kein subtiles Mobbing, kein „Du nervst einfach nur noch.“, „Du bist nichts besonderes.“, „Da nimmt sich aber einer wichtig.“ Man ist immer im Kreise der Seinen. In einem Forum geht das nicht. Immer ist diese abscheuliche Person da. Hier macht sie nen Thread auf, dort drängt sie sich zwischen die Kommentare der Anderen. Das wird lauthals bekundet, viele stimmen ein, und schon ist der arme User gekränkt und weiß, dass er hier nicht sein kann, obwohl ihn vielleicht tausend andere super finden. Bei Twitter ist in dieser Hinsicht ein Maximum an Authentizität möglich dadurch, dass die Sanktionen von unschlumpfigen Antischlümpfen ausbleiben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie steht es denn nun um das Persönliche, um das Private und Intime? Twittern wir Dinge die stimmen, oder ist das alles nur ausgedacht? In Twitter dreht sich genuin alles um die eigene Person. Wenn man genau hinschaut, findet man eine Ansammlung von Bekenntnissen und Entblößungen, die noch skandalöser wirkt dadurch, dass der Autor seine Nachrichten nicht selten an über 1000 Menschen schickt, über deren ungefähre Identität er oft nichtmal den Überblick hat. Getwittert wird über Alkoholsucht, Sex, Unterwäsche, Tablettenmissbrauch, Verzweiflung, Trauer, die eigene Dummheit und Unzulänglichkeit, aus der Sauna, aus dem Klo und sogar aus der Gruppentherapie. Jeder Mensch, dem in seiner Erziehung ein gesundes Schamgefühl mitgegeben wurde, müsste das doch bekreischen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/StMl3LTP9xI/AAAAAAAAARg/r3AIgQdXc3U/s1600-h/erschiessen.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 188px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/StMl3LTP9xI/AAAAAAAAARg/r3AIgQdXc3U/s400/erschiessen.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5391694808749176594" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ist es denn aber wirklich so, dass mit der Preisgabe persönlicher Details und Schattenseiten die totale Transparenz, und somit auch die totale Angreifbarkeit hergestellt wird? Meine steile These dazu ist, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Zumindest gilt das für Kommunikation auf Twitter. Ich weiß genau wer schwul ist, wer zuviel trinkt, wechselnde Geschlechtspartner hat oder bei den Jesus Freaks rumgammelt. Jeder weiß es. Die Selbstverständlichkeit, mit der man sich preisgibt, nimmt Tuschlern, Lästerern und Verleumdern den Wind aus den Segeln. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich persönlich gebe mich gerne offen, denn so bin ich nun mal. Der Psychoanalytiker würde sagen, dass es nicht Aufgeschlossenheit ist, sondern eine Maßnahme, mich unangreifbar zu machen. Man kann nur jemanden beschämen und verletzen, für den dies mit einem Gesichtsverlust einhergehen würde, oder besser gesagt: mit dem Verlust der Maske, die er nach außen trägt, hinter der er seine „echte“ Identität verbirgt. Unverkrampft Dinge von sich preiszugeben bedeutet, andere der Macht zu berauben, die sie missbrauchen könnten für Verleumdung, Verrat und dergleichen. Der Witz ist nun: in Wirklichkeit gebe ich gar nicht so viel von mir preis, wie man meinen könnte. Aus der Masse meiner Abscheulichkeiten picke ich Sachen heraus, die ich vor mir selbst durchaus verantworten kann. Ich twittere über Schwächen, die in den Augen meiner Leser auch locker als Stärken durchgehen. Weil sie auch die Schwächen der Anderen sind und eine wohltuende Erleichterung sich einstellt, wenn das Geständnis gegen den dunklen Schatten festsitzender Normen anstrahlt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/StMmlb8ttjI/AAAAAAAAARo/rTZwnFL30AM/s1600-h/kchkch.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 195px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/StMmlb8ttjI/AAAAAAAAARo/rTZwnFL30AM/s400/kchkch.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5391695603492042290" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich meine: WTF. Ich habe mit Begeisterung und Dankbarkeit Michel de Montaigne gelesen, der schon als mittelalterlicher Zeitgenosse schrieb, der Mensch solle nicht so ein Theater machen um seinen Schein, wir sind alle so herrlich unvollkommen, und wenn wir dazu stehen, geht es uns und anderen besser. &lt;span style="font-style:italic;"&gt;„Nichts Menschliches sei mir fremd.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber zurück zum Authentizitätsgehalt von Twitter-Personae. Ja, wir entblößen uns. Aber sehr kontrolliert und auserlesen. Es ist nicht so, dass wir die nackte Wahrheit twittern. Das wäre saulangweilig. Wir lassen uns von der Wirklichkeit inspirieren. Dichten Dinge hinzu, überspitzen maßlos, vermischen Traum mit Wirklichkeit und lassen unsere Phantasie auf die Weide unendlicher Powerpuffpower. Dann werden Silben hin- und hergeschoben, bis wir uns so weit von der Wirklichkeit wegmanipuliert haben, dass man uns unsere Egozentrik nicht mehr vorwirft. Schließlich stellen wir sie in den Dienst der Allgemeinheit. Sie ist lediglich das Material, aus dem etwas Geistreiches, Witziges oder Bemerkenswertes entsteht. 140 Zeichen machen es möglich, uns gleichzeitig zu entstellen und damit doch zu vermitteln, „wie wir so drauf sind“. Denn was wir bemerkenswert finden und wie wir es transportieren, genau da sitzt das Ich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Ich muss an dieser Stelle doch mal anmerken, dass ich hier nur für die Leute spreche, die diesen Anspruch an sich selbst haben, Sternchen-Tweets zu schreiben. Die sind natürlich voll dabei, verstehen diesen Text und begegnen einander auch im analogen Leben.) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn ich einen Abend mit „normalen“ Menschen verbringe, muss ich danach eine Woche ausruhen und Beruhigungspillen schlucken. Wenn ich einem Twittertreffen beiwohne, komme ich verliebt, auf Wolken schwebend, heim, bin inspiriert für die nächsten zwei Monate, bis oben hin voll mit guten Gefühlen und durchweg ausgeglichen. Wie kann das sein? Ich begegne Menschen, die verheiratet sind, die Kinder haben, die irgendwas Ekliges studiert haben, gut 20 Jahre älter sind als ich, Menschen die in seltsamen Parteien drinne sind, solche mit ganz viel Geld und solche, die voll die krassen Jobs machen. Menschen also, auf die ich nicht einfach so gestoßen wäre, ruft man sich in Erinnerung, dass Auswahlmechanismen doch auf optischen Reizen basieren, an denen die symbolische Zugehörigkeit zu irgendeiner Gruppe hängt, die vermeintlich mit der eigenen Persönlichkeit d’accord geht. Drauf geschissen auf Twittertreffen. So abwegig die Zusammenstellung der Menschen sein mag, so sehr gleichen alle einander in den wirklich wichtigen Dingen. Ich sach ma: Humor. Lust an Sprache. Leidenschaft, Persönlichkeit. Man ist wie auf Twitter. Man sieht vielleicht anders aus. Die Stimme ist sanft und leise statt tief und rau, wie man sich das so dachte, es werden keine RL-Tweets aus dem Ärmel geschüttet, aber das macht nichts, weil der Kern, das Eigentliche, das Wichtige, auch in Wirklichkeit in Erscheinung tritt. Müsste ich ein Bild für dieses Glück finden, ich wählte eine Paradiesdarstellung von den Zeugen Jehovas.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Aufgabe: Lesen Sie den Text aufmerksam durch und versuchen Sie, eine sinnvolle Struktur in die Argumentation des Autors zu bringen. Wodurch unterscheidet sich der Text von dem älteren Twitter-Text? Inwiefern lassen sich die zentralen Metaphern auf Elektrolyse anwenden? Discuss! &lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-8241464338055929422?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/4P6tF15mlHY" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/4P6tF15mlHY/das-ich-und-das-twitter-ich.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/StMjWhEOcOI/AAAAAAAAARQ/eZfCOHvPhco/s72-c/eltern.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">46</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2009/10/das-ich-und-das-twitter-ich.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-4250281863718652186</guid><pubDate>Fri, 28 Aug 2009 20:37:00 +0000</pubDate><atom:updated>2009-08-31T13:28:32.766+02:00</atom:updated><title>Die große #Mädchensätze Compilation</title><description>In meiner nun seit fast einem halben Jahr laufenden Serie #mädchensätze twittere ich regelmäßig Floskeln, die man häufiger aus Mädchenmündern hört denn aus Jungsmündern. Die Beiträge sind in ihrer Ganzheit nicht sexistisch gemeint. Ich bin mir der Tragik bewusst, die diesen performativen und reproduktiven Sprechgewohnheiten innewohnt. Aber wir sind ja hier zum Glück nicht in einer Bildungsanstalt der Postmoderne und können uns über unser Leid am Blödchen beömmeln. Ich habe alles, was ich je unter dem Hashtag #mädchensätze verfasst habe, hier zusammengetragen. Sei dankbar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Spux3XemvQI/AAAAAAAAAQk/he7NP51zmpI/s1600-h/maedchen_handy_sitzend_2.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 205px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Spux3XemvQI/AAAAAAAAAQk/he7NP51zmpI/s400/maedchen_handy_sitzend_2.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5376086144950123778" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"...also ich könnt' das nicht!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"öööh ich bin so doohoof!" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"der janek ist soo süß." - "klar! ist ja auch mein bruder!" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"danke für [irgendwas]." - "ich bin gut, nä?" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Und er so: blablablabla, und sie so: didinanana, und ich so: haloooooh!?&lt;br /&gt;quabbelquabbelquabbel!? und er so: väbäväbäväbä..."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;lockeres geplauder bei tisch. "mein onkel hat magengeschwüre.." - "hallo!?, ich ESS vielleiiiicht??????"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"nee du, lass mal."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"hallo, ich bin die mareike." - "ich bin tamara. hast du nen froiiiiiind?" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"ich war mit [männlicher vorname] in der stadt und.." - "woooooooo! da GEHT was!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"kuck dir den film an. der ist einfach nur.. also, einfach nur suuuperschön! voll schön einfach nur!" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"[Vorwurf]Du tust mir einfach nur leid." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"[Verbale Bezeugung des Rechtgebens]." - "Jaaaaha, kannste ma sehn!" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"ich will ja nix sagen, aber (...)" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"find ich jetzt net so prickelnd." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(stölzern:) "manchmal kann ich ne echte zicke sein *fg*" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"mein papa ist der beste papa der welt!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"[ungewöhnliche argumentationslinie]" - "okääähäy...?!?" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"hast du dich mit dem marco wieder ausgesprochen?" - "neee... ich will ihn erstmal bisschen zappeln lassen." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"wöööööh, das schlimmste am singlesein ist dass man allaaajne einschlaphn muhuss.."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; "wir haben beziehungspause."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"oh gott, ich hatte schon seit t/m/j keinen sex mehr!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"jeder tag an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener tag." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; "ääh... MUSS ich das versteeehn???" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"[moralische entrüstung], [belehrung], denk ma drübah naaach." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"nnä! alleine geh ich da nich rein." (gemeint ist ein kiosk o.ä.) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"ich find das jetzt nicht unbedingt so toll, du." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(gezogen:) "kannst dich ja mal melden..." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Ich hab in diese Beziehung soviel REINinvestiert!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;schnippisch, anmaßend, überheblich:) "Kann es seiiiin, dass du [Vulgärpsychologische Binse]??" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Humor in Schnorrsituationen: "...aber rauchen kannste selber!? ;-)" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Hmm.. mein Gehirnpiercing sieht scheiße aus, oder?" - "Ich hab NICHTS gesagt! Lalalaaaaa..."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[milde Kritik] - "tschulligung dass ich aaatme!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Da sind Menschen gestorben, VERSTEHST DU, M e n s c h e n!" &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;[Kritik] - "Aaaber duuuh." &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;"Das hat etwas mit Respekt zu tun. Weißt du überhaupt was das ist, Respekt?" &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;"Tu was du nicht lassen kannst......." (und dabei Gesichtsausdruck der Stolz auf die eigene Gewitztheit verrät) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Haste schon gehört? Wir sind Papst!" - (vorwurfsvoll:) "Super, kann ich mir jetzt auch nichts von kaufen."&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-4250281863718652186?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/Lim6Mfim5nY" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/Lim6Mfim5nY/die-groe-madchensatze-compilation.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Spux3XemvQI/AAAAAAAAAQk/he7NP51zmpI/s72-c/maedchen_handy_sitzend_2.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">29</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2009/08/die-groe-madchensatze-compilation.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-1738205432702812286</guid><pubDate>Fri, 31 Jul 2009 14:51:00 +0000</pubDate><atom:updated>2009-07-31T16:58:48.456+02:00</atom:updated><title>Existenz 2.0. - Hommage to Twitter (1/3)</title><description>Fragen mich Menschen, die ich theoretisch anfassen könnte, was ich den ganzen Tag so mache, ist Schlafen nicht mehr die Standardantwort, „twittern“ hat den Thron der Slackmaßnahmen bestiegen. Sie, die naturwüchsigen Burschen, reagieren auf meine Auskunft mit einem unsicheren, fremdbeschämten Lachen, als hätte ich mir gerade ein Wort ausgedacht um selbstgefällig zu verwirren. Andere haben durchaus schon von diesem „Äh, da kann man auch Bilder und Musik posten, ne“ gehört und zeigen Interesse, auf das ich gern eingehe, obgleich immer auf meine Kosten, denn, wie @silenttiffy neulich so treffend formulierte:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SnMFKPwnyUI/AAAAAAAAAQM/D1gAWIM8Qic/s1600-h/ufos.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 320px; height: 170px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SnMFKPwnyUI/AAAAAAAAAQM/D1gAWIM8Qic/s320/ufos.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5364637254715689282" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sich in meiner Lebenswelt zu Twitter zu bekennen, ist, wie mit einem Jamba-Abo hausieren zu gehen, mehr noch, ist das neue „Ich schicke meinem Schatz SMS an den VIVA-Ticker.“ Twitter steht im Ruf, reine Beschäftigungstherapie für Volldeppen zu sein, die jeden Scheiß mitmachen, selbst den allerdümmsten. Als Fan beelendet mich das. Und so fege ich mir nun im Blog ein wenig Platz frei, um der Liebe, die ich für dieses wunderbare Medium empfinde, Ausdruck zu verleihen. Wer Filme mit Tom Hanks und Meg Ryan verabscheut, sollte das Fenster jetzt schließen und wieder sein gewohntes Tagewerk aufnehmen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kontext: Es handelt sich bei mir um einen zurückgezogenen Menschen. Ich schätze geschriebene Worte viel mehr als verschwitzte Umarmungen (die berühmte Buch Vs. Freund-Dichotomie). Ein Misanthrop bin ich nicht. Ich weiß, dass die Welt von bockstarken Menschen bevölkert wird. Das Problem ist: sie wohnen nicht in meiner Straße. Das zweite Problem ist: ich habe nicht die Nerven, sie zu suchen, so zu Fuß. Es ist ein Merkmal interessanter Charaktere, sich nicht auch noch interessant zu kleiden oder zu frisieren. Sich zum Kern eines unscheinbaren Fremden vorzuarbeiten, erfordert Zeit und Energie, die ich nicht habe. Was ist der Kern des Menschen? Für wen möchte mein Herz schlagen? Es sind die Leute, die etwas in sich haben, die etwas zu sagen haben. Und die das in 140 Zeichen hinkriegen, weil sie nicht Inhalt denken, sondern Form. Ihre Kunst besteht darin, Alltagsbanalitäten in Bonmots zu verwandeln, Sprache zu sezieren, oder neu zu erfinden. Wahrheiten, über die man in einem Soziologieseminar zwei Stunden lang schwafelt, in einem treffenden Satz zu kondensieren. Und hinter dieser Fertigkeit stehen Eigenschaften, die ich sehr schätze: Intensität, Phantasie, Gefühl, Kreativität, was interessiert mich, wie du dich im Alltag gibst, in all deiner hüftsteifen Unsicherheit, wenn in deinem Innersten diese Leidenschaft pulsiert. Das ist mein Motto. Ich liebe ja auch Nimm2 wegen dem Kern, nur ungern beiße ich mir die Zähne an der harten Bonbonhülle aus. Von dieser Art ist die Bequemlichkeit, die Twitter meinem allzumenschlichen Gesellungswunsch bietet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dank Twitter habe ich den ganzen Tag mit dem leckeren, süßen Kern geistesscharfer Beobachter und Kommentatoren mit Hang zum Nonsense zu tun. Ich lebe meinen Traum von der Party, auf der ich mir meine Gäste selbst zusammenstellen kann, d.h. es kommen nur Leute, die ich anschreien möchte: „DU BIST SO WUNDERGEIL!!!“, und man wirft einander den Ball zu, bis man sich sattgefressen hat an der Schönheit des Anderen. Seit ich Twitter nutze, bin ich, was meine zwischenmenschlichen Kontakte angeht, ein ausgeglichener Mensch bar jeder Mordphantasie. Aber ich fühle mich nicht nur prächtig unterhalten von den von mir Verfolgten, die ich mir vorwiegend nach dem Gesichtspunkt ihres Humors zusammengestellt habe, ich profitiere auch, was meine eigene Hirnaktivität angeht. Vorbei die mühsamen Tage geistiger Lethargie. Gute Tweets zu schreiben ist zu einer Obsession geworden, zu Zahnseide für die Synapsenzwischenräume. Man wird ja auch reichlich dafür belohnt. Durch sofortiges Feedback und DMs mit erotischem Inhalt nach 2h. &lt;br /&gt;Seit Kindestagen plante ich, irgendwann ein Buch zu schreiben. Jeder Versuch endete kläglich, denn mochte ich auch Talent haben, mein Urteil war es nicht, mir fehlte das Selbstvertrauen. Es fehlt mir zwar immer noch (das gehört sich so), aber meine Follower haben mir einen Schutzmantel geflickt aus ihren kleinen süßen Tweets of Lobpreis, den ich mir dankbar überziehe, wenn ich mich dieser Tage an den Rechner setze, um dieses Buch tatsächlich zu schreiben. Ihre Vorstellung von mir wird zu einem idealen Behelfsselbstbild. Und diesmal läuft’s! Mühelos. Denn das, was man liebt, läuft immer mühelos, und ich liebe meine Follower, liebe es, sie zu erheitern, das gibt allen meinen Projekten ungeheuren Antrieb. Kotztüte, anyone? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Twitter ist zu meinem ständigen Begleiter geworden. Das muss man sich mal vorstellen! Ein kleines mobiles Kästchen in der Tasche zu haben, aus dem es 24/7 Geistreiches zwitschert! Vor 10 Jahren könnte man sich wohl nichts Erbärmlicheres vorstellen, als jemanden, der so internetsüchtig ist, dass er sogar an der Supermarktkasse noch online geht. Aber wie falsch wäre es, hinter dem Lachen, den glänzenden Augen, der Geistesaktivität, die vor den Displays vonstatten geht, die verdummende Routine eines armen Nerds zu diagnostizieren? Natürlich stimmt's schon, um den Anfangsgedanken aufzugreifen: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SnMFvmWMOMI/AAAAAAAAAQU/ouwhK0JFtRQ/s1600-h/houelle.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 320px; height: 133px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SnMFvmWMOMI/AAAAAAAAAQU/ouwhK0JFtRQ/s320/houelle.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5364637896434006210" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;(Gnaarf. Dieser Text ist nicht das, was mir vorschwebte. Ich werde ihn in absehbarer Zeit durch einen zweiten und dritten Teil ergänzen, in dem ich mich einzelnen Zwitscherbacken widme sowie dem neuen Umgang mit persönlicher Transparenz. Uuuuh. Aufregend.)&lt;/i&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-1738205432702812286?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/uQUB9_X4-Lg" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/uQUB9_X4-Lg/existenz-20-hommage-to-twitter-13.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SnMFKPwnyUI/AAAAAAAAAQM/D1gAWIM8Qic/s72-c/ufos.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">33</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2009/07/existenz-20-hommage-to-twitter-13.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-6714499198119768140</guid><pubDate>Fri, 26 Jun 2009 15:42:00 +0000</pubDate><atom:updated>2009-06-26T17:58:37.477+02:00</atom:updated><title>Michael Jackson, Regent meiner Kindheit.</title><description>Den Tag, an dem Michael Jackson stirbt, habe ich mit 11 nicht für möglich gehalten. Oft habe ich gefragt: „Mama, wann stirbt eigentlich der Papst?“, denn es erschien mir plausibel, dass ein ergrauter Mann irgendwann sterben würde, auch wenn er eine Ikone war. Den Gedanken, der King of Pop könnte sterben, verdrängte ich erfolgreich im Glauben, dass sein Tod etwas so Skandalöses wäre, dass alle Erdenbürger sich vor Trauer und Verzweiflung umbringen müssten: evolutionsbiologisch hätte Michael Jacksons Existenz also keinen Sinn, und ich war überzeugt davon, dass es Michael Jackson war, der die Welt zusammen hielt. Denn die meine hielt er zusammen wie Popel und Leim. Ich balancierte über den Strick einer bitteren Kindheit mit „Billy Jean“ auf den Ohren und „Bad“ auf den Lippen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SkTstyUHkSI/AAAAAAAAAP0/6f8AyV40Ipc/s1600-h/badera42.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 188px; height: 320px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SkTstyUHkSI/AAAAAAAAAP0/6f8AyV40Ipc/s320/badera42.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5351662528567415074" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Ich neige nicht zu Fantum, finde Nachrufe cheesy und schäme mich, mit dem Flow der Informationsgesellschaft zu gehen, aber Michaels Einfluss auf mein Leben ist so unermesslich groß gewesen, dass ich nicht anders kann, als ihm mit diesem kleinen Blogeintrag zu gedenken. Zumal es mich wütend macht, wie auf Twitter und Co. Michael Jacksons Ableben zynisch, geschmacklos und scheusslich kommentarbegleitet wurde. Die Menschen lieben es, Ikonen fallen zu sehen. Ich schlage mich auf die Seite derer, die Michael für seine Musik geliebt haben und für die er eine ebensolche oder eine ähnlich große Rolle gespielt hat wie für mich, die ich Jahrgang 1981 im abgelaufenen Ausweis führe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich 5 war, hatte ich eine Freundin namens Ania. Sie wohnte nur einige Häuser weiter. Bei ihr im Haus zu spielen war wunderbar, weil ihr Vater ein MTV-besessener Musiknerd war und uns immer die Charts aus dem Westen vorspielte, zu denen wir abspackten, dass die Schwarte krachte. Völlig verzottelt und zappelig kam ich nachhause und brüllte Michael Jackson-Songs im Lalala-Kinderstil meinen Eltern in die welken Ohren. Und immer, wenn ich außer Rand und Band war, nannte meine Mutter mich „Majkäl Dschecksonn“. Unterschwellig vermittelte man mir aber im Elternhaus, dass irgendwas an meinem Idol „böse“ war und ich lieber andere Leute imitieren sollte. Ich spürte das auch, aber es war keine Gefahr im Cocktail drin, sondern pure Aufregung und urbane Coolness: eine Vorstellung von Amerika als Paralleluniversum, in dem Leute wie Michael Jackson Cartoonhelden gleich durch surreale Gerüstbauten fetzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den folgenden Jahren hörte ich „Thriller“ und „Bad“ jeden Tag nonstop. Der Vater meiner Freundin hatte mir alles auf Kassette überspielt. Mein Vater half mir, die Lyrics zu übersetzen. „Annie, bist du okay? Bist du okay, Annie?“ – Ich konnte die Texte in und auswendig noch bevor ich ein Wort Englisch sprach. „Moonwalker“ hatte Papa mir auf VHS aufgenommen und ich verbrachte Stunden damit, Teile der Choreographie zu lernen, so dass ich in der 5. Klasse „Moonwalking“-Kurse auf dem Schulhof geben konnte. Das konnte ich wirklich gut. Vom zusammengesparten Taschengeld kaufte ich mir eine schwarze Perücke. Sie hieß „Zigeunerin“ und war nicht wirklich Jacko, aber andere Optionen hatte ich nicht. Als meine Nase begann, einen Höker zu entwickeln, drückte ich sie vor dem Schlafengehen immer mit dem Zeigefinger nach oben, weil ich hoffte, sie möge sich durch diese Behandlung zu einem Jacksonschen Stuppsnäschen entwickeln. &lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SkTtZoY6dfI/AAAAAAAAAP8/k2CuUFF-skA/s1600-h/badera405.jpg"&gt;&lt;img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;width: 270px; height: 320px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SkTtZoY6dfI/AAAAAAAAAP8/k2CuUFF-skA/s320/badera405.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5351663281817417202" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Kann man noch mehr Fan sein, als durch Körpermanipulation und äußeres Erscheinungsbild seinem Idol so ähnlich wie möglich werden zu wollen? Man kann. Mit 11 entwickelte ich eine Obsession, die mir in ihren Auswirkungen beinahe gefährlich wurde. Michael Jackson hatte gerade „Dangerous“ rausgebracht und die Jugendmagazine barsten mit Postern, Berichten, Stickern und Bügelbildern. So begann ich, heimlich BRAVO, PopRocky und POPCORN zu lesen und sammelte buchstäblich jeden Schnipsel in einem, zwei, bald fünf berstenden Ordern zusammen. Es war die Zeit, in der Michael Jackson am Schönsten war. Er hatte einen Gedichtband mit Fotografien herausgegeben: „Dancing the Dream“. Auf den Porträts, die darauf zu finden waren, inszenierte er sich als einsamer Prinz von unendlicher Traurigkeit. Das alles war Wasser auf die Mühlen nie gekannter Begehrlichkeiten. Ich identifizierte mich mit ihm, denn auch ich war eine einsame Prinzessin, die weinend aus ihren Träumen erwachte in einem Moment, in dem ihr inne wurde, dass sie in Wirklichkeit ein hässliches Kind mit schäbigen Klamotten war, das nicht in einem Elfenbeinpalast in einer Wüste aus Goldstaub wohnte, sondern in einem kleinen, eklig möbilierten Zimmer einer schimmelanfälligen Mietshauswohnung. Das Wunder von Michael Jackson bestand darin, dass er nicht menschlich war, obwohl er wirklich zu existieren schien. Er war die Fleisch gewordene Phantasie, die ein Kind, das sich wie kaum ein anderes nach Märchen sehnt, einfach in den Wahnsinn führen musste. Und wie wunderschön fielen die seidenen Locken in das bleiche Gesicht, wie tief der Blick aus diesen Augen in einem Gesicht, dass weder das einer Frau noch das eines Mannes war. Ich glaube, die erste menschliche Schönheit, die ich als solche registrierte, war seine, und sie prägt bis heute mein (ästhetisches) Faible für das Androgyne, Zerbrechliche und Mysteriöse. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich wollte Michael nicht küssen, ich wollte nur mit ihm zusammen sein. Wollte, dass er mich in sein „Reich“ entführt, in dem wir beide auf einem weißen Ross durch rotglühende Wüstenlandschaften reiten, kein Mensch weit und breit, nur ich und er in alle Ewigkeit. Der Liebeskummer und die Sehnsucht waren enorm. Ich konnte nicht essen, nicht schlafen, nicht lachen. Blättere ich durch Familienalben aus der Zeit, muss ich traurig lächeln. Auf nahezu allen Bildern verdecke ich mir das Gesicht in Trauer, schaue tranig zur Seite, Walkman auf den Ohren und „Will you be there“-Jacko-Shirt auf dem Leib. Ich litt so sehr. Bis ich eines Tages beschloss, von zuhause wegzulaufen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SkTtssnyNyI/AAAAAAAAAQE/wVLGEhocO5Y/s1600-h/jackopain.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 300px; height: 273px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SkTtssnyNyI/AAAAAAAAAQE/wVLGEhocO5Y/s320/jackopain.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5351663609371047714" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Hier ein typisches Foto dieser Art. Das Kind denkt an Jacko und nicht etwa an die tragischen Implikationen des rosa Outfits.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Michael war in einem Kölner Hotel zugegen. Die Tatsache, dass nur 50 Kilometer mich von ihm trennten, machte mich panisch und setzte mich unter Zugzwang. Ich wollte, dass er mich als Waisenkind bei sich aufnimmt. Und glaubte so fest an die Möglichkeit, dass ich eines Tages eine große Tasche packte und das Haus verließ, um zum Bahnhof zu preschen. Irgendwie würde ich mir das Fahrgeld schon zusammen schnorren, irgendwie würde ich herausfinden, wie ich nach Köln komme, wo das Hotel ist und alles Weitere würde ich vor Ort planen. Unglücklicherweise putzte meine Mutter gerade die Küchenfenster und sah mich mit der Tasche den Weg zum Bahnhof hinauflaufen. Ohne zu zögern rannte sie aus dem Haus und holte mich ein, die ich nun zappelnd und schreiend mich von ihr zurückschleppen lassen musste. Das gab Anschiss und Zimmerarrest. Aber ich musste mir nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viele Male sollte ich noch weinen. Als die Mutter einer Freundin erzählte, Michaels Nase würde abfaulen zum Beispiel. Da fiel ich beinahe in Ohnmacht. Oder als Michael sich zum ersten Mal als sexuelles Wesen zu erkennen gab, im Video zu „In the Closet“ mit Naomi Campbell. Da konnte ich vor Seelenschmerz nicht mehr atmen. Oder als bekannt wurde, dass Michael geheiratet hatte. Da bekam ich einen Nervenzusammenbruch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch weil die Zeit alle Wunden heilt und neue Helden die Bühne des Herzens betreten (hier: Die Ärzte), verschwanden langsam die Poster, die Schnipsel, die mit klagevollen Gedichten vollgeschriebenen Tagebücher aus meinem Zimmer… &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was blieb: Respekt, Verständnis, Bewunderung, und die kleinen Fußspuren, die der Moonwalk auf meinem Herzen hinterlassen hat. Mit Michael Jackson lernte ich Gefühle wie Melancholie, Sehnsucht und Entfremdung kennen, diese Edelmänner unter den dunklen Regungen. Er prägte meine ungebrochene Liebe zu Äffchen, Uniformen und Androgynie. Seine Musik gab mir soviel Glück in all den Jahren und hinterließ so viele entrückte Bilder die der Phantasie noch heute Nahrung geben. Er bleibt für mich ein König, als Kunstfigur und als Musiker, wie sehr sich die Mäuler an ihm zerreißen mögen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;------&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese zwei Songs sind für immer:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;object width="425" height="344"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/7Hg-IRZk4D0&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowFullScreen" value="true"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowscriptaccess" value="always"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/7Hg-IRZk4D0&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;object width="425" height="344"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/qQwFHoLMti8&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowFullScreen" value="true"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowscriptaccess" value="always"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/qQwFHoLMti8&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-6714499198119768140?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/d0kZrYn_4yw" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/d0kZrYn_4yw/michael-jackson-regent-meiner-kindheit.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SkTstyUHkSI/AAAAAAAAAP0/6f8AyV40Ipc/s72-c/badera42.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">12</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2009/06/michael-jackson-regent-meiner-kindheit.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-3156229503975680190</guid><pubDate>Wed, 22 Apr 2009 15:02:00 +0000</pubDate><atom:updated>2009-04-22T17:20:02.928+02:00</atom:updated><title>Die Kunst in den Zeiten der Cholera</title><description>Verehrte Leser, &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;muss immer der Morgen wiederkommen? Endet nie des Irdischen Gewalt? Das waren Fragen, die ich mir angesichts meines Versagens in den letzten Wochen stellen musste. Vor einigen Tagen fand ich in meinem Bad einen Schwarm Flugechsen. Ein ungewöhnlicher Anblick, aber ihm habe ich es zu verdanken, dass die Blogging-Abstinenz sich wieder einmal dem Ende neigt. Erwarten Sie in den kommenden Tagen sogenannte „Inhalte“. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch zunächst möchte ich auf meine Ausstellung im Foyer des Marburger Kulturladens &lt;a href="http://www.kfz-marburg.de/"&gt;KFZ&lt;/a&gt; hinweisen, die mindestens bis Ende April unter dem umbrella term „Chimären“ die Provinz in einen romantischen Schlummer lullt.  &lt;br /&gt;Zu sehen gibt es eine bescheidene Auswahl endoplasmatischer Fotografien, die in meinen besten Jahren entstanden sind. Der bekannte Exzentriker und Kunstkritiker Prof. Dr. Schenk hat sich bereits lobend über die Ausstellung geäußert: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8xpFpm5dI/AAAAAAAAAOk/YsgorXUm5cE/s1600-h/jonas.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 320px; height: 126px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8xpFpm5dI/AAAAAAAAAOk/YsgorXUm5cE/s320/jonas.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5327531466163676626" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kann Herrn Schenk nicht genug dafür bewundern, mit diesen Worten auf den Punkt gebracht zu haben, was ich mit meiner Kunst kommunizieren will. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vernissage am 25.03. war übrigens ein praller Erfolg. Von 300 geladenen Gästen sind 20 meinem verzweifelten Flehen um physische Raumausfüllung gefolgt. Manche sind nur gekommen, um wieder zu gehen. Ihnen gilt mein besonderer Dank. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Einige Impressionen:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8x4DoZW0I/AAAAAAAAAOs/dzo8SVRx_SU/s1600-h/eve.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 320px; height: 242px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8x4DoZW0I/AAAAAAAAAOs/dzo8SVRx_SU/s320/eve.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5327531723319761730" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die hier abgebildete Frau ist für mich nicht nur eine große Inspiration und Wuchtbrumme. Ohne ihre Expertise auf dem Gebiet bekloppter Verpflegung und ohne ihre sozialen Leihgaben ("Menschen") hätte es die Vernissage nicht gegeben. Rechts in der Ecke unser burleskes Spendenschwein. Es wurde vor der Veranstaltung mit einigen ausländischen Münzen gefüllt, um später überprüfen zu können, wie viel im Gebiet Marburg-Biedenkopf gespendet wurde. Nichts. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8yMjApTXI/AAAAAAAAAO0/WtkigNuWZCw/s1600-h/elasab.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 320px; height: 213px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8yMjApTXI/AAAAAAAAAO0/WtkigNuWZCw/s320/elasab.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5327532075340352882" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwei bezaubernde Besucherinnen, vermutlich auf Drogen, auf jeden Fall aber vor einem Körbchen, das mit Chupachups berstet. Neben den Schokomarienkäfern gab es als Häppchenersatz auch glibbrige Augäpfel und pinke Zuckerschaumstoffherzen. Vielleicht sollte ich das erklären. Die letzte Feier, deren Grund und Mittelpunkt ich war, war mein 13. Geburtstag gewesen. Ich verbrachte ihn trotz liebevoll selbstgebastelter Einladungen mit meinen Eltern und der Nachbarin. Niemand war gekommen. Diesmal sollte es anders werden. Meine Assistentin und ich haben also eine Art Kindergeburtstag vorbereitet, um das Trauma aus meinem Leben zu verscheuchen. Hat leider nicht geklappt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8yYPwB5OI/AAAAAAAAAO8/OktFfEAkKaE/s1600-h/sekt.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 195px; height: 320px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8yYPwB5OI/AAAAAAAAAO8/OktFfEAkKaE/s320/sekt.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5327532276328817890" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Krawallbrause satt!!! Und DU warst nicht da! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8ylUwBHRI/AAAAAAAAAPE/MIWL6Z9KqbI/s1600-h/alex.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 320px; height: 213px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8ylUwBHRI/AAAAAAAAAPE/MIWL6Z9KqbI/s320/alex.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5327532501009243410" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier freut sich mein Lieblingsbesucher über seine gelungene Abendgarderobe. SO muss man auf eine Vernissage gehen, ihr Affen! Aber NEIN! Ihr müsst ja alle so aussehen als wie wenn ihr bei nem Casting für ne Andy Warhol-Bio mitmachen wollt! (mein ja nur.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8zItoUPQI/AAAAAAAAAPM/D93SUIINo74/s1600-h/macker.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 209px; height: 320px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8zItoUPQI/AAAAAAAAAPM/D93SUIINo74/s320/macker.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5327533108983250178" /&gt;&lt;/a&gt; Extra aus Bad Tölz angereist: der Kunstsammler und Kuriositätenliebhaber Enrico von der Vogelgrippe. Er erwarb zwei Fotografien zum Preis von einer (2,50 Euro). Herzlichen Glückwunsch! Sie konnten sich gegen ihre Mitbieter mühelos &lt;br /&gt;durchsetzen! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das war’s auch schon! Schauen Sie doch mal wieder in meiner kleinen &lt;a href="http://lostatsea.de"&gt;Gallerie&lt;/a&gt; vorbei und empfehlen Sie mich weiter! Und wenn’s keine Umstände macht: folgen Sie mir auf &lt;a href="http://twitter.com/silenttiffy"&gt;Twitter&lt;/a&gt;! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihre Dings  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Anhang: Der Ausstellungskatalog&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=Schlesische%20Kueche"&gt;Schlesische Küche&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=Rotkaeppchen%20Lauf"&gt;Rotkäppchen Lauf&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=A%20strange%20visitor"&gt;A strange Visitor&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=Waiting"&gt;Waiting&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=Girl%20with%20Flowers"&gt;Girl with Flowers&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=Der%20Tod"&gt;Der Tod&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=Getting%20old%20is%20not%20for%20Sissies"&gt;Getting Old&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=Schwurbel"&gt;Schwurbel&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=Rainman"&gt;Rain Man&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=Akt%20mit%20Obst"&gt;Akt mit Obst&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=Alice%20im%20Wunderland"&gt;Alice im Wunderland&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=Goffick"&gt;Goffick&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=Flugstunde"&gt;Flugstunde&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-3156229503975680190?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/sWCMvS_uNtQ" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/sWCMvS_uNtQ/die-kunst-in-den-zeiten-der-cholera.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Se8xpFpm5dI/AAAAAAAAAOk/YsgorXUm5cE/s72-c/jonas.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">6</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2009/04/die-kunst-in-den-zeiten-der-cholera.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-2114778926976429453</guid><pubDate>Mon, 23 Mar 2009 13:33:00 +0000</pubDate><atom:updated>2009-03-23T15:41:01.499+01:00</atom:updated><title>Winnenden (oaah nee) - Der endgültige Rant</title><description>Nachdem die hohe Welle der medialen Hysterie über den gesunden Menschenverstand hinweg geschwappt ist und ich mich über eine Woche gelangweilt durch die Stätten des Diskurses geschaufelt habe, fühle ich mich um eine Stellungnahme reicher, die dann auch leider nicht von draußen kommt, sondern von hier, ne? Ich klopf mir blöde auf die Brust, von da drin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit rosigen Betroffenheitsbäckchen bekakelte man jenseits des &lt;a href="http://www.bootsektorblog.de/2008/10/acht-videospiel.html"&gt;Killerspiele-Unfugs&lt;/a&gt; so genannte „Präventionsmaßnahmen“. Die Zusammenfassung: mehr Schulpsychologen vor Ort, Stärkung der Klassengemeinschaft durch integrative Zusammenrottungen („Klassenrat“), Fortbildungen für Lehrer, eine „Kultur der Aufmerksamkeit“ (wie es im durchweg enttäuschenden ZEIT-Dossier heißt). