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		<title>Bitte achten Sie auf Ihre Sprache</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Dec 2009 01:39:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Freitag habe ich auch einmal Consultant gespielt und einigen jungen Leuten Blogs und WordPress.com erkl&#228;rt. Meine russische Freundin Ira, derzeit als Praktikantin in Berlin, hatte mich um Hilfe bei einem Projekt gebeten. Es geht ums &#8220;Deutsch lernen im Vorbeigehen&#8220;: Ira m&#246;chte Lerner der Sprache dazu ermuntern, Geschichten &#252;ber ihre Bekanntschaften mit einzelnen Begriffen zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag habe ich auch einmal Consultant gespielt und einigen jungen Leuten Blogs und WordPress.com erkl&#228;rt. Meine russische Freundin Ira, derzeit als Praktikantin in Berlin, hatte mich um Hilfe bei einem Projekt gebeten.</p>
<p>Es geht ums &#8220;<a href="http://kreativesschreiben.wordpress.com/">Deutsch lernen im Vorbeigehen</a>&#8220;: Ira m&#246;chte Lerner der Sprache dazu ermuntern, Geschichten &#252;ber ihre Bekanntschaften mit einzelnen Begriffen zu erz&#228;hlen. Eine sch&#246;ne Idee, wie ich finde. Einerseits, weil Blogs ein Medium f&#252;r Geschichtenerz&#228;hler sind, und andererseits, weil ich selber mit vielen W&#246;rtern kleine Geschichten, Ideen und Eselsbr&#252;cken verkn&#252;pfe.</p>
<p>Am Freitag hatte sie dazu einige Mitglieder von <a href="http://www.mitost.org/">MitOst</a> zu einem Workshop geladen. Als ich aus der Berliner K&#228;lte dazustie&#223;, stand noch eine kurze Brainstorming-Session bevor: &#8220;Wie schnappe ich die Worte im Alltag auf?&#8221; Ira hat zu ihren W&#246;rtern schon einige solche Kennenlern-Geschichten aufgeschrieben &#8211; zu einer durfte ich die Erkl&#228;rung f&#252;r den <a href="http://kreativesschreiben.wordpress.com/2009/11/11/wie-habe-ich-das-wort-paragraphenreiter-kennen-gelernt/">Paragraphenreiter</a> beisteuern.</p>
<p>Die Workshop-Teilnehmer sammelten schnell einige Punkte zusammen, die man als Fremdwort-F&#228;nger im Alltag beherzigen sollte. Als Language Geek hatte ich etwas abseits sitzend meinen Spa&#223; daran, der kleinen Gruppe beim Diskutieren zuzusehen. Hin und her ging es, um die richtige Formulierung zu finden.</p>
<p>Die Empfehlung, auf den Kontext zu achten, stand schon auf dem Papier, und &#252;ber die Unterscheidung von Hoch- und Umgangssprache war bereits gesprochen worden, aber ein junger Mann versuchte den anderen noch eine genauere Differenzierung verst&#228;ndlich zu machen. Als er damit auf Ablehnung stie&#223; &#8211; es sei ja schon auf den Kontext hingewiesen worden &#8211; rang er ein wenig mit den Worten, um sein Anliegen klar zu machen, bevor er aufgab. Ich denke, er meinte den Soziolekt &#8211; aber wer kennt sich schon mit linguistischem Fachjargon aus?</p>
<p>Diese Szene f&#252;hrte mir wieder einmal die Hilflosigkeit vor Augen, in der man sich als Sprachenlernender befindet. Im Grunde wird man freiwillig wieder zum Kleinkind, wenn man sich an eine neue Sprache heranwagt: Es fehlen einem die Worte. Ich finde, das ist ein Schritt, der eine ganze Menge Mut erfordert. Freiwillig sprachlos zu werden ist eine gr&#246;&#223;ere Herausforderung, als laut herumzubr&#252;llen.</p>
<p><em>(Ich &#252;berlege im &#252;brigen schon seit l&#228;ngerem, kurze Eintr&#228;ge zu meinen Lieblingsw&#246;rtern zu schreiben. Besonders im Arabischen laufen mir immer wieder Begriffe &#252;ber den Weg, die ich einfach gern habe; h&#228;ufig auch einfach wegen ihres Klanges. Mal sehen, ob ich das mal mache.)</em></p>
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		<title>Ich suche eine WG in Berlin.</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Aug 2009 10:04:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[stuff]]></category>

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		<description><![CDATA[Kommen wir einmal zu den ernsteren Seiten des Lebens: Da ich ab Oktober f&#252;r f&#252;nf Monate Praktikant bei netzpolitik.org sein werde, suche ich f&#252;r diesen Zeitraum ein WG-Zimmer zur Zwischenmiete in Berlin. Ich kann mir auch vorstellen, noch einen Monat l&#228;nger in der Stadt zu bleiben, d.h. von Oktober bis Ende Februar oder M&#228;rz. Um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kommen wir einmal zu den ernsteren Seiten des Lebens: Da ich ab Oktober f&#252;r f&#252;nf Monate Praktikant bei netzpolitik.org sein werde, suche ich f&#252;r diesen Zeitraum ein WG-Zimmer zur Zwischenmiete in Berlin. Ich kann mir auch vorstellen, noch einen Monat l&#228;nger in der Stadt zu bleiben, d.h. von Oktober bis Ende Februar oder M&#228;rz.</p>
<p>Um einmal aus der Mail von Markus zu zitieren, &#8220;ansonsten m&#246;chtest du eigentlich in den bezirken mitte, prenzlauer berg, friedrichshain oder kreuzberg wohnen. eventuell noch wedding, kommt aber auf die gegend an. sonst ist alles zu weit weg von der zivilisation.&#8221;</p>
<p>Sonstige Anspr&#252;che habe ich eigentlich keine, mir ist vor allem wichtig, mit angenehmen Menschen zusammen zu wohnen. H&#252;bscherweise w&#252;rde das ganze allerdings bei einem Kostenpunkt unter 300 € im Monat liegen. Wer also entsprechende Hinweise, Angebote, Empfehlungen f&#252;r mich hat, dem w&#228;re ich f&#252;r eine Mail an simon {&#228;tt} simoncolumbus {dot} de sehr dankbar.</p>
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		<title>No Country for Young Men</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Aug 2009 22:48:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[consumerism]]></category>