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man möchte diesen engagiert auftretenden Menschen glauben, dass sie gute Absichten haben. Auch wenn man zugenüge gesehen hat, dass die Medienmacher gar nicht wollen, dass die Dinge sich zum Besseren wenden. Dafür diskutiert man in Deutschland viel zu gern, springt doch dabei noch für den Dümmsten und Uneinsichtigsten die Chance raus, sich als Meinungsinhaber, vielleicht sogar Meinungsmacher zu profilieren. (Zwei Extrembeispiele ideologischer Unsäglichkeit: &lt;a href="http://2beman.de/jungs-10-13/_gewalt/wie-die-emma-investigativ-den-amoklauf-aufklarte/"&gt;Alice Schwarzer auf EMMA&lt;/a&gt;, die mit der Info erstmal ihre männerfeindliche Pumpgun auflädt und &lt;a href="http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/03/12/rilke_2C00_-voltaire-und-amok.aspx"&gt;Don Alphonso im FAZ-Blog&lt;/a&gt;, der uns stolz versichert, dass er als wohlerzogener Literaturkonsument ganz bestimmt nicht Amok laufen würde.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SceTbiW21_I/AAAAAAAAAOE/NtFO4w4AOJI/s1600-h/bosch111.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 264px; height: 320px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SceTbiW21_I/AAAAAAAAAOE/NtFO4w4AOJI/s320/bosch111.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5316379986422585330" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Kritik am Killerspiele-Diskurs: Wie diese Darstellung von Anonymus Bosch belegt, waren Amoklaufräder bereits im Mittelalter keine Seltenheit. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Argumentation der Präventions-Spezis geht in etwa so: Weil die „Killerspiele verbieten!“-Fraktion keine wissenschaftlich überzeugenden Erklärungen für die Tat von Tim K. zu liefern vermag, müssen die Gründe außerhalb seines Zimmers liegen. Außerhalb seines Zimmers ist aber nur „die Leistungsgesellschaft“. Folglich ist die Schuld bei ihr zu suchen. Das System hat versagt, es hat einen Massenmörder produziert. Wir müssen also die Institutionen verändern, die solch ein Individuum hervorgebracht haben. Dann kommen die Vorschläge, was man denn mit den Außenseitern machen soll, und es ist wie mit den Muslimen: statt mit ihnen zu reden, redet man über sie. Und das tut man, ohne die geringste Idee davon zu haben, wie es in diesen Menschen aussieht, was sie umtreibt, wie sie ihre Tage verbringen, woran sie glauben, was sie verachten, wovon sie träumen, wie oft sie auf Toilette müssen usw. usf. Sie werden als Tumore im gesellschaftlichen Ganzen betrachtet, die man unschädlich machen muss, indem man sie „integriert“, und das bedeutet: sie sollen verdammt noch mal so sein wie alle Anderen. Sie sollen wie ganz normale Jugendliche nachmittags in Rudeln in die Eisdiele gehen und abends ne Sammelbestellung bei Jamba machen. Sie sollen ruhig heimlich im Gebüsch rauchen, aber bitte Marlboro Medium und nicht Marlboro Menthol Lights. Ich finde die Überlegungen (wenn es denn welche sind) von mehreren Seiten betrachtet falsch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es wurde bereits darauf &lt;a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/498/winnenden-und-die-schuld-der-medien"&gt;hingewiesen&lt;/a&gt;, dass die Medien selbst eine Mitschuld tragen könnten an der Amokläufigkeit der Jugendlichen. Durch das Inszenieren der Taten als Riesenspektakel würde so in den gefährdeten Köpfen die Hoffnung keimen, mit einer Schießerei die ultimative Aufmerksamkeit zu bekommen, mit Stardom und Verehrung und allem drum und ran, und sich so an denen rächen zu können, die immer nur weggeschaut haben. Ehemalige Deutsch LK-Primüsse verweisen auf „Die Leiden des jungen Werther“ und die Welle von Selbstmorden, die das Buch ehedem bei Stürmern und Drängern ausgelöst hat. Eine starke Identifikation mit dem geliebten Helden, der sich für seinen Weltschmerz opfert, habe die letzten Widerstände gebrochen, dasselbe Spiel also auch im 21. Jahrhundert. Ich finde diese Erklärung nur so lala, möchte sie aber gedanklich aufgreifen, um darauf hinzuweisen, dass das Gerede von „Leistungsgesellschaft“, das oberflächlich betrachtet von sooo viel Verständnis und Gutmenschentum zeugt, und das auch noch als Mainstream der kritischen Gegenöffentlichkeit gilt, nicht minder daran beteiligt sein könnte, dass die Option eines Amoklaufs EHER in Erwägung gezogen wird. Auf jeden Fall dürfte es auch auf undramatischeren Ebenen des Lebens so zugehen, dass derjenige, dem eine Opferrolle zugeschrieben wird, diese irgendwann bereitwillig annimmt und in der Folge der Glaube an die eigene Verantwortlichkeit für die eigenen Geschicke flöten geht. Und nein, ich gehöre nicht zu denen, die sagen, dass die Arbeitslosen selbst schuld sind an ihrer Misere. Aber ich kenne Studenten, die im 20. Semester studieren, weil sie überzeugt sind, Leistung und Fortkommen seien nur Schritte in die versklavende Maschinerie des „kapitalistischen Systems“. Sie tun sich mit dieser Beschneidung der eigenen Interpretationsmöglichkeiten nur selbst einen Schaden zufügen. Ist es nicht so, dass Menschen die Chance genommen wird, ihr Leben mit Optimismus und Lebenskraft anzugehen, wenn man sie bis zur Ermüdung und Ermattung mit den misslichen Außenfaktoren konfrontiert, die sie vermeintlich von Kopf bis Fuß determinieren und unterjochen? Wenn ich mich nun in einen frustrierten Jugendlichen versetze, der von allen Seiten hört, dass die Gesellschaft, von der er umgeben ist, ihn tyrannisch dominiert, dann kann ich mir lebhaft vorstellen, wie wenig Hoffnung und Esprit da eine Chance haben, gegen die Finsternis der Welt anzustrahlen. Wenn ich mich selbst nicht mehr als Individuum begreife, dem die Erfahrung von Selbstwirksamkeit offen steht, dann habe ich nur meine Ohnmacht – und, natürlich, den Feind, diese Gesellschaft, deren Glieder ich zerschießen muss, um das Gefühl zu haben, selbständige Entscheidungen treffen zu können. Ich vermisse im Diskurs die Rolle der Eigenverantwortung! Verantwortung für sein Leben zu übernehmen sollte aber nicht bedeuten, die Schuld bei sich selbst zu suchen, sondern zu begreifen, dass es im Rahmen des Möglichen liegt, mit Unannehmlichkeiten konstruktiv umzugehen, ohne sich selbst und anderen zu schaden. Das allerdings ist keine Einstellung, die von den Diskussionen der Stunde gefördert wird. Die Dichotomie zwischen Individuum und Gesellschaft ist künstlich und unfruchtbar. Wenn man das nicht begriffen hat, kann man noch lange diskutieren und einander in Endlosschleife die Schuld in die Schuhe schieben, der lustigen Schiebebewegung willen, ohne dass Konstruktives dabei herauskommt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/ScefTsWLg3I/AAAAAAAAAOc/DXslZiokDsU/s1600-h/schusswaffel.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 320px; height: 240px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/ScefTsWLg3I/AAAAAAAAAOc/DXslZiokDsU/s320/schusswaffel.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5316393045804680050" /&gt;&lt;/a&gt; &lt;i&gt;&lt;br /&gt;Die Polizei schickt Praktikanten zum Einsatz, das Vertrauen in die Medien schwindet, die Justiz hat versagt. War Tims Ankündigung im Internet schon nach wenigen Stunden als Fälschung entlarvt, kommen ununterbrochen neue Schlampereien ans Licht. Nach neuesten Berichten der investigativen Presse hatte Tim keinen Waffenfimmel, sondern einen Waffelfimmel! Silke Bimsstein, eine Jugendfreundin Kretschmers, die unmittelbar nach der Tat einem Reporter Auskunft gab, erinnert sich: „Ich habe zu ihm gesagt, dass Tim eine Affinität zu Waffeln hatte. Wir haben ja Tag ein, Tag aus zusammen gebacken. Seine Waffeln waren der Hit auf dem Schulbasar. Auf Softflare-Waffeln ist er besonders abgefahren. Sie wissen schon, diese tasmanischen Leuchtbömbchen, die man dem Teig beimischt, damit’s schön fluffig wird. Das hab ich ihm auch erzählt. Natürlich hören die Berichterstatter aber mal wieder nur, was sie hören wollen. Und ich hab jetzt echt keinen Sprachfehler oder so.“&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun einige Worte zum Außenseitertum. Es ist ein Thema, das mich zeitlebens beschäftigt hat, *egopathoströte*, da ich die Außenseiterposition aus eigener Schulerfahrung kenne und stets mit aufmerksamen Blick *egopathoströte* andere Außenseiter und ihre spezielle Situation beobachtet habe. Eines weiß ich mit Sicherheit: eine noch so gut gemeinte Intervention, die sich als solche gebärdet (!), wird aus einem Außenseiter kein beliebtes Kerlchen machen. In der 3. Klasse war ich auf dem Schulhof die Doofe. Die Kinder haben mich nicht als ihresgleichen akzeptiert. Der Klassenlehrer sah sich gezwungen, einzugreifen und tat dies mit folgenden Satz: „Die Tiffy ist erst ein Jahr in Deutschland und kann besser deutsch als ihr. Da solltet ihr euch alle ein Beispiel dran nehmen!“ Das war mein Tod. Jetzt redete wirklich niemand mehr mit mir und die Boshaftigkeiten wurden mehr. Dieses Beispiel ist ein Lehrstück der Pädagogik: wenn man versucht, einen Außenseiterstatus zu ändern, indem man die Verhöhnenden auf „besondere Talente“ usw. hinweist, führt das eben nicht zu mehr Akzeptanz, sondern zu mehr Neid, und damit zu noch mehr Feindseligkeit. Ich habe mich jetzt selbst als Beispiel genommen, um eine Vertrauensbasis zwischen mir und der Leserschaft zu schaffen, aber von anderen Betroffenen habe ich auch schon von ähnlichen Vorkommnissen gehört. Ein anderes Beispiel: eine unbeliebte Schülerin aus der 8. Klasse erregte eines Tages den Zorn einer Klassenprinzessin. Mit den Privilegien von Reich&amp;Schön ausgestattet, war es für sie ein leichtes, die ganze Klasse gegen die Betroffene aufzuhetzen. Als das unbeliebte Mädchen eines folgenden Tages erkrankte, nahm die Klassenlehrerin dies zum Anlass, eine Krisensitzung einzuberufen. Zwei Stunden lang wurde auf ethischer Ebene herumdiskutiert. Als das Mädchen wieder da war, hat niemand mehr gewagt, ihr feindliche Briefchen zuzuschieben. Was folgte, war schlimmer als das. Es war die stumme Strafe der wissenden Blicke, es war das rätselhafte Tuscheln, die plötzliche Freundlichkeit, die das Mädchen als widersprüchliche Botschaft verwirrte und verunsicherte. Sie hatte es über Nacht zum Stigmatisiertenstatus gebracht. Privat sprach man nur noch über sie. Mit ihr sprach aber keiner. Zu Geburtstagen wurde sie geradezu „aus Rücksicht“ nicht mehr eingeladen. Und natürlich blieb sie „komisch“. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Soll das jetzt bedeuten, dass solche Situationen sich vollständig unserer Kontrolle entziehen und man am besten überhaupt nicht eingreifen sollte als Erziehungsberechtigter, Lehrer und Schülersprecher? Natürlich nicht! Aber es sollte doch ein Hinweis darauf sein, dass Präventionsmaßnahmen ganz woanders, viel früher, einsetzen müssten, und in anderer Form. Mit meinem Bruder sponn ich mir zuletzt die Einführung des Faches „Diversity“ zusammen. Rein hypothetisch natürlich. Wie wäre es, von der ersten Klasse an gezielt das Bewusstsein für „das (vermeintlich) Fremde“, „das (vermeintlich) Andere“ zu schärfen? Wer frühzeitig lernt, sich in andere hineinzuversetzen (und daran hapert’s in so mancher Erziehung), wer lernt, dass es eine Vielzahl von gleichwertigen Lebensweisen gibt, die wiederum von einer Vielzahl von Hintergrundbedingungen beeinflusst werden, wer ein komplexes und kritisches Verständnis entwickelt für die Diversität, die uns umwabbelt, der entwickelt auch ein besseres Verständnis für sich selbst. Und darum geht’s. Der lernt, seine eigene Andersartigkeit besser einzuordnen, und mit ihr umzugehen. Das Ziel moderner Psychotherapie ist ja bekanntlich auch, dass der Patient/Klient lernen soll, mit seinen (meinetwegen!) Abweichungen von der Norm zu leben, und nicht, seine pathologisierten Eigenheiten, sofern sie anderen nicht schaden, auszumerzen. So stelle ich mir das auch für die Kinder einer Schulklasse vor. Es wird immer Menschen geben, die sich am Rande wohler fühlen oder an den Rand gedrängt werden, weil man mit ihrer Andersartigkeit nicht umzugehen weiß. Menschen sind nicht perfekt, und Jugendliche (diese Schweine!) werden das Ausgrenzungsspiel wohl nicht durch einpaar pädagogische Lehrstunden aufgeben wollen. Aber es wäre doch lohnend, den „Gefährdeten“ frühzeitig zu vermitteln, dass ES KEINE KATASTROPHE IST, EIN AUSSENSEITER ZU SEIN. Und dass es nicht ein herbes Schicksal sein muss. Es kann sich im späteren Leben als Vorteil herausstellen, oder als Quell, aus dem man Extrawürste angeln kann. Die Rolle, in die man geraten ist, als Chance begreifen, und nicht als Gottes Strafe. Ich gerate hier langsam in unschöne Schwafelei, aber das ist meine Vision für die Zukunft. Wenn ich Einfluss hätte, würde er sich in der Gestaltung solcher „Ich bin okay, du bist okay“-Programme niederschlagen. Ich finde amerikanische Ermunterungsliteratur übrigens ziemlich geil. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So, könnte jetzt noch was zu den Schulpsychologen schreiben und wie sie sowieso nie die Richtigen bei sich sitzen haben, aber keine Lust. Mal den nächsten Amoklauf abwarten. Das macht man doch hier so mit liegengelassenen Problemen, oder? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;PS: Die Schusswaffelgeschichte ist eine Reaktion auf die neuesten &lt;a href="http://www.radio-utopie.de/2009/03/20/Winnenden-Fotos-und-Widersprueche-legen-anderen-Tathergang-und-massive-Vertuschung-nahe"&gt;Verschwörungstheorien&lt;/a&gt;.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-2114778926976429453?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/rDJ7-Gox6KA" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/rDJ7-Gox6KA/winnenden-oaah-nee-der-endgultige-rant.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SceTbiW21_I/AAAAAAAAAOE/NtFO4w4AOJI/s72-c/bosch111.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">4</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2009/03/winnenden-oaah-nee-der-endgultige-rant.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-2249691925652231253</guid><pubDate>Fri, 20 Mar 2009 14:06:00 +0000</pubDate><atom:updated>2009-03-20T15:19:30.549+01:00</atom:updated><title>Doing visual Ethnography (1)</title><description>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/ScOjbrHbEjI/AAAAAAAAAN8/ffTRPKzuFgs/s1600-h/Studbud.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 266px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/ScOjbrHbEjI/AAAAAAAAAN8/ffTRPKzuFgs/s400/Studbud.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5315271681052971570" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Typischer Lebensraum eines Studenten (B.A. Heraldik)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Foto by tiffy's RL investigations&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;PS: &lt;br /&gt;Soziale Experimente sind das Tor zur Hölle, wo’s warm ist, und „rather interesting“. Darum kann man mich jetzt auch bei Twitter erwerben. Check it out at &lt;a href="http://twitter.com/silenttiffy"&gt;http://twitter.com/silenttiffy&lt;/a&gt; Folgt mir, ihr Paradiesvögel des Geistreiches, lasst uns ein Netzwerk bedingungsloser Freundschaft flechten, wir werden Liebe säen und uns täglich in unserem Menschsein bestärken!!! Und das beste: Ironie up your ass! Ich mein's ernst!!!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-2249691925652231253?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/0BE6EtI7wj4" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/0BE6EtI7wj4/doing-visual-ethnography-1.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/ScOjbrHbEjI/AAAAAAAAAN8/ffTRPKzuFgs/s72-c/Studbud.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">6</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2009/03/doing-visual-ethnography-1.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-5608739324392687336</guid><pubDate>Fri, 13 Mar 2009 14:51:00 +0000</pubDate><atom:updated>2009-03-13T16:19:40.902+01:00</atom:updated><title>Aus dem Leben einer Siegerin</title><description>Letztens im Real Life wurde mir die intime Frage gestellt, was ich den ganzen Tag eigentlich so mache. Lustig, Synchronizität! Dasselbe habe ich mich auch schon des Öfteren gefragt, und prompt beschlossen, mir und etlichen Unbefugten einen Überblick zu verschaffen, indem ich den nächsten Blogeintrag unter der thematischen Prämisse „Monotonie in Zement-Moll“ in die Röhre schiebe. Sodélé. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Tag beginnt damit, dass ich tue, was ein Mann tun muss: anstößige Inhalte melden! &lt;br /&gt;&lt;a href="http://s29.photobucket.com/albums/c261/schnake_1981/?action=view&amp;current=anwalt.gif" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://i29.photobucket.com/albums/c261/schnake_1981/anwalt.gif" border="0" alt="anwalt"&gt;&lt;/a&gt; Anschließend rezensiere ich kürzlich erworbene Putz- und Hygiene-Artikel bei ciao! und wenn dem Morgen Sonne aus dem Arsch scheint, ist noch der ein oder andere Telefonstreich bei den Stadtwerken drin. Geil? (Yes.) Dieses produktive Leben ist Zukunftsmusik, denn natürlich stecke ich noch  in den liebgewonnenen Gewohnheiten sinnfreier Existenz. Tatsächlich bin ich am produktivsten, wenn ich schlafe. Mein Rekord liegt derzeit bei 26 Stunden am Stück. Im Schlaf löse ich Probleme, rede mit Toten, weiche Robben in Zitronenlimo auf, gehe shoppen mit Gwen Stefani. Das wache Leben juckt mich nicht. Da es mich aber jucken sollte und ich gehört habe, dass ein geregelter Tagesablauf etwas so Grottenstarkes ist, dass Leute dafür extra für einpaar Wochen ins Kloster gehen, habe ich mir zum Jahreswechsel einen Terminkalender gekauft. Da schreibe ich dann rein, was gerade ansteht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SbpzjdQ8etI/AAAAAAAAAN0/UF2Zz5Y3lDA/s1600-h/kalender.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 295px; height: 175px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SbpzjdQ8etI/AAAAAAAAAN0/UF2Zz5Y3lDA/s320/kalender.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5312685763425237714" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die erstaunlich exakten Datumsanzeigeblätter nützen jedoch wenig dem, der nicht rechnen kann. Kurz vor meinem Geburtstag erschrak ich darüber, dass ich gar nicht wusste, wie alt ich eigentlich werde (ein kurzer Anruf bei den Eltern und die Sache war geklärt). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der einzige Tag, der anders ist, als alle anderen Tage, ist der Donnerstag. Am Donnerstag kommt DIE ZEIT ins Haus. Das heißt, es gibt einen Grund, aufzustehen. Man muss das abonnierte Faltzelt, das auf der „Briefkastentheke“ abgelegt wird, schließlich vor diebischen Fingern schützen. Dabei lese ich DIE ZEIT eigentlich nicht mehr. Walum nich?, „because the music that they constantly play, it says nothing to me about my life”, und auch nicht über Daunenpflege, da genügt ein lieblos gestreifter Blick übers Inhaltsverzeichnis. Hattet ihr mal Hühner? Wer mal Hühner hatte, der wird vermutlich wissen, wie es sich gestaltet, wenn man versucht, mit ihnen das aktuelle Weltgeschehen zu diskutieren. Meine Kommunikation mit Zeitungsinhalten ist ganz genau so.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Studenten studieren, haben also neben der Briefkastenleerung auch anderweitig zu tun. Das Haus zu verlassen ist immer eine Aufgabe, die ansteht. Um das Haus verlassen zu können, muss man sich anziehen. Das tue ich nach bestem Gewissen, doch bei den Socken hört es auf. Ich habe mir nie vorstellen können, meine Unterwäsche zu bügeln. Was aber genauso wenig geht, ist das Zusammenfügen von Socken zu adretten Paaren. Wenn ich also mal zwei passende Socken anhabe, dann hat mit Sicherheit Sondereinsatzkommando Zufall mitgemischt. Wir leben ja in einer pluralistischen Gesellschaft und einem liberalen Klima, darum fehlt es nie an Leuten, die argwöhnisch äugen, peinlich-berührt schnalzen oder mit schockbedingtem Amüsement ihr „hihihi“ in den Äther stickern. Ein Kurbaron unter den Reagierenden ist, der seinen altklugen Bass in die Stimme dreht und mich höflich auf mein „Malheur“ hinweist, vermutend, dass ich zu den bemitleidenswerten Geschöpfen gehöre, die es nicht merken, wenn sie 10 Meter Klopapier unter der Sohle hinter sich her schleifen. Geht’s noch? Hinter meinem Verhalten steckt weder Craziness noch Verwahrlosung. Ich will verdammt noch mal in einer Welt leben, in der meine Füße nicht im Partnerlook erscheinen müssen, um als vollwertige Zugpferde der Leistungsgesellschaft anerkannt zu werden. Zumindest nicht im privaten Bereich. Würde ich einen Posten in einer Versicherungsfirma bekleiden, die sich auf die Absicherung Repräsentativämter bekleidender Fuß-Ehen spezialisiert hat, würde ich die Sache vermutlich anders (erwachsener, reifer, vernünftiger) sehen, aber solange ich Studentin bin, lässt der Grund, meine Weltanschauung umzukrempeln, auf sich warten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der nächste Punkt auf dem Stundenplan ist das Frühstück. Ich wiege 68 Kilo bei einer Größe von (Bild von Düsseldorfer Fernsehturm) und bin laut BMI-Tabelle in der Wendy so gut wie magersüchtig, also selbst für ein Pferd. Appetit hab ich eigentlich keinen, also gilt es, sich in einem wenig anstrengenden Akt möglichst viele Kalorien reinzuhauen. Fünf Milchschnitten am Stück do the trick. Ich bin gestärkt für Elise! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Magen, der leer genug ist, um „gern“ zu „studieren“, steht mir nicht im Wege, wenn ich das Haus verlasse, um in den Wiwi-Pavillion zu rauschen. Und hört sich das nicht bezaubernd an. Wie ein Wintergarten mit seltenen Schmetterlingen aus Afrika, wie eine edle Glas-Eisen-Konstruktion, durch die Kinder in vikorianischer Kleidung tollen… tatsächlich handelt es sich aber um eine braun gestrichene Baracke vom Charme eines DDR-Grenzbüdchens. Hier findet man viele Computer, an denen Studenten angeschlossen sind. Der WiWi-Pavillion bildet meine einzige Schnittstelle zur studentischen Wirklichkeit. In der entspannten Atmosphäre zwischen Senioren und psychisch Kranken lässt es sich googeln, wikipädeln und Kontakte canceln. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tick tack, tick tack, brumm brumm brumm, die Zeit schreitet voran, der Magen knurrt. Weil Mama nicht in Reichweite und zu faul für Terrine, bleibt nur eines: mensen. Ich gebrauche das Wort „mensen“ ja nicht nur für „in der Mensa essen gehen“ sondern auch für „menstruieren“. Der SavoirVivre-Enthusiast wird mir vorhalten, dass ich eine schöne und eine hässliche Sache nicht mit demselben Wort ummanteln sollte. Nunja. Was die Genussebene angeht, liegen „mensen1“ und „mensen2“ bei mir in denselben Koordinaten. In Marburg ist die Mensa ein einziger Schmerz, und das, obwohl ich, wenn es schon sein muss, unten im Bistro essen gehe und nicht oben in der „Kantine“. Neulich speichelte ich mir aufs Lätzchen beim Anblick eines Reisgerichtes mit vegetarischem Fladen, das durch und durch in einer dicken, sahnigen Soße lag. Nichts wie rauf damit aufs Tablett. Beim ersten Bissen stellte sich heraus, dass die leckeren Grundbestandteile in Meerrettich liegen, und Meerrettich gehört zu den Dingen, von denen ich annehme, dass höchstens 1% der Weltbevölkerung es ertragen können, ohne weinen zu müssen vor Gram. Naja, mein Fehler. Ich hätte ja fragen können: kann es sein, dass diese lecker ausschauende Soße hier gar nicht so lecker ist wie sie aussieht!? Zum Glück gibt es immer ein Schälchen Salat dazu – frisch vom Schadstoffbüffet. Ich weiß nicht, was die da genau rein tun. Aber spielt es eine Rolle, ob es Urinsteinentferner, Terpentin oder Hustensaft ist, solange es nach Zahnpasta schmeckt? :-) &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Am Abend bin ich wieder zuhause und eifere meinem Vorbild &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=qv4E3JI2uP8"&gt;„Tare Panda“&lt;/a&gt; nach, ein kawaii character, mit dem ich mich vor allem in den Abendstunden stark identifiziere. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Tarepanda which means "lazy" panda or "droopy" panda in Japanese, is a panda character who gets around by rolling, since he is so lazy (at 2.75 meters per hour, according to company literature). "Tare" means lying on the tummy or to slump/slouch. He loves to eat mochi (specifically Suama) and relax in teacups.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor dem Schlafen dann noch eine SMS an Isis: „Liebe Isis, danke für den schönen Tag.“ Ich bin nämlich Polytheistin. Sowohl aktiv (ich verehre viele Götter) als auch passiv (ich werde von vielen Göttern verehrt). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Abschluss möchte ich Susi grüßen, die mitliest und sich nicht zu kommentieren traut. Susis Herz ist riesengroß, Susi, Menschen wie dich wünsche ich mir in meinem Leben. Bleib wie du bist! &lt;3 &lt;3 &lt;3 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deine Tiffy&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-5608739324392687336?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/GFKyPEe0FHI" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/GFKyPEe0FHI/aus-dem-leben-einer-siegerin.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SbpzjdQ8etI/AAAAAAAAAN0/UF2Zz5Y3lDA/s72-c/kalender.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">5</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2009/03/aus-dem-leben-einer-siegerin.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-675312510625778178</guid><pubDate>Wed, 04 Mar 2009 15:21:00 +0000</pubDate><atom:updated>2009-03-04T16:43:26.871+01:00</atom:updated><title>Metamorphosen.</title><description>Warum eigentlich hat es so lange gedauert, bis ich wieder an Start kam?, fragt sich der gepsychte Konsument, der in der Wartezeit meiner Abwesenheit seine Fingernägel zu filigraner Holzschnitzkunst gekaut hat. Weine nicht, kleiner Beißer, denn in den letzten zwei Monaten lagen auch meine Nerven blank. Aber jetzt ist alles wieder gut, da die Obamas sich &lt;b&gt;e n d l i c h&lt;/b&gt; für einen Hund entschieden haben. Ich hoffe, dass der Rest der Welt genauso lustvoll aufgeatmet hat wie ich, die ich nach den erlösenden Presseworten jedenfalls wieder den Kopf frei habe, um mir Sachen vorzustellen, von denen ich noch nie etwas gehört habe, zum Beispiel den Wasserhund, der als reinrassiger solcher bald ins weiße Haus einzieht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Sa6ddMwPbrI/AAAAAAAAANk/fR-a8Zd9uSI/s1600-h/rave.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 292px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Sa6ddMwPbrI/AAAAAAAAANk/fR-a8Zd9uSI/s400/rave.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5309354135681724082" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Collage mit ganzer Frucht, 60 x 60 cm, das untere Sechstel des Bildes ist bei der letzten Restauration 1967 entfernt worden, da es sich um eine Applikation aus dem 19. Jahrhundert handelte. (Vgl. Schorfschmirgler, Reinhardt: Die schönsten Hochaltäre Niederhessens.)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Apropos Obst. Was haltet ihr denn eigentlich von Gesundheit auf einer Skala von „gefällt mir sehr gut“(10) bis „gefällt mir überhaupt nicht“ (1)? Bin immer noch unschlüssig. Zumindest kann ich jetzt im Diskurs mitmischen, weil ich das Rauchen aufgegeben habe und mein Motto nun lautet „Öko macht schoko“ (schoko = Rapperausdruck für „cool“, „abgebrüht“, „nicht aus der Ruhe zu bringen“). Als Synästhetin fiel mir der Umstieg von Zigaretten auf Äpfel nicht schwer. Äpfel sind viel bunter und knackiger als Zigaretten und fühlen sich im Dunkeln auch besser an. Schwieriger finde ich schon den Umstieg von Schnitzel, ein traumhaftes Wort!, auf „Gemüsebratlinge“, eine Bezeichnung, die das Sprachsensibelchen vor Fremdscham erbleichen lässt. You see where I’m getting at. &lt;br /&gt;Ich bin gespannt, wie lange ich es diesmal durchhalten werde. Wird sich vielleicht Bewegung zu meinem Diätplan gesellen? Klingelt Jane Fonda an meiner Tür? Die Erfahrung sagt: nichts von alledem. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist das Thema dieses Eintrags. Metamorphosen. Gibt es sie? Sind wir fähig, unser altes Ich abzulegen, unsere Gewohnheiten, unser ganzes Eingelebte, Einverleimte und Anverdaute, und ganz von neuem anzufangen? Ich kannte mal eine Katze, die hat es geschafft. Wir lernten uns kennen, als ich Besuch von Laura bekam. Wir gingen Spazieren. Plötzlich: Katze! Ich zuckte den Fotoapparat. Ich konnte nicht anders. Die Kulisse war malerisch wie die Schuppenlandschaft eines Barsches. Die Katze stellte sich sehr höflich vor indem sie einige elegante Pirouetten vor uns drehte. Sie verhielt sich sogar der leblosen Linse gegenüber mit Respekt, und doch mit jener Prise Koketterie, die dem Überlegenen eigen ist. Sie schwang ihren Schwanz wie eine Serpentinenturnerin und schmiegte ihren Kopf verführerisch ins Fell, um zu signalisieren: Ich bin ein stolzes, edles Tier. Und wahrlich, diese Katze war eine Katze von Format. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zuhause stellte ich bei der Durchsicht der Fotos fest, dass die Katze zu den &lt;a href="http://lostatsea.de/blog.php?photo=A%20strange%20visitor"&gt;besten Motiven&lt;/a&gt; gehört, die ich je vom Zaun gerissen habe. Und so kam die Katze mit rein in die Ausstellung im Havanna8, wo sie sich größter Beliebtheit erfreute. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einige Monate später miaute es plötzlich vor meiner Haustür. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Na? Wer kann sich denken, wer es war? &lt;br /&gt;GOSH! Ganz genau! Die Katze! Und zwar genau die! Sie war mindestens einen Kilometer vom Schloss hierher runtergelaufen, um mir mit einem knappen, ungezuckerten Grapefruit-Blick mitzuteilen, dass sie es nicht okay findet, vergütungsfrei in Marburger Szenekneipen „herumzuhängen“. Ein dicklich kriechendes Gefühl von Schuld beschlich meine Beine und ich wollte schon angecreept von der ganzen Situation aufschreien, als eine Nachbarin von oben kam, die die Katze bestimmt am Kragen packte und sie aus dem Haus beförderte. „Man, diese Katze hier kommt irgendwie ständig bei uns ins Haus.“, kommentierte sie erklärend, aber ich war viel zu schockiert, um etwas darauf zu erwidern. Mannoman, diese Katze. Hatte wahrlich ihren Stolz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber dann! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann fand ich eine Notiz des Hausmeisters an der Eingangstür. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;„Liebe Hausmitbewohner, &lt;br /&gt;seit einiger Zeit findet immer wieder eine streunende Katze den Weg ins Haus. Da sie letzte Nacht im Treppenhaus &lt;b&gt;ausgiebig gekotet&lt;/b&gt; hat, möchte ich vor allem die Kinder bitten, die Katze nicht mehr rein zu lassen, da außerdem nicht klar ist, ob sie Infektionen hat.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ääääeeeeeeehhh!???!? Sorry, aber wer ausgiebig in Treppenhäusern kotet, der hat nicht Stil, sondern einfach mächtig einen an der Klatsche. Würde? Eleganz? Rechtbewusstsein? Moralische Intelligenz? Fick you, Gossentier! Du bist ganz schön gesunken. &lt;br /&gt;Aber so einfach kann ich es mir nicht machen. Bin ich an ihrem Verfall schuld? Ist sie mit dem Ruhm nicht klargekommen? Bin ich Professor Higgins, der seine Experimente mit dem Blumenmädchen Eliza durchführt ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was aus ihr wird, wenn er sie aus seiner Villa entlässt? Hat sie womöglich all ihre Freunde verloren? Ich glaube es macht wenig Sinn, diese Fragen zu stellen, wenn es bereits zu spät ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Sa6ga4OnJVI/AAAAAAAAANs/j6erQFfTZDw/s1600-h/vorhernachher.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 267px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Sa6ga4OnJVI/AAAAAAAAANs/j6erQFfTZDw/s400/vorhernachher.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5309357394347107666" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Na, das war ja mal wieder ein langer Ausflug. Also zurück zur ursprünglichen Frage. Können wir uns ändern? Ich möchte dies ganz klar verneinen und zur Illustration diesen Blog-Eintrag heranziehen. Ich habe noch nie eine anfangs angekündigte Idee zuende geführt. Es ist schon eine Art „running gag“, dass etliche Blogeinträge mit einer (1) am Ende auch bei dieser (1) bleiben, trotz großer Versprechungen. Ich habe wieder einmal versucht, meinen Plan durchzuziehen, und abermals bin ich gescheitert. Und die Moral daraus: Menschen können sich nicht so ändern wie Katzen. Ach, wie bin ich traurig.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-675312510625778178?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/cFzqupb-xzQ" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/cFzqupb-xzQ/metamorphosen.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/Sa6ddMwPbrI/AAAAAAAAANk/fR-a8Zd9uSI/s72-c/rave.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">2</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2009/03/metamorphosen.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-854645456680547945</guid><pubDate>Fri, 27 Feb 2009 07:30:00 +0000</pubDate><atom:updated>2009-02-27T08:45:11.348+01:00</atom:updated><title>Tokio, Tanten, TKK.</title><description>Liebe Lotte, lieber Dieter, wir haben lange nichts mehr voneinander gehört. Die kargen Äste der Weiden tragen den Schorf des Winters mit verbleichendem Stolz und erkältete Spatzen kreischen bitterlich nach dem Frühling. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ist das nicht hübsch? In Japan beginnt man nach einer Korrespondenztradition Briefe mit so einer kleinen poetischen Betrachtung der jeweiligen Jahreszeit. Japanische Mütter von Kindern im Grundschulalter haben indes jeden Morgen eine anspruchsvolle Aufgabe zu erledigen. Sie machen ihren Bärchenohrenkapuzeträgern kleine Mahlzeiten zurecht, die „Obento“ genannt werden und deren möglichst kreative Gestaltung auf das Ansehen der Kinder Einfluss hat. &lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SaeYOfzu08I/AAAAAAAAAM8/I_N_7hrRGu0/s1600-h/obento_2.jpg"&gt;&lt;img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;width: 158px; height: 200px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SaeYOfzu08I/AAAAAAAAAM8/I_N_7hrRGu0/s200/obento_2.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5307378060703486914" /&gt;&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;Täglich erfahre ich solche Dinge. Sage mir, wie soll ich da nicht warme Gefühle für dieses fremde Land entwickeln, die sich langsam zu einer meinem Japanskepsis-Ich unnachvollziehbaren Obsession steigern? Ich lerne seit kurzem sogar Japanisch, allerdings suche ich noch nach einem plausiblen Grund für die ausgesprochen dumme Idee, mir eine Sprache anzueignen, die drei verschiedene Zeichensysteme simultan gebraucht und darin einer wirren Logik folgt, die mit den Sprachkenntnissen des Westeuropäers nur zu mastern ist, wenn man das Verschnaufhäschen auf seiner Seite hat. Wenn ich Leute frage, warum sie Japanisch studieren, sagen sie: „Wegen Manga und Anime!“ Alles was recht ist, aber diesen Unfug könnte ich nie als Antwort aus meinem Mund akzeptieren. Ich hab ja schließlich auch nicht Französisch gelernt wegen Baguette und Baskenmütze. Es ist nicht mein Legitimationsstyle,okaayhh?!!! Ja, also wenn nicht Manga und Anime, was dann!? Just for fun, ihr Idioten!!! Ich werde nie in Japan leben, geschweige denn arbeiten. Sag niemals nie ist kein Argument, denn hallo, ich bin 1,84 m. Wenn ich in Tokio shoppen gehen wollte, gebrauchte Schlüpfer zum Beispiel, würde ich vermutlich eine schreiende Menschenmenge in alle Himmelsrichtungen schicken, die glaubt, Gozilla würde die Hood unsicher machen. Nein, danke. Um nicht gleich die ganze Flinte ins Korn zu werfen, habe ich mir ein tolles Japanbilderbuch bestellt, das eine Amerikanerin geschrieben hat, die - mit meiner Größe gestraft - das Land in Angst und Schrecken versetzte (Spekulation). Wird es mich mit meinem Makel versöhnen? Versucht habe ich es bereits mit „sowas“. Neulich habe ich mir in zwei Nächten eine 24-teilige Anime-Serie reingezogen (soviel zum Thema Obsession), die von einer überdurchschnittlich großen Japanerin handelt, die sich in einen unterdurchschnittlich kleinen Japaner verliebt. Die Serie heißt „Lovely Complex“ und ist der Hammer. Ich habe vor Lachen geschrien, vor Rührung geheult und mit den Füßen geschart, bis ich durch das so entstandene Loch in das Vogelnest plumste, das eine Kolibri-Mama auf der Küchenanrichte meiner Nachbarin frisch, ja was, angerichtet hatte natürlich. &lt;br /&gt; Auch wenn ich auf Umwegen über den Anime erfahren habe, dass es auch große Japanerinnen gibt, war der Trostwert eher mager, war das Girl doch tatsächlich 14 cm kleiner als ich! Warum!??! Warum kann ich nicht tun und lassen was ich will mit meinen überschüssigen Knochen, mit meinem überschüssigen Fleisch!? Always the bridesmaid, never the bride! Ich kann es nicht länger ertragen!!! Brecht mir die Beine, nehmt die Kniescheibe raus! Knetet daraus den „neuen Menschen“! Ich will gestaucht werden und wenn es das Letzte ist, was ich mit mir machen lasse! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gegenwärtig lebe ich in Deutschland. Das fällt mir nur gerade so ein, weil ich mir eben vorgestellt habe, wie ich mit meiner Größe in Japan herumschocke, was Reminiszenzen in meinen Kopf geholt hat von meinem unfreiwilligen EDEKA-Besuch neulich, bei dem ich mich ebenfalls als in die Länge gezogene Verzerrung der Umgebung empfand (was aber in der Aneinanderreihung von Übelkeiten nicht das schlimmste war.). Brrrr… ooaaargh. Ich kann gar nicht in Worte fassen, welchen Elends ich ansichtig wurde. Wann immer es geht, meide ich Kaufhäuser, denn in Kaufhäusern tummeln sich alte spießige Tanten herum, die teure Handtaschen inspizieren und die Jugend schubsen. Da ich keinen Bock hatte, zwecks Milchschnittenbeschaffung einen Umweg von 20 Metern zu nehmen (vermutlich musste ich pinkeln), bin ich in den EDEKA rein, der im Kellergeschoss des Kaufhauses drin ist, der genau auf meinem Weg lag. So weit so unbegreiflich. Unten erwartete mich ein Sozialspektakel. Ich hatte ja ganz vergessen, dass es Supermärkte gibt, in denen Produkte in poliert anmutender Pose sauber aufgereiht auf symmetrisch vollkommenen Glamourregalen stehen. Selbst Flaschen werden nicht in Kästen gelagert, sondern sind wie Reliquien auf einem Altar aufgepfropft (was ist das eigentlich für ein Wort?). Ich übertreibe wohl, aber verglichen mit dem herkömmlichen Supermarkt war das schon ne ziemliche Vernissage. Ich schlenderte in meiner ganzen schlafaugenverkrusteten Schlaksigkeit durch das Drehkreuz und rannte sogleich dreimal hintereinander in alte Leute in parfumgetränkten Pelzmänteln. Warum, Trampel!? WEIL ICH SIE NICHT GESEHEN HABE!!! VERZEIHUNG! So mikroskopisch klein waren sie unter ihren Filzhüten, die raschelnden Omis mit ihren klappernden Greisen. Die Kundschaft im Edeka bewegt sich in einem Tempo von 100m/h voran und blockiert mit dem Einkaufswagen die schmalen Pässe. Bei allem Verständnis für „ältere Menschen“: dies ist ein Ärgernis, und argh, man darf sich doch wohl ärgern, wenn man die Objekte des Ärgernisses als arrogante Knalltüten identifiziert hat!? Am Tiefkühlschrank hatte ich das Missvergnügen, ein Gespräch mitanhören zu müssen, das davon handelte, dass ein Ausländer ins Nachbarhaus gezogen sei („So ein Dunkler, ne?“). Unverständnis wurde laut über die Mieterwahl des Hausbesitzers, heutzutage solle man lieber nichts riskieren. RRRRRRHRRHHAAARGHwhatthefuck!!!!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich verließ den Laden mit zitternden Knien und einer Dreivierteldepression. Dass es diese Menschen wirklich gibt, vergisst man, wenn sie bunt unters Volk gemischt sind. Wo sie sich jedoch ballen, zum Beispiel im „Bessere Leute“-Edeka in Marburg, da wird mir unser Nebeneinander schmerzvoll bewusst. Aber hätte ich erst in den Edeka gemusst, um unangenehme Abenteuer mit der besseren Schicht zu erleben!? Nein! In fact, ich hätte auch zuhause bleiben können, so wie heute, um mir meine Ladung bitterer Galle ganz bequem am Telefon zu holen. Die Klientel, die im EDEKA anzutreffen ist, ist nämlich privat krankenversichert, und man begegnet ihr, obgleich in indirekter Form, wenn man in gutgläubiger Unwissenheit bei einem unbekannten Facharzt anruft und auf gut Glück versucht, einen Termin zu machen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(freundlich): „Guten Tag, ich würde gern einen Termin bei Ihnen machen. Ich war allerdings noch nie bei Ihnen in der Praxis.