		<category><![CDATA[politics]]></category>
		<category><![CDATA[sociology]]></category>

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		<description><![CDATA[Das englische Original des Artikel findet sich hier. Ich muss gestehen, den Titel habe ich von Ahmed Al-Omran entlehnt, der damit sein Heimatland Saudi-Arabien beschreibt. Ahmed &#228;u&#223;ert eine Beschwerde, die man recht h&#228;ufig von jungen Saudis und anderen Golf-Arabern h&#246;rt. Um, wie sie sagen, Frauen vor sexueller Bel&#228;stigung zu sch&#252;tzen, verbieten viele Cafés und Restaurants [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Das englische Original des Artikel findet sich <a href="http://www.simoncolumbus.com/2009/08/05/no-country-for-young-men/">hier</a>.</em></p>
<p>Ich muss gestehen, den Titel habe ich von <a href="http://saudijeans.org/2009/08/01/no-country-for-young-men/">Ahmed Al-Omran</a> entlehnt, der damit sein Heimatland Saudi-Arabien beschreibt. </p>
<p>Ahmed &#228;u&#223;ert eine Beschwerde, die man recht h&#228;ufig von jungen Saudis und anderen Golf-Arabern h&#246;rt. Um, wie sie sagen, Frauen vor sexueller Bel&#228;stigung zu sch&#252;tzen, verbieten viele Cafés und Restaurants alleinstehenden M&#228;nnern den Zutritt zu ihren Lokalen. Infolge dessen, und obwohl diese Gesellschaften h&#228;ufig sehr restriktiv gegen&#252;ber Frauen sind, haben diese mehr M&#246;glichkeiten, auszugehen, als ihre m&#228;nnlichen Gegenparts.</p>
<p><a href="http://arabnews.com/?page=13&#038;section=0&#038;article=124864&#038;d=29&#038;m=7&#038;y=2009&#038;pix=kingdom.jpg&#038;category=Local%20Press">Abdu Khal</a> schreibt, &#8220;Wenn du die Menge der Jugendlichen z&#228;hlen w&#252;rdest, die nirgends hingehen k&#246;nnen, weil Einkaufszentren, Parks und Str&#228;nde Familien vorbehalten sind, dann w&#228;hrest du abgesto&#223;en. Was werden die Jugendlichen tun, wenn sie sich gefangen und ausgesto&#223;en wiederfinden?&#8221;</p>
<p>Das ist ein Problem, dem ich jeden Tag begegne. Soziale Beschr&#228;nkungen zwingen junge Menschen dazu, auf den Stra&#223;en herumzuh&#228;ngen. Wenn ich am Abend eines Wochentages zu meinem Lieblingscafé gehe, dann sehe ich Jugendliche, vielleicht ein wenig j&#252;nger als ich selbst, die an schlecht beleuchteten Bushaltestellen und verlassenen Spielpl&#228;tzen herumh&#228;ngen. Vielleicht bemerken sie es nicht einmal, weil sie sich so daran gew&#246;hnt haben, aber ich wette, sie w&#252;rden gerne ihre Situation gegen meine eintauschen.</p>
<p>Allein, sie k&#246;nnen es nicht. Mein Lieblingscafé ist ab acht Uhr f&#252;r Minderj&#228;hrige geschlossen, und genauso ist es in den meisten Lokalen. Eine k&#252;rzlich erschienene <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/480671">Reportage</a> &#252;ber die Hintergr&#252;nde der drei Jugendlichen, die in M&#252;nchen mehrere Menschen verpr&#252;gelt haben, zitiert einen jungen Schweizer: &#8220;Im Jugendzentrum sind nur Sch&#252;ler und Muschis. In die Bars kommen wir nicht rein. Deswegen h&#228;ngen wir jeden Tag hier [am Bahnhof] rum.&#8221;</p>
<p>Vor einigen Tagen habe ich in einem <a href="http://www.simoncolumbus.com/2009/07/26/city-deems-flashmobs-in-public-space-illegal-says-it-fears-harm-to-public-property/">Artikel</a> &#252;ber das Verbot von Flashmobs in Braunschweig die &#220;berzeugung der Stadt zitiert, dass &#8220;der &#246;ffentliche Raum in Braunschweig ausschlie&#223;lich dem Verkehr [dient], also dem Transfer von Wohnung a zu Wohnung b, von Wohnung a zu Gesch&#228;ft b oder von Gesch&#228;ft a zu Gesch&#228;ft b.&#8221;</p>
<p>Das ist niederschmetternd f&#252;r Teenager, die weder zuhause Ruhe finden noch in kommerziellen Cafés. Wohin sollen sie gehen, wenn &#8220;der &#246;ffentliche Raum ausschlie&#223;lich dem Verkehr dient&#8221;? Ahmed gibt eine Antwort, die f&#252;r saudische Jugendliche genauso zutrifft wie f&#252;r Schweizer: &#8220;Nun, wie werden andere Dinge tun, die du vielleicht nicht m&#246;gen wirst&#8221;.</p>
<p>Dies k&#246;nnte eine Story &#252;ber das Verlangen von Teenagern nach einem Ort zum Abh&#228;ngen sein. Ist es. Aber zugleich m&#246;chte ich dies auch in einem breiteren Kontext sehen. Warum sind junge Menschen gezwungen, auf den Stra&#223;en herumzuh&#228;ngen? Vor allem, weil sie keinen Ort f&#252;r sich selbst haben. Zuhause sind ihre Eltern, in den Cafés gibt es Eigner, die auch nicht gerade ihrer Generation angeh&#246;ren.</p>
<p>Sie haben keinen Ort f&#252;r sich, weil sie keinen bezahlen k&#246;nnen; und aus dem gleichen Grund k&#246;nnen sie sich keinen Zugang zu einem erkaufen (oder hat schon mal wer ein Million&#228;rss&#246;hnchen auf der Stra&#223;e herumh&#228;ngen sehen?). Darin teilen Teenager ein Problem mit anderen sozial marginalisierten Gruppen.</p>
<p>Die Antwort auf diese Situation k&#246;nnte die Schaffung von Commons (zu Deutsch &#8220;Allmende&#8221;) sein. Wenn du schon einmal eine der bestehenden Commons nach Einbruch der Dunkelheit besucht hast, dann wirst du wissen, dass die meisten von ihnen alles andere als einladend sind. Kaum beleuchtete Parks ziehen nun einmal eher jene an, die die Dunkelheit suchen, als rechtschaffene B&#252;rger.</p>
<p>Aber muss das so sein? In alten Zeiten war der Dorfplatz ein Treffpunkt f&#252;r alle B&#252;rger. Ein &#246;ffentlicher Raum, offen f&#252;r die sozialen Aktivit&#228;ten von jedem, der sich dorthin begab. Heute haben wir diesen Platz zu Starbucks verlagert, haben ihn von einem Commons auf privaten Grund verlagert.</p>