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(süßlich): „Wo sind Sie denn krankenversichert?“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(ahnend): „Bei der TKK.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(plötzlich hart und metallisch werdend): „Tja. Wir sind ausgebucht. Das ginge frühestens im September.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(hirntot): „W…ww…w … im September?“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(schnippisch): „Ja. Das wäre für Sie aber auch eine einmalige Sache. Sie dürfen EINMAL zu uns kommen. Absolute Ausnahme. Danach müssen Sie sich einen anderen Arzt suchen.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(hirntot): „Äääh ww…w… ok- und was .. wann wäre dann so ein einmaliger Termin..!?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(angepisst): „Ja, das hab ich Ihnen doch schon gesagt. Im September. Versuchen Sie es am besten bei jemand anderem.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Habe sofort aufgelegt, während mein Kinn die Erdkruste in Australien durchbrach. WAS ZUM TEUFEL WAR DENN DAS!??? &lt;br /&gt;Na, was wohl, Dummerle! Ein vielen armen Schluckerkollegen schon seit Äonen wohlbekanntes Beispiel dafür, wie Kassenpatienten diskriminiert werden, damit die feinen Ärzte mit ihren geblähten Truthahnfressen an den Bessergestellten das bessere Geld verdienen können. Ich hätte darauf allerdings vorbereitet sein müssen, denn vor nicht allzu langer Zeit klärte mich eine Freundin darüber auf, was es mit meiner ehemaligen Hausärztin Frau K. auf sich hatte. Ich habe zu ihr gefunden, weil es ein Notfall war, und ihre Praxis am nächsten dran war. Obwohl es sich wie gesagt um keine Lappalie gehandelt hat, wartete ich 4 Stunden (!!!!), bis ich endlich drankam. „Bizzy day…“, dachte ich, die Kränkung verschmerzend und zögerte nicht, bei der nächsten Erkältung erneut zu Frau K. zu gehen, denn beim letzten Mal trug sie eine Lederhose und einen pinken Puschelpullover, kawaiii, da simma dabei, dat is priiiima! Obwohl ich um Punkt 8 da war, um mich anzumelden und im Wartezimmer zwei Menschen warteten, hat es drei Stunden gedauert, bis ich die Ehre hatte, Frau K. die Hand zu schütteln, um nach ca. 2 Minuten genervten Anhörens meiner Leiden nachhause geschickt zu werden. Während meiner Warterei sind wohl 12 Patienten im Wartezimmer eingetrudelt und wieder ausgetrudelt. Ich fühlte mich übergangen und besuchte die Praxis nie wieder. Jene Freundin aber ist von Frau K. begeistert. Nach einem kurzen Erfahrungsaustausch mit ihr war schnell klar, was da gelaufen war: natürlich, eine von uns beiden ist privat versichert, guess who! Kassenpatienten dürfen die Krümel aufpicken, wenn was übrig bleibt. Hätte mir die Sprechstundenhilfe nicht gleich sagen können, was Sache ist, als ich ihr mein Kärtchen rüberschob?  Ich kann mich zwar an die Fresse erinnern, die sie gezogen hat, aber ich hatte doch keine Ahnung. Ich wäre vermutlich beleidigt gewesen, aber die stundenlange Verarsche wäre mir erspart geblieben. Oh, liebgewonnene Naivität, ick hör dir bröckeln! Warum hat es so lange gebraucht, um diese dunklen Wahrheiten zu erfahren!? ICH BIN SO WÜTEND!!! Sowas Ungeiles! Und das in meiner rosaroten knuffypuffy, easy-going, optimistischen zitronenschalendekorierten Welt! Aber was beschwer ich mich, meine Oma in Polen muss Ärzte mit Geld bestechen, um überhaupt ein Rezept zu bekommen. Ohne Witz. Übrigens habe ich nach meinem ärgerlichen Telefonat bei einer anderen Praxis angerufen, in der ich schon mal gewesen bin, die aber nicht mehr in meiner Nähe ist. Im Wartezimmer dort habe ich stets sichtbar ärmlich gekleideten Leuten gegenüber gesessen. Einen baldigen Termin habe ich aber sofort bekommen und die Frau am Telefon war ein Engel aus Marzipan. Maaan, war das eine Salbe auf meine Wunden!!! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das war Tokio, Tanten, TKK. Bitte abonnieren Sie meinen Blog.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-854645456680547945?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/X_WPPHQx968" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/X_WPPHQx968/tokio-tanten-tkk.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SaeYOfzu08I/AAAAAAAAAM8/I_N_7hrRGu0/s72-c/obento_2.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">8</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2009/02/tokio-tanten-tkk.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-1297522888448530517</guid><pubDate>Thu, 26 Feb 2009 16:15:00 +0000</pubDate><atom:updated>2009-02-26T17:23:18.567+01:00</atom:updated><title>Beware! Die Argusaugen des Auslands!</title><description>Unbedingt empfehlen kann ich die Anime-Serie „Monster“. Die suspenseful sickernde Spannung treibt Nägel ins Steak. Die Charaktere betören, verstören und werfen mit Kot und Konfetti, die Geschichte ist GIZMO hoch zehn, der Umfang der gestreiften Themen und die Breite der Dimensionen (Recht, Moral, Psychologie, etc.) weiß den Themenpluralisten zu befriedigen. Angenehm auch der völlige Verzicht auf kawaii-Bullsch. Es gibt Leute die behaupten, die Gestalten wären hésslich, tatsächlich entsprechen die Zeichnungen jedoch einem nüchternen Realismus, der es erlaubt, die Schönheit oder Hässlichkeit einer Person an ihren charaktergesteuerten Handlungen festzumachen. What’s wrong with that!? (Fun Fact: der Hauptcharakter, ein Japaner inmitten von Deutschen, ist der einzige hochattraktive Typ da drin. Woohoo, Liebe Liebe. Überhaupt, ein Traum von einem Menschen.)&lt;br /&gt;Bloggenswert ist die Serie deswegen, weil sie aus Japan kommt und in Deutschland spielt (hauptsächlich.). Der Autor des Manga, dem der Anime zugrunde liegt, hat sein Wissen über Deutschland aus Buch, TV etc.. Als deutscher Zuschauer der Serie hat man dank diesem Umstand doppelte Freude. Die erste besteht darin, dass man bekannte Orte in animierter Fiktion wiederfindet. So zum Beispiel die Schloss-Kulisse von Heidelberg oder den Frankfurter Bahnhof. Whoaaaa buuuhuhu, ich sach’s dir: in Heidelberg war ich schon oft, aber seit ich Heidelberg auch in Zeichentrick kenne, und das nicht gerade in einem friedvollen Zusammenhang, sondern als Ort unheiligen Geschehens, wird mir allein beim Gedanken, da mal wieder hinzufahren, ANGST UND BANGE!!!!! ANGST UND BANGE!!!!! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SabBFV25QdI/AAAAAAAAAMc/qJ_92_7fuK4/s1600-h/monsun.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 290px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SabBFV25QdI/AAAAAAAAAMc/qJ_92_7fuK4/s400/monsun.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5307141508413604306" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Serie führt uns daneben auch nach Düsseldorf, Berlin, München, Prag… &lt;br /&gt;Die zweite Freude des deutschen Zuschauers besteht in der befriedigten Neugier auf das Stereotyp des Deutschen, wie er vom entfernten Ausland gesehen wird. Aber das so stehen zu lassen, wäre ungerecht. Hinlänglich bekannt ist, dass Japaner über Europa zehnmal soviel wissen wie wir über Japan. Während selbst der gebildete Hanswurst und die distinguierte Uta Japan als mit Gebrauchte-Schlüpfer-Automaten gepflasterte Urbanlanschaft vor sich sehen, gehen die Kenntnisse der Japaner über Deutschland durchaus ins historische Detail. Keine Ahnung ob das stimmt, gelesen habe ich das schon einige Male. Die Tatsache, im Anime keine Bierkrüge schwingenden Bayern mit um die Hüften geschlungenen Nazibannern  zu sehen belegt, dass der Autor aus mehr als dem überlieferten Klischee geschöpft hat (in den USA fragte man mich, ob bei uns immer noch Krieg wäre, und auch, ob ich in einem Schloss leben würde). Lustigerweise entsprechen die deutschen Männer in diesem Anime so 100%ig meinem ersten Eindruck von „Deutschen Leuten“, das ich mehrere Male laut auflachen musste angesichts der Treffsicherheit, mit der die Züge, die ich über die Jahre beobachtet hatte, zeichnerisch herausgehobelt wurden. Hier einige Beispiele: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SabBdaadf2I/AAAAAAAAAMk/ZjJMPoc8hME/s1600-h/monsi2.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 353px; height: 400px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SabBdaadf2I/AAAAAAAAAMk/ZjJMPoc8hME/s400/monsi2.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5307141921953382242" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Muahaha! DIE sind ja mal privat versichert, wa!? Mit unendlicher Selbstzufriedenheit und Unbeeindruckbarkeit desjenigen, der für seinen Wohlstand GESCHAFFE hat, blicken uns die Opis in progress durch ihre dicken, spießbürgerlichen Brillen hindurch in die vor Angst zitternden Herzen.  Eine Wand aus kaltem Eisen trennt mich von diesen Gestalten, die vermutlich ein Buchantiquariat besitzen, eine Orthopädie-Praxis oder Direktor an einer Grundschule sind. Der Antiquariatfritze liest seit 1967 nur Thomas Mann. Der Orthopäde hat kalte Hände und macht den Skoliose-Kindern Angst. Der Schuldirektor schreibt den ganzen Tag blaue Briefe. Sie alle sind unfreundlich und die letzten, die sich was draus machen würden. Sie schnauben, stieren und grunzen. Keine Gelegenheit wird ausgelassen, die eigene Machtposition gegen Schwächere, Jüngere und Minderwertige auszuspielen. Ja. Es widerschmeichelt meiner Menschenkenntniseitelkeit, dass diese Sachen meistens nicht zugetroffen haben, aber die typische Physiognomie dieses Menschentypus hat dennoch all die charakterlichen Ableitungen erzwungen und tut dies immer noch mit Beharrlichkeit.  Puuuh, von wem ist der eigentlich inspiriert? Ist das Harald Juhnke!? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SabB1gvLGoI/AAAAAAAAAMs/UK6CGPXKzCo/s1600-h/ster197q.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SabB1gvLGoI/AAAAAAAAAMs/UK6CGPXKzCo/s400/ster197q.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5307142335967730306" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was mich zum nächsten Thema führt: die Repräsentanten des deutschen Showbusiness. Nichts für schwache Nerven. Eine äußerst delikate Angelegenheit... Ich mach mal ne Collage...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-1297522888448530517?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/PcoYh17gZ9I" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/PcoYh17gZ9I/beware-die-argusaugen-des-auslands.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SabBFV25QdI/AAAAAAAAAMc/qJ_92_7fuK4/s72-c/monsun.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">2</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2009/02/beware-die-argusaugen-des-auslands.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-2043683815074166075</guid><pubDate>Tue, 30 Dec 2008 14:03:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-12-30T15:04:11.353+01:00</atom:updated><title>Schreie aus der Kinderstube.</title><description>Groß im Kommen sind ja Benimmbücher. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber in Apothekenmagazinen geht die Kunde. Angenommen, es ist richtig und die Benimmbibeln finden großflächig Abnehmer: was ist es, was die Käufer wissen wollen? Ich war sehr enttäuscht, als ich in mehreren solcher Bücher blätterte und nichts anderes vorfand als Kleiderordnungen für Bälle und Empfänge, die wertvolle Info über den Wandel der Besteckzusammenstellung beim Verspeisen von Kartoffeln und lächerlich steife Regeln für den E-Mail-Verkehr. Ist es wirklich das, woran es mangelt? Ich meine, sicher, hier ist es keine Seltenheit, dass  man lieber stundenlang in irgendwelchen Internetforen rumrutscht, anstatt sich die vermeintliche Blöße zu geben, an Ort und Stelle nachzufragen, wie bestimmte Situationen im Hause Turn und Taxis gehandhabt werden, bevor man mit dem Autogrammheftchen auf der Matte bei Gloria Fürstin steht. Aber braucht das irgendwer wirklich? BULLSHIT!, ritze ich in die Tür der Restauranttoilette und sage: Was hier wirklich Not tut, ist Menschlichkeit für den Alltag. Das geht meinen Zeitgenossen ab. Aber wer würde schon Bücher über Rücksicht und Freundschaft schreiben in einer Welt, wo alle fürchten, als Gutmenschen oder Wertkonservative verspottet zu werden? Lieber eine Pick-Up-Artist-Community aufmachen und mit anderen Jungs paranoide Machttechniken aus dem Bestseller von Harnröhrenspezialist Guy Dick diskutieren. Hauptsache das Ego ist auf der sicheren Seite. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kann nicht länger meinen Jähzorn über die Gegebenheiten des Miteinanders rationalisieren als „Verblüffung angesichts internationaler Verschiedenheiten“. Die mag es ja geben, aber sie gehören abgeschafft, wenn sie beiderseits nur für Unmut sorgen. Ich bin nicht in der Position, über das Ätzende im Menschen zu mosern und die Moralsplitter in die Hände der Übeltäter zu jagen, denn ich meine, klar, WIE ICH HIER ABGEHE: null Verständnis für das Volk, Hass, Spott und Tadelei. Okeh. Man verzeihe mir dies. Ihr hättet mich sehen sollen, bevor ich den Geisteswandel vollzog. War früher pauschal alles scheiße, so ist es heute überwiegend eher alles. Aber jemand muss sich ja dieser undankbaren Aufgabe annehmen. Auf eigenen Wunsch habe ich den Balken vor meinen Augen wegretouchiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;„Ich brauch dein Mitleid nicht.“ &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausgang aller erhobener Zeigefinger, auch des meinen, ist die Notwendigkeit von Empathie für ein möglichst wuscheliges Miteinander. Audrey Hepburn erklärt uns in „Funny Face“ (deutsch: „Lustige Fresse“) die Bedeutung dieses Wortes. Empathie bedeutet nicht, zu verstehen, warum jemand so handelt, wie er handelt. Empathie bedeutet, tatsächlich zu fühlen, was ein anderer fühlt. So weit muss man es aber nicht treiben. Wir sind ja 24/7 genug damit beschäftigt, uns darüber den Kopf zu zerbrechen, was WIR überhaupt fühlen und unsere Persönlichkeitsstörungen via Internettests zu ermitteln. So sehr wird diese Introspektion und Selbstreflexion überreizt, dass für die Wahrnehmung eines organischen Wesens, das sich vor uns aufgebaut hat, die Aufmerksamkeitsspanne nicht mehr reicht. Ich bin beeindruckt vom Phänomen dieser RealDolls, die hin und wieder durch die Presse geistern. Von Männern, die mit diesen Puppen abhängen, plauschen und Sex haben (obwohl… nachvollziehen kann man das schon, bei den kalten und angeleimten Hupen! Welche echte Frau kann das schon bieten?!) Alter, das kann doch nicht angehen, dass man sich dem Sozialen so weit verweigert, dass man bereit ist, mit einem Riesenradiergummi zusammen zu leben!?!  Wir dürfen es nicht so weit kommen lassen, wir beiden, und all die Kinder Europas, die das jetzt lesen. Ich empfehle einen Gedankenurlaub  in die Grauzönchen außerhalb des Ichs und biete hierfür meine Betrachtungen an.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei dem ersten Punkt brauche ich Hilfe. Vielleicht sind mir die landesüblichen Konnotationen nicht klar, wenn es um das Konzept des Mitleids geht. Ich finde Mitleid ganz gut. Mitleid ist eine Ableitung von Empathie, also von Mitgefühl. Habe ich mit jemandem Mitleid, dann bedeutet das in meinem Reich, dass mir die Sorgen und Nöte der leidenden Person nicht egal sind und ich prinzipiell bereit bin, Abhilfe zu verschaffen. In manchen Fällen mag ich mir der Aussichtslosigkeit meines Mitleids sehr bewusst sein, zum Beispiel im Falle des kleinen Enrico aus Brasilien, dem, wie mir der hysterische Verfasser einer Spammail mitteilt, ein Penis aus der Stirn wächst. Ich habe das Geld für seine Operation nicht. Ich überweise nichts auf fremde Konten. In anderen Fällen kann ich aber eingreifen. Einem Freund würde ich nie abschlagen, ihm ein ablenkendes Fußbad herzurichten. Häufig habe ich in freundschaftlichen Zusammenhängen auf meine lieben Worte hin den ruppigen Satz gehört: „Ich brauch dein Mitleid nicht.“ Uff.. Verstehe ich das richtig? Sind Mitleidsbekundungen hierzulande sowas wie eine Beleidigung? Auch wenn ich ausdrücklich betone, dass ich quasi mit der Person mit-leide und ihr ein Stück Geist von mir anbiete, auf der sie einen Teil ihrer Last abladen kann? Oder habe ich es hier mit demonstrativer Coolness zu tun? Mit selbsterklärten mutigen Kriegern, deren Stolz es nicht erträgt, Schwäche zuzugeben? Bedeutet „Ich brauch dein Mitleid nicht!“ sowas wie „Du hast erkannt, dass es mir scheiße geht, aber das will ich dich gar nicht sehen lassen, also wag es ja nicht, in die Wunde zu spucken, die ich dir aus Versehen offenbart habe und verpiss dich jetzt, IST ALLES IN ORDNUNG HIER, HAST DU DAS ENDLICH KAPIERT, DU HIPPIE!!!!“? Was auch immer es sein mag: es irritiert mich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;„Sorry, aber…“&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bereitschaft, sich zu entschuldigen, ist eine hohe Tugend und der Beweis von Stärke, manchmal sogar ein Zeichen von Überlegenheit. Jedenfalls in meinen Augen. Viele meiner Mitmenschen sehen das anders. Das letzte, was sie tun würden, wäre, sich zu entschuldigen. Eine Freundschaft ist bereits daran zerbrochen. Jungs und Mädels, „walking on eggshells“ ist eine anstrengende Disziplin und ich empfehle niemandem den Umgang mit überempfindlichen Charakteren, die jedes Wort auf die Goldwaage legen. Ich selbst bin mit einer solchen Person gestraft. Sie begegnet mir täglich im Badezimmer. Aber was soll denn jetzt wieder die Selbsterniedrigung. Jeder ist doch irgendwo empfindlich, an irgendeiner Stelle. Wir wissen es nicht, solange wir die Kratzhände bei uns behalten. Eine „ehrliche Meinung“ kann gut gemeint sein, aber das ebnet ihr nicht automatisch den Weg zur freudigen Erhellung des von Kritik betroffenen. Reagiert der Mensch mit spritzenden Heulkrämpfen oder rötlichen Beulen am Hals, ist das ein Signal. Es bedeutet, dass man eine empfindliche Stelle getroffen hat. Jetzt könnte man sich über Wahrnehmung auslassen. Der Andere übertreibt. Er ist komisch. Er reagiert völlig unangemessen. Und so weiter. Was für ein Doofi. Ich aber sage euch: was ist denn Wahrnehmung anderes, als akkumulierte Erfahrung? Es ist doch nicht schwer, einzusehen, dass jemand, der beispielsweise in seiner Jugend wegen schwerer Akne zum Gespött der Asis aus der Klasse avanciert war, angepisst ist, wenn man eine Bemerkung über seinen unreinen Teint macht, oder? Verbitterung mag es auch angesichts nicht sichtbarer „Stigmata“ geben. Ich kann ja unmöglich wissen, dass ich mit Person A nicht über Selbstmörder witzeln kann, wenn ich nicht weiß, dass Person A vor nicht allzu langer Zeit seine Mutter auf dem Dachboden hängend gefunden hat. Ja, versteht denn der Anton keinen Spaß!?, fragt man sich, Ich seh es nicht ein, mich zu entschuldigen!, raunt man sich selbst zu. Wie rein oder neutral auch die Intention der kommunikativen Action war: wenn man jemandem zu nahe getreten ist, entschuldigt man sich. Es bedeutet, dass man die Person respektiert und bereit ist, auf ihre wunden Punkte Rücksicht zu nehmen in der Hoffnung, diese möge ebenso gütig sein, wenn sie auf die eigenen Schwachstellen stößt. Häufig ist das jedoch alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Sich entschuldigen, das bedeutet für einige anscheinend, zu unterliegen. Sich gar zu unterwerfen. Die „Stärke“ seiner „Persönlichkeit“ in Frage gestellt zu bekommen (wie unangenehm!). Für jemanden, der immer im Recht ist, eine undenkbare Geste. Man nennt dies auch Selbstgerechtigkeit. Wie schätze ich doch dem gegenüber Menschen, die offen gestehen, dass sie etwas falsch gemacht haben. War die Kränkung nicht beabsichtigt, wirkt so eine Entschuldigung wie Balsam und Ambrosia. War sie beabsichtigt, dann mag die Wirkung zwar nicht so rasch einsetzen, sicher ist der kränkenden Person jedoch mein Respekt, denn es gehört Mut und Einsicht dazu, seine Schuld zuzugeben, ja, zu seiner allzumenschlichen Bosheit zu stehen. Eine reflektierte Bosheit lässt sich leicht verzeihen, und schon bald fließt wieder Milch und Honig durch das Paradies der edlen Freundschaft. So what’s the fucking problem? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt allerdings auch Situationen, in denen Entschuldigungen wie mit Messern besetzte Maulschellen sind. Eine der ekelhaftesten mir bekannten Floskeln ist der Satzanfang: „Sorry, aber…“.  Wer Sätze mit „Sorry, aber…“ beginnt, hat Übles im Sinn. Vorhin habe ich gesagt, dass ich Menschen Persönlichkeit attestiere, die sich entschuldigen können. Damit meine ich aber keineswegs Rüpel, die kein Problem damit haben, jeder Attacke ein Entschuldigung anzuheften, weil sie denken, sich mit dieser Tour alles erlauben zu können. Eine milde Form davon ist „Sorry, aber…“. Hier einige Beispiele: &lt;br /&gt;„Sorry, aber die Meike hat gesagt, dass sie dich kacke und langweilig findet.“ &lt;br /&gt;„Sorry, aber ich finde es absolut ekelhaft, wenn Menschen mit voller Scham- und Achselbehaarung herumstolzieren.“&lt;br /&gt;„Sorry, aber wenn du glaubst, dass ich auf dich stehe, haste wohl nie in den Spiegel gekuckt.“, usw. &lt;br /&gt;„Sorry, aber“ hat auch Geschwister. Sie heißen „Ich will ja nichts sagen, aber“, „Nimms mir nicht übel, aber“ und „Nicht dass du denkst, ich wollte …. aber“, z.B. „Nicht dass du denkst, ich wollte schlecht über deine Mutter reden, aber sie ist schon eine ziemlich hinterhältige Fut.“ LOL! &lt;br /&gt;„Sorry, aber“ ist ein ganz ausgefuchstes kleines Ding. Nicht nur, dass man den Empfänger ohnehin beleidigt, man nimmt ihm auch den Wind aus den Segeln, die Möglichkeit, sich gegen die Aussage zur Wehr zu setzen, oder seinen gegenläufigen Standpunkt kund zu tun. Er kann auch nicht in Coolness verharren und so tun, als handelte es sich um einen konstruktiven Beitrag zur Verbesserung seiner Person. Weil nämlich durch den Gebrauch von „Sorry“ die kommende Aussage explizit als solche kenntlich gemacht wird, für die man sich entschuldigen müsste. Es sind zwei Paar Schuhe, ob ich jemandem sage, dass meiner Meinung nach die Dauerwelle nicht zur Krawatte passt , oder ob ich ein „Sorry, aber“ vor meine Meinung setze dem die Annahme zugrunde liegt, dass der Empfänger sich durch die Aussage beleidigt fühlen wird. Muss er ja gar nicht, sich beleidigt fühlen, aber diese Reaktion wird ihm durch die Wahl der garstigen Worte sozusagen aufgezwungen, er hat keine andere Option. Man möge sich also den Vorsatz sparen und lieber auf seine Individualität verweisen. Davon haben beide was. Der Kritikempfänger, der über die Unterschiede der Wahrnehmung informiert wird, was ihm beim Geschenke kaufen von Nutzen sein wird, und der Sender, weil er sich nicht zum Affen macht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;„Du schuldest mir eh noch 20 Cent.“&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erstaunlich, welch unterschiedliche Einstellungen über die Erziehung eingebläut werden.  Doch zuvor zwei Anekdoten, die mir zu denken gaben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor einigen Jahren habe ich mich mit einem alten Freund zum Kaffee getroffen. Es war ein gemütliches Etablissement und ich genoss den Abend sehr, denn vermutlich würde ich diesen Freund so schnell nicht wieder sehen. Nach meinem langen Auslandsaufenthalt hatten wir viel miteinander zu bekakeln, und ihm stand das Studium in einer fernen Stadt bevor. Als die Bedienung kam, brüllte ich überschwänglich „zusammen!“ und reichte der Frau Oberin einen Schein. Der Freund schaute irritiert. Als die Bedienung weg war, drückte er mir ein Zwei-Euro-Stück in die Hand. „Nee, lass stecken!“, liebsäuselte ich. „Ich lad dich ein!“, und gab ihm das Geld zurück. Er drückte es mir schon wieder in die Hand. Nun war ich die mit dem irritierten Blick. Und er sagte: „Nee, sorry. Kann ich nicht annehmen. Ich weiß ja nicht, wann ich dich wieder sehe. Ich kann dir das doch gar nicht zurückzahlen.“ An seiner steifen Miene merkte ich, dass hier nichts zu machen war, und ich warf das Münzchen etwas bitter zurück in die Börse. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Mutter arbeitet ehrenamtlich in der Bahnhofsmission. Sie hat überwiegend mit Alkis, Drogenabhängigen und Obdachlosen zu tun. Aber eigentlich ist die Mission dafür da, ganz normalen Reisenden zu helfen, die in irgendeiner Weise Hilfe benötigen, sei es die alte Dame, die seit 30 Jahren nicht mehr Bahn gefahren ist oder ein Rollstuhlfahrer, der Angst hat, dass niemand auf dem Gleis ihm in den Zug helfen wird. Eines Tages kam eine ausgemergelte, aber durchaus schick gekleidete Frau zu ihr und fragte, ob man ihren Schwager anrufen könne, er sollte wohl auf sie warten, kam und kam aber nicht. Der Anruf ergab, dass er sie doch nicht abholen würde, sie solle sich ein Taxi nehmen. Die Frau geriet in Panik, da sie nicht genug Geld dabei hatte. Vermutlich konnte sie auch keines abheben, sonst hätte sie es wohl gemacht. Jedenfalls hat meine Mutter ihr das nötige Kleingeld aus der eigenen Tasche gegeben und hinzugefügt, das sei schon okay so, sie bräuchte da kein Aufhebens drum zu machen, das käme von Herzen, jeder könne doch mal in eine solche Situation kommen. Die Frau brach darauf in Tränen aus. Ihr sei noch nie (!) eine so hilfsbereite Person begegnet und sie würde sich fürchterlich, ja, FÜRCHTERLICH schämen, das Geld nicht zurückzahlen zu können. Wie nicht anders zu erwarten war, hat die Frau das Geld am nächsten Tag vorbeigebracht und schickt meiner Mutter seitdem selbstgebastelte Postkarten zu den Feiertagen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In beiden Fällen: HALLO!????&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine erlauchte Freundin E. hat für Aufklärung gesorgt. Sie erzählte mir, sie sei auch „so erzogen“ worden. Man hätte ihr dieses Gerechtigkeitsempfinden vermittelt. Wenn man etwas gibt, solle man drauf achten, dass man es auch 1:1 wiederbekommt. Und wenn man etwas nimmt, solle man es nur dann tun, wenn man garantieren könne, es auch wieder zurückgeben zu können. Ich war baff. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich wurde genau andersherum erzogen. Bei uns war Geben nicht Synonym für Tauschen. Wenn man gibt, so die Botschaft, fühlt man sich wertvoll im Herzen. Aber eben nur dann, wenn man gibt, ohne etwas dafür zu verlangen. Eine stille Übereinkunft besagte: hilfst du mir in der Not, so helfe ich dir, wenn du mich einmal brauchst. So tauschte man eben Zeit gegen Kinderkleidung, ein offenes Ohr gegen Haareschneiden, einen Schein für Solidarität in harten Zeiten. Aber nichts war verpflichtend. Ich halte an dieser Mentalität fest, weil sie mich überzeugt. Schade ist bloß, dass eine soziale Idee keine Substanz hat, wenn sie nicht von allen Beteiligten geteilt wird. Aber wegen dieser 1:1-Gerechtigkeitserziehung auf das schöne Gefühl des Gebens verzichten und genauso werden wie sie? Niemals! Auch wenn es bedeutet, in ständiger Angst vor ätzendem Verhalten zu leben. Solche Sprüche wie „Du schuldest mir eh noch 20 Cent.“ – Ich finde es unter aller Sau. &lt;br /&gt;Was denkt ihr darüber? Ich brauche ehrliche Geständnisse und Reflexionen. Besonders freue ich mich natürlich über Auffassungen, die nicht zu der meinen passen und mich moralisch herausfordern. Her damit! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das war’s für heute. In der nächsten Folge geht es um Grußrituale, Gastfreundschaft und Danksagung. Vielleicht geht es aber auch um etwas ganz anderes.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-2043683815074166075?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/nj2Sfxu5qHo" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/nj2Sfxu5qHo/schreie-aus-der-kinderstube.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">4</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/12/schreie-aus-der-kinderstube.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-4158773763364911691</guid><pubDate>Mon, 01 Dec 2008 12:25:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-12-01T13:52:21.758+01:00</atom:updated><title>„Wir Deutschen.“ Warum Matzes Patriotismus mich am Arsch lecken kann.</title><description>&lt;i&gt;Eine Buchbesprechung, die zu spät kommt, aber nicht schlimm, weil nur Vorwand, über eine unmögliche Auffassung von leichtfüßigem Deutschsein zu mosern und die Welt im Allgemeinen. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herr Matussek hat ein Problem mit seinem Penis. Dabei passt da so einiges rein, in diesen prachtvollen Penis, der bei den morgendlichen Kniebeugen lästig über das Parkett schleift. 15 Jahre hat Herr Matussek gebraucht, sich darüber klar zu werden, dass etwas passieren muss mit dem ärgerlichen Wedel. Schließlich hatte er die rettende Idee: wenn er sich nur immerzu einen runterholen würde, und zwar nachhaltig, würden die entwürdigenden Kontakte mit dem dreckigen Boden ein Ende haben. Dem Penis einen würdevollen Platz in der Welt verschaffen, wurde Herr Matussek zum Inhalt und Ziel der Produktion, die seinen Lebensunterhalt bedeutet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich hatte gemäß der Vulgarität meiner Lektüre (im Sinne von „völkisch“) Lust auf Vulgäres (im Sinne von „Pimmel“), sonst wäre mir ein anderes Bild eingefallen, die Existenz des Buches „Wir Deutschen. Warum uns die anderen gern haben können.“ zu erklären. Ein Buch, dessen Anfang und Ende den Leser vor eine Frage stellen, die Frage nach der Funktion des kollektiven „Wir“. Die Frage, wen Herr Matussek denn bitte meint, wenn er seine Aussagen durch das Sprachrohr jagt, das er vor dem Abflussbecken seines Hirnes zu montieren so frech war. &lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/STPd2YRKuqI/AAAAAAAAALk/Xx9LZu3kBV8/s1600-h/WirDeut.jpg"&gt;&lt;img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;width: 132px; height: 200px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/STPd2YRKuqI/AAAAAAAAALk/Xx9LZu3kBV8/s200/WirDeut.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5274803514878114466" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Dieses Buch ist zu empfehlen. &lt;br /&gt;Die Kategorie „Scheißbuch“ zerfällt bei mir in zwei Subkategorien, die erste ist „verspricht Gewinn“, die zweite meint das Gegenteil. Gewinn versprechende Scheißbücher verlangen nach dem Konsum auf der Metaebene. Nicht der Inhalt ist von Belang, sondern das Wie und das anschließende analytische Warum. Geht hier gut, darum zu empfehlen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ja dann wollen mir mal klar Schiffchen machen mit dem netten Herrn, der aus dem Kultur-Ressort des SPIEGEL rausgeflogen ist, weil seine Umgangsformen zu wünschen übrig ließen, wie es hieß, aber wer sind wir, auf dieser Grundlage über ihn zu urteilen. Auf dem Cover des besagten Buches ist Burg Neuschwanstein abgebildet, also eines der schmeichelhaften Sinnbilder für Deutschland, Knipseknusperhäuschen für Japaner, reproduziert von Walt Disney und gedruckt auf Keksdosen für die Teekränzchen hoch frisierter Tanten. Eine platte Wahl? Gewiss, ein Bierkrug wäre platter. Platt ist aber Burg Neuschwanstein keineswegs, wenn man sie als Verbildlichung des Buchinhalts betrachtet. Diese Burg, erbaut auf Geheiß Ludwigs des II. von Bayern, ist Anachronismus und Kitsch und Fassade. In einer Zeit, die keine Burgen mehr hervorbrachte, hatte Ludwig sich diese kleine Pracht installiert, um sich darin vor der Hässlichkeit der Wirklichkeit zurückzuziehen und in romantischen Phantasien zu schwelgen. Burg Neuschwanstein ist eine Lüge, ist künstliche Historie und Kampf gegen schlimme Wertesysteme mit den Mitteln der Oberflächlichkeit und des eitlen Scheins. Analog dazu ist das Bemühen Matusseks, den Deutschen Nationalstolz einzutrichtern, genau das. Aber man darf mich nicht missverstehen. Ich bin bekennender Fan des Weltflüchtlings Ludwig und Burg Neuschwanstein find ich auch „ganz schön“. Matussek unterscheidet sich von Ludwig durch ein Megaplus an Arroganz, Dummheit, Empathiemangel und schwachsinnigem Zorn (&lt;i&gt;“sorry, meine Meinung.“&lt;/i&gt;). Ich glaube nicht, dass Ludwig II. an Minderwertigkeitskomplexen litt, denn wer die Menschen aus innerer Überzeugung scheut, der scheut auch den Vergleich mit Anderen. Nicht zu übersehen hingegen Matusseks Minderwertigkeitskomplex, der sich als treibende Kraft zwischen den Zeilen offenbart. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin ja in Bezug auf Nationalgefühlsverachtung manch linker Bewegung seit Jahren kopfschüttelnd unterwegs. Mir wollte sich nie erschließen, was so verachtenswert daran sein sollte, positive Gefühle zu haben für das Land, aus dem man kommt, für das Land, in dem man lebt. Ich bin ganz locker auf Du und Knuddel mit meiner polnischen Herkunft. Ich mag die Sprache, die Tradition, die Kultur, die Menschen. Ich weiß nicht, ob man hier von „Stolz“ sprechen kann, aber ja, ich bekenne mich gern zu meiner Herkunft. Ich schäme mich nicht für die doppelte Staatsbürgerschaft und nehme auch das Wort „Heimat“ in den Mund, ohne dass grüner Belag von meiner Zunge Beschlag nimmt. Meinen „Nationalstolz“ trage ich am Herzen zärtlich wie einen verletzten Vogel, ohne einen Anflug von schlechtem Gewissen. Warum? Nun, gewiss nicht, weil ich mich von der deutschen Geschichte distanzieren darf und der Illusion nachhänge, dass mein Volk eine weiße Weste anhat und in der Geschichte immer nur Opfer, nie aber Täter gewesen ist. (Ich glaube, in der Herausbildung der Werte, die ich Dingen anhänge, spielt die Geschichte und wer was wann gesagt oder getan oder unterlassen hat, ohnehin keine Rolle. Auch verteidige ich nichts, was seinen Wert zu verlieren droht. Heute hui, morgen pfui, ja, warum nicht, das ist eben das Wesen der Dinge und das Unwesen meiner geistigen Verfassung.) Ich denke, dass das Thema einen so lockeren Gegenstand für mich darstellt, liegt daran, dass die Aufwertung meines Herkunftslandes keine Negativfolie braucht in der Abwertung anderer Länder. Brauche ich denn die Literatur eines anderen Landes zu verhöhnen, um die meines Landes gut zu finden? Muss ich die Frauen einer Region als „hässlich“ bezeichnen, um mich von den Frauen der meinen angezogen zu fühlen? Kann ich nicht die chaotischen Zustände in meinem Land erfrischend finden, und trotzdem erleichtert sein, wenn ich in einem anderen Ordnung und Gesetz vorfinde? Da mir solche wertenden Vergleiche fremd sind und mir absurd erscheinen als Mittel der Identitätsfindung, verspüre ich auch nicht jene Lust, das Fremde zu bepissen, die manch Anderer verspüren mag. Matussek vielleicht? Ich sage nur soviel: wenn all die Linken, über deren Ansichten ich mich schon geärgert habe, mir erzählen würden, dass sie das Buch gelesen haben und mir nachweisen könnten, dass die hier geäußerte Sicht von den meisten Deutschen geteilt wird, dann würde ich entgegnen: meine verfilzten Freunde, ich bin ganz mit euch. Wie kann ich euch helfen, diesen emotionalen Misthaufen zu sprengen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Grunde hat Matussek kein Buch über Deutschland geschrieben, sondern ein Buch über sich selbst: ein Buch über den Prinz Ernst August des Kulturfeuilletons. Es ist außerdem völliger Blödsinn, was Matussek da konstruiert. Ich will mich wenig über die Inhalte auslassen, inhaltlich steht ohnehin nichts drin. Die Art und Weise, wie Matussek Deutschland zu verteidigen glaubt, ist jedoch höchst bemerkenswert. Wie bereits angedeutet, werden andauernd andere Nationen abgewertet, vor allem England. Rechtfertigen tut Matussek es indirekt damit, dass die Engländer keine hohe Meinung von den Deutschen haben (so lässt er uns glauben, indem er eine hochnäsige Adlige anekdotisch auftreten lässt). Wie du mir, so ich dir! Na, wenn das keine gute Konfliktbewältigungsstrategie ist! Die Gewaltschaukel nimmt Matussek mit sorglosem Schwung. Um den gekränkten Stolz zu heilen, muss er seine Pfeile auf Leute abschießen, die nun wirklich keine Schuld daran tragen, dass es ihm so schlecht geht. Zum Beispiel die britische Künstlerin Tracy Emin, deren Installationen er als „Fickzelte“ diskreditiert, ohne eine blasse Ahnung zu haben, wovon er überhaupt redet. Aber erst auf dem Hintergrund dieser Schlechtmache kann er über neue deutsche Künstler abschwärmen, die sich dem „Blut und Boden“-Mythos verschrieben haben. Den Raum, den er sich da freigeschossen hat, bewälzt er dann genüsslich mit seinem Nationalschleim. Ekelhaft. &lt;br /&gt;Eine weitere Position, die Matussek einnimmt, ist die, dass man sich auf seine Werte besinnen müsse, um sich gegen den Islam behaupten zu können. Er beruft sich auf die Meinungsfreiheit und nutzt jede Gelegenheit, Zungenschnalzendes und Aufgeplustertes über die Karikaturenproteste zu äußern. So gelingt es ihm, ein Selbstbildnis abzuliefern, das ihn als unverständigen, selbstgerechten und konservativen Vollarsch ausweist, dessen Weltbild so unflexibel ist, dass es nicht verwundert, wenn es bröckelt, und er den leimenden Schleim triefen lassen muss, um das Ding zusammen zu halten. Wer von demokratischen Werten schwärmt, aber gleichzeitig Muslimen das Recht aberkennt, gegen die Verletzung ihrer religiösen Gefühle aufzubegehren, ja, sogar das Recht auf religiöse Gefühle, bei dem kann es mit den eigenen Werten nicht weit her sein. Aber vielleicht sollte ich erwähnen, dass er auch nicht den Eindruck erweckt, von der christlichen Botschaft der Nächstenliebe je berührt worden zu sein. Er ist ja Rationalist. Als solcher ist er der Meinung, dass Religion in der Welt, in der wir leben, nichts verloren hat. Seinen Hass auf Religion und spezieller, auf den Islam, verbindet er in seinem Linken-Bashing. Die Linken, die sich dafür einsetzen, dass Rechtskonservative nicht den Bau von Moscheen verhindern, sagt er, seien dumm und vernebelt in ihrem Bestreben, den Muslimen zu ihren Rechten zu verhelfen, bei ihrer gleichzeitigen Ablehnung der römisch-katholischen oder evangelischen Kirche. Wie selbstbewusst er da seine Spitzen abfeuert… welch glänzend lächerliche Argumentationslogik! Warum sollte jemand nicht die eigene religiöse Tradition ablehnen und gleichzeitig Verständnis für Menschen haben, die ihre Religion pflegen möchten? Matussek vergleicht Äpfel mit Zäunen. Als Rationalist kann es für ihn nur das Bejahen oder Verneinen des Systems Religion geben, die Menschen dahinter sieht er nicht. Darum kommt ihm auch nicht der Gedanke, dass wahrlich tolerante Menschen, die wahrlich humanistisch denken, nicht zerstören oder verhindern wollen, was für andere, von ihnen verschiedenen Menschen, Glück bedeutet, die eigenen Ansichten mal beiseite gekehrt. Er beschimpft diese Leute als „Gutmenschen“, und mir war ja nie klar, warum man das Wort pejorativ meinen sollte, aber jetzt glaube ich es zu wissen: ums Ego ist’s einfach besser bestellt, wenn man verachtet, was man selbst nicht hat, nicht kann, nicht darf. Und Matussek ist ein Schlechtmensch. Er gab mir durchweg ein schlechtes Gefühl. Ganz so wie ein Mensch, der schlecht ist, von innen heraus verfault, ein rasender Egomane. Man ist gut beraten, den Raum zu verlassen, bevor man so einem nen Tee einschenkt. Ich habe aufgehört zu lesen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man könnte, wenn man wollte, wenigstens die Absicht des Buches (nämlich das Selbstbewusstsein der Deutschen zu stärken) edel nennen. Ich finde auch, dass es Quatsch ist, alles was deutsch ist, nur weil es deutsch ist, scheiße zu finden, sich selbst zu verbieten, es sehnsüchtig anzuheulen in einer sternklaren Nacht. Ich kenne das allerdings nur von diesen Speziallinken, die auf Deutschlandflaggen herumtrampeln und dann ihre verkrüppelten Nationalemotionen auf Israel umlagern. Die Menschen, die um mich rum sind, sind wesentlich gelassener. Deutschland ist einfach kein Thema. Weder Prodeutschland noch Antideutschland. Exakt neutral. Diese ganzen Diskussionen werden doch ohnehin von den Medienmenschen herbeiphantasiert. Plötzlich taucht er aus dem Nichts auf, der Diskurs. Wer könnte ihn besser austragen als vermeintliche Landesstimmen aus TV, Kultur, Politik und Wirtschaft? Jeder muss sein Spruchband ausfahren. Günther Jauch, Helmut Schmidt, Sarah Kuttner, irgendeine zusammengecastete Teenieband. Die Rezipienten sitzen eingedummt in ihren Sesseln und haben die Illusion, im Bilde zu sein über die Themen, die aktuell die Welt bewegen. Ich aber glaube einfach nicht daran, dass diese Themen jemand anderen bewegen als die, die sie benötigen: die lieben Herren und Damen Mediengestalter Bild und Ton, Digital- und Printmedien. Früher dachte ich, dass ich diese gesellschaftlichen Diskurse aus Unwissenheit nicht verstehe. Aber über meinem Kopf schwebte bereits das diffuse Whatthefuck des Nichtidentifizierenkönnens, der empfundenen Ungleichheit von Echtjetzt und Nurgelaber. Man denke nur an diese journalistische totgekaute Floskel von den „schrecklichen Ereignissen des 11. September“ und wie seitdem alle Menschen angeblich um ihre Sicherheit besorgt sind und deswegen Ehen schließen, Bewusstsein entwickeln und was weiß ich noch alles in Gang setzen, um die Geistesgeschichte in eine neue Richtung zu lenken. Das hört sich schön dramatisch an und macht sich bestimmt gut in einer Guido Knoppschen Doku in 25 Jahren, man wird seinen Kindern erzählen: „…und nach dem 11. September veränderte sich &lt;i&gt;alles&lt;/i&gt; und die Menschen haben endlich verstanden, dass nichts sicher ist, blabla“, mein Fresschen, sind das nicht Glocken aus Gummi? Und ist es nicht minder absurd, dass ohnehin die meiste Geschichtsschreibung auf solchen falschen Ursache-Wirkungs-Rhetoriken basiert? Mag sein, dass es auf diese Weise vergnüglich und easy ist, das Gewesene zu konsumieren, aber damit ist es weder wahr noch sonderlich erkenntniserweiternd und verdient es nicht, mit der selben Ernsthaftigkeit empfangen zu werden mit der es gesendet wird. Zurück zu Matussek. Auch er lässt die Puppen tanzen. Ein Interview mit Harald Schmidt, ein Interview mit Ariadne von Schirach, ein Interview mit Sarah Kuttner und irgendwelchen hohen Wirtschaftsheinis. Ja mei! Wen der alles kennt! Der Inhalt beläuft sich auf Zero und das einzige was wir wissen, ist: womöglich hat Deutschland einfach nichts zu sagen. Macht aber nix, denn zumindest wurde durch das Dropping von Namen und Zahlen dem Herrn Matussek sein Penis wieder bisschen heiterer. So macht Deutschland Spaß. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht ist jetzt klarer geworden, was ich mit meinem „Burg Neuschwanstein“-Vergleich meine. Wie Ludwig II. flüchtet Matussek sich in eine konstruierte Welt, die er mit allem ausstaffiert, was er mit „guten alten Zeiten“ verbindet. Aber dabei bleibt es nicht. Anders als Ludwig, dem es genügte, sich einen persönlichen Ort für Schwelgerei zu schaffen, möchte Matussek, dass ganz Deutschland bei ihm einzieht. Wenn Ludwig gewollt hätte, auch er hätte sich allerhand Gemenschel um sich herum organsieren können: Prinzessinnen, hohe Minnen, Knappen auf weißen Pferden, etc. Problem: es müsste ihm gelingen, das Reich der Phantasie zu materialisieren. Überhaupt kann man seine Burg nur einen Phantasiebau nennen, Anachronismus stimmt nicht, denn Märchenschlösser wie diese wurden auch im Mittelalter nicht gebaut. Matussek baut hier ein Deutschland auf, das es nicht gibt, das es auch nie gab, und er richtet seine Rede an Deutsche, die es ebenfalls nicht gibt. Er selbst ist der Anachronismus. Ein Mensch nämlich, der immer noch nicht begriffen hat, dass das Konzept „Nation“ zum Identitätsaufbau überholt ist. Es ist eine Kindsgrille. Die Menschen sind viel weiter. Nation ist kein Territorium, sondern … ja, irgendetwas anderes. Etwas Virtuelles vielleicht. Ich kenne jedenfalls wirklich NIEMANDEN, der sich um seine Nationalität scheren würde. Vielleicht liegt es daran, dass ich niemanden kenne. Glaube ich aber nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;PS: Das Buch ist selbstverständlich „witzig“ gemeint. Aber das ist auch so manch anderes, das mich krank macht. (-:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und selbst? Gelesen? Gedanken gemacht zu Nationalstolz und der Vielfalt seiner Äußerungsformen? Ich bin gespannt. (Außerdem wüsste ich gerne, ob Herr Matussek mich wegen eines solchen Textes verklagen kann. Am Arsch lecken kann er mich allemal.)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-4158773763364911691?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/ZvsOYzcsmSo" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/ZvsOYzcsmSo/wir-deutschen-warum-matzes-patriotismus.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/STPd2YRKuqI/AAAAAAAAALk/Xx9LZu3kBV8/s72-c/WirDeut.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">4</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/12/wir-deutschen-warum-matzes-patriotismus.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-4779674063884945699</guid><pubDate>Fri, 28 Nov 2008 17:42:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-11-28T18:45:11.813+01:00</atom:updated><title>Enthaarungsparty mit Silent Tiffy und Fridolin Fut</title><description>Ich möchte wieder was abfeuern. Brisantes ist auch in Vorbereitung, dauert aber noch. Wer sich die Wucherungen der Wartezeit stutzen möchte, kann ja derweil in meiner Arbeit über die Wahrnehmung weiblicher (aber nicht nur!) Körperbehaarung zwischen Ekel und Fetisch herumstöbern. Wie schon beim preisgekrönten Beitrag "Die Zähmung der Kreativität durch die Disziplinargesellschaft" handelt es sich auch hierbei um einen Text, der für die Alma Mater entstanden ist, vor etwa einem Dreivierteljahr. Kein Blogeintrag im eigentlichen Sinne also, habe das Material aber entsprechend abgeändert (z.B. sind die meisten Fußnoten weg). Have Fun, und sag bescheid, wenn du Anmerkungen hast oder eine andere Meinung. :D&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SFJwufapceI/AAAAAAAAAFM/qeONooijqRA/s1600-h/violetta.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SFJwufapceI/AAAAAAAAAFM/qeONooijqRA/s320/violetta.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5211351662830645730" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Die diskursive Konstruktion und Inszenierung von Attraktion und Aversion.&lt;br /&gt;Eine soziologische Untersuchung am Beispiel weiblicher Körperbehaarung.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„What is Julia thinking? The only place men want to see hair is on a woman’s head. Under the arms is unacceptable. From hairy armpits it is only a small step to the Planet of the Apes.”&lt;br /&gt;Dieses Zitat stammt von Tom Loxley, dem Herausgeber des amerikanischen MAXIM Magazins, der sich im Editorial seiner Zeitschrift über die Schauspielerin Julia Roberts mokiert. Sie hatte es gewagt, mit sichtbar unrasierten Achselhöhlen bei einer Filmpremiere zu erscheinen. Die skandalösen Bilder, auf denen sie im Vorbeiwinken erbarmungslos empfindlichen Journalistenkameras zum Opfer fiel, gingen um die ganze Welt. Die Boulevardpresse versah die vergrößerten Bilder mit dicken, roten Einkreisungen, damit auch der gleichgültige Betrachter begriff, dass hier ein Tabu überschritten wurde, und das von einer, die es besser wissen sollte: von einer Frau. Genauer: von einer Frau, die weibliche Hauptrollen in seichten, von heteronormativ-konservativen Weltbildern bestimmten Liebeskomödien spielt.2&lt;br /&gt;Wäre Loxley nicht der Herausgeber einer Männerzeitschrift, sondern ein subversiver Humorist, könnte man sein Zitat als ironischen Kommentar zum Enthaarungswahn der Gegenwart lesen. Denn wer behauptet, dass nur ein „kleiner Schritt“ über die nicht entfernte Achselbehaarung zu einem Rückfall in affenähnliche Erscheinung führt, für den müssen sich die entscheidenden Evolutionsprozesse in den letzten 100 Jahren abgespielt haben. &lt;i&gt;[Fußnote: Die amerikanische Kulturwissenschaftlerin Christine Hope hat im Rahmen ihrer Recherche zu weiblichen Körperhaarentfernungspraxen herausgefunden, dass es zumindest in den USA bis zum Ersten Weltkrieg für Frauen nicht üblich war, Körperhaare zu entfernen. (...)]&lt;/i&gt; Wie absurd seine Aussage auch erscheinen mag: die Debatten, die rund um das Thema weibliche Körperbehaarung ausgetragen werden, bestätigen, dass es sich bei der Enthaarung der Achseln, der Beine, des Schambereichs um eine Norm handelt, der Frauen sich heute unterwerfen müssen, wenn sie nicht wünschen, von der Gesellschaft ins Abseits gestoßen zu werden. Die Strafe für Abweichlerinnen besteht darin, dass der weibliche Körper diskursiv mit Ekel aufgeladen wird, sofern er Behaarung aufweist. Es kommt zu einer Stigmatisierung der Behaarten als Hygiene vernachlässigende, Ästhetik mit Füßen tretende und männerverachtende Erscheinung am Rande der Gesellschaft. Aber wie wurde diese Norm wider den natürlichen Körper durchgesetzt? Welche sozialen Mechanismen sind an der Produktion und Reproduktion der Enthaarungsnorm beteiligt? Wie verändern die Normen die subjektive und objektive Wahrnehmung des weiblichen Körpers? Und nicht zuletzt: lässt sich ihre Wirksamkeit in einen größeren, gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang einbetten?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die vorliegende Arbeit knüpft an die Erkenntnisse meiner Arbeit zur Disziplinierung des weiblichen Körpers an Oben-Ohne-Stränden an4. Ich kam im Rahmen der Diskussion darüber, wie sich die Gegenstände des Peinlichkeitsempfindens verschoben haben, zu dem Ergebnis, dass nicht mehr die Enthüllung von Nacktheit Skandale und damit Schamgefühle bei den Zeugen und Skandalbetroffenen auszulösen vermag, sondern der Bruch mit den Regeln, die der Enthüllung zugrunde liegen. Den einzig legitimen „natürlichen Körper“ identifiziere ich darin als manipulativ veränderten Körper, der keine Assoziationen mit dem unkontrolliert Animalischem, dem „Naturwüchsigen“ per se, zulässt. Hygiene meint im Zuge dieser Entwicklung nicht mehr das Fernhalten von Keimen, sondern die Herbeiführung von nahtloser Sterilität. Nahtlosigkeit ist in meiner Arbeit im doppelten Sinne zu verstehen, zum einen als Forderung nach einer größtmöglichen Kontrolle des Körpers, zum anderen, ganz bildlich, als Haarlosigkeit, denn Haare am Körper genießen einen ähnlichen Ruf wie herausstehende Nähte an Kleidern. Sie stören, sie sind überflüssig, sie sind gegen den guten Stil und verweisen auf die Inkompetenz des Schneiders. Man kann sich nicht öffentlich blicken lassen, ehe man sie entfernt hat.&lt;br /&gt;Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die kritische Betrachtung des Enthaarungsdiskurses. Um die Konstruktion und Inszenierung von Einstellungen gegenüber weiblicher Körperbehaarung herauszuarbeiten, greife ich auf Beiträge in Internet-Foren zurück. Das hier durchgängig eingeflochtene Datenmaterial ist auf nicht-wissenschaftlich initiiertem Wege – ex post facto - erhoben worden und genießt somit eine hohe externe Validität. Berücksichtigt wurden sowohl deutschsprachige als auch englischsprachige Foren. Schon die Tatsache, dass Körperbehaarung Gegenstand heftiger Diskussionen sein kann, weist darauf hin, dass es sich nicht um ein triviales Thema handelt. Eine kurze Durchsicht genügt, um festzustellen, dass Körperbehaarung ein vielschichtiger Diskursgegenstand ist, der nicht bei der Konsensfeststellung einer „Geschmacksfrage“ stehen bleibt. Dass Körperbehaarung keine Geschmacksfrage ist, sondern zu einer moralischen Angelegenheit wird, zeigt sich in der Länge der Beiträge. Denn mit dem Bekenntnis zu Körperhaaren ist der Zwang zur Rechtfertigung verbunden. Und entsprechend ausführlich wird dieses Bekenntnis mit Aversionsbekundungen kommentiert.&lt;br /&gt;Ich werde im ersten Teil der Arbeit mit ausgewählten Beiträgen illustrieren und beschreiben, welche Argumente gegen weibliche Körperbehaarung vorgebracht und in welcher Form sie als diskursives Material weitergegeben werden. Im zweiten Teil geht es um den Zusammenhang zwischen Körperbehaarung und Ekel als einem „sozialen Mechanismus, der kulturell bedingt und pädagogisch vermittelt, sich den primitiven Brech- und Würgereflex zunutze macht, um die vorrational erworbene, soziale Basisidentität zu schützen.“ Hier beschränke ich mich auf Schambehaarung, weil diese in direkter Verbindung mit Sexualität steht und in den entsprechenden Diskursen die „problematische Natürlichkeit“ noch stärker in den Vordergrund tritt. In diesem Zusammenhang soll auch als Mittel der Kontrastierung zum besseren Verständnis des Phänomens ein Blick auf die anziehende Wirkung weiblicher Schambehaarung geworfen werden.&lt;br /&gt;Im dritten Teil der Arbeit unterziehe ich die im zweiten Teil präsentierten Argumente einer kritischen Überprüfung. Auf der heuristischen Ebene (Teil 1, 2 und 3) bediene ich mich der Terminologie und der Konzepte Michel Foucaults, weil sie mir als optimales Instrumentarium zur Beschreibung des interessierenden Phänomens erscheinen. Der letzte Teil schließlich ist der Versuch einer Erklärung des Trends zur Enthaarung vor dem Hintergrund der Zivilisationstheorie von Norbert Elias. Aufgeworfen wird die Frage, ob die Enthaarungspraxis in westlichen Industrieländern eine Begleiterscheinung und letztlich das Produkt des von Elias beschriebenen Zivilisationsprozesses sein könnte.&lt;br /&gt;Die spärliche Literatur, die es zum Thema Körperbehaarung gibt, beschränkt sich auf feministische Studien und Ansätze. Ich halte eine Anknüpfung daran für wenig sinnvoll, weil sie dabei stehen bleiben, auf patriarchalische Ansprüche und die Unterdrückung der Frau zu verweisen. Fakt ist aber, dass auch Männer zunehmend dem Enthaarungswahn verfallen und die Anforderungen auch von Frauen gestellt werden, die ihrerseits selbst an der Aufrechterhaltung der Normierung des weiblichen Körpers aktiv beteiligt sind. Ferner teile ich die Auffassung Foucaults, dass Macht nicht von oben nach unten ausgeübt wird, sondern eine Kraft darstellt, die sich netzartig durch alle gesellschaftlichen Zusammenhänge zieht und von allen Beteiligten aufrechterhalten wird. &lt;i&gt;[Fußnote:„Macht ist nicht so sehr etwas, was jemand besitzt, sondern vielmehr etwas, was sich entfaltet; nicht so sehr das erworbene oder bewahrte Privileg einer herrschenden Klasse, sondern vielmehr die Gesamtwirkung ihrer strategischen Positionen – eine Wirkung, welche durch die Position der Beherrschten offenbart und gelegentlich erneuert wird.“ (vgl. Foucault, Michel: Überwachen und Strafen, Frankfurt/Main, 1994, S. 38)]&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Auf eine systematische kulturgeschichtliche Darstellung von Haarentfernungspraxen habe ich bewusst verzichtet. Hierzu liegen bereits zahlreiche Befunde vor, die zu paraphrasieren auf Kosten der Betrachtung eines vielschichtigen und erkenntnisreicheren Diskurses gehen würde. Die Arbeit will als theoriegeleiteter, qualitativer Forschungsbeitrag verstanden werden. Die Zitate aus den Internetforen wurden in der Form beibehalten, in der sie ursprünglich verfasst worden sind. Fehlerhafte Grammatik und Rechtschreibfehler sind unkorrigiert geblieben, um die Aussagen im Zustand der Authentizität zu belassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;I. DIE MACHT DER DISKURSE ÜBER DEN BEHAARTEN KÖRPER&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;1.1. Hair today, gone tomorrow? Der Zeitgeist-Diskurs.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gehen Haare im doppelten Sinne mit der Zeit? Ein beliebtes Argument, um die Entfernung von Körperhaaren zu proklamieren, stellt der Verweis auf das „Zeitgemäße“ der Norm dar. Es handelt sich hierbei um ein klassisches „argumentum ad populum“, bei dem von einer tatsächlichen oder bloß unterstellten Mehrheitsmeinung auf die Wahrheit einer Aussage oder die Angemessenheit einer Norm geschlossen wird. „Rasieren ist ein Muss! Rasieren liegt im Trend. Erwachsen sein heisst heute rasiert zu sein.“ Die Enthaarung wird als modische Erscheinung aufgefasst, die man unhinterfragt „mitmacht“. Gemäß dem Prinzip, dass man die Kleidung trägt, die modisch, das heißt: in den Geschäften verfügbar ist, rasiert man sich, weil im kognitiven Laden offenbar keine Alternativen zur Verfügung stehen. Die Mutter von zwei Töchtern im Teenageralter bekundet: „Vor 30 Jahren war ich weit davon entfernt mir Achseln oder Beine zu enthaaren, wie übrigens so gut wie alle andere Mädchen auch. Heute sind meine Töchter mit 13 und 15 kräftig am rasieren, wachsen, epilieren, sie probieren aus, sollen sie. Heute ist das NICHT Enthaaren der Achseln und Beine "unnormal" Und die Enthaarung des Intimbereichs zumindest üblich. Die Zeiten ändern sich nun mal.“ Das „kognitive Lädchen“ ist ein Konstrukt aus Alltagsbeobachtungen, genauer: aus den prüfenden und vergleichenden Blicken auf Andere. Wer sich umschaut, wer hinsieht, dem eröffnen sich die Handlungsoptionen: „also ich habe mich jetzt auch letztendlich dem Zeitgeist angepasst und mich vor 3 Wochen meiner Schambehaarung entledigt (wenn man sich so in Sauna/Umkleide umschaut, gibt's ja bei den jungen Dingern seit Jahren überhaupt keine Schamhaare mehr).“ Die „jungen Dinger“ werden als Trendsetter verstanden und als solche ernst genommen. An ihren Enthaarungsnormen orientiert sich dann auch die ältere Generation: “unter den heutigen Unter25jährigen wirst Du sonst kaum jemand finden, der eine Zuneigung zu Natürlichkeit nicht als hoffnungslos verstaubt ansieht.“ Um dazu zu gehören, um nicht dem Spott der Jungen ausgeliefert zu sein, um nicht mit und durch seinen Körper die Differenz zu markieren, die das gefürchtete Alter von der Jugend trennt, wird die Norm abgeschaut und übernommen: „ein "busch" naja.. das törnt die junge generation grössten teils ab!“ Etwas aggressiver heißt es in einem Forumsbeitrag: „Also inzwischen sollte doch jeder im 21 Jahrhundert angekommen sein! Sorry aber ich finde es absolut eklig wenn Leute mit voller Achsel und Schambehaarung herumstolzieren.“ Die Bejahung der eigenen Körperbehaarung wird in dieser Argumentationslogik also als Fortschrittsverweigerung aufgefasst. Das Wort „herumstolzieren“ weckt Assoziationen mit einem Tier, das Menschen aufgrund einer bestimmten „anmaßenden“ Fortbewegungsart lächerlich erscheint. In der Rhetorik der Modebewussten macht sich der unrasierte Mensch also buchstäblich „zum Affen“.&lt;br /&gt;Angeblich wissenschaftliche Fundierung erhält das Zeitgeist-Argument durch statistische Erkenntnisse über den Anteil von Männern und Frauen an der Gesamtbevölkerung, die sich enthaaren. Interessanterweise sind die Initiatoren dieser Studien bekannte Rasierklingen- und Enthaarungsmittelhersteller. Ihre Ergebnisse werden von der Beauty-Industrie dankbar aufgegriffen und tauchen dann in Frauenzeitschriften wie GLAMOUR im Gewand der Schönheitsberatung auf, wobei dem Mann als „generalisiertem Anderen“ (Mead) die Funktion des erhobenen Zeigefingers und des kritischen Auges zukommt: „Wer mit samtig glatter Haut bei den Jungs punkten will, kommt nicht darum herum, die lästigen Härchen zu entfernen. Wir stellen Ihnen die unterschiedlichen Methoden vor.“ Es folgen die Ergebnisse der Studie und das beschämte Bekenntnis: „Was das Enthaaren betrifft, ist Deutschland verglichen mit den USA etc. immer noch ein Entwicklungsland.“&lt;br /&gt;Der Diskurs wird also initiiert von der Haarentfernungsindustrie, die ihr methodisch wenig fundiertes, aber machttechnisch äußerst wirksames „Expertenwissen“ in die Welt setzt. Aufgegriffen wird er von der schwächeren Beauty-Industrie, die dafür sorgt, dass das Produkt Abnehmer findet. Die Abnehmer sind zum großen Teil junge Menschen, die empfänglich für die mit Drohgebärden durchsetzten Einflüsterungen sind und die Trends besonders schnell aufgreifen. Die nicht altern Wollenden indes übernehmen die Trends der Jungen und verfestigen sie diskursiv zu Normen, die für alle gleichermaßen verbindlich werden. Die Verletzung einer durchgesetzten Norm geht mit gesellschaftlichen Sanktionen einher. Umgekehrt hat der Normhörige Aussicht auf Belohnung, möge diese auch bloß darin zum Ausdruck kommen, nicht zur Zielscheibe des Spottes zu werden. Der Vorteil, der damit verbunden ist, sich der Enthaarungsnorm zu unterwerfen, besteht darin, den gängigen Schönheitsvorstellungen zu entsprechen. Man kann die Vermutung anstellen, dass der Diskurs, der von den ersten Agenten der Macht, hier: der Enthaarungsindustrie, initiiert wird, schließlich zur unhinterfragten Enthaarungspraxis führt und der Disziplinierung des Körpers dient. Im Sinne einer Bio-Macht soll der Körper für die kapitalistische Verwertbarkeit nützlich gemacht werden. Die Informationen über das „richtige Verhalten“ werden dann von Individuen und Gruppen netzartig verbreitet, bis sie sich in den Körper eingeschrieben haben und im Körpererleben als selbstverständlich empfunden werden. Das ist nur eine skizzenhafte Beschreibung des möglichen Wirkungsmechanismus. Aber wie genau werden die Normen durchgesetzt? Welche Machttechniken sind dafür verantwortlich, dass sie verinnerlicht werden und die mit ihnen verbundenen Sanktionen die Macht bekommen, generationenübergreifend handlungsorientierend zu sein? Diese Fragen werden anhand einiger ausgesuchter Diskurszusammenhänge in den folgenden Kapiteln erörtert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1.2. Diskrete Einflüsterungen der Werbeindustrie&lt;br /&gt;Auf der Suche nach möglichen Gründen für die Durchsetzung bestimmter Schönheitsideale kommt man nicht umher, medial vermittelte Botschaften und deren Wirksamkeit zu entschlüsseln. Die auf die Manipulation der Abnehmer ausgerichtete Werbung macht sich bestehende Trends zunutze, noch häufiger aber kreiert sie diese Trends erst. Sie weckt Bedürfnisse, die vorher nicht da waren, und bietet die Mittel, diese zu stillen. Wie ein religiöser Zirkelschluss schafft sie Normen, deren mit Konsequenzen verbundene Verletzung mit den angepriesenen Produkten verhindert werden kann. In der Literatur findet sich häufig die These, dass der enthaarte Körper sich erst über Jahrzehnte entsprechender Werbebotschaften als Schönheitsideal durchsetzen konnte. Die amerikanische Kulturwissenschaftlerin Christine Hope kommt nach einer Durchsicht von Katalogen, Zeitschriften und Schönheitsratgebern zum Schluss, dass zumindest in den Staaten Frauen ihre Körperhaare nicht vor dem Ersten Weltkrieg rasierten. Die Enthaarung als gängige Schönheitspraxis hat sich erst zwischen 1914 und 1945 etabliert. Als verantwortlichen Motor für diese Entwicklung sieht die Autorin Werbekampagnen, die im benannten Zeitraum beständig zunahmen. "Advertising for hair removal products became more prevalent and more explicit during the same period other cleanliness behaviours were being introduced or reinforced through advertising. Women during this period were not only being told that 10&lt;br /&gt;their body hair was unfashionable, but also that their breath was bad, that they were probably turning away suitors because of body odor, that "feminine daintiness" demanded a certain type of sanitary napkin, [..]" In Europa tauchen die ersten Werbemaßnahmen für Körperhaarentfernungsprodukte in den 20er Jahren auf. Auch wenn es sich dabei größtenteils um die Entfernung von Nackenhaaren handelt, die in Form von Stoppeln bei einem Bubikopf als ein ästhetisches Ärgernis dargestellt werden, zeichnet sich hier schon eine ganz bestimmte Argumentationsstruktur ab, die in den Folgejahren auch auf die Enthaarung von Achseln und Beinen Anwendung finden wird.&lt;br /&gt;Das Produkt „Exex“ wird etwa mit folgenden Worten beworben:&lt;br /&gt;„Enthaarungs-Milch Exex“ sollte jeder gebrauchen, um lästige, überflüssige und hässliche Haare im Gesicht und am Körper zu entfernen. Auf ästhetisch empfindsame Menschen wirken solch überflüssige Haare abstoßend und manche oft unbegreifliche Abneigung ist darauf zurückzuführen.“&lt;br /&gt;Die Werbetexter bedienen sich einer belehrenden Rhetorik „von oben herab“. Der Text erinnert an die Ratgeberliteratur für junge Frauen, die zu diesen Zeiten in Mode war, sie ist der pädagogischen Strömung zuzuordnen, innerhalb derer junge Frauen von älteren und sozial höher stehenden Frauen über all die peinlichen und unangenehmen Situationen informiert wurden, in die sie geraten könnten, wenn Sie nicht eine Reihe von Regeln befolgen würden, die darauf abzielten, die Frau zum tadellosen Weibchen zu stilisieren, das jedem, vor allem aber dem Gegenpol Mann, zu gefallen versteht. Diese Werbung bedient sich des ästhetischen Arguments und setzt auf die Hochschätzung des charakterlichen Merkmals „Empfindsamkeit“. Der „ästhetisch empfindsame“ Mensch reagiert mit Ekel, und das impliziert, dass der menschliche Grund seines Anstoßes seine Empfindsamkeit offensichtlich nicht teilt, dass er barbarische Züge trägt, die sich mit seinem Gemüt im Missklang befinden. Für die Frau, die als Garantin von Harmonie und Repräsentantin des Zarten und Tadellosen gelten will, ist die Vorstellung und die damit verbundene Angst, abstoßend und grob gefunden zu werden, natürlich ein plausibler Grund, über Körperhaarentfernung nachzudenken. Sie erfährt schließlich von den Werbetextern unverblümt auf direktem Wege, dass die Haare an ihrem Körper „lästig, überflüssig und hässlich“ sind. Das war ihr in ihrer Naivität vorher nicht bewusst, daher auch die „Unbegreiflichkeit“ der Abneigung ihrer Person gegenüber. Nun weiß sie den Grund: ihr Körper erregt Ekel. Die Haare müssen weg. Ihr Körper will von ihr behandelt werden wie der Stein von der Hand des Bildhauers. Alles Überflüssige muss weggemeißelt werden.&lt;br /&gt;Weiter wird in der Werbung argumentiert: „Exex ist unschädlich, macht die Haut sammetweich und ist ärztlich empfohlen.“, worauf als Kaufort die Apotheke angegeben wird. Mit dem Verweis auf den Mediziner werden Körperhaare in das Feld des Pathologischen gerückt. Interessant ist auch der Hinweis auf die „Unschädlichkeit“ des Mittels, weil damit das Eingeständnis einher geht, dass es sich bei der Haarentfernung durchaus um einen manipulativen Eingriff in die Natürlichkeit des Körpers handelt, genossen doch zahlreiche Schönheitsmaßnahmen, die ebenfalls die Aufgabe hatten, den Körper zu manipulieren, mittlerweile einen gesundheitsschädigenden Ruf, etwa die eng geschnürten Mieder der viktorianischen Mode oder die Meidung von Sonne zugunsten nobler Blässe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine andere Werbeanzeige aus derselben Dekade wartet mit dem stilisierten Gesicht einer Frau auf, die mit dem Anlegen des Zeigefingers an die Lippen die Geste wohlmeinender Diskretion vollführt. Hier lesen wir: „Der Sommer ist gekommen. Denken Sie an die Verlegenheiten, die Ihnen jetzt lästige Haare und überflüssige Haare bringen – den kritischen Glanz in den Augen Ihrer Freunde, denken Sie an die Verlegenheiten, die Ihnen das Ballkleid oder der Badeanzug bereiten! Wollen Sie sich sofort hiervon befreien, so bestellen Sie „Haarweg Absentia“ das sie sofort und schmerzlos aller lästigen Haare entledigt.“ Auch hier gelten die Haare als „lästig“ und „überflüssig“, während ihre unerträgliche und beschämende Hässlichkeit in der Umschreibung der mitmenschlichen Reaktionen kodiert ist. Klar wird auch, dass hier andere Haare gemeint sind, als die am Nacken und über der Oberlippe.&lt;br /&gt;Diese Beispiele aus Urgroßmutters Zeiten mögen uns heute amüsieren. Zu direkt erscheint die Wahl der Worte, zu naiv und bearbeitungsbedürftig die Zielgruppe. Die Methoden und Techniken der Werbung sind diesen groben Kinderschuhen längst erwachsen und Wirksamkeit wird auf weit subtilere Weise erzeugt. Als Kontrastbeispiel soll hier die Werbekampagne des amerikanischen Haarentfernungsmittels „Nair“ unter die Lupe genommen werden24. Die Anzeigen von „Nair“ erscheinen regelmäßig in amerikanischen Magazinen für Mädchen in der Pubertät, die Zielgruppe sind also junge Frauen zwischen 12-18 Jahren. „So you're at an age when the childhood fuzz is becoming thicker and coarser hair. It's time to give some serious thought to removing it. If you've never dealt with hair removal before, it's natural to feel a little bit nervous. But you'll soon see, getting smooth, silky skin with Nair® depilatories and waxes is simple – and a fun way to treat yourself right!”&lt;br /&gt;Im Gegensatz zu den oben präsentierten Beispielen werden die potenziellen Kundinnen hier auf den ersten Blick nicht negativ, sondern positiv motiviert. Man erspart es ihnen, sich die ekelverzerrten Gesichter ihrer Freunde vorzustellen, die das Pech haben könnten, ihrer Körperhaare ansichtig zu werden. Stattdessen wird die Enthaarungsprozedur als „fun way to treat yourself right!“ dargestellt. Auf den zweiten Blick entpuppt sich auch dieser Satz als Träger von negativem Motivierungsbestreben, weil die „richtige“ Behandlung des eigenen Körpers einen Gegenspieler in der „falschen“ Behandlung hat. Und darüber, was richtig und was falsch ist, bestehen in der amerikanischen Weiblichkeitskultur feste Vorstellungen: sich selbst „richtig“ zu behandeln, setzt Selbstachtung voraus. Wer Selbstachtung hat, das heißt, wer sich selbst etwas wert ist, betreibt gewissenhaft Körper- und Seelenhygiene. Sein Wert wird sich in den Augen seiner Mitmenschen widerspiegeln. &lt;i&gt;[Fußnote: Wie aus den Inhalten beliebter Self-Help-Literatur für alle Altersklassen ersichtlich wird, gilt es als anstrebenswert, „self-esteem“, „self-worth“, „self-confidence“ usw. zu erreichen. Die Zufriedenheit mit dem erfolgreich geführten Leben steht im direkten Zusammenhang mit der Fähigkeit des Einzelnen, sich um sich selbst zu kümmern, sich selbst „gut“ zu behandeln.]&lt;/i&gt; Im Gegensatz zu dieser Haltung steht der sich selbst vernachlässigende Mensch, der müffelnde Geek, der schlecht frisierte Nerd, der weltfremde Freak, der bemitleidenswerte Loner, der abstoßende Gast am Bahnhofsausschank. Junge Mädchen aber wollen begehrenswert, selbstsicher und beliebt sein. Dank der Werbung wissen sie, dass die „spaßige“ Entfernung ihrer Körperhaare sie von wenigstens einer Stigmatisierungsgefahr bewahrt. Die Werbesätze enthalten auch gleich die Information darüber, was „natürlich“ ist am Erwachsenwerden: nämlich nicht die Behaarung, die sich vom zarten Flaum in sichtbare Haare verwandelt, sondern die Nervosität, die mit diesen Veränderungen und den Gedanken an ihre Sichtbarkeit einhergeht. Auf diese Weise wird die Pubertät zu der Herausforderung, in die natürlichen Veränderungen einzugreifen, bevor die Natur der werdenden Frau ein Schnippchen schlägt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1.3. Die Disziplinierung des reifenden Körpers.&lt;br /&gt;Für die Disziplinarmacht stellt der junge Körper mit seiner bereits vorhandenen, aber noch ungeformten und daher formbaren Sexualität einen besonders dankbaren Angriffs- und Eingriffspunkt dar. Viele Mädchen haben in den Internetforen von erfahrener Ausgrenzung aufgrund ihrer Körperbehaarung berichtet. Es ist auffällig, dass im Diskussionsforum von Scarleteen die Userinnen – obwohl im Eingangsposting des thematisch allgemein ausgerichteten Threads nicht danach gefragt – den Drang verspürten, den erinnerten Moment in ihrem Leben zu schildern, der sie dazu bewegte, sich zum ersten Mal zu rasieren. An den Eingangstoren zur Pubertät waren es die Gleichaltrigen, die den sich verändernden Körpern die neuen Regeln diktierten: „I started shaving my legs when I was 13 because the other girls in my gym class made fun of me.“ Oder: „I started shaving my legs/ underarms when I was in 6th grade, mostly as a reaction to my classmates' teasing.”, “I started because everyone else was doing it which made me embarassed to have hairy legs and arm pits.” Der erfahrene Gruppenzwang schreibt sich als Angst vor Ächtung und Ausgrenzung, ja, sogar als Angst vor sozialem Abstieg in die heranwachsenden Körper: „I too started shaving at 13 because I noticed how often fuzzy girls were made fun of. Already pretty low on the social ladder, I didn't need another "flaw."&lt;br /&gt;Amerikanische Teenager sind nicht die einzigen, die Spötteleien in der Schule ausgesetzt sind. Die deutsche Schülerin Mareike berichtet in ihrem Blog30 über eine Diskussion mit Gleichaltrigen, die sie unter der Dusche nach dem Sportunterricht verfolgt hatte. „Eine Klassenkammeradin, die sich niemals das Wort verbieten lässt, machte sich über den "Pelz" einer relativ unbeliebten Anderen lustig. Kurz darauf ging es auch schon los und von verschiedenen Seiten wurde ihr die passende Rasur empfohlen. Ich hab mich da aber konsequent rausgehalten um nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, denn auch ich könnte durchaus etwas weniger vertragen Bei der Diskussion in der Dusche standen übrigens nur "völlig blank" und als Alternative ein schmaler Streifen zur Auswahl. "Mehr" stand scheinbar garnicht zur Diskussion. Ich werde mich wohl etwas mehr anpassen müssen...“&lt;br /&gt;Nicht nur die Gleichaltrigen in der Schule sind an der gegenseitigen Disziplinierung ihrer Körper beteiligt. Sie erhalten mittäterische Unterstützung von erfahrenen Akteurinnen, die einmal selbst durch die Sanktionenhölle gegangen sind: Mütter. Gleich einem abgehärteten Soldaten, dem es gelungen ist, im Kampf seine Sensibilität abzutöten, drillen sie ihre Töchter. Und Anpassung ist das Ergebnis, weil die Möglichkeit des Widerstands als aussichtslos erlebt wird. „My mom was always on my back about how "disgusting it was", and most of my friends were the same way. I decided to shave instead of having to deal with all of the crap they were giving me.” Eine ältere Userin erinnert sich: “My mom flipped out when I came home from college that summer with hairy legs. She kept talking about my "new grooming habits...or lack thereof." She said that whenever she sees a woman who doesn't shave, she thinks of her as a weirdo hippie who's trying to make a statement, or worse (gasp!) a lesbian.” Mütter fungieren also, nachdem sie selbst der Enthaarungsdiktatur zum Opfer gefallen sind, nach erfolgreicher Disziplinierung als Machtagentinnen, die die Fortpflanzung der selbst erfahrenen Disziplinarmacht in die nächsten Generationen sicherstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1.4. Überwachen und Strafen des unangepassten Körpers&lt;br /&gt;Immer wieder taucht in den Internetdiskussionen die Aussage auf, dass es jeder Frau (und jedem Mann) selbst überlassen werden sollte, wie er mit seiner Körperbehaarung verfährt. Doch selten steht diese Toleranzbekundung für sich da, häufig wird sie begleitet vom Hinweis auf die Konsequenzen dieses Bruches mit der gesellschaftlichen Norm. Abhängig davon, wie die Person, die den Beitrag verfasst, selbst zu Körperbehaarung steht, fallen die angedrohten Konsequenzen in unterschiedliche Härtekategorien. Weil die Aussicht auf Liebe und eine erfüllte Sexualität in unserem Kulturkreis mit Attraktivität in Zusammenhang stehen, stellt der Körper für Norm- und Regelwächter eine ideale Angriffsfläche dar. Wer seinen Körper nicht den herrschenden Schönheitsidealen unterwirft und sich den zu ihrer Erreichung nötigen Manipulationsprozeduren unterzieht, verspielt mit seiner Nachlässigkeit die Attraktivität, die eine Voraussetzung zur Stillung des menschlichen Bedürfnisses nach Liebe und Anerkennung darstellt. Schon ein harmloser Flirt im erotischen Whirlpool-Ambiente hat nur zwischen zwei Enthaarten die Chance, statt zu finden: „Ich find's so grausam, wenn man schwimmen ist und im Whirlpool sitzt und zu einem steigt dann ein Typ rein, der seine Arme auf den Rand legt und aus den Achseln sprießen die Haare....wäh....dann bin ich weg...“ Die Drohungen sind besonders bei Heranwachsenden wirksam, die in der Phase der körperlichen und psychischen Veränderungen besonders empfänglich für Verletzungen sind. So lesen wir auch bei „Scarleteen“: „no guy wants to date a girl with little hairs sticking out from under places”. Mag in jungen Jahren bereits die “dateability” gefährdet sein, mit dem Vordringen in Gebiete der sexuellen Entdeckungen wird sich dem Körperhaarrebellen auftun, dass die nicht entfernte Körperbehaarung auch die Aussicht auf gelebte Körperlichkeit beeinträchtigt, wenn sie diese nicht gar gänzlich verhindern wird: “jeder kann es ja halten wie er oder sie will.. aber muss dann eben die konsequenzen tragen. und damit leben, dass diverse dinge dann eben nicht mehr laufen im bett.“ Oder: „Ich finde Körperbehaarung und ganz besonders im Intim Bereich eklig. Ich akzeptiere natürlich auch behaarte Menschen, aber nicht in meinem Bett“. Und wenn man nicht vorher darüber geredet hat? Dann wird die Abneigung des Begierdeobjektes der Behaarten nicht bloß als dezente Geste von Geschmacksdifferenz offenbar, nein, der Körper als biologische Fortpflanzungseinrichtung macht einfach nicht mit: „Ich kann dir sagen wenn ich eine Frau kennenlernen würde die nicht rasiert wäre, dann sprechen wir über "Ladehemmungen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Menschen, der seiner Behaarung wegen auf die Liebe verzichten muss, kann die Normenpolizei belächeln oder auch bemitleiden. Solange sich seine abstoßende Wirkung nur auf potenzielle Geschlechtspartner beschränkt: hier, in den eigenen vier Bettbrettern, sind die Konsequenzen des Regelbruchs Aushandlungssache. Anders sieht es aus, wenn der behaarte Mensch sich an einen öffentlichen Ort begibt. Zum Beispiel ins Freibad, das wegen seiner Kleiderordnung die Körperbehaarung den Blicken der Badeanstaltsbesucher ausliefert. Eine Bademeisterin merkt an: “many small children (and some of the teenagers I've encountered) would be shocked to see a woman with body hair showing.” Der behaarte Mensch wird zum Exhibitionisten, zum Perversen, zum buchstäblichen Träger der Obszönitäten, die man seinen Kindern ersparen möchte, bis sie alt genug sind, solcherlei Schockerlebnisse zu verarbeiten. Es ist bezeichnend, dass die Verfasserin des haarfeindlichen Beitrags ausgerechnet die Kinder zum Teil ihrer Argumentation macht, sind „unsere Kinder“ doch das Stichwort schlechthin, ungezähmt aggressive Gefühle gegenüber Devianten zu wecken.&lt;br /&gt;Die Toleranz, die man behaarten Menschen zuteil kommen lässt, ist zuweilen dieselbe, mit der man die Existenz sexueller Perversionen zur Kenntnis nimmt. Das macht der folgende Beitrag deutlich: „Es zwingt einen niemand und wenn ihr wie die Affen rumrennen wollt, fein, tut es einfach. Gibt ja Typen die drauf stehen sich an irgendwelchen Schamhaaren zu verschlucken und im pissegetraenkten Urwald spazieren zu gehen. Jedem seinen Spass.“38 Man kann sich ausmalen, welche Wirkung solche Aussagen auf Menschen haben, die mit dem Gedanken spielen, sich dem Schönheitsideal des enthaarten Körpers zu verweigern, denn es handelt sich – glaubt man den Reaktionen und Wertungen, denen man hier begegnet – eben nicht um eine modische Entscheidung, nicht um eine Geschmacksentscheidung. Es ist die Entscheidung für oder gegen die Gesellschaft, die Entscheidung für oder gegen Zivilisation, schließlich die Entscheidung für oder gegen „den Menschen“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;II. ZWISCHEN EKEL UND FETISCH : NATÜRLICHKEIT IM SPANNUNGSFELD VON ATTRAKTION UND AVERSION.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2.3. Die diskursive Inszenierung des Ekels&lt;br /&gt;Die australischen Psychologinnen Tiggemann &amp; Lewis haben die Einstellungen gegenüber weiblicher Körperbehaarung und die damit verbundenen Ekelpotenziale psychologisch untersucht.39 98% der teilnehmenden Frauen gaben an, sich regelmäßig an Beinen und/oder Achseln zu rasieren. Diese Frauen wurden im ihnen ausgehändigten Fragebogen aufgefordert, den Grund für ihre Rasur anhand von vorformulierten Items anzugeben. Die Frauen sollten ebenfalls angeben, weshalb sie glaubten, dass andere Frauen sich rasierten. Auf diese Weise haben Tiggemann &amp; Lewis sowohl das subjektive Erleben der Frauen als auch die von ihnen verinnerlichten objektiven Strukturen erfassen können. Mit den Ergebnissen gestellter Assoziationsaufgaben konnten die Forscherinnen bestätigen, dass nicht entfernte Körperbehaarung mit Gefühlen des Ekels einhergeht. Das wirklich interessante Ergebnis der Studie offenbarte sich jedoch erst im Vergleich der Angaben zur Motivation der Frauen, sich zu rasieren, und Motiven, die diese Frauen anderen Frauen unterstellten. Die überwiegende Mehrheit der Frauen nannte „feminine/attractiveness“ als Grund für ihre eigene Rasurpraxis, hingegen wurden „social normative reasons“ anderen Frauen als Motivation unterstellt. „Thus, women interpret others’ behaviours as due to normative pressures, in a way they do not do so for their own. […]. It appears that women can recognize the normative pressures on them in general to shave, but are unwilling to accept this as the rationale for their own specific behaviour.” Tiggemann &amp; Lewis ist es vorzüglich gelungen, anhand empirischen Materials den Verdacht zu wecken, dass soziale Normen, die sich jenseits des individuellen Körpers ausbilden, subtil verinnerlicht werden, dass sie ummodelliert und übersetzt werden in Körperlichkeit. Erst derart in den Körper eingeschrieben, können sie sich stabilisieren und reproduzieren. Ihre sozial gesetzte Natur wird so weit verleugnet, wie sie den Willen zur Auflehnung untergräbt.&lt;br /&gt;Meine Internetrecherche konnte bestätigen, dass Ekel die Reaktion ist, die am häufigsten in Verbindung mit Körperhaaren empfunden wird.&lt;br /&gt;Der Ekel gegenüber Schambehaarung wird nicht nur explizit als solcher benannt („Also ich find Schamhaare E-K-E-L-H-A-F-T, ich find das echt abstoßend“), er wird auch umschrieben mit Körperreaktionen, die man unter der Annahme, dass Ekel nicht auch ein sozial konstruiertes Gefühl ist, nur erwarten würde, wenn das Objekt des Ekels tatsächlich schädlich für den Körper wäre, wie etwa Exkremente, Erbrochenes, faulendes Essen, Schimmelpilz, usw. Einige Beispiele:&lt;br /&gt;„muss schon beim gedanken an eine behaarte arschritze würgen.“&lt;br /&gt;„bei dem Anblick könnte ich grad kotzen......sowohl bei Männern als auch bei Frauen.......und erst das ewige Rumgepule nach Haaren zwischen den Zähnen ....igittigitt !!!!!“&lt;br /&gt;„wahrscheinlich würd ich dann auch wügreize kriegen! rasieren ist ein absolutes muss für mich!!!