<p>Stell dir Commons vor, Orte die nicht sozial ausschlie&#223;end sind, sondern offen f&#252;r jeden. Ein guter Marktplatz sollte gerade so sein. Ich habe das in Br&#252;ssel erlebt: Hunderte Menschen, die auf dem Grote Markt sitzen und sich unterhalten.</p>
<p>Lawrence Lessig beschreibt das Internet als &#8220;Kreatives Commons&#8221;. Diesen Marktplatz m&#246;chte ich ein &#8220;Soziales Commons&#8221; nennen. Und gerade so wie das Internet als Commons kreatives Schaffen erm&#246;glicht, erlaubt ein soziales Commons das Entstehen neuer sozialer Netzwerke. Es ist daher gerade n&#252;tzlich f&#252;r die, die sich noch nicht in der Gesellschaft etabliert haben. Teenager sind nur eine Kategorie davon.</p>
<p>Immer, wenn wir &#252;ber Integration reden, sollten wir &#252;ber Commons reden. Ihre Offenheit erlaubt jedem, an ihnen teilzuhaben, neue Netzwerke zu weben und eine bessere, eine egalit&#228;rere Gesellschaft zu schaffen. Damit ein Land ein &#8220;Country (also) for young (wo)men&#8221; werden kann.</p>
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		<title>.lit Juli</title>
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		<comments>http://www.simoncolumbus.de/2009/08/01/lit-juli/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 01 Aug 2009 02:40:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[literature]]></category>

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		<description><![CDATA[Gesammelte Rezensionen meiner Lekt&#252;re f&#252;r den Monat Juli, ausgenommen die Werke, zu denen mir nichts eingefallen ist und Saramagos Evangelium nach Jesus Christus, zu dem ich bereits einen grauenhaften langen Text verfasst habe. Die Kurzrezension zu Junot Díaz&#8217; &#8220;Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao&#8221; ist &#252;brigens auch beschissen. Amin Maalouf: Der Felsen von Tanios. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gesammelte Rezensionen meiner Lekt&#252;re f&#252;r den Monat Juli, ausgenommen die Werke, zu denen mir nichts eingefallen ist und Saramagos Evangelium nach Jesus Christus, zu dem ich bereits einen grauenhaften langen Text verfasst habe. Die Kurzrezension zu Junot Díaz&#8217; &#8220;Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao&#8221; ist &#252;brigens auch beschissen.</p>
<p><strong>Amin Maalouf: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518455710?ie=UTF8&#038;tag=simoncolumbus-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3518455710">Der Felsen von Tanios.</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=simoncolumbus-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3518455710" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /></strong></p>
<blockquote><p><em>&#8220;Hatte ich nicht hinter der Legende die Wahrheit gesucht? Als ich den Kern der Wahrheit erreicht zu haben glaubte, da war er Legende.&#8221;</em></p></blockquote>
<p>Amin Maalouf ist einer der wichtigsten zeitgen&#246;ssischen arabischen Autoren, obwohl er schon lange in Frankreich lebt. &#8220;Der Felsen von Tanios&#8221; erz&#228;hlt die Geschichte eines libanesischen Dorfes in Zeiten gro&#223;er politischer und gesellschaftlicher Umw&#228;lzungen. Der Junge Tanios scheint vom Schicksal zu besonderen Taten auserkoren zu sein. Er ist das Werkzeug der Vorsehung in den turbulenten Ereignissen, die auch die bis heute andauernde Zerrissenheit des Libanon in unterschiedliche Volksgruppen widerspiegeln. Erhalten geblieben ist von ihm heute nur der legendenumrankte Felsen, auf dem er vor seinem Verschwinden das letzte Mal gesehen wurde.<br />
&#8220;Der Felsen von Tanios&#8221; lehrt, dass es eine Entscheidung zwischen pers&#246;nlichem und politischem Handeln gibt &#8211; und eine Zeit f&#252;r beides. Vor allem die immer wieder eingestreuten Verse des auf seinem Maultier durch die D&#246;rfer der Gegend reitenden Tr&#246;delh&#228;ndlers Nader haben es mir angetan. Sie vermitteln eine Philosophie, die gekonnt die b&#228;uerliche Tradition von Tanios&#8217; Dorf konstrastiert.<br />
Amin Maalouf bedient sich in seinem Werk einer wechselvollen Erz&#228;hltechnik, die mal einen modernen Erz&#228;hler, mal von ihm zitierte historische (und ebenso erfundene) Quellen zu Wort kommen l&#228;sst, um eine Legende aufleben zu lassen. Im ersten Moment nach dem Lesen fehlte mir der Tiefgang in diesem Roman; genauer betrachtet vermitteln die unterschiedlichen Erz&#228;hler aber eine diverse arabische Historie. St&#228;rker als die Geschichte Tanios&#8217; beeindruckt mich das um sie herum entfaltete Sujet &#8211; und, um es noch einmal zu betonen, die &#8220;Weisheiten eines Maultiertreibers&#8221;.</p>
<p><strong>Junot Díaz: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3100139208?ie=UTF8&#038;tag=simoncolumbus-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3100139208">Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=simoncolumbus-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3100139208" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /></strong></p>
<p>Wenn es zwei Personenbezeichnungen gibt, die sich nicht mit einander vertragen, dann sind das &#8220;Nigger&#8221; und &#8220;Geek&#8221;. Beide werden extensiv auf den unr&#252;hmlichen Helden dieses Romans angewandt: Oscar ist Dominikaner (die Republik, nicht die M&#246;nche), dick und, obwohl eben Dominikaner (und st&#228;ndig verliebt) Jungfrau.<br />