“&lt;br /&gt;„Richtig viel Schmahaar....da kommt mir grad das Kotzen. Sorry, aber das geht schon seit den 80ern nicht mehr........pfui Deibel.“&lt;br /&gt;Der Ekel steht in Zusammenhang mit Scham und dem Wunsch, diejenigen zu bestrafen, die den Ekel erregen. Eine Frau berichtet:&lt;br /&gt;„also bei mir im bekanntenkreis gibts en mädel(nennen wir sie einfach anna b.), mit der geh ich öfter ma schwimmen und so,also die hat echt mega die schambehaarung, ich schäme mich auch manchmal für sie, weil es einfach abartig ist und grade wenn sie aus dem wasser kommt sieht man das alles noch so sehr. ich hab ihr das auch schon oft gesagt, aber sie meinte sie würde gerne so bleiben wie die natur sie geschaffen hat. ich meine ich verstehe das nicht, aber ich akzeptiere das.“&lt;br /&gt;Eine andere warnt: „finger weg vom schamhaar! schämen!!“ Körperhaare werden auf diese Weise in eine Reihe mit Benimmregeln gestellt, die zu brechen unser anerzogenes oder erst zu erlernendes Schamgefühl zu verhindern weiß. Haben die Begründungen für den empfundenen Ekel einen rationalen Kern? Es scheint, als wären die Körperausscheidungen, die in Kontakt mit dem Intimbereich kommen, das entscheidende Argument, als wäre die Hygiene der Grund für die Forderung nach Enthaarung: „rasiert is echt mal ein muss. bäh, was da alles drin kleben würde... echt nicht schön“, „Es gehört einfach zu einer guten Körperpfelge das man korrekt rassiert ist.“, „Haare im Intimbereich sind meiner meiner Meinung nach abartig und unhygienisch. Wenn ich mir manche Frauen im Schwimmbad oder in der Sauna anschaue, kann es einem doch echt vergehen.“ Inwieweit diese Einwände berechtigt sind, wird in Teil III diskutiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2.2. Der haarige Fetisch: Naturliebe als Perversion?&lt;br /&gt;Dass Schambehaarung universell unästhetisch sei, widerlegen die Aussagen von Männern, die ihr positiv gegenüberstehen. Ihre Bekenntnisse gelten in Internetdiskussionen jedoch den Gegnern als Bekenntnisse zum Fetisch: „dass es in diesem Forum so viele Haar-Fetischisten gibt, hätt ich nicht gedacht“. Die Männer selbst apostrophieren ihren Fetischismus häufig, und zeigen damit, dass sie sich über die Stigmatisierung ihrer Attraktion bewusst sind, aber ihre Empfindungen als zu natürlich empfinden, um sie als Fetisch zu deklarieren. Durch die Fetischisierung von außen wird diskursiv sichergestellt, dass die Norm als solche unhinterfragt und damit unerschüttert bleibt. Mittels solcher Feststellungen wird suggeriert, dass es sich bei der Attraktivitätsempfindung der Schamhaarbefürworter um eine sexuelle Abweichung handelt. Dass diese Männer in die „Schmuddelecke“ gedrängt werden, überrascht vor allem auf dem Hintergrund ihrer Rechtfertigung. Argumente für Schambehaarung, die immer wieder auftauchen, sind der Wunsch nach einer „richtigen“ Frau, die persönliche Bejahung der Natur und die Ablehnung von Pädophilie und jeglicher Assoziationen mit einem kindlichen Körper &lt;i&gt;[Fußnote: „Rasierte Muschis sehen aus wie große Kindermuschis, vollkommen unerotisch.“, „Sieht aus wie bei einem Kind (no way)“, „Ich finde rasiert meist total überflüssig, da Kindchen-machend, ich aber will keine Kindfrau oder einen Teen im Bett, ich liebe eine richtige Frau (oder mehrere).“]&lt;/i&gt; Ferner gilt die behaarte Scham aufgrund ihrer verhüllenden Funktion, die die Frau mit einem Geheimnis ausstattet, als besonders erotisch. &lt;i&gt;[Fußnote: „Ich finde es einfach aufregend wenn die Schamhaare mehr verbergen als zeigen...“, „Haare üben auf uns einen optischen Reiz aus, ich (M) finde es erotisch wenn aus dem Bikinihöschen ein paar vorwitzige Haare hervorlugen oder die dort verborgene Haarpracht sich deutlich abzeichnet. Auch Achselhaare, helle Haare an Unterarmen und dünne Härchen an den Beinen die im Gegenlicht glitzern haben auf mich diese erotische Wirkung. Auf unsere W haben Brust- und Beinhaare der Männer die entsprechende Anziehung. Das alles macht neugierig auf mehr..."]&lt;/i&gt; Auffällig ist, dass einige Schamhaarbefürworter sich offensichtlich bereits tief schürfende Gedanken über ihren „Fetisch“ gemacht haben. Damit stehen sie im deutlichen Kontrast zu denjenigen, die es bei knappen, unreflektierten Ekelbekundungen belassen. &lt;i&gt; [Fußnote: Ein Mann liefert einen Beitrag von beinahe naturdichterischer Qualität:&lt;br /&gt;„Ich bin auch ein Verehrer von natürlich weiblichen Körperlandschaften. Doch meine Neigung gilt mehr einer fruchtbaren, gut bewässerten Oase, in der die Gräser saftig Grün und prachtvoll wachsen. Weniger der kargen Steppe, in welcher hier und da vereinzelte Sträucher verdorren. Die Landschaften sind mannigfaltig. Umso erfreulicher ist es, dass ich mich vor einigen Jahren in die prachtvoll gewachsenen langen Gräser eines unschuldigen Mädchens betten durfte, deren Unbedarftheit sie noch nicht an die Moden der dekadenten Kosmetik-Welt hatte denken lassen. In solchen Momenten, da ich den Glanz der lustvoll geschwungenen Linien betrachte, wird mir die Perfektion der Natur bewusst. Eine Perfektion, die der Mensch stets zu imitieren oder gar zu verbessern sucht. Doch so unbeherrschbar wie das Wetter, so unerreicht ist natürliche Perfektion.“]&lt;/i&gt; Es scheint, als würde das Bekenntnis zur Natürlichkeit eine besondere Begründung erfordern, die diese abweichende Attraktion entschuldigt.&lt;br /&gt;Eine andere Art, mit attraktiver Körperbehaarung umzugehen, findet man in „queeren“ Kontexten, z.B. in Diskussionen von Lesben. Zwei dominierende Gründe für die Attraktion lassen sich dabei herausarbeiten. Zum einen die Präferenz für androgyne Körper. Die Neigung, sich nicht mit dem gesellschaftlich definierten Weiblichkeitsbild zu identifizieren, schlägt sich in der Bejahung von geschlechtlicher Uneindeutigkeit nieder: „androgynous peopple have just always been particularly appealing to me“. Der Verweis auf Androgynität bzw. Transsexualität spiegelt dabei das bestehende Bild von Weiblichkeit wieder. Die Frau gilt qua Geschlecht als „das Unbehaarte“, der Mann als „das Behaarte“ (zumindest noch), eine Kombination von beiden wird in dieser Logik also als Zweigeschlechtlichkeit identifiziert. Zum anderen deutet man die Körperbehaarung der Frau im lesbischen Kontext als Zeichen für Stärke, Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit; eine Userin beschreibt die Behaarung einer Frau, die sie im Fernsehen gesehen hatte, als „a very serious bravery to break convention, a lack of fear about her own physical eccentricities, a pride in herself based ON herself. She was just astounding. I'll never forget her.” Auch diese Attraktion speist sich aus der kritischen Einstellung zum traditionellen Rollenbild der Frau als Person, die ihr Selbstbewusstsein und ihr Körpergefühl von den (real existierenden oder bloß angenommenen) Wünschen von Männern unterwirft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2.3. Wolfskinder und geschorene Erwachsene&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außerhalb der sexuellen Fetischisierung des Schamhaars in einschlägigen Erotik-Foren und ihrer quasi-religiösen Fetischisierung im queeren Kontext finden sich virtuelle Gruppierungen von Schamhaarfreunden, die das Thema über seine sexuelle und ideologische Dimension hinaus diskutieren und inszenieren. Es gibt im Studentennetzwerk „StudiVZ“ eine Gruppe mit dem Namen „lasst es wachsen! nein zur intimrasur“. In dieser Gruppe gibt es einen Thread, in dem die Mitglieder Bilder von ihren eigenen (!) behaarten Geschlechtsteilen einstellen. Was verstörend wirkt, ist ebenso wie die Tatsache, dass sich einander fremde Menschen – in einem nicht explizit sexuellen Kontext – voreinander entblößen, das völlige Fehlen von Schmuddel und Anzüglichkeit. Man gewinnt den Eindruck, dass die behaarte Scham nur noch bedingt etwas mit Erotik zu tun hat. Die Schamhaarbilder der Gruppenmitglieder werden präsentiert wie selbstgestrickte Kopfbedeckungen. Mit derselben erotischen&lt;br /&gt;Gleichgültigkeit. Das Schamhaar wird entsexualisiert, sein Anblick, seine Preisgabe wecken keine Sexualscham, im Gegenteil, die Schambehaarung legitimiert die Bloßstellung: sie verharmlost das Geschlechtliche. Ich musste bei den Aufnahmen und den zugehörigen Anmerkungen an einen kleinen Fotoband denken, der vor einigen Jahren als künstlerische Beilage im SPEX Magazin zu finden war. Es handelte sich um eine Fotoreihe, in der die Fotografin ihren Alltag in der Kölner Tristesse dokumentierte. Zwischen die Abbildungen von urbaner Hässlichkeit flicht sie kleine niedliche Szenen aus ihrem Privatleben. Darunter auch ein Bild, das sie im Liegen von ihrer behaarten Scham gemacht hatte. Auch dieses Foto wirkte alles andere als deplaziert in der Zusammenstellung. Es vermittelte den Eindruck von häuslichem Frieden und unschuldiger, kindlicher Spielfreude. Die Körperhaare werden auf eine Weise inszeniert, die sie zum Inbegriff der Unschuld werden lässt. Das ist interessant und erklärungsbedürftig, weil doch eigentlich der rasierte Schambereich Assoziationen an Kindheit und Unreife wecken sollte. Man könnte diese Dissonanz auch so umschreiben: während die infantile Verspieltheit junger subversiver Erwachsener eine Mode hervorbringt, in der das innere Kind wieder „Bärchen“ trägt, rasieren die Heranwachsenden im Pubertätsalter umso kräftiger, je mehr sie nach Erwachsenen aussehen wollen.56 Es kommt also zu einer Umwertung des behaarten Geschlechtsteils, indem die Konnotationen von rasiert und unrasiert einfach gegeneinander ausgetauscht werden. Man könnte daraus folgern, dass die Notwendigkeit der Rasur sich gegen alle Widerstände hinweg, etwa den Pädophilie-Vorwurf, durchsetzen will.57 Der Mensch konstruiert heute seine leibliche Sexualität, indem er in die Natürlichkeit seines Körpers eingreift. Die Weigerung, den Prozess der Selbst-Sexualisierung zu durchlaufen, wird verstanden als subversives Statement gegen das Erwachsenwerden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;III. ARGUMENTE AUF DEM PRÜFSTAND&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ästhetik“ und „Hygiene“ um den Preis von Ästhetik und Hygiene?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ästhetik der rasierten Scham und der angenommene hygienische Vorteil fungieren neben dem Verweis auf das Zeitgemäße als beliebteste Argumente gegen Intimbehaarung. Aber wie valide sind diese Argumente? Mit Sicherheit mögen Frauenbildnisse auf Leinwand oder retuschierte, mit Weichzeichner verfremdete Nacktfotografien eine ästhetische Wirkung auf den Betrachter ausüben. Ob sich diese idealisierten Körper in ihrer Formschönheit und Glätte, in ihrem himmlischen Glanz, auch auf dem hell ausgeleuchteten Boden der Tatsachen finden lassen, erscheint fraglich angesichts der Nebenwirkungen, die eine Schamrasur mit sich bringt. Die einzige Enthaarungsmethode, die das gewünschte Ergebnis erzeugen könnte, ist die Anwendung einer Enthaarungscreme, die aufgrund der darin enthaltenen Substanzen nicht für die Entfernung von Haaren im Intimbereich geeignet ist. Als Alternativen verbleiben Nassrasur und „Brasilian Waxing“, bei dem unter großen Schmerzen Schamhaare mittels Heißwachs entfernt werden. Die Nassrasur mit der Klinge kann Schnittverletzungen zur Folge haben. Die Klinge gleitet hier nicht in einem Rutsch über die Haut, wie das bei der Enthaarung muttermalloser Beine der Fall ist, sondern muss sich den Herausforderungen von Körperregionen stellen, die anatomisch wesentlich verwinkelter und unebener sind. Die Gefahr einer Verletzung ist somit stark erhöht. Damit einher geht auch die Gefahr einer Entzündung der Schnittwunden, in unglücklichen Fällen kann die Bildung von Abszessen das Ergebnis sein. Nach der Intimrasur können sich Pusteln und Pickel bilden: die Haut reagiert mit Abwehr. Eingewachsene Haare gehören ebenso zur dieser „Schönheit“, die ohne Leid nicht sein kann. Einmal entstandene Rasurpickelchen sind dann bei nachfolgenden Rasuren gefährdet, von der Klinge erneut geöffnet zu werden und der nach Ästhetik und Hygiene strebenden Frau blutige optische Reize zu bescheren. Damit die Frau in ihrem Leid nicht verzagt und um ihr die Frustration zu erleichtern, hat die Enthaarungsindustrie Beruhigungsmittel entwickelt, die sie – um den Schmerz zu mildern – auf die irritierte Haut auftragen kann. Der beschriebene Leidensweg aus Blut und Eiter ist allen Rasur praktizierenden Frauen bekannt. Eine Frau wendet sich mit ihrem Problem ans Brigitte-Forum: „Ich habe schon viele Möglichkeiten der Schamhaarentferunung ausprobiert: Rassieren, mit der Pinzette entfernen, Enthaarungscreme. Und immer war das Ergebnis, irritierte, entzundene Haut, eingewachsene Häärchen und Pickel. Bei den Nachrasuren immer wieder das Gleiche: jedes mal fangen die Pickelchen das Bluten an, die Stellen, wo die die Häärchen aus der Haut befreit werden, entzünden sich noch mehr, irritierte Haut. Irgenwie krieg ich das nicht mehr weg, aber es muss doch ein Lösung geben??? Weil schön sieht DAS wirklich nicht aus.“ Qudo vadis, Ästhetik? Quo vadis, Hygiene? Berichte wie diese sind kein Einzelfall. Aber immer noch, mit einer erstaunlichen Sturheit, wissen die gescheiterten Frauen zu verteidigen, was sie wollen bzw. was sie nicht wollen: Haare, wo sie angeblich nicht hingehören. Dass die Schambehaarung eine Schutzfunktion erfüllt, indem sie Bakterien daran hindert, in empfindliche Zonen einzudringen, lässt das Hygiene-Argument unberührt. Stattdessen wird den Schamhaaren die Funktion unterstellt, „schädliche“ Substanzen magisch anzuziehen. Etwa Urin, Menstruationsblut, Scheidenflüssigkeit, Kot, ganz so, als wäre Frauen der Gebrauch von Wasser zur Körperreinigung gänzlich unbekannt, als wären sie Tiere, die mit ihren unkontrolliert Revier markierenden, Übelgerüche verbreitenden Körperausscheidungen überall für Pestgefahr sorgten. Diese Argumentationsstruktur erscheint besonders absurd im Kontext sexueller Rechtfertigung, da beim Geschlechtsakt bekanntermaßen keine Sterilisationsmechanismen des Körpers bekannt sind, die bei der Umschlingung zweier Körper in Gang treten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Sex-Argument&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie valide ist das Argument der Schamhaarkritiker, dass Schamhaare sich der Erotik in den Weg stellen? Sowohl auf ästhetischer als auch auf praktischer Ebene (Oral-Sex) wird das Vorhandensein von Schamhaaren als „Abtörner“ dargestellt. Im Wikipedia-Artikel zu „Körperbehaarung“ jedoch heißt es: „Haare vergrößern nicht nur die Oberfläche des Körpers, sie verstärken auch die Sensibilität der Haut. Es gibt manche Körperstellen, die durch Streicheleinheiten erotisch gereizt werden - man spricht von erogenen Zonen der Haut. Berührt man nun die Haare, wird dieser so genannte taktile Reiz wegen der vergrößerten Oberfläche um ein Vielfaches verstärkt. Die Haare leiten die Berührung an die Haut weiter, wo es zu einem Verstärkereffekt kommt.“&lt;br /&gt;Körperhaare stellen, wie wir am Beispiel der „Haarfetischisten“ gesehen haben, durchaus einen erotischen Reiz dar. Vielfach wird argumentiert, dass Pheromone, die über den Schamschweiß abgegeben werden, ihre Wirkung besser entfalten können, wo Schamhaare wachsen. Es geht also um den geschlechtsspezifischen Duft, der das erotische Erleben mancher Menschen verstärken kann: „Ich habe beim lecken festgestellt, dass Frauen mit Schamhaar wesentlich mer nach "FRAU" riechen als solche die rasiert sind. Und in 95% der Fälle riecht das ziemlich antörnend.“&lt;br /&gt;Häufig wird auch die intensivierende Wirkung von Schamhaaren genannt: „Ich liebe das Gefühl von dichter und langer drahtiger Schambehaarung gestreichelt zu werden und solche zurück zu streicheln. Das überwiegt bei mir.“60, „Von mir aus kann es ruhig Wildwuchs sein. Ich habe dabei auch keine Vorbehalte gegen Oralverkehr. Ich mag es wenn mich lange drahtige und dicht Schambehaarung im Gesicht kitzelt. Das reizt mich zusätzlich neben der Optik und dem Gefühl darin rumzuwühlen.“ Dass Schamhaare nichts mit Erotik zu tun hätten, kann also ebenfalls als widerlegt gelten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;IV. ENTHAARUNGSPRAXEN UND ZIVILISATIONSPROZESS&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie in der kritischen Ausleuchtung des diskursiven Phänomens „weibliche Körperbehaarung“ deutlich wurde, sind die Argumente, mit denen Körperhaargegner ihre Aversion verteidigen, nicht oder nur bedingt haltbar. Es konnte gezeigt werden, dass Ästhetik ein fragliches Konzept zur Beschreibung der rasierten Frau darstellt, betrachtet man den Schamhügel der Durchschnittsfrau, die mit Schnittwunden, Pickeln und eingewachsenen Härchen nicht mit einer engelsgleichen Skulptur mithalten kann. Dass sie einen hygienisch anstrebenswerten Vorteil dadurch hat, konnte ebenfalls wiederlegt werden. Einerseits sind Verletzungen das Musterbeispiel für hygienische Gefährdung, andererseits kann man auch auf die Schutzfunktion von Schamhaaren verweisen, auf dessen Genuss die Rasierte fortan verzichten muss. Auch das Sex-Argument kann uns nicht überzeugen. Es scheint, als würde bloß eine Empfindung gegen eine andere Empfindung eingetauscht, und nicht, wie manche Aussagen es suggerieren, das Unerotische gegen das Erotische, das Gefühlshemmende gegen das Gefühlsenthemmende. Lediglich der Präferenz für rasierte Geschlechtsteile im Kontext von Oralsex-Praktiken mag man eine gewisse Plausibilität bescheinigen. Wir konnten darüber hinaus feststellen, dass es sich bei den Begründungen für Aversion nicht um eine bloße Geschmacksfrage handelt. Denn wenn es so einfach wäre, würde das Thema keinen so kontrovers behandelten Diskursgegenstand bilden. Es geht bei der Aushandlung der Legitimität von Schambehaarung um eine normative Frage, um eine moralische Frage, um eine Frage nach dem Menschen selbst und seiner Verortung in der Gesellschaft.&lt;br /&gt;Es stellen sich nach dieser Betrachtung einige Rätsel: wenn die Argumente, die vorgebracht werden, aus dem rational-pragmatischen Blickwinkel nicht valide sind, verschleiern sie die wahren Gründe? Wenn sie es tun, muss gefragt werden, welcher Natur diese Gründe sind und warum sie von vorgeschobenen Gründen (Ästhetik, Hygiene, Sexualempfinden) verschleiert, falls sie überhaupt bewusst werden.&lt;br /&gt;Elias hat in seinem bekanntesten Werk „Über den Prozess der Zivilisation“ nachweisen können, dass das, was wir heute als Anstand schätzen und einander abfordern, sich seit dem Mittelalter (16. und 17. Jahrhundert) fortschreitend konstituiert hat. Der Prozess, der hinter diesen Entwicklungen steht, ist maßgeblich dadurch gekennzeichnet, dass Menschen aus Gründen des persönlichen Vorteils gezwungen waren, ihr Verhalten und ihre körperlichen Bedürfnisse zu beherrschen und zu zügeln. Elias hat, um diese besondere Entwicklung zu illustrieren, hauptsächlich die Etappen, die sich in mittelalterlichen Benimmbüchern und Tischzuchten spiegelten, untersucht, und konnte anhand ausgewählter Beispiele zeigen, dass Gefühle wie Scham und Peinlichkeit gegenüber den natürlichen Vorgängen des Körpers beständig zunehmen. Diese Stärkung selbstregulierender Mechanismen geht mit einer Zunahme des Ekelempfindens einher. Nach Elias ist die zunehmende Tabuisierung bestimmter Verhaltensweisen für die (ups, hier fehlt wohl Text.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Prinzip lässt sich auch auf den gesellschaftlichen Umgang mit Körperbehaarung anwenden. Neben der Herstellung eines dem Menschen auch virtuell bewusst werdenden Interdependenzgefüges über die Werbung und andere Medienbotschaften, spielt die Allgegenwart des Internets auf dem Hintergrund der Globalisierung gewiss eine nicht zu unterschätzende Rolle. Über dieses Medium können beispielsweise Botschaften aus den USA über Dos&amp;Don’ts der Herstellung des attraktiven Körpers auf direktem Wege zu uns dringen. Der öffentliche Diskurs ist für alle einsehbar, nicht umsonst habe ich Diskussionen in Internet-Foren zum Schwerpunkt meiner Untersuchung gemacht. Dem modernen Menschen fällt es leichter als früher, sich gesellschaftliche Regeln und Normen einzuverleiben. Waren seine Unsicherheiten früher Anlass, einen vertrauten Menschen um Ratschläge und Meinungen zu bitten, Ratgeberliteratur zu lesen oder sich auf das Kopieren des Verhaltens seiner nächsten Umgebung zu verlassen, „ergoogelt“ er sich heute die Antworten auf seine Fragen und landet in Diskussionsforen, die ihn aus den Sicherheiten seines sozialen Umfelds hinausheben in einen sehr viel größeren Zusammenhang, der die Ansichten von ganz unterschiedlichen Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund vereint, wobei jedoch selten der Eindruck von Meinungspluralität entsteht. Kommunikativ wird ein Konsens hergestellt, bei dem das Legitime vom Illegitimen getrennt wird, und der sich schließlich in der sozialen Praxis, hier: der sozialen Praxis der Körpermanipulation, niederschlägt. Der Mensch, der nach Orientierung sucht, hat es also mit der „ganzen Welt“ zu tun. Selbiges lässt sich für die Partnersuche feststellen. Nachdem alternative Lebensentwürfe das Bild der in sich geschlossenen Kleinfamilie abgelöst haben, gewinnt der „Single“ gesellschaftliche Akzeptanz. „Single sein“ bedeutet heute nicht mehr ein Leben in der Abwesenheit einer geistig-sexuellen Beziehung, sondern ist häufig ein Synonym für Polygamie, oder zumindest für das Bewusstsein unendlicher Auswahloptionen auf dem Paarungsmarkt. Wer einen Partner sucht, kann das Internet zurate ziehen und die verfügbaren „Menschenräume“ nach den passenden Möglichkeiten absuchen. Mit Online-Dating und der Anonymität der Kontaktaufnahme geht aber eben auch einher, dass sich der Verlauf derselben nicht ohne weiteres kalkulieren lässt. Der anonyme Andere fordert uns ab, dass wir uns auf möglichst viele „Überraschungen“ einstellen müssen. Mit Elias gesprochen ist dabei derjenige im Vorteil, der „seine Affekte zu dämpfen vermag“, und das bedeutet für unser Beispiel, dass wir, im Unklaren darüber, mit wem wir es zu tun haben, im Vorteil sind, wenn wir unser Verhalten an einem gesamtgesellschaftlichen Standard ausrichten müssen, um das Risiko, unattraktiv zu wirken, kleinstmöglich zu halten.&lt;br /&gt;Der Begriff des „Affektes“ muss jedoch modifiziert werden. Affekte, wie Elias sie versteht, haben wir unlängst gezähmt und unter Kontrolle gebracht. Aber weil die Entwicklung weitergeht, weil der Zivilisationsprozess nicht stehen bleibt, müssen andere Wege gefunden werden, den Grad der Zivilisiertheit zu steigern. Die Entfernung der Körperbehaarung ist ein Beispiel dafür, wie die Natur über Triebe und Emotionen hinaus gezähmt werden kann. Nach der erfolgreichen Zähmung der Triebe muss das Äußere des Körpers unter Kontrolle gebracht werden. Die Zivilisiertheit muss sichtbar gemacht werden, und zwar bis in die intimsten Bereiche hinein. Verwendeten unsere Vorfahren noch Zeit und Energie darauf, körperliche Ausscheidungsvorgänge und Sexualtriebe zu leugnen, so ist es heute die sichtbare Natürlichkeit, die geleugnet werden will. Der Mensch will die letzten Anzeichen dafür ausmerzen, dass er vom Affen abstammt. Nichts darf darauf hinweisen, dass wir Produkte einer Natur sind, die uns in der Hand hat. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass zumindest der Eindruck entsteht, wir hätten sie in der Hand. Wir haben gesehen, was Elias meinte, als er davon schrieb, „wie jeder Einzelne auch von klein auf dazu gedrängt [wird], die Wirkung seiner Handlungen oder die Wirkung der Handlungen von Anderen über eine ganze Reihe von Kettengliedern hinweg zu bedenken.“ (s.o.). Werbung, Medien und Sozialisation durch prüfende und strafende Blicke, weitergegebene Erziehung und öffentlichen Diskurs stellen sicher, dass schon junge Menschen über die Konsequenzen dieser mangelnden „Körperhygiene“ erfahren und eine körperliche Aversion entwickeln, die rational nicht nachvollzogen werden kann. Es ist charakteristisch für die Veränderung des psychischen Apparats, „dass die differenziertere und stabilere Regelung des Verhaltens dem einzelnen Menschen von klein auf mehr und mehr als ein Automatismus angezüchtet wird, als Selbstzwang, dessen er sich nicht erwehren kann, selbst wenn er es in seinem Bewusstsein will.“ Fremdzwänge werden zu Selbstzwängen. Sie werden zu Neurosen, denen nicht anders begegnet werden kann als durch Anpassung an das geforderte Verhalten, das geforderte Aussehen. Die Erziehung zu Ekel ist dabei ein mächtiges, obgleich paradoxes Mittel: indem nämlich eine „natürliche“ Reaktion auf Körperhaare hergestellt wird, wird Aversion gegen Natürlichkeit erzeugt. Es kommt, wenn man so will, zur Rationalisierung des Natürlichen durch Naturalisierung des Normativen. Dem Abweichler bleiben angesichts heftiger Ekelreaktionen seitens der Gesellschaft kaum Handlungsoptionen, die nicht durch Ablehnung bezahlt werden müssten. „Heute legt sich der Ring der Vorschriften und Regelungen so eng um den Menschen, die Zensur und der Druck des gesellschaftlichen Lebens, die seine Gewohnheiten formen, ist so stark, dass es für den Heranwachsenden nur eine Alternative gibt: sich der gesellschaftlich geforderten Gestaltung des Verhaltens zu unterwerfen oder vom Leben in der „gesitteten Gesellschaft“ ausgeschlossen zu bleiben.“&lt;br /&gt;Die „civilité“, die Höflichkeit, war im von Elias beschriebenen Mittelalter ein Mittel zur Affektbändigung und diente als Instrument im Prestigekampf, in dem der Einzelne zu Hofe seine Stellung zu sichern trachtete. Um die hierarchische Differenz zu betonen, veränderten der König und die Aristokratie die Regeln der Civilité und des Savoir-vivre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine These ist, dass die Enthaarungspraxis nichts anderes ist als ein moderner Ausdruck dieser „Höflichkeit“ zur Maximierung des eigenen Vorteils im Geflecht von Interdependenzketten, also letzten Endes das Produkt des Zivilisationsprozesses. Dass die Entfernung von Körperhaaren tatsächlich zum „Anstand“ gehört, belegen die zahlreich geäußerten Anmerkungen, dass beispielsweise die Rasur des Intimbereiches eine „Selbstverständlichkeit“ sei. Offenbar handelt es sich bei der Rasur um eine Umgangsform, die für viele Menschen heute den Status guter Manieren besitzt, denn der empörte Hinweis auf die „Selbstverständlichkeit“ eines Verhaltens wird eben häufig dort gemacht, wo mit den Regeln der Höflichkeit gebrochen wird. Dass man sich für ein Geschenk bedankt, ist eine Selbstverständlichkeit. Dass man Rücksicht auf die Krankheit eines Freundes nimmt, ist eine Selbstverständlichkeit. Und es ist auch die Rücksicht auf das anonyme oder konkrete sexualisierte Gegenüber, das die Rasur des Intimbereiches gebietet. In diesem Sinne bedeutet der Bruch mit der Norm Rücksichtslosigkeit, Egoismus, den Mangel an Feingefühl, gar das Fehlen sozialer Kompetenzen.&lt;br /&gt;Im Kapitel über das Überwachen und Strafen des behaarten Körpers habe ich die Bademeisterin erwähnt, die um das Wohl der kleinen Freibadbesucher besorgt war, die Gefahr liefen, von einem behaarten Badegast in einen Schockzustand versetzt zu werden. Die Rücksicht, die man zu nehmen hat, wird also ausgeweitet auf die gesamte Gesellschaft. Stets präsent sind die prüfenden Blicke, die strafenden Gesten. „Die verstärkte Neigung des Menschen, sich und andere zu beobachten, ist eines der Anzeichen dafür, wie nun die ganze Frage des Verhaltens einen anderen Charakter erhält: Die Menschen formen sich und andere mit größerer Bewusstheit als im Mittelalter.“ Daraus geht hervor, dass es um mehr geht als die durchaus nachvollziehbare Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse eines konkreten Partners. Gefordert wird die Rücksicht auf die Zivilisiertheit der eigenen Kultur, die Rücksicht auf den Stolz der Zivilisierten, die Rücksicht auf mühsam erkämpfte Errungenschaften, die den Menschen von der dämonisierten Natur trennen.&lt;br /&gt;Elias’ Untersuchung der Tische ist meiner Untersuchung des weiblichen Körpers nicht unähnlich: auf beiden Oberflächen zeichnet sich der Prozess der Zivilisation ab. „Ehemals aß man aus der gemeinsamen Platte und tauchte Brot und Finger in die Soße. Heute ißt jeder mit Löffel und Gabel von seinem eigenen Teller, und ein Lakai wäscht das Besteck von Zeit zu Zeit am Büfett.“&lt;br /&gt;Wurde vor nicht allzu langer Zeit der weibliche Körper so angenommen, wie die Natur ihn geschafft hatte, so wird er heute zum Objekt allgemeiner Besorgnis. Mit Klingen, Depiliergeräten und Enthaarungscremes wird der Körper „gereinigt“. Wie wir gesehen haben, geschieht dies nicht so sehr aus berechtigten hygienischen Gründen, als viel mehr auf symbolischer Ebene, wo die Hygiene dem Zivilisationsprozess als Scheinargument übergestülpt wird. Inwieweit man von einem Scheinargument sprechen kann ist allerdings fraglich, denn denjenigen, die das Argument äußern, gilt es als hinreichende und valide Begründung ihrer Aversion. Aber das verwundert nicht weiter, denn „die Zivilisation ist nichts „Vernünftiges“; sie ist nichts „Rationales“, so wenig sie etwas „Irrationales“ ist. Sie wird blind in Gang gesetzt und blind in Gang gehalten durch die Eigendynamik eines Beziehungsgeflechts, durch spezifische Veränderungen der Art, in der die Menschen miteinander zu leben gehalten sind.“ Die Gründe sind dem Menschen nicht bewusst, weil er sie unlängst verinnerlicht hat. Der Zivilisationsprozess hat sich in den Körper eingeschrieben. Der Ekel ist das Bewusstsein über das ekelhafte Wesen der Dinge, die einer Gesellschaft als ekelhaft gelten. Fremdzwänge werden zu Selbstzwängen, aber weil das Konzept des Fremdzwanges gegen das Freiheits- und Selbstbestimmungsideal des zivilisierten westlichen Menschen verstößt, werden die äußeren, als unangenehm repressiv empfundene Zwänge ummodelliert in andere, mit dem Selbstverständnis der Zivilisierten kompatiblere Empfindungen: Ästhetik, Ekel, (vermeintliches) sexuelles Selbstbewusstsein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/STAuE1swZ9I/AAAAAAAAALM/M9U5G0G2QHM/s1600-h/Origin-of-the-World.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 330px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/STAuE1swZ9I/AAAAAAAAALM/M9U5G0G2QHM/s400/Origin-of-the-World.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5273765824320006098" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Gemälde „Der Ursprung der Welt“ von Courbet, das damals wie heute Empörung bei den Betrachtern auslöst(e), gewährt einen Blick zwischen die geöffneten Schenkel eines gesichtslosen weiblichen Aktmodells. Ihre Vulva ist von Schamhaaren bedeckt, die keinerlei Behandlung erfahren haben. Der Anblick wird als so unappetitlich empfunden wie das weit aufgerissene, Nahrung kauende Maul des „Trieb-Essers“ ohne Tischmanieren. Dieses Maul sagt: schau her, welche widerlichen Dinge meine Mundhöhle, mein Kiefer, meine Zunge mit dem Essen machen. Die behaarte Vulva sagt: schau her, was die Natur aus mir gemacht hat! Betrachte meine volle, reife Weiblichkeit! Mein Schoss ist wie die Natur, er bringt Leben hervor und lädt ein zur Produktion neuen Lebens. Die Antwort ist in beiden Fällen das ekelverzerrte Gesicht. Nimmt unser Esser aber Messer und Gabel zur Hand, hält den Mund beim Kauen geschlossen, lässt er nicht erkennen, dass er einen Verdauungsvorgang einleitet, der auf der Toilette enden wird, wird sein Verhalten als „selbstverständlich“ aufgefasst. Und die behaarte Frau? Die Reaktionen auf das Bildnis ihrer rasierten Scham wären allenthalben von einem Pornografie-Vorwurf begleitet. Aber Ekel ist nicht zu erwarten, schließlich zieht die Darstellung von Nacktheit sich durchgängig durch die Kunstgeschichte, ohne dass Museumsbesucher die Nase rümpfen. Doch die sauber enthaarte Scham würde nicht suggerieren: „Schau her, was die Natur aus mir gemacht hat!“ sondern: „Schau her, was ich aus der Natur gemacht habe! Ich habe sie erst gebändigt, dann ausgemerzt. Sie kann mir nichts. Ich triumphiere.“ Im Kampf mit der Körperbehaarung, dieser kleinen unbequemen Erinnerung an den Ursprung der Welt, geht der Mensch, so will er glauben, als Sieger hervor. Und der Zivilisationsprozess nimmt wieder seinen Lauf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt Ende!!!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-4779674063884945699?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/CGW2-W4NRjI" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/CGW2-W4NRjI/enthaarungsparty-mit-silent-tiffy-und.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SFJwufapceI/AAAAAAAAAFM/qeONooijqRA/s72-c/violetta.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">4</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/11/enthaarungsparty-mit-silent-tiffy-und.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-2172496708951053672</guid><pubDate>Mon, 10 Nov 2008 18:36:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-11-10T19:46:57.348+01:00</atom:updated><title>Sozialerhebung: wünscht das Volk mein Blog als Buch?</title><description>Eigenlöblicher Gestank zieht durch die Gänge. Ein neckisches Äffchen sitzt mir auf der Schulter. Ich habe meine Leserschaft vergrault durch Reisetagebücher und, was noch schwerer wiegt, durch Blogging-Abstinenz. Es ist nicht so, dass ich nichts mehr zu bemosern hätte, viel mehr hat sich soviel Schleim angestaut, dass die Kanäle verstopft sind, durch die er entweichen könnte. Abwechslung schreit nach meiner Gnade. Darum erwäge ich, die Einflüsterungen meiner Kommentatoren zu beherzigen, darin besonders jene Botschaften, die nicht geflüstert wurden, mein Ohr im Speziellen zu erreichen, sondern solche Lobesreden, die ich durch googeln meiner ID-Nummern in anderen Blogs wiederfand, in denen es hieß, ich solle beispielsweise ein Buch schreiben, es würde verwundern, wenn sich nicht eine größere Leserschaft für diesen Driss finden würde, es stünde schon in den Sternen, dass alles das einmal in Buchform in die Welt gespieen werden wird. Und ich so: aha? &lt;br /&gt;Aber warum nicht? Wenn Loide meine Schreibe mögen, dann ist das ein zuträglicher Grund, ein bisschen an der Idee herum zu denken. Stets erfreuten sich die Texte größter Beliebtheit, in denen ich über deutsche und polnische Identitäten ablaberte, über Kulturunterschiede, über das unerträgliche Spannungsfeld Warmherzigkeit und Gastfreundschaft der Heimat Vs. Geiz und Mangel an Anstand in diesem Land. Ich hatte den Eindruck, dass die Deutschen sehr gern gedisst werden, bzw. dass sie gerne lesen, wie „die Deutschen“ sich aus meiner Perspektive darstellen, weil SIE ja ganz anders sind. Weil SIE als Vertreter einer linksliberalen Offenheit und Meister der angenehmen Tugend „Fähigkeit zur Selbstkritik“ sowieso irgendwann auswandern möchten. Hierzu eine Anmerkung, die man sich zu jedem dieser meiner Artikel denken muss: eigentlich ist es mir total zuwider, von „den Deutschen“ zu sprechen oder „den Polen“. Was ich an den Polen (oder genauer: eigentlich immer nur an MEINEN sorgsam selektierten Erfahrungen mit ihnen) lobe, ließe sich gewiss auch an Menschen anderer Nationen loben, in denen sich aufgrund bestimmter sozialgeschichtlicher Konfigurationen eine Ballung spezifischer Wesenszüge konstituiert  hat. Ebenso ist’s ein Unding, von einigen groben Menschen deutscher Herkunft auf eine in ganz Deutschland anzutreffende Identität zu schließen, deren Grundzüge man sowieso überwiegend aus übertragenen Vorurteilen verinnerlicht hat, die – das muss erwähnt werden – selbstverständlich eine wichtige Funktion erfüllen für Migranten: sie helfen nämlich, die eigene Identität zu bewahren, und dies wiederum ist von größter psychohygienischer Bedeutung in einem Umfeld, in dem man sich zumindest in den ersten Jahren sehr unsicher bewegt und regelmäßig mit Verhaltensweisen konfrontiert wird, die man nicht anders interpretieren kann als durch die Brille dessen, was man bei sich zuhause gelernt hat. Hier dient das Abwerten der Kultur, der man da gegenübersteht, der Erhaltung des Selbstbewusstseins. Am besten lässt sich das an den Charakteristika der Gastfreundschaft illustrieren. In Polen bekommt der Gast immer das beste Bett im Haus, und sei es das Ehebett im Schlafzimmer. Die Gastgeber schlafen zur Not auf kargen Matratzen oder auf der Couch. Nun ist man durch irgendwelche Umstände gezwungen, in einem deutschen Haushalt zu Gast zu sein und bekommt die Behelfsmatratze. Ein Pole, dem so etwas passiert, ist tief verletzt, denn wäre ihm das in seiner Heimat passiert, hätte er allen Grund anzunehmen, dass man ihm BEWUSST das Gefühl geben möchte, ein Mensch zweiter Klasse zu sein. Was tut er also, um sich weniger gekränkt zu fühlen? Er denkt sich z.B.: oh Jesus, diese Deutschen. Zum Glück wissen WIR noch bescheid über gute Manieren, über Menschlichkeit. &lt;br /&gt;Indes ist der deutsche Gastgeber ahnungslos und nie käme er auf den Gedanken, dass der Gast sich etwas Böses denken könnte. Schwerlich lassen sich hier gute und böse Menschen konstruieren. Lange Rede, kurze Weil: als Polemik gegen meine deutschen Mitmenschen möchte ich meine Gedanken nicht verstanden wissen. Was ich wünsche, ist, meine Verwunderung, Begeisterung und manchmal auch Verärgerung zu thematisieren, die von mir Besitz ergreifen, wenn es zu einer Konfrontation der kulturell verschiedenen Deutungsmuster kommt. Ich könnte ebenso gut von Türken und Franzosen schreiben oder von Indern in den Südstaaten, aber da ich am besten schreiben kann über Dinge, die ich kenne, schreibe ich von Deutschen und Polen. Ende der Rechtfertigung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weiter zu einer Darstellung meiner Idee und der Motivationen dahinter. Wer es gut mit mir meint, wird mir sein bescheidenes Feedback hinterlassen. &lt;br /&gt;Das Buch, das ich tatsächlich (!) zu schreiben beabsichtige, verfolgt zwei Absichten. 1. die oben erwähnten kulturellen Differenzen in einen autobiografischen Erzählzusammenhang zu betten (lustich, immer lustich), und 2. mit dem überall in der Welt geführten Polen-Diskurs zu brechen, der mir jedes Mal Wutflecken ins Gesicht jagt. Schon vor Jahren ist mir aufgefallen, dass Menschen der Medien, die außerhalb Osteuropas ihre Wurzeln haben, absolut unzulänglich und stümperisch über Polen berichten. Das, was man im Fernsehen sieht, in Zeitungen liest, in Zeitschriften an Fotos zu sehen bekommt, hat mit Polen, wie ich es kenne, nicht viel gemein. Ich habe den Verdacht, dass hinter dieser fragwürdigen Berichterstattung eigentlich gar nicht, wie man meinen könnte, ein tadelnswertes Überlegenheitsgefühl steckt, das die wirklich bemerkenswerten Bilder aussortiert, um ja nicht den Eindruck zu erwecken, dass es in Polen am Ende doch was zu sehen und zu erleben gibt. Viel mehr drängt sich mir der Verdacht auf, dass aus RÜCKSICHT auf das neue Europa, das assimiliert werden soll, Seiten ausgeblendet werden, die vielleicht dem außen stehenden Betrachter wenig schmeichelhaft erscheinen, aber gerade das sind, was ein realistisches, und durchaus sehr faszinierendes Bild zeichnen würde. Touristische Dogmen stehen der Annäherung im Weg. Die Sehnsucht des Reisenden, wie er im Buche der Anbieter steht, verlangt nach atemberaubender Landschaft, nach historischen bunten Städtchen mit prachtvollen Schlössern und vielleicht noch glitzernden Glasbauten der Kulturindustrie: bedeutsame Museen &amp; stuff. Mit dem Polen das ich kenne, identifiziere ich ein solches Konglomerat jedoch nicht. Über Krakau und Danzig lässt sich ambientetechnisch wirklich nicht streiten, aber die meisten Städte sehen dann doch anders aus. Berichtet wird über Krakau in seltsamer Weise, gezeigt werden Kirchtürme und die Altstadt, doch kaum die atemberaubenden Tuchhallen oder die unterirdischen Katakomben und Gewölbe, in denen sich einmalige Weinstuben befinden. Aber kommen wir zur Landschaft. Ich kann nicht glauben, welche Ansichten in der ausländischen Schau geboten werden. Die Seenplatte der Mazuren scheint nicht zu toppen zu sein, dabei handelt es sich meiner Meinung nach um Unspektakuläres. Die hohe Tatra wird hin und wieder angedeutet, und diese bloße Andeutung macht mich rasend, weil die hohe Tatra Landschaften bietet, wie sie der gute Caspar David geliebt hätte: die Natur wuchert wild, die Felsen ragen gefährlich und bläulich in die Wolken, von den Gipfeln aus sieht man wunderbare tiefschwarze Seen und auf Wanderungen stößt man auf Bächlein und Quellen von türkiser Leuchtkraft und Wasserfälle, die übermütig in das planlos Bemooste schießen. In einem Alter, in dem ich aufgrund präpubertärer Depression höchst unempfänglich für die Schönheit der Natur war, haben mich die Landschaften in der hohen Tatra umgehauen. Kein Wort von alledem in den Medien, die uns Polen nahe bringen wollen. Stattdessen zeigt man uns Bauern, die ein Feld pflügen und der Landstrich könnte jeder beliebige sein, wirklich: jeder beliebige Scheißlandstrich in Europa. Es ist nicht zu fassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In aller Klarheit: der Reiz Polens liegt in seiner Hässlichkeit. Was ich während meiner neuerdingsen Polenreise in ästhetischer Hinsicht am meisten genossen habe, war diese überbordende Hässlichkeit, die mit keiner anderen Hässlichkeit vergleichbar ist. Zäune aus Beton, die ornamentale Zäune des Adels imitieren! Nebeneinander aufgestellte Klotzhäuser, die sich nicht nur in der Reihe farblich beißen, sondern auch in sich selbst schon eine Frechheit für den Liebhaber der Harmonie sind. Dieses unermessliche Chaos des Unpassenden, inmitten dessen man eines so überdeutlich spürt: die Freiheit!!!!!!  &lt;br /&gt;Man zeigt uns aber nicht dieses schockierende Nebeneinander von alten, abgebrannten Bauernhütten und modernen 24-Stunden-Supermärkten, zeigt nicht das Innere der lauten Busse, diese dreckigen Modelle aus dem Sozialismus, die in jeder Kurve klappern, als würden sie zusammenfallen, zeigt nicht, wie man auf dem Land lebt, diese liebreizenden Interieurs, die vollgehauen sind mit Marienstatuen und anderen Devotionalien, mit den charakteristisch bemalten Wänden und der ganzen bäurischen Romantik drumherum. Ich weiß zu genau, dass die „Sights“, auf die ich hier anspiele, nicht jedermanns Geschmack treffen und selbst fallen mir eine Handvoll Leute ein, die schon die Nase rümpfen wenn ich ihnen Bilder aus der Heimat zeigen und sie feststellen, dass da „anders“ gewohnt wird als bei ihnen zuhause. Aber über diese Arschlöcher hinwegtrampeln, sachich! Mir scheint, die, die uns die Bilder reinbringen, denken: „Ja, nee. Das zeigen wir nicht. Das ist schäbig, das schädigt Polens Ruf, sind die nicht schon genug stigmatisiert“, usw., weil sie von sich selbst ausgehen und im eigenen Land nur das Stolz erweckt, was hübsch herausgeputzt ist. Besonders geil finde ich in Polen, dass es dort sehr viele Schlösser und Herrenhäuser gibt, um die sich kein Amt für Denkmalpflege kümmert. Die Häuser stehen da und werden bisweilen für das Abhalten von Hochzeiten genutzt, aber die Fassade ist dreckig und rußig und der Putz blättert, und man hat wirklich das Gefühl, einem alten Gebäude gegenüber zu stehen, das eine Geschichte erzählt, die nicht vom reinen Putz der Gegenwart überpinselt ist. An solchen Orten fühle ich mich wie in einem romantischen Gemälde mit finsterem Himmel: jedem wie er will, ich stehe drauf. &lt;br /&gt;Zurück jedoch zum Thema: man muss dieses Bild, das da gezeichnet wird, entzerren. Das würd ich gerne tun. &lt;br /&gt;Polen scheint sich ja gerade eines besonderen Interesses zu erfreuen, seit „Viva Polonia“ von Steffen Möller die vorderen Plätze der Bestsellerlisten besetzt. Ich finde das Buch ziemlich seicht. Zu loben ist die Absicht eines Deutschen, anderen Deutschen ein Polen, das er seit fast 15 Jahren liebt, nahezubringen, zu tadeln hingegen die Flachheit, mit der das geschieht. Zu glatt die Charaktere, die er anführt. Zu wenig Tiefenrausch in seiner Analyse. Ich will nicht sagen, dass ich es besser hinbekommen würde, aber es wäre mir ein Bestreben.Blärgh, und natürlich, um das klarzustellen, sind die semifiktiven Akteure, mit denen ich zu agieren trachte, nicht Polen in Polen, sondern Polen in Deutschland, was wieder eine Sache für sich ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun der Mitmach-Part: wer würde dieses Buch lesen wollen? Was interessiert den Abonnenten von silent-diva? Ist Kartoffel-Bashing geil or nor? Empfindet der Durstige Lust dabei, zu erfahren, wie er „von außen“ wahrgenommen wird? Sind Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen zwei Kulturen  von erkenntniserweiternder Bedeutung? Empfindet man das Lesen einer (nicht immer lockeren) Migrantenbiografie als vorwurfsvoll und sauertöpfisch? Oder ist man bereit, zu erfahren, was man beitrug zu meinem Unwohlsein? Ich brauche Meinungen, Unmutsbekundungen, Mutmache, Kritik, Komentare! I love you!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-2172496708951053672?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/g1AkCdYl18A" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/g1AkCdYl18A/sozialerhebung-wnscht-das-volk-mein.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">9</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/11/sozialerhebung-wnscht-das-volk-mein.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-8783928797658888800</guid><pubDate>Thu, 28 Aug 2008 18:16:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-08-28T20:41:33.721+02:00</atom:updated><title>Urlaub in der Antirealität. Buch II.</title><description>Um 7 am Morgen hatten nicht nur Doris und Einfahrt den Fährhafen erreicht, sondern auch eine dichte Regenwolke, die sich nicht schämte, über den touristischen Verlierern ihre gewaltige Blase zu leeren. Die Szenerie war bemerkenswert. Auf dem ausladenden Gelände weder Mensch noch Tier (ja gut, &lt;i&gt;Möwen…&lt;/i&gt;). Plörre und Nebel, die Konturen eines indifferenten Kubus, offenbar die Fähre gen Dänemark. Auf der langen breiten Einfahrt für PKWs ein Screen mit arschwackelnden Hiphop-Bitches drauf. Grelle Lichter, sparsam in der Räumlichkeit der Dämmerung verteilt. Doris war sich nicht sicher, ob sie die dargebotene Kulisse „emo“ finden sollte oder nicht. Jegliche zärtliche Schwere ging dieser Landschaft ab. Doris zog am Automaten eine Fahrkarte für „2 Voksen“ und die zwei Voksen gingen an Bord. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie nicht anders zu erwarten war, begegneten sie den ersten mitreisenden Passagieren dort, wo für gewöhnlich alle hindrängen, wenn sie sich auf einer Fähre befinden: in der Spielhalle. Der einarmige Bandit war den beiden aber erstmal schnuppe. Die Aussicht auf Wasserweiten lockte sie nicht. Auch die als Parfumwerbung getarnte Pornografie, die über mehrere Bildschirme flimmerte, ließ sie kalt. In den marineblauen Sesseln ließen sie ihre Lider zuschnappen und wurden von schimpfenden Köchen geweckt, die nicht fassen konnten, wie jemand den REM-Schlaf haben konnte, die Durchsagen zu ignorieren, die schon vor 10 Minuten alle anderen Passagiere an die Ausgänge gescheucht hatten. Wie zwei schlecht durchgekaute Hubbabubbas ließen sie sich an Land spucken und äugten müde umher. DAS also war Dänemark. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLbrqU4fPsI/AAAAAAAAAHo/CokfxuChPKw/s1600-h/voksen.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLbrqU4fPsI/AAAAAAAAAHo/CokfxuChPKw/s400/voksen.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5239634328884821698" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doris und Einfahrt nahmen sich alle Zeit der Welt, die Wartehalle zu bestaunen. Immer noch war kein Mensch sichtbar, nur eine kleine Putzfrau verrichtete ihr schrubbendes Tagewerk in den disfunktionalen Sanitäranlagen. Der Zug nach Kopenhagen würde sie erst in drei Stunden aufsammeln. Immer neue Fähren kamen, vereinzelt heinzelten weitere Passagiere in die Wartehalle, wo Doris und Einfahrt an einem der interessanten Tisch-Sitz-Konstruktionen laxten, die sich dadurch auszeichneten, dass die Sitze entweder locker wie Peter waren oder gänzlich fehlten. Die Deutschen. Immer besser als der Rest. Bessere Wartehallen, bessere Tisch-Sitz-Konstruktionen, wie hinkte das Ausland doch immer hinterher. Während Doris draußen etwas Zigarettenähnliches schmauchte, lernte Einfahrt einen jungen FRÖHLICHEN Studenten aus Leipzig kennen. Dank ihm kamen sie an eine Karte von Dänemark. Eine Postkarte á la Fehmarn-Aktion wäre bei der Größe des Landes – sorry to say -  doch etwas gewagt gewesen. Der Student hatte allerlei interessante Dinge zu erzählen, zum Beispiel, dass das Gehirn mit Assoziationen arbeitet. Das war Doris und Einfahrt neu (Fachidioten!). Nachdem Einfahrts bizarrer Humor den FRÖHLICHEN Langhaarigen etwas verwirrt hatte, stimmte er bald in das Gelächter mit ein und schon eine halbe Stunde später waren Doris und Einfahrt „die coolsten Leute, die ich je kennengelernt habe!“ Nachdem Doris ihm erzählt hatte, dass man sich mit Socken die Nase putzen kann, wenn kein Taschentuch in Reichweite ist, riss der FRÖHLICHE Student sich den Pullover vom Leib und machte ihn ihr zum Geschenk. Angeblich ein Wanderpullover, der mit Doris in die vierte Trägergeneration überging. Die Zugfahrt wurde mal schlafend, mal schnaufend verbracht. Hin und wieder wurde Doris von einer Durchsage geweckt und vielleicht zum ersten Mal erfuhr sie, was es heißt, sich kein einziges Wort aus dem Arsenal romanischer Sprachrudimente ableiten zu können. Das machte sie demütig und das wiederum aufgeweckt. Mit der Ankunft in Kopenhagen stieg das Energielevel der wagemutigen Chiquitas schlagartig an. Raus aus dem Zug, rein in die Erlebnisräume freier Entfaltung!  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kopenhagen war wie eine Schaumparty mit 2 Unlimited re-united. Doris und Einfahrt waren überglücklich. Die Straßen weit und offen, die Menschen bunt und divers, die Architektur bombastisch, ohne nazinah erdrückend zu sein. Das Wetter eine Malerei aus tanzenden Kleksen. Die Unterschiede zu Deutschland offenbarten sich den spitzfindigen Weltenbummlern in Gesten, auf Schildern, in der Architektur. Materielles Beispiel: ein Kinderspielplatz direkt auf dem Kirchplatz. Menschliches Beispiel: ein älteres Ehepaar ruhte auf einer Bank aus. Die Frau hatte den Kopf auf dem Schoß ihres Mannes abgelegt. „In Deutschland undenkbar.“, kommentierte Einfahrt bitter und wir rufen uns die alten Säcke aus der Hamburg-Collage in Erinnerung, deren Körpersprache das unterkühlte Wesen deutscher Zwischenmenschlichkeit illustriert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erstmal was essen. Auf der Einkaufsstraße stand ein Inder und bewarb ein marokkanisches Buffet. Die Preise lockten, Doris und Einfahrt also hin. Doch groß war die Überraschung. Das Restaurant war hergerichtet wie für eine geschlossene, vor allem eine &lt;i&gt;bessere&lt;/i&gt; Gesellschaft. Sie bewegten sich nur zögerlich hinein. Es war ein Buffet aufgestellt worden, keine Frage, da war es doch. An einem Tisch saßen sogar Menschen. Sie trugen weder Prada noch UBU. Aber dieses Gedeck! An jedem Tisch eine Flasche Wein, kunstvoll drappiertes Zeug, Besteck, das einer geheimen Struktur zu folgen schien, kurzum: nicht das, was man von einem preiswerten All-you-can-eat-Gelage erwartet. Die erste existenzielle Frage lautete: wie bewegt man sich durch die Gastronomie Dänemarks? Der Bauer mit bescheidenen Kartoffeln würde deduzieren: nun, da Dänemark irgendwie Europa ist, wird man sich durch die Gastronomie ebenso bewegen wie in Berlin, Paris und Rom. Andererseits: Dänemark operiert immer noch mit Kronen. Also wie ging denn das jetzt alles hier? Waren diese Tische wirklich für Doris und Einfahrt bestimmt? Setzte man sich hin und wartete auf eine Einladung? Ließ man sich einen Tisch zuweisen? Oder bekam man gar eine essbare Papiertüte, die man sich mit Kuskus volladen konnte, welches man dann draußen im Park zu sich nahm? Doris und Einfahrt wussten einfach nicht weiter. Schließlich nahm Einfahrt sich ein Herz und fragte den bereits skeptisch gewordenen Kellner (arabische Version von Gustav Gans): „Excuse me, are these tables only for reserved guests?“ Natürlich waren die Tische nicht nur für zurückhaltende Gäste! Nicht nur Doris und Einfahrt konnten also Platz nehmen, sondern auch schrille Sozialcharaktere aus dem Künstler- und Homosexuellenmilieu. Gei-äl! Aber auch O-je. Jeder Gang zum Buffet war eine delikate Angelegenheit. Gustav Gans hatte die beiden offenbar auf dem Kicker. Herablassende Blicke wurden eingestreut, wann immer er den Tisch passierte. Sollte er wirklich noch nie mit orientierungslosen Gästen zu tun gehabt haben? Hatten die Irren denn hier nie Ausgang? Das Essen jedenfalls war prima. Gut gefüllt und mit Pipi in den Augen verließen Doris und Einfahrt das obskure Lokal, um es noch vor Schließung in die Glyptothek zu schaffen. Dieses prächtige, monolithische und mit Prunk vollgeladene Gebäude war palästiger als alle Paläste und es lud wie jeden Sonntag zum kostenlosen Schlendern durch seine Ausstellungshallen ein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLbsjzYciDI/AAAAAAAAAHw/CctMbwva64M/s1600-h/glyptotek.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLbsjzYciDI/AAAAAAAAAHw/CctMbwva64M/s400/glyptotek.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5239635316324468786" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;i&gt;( Anmerkung: es muss natürlich Selbstvergewisserung heißen. Der Tippfehler erweist sich jedoch als nicht minder gegenstandsangemessen. Hoppla! Es heißt übrigens auch VormachTstellung, und abermals entpuppt sich der Vertipper als weiser Mann.) &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was nun? Doris dachte nur noch an Schlafen. Eine Unterkunft musste her. Selbstverständlich hatten sie sich einen Dreck darum geschert, im Voraus zu buchen, auch Adressen wurden daheim keine rausgesucht. Klar, es war Hochsaison und mit überfüllten Billigabsteigen war zu rechnen, aber wir kennen die Voksen, die uns fuchsig machen mittlerweile ein wenig besser. Irgendwie würde irgendwas schon funktionieren. &lt;br /&gt;Es kam natürlich ganz anders. Alle Hostels waren besetzt. Nicht akut, sondern chronisch. Die letzte telefonische Anfrage schließlich erwies sich als Erfolg. Das Danhostel im Herzen der Stadt hatte noch ein Doppelzimmer frei. Dort angekommen, klatschte Einfahrt bei der Preisansage die Kinnlade auf die Füße. Doris war nicht nach Gesichtsakrobatik. Ihr war schon lange alles egal. Sie wollte ins Bett. Also bezahlte sie den unsäglichen Preis, der hier rücksichtsvoll verschwiegen wird, fix die Karte durch den Türkastenspalt gezogen und, DA waren sie; - - - - - - - - - - - &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLbs157RLRI/AAAAAAAAAH4/LhqDad03uQ0/s1600-h/danh.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLbs157RLRI/AAAAAAAAAH4/LhqDad03uQ0/s400/danh.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5239635627318783250" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;i&gt;&lt;br /&gt;(Anmerkung für angehende Kunsthistoriker: Der Tisch im Bild ist kein Tisch sondern ein Handtuch, auf den jemand mit Kohle „Tisch“ draufgeschrieben hat. 2008 gab es in Kopenhagener Danhostels nämlich weder Schränke noch Tische. Erst 2037 führte Landgraf Sören von Swedenborg die Ablagemöbelpflicht für Danhostels ein. Ziemlich interessant!)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Farbschema des Zimmers, königsblau und dreckiges weiß gestreckt mit kaltem Stahl, war deckungsgleich mit Doris’ ästhetischen Albträumen als Kind. Jetzt war sie aber groß und es wäre albern gewesen, die Farben für den Verdruss verantwortlich zu machen. Es war die Diskrepanz zwischen Preis und Dargebotenem, die Doris bereits um 17 Uhr in einen Verdrängungschlaf sinken ließ, aus dem sie bis zum nächsten Morgen nicht mehr erwachte. Zuvor aber noch duschen! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLbtGg6SoxI/AAAAAAAAAIA/XQo4BJB8B0E/s1600-h/klo.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLbtGg6SoxI/AAAAAAAAAIA/XQo4BJB8B0E/s400/klo.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5239635912661574418" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;(Was man im Bild leider nicht sieht, ist der große Spalt zwischen Kachelboden und unterer Türkante. Angesichts der Tatsache, dass die Kloschüssel nur bei Zwergwuchs als Duschbecken fungieren kann, was für diese Zielgruppe im übrigen mit dem Risiko verbunden ist, versehentlich die Spülung zu ziehen und in der Kopenhagener Kanalisation zu landen, sind die Folgen der so gearteten Wasserdistribution auf lange Sicht ernstlich zu bedenken. Man beachte über das  raffinierte 2-in-1 von Dusche und Toilette hinaus auch das Waschbecken im praktischen Suppenschüsselformat.)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Morgen grüßte die liebe Sonne nicht mehr. Der Himmel nässte unaufhörlich und ließ aschenbecherschuttgraue Lichtreflexe in das popelige Herbergenzimmer gleiten. Doris öffnete das Fenster und raute eine Zigarette an ihren Lippen auf. Die Haube der Melancholie legte sich um Kopf und Lider. Gebrechen wanderten durch den Körper. Die Füße hatten durch Sandhäufchenanlagerungen im undichten Schuhwerk Blasen bekommen, die ihr unaufhörlich das Übel des Physischen ins Bewusstsein riefen. Und dann die Sache mit dem Preis für diese Nacht… nichtmal ihr Bett bezogen hatte sie. Zum Fenster hinausgeworfenes Geld für die Bettwäsche, von der Suite ganz zu schweigen. Aber war diese ganze Danhostel-Episode nicht gleichsam eine Metapher fürs Leben?, sinnierte Doris. Manchmal muss man viel opfern, um etwas zu gewinnen, was es objektiv und vergleichend gesehen vielleicht nicht wert ist. Und doch sind diese Investitionen notwendig, das Leben fordert uns Mut ab, wie sonst ließe sich etwas gewinnen, and after all, woher wissen wir denn über den wahren Wert unseres „Opfers“ bescheid? Wie können wir wissen, ob uns die Investition nicht vor einem großen Schaden bewahrt hat? Wie können wir wissen, ob es nicht gerade die Investition war, die uns einen besonders glücklichen Moment, ein besonders glückliches Zusammenlaufen von Ereignissen beschert hat? Was können wir überhaupt wissen? Was ist der Sinn des Lebens? Woher kommen wir, wo gehen wir hin? Wie lässt sich entscheiden, was gut ist und was böse? Was ist Wirklichkeit? Ach, Doris… &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihr Frühstück, das aus einem „angenehmen Sandwich“ (Einfahrt) und einem „Athletenpott“ (Doris) Kaffe bestand, nahmen sie in der Cafeteria der Stadtbibliothek ein. Auf dem Pflichtprogramm stand an diesem Tage, von dem sie nicht wussten, ob es der letzte, vorletzte oder vorvorletzte in Kopenhagen werden würde, nur &lt;i&gt;Christiania&lt;/i&gt;. Bei dem schönen Namen (Christina, Christiane, Christine, Kristin, Kerstin, Kirsten, Karsten MY ASS, aber Christiania – das war Frische!!) handelt es sich um eine Freistadt im Pansen Kopenhagens. Die Stadt wurde von Hippies gegründet, die – teilweise mit ihren Kindern und teilchenweise den Enkelkindern – immer noch die psychedelisch bemalten Hütten bewohnen. Christiania hat ca. 800 Einwohner, die ihr Leben bis auf die Steuerabgaben selbst verwalten. Alteingesessene Hippies und Innuit treffen hier auf Aussteiger und Zahnlose aller Altersklassen. Bekannt ist Christiania für seinen erfrischenden Umgang mit weichen Drogen. Da steht niemand in der dunklen Ecke und macht „psst“, die Drogen werden offen auf Verkaufstischen feilgeboten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLbxKTmbOeI/AAAAAAAAAII/Hi-vUDhheEI/s1600-h/hash-i-christiania.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLbxKTmbOeI/AAAAAAAAAII/Hi-vUDhheEI/s400/hash-i-christiania.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5239640375854578146" /&gt;&lt;/a&gt; &lt;i&gt;;(&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ringsum gibt es das entsprechende Konsumzubehör. Als Doris und Einfahrt in Christiania aufschlugen, begann es abermals zu regnen. Ein buddhistischer Tempel im Stadtinneren sowie zahlreiche mit Plane überdachte Ausschanke luden zum Verweilen ein. Sie entschieden sich für Bier unter Planen und redeten zwei Stunden nur Müll (vermutlich.). Einfahrt stellte fest, dass es schade sei, dass die Freistadt dem Anblick nach, der sich ihnen bot, zu mindestens 94% aus Kiffkultur bestand. Das Kiffen war sozusagen konstitutiv für den ganzen Laden. Doris reagierte derweil mit heftigen Sympathien auf eine Frau, die es fertig brachte, mindestens 15 Minuten am Stück einen Lachanfall zu inszenieren, wie Doris ihn noch nie gesehen hatte. Ja, hier lässt es sich leben, ging ihr müßig durch den Kopf. Regen, Wind, Badhairday, alles Unsinn, die Planlosigkeit des Urlaubsunternehmens hatte ihren Abenteuergeist zu neuem Leben erweckt. Nicht zu wissen, was demnächst passiert, und dabei auf das Schlimmste gefasst sein, immer auf der Jagd nach dem nächsten WTF: das war, was sie gerade vorbehaltlos zu umarmen bereit war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Danhostel-Trauma war noch nicht abgeklungen. Sollten sie noch einmal den Versuch unternehmen, sich einen Unterschlupf für die Nacht zu organisieren? Warum eigentlich nicht. Es würde ja ohnehin nicht klappen! In einem Internetcafe der geschmacklosen Sorte (Modell Zockercommunityphotoshopbanner)  wurde gesucht, telefoniert und gezittert: nichts zu machen. Alles besetzt. Draußen Sturm, Gießkannenparty und garstigste Bedingungen für ausgelassenes Spazieren. Da hatte Doris die rettende Idee: es musste doch irgendwo in dieser fantastischen Weltstadt einen Laden geben, der 24 Stunden offen hatte? Zwei einheimische Emos dementierten die Hoffnung. Sie gaben Einfahrt und Doris aber den Tipp, einfach eine Bar oder einen Club ihrer Wahl zu besuchen: die meisten hätten bis mindestens 5 Uhr geöffnet. Doris beeilte sich, die Adressen und Kurzprofile sämtlicher Etablissements auszudrucken. Der Tag war gerettet. Das galt aber nicht für die kommenden 5 Stunden, denn gerade erst neigte der Nachmittag sich seinem Ende. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ach, diese beiden… gegessen hatten sie heut noch nichts. Mit einer wässrigen Biermischung in den Mäulchen flanierten sie gemächlich durch die feinen und unfeinen Regensäulen (ohne Schirmchen, ohne Mützchen, wie man sich ausmalen kann.). Einfahrt beschloss, Proviant im Supermarkt zu besorgen. Billig sollte es sein. Darum kam er erst eine halbe Stunde später heraus. Sein Traum von preiswerter Stopfkost war an den Regalen zerschellt. In der einen Hand hielt er einen Laib Ciabattabrot, in der anderen ein Döschen Räucherquark. Doris aber war gar nicht nach essen zumute. Sie fühlte sich KRANK. Die Haut kratzte, die Stirn glühte, die Füße schmerzten, sie sehnte sich nach einem ruhigen, mit Plüschies ausgelegtem Snuslraum. Da lag es nahe, sich in der geschäftigen Bar des Kinokomplexes niederzulassen. Der Kaffe schmeckte wie Aschenbecher auf Putzutensil, half Doris aber erheblich beim Schlucken zweier Paracetamol. Die Seufzer des Körpers wurden leiser, doch der Geist irrte immer noch unruhig umher. „Ich weiß was!“, rief Einfahrt. „Alkohol!“ Der Regen rasselte immer heftiger hinab. Doris weigerte sich, mitzugehen. Sie wies Einfahrt eine Teestube auf der anderen Seite der Straße, in der sie ihn erwarten würde. Schnitt. Doris betritt allein eine sich verkrampft modern gebende Teestube, deren Farben ihr wieder nicht passen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;A lousy teahouse. Doris enters its IKEA-inspired interior. Her hair is wet from the rain. She shivers. Her gaze betrays the unspeakable horrors of life on the road. A waitress approaches. She looks like “everyone else”. She seems surprised at the sight of a being so dazed and confused. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Waitress:&lt;/b&gt; Can I help you? &lt;br /&gt;&lt;b&gt;Doris:&lt;/b&gt; (faking an all-american dumbass) Um… no. I mean, … yes. I was wondering… can I have &lt;b&gt;like&lt;/b&gt; a cup of tea or something in here? &lt;br /&gt;&lt;b&gt;Waitress:&lt;/b&gt; (giving her the evil eye) Sure. Take a seat. &lt;br /&gt;&lt;b&gt;Doris:&lt;/b&gt;  (timidly) “thank you.” &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doris picks a table that mirrors her temporary solitude with painful accuracy. She takes off her Strickjacke and places some sheets of scrap paper on the table in front of her. With a pen she is hardly able to hold she begins to draw. The burst of creative activity is soothing and she applies less and less jerky pressure on the pen as she proceeds to draw herself into her inner self. Time goes by. Tick tack. Tick tack. Doris awaits the waitress but she won’t come. The waitress passes by her table five times, six times, seven times, but she won’t ask her for an order. Doris heads for the bathroom. She is surprised to discover how beautiful and splendid everything looks down there compared to the interior of the teahouse. She takes a look in the mirror. Another funny face has to be drawn. Carefully she applies some colour to her wilted cheeks and blurry eyes. When she arrives back at her table, nothing has changed. More time passes. Tick tack. The waitress is still out of sight. Doris winks at the waitress. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://s29.photobucket.com/albums/c261/schnake_1981/?action=view&amp;current=winkbanana.gif" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://i29.photobucket.com/albums/c261/schnake_1981/winkbanana.gif" border="0" alt="Photobucket"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The waitress winks back. &lt;a href="http://s29.photobucket.com/albums/c261/schnake_1981/?action=view&amp;current=winkbanana.gif" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://i29.photobucket.com/albums/c261/schnake_1981/winkbanana.gif" border="0" alt="Photobucket"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Both seem to have fun. After five minutes of staring provocatively at the waitress, the waitress moves to the counter where she picks up a little green box and places it on a trace next to a cup of boiling water. With the trace and a petrified look on her face she finally moves towards Doris. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Waitress:&lt;/b&gt; (harshly, yet with a somewhat caring undertone) Here. &lt;br /&gt;&lt;b&gt;Doris:&lt;/b&gt; (flabbergasted) But- &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The waitress disappears without a word of explanation. Doris is overwhelmed by the awkward situation. She hasn’t ordered anything in particular and yet the waitress had served a cup of stuff never requested: green tea. How was that stupid waitress even supposed to know if Doris likes green tea. Well, in fact, Doris doesn’t. Regardless of the unpleasant incident she pulls the teabag out of its remarkably stylish box and dips it in the cup. She wonders how much it costs. This very situation reminds her of a dream she once had. She had ordered a cookie just to discover it was listed as the world’s most expensive cookie on the menu. She had been charged 500 Euro for a thing that really could have been crispier. Before vows of panic can crawl up her body, Einfahrt appears at the door with a bottle of wine under his arm.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;“Reinhart! Endlich! Ich fühle mich wie in den Fängen eines schrecklichen Regisseurs.“ – „Lass Käsekästchen spielen.“ Und sie spielten so viele Partien, dass die Wirklichkeit wieder in Doris’ surrealen Bewusstseinszustand zurückschlich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als der Regenschauer etwas nachgelassen hatte, hieß es RRRAUS aus diesem Puff! Vorher noch umgerechnet 5 Euro für den Tee bezahlt. &lt;a href="http://s29.photobucket.com/albums/c261/schnake_1981/?action=view&amp;current=mad.gif" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://i29.photobucket.com/albums/c261/schnake_1981/mad.gif" border="0" alt="Photobucket"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unter dem Dach eines Fahrradabstellhäuschens verköstigten Doris und Einfahrt ihr trocken Brot mit Räucherquark. Es war recht kalt gewesen, und so war es nicht wirklich schlimm, dass sie von der Besitzerin des angrenzenden Biergartens verscheucht wurden. Doris lernte in den kommenden Minuten, dass der Spruch „Bier auf Wein, das lass sein“ gar nicht stimmt und eigentlich lauten müsste: „Wein auf Bier, kotz gleich hier!“ Das Speien hat ihrem Geist gut getan, sollte die Nacht doch kommen! Noch war LEBEN in diesen müden Knochen! Es hatte vollständig aufgehört zu regnen. Doris und Einfahrt waren beschwippst. Sie stellten sich vor eine McDonalds-Filiale und sangen Polyphones. Für wen? Für niemanden. Ein Mensch kam. Er stellte sich in gebrochenem Englisch vor als Nachkomme von Indianern, Juden und Mexikanern. Im Brustton der Überzeugung verkündete er die baldige Ankunft des Antichristen in der Gestalt des Kapitalismus. Beeindruckt suchten Einfahrt und Doris das Weite. Einfahrt fand vor dem Eingang eines Luxushotels einen roten Motorradhelm, den er sich für die kommenden 100m aufsetzte. Doris redete in Zungen. Langsam war doch wirklich genug. Sie mussten „heim“, und „heim“ war heute die Mojo Blues Bar, die bis in den Morgen offen hatte. Die schleppend-tranige Live-Musik eines androgynen Kurts versetzte Doris in den Zustand himmlischer Verzückung. Einfahrt indessen schlief wie ein Bébie. Die Stunden zerflossen wie warme Butter. Auf der Toilette lernte Doris gegen 5 zwei Wacken-Grrls aus Island kennen. Kurz vor Schluss brachte der Barkeeper noch ein freies Likörchen vorbei. Doris und Einfahrt schliefen nach diesem herzerwärmthabenden Aufenthalt in einem Hauseingang, unter einem silbern funkelndem Baugerüst. Es plätscherte und prasselte leise aufs Blech, doch wundersamerweise rann oben das zarteste Aquarellblau in die Zwischenräume der nächtlichen Wolkenreste. Angeblich schlief Doris. In Wirklichkeit entstand hier jedoch in einem rege arbeitenden Kopf ein neuer Begriff von Freiheit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;In der nächsten und letzten Folge: Doris und Einfahrt rocken Roskilde!&lt;/i&gt; &lt;a href="http://s29.photobucket.com/albums/c261/schnake_1981/?action=view&amp;current=kuh1.gif" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://i29.photobucket.com/albums/c261/schnake_1981/kuh1.gif" border="0" alt="Photobucket"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-8783928797658888800?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/lOTVQkN64mE" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/lOTVQkN64mE/urlaub-in-der-antirealitt-buch-ii.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLbrqU4fPsI/AAAAAAAAAHo/CokfxuChPKw/s72-c/voksen.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">2</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/08/urlaub-in-der-antirealitt-buch-ii.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-5830507498702574822</guid><pubDate>Tue, 26 Aug 2008 17:34:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-08-26T20:38:08.368+02:00</atom:updated><title>Urlaub in der Antirealität. Ein bebilderter Sommerroman.</title><description>Deutschlands geilste Fussballkommentatoren weilen wieder in Kurhessen / im Spessart und hängen entspannt in den Seilen der Blogosphere, die da harrt, sich berichten zu lassen, welche Abenteuer die beiden Tunichtgute auf ihren Reisen um die Welt erlebten. Alle Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen, Ort- und Gerätschaften sind überzufällig und erheben Anspruch auf Wirklichkeitsabbildung nach äußeren wie inneren Qualitätsmaßstäben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dass zwei Menschen, die nach ICD-10-F00-F99 nicht überlebensfähig sind, dieses Unternehmen der selbst gelegten Hindernisse gemeistert haben, ist eine Sensation von der Größe des Bernsteinzimmers. Ich werde gleich in die dritte Person schlüpfen und mir den Namen &lt;b&gt;Doris&lt;/b&gt; geben. Als Doris Klee kennt man mich in der Alten Anstalt für Chemie zu Marburg, wo ich im Sonderforschungsbereich &lt;a href="http://kabinett-kalium.blogspot.com"&gt;„Kabinett Kalium“&lt;/a&gt; gemeinsam mit Prof. &lt;b&gt;Reinhart Einfahrt&lt;/b&gt; Einführungsveranstaltungen für Erstsemester leite und Prüfungsdurchfälle (für die älteren Semester) herbeiführe. Wer sich für unsere Arbeit interessiert, der klicke hier für ein kleines Werbevideo.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;object width="425" height="344"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/jOl46IKTdYA&amp;hl=en&amp;fs=1"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="allowFullScreen" value="true"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/jOl46IKTdYA&amp;hl=en&amp;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="true" width="425" height="344"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Humbug in der Hanse.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Spätestens seit den spürbaren Nachwehen der Industrialisierung hatten Doris und Einfahrt geplant, gemeinsam Päuschen-Plus zu machen. Die Strapazen der Kernspaltung in Biedenkopfer Laubsystemen und das schleichende Gefühl, dass die Freiräume in den geschäftigen Köpfen zunehmend von äpfelnden Shettland-Ponies besetzt werden, hatten die juvenilen Akademiker auf die Idee gebracht, klar Schiff im Oberstübchen zu machen und Deutschland zu fliehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLQ-58OcLwI/AAAAAAAAAGA/V4mlqFwzIvo/s1600-h/grummel.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLQ-58OcLwI/AAAAAAAAAGA/V4mlqFwzIvo/s320/grummel.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5238881431678889730" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;(„Found Object“: diese urbane Installation eines unbekannten Künstlers an Gleis 4 des Marburger Hauptbahnhofs erleichterte das Verlassen der Stadt ungemein. Das eindeutig erotische Kunstwerk spielt mit dem Spannungsfeld von hart und zart. Zur Symbolik der Geschmacksrichtung Vanille im Kontext sadomasochistischer Praktiken siehe Tucholsky, Kurt: Oxford Advanced Learner’s Dictionary of Current English. Berlin, 1914.)&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dumpf schlug es 13 Uhr, als Einfahrt an Doris’ Türe seinen charakteristischen Käuzchenschrei zum Besten gab. Er hatte einen Rucksack bei sich, der groß genug war, alles zu bergen, was man zum Überleben benötigte (z.B. keinen Rasierer, keine Jacke, keinen Teddybären) und klein genug, um doch in der Rückenansicht fast unterzugehen. Der Rucksack befand sich in einem miserablen Zustand. Wäre der Rucksack Papst Johannes Paul der II., so würde es kurz vor seinem Ableben auf CNN heißen, er slippe in and out of conciousness. Das Band, das gewöhnlich lässige Modelle unter den Rucksäcken zusammenhält, war unlängst durch eine getrocknete Nabelschnur ersetzt worden und ein Träger löste sich unaufhaltsam vom Grundgerüst. Die eitle Doris besaß keinen solchen Rucksack. Sie nahm mit zwei Taschen vorlieb, die sowohl ihren Chic simulierenden Lumpen als auch dem beachtlichen Kajalstift-Arsenal eine Herberge boten, und die im Übrigen keine Assoziationen zum Tourismus der kleinen Leute zuließen, denn Doris achtete penibel darauf, nicht zu den Menschen gezählt zu werden, die auf Reisen gerne „Freundschaften mit netten jungen Leuten aus aller Welt“ schließen. Fern lag das erste Ziel, namentlich die Hansestadt Hamburg, als unsere beiden Helden den ersten der da noch kommenden Züge bestiegen. Mit einem Bein noch in der Realität der Arbeitswelt konstruierte Doris mit Zuhilfenahme Einfahrts ein neuartiges Messinstrument zur Erfassung der gesellschaftlichen Komponente von Tierkreiszeichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLQ_MdPEqjI/AAAAAAAAAGI/I9rSKL22MBs/s1600-h/doris-zug.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLQ_MdPEqjI/AAAAAAAAAGI/I9rSKL22MBs/s400/doris-zug.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5238881749777558066" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sonne klebte am Himmel wie ein altes Karamellbonbon am Kachelofen, als der Zug endlich in der Hamburger Bahnhofskuppel einrasterte. Ächzend wanderten Doris und Einfahrt durch die Speicherstadt und ließen die Zeit verstreichen, die sie von der Zusammenkunft mit Doris’ Bruder trennte, der den Ankömmlingen Schlafplätze zur Verfügung zu stellen so freundlich war. Was während der zwei Tage in Hamburg geschah, soll aus dramaturgischen Gründen verschwiegen werden. Es darf jedoch erwähnt werden, dass Doris und Einfahrt ihre Pläne zum Islam zu konvertieren jäh aufgeben mussten, als sie sich in einer Filiale der Restaurantkette „Schweinske“ wiederfanden. Das Gericht „Gorgonzola-Schwein“ war sehr lecker gewesen. Im Laufe des Tages ertappte sich Doris immer wieder dabei, an das Gorgonzola-Schwein zu denken, und wie gut, dass sie Einfahrt darüber Beichte ablegte, denn ihm war es genauso gegangen. Und so konnten nach Mitternacht mehrere auffällig konvex geformte Spaziergänger zwei mampfende Gestalten betrachten, die in den Toren einer kleinen Kirche sitzend ein weiteres Gorgonzola-Schwein verputzten. Am nächsten Tag wollten Doris und Einfahrt nach Fehmarn ans Meh farn. Sie nahmen das Privat-Taxi. Die Ostsee erstreckte sich bald zu allen Seiten. Würde sie ihr Versprechen halten? Würde ihr weißes Rauschen die korrumpierten Dateien aus ihren Köpfen löschen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLQ_cF5fFiI/AAAAAAAAAGQ/8Qi2t8LOK74/s1600-h/hamburch2.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLQ_cF5fFiI/AAAAAAAAAGQ/8Qi2t8LOK74/s400/hamburch2.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5238882018390906402" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Auf dem Jakobsweg nach St. Katharsis.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Urlaubs-Tun des Chemiker-Duos war für ein Päuschen-Plus-Programm recht ungewöhnlich motiviert, nämlich von der Aussicht auf reinigende Selbstkasteiung. Doris’ Bruder und Privatchauffeur, darüber hinaus ein wohlorganisierter Tourismusberater, war nicht müde geworden, Doris und Einfahrt auf die Jugendherberge und ihren exakten Standort in den Koordinaten Fehmarns hinzuweisen. Man muss ihm seine naive Hilfsbereitschaft verzeihen, konnte er doch nicht wissen, dass die beiden verwahrlosten Kastagnetten in seinem Wagen nicht zum Spaß hergekommen waren. Kaum verlor sich das Taxi am Horizont, wurde der Plan in gegenseitigem Einvernehmen verbalisiert. Einfahrt schwebte als Schlafersatz eine Nachtwanderung bis in die Morgenstunden vor. Besonders spannende Herausforderung für Doris, deren Chucks hinten bereits dreifingerbreit ihrem Ende entgegenfledderten. &lt;br /&gt;Von Burg auf Fehmarn waren es einige Kilometer zum attraktiven Südstrand. Aber wer waren Doris und Einfahrt, eine Busfahrt in Erwägung zu ziehen, und wer waren sie, der geraden Wegweisung der Einheimischen zu folgen? Nachdem sie im größten Sicherheitsnadelfachgeschäft Burgs einen Batzen Sicherheitsnadeln für Rucksack und Schuhe gekauft hatten sowie eine Postkarte mit einer lausigen Karte von Fehmarn drauf, zur groben Orientierung, nahmen sie den unattraktivsten Umweg zum Südstrand. Was für ein kratziger Rausch für die sensiblen Körper! Der erstbeste Irrweg erwies sich strukturell als Twilightzone Level 4,  die beiden folgten also der Traktorspur durchs Kornfeld, ließen ihre Fingerkuppen über die Ähren gleiten, verbrannten sich – vor Vergnügen quietschend - an Brenesselstauden, lieferten ihre Hirne der sengenden Hitze der Sonne aus, als Einfahrt plötzlich jappsend innehielt. Starr vor Schreck wies er Doris eine Bewegung im Gestrüpp. Abgehakt berichtete er ihr von seiner lebenslangen Angst vor Rehkitzen und stammelte überzeugt von der Existenz ebensolcher droben im Dickicht. Doris ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Rehkitze!? Oh bitte. Rehkitze, diese feigen Fotzen!? Als sie wenige Meter vor dem besagten Gestrüpp angekommen waren, sprangen die Rehkitze aus dem Graben und hüpften in mehreren eleganten Sätzen davon. Doris fand es herrlich. Einfahrt bibberte, den Tod noch ins Antlitz geschmiert. Angeschlagen erreichten sie den Südstrand - noch vor Sonnenuntergang (diese Info ist natürlich nur für Leute interessant, die wissen wollen, ob die Beachtoiletten noch rechtzeitig vor Schließung erreicht werden konnten: und ja, sie konnten!). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Selig saßen Doris und Einfahrt am Kai und ließen tote Quallen übers Wasser flitschen. Diese Wanderung würde ihnen ganz schön was um die Ohren pusten! Denn hier waren sie: lockeres Schuhwerk, gelöster Rucksack, entspannte Gemüter in salopper Kommod. Der Wind würde bald kommen und mit Madame Eiseskälte das Tanzbein schwingen, die Ungewissheit der Finsternis würde drohend ihren Mantel ausbreiten und ihr Revier markieren, den Menschen zum Trotz, die sich bei Tage so viel darauf einbilden, die Natur im Griff zu haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLQ_tvO4EFI/AAAAAAAAAGY/-xIHFJ5ckzM/s1600-h/nachtwanderung.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLQ_tvO4EFI/AAAAAAAAAGY/-xIHFJ5ckzM/s400/nachtwanderung.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5238882321544253522" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Himmel verfinsterte sich Wolkengeschwür für Wolkengeschwür und ein voller, fetter Mond stieg auf, klapperte bedrohlich mit seinen verklumpten Wimpern... doch Doris und Einfahrt stampften unbeirrt über Stöckchen und Steinchen, durch Sand und Humus. Am Ufer entlang, dann weg vom Ufer, vorbei an Schrebergärten, die nahezu gepflastert waren mit lebenden Hasen, wieder zurück zum Ufer, und dann, als die Schwärze kam, wieder auf die Straße, denn es ist gruselig, wenn es aus dem Meer so ungewisser Herkunft rauscht und düster klatschen die Wogen an Krebsschalen und Muschelsplitter und Haikiefer und vergessene Gebisse seniler Touristen klappern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLQ_4Y3u2ZI/AAAAAAAAAGg/U3MAILMVXYk/s1600-h/nachtstrand.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLQ_4Y3u2ZI/AAAAAAAAAGg/U3MAILMVXYk/s400/nachtstrand.