Díaz Roman basiert auf einer Absurdit&#228;t: Ein schwarzer Nerd. Ein Geek im Ghetto. Es ist, wenn man so will, ein Clash of Cultures. Und der Autor elaboriert diesen weidlich. &#8220;Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao&#8221; strotzt vor spanischen Ausdr&#252;cken (um genauer zu sein kreolischen, vermute ich), die leider zumindest in der gebundenen deutschen Ausgabe im Anhang und nur sehr un&#252;bersichtlich erkl&#228;rt sind. Zugleich gibt es aber auch l&#228;ngliche Fu&#223;noten zur Geschichte der Dominikanischen Republik, die genauso wie der Rest des Romans im schnoddrigen, aber humorvollen Ton des Erz&#228;hlers Yunior gehalten sind.<br />
Science Fiction Literatur und Videospiele sto&#223;en auf eine dominikanische Familiengeschichte voller Sexbomben und Gewaltt&#228;ter. Dabei vermischen sich die Mysterien beider Ideenwelten, um gemeinsam letztlich in einer Frage zu m&#252;nden: Fukú oder Zafa &#8211; Fluch oder Segen?</p>
<p><strong>Lawrence Lessig: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0375726446?ie=UTF8&#038;tag=simoncolumbus-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=0375726446">The Future of Ideas</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=simoncolumbus-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=0375726446" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /></strong></p>
<blockquote><p><em>&#8220;But commons also produce something of value. They are a resource for decentralized innovation. They create the opportunity for individuals to draw upon resources without connections, permission, or access granted by others.&#8221;</em></p></blockquote>
<p>Das mittlerweile zum Klassiker mutierte Werk des Kommunikationsgenies Lawrence Lessig war vor acht Jahren, 2001, bahnbrechend. &#8220;It deserves to change the way we think about the electronic frontier&#8221;, wird die Los Angeles Times auf dem Titelblatt zitiert. Tats&#228;chlich darf man sich nach der Lekt&#252;re fragen, warum das Konzept der Commons, zu deutsch &#8220;Allmende&#8221;, noch nicht in den K&#246;pfen der Masse angekommen ist.<br />
Lessig erkl&#228;rt dieses Konzept und &#252;bertr&#228;gt es auf den digitalen Raum. Sp&#228;ter sollte sich daraus das Projekt &#8220;Creative Commons&#8221; entwickeln. Auf diesen positiven Ansatz verweisen aber nur die letzten Seiten des Werkes; ansonsten geht es dem Rechtsprofessor eher darum, vor einem Verlust der Freiheiten des Internets zu warnen.<br />
Auch wenn Lessig wie in seinem genialen Vortr&#228;gen gro&#223;artige Beispiele w&#228;hlt, um sein Anliegen zu verdeutlichen, wird das Werk in der zweiten H&#228;lfte teilweise zu sehr auf diese konkreten F&#228;lle bezogen und ist dann, im Nachhinein betrachtet, auf Irrwegen unterwegs.<br />
Am schwersten wiegt aber, dass Lessig sein Buch leider, leider f&#252;r Amerikaner geschrieben hat. Das ist nicht so schlimm, wenn er auf Besonderheiten des Rechtssystems, einzelne Gesetze wie das DMCA etwa, eingeht. Es wird aber unertr&#228;glich, wenn er auf jeder zweiten Seite betonen muss, dass sein Anliegen nichts mit Kommunismus zu tun hat. &#220;berhaupt sind viele Ideen zu brilliant im durchaus komplexen System amerikanischer Politbefindlichkeiten verortet, um wirklich gl&#228;nzend r&#252;berzukommen. Zusammen mit den h&#228;ufigen Wiederholungen macht dieser Balast &#8220;The Future of Ideas&#8221; zu einem Werk, bei dem man gerade an seinen besten Stellen &#252;berlegen muss, wie gut es sein k&#246;nnte, w&#228;re es f&#252;r ein progressiveres Publikum (zu dem ich selbst mich z&#228;hle) geschrieben.</p>
<p><strong>Ghada Samman: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/342311567X?ie=UTF8&#038;tag=simoncolumbus-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=342311567X">Alptraum in Beirut</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=simoncolumbus-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=342311567X" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /></strong></p>
<blockquote><p><em>&#8220;Gl&#252;cklich, wer im Libanon eine Waffe und einen Grabplatz besitzt. Das Land geh&#246;rt auf ewig dem, der bereit ist, daf&#252;r sein Leben zu geben.&#8221;</em></p></blockquote>
<p>&#8220;Alptraum in Beirut&#8221; (in der englischen &#220;bersetzung &#8220;Beirut Nightmares&#8221;, was aus meiner Sicht ein noch weitaus treffenderer Titel ist) spielt w&#228;hrend einiger weniger Tage des libanesischen B&#252;rgerkrieges in einem dem heftig umk&#228;mpften Holiday Inn (wenn ich mich nicht v&#246;llig irre das Hotel, vor dessen Facade eine der Kampfszenen in &#8220;Waltz with Bashir&#8221; spielt. Leider finde ich keine Quellen, um das zu verifizieren. Wenn da wer Erinnerungen hat, um den meinen auf die Spr&#252;nge zu helfen&#8230;) gegen&#252;ber liegenden Haus. Die Geschichte pr&#228;sentiert sich als die Aufzeichnungen einer dort &#8220;auf dem Schlachtfeld&#8221; gefangenen linken Autorin.<br />
Es geht um den Schriftsteller im Krieg. Immer wieder wird die Beziehung zwischen Stift und Kugel erkundet: Es geht um die Verantwortung der Autorin, die die Revolution gefordert hat und zugleich das T&#246;ten nicht ertragen kann. &#8220;Alptraum in Beirut&#8221; ist aber nicht nur auf dieser Ebene ein politischer Roman, es geht auch um die Gr&#252;nde f&#252;r den libanesischen B&#252;rgerkrieg, um religi&#246;sen Hass und finanzielle Interessen.<br />