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5238882504520161682" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einfahrt hatte, als es noch hell gewesen, einen knorpeligen toten Ast gefunden, wie sie an Stränden häufig anzutreffen sind. Das unsystematische aber intensive Betasten des Holzes verschaffte beiden einen Energiezuwachs. Wie gut, dass Einfahrt nicht nur studierter Chemiker war, sondern auch die uralten Mythen der Kelten kannte. Und wie Doris’ Finger über, durch und entlang der Verknorpelungen glitten, da wusste sie: mit diesem Mann an ihrer Seite war nichts zu befürchten, obgleich auch nichts zu hoffen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRAYkAHr0I/AAAAAAAAAGo/0MvEggJSM78/s1600-h/sybel.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRAYkAHr0I/AAAAAAAAAGo/0MvEggJSM78/s320/sybel.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5238883057263947586" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;i&gt; (Symbolbild)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zuhause hatten Doris und Einfahrt des öfteren „Ich packe meinen Koffer“ zusammen gespielt. Und was hatten sie nicht alles mitgenommen! Ein Schiff, einen Gartenzwerg, päpstliche Bullen, gordische Knoten und sogar eine Wolke 7. Nun, da sie sich plötzlich auf der einsamen Insel wähnten, hätte ihnen etwas gesunder Realismus sicher nicht geschadet. Aber vergessen wir nicht: wir haben es hier mit zwei Menschen zu tun, die ihrem eigenen Scheitern unlängst den Heiratsantrag gemacht haben. Finster war es auf Fehmarn, außer Tieren und Bäumen, Himmel, Arsch und Zwirn keine Anhaltspunkte whatsoever. Lediglich die geknickte Postkarte mit dem schemenhaften Abbild der Insel ruhte in Einfahrts Hand wie der sprichwörtliche Strohhalm der zerbrechlichen Hoffnung. Doris und Einfahrt lokalisierten sich selbst im Süden. In den Norden galt es vorzudringen, denn im Norden, wo Puttgarden eingezeichnet war, da hielten Fähren. Was also tun? Die Karte verriet mehrere Ortschaften, darunter vielversprechende Namen wie Vitzdorf, Klausdorf, Niendorf, Bannesdorf, Gahlendorf, etc. – das war ja ne ganze Menge! Unwahrscheinlich, bei dieser Auswahl nicht auf den ein oder anderen netten Flecken zu stoßen, man könnte sich sicher in urigen Kneipen mit Bubidach die Zeit versaufen oder ein kurzes Nickerchen in einem Park machen. Die erste Siedlung nach Kilometern puren Ufers war bald erreicht und begrüßte die Ankömmlinge mit einer noch offenen Pizzeria, in der einige kühle Biere mitgenommen wurden. Um die ausländische Kellnerin zu verwirren, vergaß Doris ebendort ihr Handy. (Der Verlust wurde erst am nächsten Tag registriert. Bis dahin hatte die ausländische Kellnerin bereits christlich-vorbildlich bewiesen, dass sie aus dem Osten kam. Sie hatte sich mit Doris’ Eltern in Verbindung gesetzt und konnte auf diese Weise die bestehenden Sorgen um die geisteskranke Tochter noch weiter nähren.) Das Dorf mit der Pizzeria entpuppte sich häuserreihentechnisch als kurze, ja, stummelartige Angelegenheit. Der nächstbesten Ausschilderung folgend befanden sich Doris und Einfahrt bald in einer Landschaft, deren Fülle in der folgenden Grafik dargestellt ist: zur lohnenswerten Detailansicht empfiehlt der Verfasser dieser Sommerlektüre die Vergrößerung per Mausklick. Enjoy! &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRNaMoZZcI/AAAAAAAAAHg/a93EZJoFzIw/s1600-h/dunkelfeh.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://4.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRNaMoZZcI/AAAAAAAAAHg/a93EZJoFzIw/s400/dunkelfeh.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5238897379001329090" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So finster war es mittlerweile geworden auf Fehmarn, dass Doris und Einfahrt nach möglichen Ausschilderungen &lt;i&gt;tasten&lt;/i&gt; mussten. Glaubten sie eine solche gefunden zu haben, zuckten sie die Digitalkamera und schossen auf das Objekt mit einer Kugel Blitzlicht. Auf dem Display konnten sie dann sehen, wie viele Kilometer sie von der nächsten Ortschaft trennten. Nicht unsmart von den beiden! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRBA5zw-pI/AAAAAAAAAG4/Q6UonjIZuik/s1600-h/fotowegweiser.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRBA5zw-pI/AAAAAAAAAG4/Q6UonjIZuik/s320/fotowegweiser.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5238883750312475282" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Landschaft auf dem vorletzten Bild änderte sich indes wenig. Doris musste eine Denktechnik entwickeln, um vor Angst und Unbehagen nicht in Ohnmacht zu fallen. Die Welt dachte sie sich als Richtung, und diese Richtung war „geradeaus“, in diesem Konzept gab es kein rechts, kein links und kein hinten. All das Getier, all das unbekannte Geraschel konnte so getrost ignoriert werden, es galt nur, vorwärts zu kommen. Nur so gelang es ihr, sich als stolzer Wandervogel zu bewegen. Bis Einfahrt sie auf einen großen Tierschatten hinwies, der genau auf sie zukam. Doris fühlte wie ihr Herz gegen die Brust trommelte. Ganz weiche Knie hatte sie bekommen, als sie nach Einfahrts Arm tastete, um nicht umzuknicken wie ein überfahrenes Pflänzchen. Das Tier kam immer näher, und immer größer wurde es. War es ein tollwütiger Hirsch? Ein Kampfstier? Eine Giraffe, die ihr Nest verteidigte? „Ach, das sind PFERDE!“, seufzte Einfahrt erleichtert. Tatsächlich hatte es sich um Pferde gehandelt, die ordnungsgemäß in einem Gehege umherwanderten. Dass das Pferd nun ausgerechnet Doris ins Antlitz latschte, war Zufall gewesen, wie so vieles in der Kulturgeschichte. &lt;br /&gt;Nicht mehr weit, dann würde Vitzdorf am Horizont erscheinen. Man sah schon ein Licht am Ende des Tunnels aus feinsten Schattierungen von Schwarz. Und dann waren sie angekommen, nur um festzustellen, dass Vitzdorf aus einer Kreuzung, fünf Häusern und einer Bushaltestelle bestand. Keine einzige Freizeitmöglichkeit lockte, und auch die Gärten und Vorgärten der Vitzdorfer hielten ihre Schönheit vor den Fremden geheim, in Fehmarn schien man nämlich von Straßenbeleuchtung nicht viel zu halten. Die Laterne an den (imaginären) Toren der Stadt musste reichen, die gesamte Gemeinde mit Licht zu versorgen. War es denn aber möglich, dass um Mitternacht bereits alles dunkel war hinter all den Fenstern, wo angeblich Menschen leben? Nicht das leichteste Rascheln gab das Dorf von sich, nicht das dezenteste Anzeichen von Leben. Also weiter nach Bannesdorf. Es konnte sich ja nur um weitere 2-5 km handeln. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es darf ruhig gesagt werden: Bannesdorf war der Tod. Ein regelrechter Freizeitpark des Stillstands. Ein einziger großer Budenzauber der Stagnation. Zwei kleine Straßen verbanden sich hier zu einer eigenständigen Gemeinde. An der Stelle, wo sie sich kreuzten, stand eine Eiche und simulierte auf rührende Weise einen Hinrichtungsort am Alten Rathaus. Unter dieser Eiche hielten Doris und Einfahrt wohlverdiente Rast. Schon bald schlugen sie die Augen nieder und schwurbelten in einen traumlosen Schlaf. Es ruhte sich aber nicht gut in einem Gebiet, das im Gegensatz zu Vitzdorf sehr wohl beleuchtet war: allerdings mit diesen Baustellen-BlinkyBills, die – schlecht synchronisiert, wie Baustellenchoreographie sich nun mal ausnimmt,  polyrhytmische Lichtmuster von sich gaben. Einfahrt taufte den mit BlinkyBills ausstaffierten Weg „Schizo-Allee“, diese wollten sie dann als nächstes einschlagen. Und so hatte sie ausgesehen: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRBNImCRPI/AAAAAAAAAHA/DlS0rqeqym4/s1600-h/schizo_edited-1.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRBNImCRPI/AAAAAAAAAHA/DlS0rqeqym4/s400/schizo_edited-1.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5238883960439850226" /&gt;&lt;/a&gt; &lt;i&gt;(Umsetzung: Fotografisches Gedächtnis und expressiver Impressionismus auf Keramikbulette)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da auf der Postkarte von Fehmarn eine Kirche weiter nördlich eingezeichnet war, war es Doris und Einfahrt nicht schwergefallen, sich für das nächste Ziel zu entscheiden. In Kircheneingängen hatten sie den Großteil ihres Lebens verbracht (siehe Hanse, aber auch schon als Kinder), Kircheneingänge waren geräumig und boten melancholischen Seelen eine dunkelromantische Atmosphäre. Aber wo nun diese Kirche?, dachten sie sich, als sie diesen Ort endlich erreicht hatten. Es schlug 3 Uhr. Omfg. Wo kam diese Glocke her? Bitte schlag doch noch einmal, lieblicher Turm!, flehte Doris, doch es half alles nichts, das Gehör war nicht mehr das beste und die Glocke nicht mehr die überschwenglichste. Die Kirche müsste man auf den kommenden 20 Quadratmetern besiedelten Landes suchen. Zu Fuß. Doch überall nur wohlvertraute Finsternis. Doris und Einfahrt erreichten zwar keine Kirche, wohl aber eine alte Telefonzelle. Diese spendete ihnen Licht (und auch eine gewisse Wärme). Stundenlang schon hatten sie ein gemütliches Plätzchen zum Schlafen gesucht, eine Parkbank, ein Spielplatzhäuschen, &lt;i&gt;irgendwas&lt;/i&gt;, und überall hatten sie nur dem NICHTS in den Rachen geblickt. Hier stand zumindest eine morsche Bank, Doris also unüberlegt drauf. Wie gut, dass Einfahrt die Augen eines ausgewachsenen Mäusebussards hatte. „Du, da find ganz viele Affeln.“, sprach er Doris ins Gewissen, worauf diese, als hätten die Asseln bereits Besitz von ihrer Seele ergriffen, aufsprang und erstmal zehn Zigaretten hintereinander rauchen musste. Wie müde waren ihre Glieder! Wie sehnten sie sich nach erneuter Rast! Doris' Beine waren inzwischen angeschwollen und „das Knie“ machte wieder Probleme. Und so ließen sie sich auf der nicht existenten Sitzgelegenheit in einem Bushaltestellenhäuschen nieder, auf dem Boden also, und dämmerten dahin. Als eine weitere Armee Asseln hörbar wurde, sprang Doris auf und riss Einfahrt mit sich. „Komm, wir müssen weiter.“, drängte sie ihn. „Ich kann diese Unverschämtheiten nicht länger ertragen.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRBbe_2_ZI/AAAAAAAAAHI/JtpukhKYiJA/s1600-h/asselshausen.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRBbe_2_ZI/AAAAAAAAAHI/JtpukhKYiJA/s320/asselshausen.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5238884206971911570" /&gt;&lt;/a&gt; &lt;i&gt;&lt;br /&gt;(hoffentlich mal ein Albumcover für Peter Licht)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kilometerpakete folgten auf Kilometerpakete. Das Leben geronn zu einem langsamen Honigfluss. Die Beine liefen wie von selbst weiter. Man schwieg. &lt;br /&gt;Und der Himmel lichtete sich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRCBL2aNNI/AAAAAAAAAHQ/1d9mODAcUVU/s1600-h/tagbrichtan.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRCBL2aNNI/AAAAAAAAAHQ/1d9mODAcUVU/s320/tagbrichtan.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5238884854667031762" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach 15 bis 20 zurückgelegten Kilometern also kamen unsere beiden Schnappsnäschen erneut in ein kleines Städtchen, doch waren sie dieser Nacht dort so überdrüssig, dass sie sich einfach an einen Privattümpel legten, mit mitgebrachten Stoffresten über ihren Köpfen, um die Gesichtshaut zu schonen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRCN9zojjI/AAAAAAAAAHY/X-obTT0DXdA/s1600-h/bibertotfund.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLRCN9zojjI/AAAAAAAAAHY/X-obTT0DXdA/s320/bibertotfund.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5238885074235592242" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Polizei, die verlangsamte, als sie das hässliche Schauspiel sah, müssen Morde an toten Gewässern ein langweiliges Alltagsgeschäft sein, denn sie fuhren unbeirrt weiter. Die aufgeweckte Doris rüttelte nach einer halben Stunde Vogelgeschrei Einfahrt wach - sie konnte es nicht ertragen, in diesem harten Grase zu liegen, wo alles piekste und kratzte und wo die Tiere so nah am Ohr schmatzten. Einfahrt war ihr sehr böse, aber aus Anstand ging er mit. Nach weiteren 3 Kilometern frustenden Marschierens hatten sie den Fährenhafen "Puttgarden" erreicht. Doris und Einfahrt freuten sich SEHR auf die Fähre. Hier könnten sie ein Frühstück ordern, eine Cygarret auf dem Trockenen rauchen und in einer hierfür weitaus geeigneteren Atmosphäre ihr wissenschaftliches Gespräch über die Raketisierung von Wildschweinen fortführen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;In der nächsten Folge: Doris und Einfahrt in Skandinavien!&lt;/i&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-5830507498702574822?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/fgPDJsLzKZQ" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/fgPDJsLzKZQ/urlaub-in-der-antirealitt-ein.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SLQ-58OcLwI/AAAAAAAAAGA/V4mlqFwzIvo/s72-c/grummel.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">1</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/08/urlaub-in-der-antirealitt-ein.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-2998179992690527204</guid><pubDate>Fri, 25 Jul 2008 09:56:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-07-25T12:05:32.157+02:00</atom:updated><title>Die ekelhafte Welt der Amelie.</title><description>Ich würde mich nicht als jemanden bezeichnen, der Filme mag. Ich schaue sie mir dennoch fünfmal die Woche an, so wie ich den ganzen lieben Tag Wikipedia-Artikel lese, obwohl ich mich nicht als jemanden bezeichnen würde, der so etwas gerne tut. Gewissermaßen, wenngleich viel sicherer, sind Filme wie Parties: obwohl die gehäufte Erfahrung mich eines Besseren belehrt haben sollte, drehe ich mir doch immer wieder die Feier-Papilotten ins Haar, denn es könnte ja sein, dass auf dem mit Langeweile gepflasterten Pfad das ein oder andere leckere Nüsschen herumliegt. Was meine Gesellungsgeschichte mit Filmcharakteren angeht, so habe ich vor wenigen Tagen ein solches gefunden und presse es mir ganz stolz an die Brust: &lt;i&gt;Welcome to the Dollhouse&lt;/i&gt;*. Ich möchte hier aus Respekt vor der Subjektivität der Rezeptionsweisen keineswegs eine Empfehlung aussprechen. Meistens sind Filme, die man genießt, nachdem man sie von einem Anderen unter die Nase gerieben bekommen hat, eine Enttäuschung, das ist mit Musik und Büchern häufig genau so. Irgendwie hauen einen nur Dinge aus den Puschen, die man selbst entdeckt hat. Man möge mir verzeihen, dass ich mir vor Begeisterung in meine Bloggse mache. Ich muss es einfach loswerden. Es geht mir aber auch um sehr viel mehr als diesen Film in diesem Eintrag. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Welcome to the Dollhouse&lt;/i&gt; ist ein Film über das Erwachsenwerden, genauer: über das Erwachsenwerden als Außenseiter. Im Gegensatz zu den Abermillionen von Drehbüchern, die sich der Pubertät und der Sonderlinge annehmen, ist in diesem düsteren Machwerk aber absolut alles richtig: richtig bitter und richtig toll. &lt;br /&gt;Der Film handelt von einem Mädchen namens Dawn Wiener. Sie ist 11 Jahre alt und geht in die 7. Klasse. Dawn hat ein Problem: sie ist unförmig und hässlich. Während ihre Mitschülerinnen im Begriff sind, die Gestalt attraktiver Frauen anzunehmen, steckt sie mit dem ungelenken Körper in den denkbar trashigsten Kinderklamotten und mit dem Selbstbewusstsein knietief in der Scheiße. Die Mitschüler machen ihr das Leben zur Hölle. Sie wird beschimpft, verarscht, gedemütigt und bestenfalls links liegen gelassen. Die Familie, die einem solch getretenen Kind eine Insel der Liebe sein sollte, spiegelt ihr nur mehr ihre Position in der Gesellschaft wieder. Dawns kleine Schwester ist eine zierliche Prinzessin, die Tag und Nacht im rosa Tütü durch die Gegend tänzelt. Vater und Mutter finden Dawn gleichermaßen sonderbar und zeigen weder Verständnis noch Anzeichen von Elternliebe. Oh-oh, ein Problem-Film, klingelt es bei den Problemfilm-Traumatisierten. What can I say? Knüll das Trauma in die Tonne, Yvonne, denn hier wird nicht rumgeflennt wie etwa im Dauerflenner „Magnolia“, hier werden auch keine Arme geritzt und keine klischeehaften Opferprofile erstellt. &lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.bergen-filmklubb.no/images/Welcome_to_the_dollhouse.jpg"&gt;&lt;img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;width: 200px;" src="http://www.bergen-filmklubb.no/images/Welcome_to_the_dollhouse.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt; Stattdessen gelingt Drehbuchautor und Regisseur Solondz die paradox scheinende Leistung, gleichzeitig krass überzeichnet und bis zum Anschlag realistisch über die Hölle einer Kindheit zu erzählen. Wie hat der das gemacht?, habe ich mich gefragt, und die Antwort prompt gefunden, nachdem mir klar geworden ist, dass das ein Film über mich gewesen ist. Realistisch: denn genauso ist es gewesen. Alles. Die beschissenen Klamotten, das Mobbing, das nur eine Begründung kannte: du bist hässlich. Die Angst, bemenschte Räume zu betreten, die allzeit alarmierte Körperhaltung, die man bei Erwartung eines Angriffs annimmt (die genau die Art von Haltung ist, die fiese Gesellen zu Schandtaten provoziert). Dawn verliebt sich nicht nur in einen älteren, langhaarigen Frauenhelden, der dem älteren, langhaarigen Frauenhelden, in den ich verliebt war, wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht (beide sind E-Gitarren-Spieler, was soll das), sie beschwört ihn auch mit lächerlichem Liebeszauber an ihrem Kitschaltar, genau wie ich es getan habe. Die Bedrohung, die indes von absolut allen Menschen ausgeht, denen Dawn begegnet, kenne ich auch 1:1. Überzeichnet: denn genauso ist es gewesen. Die junge Seele nimmt alles überzeichnet wahr. Ein erwachsener Mensch hat die Souveränität, die Geschehnisse als Defekte der Umwelt zu erkennen, das Pubertierende sieht nur den eigenen Defekt. Gezwungen in die Egozentrik erlebt der unfertige Mensch sich selbst als Mittelpunkt der Welt, obgleich er darin das Zentrum der Zielscheibe ist und kein Magnet positiver Aufmerksamkeit. Es ist wichtig, die Sache mit der Egozentrik mal richtig (dar) zu stellen. Menschen, die sich nur um sich selbst drehen können, wird allzu gern Überheblichkeit und Selbstverliebtheit unterstellt. Dass es sich in vielen Fällen um einen &lt;i&gt;Rückzug in sich selbst&lt;/i&gt; als Selbstverteidigungsmaßnahme handelt, kann der Betroffene im Kugelfeuer der Arroganzvorwürfe nicht kommunizieren. Der erste Strauß an Solondz geht also raus für die ungemein authentische Darstellung der präpübertären Außenseiterperspektive (geil, wie ulstig ich vertusche, dass ich nicht weiß, wie man das schreibt, ne?). Wenn ich mir vergegenwärtige, wie ECHT das alles ist, was da passiert, krampfen sich meine Extremitäten freudig zusammen. Ich muss es noch einmal betonen: es geht in diesem Film 100%ig um die Perspektive des Außenseiters und NICHT um die Perspektive des Publikums auf den Außenseiter. Ein Paradebeispiel für letzteres ist der widerliche Kitschstreifen „Amelie“ (Abk.). Amelie verkörpert nämlich einen Außenseiter, dem das Unmögliche gelingt: die Zuschauer wollen diese wunderbare Amelie in ihrem Leben haben, mehr noch, sie wollen selbst Amelie sein. Ist sie nicht reizend, diese bildhübsche Amelie mit ihrem Doofi-Pony, dem naiven Teddybärblick, dem unschuldig-verkniffenem Lächeln? Schreit ihr ganzes Wesen nicht nach einer Heiligsprechung? Wer wäre nicht gern wie sie: uneigennützig um das Wohl seiner Mitmenschen besorgt, empfindsam, und gern auch ein bisschen seltsam. Und natürlich einsam. Einsam nur aus diesem einen Grund, dass man zu wertvoll ist für diese Welt. In Amelies Welt ist Einsamkeit ein heiliges Stigma, ein Erkennungsmerkmal für den nicht minder wundersamen Mann, der aus derselben entrückten Welt kommen und die nie wirklich gelitten habende auf ganz und gar himmlische Weise belohnen wird: mit Liebe. Für immer. So wünscht die Unterhaltungsgesellschaft sich ihre Außenseiter. Die Existenz solcher Außenseiter tut nicht weh, sie bereichert. Man wendet sich nicht angewidert von ihnen ab, sondern streckt die Hände nach ihnen aus. Man fürchtet nicht, so zu werden wie sie, man strebt danach. Hallo-hoo? Sämtliche Konzepte, die ich von einem Außenseiter habe, stehen im Gegensatz zu Amelie. Das interessiert aber niemanden, und Amelie wird seit ihrer Uraufführung munter und vor Liebe beschwippst als Ikone des Außenseiterfilms gefeiert. Give me a fucking break. Mein vernichtendes Urteil: Amelie ist ein Symbol für alles, was die Menschen gerne wären, aufgrund immanenter Eigenscheiße aber nicht sind. Das diffuse schlechte Gewissen wurde an der Kinokasse eingetauscht gegen die Illusion, für die „Anderen“ und „Einsamen“ ja wohl doch gaaaanz viel Liebe übrig zu haben. Mit nässendem Blick verließen sie den Kinosaal, vorbei an der wenig erbaulichen Kulisse aus stinkenden Pennern, zahnlosen Heroinabhängigen und fettleibigen Kindern. Und da ist ja auch die zerzauste Stadtschizophrene! Aber für heute Abend hamma ja genug sympathisiert mit den Sonderlingen und schauen jetzt lieber dem Schatzi in die Augen als denen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber zurück zu Dawn, die niemand in den Arm nehmen möchte. Ein zweiter Strauß geht raus für das Fehlen mitleiderregender Mittel. Zu verdanken ist es der sehr klugen Charakterkonstruktion. Dawn ist zwar offensichtlich ein Opfer, aber sie reagiert auf die feindliche Umwelt nicht in einer Weise, die uns aus anderen Filmen bekannt ist. Sie ritzt sich nicht, sie experimentiert nicht mit Drogen herum, gründet keine Rockband, unternimmt keinen Selbstmordversuch, ja, sie heult nicht einmal. Sie reagiert auf ihre Umwelt mit zitternder Stimme (passiv) oder (aktiv) indem sie sie nachahmt. Wenn etwa eine Gruppe von Cheerleadern sie eine Lesbe schimpft, so nimmt sie das mit nachhause und reicht es an ihre kleine Schwester weiter. Ihren einzigen Freund verschmäht sie auf fiese Weise und nennt ihn eine Schwuchtel, denn so haben ihn die Kinder aus der Schule geschimpft. Fürwahr, sie ist kein Engel, sie ist ein kleines Arschloch, das die Barbiepuppe der Schwester zersägt und schließlich mit dem Hammer über ihrem schlafenden Ballerinakörper steht.  Nichts hat sie, um ihre Hässlichkeit zu kompensieren. Gut, sie spielt Klavier, aber noch schlechter als ich. Und sie hat sich eine Laube im Garten gezimmert, darin ein toter Vogel liegt. Das Mädchen ist blass. Aber was dem in einer heilen Welt Großgewordenem als Charakterschwäche erscheinen mag, ist unter Berücksichtigung der Umstände eine allzu verständliche Reaktion. Dawns hoffnungsloser Wunsch, dazu zu gehören, kann sich keinen anderen Ausdruck verschaffen als den, sich das aggressive Verhalten, mit dem sie konfrontiert wird, selbst anzueignen: es ist ihre einzige Möglichkeit, Gemeinsamkeiten mit ihren Altersgenossen herzustellen. Wenn sie nicht die äußere Schönheit zu kopieren in der Lage ist, so doch wenigstens die innere Hässlichkeit ihrer Mitmenschen. Ihre Tragik wird jeder nachvollziehen können, der in einem ungünstigen Alter das Pech hatte, die Akzeptanz als vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft verwehrt zu bekommen. Eines ist klar: mit Dawn möchte sich niemand identifizieren. Sie erregt mitnichten Begeisterung, aber auch kein Mitleid (obwohl es wirklich mehr als angebracht ist). Sie ist, was in „Außenseiterfilmen“ nur selten jemand ist: ein echter Außenseiter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das dritte Sträußchen ist fällig und geht an den schwarzen Humor, der mitunter sehr subtil ist: mein Gott, ist dieser Film lustig. Nicht in einem feuchtfröhlichen Harharhar-Sinne. Die Details treffen einen Humor, der sich innerlich Ausdruck verschafft. Man möchte sich die Haare raufen, vor einer seltsamen Mischung aus Fremdschämen und Mitfühlen im Erdboden versinken, oder auch vor Begeisterung über diese schmerzhafte Präzision, über all die Entgleisungen, über die unmögliche Ästhetik jede Szene tausendmal schauen. Die schauspielerische Leistung ist brillant. Vor allem die kleine Ballerina begeistert mich mit ihrem Minenspiel, das, aus Dawns Perspektive betrachtet,  pure rosa Kotze ist.  Jeder Feind des kleinen Wiener-Dog (wie sie gemockt wird) wird in seiner mächtigsten Position gezeigt und zauberhafterweise gerade dadurch der Lächerlichkeit preisgegeben. Einige Menschen sind der Ansicht, der Regisseur nehme sich hier zu viel heraus. Es sei einfach nicht lustig, über ein so ernstes Thema zu lachen. Haben die denn nichts verstanden? Sind sie nicht wie die politisch Korrekten aus dem Asta-Fanclub, die selbst dem Marginalisierten noch verbieten würden, über sein Schicksal zu lächeln? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bitte, bitte, bitte, mehr solcher Filme. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;* „Welcome to the Dollhouse“ (1995) gibt es in mehrere Teile gesplittet bei Youtube. Bei Interesse: &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=MMtreCobZjg&amp;feature=related"&gt;Check it out&lt;/a&gt;.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-2998179992690527204?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/tRz8T3ihHd4" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/tRz8T3ihHd4/die-ekelhafte-welt-der-amelie.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">5</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/07/die-ekelhafte-welt-der-amelie.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-3759223750653543649</guid><pubDate>Wed, 23 Jul 2008 16:05:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-07-23T18:16:21.830+02:00</atom:updated><title>StudiVZ: Aspekte einer Verfallsgeschichte.</title><description>Meine Mailbox hat schon bessere Tage gesehen. Sie war gut gesättigt mit Benachrichtigungen über neue Freunde, neue Pinnwandeinträge, neue Nachrichten. Jetzt ist da seit Monaten aber nichts mehr los, mein Plattformbezirk ist baufällig. Die Gebundenheit an das Ganze scheint bei allen gut nachgelassen zu haben. Nur gelegentlich logge ich mich ein, um Freundschaften zu kündigen und - waitaminute! Verlassensheitsgrund, ick hör dir trappsen. Freundschaften kündigen – warum tut ein Mensch sowas? Von welchen Minderwertigkeitskomplexen ist seine Grausamkeit motiviert? Was will uns die mutwillige Zerstörung virtueller Zwischenmenschlichkeit damit sagen? Speziell für meinen Fall habe ich gemeinsam mit Privatdozentin und Spezialistin auf dem Gebiet der Soziometrischen Orthopädie, Helga Schmarrnbutler-Kinsey, ein Hierarchiemodell der StudiVZ-Freundschafts-Kündigungsgründe entwickelt: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Der „Freund“ hat meine Hand in kaltes Wasser gelegt während ich schlief, eine Katze ausgekocht, asta-Newsletter auf meinen Namen bestellt. Weg damit. &lt;br /&gt;2. Der „Freund“ ändert seinen Namen alle zwei Stunden, behält aber den Grad seiner Profil-Ödnis bei. Lieblingsfilme: Fluch der Karibik und Donnie Darko, Lieblingsbücher: Das Parfum und Illuminati. Und wer sollst du nun sein, Flachpuffe? Zu dieser Kategorie gehören auch Leute, mit denen ich nichts gemeinsam habe außer dem Fachbereich und Atmen. Weg damit. &lt;br /&gt;3. Der „Freund“ findet mich doof und weiß, dass ich ihn doof finde. Ich weiß, dass der „Freund“ mich doof findet, wir sind uns des gegenseitigen Dooffindens schmerzlich bewusst aber fressen den Groll seit 1995 in uns hinein. Wird es denn nie ein Ende nehmen? Wird mich sein Portrait ewig daran erinnern, wie ich in Sport seinen Ball nicht angenommen habe, weil ich mich lieber kurz setzen wollte? Wird noch 2009 derselbe vorwurfsvolle Blick mich verfolgen, der mich strafte, als ich ihm den Wunsch verweigerte, ein Liebesgedicht für seine Uschi zu schreiben? Weg damit. &lt;br /&gt;4. Der „Freund“ und ich kommunizieren nie über diese Plattform. Das liegt daran, dass wir unsere ökologischen Nischen nicht im StudiVZ gefunden haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe die prozentuale Verteilung der Grausamkeitsstufen in eine äußerst lehrreiche statistische Form gebracht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SIdZIUmaBlI/AAAAAAAAAF4/u-7yPgDSwJA/s1600-h/schneehe.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SIdZIUmaBlI/AAAAAAAAAF4/u-7yPgDSwJA/s400/schneehe.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5226243892090373714" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie selbst der Dreisatzlaie unschwer erkennen kann, schneit es von meiner Seite am allerwenigsten auf die Häupte derer, mit denen ich lieber per Heizungsrohr oder über die Bierblume kommuniziere. Dass wir alle in derselben Galaxis verortet sind, ist zugegeben eine triviale Tatsache und dient hier nur der Illustration dieses oft vergessenen Umstands. Die wichtigste Tatsache „Tod“, operationalisiert als Klicken auf die Schaltfläche „Freundschaft kündigen“, gibt Aufschluss über das Wesen meiner StudiVZ-Beziehungen. Auffällig gering nimmt sich meine Löschaktivität bei Menschen aus, die mich enttäuscht und verraten haben. Offenbar gibt es der Vollärsche nicht viele. Nicht minder auffällig die Komplementärsäule auf der Rechten, sagenhafte 49% werden aus dem Grund gelöscht, dass sich mit ihnen keine Kommunikation im VZ treiben lässt. Ziemlich interessant auch, dass ich viel häufiger langweilige oder mir persönlich nicht bekannte Menschen zu löschen bestrebt bin als solche, mit denen ich durch gegenseitiges Scheißefinden vereint bin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem die Daten – sorgfältig ausgezählt, geprüft und von Dermatologen bestätigt aufs Tapet gebracht wurden, kann ich ja endlich mein hinterfotziges Appell richten an die Kommilitonen, die mich einst durch dezente Augenbewegung grüßten, nun jedoch ganze Lawinen böser Blicke über mich kullern lassen. IHR HABT SIE NICHT MEHR ALLE. Ehrlich: Leute, die annehmen, ich hätte einen emotional geladenen Grund, sie aus einer rosafarbenen Liste im Internet zu entfernen, obwohl wir noch nie ein über gegenseitige Bestätigung unserer Existenz hinausgehendes Wort miteinander gewechselt haben, heulen doch bestimmt auch, wenn sie bei „Reise nach Jerusalem“ verlieren. Erstaunlich, wie sehr sich die Fälle häufen, in denen mir hinterrücks berichtet wird, dieser oder jene wäre in tiefste Verzweiflung gestürzt, als er/sie bemerkt hat, dass ich meinem Klickmäuschen die fragliche Schaltfläche zum Reinbeißen gab. Ist der „Freundschaft kündigen“-Button the new Falltürautomatik der Knusperhexe oder was? Meinen die das ernst? Wie kann man diese lächerliche Plattform und die virtuellen Geschehnisse darin bloß ernst nehmen? Fun Fact: mit den besten Freunden aus dem realen Leben ist man häufig nicht „befreundet“. Auch hier drängt sich ein Vergleich auf. „Wir müssen uns nicht im StudiVZ vernetzen“ ist mittlerweile so was wie „Schatz, wir müssen nicht heiraten, um zu wissen, dass wir uns jederzeit ungestraft anpissen können.“ – Wat schön. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karten auf den Tisch: ich lösche, um Platz zu schaffen. Wenn ich nämlich mal gesellig drauf bin, will ich mit einem Klick (und nicht fünf) alle für social calls in Frage kommenden Leute einsehen können. Real Life-Anekdote: ein armseliger Freund hat mal ein eigens ausgedachtes Spiel mit mir gespielt, und das ging so: wir saßen einander gegenüber und hatten jeweils das eigene Handy in der Hand. Am Telefonbuch entlang erzählten wir uns abwechselnd, wie wir zu den darin gelisteten Freunden stehen. Als ich bei „Z“ angelangt war, war er immer noch bei „B“ und genoss sichtlich seine soziale Überlegenheit, es mit dem Kommentar garnierend: „Lass uns aufhören. Es ist dir bestimmt nicht angenehm, dass ich so viele Kontakte habe.“ Ich weiß nicht, warum man so etwas nötig hat. Das StudiVZ wird, und das freut mich für ihn aus ganzem Herzen, ein Multiplikator seiner Erregung sein, denn dort kann ja JEDER sehen, wie unglaublich viele Kontakte er hat. Und dafür muss er keine Zeit mit blöden Spielen zu zweit verschwenden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Welt sah anders aus, bevor es social software gab. Es gab Hoffnung. Träume. Was-wäre-wenns. Ich stellte mir vor, was ich sähe, könnte ich den Querschnitt von Wohnblöcken herbeiführen. All die Mikrowelten darin. Ich wünschte mir mehr Offenheit, mehr Gelegenheiten, die Masken abzulegen. Ich wollte wissen, was in anderen vorgeht, ich wollte ihre Schwächen kennen und ihre Ängste. Ich wollte wissen, wie sie empfinden und warum. In Polen gibt es ein Sprichwort: wenn Gott uns bestrafen möchte, erfüllt er uns unsere Wünsche. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das StudiVZ hat mich gelehrt, dass Steffis Identifikation mit ihrem Party-Busen gar nicht &lt;i&gt;sooo&lt;/i&gt; interessant ist. Natürlich kann ich da nur für mich selbst sprechen: „Bikinibilder StudiVZ“ ist der häufigste Suchbegriff, der Googelnde auf meinen Blog führt. Es hat mich immer einwenig verstört, wenn man vom StudiVZ unschön als von einer „Fickbörse“ sprach. Diese Hypothese war meinem naiven Weltbild fern, und sollte das VZ für einige diese Rolle erfüllen: ich hatte nichts damit zu tun. Nur stimmt das leider nicht. Ich erinnere mich an einen Vorfall, der mir unangenehme Schauer bescherte. Ein Mann der aussah, wie man sich einen verklemmten Windelfetischisten mit gelegentlichen Folterphantasien vorstellt, schleimte mir sein „Interesse“ in eine Nachricht. Um zu erfahren, was ihn dazu bewegt hatte, hakte ich nach, wie er auf mein Profil gekommen war und er entgegnete geifernd, er sei über die Bondage/SM-Gruppe auf mein Profil gekommen. Meine angebliche Mitgliedschaft in dieser Gruppe war mir neu. Nach angewidertem Hin und Her stellte sich heraus, dass er um mehrere Ecken, aber ausgehend von eben jener Gruppe, auf meine Seite gekommen war. Als ich früher die Gedanken schweifen ließ und mir vorstellte, wie es wäre, wenn ich wüsste, wer wohl heimlich in mich verliebt ist, dachte ich eigentlich nicht an einen Blähbackengeek, der mich verpacken und verhauen will (oder umgekehrt). Dies als anekdotische Einleitung zu meinem generellen Unverständnis gegenüber des Rätsels, warum so verstörend viele Leute im StudiVZ mittels sichtbarer (!) Mitgliedschaft in bestimmten Gruppen derart penetrant mit ihrer Sexualität hausieren gehen. &lt;br /&gt;Unglaublich, aber wahr: während meiner Recherche zu einer akademischen Arbeit über die gesellschaftliche Konstruktion von Aversion und Attraktion bezüglich weiblicher Körperbehaarung (ich poste bei Gelegenheit eine blogfreundliche Version) stieß ich auf eine StudiVZ-Gruppe mit dem Namen „lasst es wachsen! nein zu intimrasur.“ Darin ein Thread betitelt mit „Fotos“. Ich dachte mir, die posten da jetzt bestimmt so LOL/ROFL-Intimfrisuren, die sie sich auf Humorwebsites zusammen suchen, aber falsch gelegen. Die Mitglieder der Gruppe posten darin tatsächlich Bilder von ihren eigenen Genitalien. „Hier noch eins von mir“, setzt ein Mädel unter ihren Flaum. „Sehr schön.“, kommentiert ein Typ. Die Männer verzichten bei ihrer Zurschaustellung nicht auf einen erigierten Penis und einige Frauen beweisen Mut beim Hineinstellen doch recht pornografischer Posen, denen wirklich nur noch durch den Haarpuschel die Härte einwenig genommen werden kann. Und das alles vor den Augen aller. Man muss sich zwar autorisieren lassen, bevor man eintreten kann, aber ein sympathisches Fakeprofil ist schnell erstellt. Warum nicht gleicht bei Lilo Wanders vorsprechen und vor laufenden Kameras einen Gipsabdruck von seinem Untenrum machen lassen? &lt;br /&gt;Eine positive Einstellung zur Sexualität zu entwickeln fällt in einer so genannten „offenen“ Gesellschaft nicht leicht. Von Kindheit an wird man zum Beispiel mit Kondompackungen konfrontiert, auf denen eine sehr hässliche blondierte Frau mit geflochtenem Stirnschweißband abgebildet ist. Die öffentlichen Symbolträger der Erotik sind derart abstoßend, dass man gut daran tut, jede Identifikation mit ihnen zu vermeiden und den ästhetischen Dreck sauber von der Sache zu trennen. Was vor allem Heranwachsenden nicht leicht fallen dürfte, die auf eine umfassende, medieninszenierte Definition von Sexualität zurückgreifen müssen, bevor sie ihre eigenen Erfahrungen machen. Liebevolle Eltern und engagierte Lehrer klären ihre Zöglinge darüber auf, dass Pornografie nichts mit körperlicher &lt;i&gt;Liebe&lt;/i&gt; zu tun hat. Was da draußen an Pornokultur produziert wird, heißt es, sei ein Hirngespinst der Industrie und sei &lt;i&gt;so&lt;/i&gt; im &lt;i&gt;echten&lt;/i&gt; Leben allenfalls in Unglücksfällen zu finden. Im StudiVZ, wo echte Menschen drin sind, ist von der Verheißung einer anderen, menschlichen Sexualitätsauffassung nichts zu spüren. Wenn Leute es nötig haben, ihre Aufgeschlossenheit derart aggressiv zu demonstrieren und überwiegend Aspekte ihrer Sexualität zur Identitätskonstruktion heranziehen, geht mein Respekt zugegeben ruckzuck den Bach runter. Kein Verständnis für dieses sich selbst abfeiernde Hand-in-Hand von Hedonismus und Empfindsamkeitsarmut. Gut, was rege ich mich auf, für einen Lacher sind diese Selbstdarstellungen doch immer gut, das Problem ist nur, es trifft nicht meinen Humor. Der Ekel überwiegt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Selbstdarstellung ist ohnehin eine traurige Geschichte im StudiVZ, aber nicht nur da. Ich beschäftige mich gerade experimentell mit Bildanalyse. Mein Professor erzählte mir von einem interessanten Vortrag, dem er beigewohnt hatte. Der Dozierende zeigte Fotografien von Oscar Wilde, auf denen er sich selbst dandy-typisch inszeniert hatte und verglich diese mit den fotografischen Selbstdarstellungen anderer Zeitgenossen, um daraus dann eine visuelle Typologie des Dandys im Viktorianischen England herauszuarbeiten. Mein erster Gedanke dazu: warum in die sepiagetünchte Vergangenheit schweifen? Allein das StudiVZ eignet sich hervorragend, um „Sozialtypen“ anhand gemeinsamer Bildmerkmale zu identifizieren. Mein „liebster“ Fall ist ja die Frau mit fransiger Seitenscheitelfrisur, die mit weit aufgerissenen Augen und übertriebenem Kussmund die Linse vergewaltigt. Uaaarrrhgh. Warum tun die das? Ich hatte ja schon mal was über diese Gestalten gebloggt und sie mit Welpen verglichen, die man durch den Türspion betrachtet, ferner festgestellt, dass die Niedlichkeit des Mädchens sich gegenüber der Welpensüße in Grenzen hält. Ich finde diese Frauen so süß und sexy wie lackierte Fußnägel, nämlich kotze-kotze-kötzchen. Aus solchen Bildern bröckelt es dann zu mir durch: „Hey, Leute, ich bin ein Supergirl, ihr kennt doch alle den Song von Reamonn, mein Ex hat das Lied gelieeeebt, weil das könnte echt über mich geschrieben worden sein, meint er.“ Diese Emo-Lena führt natürlich Tagebuch bei NEON und berichtet darin von attraktiven Unterwäschemodels in der Alternadisse, die sie am liebsten „vernaschen“ würde, aber es ist nicht immer leicht, an sie ranzukommen. Gut auch die Passbilder verlobter BWL-Studentinnen: sauber gestylte Locken fallen über das Satinhemd, aber nicht wild genug, um den Goldschmuck zu verbergen. Sie lächelt mit leicht geneigtem Kopf und toten Augen in die Kamera und der Hintergrund ist so blau wie der Himmel über ihrer Zukunft. Denke ich nun im Gegenzug an Männer, so fällt mir nur die reizende Sorglosigkeit auf, mit der sie „random shit“ aus dem Urlaub auf ihre Seite stellen. Sie beweisen kaum Gefühl für bedeutsame Posen, Charakter vermittelnde Blicke, Winkel- und Farbkomposition, und das ist eigentlich sympathisch, obgleich in einem Sinn, der mich gleichgültig lässt. Aber genug jetzt. &lt;br /&gt;Wie findet ihr denn das StudiVZ so?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-3759223750653543649?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/nWH1XwKscL0" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/nWH1XwKscL0/studivz-aspekte-einer.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://1.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SIdZIUmaBlI/AAAAAAAAAF4/u-7yPgDSwJA/s72-c/schneehe.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">8</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/07/studivz-aspekte-einer.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-4304243102116408622</guid><pubDate>Sun, 22 Jun 2008 20:29:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-06-22T22:53:22.276+02:00</atom:updated><title>Bilder meiner Ausstellung.</title><description>Celebrity Blogger aufgepasst: Silent Tiffy aka Marburger Starfotografin ersten Ranges hat gerade ihre erste Ausstellung am laufen. Es ist "nur" eine autonome Kneipe, aber wer lang hat, lässt lang hängen (Farin Urlaub), und so kann man meine Werke der bahnbrechenden Fotografie noch bis Mitte Juli im &lt;a href="http://www.havanna8.net/"&gt;Havanna8&lt;/a&gt; auf sich wirken lassen. Liebhabern visueller Genüsse rate ich dann aber doch eher zu einem Besuch auf meiner &lt;a href="http://lostatsea.de"&gt;Website&lt;/a&gt;. Obwohl ich für den Druck ein Vermögen hingeblättert habe (240 Kinderriegel!!!), ist die Qualität en web doch um einiges befriedigender. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ich mich übrigens erfreche, mich als Starfotografin aufzublasen? Nun, ich möchte euch einen Marburger Fotografen NICHT ERSPAREN, für den die Stadt Marburg in ihrer Kultur-Rubrik wirbt ("bildende Kunst"): &lt;br /&gt;      &lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.saitenmacher.de/"&gt;GOOD GRIEF!&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grandios schon der Auftakt: &lt;br /&gt;&lt;i&gt;Ich möchte Ihnen auf dieser Internetseite eine &lt;b&gt;Auswahl&lt;/b&gt; von 15 meiner fotografischen Arbeiten vorstellen.&lt;br /&gt;Alle Fotos sind als Digitaldrucke zum Preis von 10 Euro pro Exemplar lieferbar.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin erreght und bestelle sie ALLE!!!!! Vielleicht können wir ja zusammenlegen und kriegen dann Rabatt..? :-)&lt;br /&gt;Bin gespannt, ob die Lieferung per dhl oder auf Traktor erfolgt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-4304243102116408622?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/b4e6xD0vUhc" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/b4e6xD0vUhc/bilder-meiner-ausstellung.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">3</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/06/bilder-meiner-ausstellung.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-1015258866571535977</guid><pubDate>Sun, 11 May 2008 15:54:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-05-11T18:32:09.325+02:00</atom:updated><title>Indie, Fresse.</title><description>Was einem Film, den ich mir neulich aus Schluffigkeit ansah, recht eindrucksvoll gelungen ist: mich in eine misanthropische Postparty-Abgefucktheit versetzt zu haben, ohne dass ich dafür das Haus verlassen musste. Es handelt sich um „Keine Lieder über Liebe“ mit Milchgesicht Whatshisname, Jürgen Vogel und Heike Makatsch. Ich hatte Lust auf einen deutschen Film. Deutsche Filme hab ich hin und wieder ganz gern vorm Auge, denn sie sind naiv, kräftig und gerade abgehoben genug, um mich mit niemandem identifizieren zu müssen. „Keine Lieder über Liebe“ setzt leider auf Doku-Style, was den Film einerseits sterbenslangweilig, andererseits zum Davonlaufen realistisch macht. Willige Biografen seien auf folgendes hingewiesen: wer einmal sehen will, warum ich mich in mich selbst zurückgezogen habe, und das trotz der Eingebettetheit in „alternatives Umfeld“ (oder gerade deswegen), dem reicht eigentlich schon dieser Film zur Illustration. Drei Stichworte: deutschsprachige Band mit Thees drin, Trainingsjackenmädchen mit Doofie-Ponies, One Night Stands nach Thekenbecks. Ich kenne mindestens drei Leute, die jetzt beleidigt reagieren. Ja, geht doch heulen! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Trias meines Ekels, deutschsprachige Musik, Indieschnecken und Verlegenheitssexualität hängen stimmungsmäßig zusammen wie Sonne, Mond und Sterne. Hier ein Flashback, wie ich die Independent-Szene entdeckte, es vollzog sich in drei Schritten. Drei Phasen. Ich nenne sie die Phase der Angst, die Phase der Sehnsucht, die Phase des Eintritts. Die Phase der Angst liegt 1993 im Staub eines französischen Campingplatzes. Die Jugendfahrt, zu der mich meine Eltern aus Sorge um meine Kontaktarmut gezwungen hatten, wird zu einem surrealen Sozialisationsunterfangen. Im Dunkel der Nacht, während Käfer seltsame Radiorauschgeräusche produzierend über Stock und Stein krüppeln, liege ich starr und allein im Zelt und weine bitterlich. Die Mädchen, deren Penntüten sich wenig tröstlich um mich herum bauschen, sind alle am Strand zum Saufen und Knutschen. Ich schreie in mein Tagebuch, wie schlimm es sei, dass sie alle rauchen. Beim Rauchen legen sie übrigens eine Schönheit an den Tag, die mich vernichtet, oder schauen gefährlich aus. Über ihren voll entwickelten Brüsten spannen schwarze T-Shirts mit Metalmotiven, sie tragen zerfledderte Jeans und aus ihren DocMartens, die für mich wie das absurdeste aller Sommerschuhwerke anmuten, quellen rote Schnürsenkel. Die versteh ich auch nicht. Wieso rot? Es wimmelt von Punks und Kurt Cobain-Verschnitten. Ich weiß aber noch nicht, wer Kurt Cobain ist, und was Punks sind, weiß ich auch nicht so richtig, nur dass sie böse Sachen machen und Mama, wenn sie das sehen könnte, „Kociokwik“ bekäme (das ist so ein polnisches Wort für eine fiktive Krankheit, die mit quiekenden Katzen zu tun hat). In meinem Walkman steckt eine Michael Jackson-Kassette. Aber jeden Morgen zum Frühstück hören wir Nirvana und Heavy Metal. Nein, diese Musik gefällt mir überhaupt nicht. Sie ist voller Hass und macht mich fiepsen. Es zieht mich immer zu den langweiligen, uncoolen Mädchen, deren Lieblingsfilm „Dirty Dancing“ ist, denn ich kann mir sicher sein, dass sie mich nicht verprügeln, obwohl sie mich wirklich ankotzen mit dicke Kanistern voller „Mümümü, ich vermisse meinen Froiiind“-Geseiere. Zum Glück gibt es noch Jessy, Minigolfmeisterin, Trekkie und Fan von „Eine schrecklich nette Familie“. Sie ist die Coolste, und hat dabei nichts mit der Grunge-Fraktion zu tun. Ein Mädchen, das mich gerettet hat (Jessy, wenn du das liest: i still love you.). Am letzten Tag läuft im Camp „Zu spät“ von den Ärzten. Hoppla, ganz schön geil!? Und Jessy sagt: „Das ist cool. Das sind die Ärzte, das Lied heißt Zu spät.“  Ich bin sofort Fan. Nachhause fahre ich verändert. Aber vielleicht liegt es nur am Meer. Ende der Phase. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Phase 2: die Phase der Sehnsucht. Ich spinne mir manchmal einen ziemlichen Scheiß zusammen, wenn ich Rekonstruktion treibe vor Anderen, z.B. heißt es immer, ich hätte nie so richtig mit Mädchen gekonnt, hätte nie eine Freundin gehabt, und wenn doch, dann handelte es sich um ein emotional problematisches Verhältnis (sie so: zehn Jungs an der Backe, ich so: keinen.). In Wirklichkeit hat es aber doch einige Frauen gegeben, mit denen ich den Kuchen des Erwachsenwerdens genüsslich verputzt habe. Zum Beispiel Lisa (Lisa, wenn du das liest, i still love you!). Wir erfuhren von unserer Seelenverwandtschaft bei einem ersten verbalen Austausch: dieselbe Sehnsucht pochte durch unsere Adern. Wir liebten Gitarren, das Meer, und Jungs mit langen Haaren. Wir träumten davon, dem Alltag den Rücken zu kehren und durch Amerika zu cruisen wie Jack Kerouac es in seinen Büchern beschrieben hatte. In den Pausen schlichen wir uns davon zum Nachbargymnasium, denn da war für uns der Himmel auf Erden. Überall diese langhaarigen, Strickpullis und Schlaghosen tragenden Abiturienten. Es ging nicht um Liebe, ja, nicht mal um Schwärmerei, es ging einfach darum, in die Nähe dieser anderen Welt zu kommen, sich vorzustellen, man wäre Teil davon, sich auszumalen, dass das alles auch ganz anders laufen könnte mit dem Leben. Schritt für Schritt verwandelten wir uns in dezente Andeutungen der Rebellion. Lisa hatte leichtes Spiel, denn ihr Bruder war Vollblutzecke (gutes Wort), ich hingegen durfte mir mühsam, unbedarft und geschmacksverwirrt meine textilen Subversionsbekundungen aus Düsseldorfer Second Hand Shops zusammensuchen. Natürlich war die Metamorphose nicht von einem beliebigen heute auf das darauf folgende morgen vollzogen. Ich nahm einen Umweg über den Karneval, verkleidete mich als Hippie, und entkleidete mich nimmermehr. An jenem Altweiberabend geschah etwas Ungeheuerliches mit der Struktur meines Selbst. Zeitlebens zu schüchtern gewesen, um den Müll rauszubringen, sprach ich plötzlich („spontan“) die Mitglieder der Band vom Nachbargymnasium an!!! WHAT THE FUCK!??? Ich besaß sogar den Mumm, ungefragt mit ihnen „abzuhängen“, bis es Zeit war, den letzten Bus nachhause zu nehmen. Das Ereignis war das erste von vielen Traudich-Ereignissen, die ich alle auf eigene Faust eingeleitet habe. Das war immer so: ich stand trauernd im Fenster, ärgerte mich über mein Wesen, und sagte mir dann, nie ohne zu zittern: du fährst jetzt nach Neuss in diesen Jugendclub. Oder: du fährst jetzt nach Grevenbroich zu diesem Konzert. Was wäre, wenn du dich traust? Was wäre, wenn du die Macht hättest, einen Wunsch in Handlung umzusetzen? Und schon saß ich im Zug oder im Bus, bloß nicht zu lange nachdenken, einfach los. Die Einsamkeit, die mich begleitete, verpflichtete mich auch emotional zu Kontaktaufnahme mit „diesen Menschen“. Es war unnormal aufregend. Ich brannte, sprühte, oszillierte. Meine Tage waren gestreckt mit Adrenalin, die Nächte auch, ich transzendierte die Realität, ich spürte eine unendliche Gestaltungskraft. Denn wenn dieses kleine bisschen möglich war, dann war eigentlich alles möglich. Auf diesem Wege lernte ich die coolsten Säue von Neuss und Grevenbroich kennen (Wiege meiner Jugend). Das Verstörendste: sie mochten mich. Ihre Augen funkelten. Wir lachten. Ich musste mir viele Drogengeschichten anhören und Kassierer-Texte. Ich war noch „draußen“, aber die Tür stand schon offen, und ein einladender Wind strich durch die Gänge. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Phase 3, der Eintritt: dazu gibt es keine Initiationsgeschichte, es ging schlicht um Kontinuität. Bekannte werden zu Freunden, Konzertbesuche werden zur Wochenendpflicht, die CD-Sammlung wächst, man sieht kacke aus, nimmt Gitarrenunterricht bei Jupp Hoppe, dem Lehrer, bei dem sie alle versammelt sind, weil er nicht nur alle Musizierwünsche wahr werden lässt, sondern auch Gesprächstherapie „mit den Jugendlichen“ macht (Jupp, wenn du das liest: I still love you!). Ich spielte natürlich irgendwann auch in einer Band. Es ging wohl um Punk, meine E-Gitarre funzte nicht richtig, niemand konnte was, und folgerichtig nannten wir uns „Abseits“. Unser einziges Lied war der Tonnensong, und der ging so: „Ich will eine Tonne, in der ich leben kann / Ich will eine Tonne, dann leb ich nebenan. / Ich will eine Tonne, unter ner Laterne, / dann seh ich endlich all die schönen Sterne, oooh-hooo.“ Mit diesem Song und einer Coverversion von „Alles aus Liebe“ hatten wir dann irgendwann auch unser erstes und letztes Konzert: und zwar in einer Hörbehindertenschule in Krefeld, bei der Adventsfeier. Unser Publikum bestand aus einer Handvoll Omas und Sonderschülern. Ich wünschte, ich hätte mir das nur ausgedacht, aber wahrlich treibt’s das Leben manchmal bizarr genug. Nee, wart mal, ein „Konzert“ hat es noch gegeben. Die lokalen Punkgötter „Planlos“ hatten uns in ihren Proberaum eingeladen, denn irgendwer hatte Geburtstag. Die plausiblere Erklärung liegt aber in der Tatsache, dass es sich beim Manager der Band um den großen Bruder von Axel gehandelt hat, dieser war auch in unserer Band, aber wir konnten ihn nicht sinnvoll darin platzieren. Wir sollten Planlos also vorspielen. Beim ersten Anschlag riss Sänger Nico eine Saite vom Brett, und damit war die Show eigentlich schon gelaufen. Auf der Couch indes kringelten sich die Planlosen, um unserer Demütigung die Quinte aufzusetzen. Und danach wollte ich nicht mehr. Meine E-Gitarre war dann auch endgültig kaputt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man sich eingelebt hat, wenn man nicht mehr um jeden Kontakt zur Außenwelt mit sich selbst kämpfen muss, dann kommt es zur Abkühlung und man kann sich überlegen, ob man die Dinge, die man tut, wirklich gut findet, oder ob man sich nur was vormacht und besser beraten wäre, in der Stube zu bleiben und sich eigene Definitionen von Cool auszudenken. Aus eingelebter Gewohnheit bleibt man noch paar Jährchen dabei, lässt Konzerte über sich ergehen und Festivals. Sitzt mit Menschen in der Kneipe, deren Bereitschaft zum kreativen Aufwand sich darin erschöpft, ihre CDs nach Farbe, Alphabet, Genre, Label zu sortieren und das auf Listen zu dokumentieren, die bei gesellschaftlichen Anlässen wie unserem Beisammensein auswendig vorgetragen werden. Der Joint geht um, legitimiert, dass man Zeit miteinander verbringt, denn welchen Grund gibt es sonst für Gesellung, ganz ehrlich, und so geht es mir nur in der alternativen Szene, welchen Zweck hat Zwischenmenschlichkeit „in echt“, wie gut man doch die Leere zwischen den herumhängenden Körpern verdrängen kann mit dem kühlem Trost eines Flaschenhalses, mit dem Gefummel nach immer neuen Zigaretten. Der Rauch steigt allen zu Kopfe, es stinkt nach einem hässlichen Ort, die Luft wird fett, und eine nach der anderen wird in die Lungen gezwungen. Das ist gar nicht so schlecht, wenn man gemeinsam in einer Giftwolke versinkt, wenn es in den Augen beginnt zu jucken und man geneigt wird, sie zu verschließen vor der geistigen Leere, denn dann vergisst man, dass man nichts zu teilen hat außer Konsumberichten. In einem Satz blickt man spöttelnd auf die Talkshow-Bauern und beklagt herablassend ihren Hang zu „Meinung“, im nächsten Satz wird schon das neue QOTSA-Album mit 8/10 bewertet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es pfingstet sehr… ich versündige mich an der Sonne und sitze in meinem versifften Zimmer, höre „Sleater-Kinney“ (One Beat, eines dieser Alben „of all-time“) und wühle hin und wieder in meinem einviertelverfilzten Haar, in dem seit der gestrigen Grasbüschelschlacht ziemlich viel Flora hängt. Hin und wieder lege ich die Gitarre übers Knie und arbeite mich an „La Catedral“ von Barrios ab. Fange wieder an, wo ich vor 9 Jahren aufgehört habe. Dass die Zeit unaufhaltsam dahinbröckelt, ist seltsam. Nicht das Leben zieht an mir vorbei, sondern ich am Leben. Das ist ein Unterschied. Würde das Leben an mir vorüberziehen, müsste ich ja das Gefühl haben, dass die Dinge sich verändern. Es ist aber nicht so. Die Dinge verändern sich kein Stück. Nicht in einer Weise, die relevant wäre. Mit dem zweifachen Olympiasieger Helmut Hochsprungstäbchen, einem Jüngling, der wie ich nach dem Sanatorium schreit, führte ich neulich ein Gespräch über den Status Quo des menschlichen Bewusstseins, den wir als Zwischenprodukt einer Regressionsbewegung betrachten aus Mangel an Deutungsalternativen. Uns sprießt zwar die neuste Technik zu allen Körperöffnungen raus, wir haben Internet, SMS und Meica macht das Würstchen, aber vergleicht man beispielsweise das, was heute an Texten produziert wird mit den phantastischen Auswucherungen des Expressionismus, dann wird einem ganz flau. Die Evolution des Geistes macht zumindest auf einigen Gebieten Päuschen, und da schon so lange, dass von Verfallserscheinungen die Rede sein darf. Da müssen Löcher entstanden sein, durch die alles hindurchgeschwappt ist in den Orkus des Nichtsagbaren. Helmut konfrontierte mich mit einem Gleichnis, das ich hier wiedergeben möchte, weil es so unheimlich treffend ist. Drei Frauen schlenderten durch die Stadt. Sie hatten ein Ziel, zu dem viele Wege führten. Eine Hauptstraße stand zur Auswahl, sowie einige verschlafene Gässchen. Die Hauptstraße stellte einen Umweg dar. Aber die Frauen, sie waren, na, nicht scharf auf Umweg, sagen wir, dem Umweg eher zugeneigt als den verschlafenen Gässchen. Wohin die drei Frauen wollten, ob es sich wirklich um Frauen oder auch um Fünf gehandelt hat, der Ort des Geschehnisses, die Angemessenheit unserer Heuristik und Hermeneutik, all das soll uns egal sein. Es soll den Lesern der Vorschlag unterbreitet werden, das Verhalten der Frauen auf das Verhalten von den meisten uns umgebenden Menschen zu beziehen und von der beobachteten Handlungsentscheidung abstrahierend eine Parallele zum Zeitgeistbewusstsein zu ziehen. So ist es um unsere Mitmenschen nämlich bestellt. Sie fürchten andere, unbekannte Wege einzuschlagen, sie fürchten das Erforschen, das Eintauchen, das Neue. Sie fürchten sich vor der Entgleisung ihrer Gedanken, vor der Unkalkulierbarkeit ihrer Gefühle, vor dem Blick in den Schlund der Möglichkeiten. Der skeptische Leser wird hinterfragen: in welcher pervertierten Freudschen Tradition erfrechen sich die Bloggerin und ihr Olympiafutzi, einem bewusstlosen Schlendern ausgerechnet ANGST als Basis unterzujubeln? Auch ich bin skeptisch. Wenn wir Angst definieren als eine gerichtete Emotion, dann müssen wir unser Konzept sogleich verwerfen. Denn das Tragische ist ja, dass die Menschen sich der Gassen gar nicht bewusst sind. Die Gassen sind zwar da, und wenn man daran vorbeigeht, vielleicht denkt man ja tatsächlich „Gasse!“, so wie man „Katze!“ denkt, wenn irgendwo eine herummaunzt, aber das ist doch alles nur Kulisse. Man geht lieber dort lang, wo ein „dort lang“-Schild angebracht wurde. Und das finden wir nicht okay. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es handelt sich natürlich immer um Theorien begrenzter Reichweite. „Die Menschen“ als Kategorie kann nicht beanspruchen, 1) eine kluge Wahl und 2) auch von unseren Freunden aus Hamburg, Essen und Berlin nachvollziehbar zu sein. Auf die Marburger Menschen, &lt;i&gt;die wir kennen&lt;/i&gt; passt es aber, denk ich, ganz gut. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einmal mehr habe ich mich von der Ursprungsidee entfernt, was ich eigentlich thematisieren wollte, war mein ÜBERDRUSS an der deutschen Gegenkultur, oder dem, was sich so nennt. Die Alternativen machen mich krank. Ich verweise in der guten alten Tradition der Klammer auf den Anfang des Textes, in dem ich schilderte, welche Vergraulungselemente der Film „Keine Lieder über Liebe“ für mich bereithielt. Nun, ein Film, wie er vom Leben geschrieben wurde. In einer besonders grässlichen Szene sitzen zwei Mädels auf einem speckigen Sofa. Sie tragen diese komischen Motorradjacken und drehen an ihren Haaren wenn sie reden. Ihre Artikulation und schlampig und ärgerlich selbstverliebt. Gespielte Schüchternheit mischt sich mit bodenloser Arroganz. Jeder Satz erstarrt zu einem vertrockneten Stück Hundescheiße (Rasse: Boxer), noch bevor er die vermümmelten Münder verlässt. Es gibt doch keinen belästigenderen  Menschenschlag als TOMTE-Fans und Tocotronic-JüngerInnen und die Anhänger von Cunte und wie sie alle heißen. Es langweilt mich so sehr, überhaupt an sie zu denken, dass auch der Blogeintrag sich gähnend seinem erbärmlichen Ende neigt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-1015258866571535977?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/OvmcJxmSfz8" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/OvmcJxmSfz8/indie-fresse.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">3</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/05/indie-fresse.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-2316116079709396967</guid><pubDate>Sun, 20 Apr 2008 18:52:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-04-20T20:53:34.533+02:00</atom:updated><title>Fleisch.</title><description>Liebe Freunde der Jagd, in der heutigen Folge meiner beliebten Naturreihe „Der Wind in den Weiden“ dreht sich alles um Jagdwurst, oder, mit mehreren Worten, es gibt eine schwüle, gleichsam grausame wie Sehnsucht erregende Phantasie sowie einige brandaktuelle Reflexionen zur Ästhetik von Fleischverarbeitung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pinseln wir uns in mein fragliches Reich. Definieren wir zunächst die Lichtverhältnisse. Sie sind die eines herkömmlichen Stilllebens. Im Zwielicht wird die Welt sauber in helle Objekte und das hintergründige Dunkel geteilt. So ist Jesus am Kreuz gestorben. So kriechen Raupen über füllige Rosenknospen. Der Kuckuck wird vielleicht  sechs Mal an diesem Abend an die feuchte Frühlingsluft geschleust, 18 Uhr, der Himmel trägt Weizen, aber nicht aus Heiterkeit. Es ist eine Art Gelbsucht und unaufhörlich nässt das schwebende Schattengeschwür, dessen gebürtigen Namen (Wolke) man vergaß. Wir befinden uns in einem nach leichenfetter Erde duftenden Stück Grün. Der See, für den das Grün nur Umrahmung ist (für uns ist’s Wald und Jagdgebiet, das sich nach Gutsherrenart und allen Seiten reckt und streckt und wuchert), starrt in Katatonie dem Himmel vorwurfsvoll ins Antlitz. Das phonetisch unpassende Wort spielt uns Niedlichkeit vor. Wir lassen uns nicht davon täuschen, und denken uns ins Firmament ein finsteres Gesicht, das nur von Schwachsinnigen und Irregewordenen geschaut werden kann. Der Mensch, wie er sich nie hierher verirrt, sieht nur das angenagte Leichentuch, gestärkt von Urinflecken und ausgespucktem Hustensaft des früh verstorbenen Kindes. Nun fährt die flirrende Geräuschkulisse ins Bild. Libellen schleifen ihre netzfeinen Flugmesserchen einen Fingerbreit über den widerborstigen Schilfkolben. Ein Schwein fällt plump ins metertiefe Seenschwarzgrün. In ungekämmtes Gras eingelegt  eine Säge in Rost, sie sänge heiser, rührte wer an ihrem klumpigen Gebiss. Droben taucht ein Clavencin seine Füßchen in den haarigen Schlamm. Noch 1722 wird als Empfehlung eines neuen komplizierten Klaviertypus hervorgehoben, dass sogar ein im (üblichen) Klavierspiel geübtes Frauenzimmer kapabel sei, ihn zu traktieren. Da sitzt das Weib dran, das weder Frau noch Mann ist zwischen den Beinen. Von derselben Unfarbe Haut und Kleid. Aus dem gläsernen Kopf hängen Feuerzungen. Pflegespülung in getrocknetem Blut. &lt;i&gt;Blood roses, blood roses, back on the street now…sometimes you’re nothing but meat…&lt;/i&gt; Der Herr der Fliegen hat sich auf einem Lotusblatt niedergelassen und saugt nun mit seinem Saugrüsselchen den Festsaal. Kriegen wir aber alles gar nicht mit. Wir sind in einer morschen Holzhütte drin und liegen nackt auf nassen Matratzen, durch kleine Löcher in den Brettern eitert es verkümmerten Tageslichtrest. Um Mitternacht kommen die aufgemotzten Rebhühner an den See, in goldenen Kürbiskutschen, und die Fasane, und Meister Lampe mit dem Dachs. Dann wird gefeiert, das Schwein, das so freundlich war, im See zu ertrinken, wird an Land gehoben und gegrillt. Es gibt Steak für die Tiere des Waldes. Ein Fuchs kaut das Fleisch von meinem Schienbein. Ein anderer lässt sich meinen Handballen schmecken. Girlanden und Laternen und Gliedmaßen baumeln von Ast zu Ast. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich weiß nicht, ob mein Befindlichkeitsgemälde das Geringste mit der Realität der Jagd zu tun hat, Jäger sind aufgefordert, mir von ihrem Ästhetikempfinden zu berichten, oder ob es nur ein Zusammengesetztes ist aus den toten ausgestopften Tieren im Wohnzimmer meines Großonkels, aus den Hirschen, die im Atelier eines großväterlichen Freundes entstanden, aus den geliebten Spaziergängen zu Seen und Mooren, wo die Libellen schwirrten... ist ja auch unwichtig, denn eigentlich wollte ich bloß kein Simpel sein, der ohne eine schwachsinnige Einleitung zu bemühen, schreibt, was ihn gerade umtreibt, und das ist der Jagdwurst zweiter Teil, wo nämlich das eigentliche Fleisch dran ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein immer zuverlässiger und in jeder Hinsicht empfehlenswerter Milchlieferant Lothar Luftpümpchen hat mir heute einen Filmausschnitt gezeigt, der mein Leben verändert hat. Es handelte sich um eine Szene aus dem Rainer Werner Fassbinder-Film „In einem Jahr mit 13 Monden“. Mir wurde empfohlen, die Lider runterzuklappen und nur auf den vorgetragenen Text zu hören, aber wie das neugierige Kind doch so blöd ist, lässt es nur einpaar Haarsträhnen über die Äuglein fallen, und blinzelt verstohlen hindurch, um zu erfahren, was die Welt im Innersten zusammen hält. Die Szene spielt in der Schlachterei. Wir hören einen widerlichen Monolog von erstaunender Anziehungskraft. Die tuntige Gestalt führt eine Person über die Fleischbühne, das heißt, wo Fleisch erst erfährt, dass es Fleisch werden wird. Noch lebende Kühe hängen am Haken, schon wird von fleißigen Händen die Kehle gekonnt durchtrennt. Aus den Kuhköpfen schießt Blut, schießt Kotze, gleichzeitig, wie Candycane-Stripes in der Colgate-Fabrik, nur andere Farbpaillette. Im Hintergrund orgelt es und Klingen und Beile und was sonst noch so an Mordinstrumenten verfügbar ist, ritzen am Seenerv. Und wie ward mir da, nun: wie den nackten Kindern in der morschen Hütte, im Jagdgebiet, die ihrer Verspeisung durch die Tiere des Waldes harrten. Das Ausmaß der menschlichen Krankheit, des Kränkeln der Natur am Menschen, ergriff Besitz von meinem Gewissen, die ich eigentlich bislang der Überzeugung war, ein solches nicht zu haben, wo die Lust größer ist und mmmh Fleisch, nech? Aber: Ich werde kein Fleisch mehr essen. Es geht mir nicht mehr gut. Die Kühe aus denen das Leben schoss, die Augen, angstverdreht, die Schlachter, die mit zynischer Seelenruhe ihr Tagewerk verrichteten, nee, ich kann die Leberwurst im Kühlschrank nicht länger meine Freundin nennen. &gt;:( &lt;br /&gt;Will Konversionsgeschichten von Lesern im Kommentarform sehen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-2316116079709396967?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/OfEcENqyOHk" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/OfEcENqyOHk/fleisch.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">8</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/04/fleisch.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-6646925211483771610</guid><pubDate>Sat, 19 Apr 2008 18:23:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-04-19T20:27:20.384+02:00</atom:updated><title>Knust. (1)</title><description>Ich wurde einmal schriftlich aufgefordert, so schnell wie möglich ein Passbild nachzureichen zu irgendwelchen Unterlagen. Wie jeder Punkt auf der To-Do-List versetzte mich auch dieser in Angst und Schrecken. Aber ich musste handeln. Meine Technik, die Angst vor Alltäglichem zu bewältigen, besteht darin, sehr viel zu opfern, bevor ich den Schritt einleite, der das Häkchen setzt. So will ich in mir den Gedanken wach kitzeln, dass es nach all der Mühe eigentlich nicht mehr lohnt, den Schwanz einzuziehen. Begonnen habe ich mit dem Quatsch bereits als Jugendliche. Mit der Telefonnummer eines Gitarrenschülers in der Faust, dessen E-Gitarren-Feilbietung mich interessierte, reiste ich von Grevenbroich nach Düsseldorf, um von da aus die Telefonzelle zu bemühen. Hat alles wunderbar geklappt. Typ war nicht zuhause. Bei den Passbildern bestand mein Opfer darin, die ganze Nacht aufzubleiben und gleich bei Tagesanbruch, so gegen 6, zum Bahnhof zu spazieren und mich in eine dieser Kabinen zu setzen in der Hoffnung, dass niemand mir dabei zusehen würde. Mit verklebten Wimpernkränzen und vor Müdigkeit tränenden Augen setzte ich mich auf den Drehstuhl und schaute erstmal nur aus der Wäsche. Plötzlich begann der Automat, auf Spanisch zu mir zu sprechen. Muy interessante! In blinder Verzückung drückte ich alle möglichen Tasten. Es gab leider keinerlei „zurück“-Knopf. Dabei herausgekommen ist aber eins meiner bislang bedeutendsten Werke.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SAo5ZW8wAdI/AAAAAAAAAFE/pEbABwf7wM8/s1600-h/Knust+copy.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SAo5ZW8wAdI/AAAAAAAAAFE/pEbABwf7wM8/s400/Knust+copy.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5191024628317815250" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-6646925211483771610?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/nTbiN0fd-U4" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/nTbiN0fd-U4/knust-1.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://2.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/SAo5ZW8wAdI/AAAAAAAAAFE/pEbABwf7wM8/s72-c/Knust+copy.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">1</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/04/knust-1.html</feedburner:origLink></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-33287463.post-8102418342142836087</guid><pubDate>Thu, 10 Apr 2008 14:27:00 +0000</pubDate><atom:updated>2008-04-10T16:34:12.270+02:00</atom:updated><title>Böses Erwachen im Wachsfigurenkabinett: Dekadensprünge durch das Kaleidoskop jugendlicher Seinsformen.</title><description>Irgendwo las ich mal einen Satz, mit dem der Verfasser seine helle Freude darüber ausdrückte, zeitgleich – im Sinne geschichtlicher Periodisierung - mit einem lieben Menschen X auf der Welt zu sein. Er wollte damit ausdrücken, dass man einander nicht nur „im Vorbeigehen“ verpassen kann, manchmal ist es auch schlichtweg so, dass füreinander auf welche Art auch immer geschaffene Schnubbelbacken gar nicht das göttliche Geschenk der &lt;i&gt;Möglichkeit&lt;/i&gt; eines Aufeinandertreffens entgegen nehmen können. Es kann z.B. passieren, dass mein komplementäres Halbkugelwesen irgendwo im venezianischen Spätmittelalter herumkugelte, oder erst in eine Zukunft kugeln wird, in der zischelnde Erdbewohner mich schon vollständig verputzt haben werden. Aber manchmal trifft man sich einfach so, Leben prallt auf Leben, huch, kuckuck, let’s dance. Und während die gefühlsbehinderten Leute aus Villa Riba dem Ereignis die kalte Schulter zeigen, wird im aufmerksamen Villa Bajo immer noch gefeiert. Als Ausdruck der Dankbarkeit für die menschlichen Schicksalsknotungen auf den dunklen Wegen des Herrn ist das doch ein Gedanke, dem man eine gewisse Liebenswürdigkeit bescheinigen darf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mir am offenen Fenster ja eigentlich ständig eine Zeitversetzung meines reifenden Körpers gewünscht. Aber nicht in erster Linie, um Soulmates zu begegnen. Ich dachte, die Jugend sei ein finster vorbeirollender Güterzug, wenn sie nicht mit Stil und Ästhetik auftrumpfen könnte. Als ich mir jüngst mit meinem Filmclub-Kumpelchen Kai-Uwe den Adrenalin pumpenden und Weltbild zertrümmernden Brechtanz-Film „Beatstreet“ angeschaut habe, flogen mir die Erinnerungen an mein winziges, schwarz möbliertes Kinderzimmer zu. Hier lag ich nachts bald schluchzend, bald troimend in meinem Bette (an den ein so genannter Bettkastenschrank grenzte, den ich mit abschließbaren Tagebüchern fütterte) stundenlang wach und phantasierte die Bronx herbei.. Bereits 1989 sammelte ich die Ü-Ei-Serie, deren Shootingstar die sonnenbebrillte Mickymaus mit Ghettoblaster auf der Schulter war. Auf dem Ei umrundenden Papierstreifen war die Skyline drauf, die Pennerzahnreihe der Aufregung. Auch das Entenhausener Bullenkommando hatte sich links und rechts vom Panoramabild fettleibig in Lackschale geworfen. Hier war Leben. Als wir nach Deutschland ausgewandert waren, forderte ich unablässig bohrend (terrorisierend) von meiner Mutter eine Erklärung dafür, warum wir nicht in die USA ausgewandert seien, bitteschön. Sie kam mir dann mit Kellern, die voller Ratten waren und Übernachtungsmarathons in vollgesifften Badewannen. Im Sozialstaat dagegen gab es für unsere fünfköpfige Migranteneinheit ein Zimmer in kuscheligen Baracken, die aus dicker, mit Raufaser gepimpter Pappe gefertigt waren, und wenn man reintrat oder reinboxte, kam Glaswolle raus. Saugeil. Da konnte Amerika nicht mithalten, also dann eben Deutschland. Okéeh. Aber ich wurde nicht müde,  von Feuerleitern und brennenden Mülltonnen, von Sprühdosen, Kappen verkehrt herum und fancy bemüllten Straßen zu träumen. „Unfinished Sympathy“ von Massive Attack war mein allerliebstes Musikvideo. Noch heute, meine geliebten Enkelkinder, krault mich ein lustvoller Schauer im Nacken, wenn ich die darin dargestellte Armut betrachte, deren Bitterkeiten sanft und leise im Abendgold ertrinken und dann dieses Flirren in der Luft und der Asphalt, und die Obstkisten, und der Wunsch, sich in diesen Dreck zu legen wie aufs Sonnendeck… Jetzt aber mal auf den Buzzer gedrückt: mit 10 wollte Tuppse 17 sein in der Bronx. Und außerdem ein Typ. Oder ein Mädchen, das alles darf.  Ach, wie hatte doch die Frau Mama kein Verständnis für Tuppse..! Ihr Film war ja der mit den Petticoats, diese unsäglichen 50er Jahre, wo selbst an Söckchen Petticoats dran waren. &lt;i&gt;Also ich könnt das nicht!!! &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Boah, ey, und dann natürlich gleich die Arschkarte gezogen mit 12, 13, ff. Die Neunziger schickten sich an, meine Dekade zu werden. Mir ist erst vor kurzem klar geworden, dass nicht ich graupenhässlich war, sondern die Kleider und Frisuren, die damals grassierten. Wie kam ich zu meiner Tiefenpsychologische Sitzungen und kognitive Verhaltenstherapie überflüssig machenden Erkenntnis? „Beverly Hills 90210“, Season 1 natürlich. Stellvertretend für sämtliche Textilien, die in der Teenagerserie der Stunde vorgeführt wurden, kredenze ich der Leserschaft diesen bedeutsamen Screenshot. Der neonfarbene Rucksack als Kristallisationspunkt vestimentärer Praktiken jugendlicher Trendsetter in den westlichen Industrienationen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/R_4kCmXoj1I/AAAAAAAAAE8/bkSMejPwFvM/s1600-h/vlcsnap-7196.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/R_4kCmXoj1I/AAAAAAAAAE8/bkSMejPwFvM/s320/vlcsnap-7196.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5187623447855402834" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kann mir an dieser Stelle nicht die Unfeinheit verkneifen, zu erwähnen, wie stümperisch die erste Staffel produziert ist. Die Szene, die wir hier zu betrachten genötigt werden, kommt in nahezu jeder Folge vor und zwar immer dann, wenn ein Hinweis auf den Locationwechsel erfolgen soll, also: eben noch bananas in pyjamas am Frühstückstisch, jetzt schon in vollem Ornat auf dem Weg in die Penne. Ich weiß nicht. Hätten die nicht einen anderen Schulgemenschel-Ausschnitt nehmen können!? Muss denn in jeder Folge dieser beängstigende Rucksack zu sehen sein, von dem es vor Gericht bestimmt heißt „Ich weiß nicht ob er Klettverschlüsse hatte, aber ich werde es wissen, wenn ich ihn sehe.“!? Auch der rätselhafte Tascheninhalt des Burschen rechts im Bild ließ mir nächtelang keine Ruhe. Solche Brocken sieht man doch nur in Amoklauf-Filmen. Oder kauft man einem Menschen mit &lt;i&gt;diesem&lt;/i&gt; Farbbewusstsein ab, dass er Kunstbände von mutigem Format mit sich herumnavigiert? Ich bin noch nicht durch mit dir, BH, ich bin noch nicht durch…  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich war ja noch klein, als bei uns die erste Staffel lief, auf RTL Plus, soweit ich mich zurückversetzen kann. In Deutschland nistete Markenterror in den Startlöchern zur Pubertät. Es gab da schon in der vierten Klasse diese Manüla, die heute auf Clubschiff Aida einschenkt. Wir sollten einen Aufsatz schreiben. Ich hatte natürlich den schönsten, aber Manülas war auch gut, was den Klassenlehrer dazu verleitet hat, eine unüberlegte Dummheit von sich zu geben: „Wenn ihr mal groß seid, solltet ihr zusammen was schreiben. Das könnte ganz gut werden.“, worauf Manuela das Kindchenschema verzog und entgegnete: „Öööööhäää… mit DER doch nicht...!“ Besagte Manü hatte nicht nur die dicksten Weihnachtsgeschenke im Sack und die schillerndsten Freundinnen im Pack, in Sachen Damenbekleidung war sie auf dem Schulhof tonangebend. Ihre Mutter arbeitete im teuersten Präpubertierendenshop der Stadt. Und so verwundert es nicht, dass sie die Erste war, deren jeansbehoster Arsch das berühmte rote Label zierte und die den ungemein sympathischen Irokesenkopf auf der Brust trug, den liebeskranken Kindern zum Vorbild. Schon bald waren alle „so drauf“. Ja, &lt;i&gt;ich&lt;/i&gt; natürlich &lt;i&gt;nicht&lt;/i&gt;. Hättet ihr’s gewusst? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was diesen Text auf der Metaebene betrifft, muss ich sagen, dass ich dieses Ichdesinfizierungs-Prinzip nicht gut heiße: in seichte Befindlichkeitsironie gedroppte Erinnerungsfetzen, die nicht mehr zu bieten haben als Klamotten, Frisuren, Musiken, Filme, Zeitangaben..? Find ich mittlerweile schwer ermüdend. Besonders in der Generationen kollektivierenden Form, die unterstellt, dass eine Geburtskohorte denselben Eindrücken ausgesetzt war und man daher von „uns“ sprechen könnte wie von einem prähistorischen Nomadenvolk. Ja, sicher, „wir“ teilten gewiss dieselbe von Kultureinflüssen geformte Lebenswelt, aber ich möchte meinen Sozialisationszusammenhang nicht subsumieren lassen unter „contemporary youth/pop culture“. Vor allem nicht von Leuten wie mir. Schwingen wir uns also auf zu Höherem, namentlich zum Gebrauch von Sprache. In etlichen Blogs las ich schon Rückblicke aus der Kulturgüterperspektive, doch es scheint sich niemand daran zu erinnern, wie gesprochen wurde, welche Redewendungen und Ausdrücke man gebrauchte, um miteinander zu kommunizieren. Macht doch mal. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was mich zu diesem Blog inspiriert hat, war ein wundervoller Sprechakt, dessen Zeuge ich neulich wurde, als ich am Marburger Cineplex vorbei marschierte. Stadttraditionell das Sammelbecken für alles, was rumhängt. Zunächst blieb mein Auge an einem Jugendlichen zucken, an dessen Dreitage-Glatze eine Art überfahrener Marderschwanz klebte. Mit einer Handvoll Leidensgenossen beiderlei Geschlechts bewegte er sich ruckartig und ziellos auf der Stelle, sichtlich aufgeheizt. Als mein Ohr nah genug dran war, kam dieser Sprachkot aus seinem Sprechschlund an mir vorbei geschossen, stoßweise, sch-, sch-, sch-, wie aus einem kaputten Wasserhahn: „Ey unn wenn ischsse ge&lt;b&gt;fickt&lt;/b&gt; hab dann &lt;b&gt;tschüss&lt;/b&gt;sdu &lt;b&gt;miss&lt;/b&gt;geburt! was willich nochmit der!“ Uff. Das hat gesessen. Da half weder Falafel noch Büchershopping. Ich musste mich ergeben. Ich konnte wieder schreiben. Ja, es ejakuliert wieder heftig aus den Fingern raus, hinein in eure Welpenäuglein, jahaa es ejartikuliert (danke, Kai-Uwe, dir für das Wort). Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Kinder zu meiner Zeit so hässlich geredet hätten, und man kannte durchaus auch die Asis „von der Haupt“, denn die waren bei den freizügigeren Gymnasiastinnen der Hit im Rummach-Journal und man begegnete ihnen ständig zwischen den sozialen Brennpunkten, nicht zuletzt, weil sie ihr Pandämonium vom Schulhof auf den gesamten Stadtkern auszuweiten wussten. Die haben nicht so geredet!!! Mehr noch, poetische Verschleierung war am Werke, denn es hieß nicht „Willse in die Fresse!?“ sondern „Willsen Nogger!?“ Es wurde auch bei weitem nicht so viel gefickt, verbal. Das Derbe wäre meiner zarten Psyche aber besser bekommen als die widerliche Beziehungssprech der Teenagenden, der ich im Schulbus ausgesetzt war. Ich habe ja schon mal was in die Richtung angebloggt, aber komm, noch mal! &lt;br /&gt;Zum besseren Vorstellenkönnen geht es nun um Marco und Nadine.&lt;br /&gt;Nadine „ist voll in“ Marco. Mit anderen Worten: sie ist in Marco verl****. Sie fragt sich, ob Marco auch „was von ihr will“. Nadine beabsichtigt, ihn nächstes Wochenende in der Disco zu „fragen“. Ob er „ja sagt“ oder „nein sagt“ wird darüber entscheiden, ob sie „mit ihm gehen“ wird. Von ihrer besten Freundin Marcella erfährt Nadine, dass Marco sie „gut findet“. „Findest du den auch süß?“, fragt Nadine. Marcella meint, sie hätten mal „rumgeleckt“. Marcella ist „ne Schlampe“ und hatte ihr „erstes Mal“ schon mit 13. Nadine hofft, dass das nahende „Zusammenkommen“ nicht nur „rumlecken“, sondern auch „rumfummeln“ in petto haben wird. So kann sie endlich mitreden, kann endlich einen Satz sagen wie „Wir haben heavy petting gemacht.“ Marco wird seinen Freunden berichten, er hätte sie „gefingert“. Jetzt Ende, muss kotzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Tragische an dem präsentierten Jammertal ist nicht, dass Jugendliche so über die Liebe denken, oder dass ein solches Vokabular als Gussform für ihre emotionalen und körperlichen Veränderungen herhalten muss. Das Tragische ist, dass die mittlerweile erwachsenn Menschen so wenig Kraft in die Modifizierung der Ausdrücke gesteckt haben. Oder dass ihnen nicht die Idee gekommen ist, die Ausdrücke zu sprengen, gänzlich abzuschaffen. So bleibt dieselbe Scheiße in den Gussformen gären. Allein schon das Wort „Beziehung“. Oder, in einer Frage: „Wie viele Beziehungen hattest du schon“? Fick dich, du fickender Fick, da muss ich doch erstmal nachkucken. Wann simma zusammgekomm, „Beziehungspause“ subtrahiert, checken wann „schluss war“, eventuell „wieder zusammgekomm“ addieren, Ergebnis muss man dann abwägen. Ist „zwei Wochen“ schon „zusammen“? Kann man ab einem Monat schon von einer „Beziehung“ sprechen? Kann mich mal bitte jemand ans Scheunentor nageln!? Ich glaube, dass das, was &lt;i&gt;sie&lt;/i&gt; „Beziehungsunfähigkeit“ nennen, nichts anderes bezeichnet, als die mangelnde Fähigkeit, auf den Zwangscharakter von Liebesvokabular klarzukommen. Es ist die Nähe dieser bösen Worte, die Angst macht, nicht die Nähe des signifikanten Anderen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich krieg die Kurve nicht mehr, muss auflegen. Bis denne…&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/silenttiffy"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~fc/silenttiffy?bg=FFCCCC&amp;amp;fg=444444&amp;amp;anim=0" height="26" width="88" style="border:0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/33287463-8102418342142836087?l=silent-diva.blogspot.com'/&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/silenttiffy/~4/PTBXhEnek2s" height="1" width="1"/&gt;</description><link>http://feedproxy.google.com/~r/silenttiffy/~3/PTBXhEnek2s/bses-erwachen-im-wachsfigurenkabinett.html</link><author>alexandra@lostatsea.de (*._.* Silent Tiffy)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://3.bp.blogspot.com/_X090LzOPHRM/R_4kCmXoj1I/AAAAAAAAAE8/bkSMejPwFvM/s72-c/vlcsnap-7196.jpg" height="72" width="72" /><thr:total xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0">2</thr:total><feedburner:origLink>http://silent-diva.blogspot.com/2008/04/bses-erwachen-im-wachsfigurenkabinett.html</feedburner:origLink></item></channel></rss>