All das ist verwoben in Sammans einzigartiger Erz&#228;hlform. Kurze, nur selten die L&#228;nge einer Seite &#252;berschreitende Episoden reihen sich aneinander. Es sind durchnummerierte Alptr&#228;ume: Unterschiedslos werden unter diesem Titel Schilderungen der Erz&#228;hlerin, Tr&#228;ume und kurze Parabeln zusammengefasst. Die Parabeln kn&#252;pfen an die arabische Erz&#228;hltradition an, haben aber das sehr gegenw&#228;rtige blutige Geschehen auf den Stra&#223;en Beiruts zum Thema. Sammans Werk wird als Magischer Realismus klassifiziert; in der Tat verschwimmt die Grenze zwischen und Traum und Wachen. Weil die Wirklichkeit zu einem Alptraum wird, weil das Unvorstellbare geschieht, rei&#223;t die Grenze zwischen Traumwelt und Realit&#228;t.<br />
Wenn also dieser lateinamerikanische Magische Realismus in den &#8220;Alptr&#228;umen&#8221; steckt, dann ist die Geschichte doch erz&#228;hlt in einer sehr arabischen Sprache. Die, in einem gewissen Sinne, ist das d&#252;stere, brandschwarze, bleigraue Gegenst&#252;ck zu den blumigen Schilderungen aus Tausend und einer Nacht. Ein lyrisch, philosophisch und politisch gro&#223;artiges Werk.</p>
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		<title>“Israel ist ein Apartheidsstaat”</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 16:46:02 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[politics]]></category>
		<category><![CDATA[religion]]></category>

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		<description><![CDATA[&#220;ber diese Aussage, neben anderen, ist der Zentralrat der Juden &#8220;entsetzt&#8221; &#8211; schreibt SpOn. Gesagt hat&#8217;s Felicia-Amalia Langer, und entsetzend ist das Ganze, weil die jetzt das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen hat. Der Zentralrat der Juden st&#252;rzt sich lustvoll auf dieses neue Opfer seiner Zensurwut &#8211; wie er es jedesmal tut, wenn irgendjemand Kritik an dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#220;ber diese Aussage, neben anderen, ist der Zentralrat der Juden &#8220;entsetzt&#8221; &#8211; schreibt <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,637343,00.html">SpOn</a>. Gesagt hat&#8217;s Felicia-Amalia Langer, und entsetzend ist das Ganze, weil die jetzt das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen hat.</p>
<p>Der Zentralrat der Juden st&#252;rzt sich lustvoll auf dieses neue Opfer seiner Zensurwut &#8211; wie er es jedesmal tut, wenn irgendjemand Kritik an dem Staat Israel zu &#228;u&#223;ern wagt:</p>
<blockquote><p>F&#252;r ihre Kritiker ist Frau Langer jedoch eine Israel-Feindin &#8211; auch wenn Felicia Langer selbst J&#252;din ist. Eine Frau, die Israel schon mal zum &#8220;Apartheidstaat&#8221; erkl&#228;rt, &#252;ber die &#8220;j&#252;disch-zionistische Lobby&#8221; philosophiert, sich im Antisemitismus-Streit um den inzwischen verstorbenen FDP-Politiker J&#252;rgen M&#246;llemann auf dessen Seite schlug und noch im April dieses Jahres in einem Interview zum Boykott israelischer Produkte aus den Siedlungen aufrief. &#8220;Das alles mag wehtun, aber jemand muss es sagen&#8221;, sagt Langer SPIEGEL ONLINE.</p></blockquote>
<p>Frau Langer hat nur zu Recht, wenn sie meint, dass das jemand sagen muss &#8211; dar&#252;ber, ob es wirklich weh tut, kann man sich streiten. Schlie&#223;lich scheint die Reaktion des ZdJ kaum mehr als ein Reflex zu sein, den dieser Pawlow&#8217;sche Hund der deutschen Politszene bei jeder gegen die israelische Politik gewandten &#196;u&#223;erung zeigt.</p>
<p>Nun ist es in diesem Fall mal kein Muselmann oder Deutscher, den man mit den &#252;blichen Terror- und Nazikeulen abwatschen k&#246;nnte. Frau Langer ist, wie SpOn ja auch schreibt, selbst J&#252;din. Und sie steht mit ihren Aussagen nicht allein da.</p>
<p>Ich habe die Frage nach Israel als einem Apartheidsstaat vor einiger Zeit einem Menschen gestellt, der es wissen muss: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Denis_Goldberg">Denis Goldberg</a>, dem j&#252;dischen Mitangeklagten von Nelson Mandela im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rivonia-Prozess">Rivonia-Prozess</a>. Und Herr Goldberg hat bejaht, was nicht zu leugnen ist: Das Israel heute dem S&#252;dafrika der Apartheid sehr nahe kommt.</p>
<p>Der Zentralrat der Juden will davon nichts wissen. Seit ich mich erinnern kann, verh&#228;lt er sich als bei&#223;w&#252;tiger Watchdog der Reputation des Staates Israel in Deutschland. Kritik wird nicht geduldet, Kritiker werden mit allen publizistischen Mitteln angegriffen. Und diese publizistischen Mittel hat der ZdJ: Nicht nur die Springer-Presse ist diesem Verein h&#246;rig.</p>
<p>Judentum und israelische Politik werden dabei zu einer untrennbaren Melange verquickt, deren Bem&#252;hung es ist, keine Unterscheidung mehr zuzulassen. Wieso? Weil eine Trennung Israels vom Judentum im Bewusstsein der deutschen &#214;ffentlichkeit die Legitimation der &#196;u&#223;erungen des ZdJ untergraben w&#252;rden. Er missbraucht die Nazi-Keule und die st&#228;ndige Erinnerung an die Gr&#228;uel des Holocaust, um sich in der &#214;ffentlichkeit als politische Vertretung Israels zu positionieren und daraus selbst wieder St&#228;rke zu ziehen.</p>
<p>Darunter leiden vor allem die Juden wie Felicia-Amalia Langer, die ihre Religion nicht mit einer fremden Staatsangeh&#246;rigkeit und Ideologie verkn&#252;pfen wollen. Man kann in Deutschland nicht Jude sein, ohne vom ZdJ als Unterst&#252;tzer der Apartheidspolitik Israels vereinnahmt zu werden. Was eine religi&#246;se Dachorganisation sein sollte, ist eine Propagandaorganisation, die nicht vor unlauteren Mitteln zur&#252;ckschreckt, um unmenschliche Politik zu unterst&#252;tzen.</p>
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		<title>Nichts</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 15:34:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
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		<description><![CDATA[C. hat eine L&#252;cke im System entdeckt. Und sie ist nicht froh dar&#252;ber. Wenn sie nach der Schule nichts beginnt &#8211; keine Ausbildung, kein Studium, kein FSJ &#8211; steht sie ohne Kindergeld da. Erh&#228;lt sie kein Kindergeld mehr, l&#228;uft ihr Versicherungsschutz aus. &#8220;Warum gibt es da kein Feld &#8216;Selbstfindung&#8217;?&#8221;, fragt sie. Und in der Tat, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>C. hat eine L&#252;cke im System entdeckt. Und sie ist nicht froh dar&#252;ber. Wenn sie nach der Schule nichts beginnt &#8211; keine Ausbildung, kein Studium, kein FSJ &#8211; steht sie ohne Kindergeld da. Erh&#228;lt sie kein Kindergeld mehr, l&#228;uft ihr Versicherungsschutz aus.</p>
<p>&#8220;Warum gibt es da kein Feld &#8216;Selbstfindung&#8217;?&#8221;, fragt sie. Und in der Tat, das System kennt kein <a href="http://www.simoncolumbus.de/2009/07/08/die-freiheit-des-schuelers-im-moment-des-verlassens-der-schule/">Innehalten</a>. Es ist gesellschaftlich nicht vorgesehen.</p>
<p>In dem Film <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sollbruchstelle_(Film)">Sollbruchstelle</a> findet sich ein Interview mit einer Sch&#252;lerin, kurz vor dem Abschluss, ganz &#228;hnlich wie C. Sie berichtet von einem Gespr&#228;ch mit ihrem Berufsberater. Was ist, wenn ich nichts finde? keine Ausbildung, kein Studium, kein FSJ, ganz &#228;hnlich wie C., hat sie gefragt: &#8220;Dann bist du nichts&#8221;.</p>
<p>Es ist ein seltsamer Status, Produkt der B&#252;rokratie, eng gesehen: Nichts. Ein Un-Status, um korrekt zu sein. Aber es ist auch das Ergebnis einer Lohnarbeitsgesellschaft. Einer Gesellschaft in der man nicht ist, was man isst, geschweige denn ist, sondern was man macht. </p>
<p>Der amerikanische Slam Poet und Lehrer <a href="http://taylormali.com">Taylor Mali</a> hat die doppelte Bedeutung dieses Wortes, machen, ausgereizt: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=tpog1_NFd2Q">What teachers make</a>. &#8220;You&#8217;re a teacher, Taylor? Come on, be honest, what do you make? &#8211; I make kids wonder, I make them question, I make them criticize, I make them apologize and mean it&#8221;.</p>
<p>Machen, das meint Verdienst und Beruf. Von Berufung nie die Rede: hei&#223;t es doch machen, nicht ausmachen. C. hat nicht vor, nichts zu machen, ganz im Gegenteil, sind wir doch jung, grad raus aus der Schule und voller Pl&#228;ne. Allein, das System erzwingt Wandeln in seinen Bahnen.</p>
<p>Das ist die h&#228;ufig &#252;bersehene Seite des Sozialstaates. Er bedeutet f&#252;r die ihm Angeh&#246;rigen den Anspruch auf materielle Unterst&#252;tzung. Aber er fordert als Gegenleistung auch das Commitment zur Lohnarbeit ein.</p>
<p>Es ist ein Deal, der einst mehr als akzeptabel schien in einer Zeit, als materielle G&#252;ter noch Produkt der Menschen H&#228;nde waren. Als jeder beitragen musste, damit etwas verteilt werden konnte an die, die beizutragen nicht f&#228;hig waren. Aber das Gesicht der Welt hat sich seitdem ver&#228;ndert: Egal, was C. macht &#8211; die R&#228;der der Maschinen drehen sich weiter; spucken Werte in die Welt, die nicht mehr Produkt arbeitender, sondern Geld reichender H&#228;nde sind.</p>
<p>C. w&#252;rde gerne etwas beitragen, wird wohl einen sozialen Beruf w&#228;hlen, einen, das ist lustig, der sozial, gesellschaftsdienlich ist vor allem, weil er, wir erinnern Taylor Mali, mehr ausmacht als einbringt. Sie will ein FSJ machen, freiwilliges soziales Jahr, was, materiell gesehen, nichts anderes ist als ein Opfer an die Gesellschaft, eine Darreichung von Arbeitskraft.</p>
<p>C. will es machen, weil sie sich selbst etwas davon erhofft, einen inneren Gewinn. Aus dem gleichen Grund will sie es noch nicht jetzt machen, erst im n&#228;chsten Jahr. Weil das FSJ Produktivit&#228;t in den Bahnen des Sozialstaates ist, C.s Machen w&#228;hrend den Monaten davor aber nicht, erkennt der Staat das eine an, das andere nicht. </p>
<p>Er kennt kein Innehalten. Der Staat sieht das Leben noch immer als Flie&#223;bandarbeit, ein ewiger Akkord, w&#228;hrend dem man nicht stillstehen kann, auch wenn die Flie&#223;bandarbeiter der Realit&#228;t l&#228;ngst durch Maschinen ersetzt werden, die ihre Greifarme Tag und Nacht senken, so konzipiert sind, dass sie kein Innehalten brauchen, und bei Erm&#252;dung des Materials austauschbar.</p>
<p>Das C. das nicht m&#246;chte, versteht er nicht.</p>
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		<title>Die Freiheit des Schülers im Moment des Verlassens der Schule</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 02:26:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Versuchen wir, Mensch zu sein&#8221;, sagte J. und bewies, dass ein guter Abschluss immer auch ein Anfang ist. Tags zuvor noch hatte der Lehrer von der Parabel des Balles gesprochen, die unseren Lebensabschnitten gleicht, und die einen Anfang und ein Ende hat; und davon, dass die Kugel nicht angesichts des Bodens noch einen Sprung machen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Versuchen wir, Mensch zu sein&#8221;,</p>
<p>sagte J. und bewies, dass ein guter Abschluss immer auch ein Anfang ist.</p>
<p>Tags zuvor noch hatte der Lehrer von der Parabel des Balles gesprochen, die unseren Lebensabschnitten gleicht, und die einen Anfang und ein Ende hat; und davon, dass die Kugel nicht angesichts des Bodens noch einen Sprung machen kann, den Aufprall vermeidend.</p>
<p>Es ist wahr, mit dem Abschluss der Schule geht ein Bogen zuende. Beginnt ein neuer. Alles W&#252;nschen hilft nichts: Wir k&#246;nnen ihn nicht verl&#228;ngern. Dieser Wunsch, das muss gar nicht einmal der sein, weiter zur Schule zu gehen (wer h&#228;tte den schon?). Dieser Wunsch, dass kann einfach der sein, die geordnete, ebenm&#228;&#223;ige, durch Naturgesetze vorbestimmte Bahn der Parabel nicht zu verlassen. Ich kann von mir sagen: Der Weg von der ersten zur dreizehnten Klasse, das ist mir ein Naturgesetz geschienen. </p>
<p>Doch was mich erstaunt ist, dass wir es f&#252;r ebenso nat&#252;rlich halten, dass uns der Aufprall gleich wieder hochspringen lie&#223;e zur neuen Parabel. Ist das denn so? Es ist wahr, wir k&#246;nnen nicht innehalten. Das Gesetz sagt, dass der Ball sich fort-bewegen muss. Aber ist denn der neue Sprung garantiert?</p>
<p>In der Tat, es w&#228;re ein Leichtes, aus der Parabel der Schule in jene des Studiums &#252;berzugleiten. Nicht, dass die Auswahl, die Bewerbung keine Kraft von uns erforderten. Aber es ist wenig, zumal, wenn die Eltern und Geschwister den Weg schon vorgelebt haben. </p>
<p>Dennoch, es gibt gute Gr&#252;nde, innezuhalten. Wollen wir denn Objekt eines Naturgesetzes sein, h&#252;pfen, weil uns das Springen auf die mosaischen Tafeln geritzt wurde? Wir k&#246;nnen, vern&#252;nftig gedacht, nicht innehalten. Eine Entscheidung herauszuz&#246;gern ist ein Oxymoron: Wir entscheiden uns immer, in jedem Moment.</p>
<p>Das, was wir Innehalten nennen, ist dann der Versuch, dieses Naturgesetz zu transzendieren. Selbst Gewalt &#252;ber die eigene Zukunft zu erlangen, indem man sich seiner M&#246;glichkeiten bewusst wird. Wir halten also ein, nehmen uns nach der Schule eine Auszeit. Der Ball, eine Parabel beendend, rollt &#252;ber den B&#252;hnenboden des Theaters unseres Lebens.</p>
<p>Die Gesetze der Mechanik sagen uns: Wir werden unsere eigene Kraft aufbringen m&#252;ssen, um den Boden, abhebend, wieder zu verlassen. Sich Freiheit zu verschaffen hei&#223;t auch, Sicherheiten aufzugeben. </p>
<p>Die gro&#223;en Philosophen werden an dieser Stelle f&#252;r die Position der Freiheit argumentieren. Meister Eckehart sprach: &#8220;Alle Dinge m&#252;ssen, der Mensch allein ist das Wesen, welches will.&#8221; </p>
<p>Die Freiheit ist es also, die den Menschen auszeichnet, die Freiheit zu wollen, die Freiheit, um es mit Kant zu sagen, vern&#252;nftig zu handeln. Und selbst, wenn wir unter dem Diktat der chemischen Vorg&#228;nge in unserem Gehirn st&#252;nden: Wir k&#246;nnen uns doch der Illusion der Freiheit nicht versagen.</p>
<p>Ist also, um J. beim Wort zu nehmen, der Versuch, Mensch zu sein, das Schultern der B&#252;rde Freiheit? Das hie&#223;e das Gebot, sich das gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Bewusstsein der eigenen Situation zu verschaffen; dass der Ball lange rollen muss, bevor er wieder abheben kann. </p>
<p>Aber es sind nicht alle Menschen Albatrosse, die nach langem Torkeln sich auf ihren Riesenschwingen in die Luft erheben, einen neuen Bogen unter sich zwingend. Mensch sein hei&#223;t auch, imperfekt zu sein. Die menschliche Freiheit ist keine unendliche, sie ist vielmehr nur aus ihren Grenzen heraus. </p>
<p>Absolute Freiheit anzustreben w&#228;re t&#246;dlich. Es w&#228;re die Anma&#223;ung der G&#246;ttlichkeit, derweil sich der Schwung der Kugel an den R&#228;ndern der B&#252;hne totliefe, ein Abheben mit dem letzten Kraftverlust unm&#246;glich machend. </p>
<p>In der germanischen Mythologie liegen drei Welten an der Esche Yggdrasil. In der Krone das Asgard der G&#246;tter, an der Wurzel das Utgard der Trolle und Riesen. Dazwischen Midgard, die Welt der Menschen. Man k&#246;nnte auch sagen: Zwischen den Herrschern und den Beherrschten, zwischen Freiheit und Determiniertheit ist der Platz der Menschen. </p>
<p>Das sich einer n&#228;her an der Wurzel wohlf&#252;hlt, w&#228;hrend ein anderer zur Krone strebt, ist das Gesetz des Individualismus. Es gibt keine Verpflichtung zur Freiheit, keinen Zwang zur Sicherheit. Es gibt nur die Grenzen der Welt. </p>
<p>Versuchen wir, Mensch zu sein.</p>
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		<title>.lit José Saramago: Das Evangelium nach Jesus Christus</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 22:12:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[literature]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie res&#252;mmiert man den dem Leser bekannten Inhalten eines ihm unbekannten Werkes? Der Inhalt von José Saramagos &#8220;Evangelium&#8221; ist die nur zu gut bekannte Geschichte jenes Jesus Christus, Subjekt schon diverser anderer, gleicherma&#223;en betitelter Werke. Es gibt viele Auslegungen von Jesu Leben: Es gibt feministische Biographien, naturalistische Darstellungen &#8211; was ist von José Saramago, Mitglied [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie res&#252;mmiert man den dem Leser bekannten Inhalten eines ihm unbekannten Werkes? Der Inhalt von José Saramagos &#8220;Evangelium&#8221; ist die nur zu gut bekannte Geschichte jenes Jesus Christus, Subjekt schon diverser anderer, gleicherma&#223;en betitelter Werke.</p>
<p>Es gibt viele Auslegungen von Jesu Leben: Es gibt feministische Biographien, naturalistische Darstellungen &#8211; was ist von José Saramago, Mitglied der kommunistischen Partei Portugals seit vierzig Jahren, bekennender Atheist, zu erwarten?</p>
<p>Saramago beginnt, und das vielleicht die gr&#246;&#223;ten Stellen des Werkes, mit zwei Bildern. Er malt wie ein anderer mit Pinseln auf Canvas was ein sprachliches &#214;lgem&#228;lde anmutet, eine Kreuzigungsszene. Schon hier legt der Autor den Ton fest, den sein Evangelist &#8211; der, wie er an einer Stelle selbst anmerkt, wei&#223; was war, ist und sein wird, zumindest, was die Belange Jesu betrifft, und das auch von dem Leser annimmt &#8211; das Werk &#252;ber haben wird. Es ist ein leichter, manchmal sp&#246;ttischer Ton, in dem hier abgew&#228;gt wird, welche diese, welche jene der Marien die Frauen auf dem Gem&#228;lde sind.</p>
<p>Und genauso malt er den Himmel &#252;ber Nazareth, die Hintergrundszene zu Jesu Zeugung, von der sp&#228;ter angemerkt wird, man h&#228;tte Gottes Anwesenheit an ihr erkennen k&#246;nnen. Man k&#246;nnte hier meinen, eine naturalistische Schilderung vor sich zu haben. Eine, die auf Magisches und Mythisches verzichtet. Doch Maria wird ihre Schwangerschaft angek&#252;ndigt. Von einem Engel.</p>
<p>Hier zeigt sich die Beziehung Saramagos zu seinem Stoff: Es ist ein Engel, aber er hat nichts gemein mit goldgl&#228;nzenden Barockputten und filigranen Krippenfiguren; es ist ein Bettler. Saramago &#252;bernimmt die &#220;berlieferung der Evangelien, er l&#228;sst vieles intakt, was man ihn zerst&#246;ren vermutete, spinnt stattdessen Neues ein und unterzieht das Alte einer Metamorphose.</p>
<p>Vor allem aber ver&#228;ndert er die Vorzeichen. Saramago nimmt die Geschichte vom Kindermord zu Bethlehem auf, um sie unter dem Gesichtspunkt der Schuld Josefs zu deuten. Josefs, der von dem geplanten Mord erf&#228;hrt und nach Bethlehem eilt, um den eigenen Sohn zu retten. Und es unterl&#228;sst, die Eltern von Bethlehem zu warnen.</p>
<p>Das Urteil ist klar: Josefs Tat ist Mord durch Unterlassung. Und der Zimmermann wird vortan von Alptr&#228;umen geplagt, die ihn seine Schuld nicht vergessen lassen. Er reitet unter r&#246;mischen Soldaten nach Bethlehem, seinen Sohn zu t&#246;ten. Er reitet, jede Nacht, bis er am Kreuz stirbt.</p>
<p>Sein Sohn erbt den Traum. Tr&#228;umt ihn aus seiner Perspektive. Wartend unter den Kindern Bethlehems, dass sein Vater komme, ihn zu t&#246;ten. Die Schuld, so gro&#223;, dass sie der Vater auf den Sohn vererbt.</p>
<blockquote><p>&#8220;Dieser junge Bursche, der sich in einem Alter nach Jerusalem begibt, in dem die meisten seiner Gef&#228;hrten sich kaum erst vor das eigene Tor wagen, ist vielleicht nicht gerade ein Adler an Scharfsinn, kein Ausbund an Intelligenz, unsere Achtung verdient er aber dennoch, er tr&#228;gt, wie es selbst erkl&#228;rte, eine Wunde in der Seele, und da seine Natur es ihm verwehrt, darauf zu warten, dass die schlichte Gewohnheit, mit ihr zu leben, diese heilte, bis sie sich in gutgewillter Vernarbung schl&#246;sse, die im Nichtdenken besteht, begab er sich statt dessen auf die Suche nach der Welt, um, wer wei&#223;, die Wunden vielleicht zu vervielfachen und aus ihnen allen einen einzigen und endg&#252;ltigen Schmerz zu bereiten.&#8221;</p></blockquote>
<p>Hier ist Jesus ganz Mensch. Er ist es das ganze Werk &#252;ber. Aber Saramago reizt den Konflikt kaum aus, in dem er steht: Mensch und Gottessohn zu sein. Schade, finde ich. Doch psychologisiert wird kaum: Das Kausalgewebe der Geschichte bleibt fadenscheinig. Es ist dies wohl auch Folge des vorgegebenen Geschehens &#8211; denn Saramagos Jesus nimmt Wege, von denen die anderen Evangelien nicht sprechen. Doch die Etappenziele bleiben die gleichen.</p>
<p>Der Weg dieses ausgezogenen, 14 Jahre alten Jesus f&#252;hrt ihn nach Bethlehem, wo er Helfer eines Hirten wird. Der sich, Jahre sp&#228;ter, als der Teufel erweist: Saramago verkehrt und verdreht die Rollen von Gott und Gegenpart.</p>
<blockquote><p>&#8220;[D]as System des Herrgotts ist stets das Gegenteil dessen, was sich die Menschen vorstellen, und, hier ganz im Vertrauen, ich finde, anders k&#246;nnte der Herr gar nicht bestehen, das seinem Munde am meisten entquellende Wort ist nicht Ja, sondern Nein, Immer h&#246;rte ich sagen, der Teufel sei der Geist, der stehts verneint, Mitnichten, meine Tochter, der Teufel ist der Geist, der sich selbst verneint&#8230;&#8221;</p></blockquote>
<p>Ich w&#252;rde an dieser Stelle gerne in das letzte Drittel des Romans springen, allein: Die Chronologie erfordert eine Erw&#228;hnung Maria Magdalenas. Auch dieser Handlungsteil ist symptomatisch f&#252;r Saramago: Jesus verletzt sich vor Marias Haus am Fu&#223;, sie &#8211; Prostituierte wie in der katholischen Mythologie, und das auch gerne &#8211; verf&#252;hrt ihn. Maria gibt ihren Beruf auf, das Paar lebt in Wilder Ehe zusammen.</p>
<p>Eigentlich w&#228;re gerade die Figur Maria Magdalenas f&#252;r viele Auslegungen geeignet: Man kann sie wahlweise als Opfer sozialer Umst&#228;nde sehen, der schwierigen Situation von alleinstehenden Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft etwa, oder als Beispiel einer Emanzipierten, die von der Um- und Nachwelt ihres Selbstbewusstseins wegen geschm&#228;ht wird. Saramago w&#228;hlt keine davon.</p>
<p>Maria Magdalena ist Prostituierte, sogar, wie es scheint, aus eigener Wahl heraus, gerne auch, aber sie ist nicht gleichgestellte Gef&#228;hrtin Jesu, auch wenn dieser sich als eins mit ihr beschreibt, schreitet hinter ihm. Man m&#246;chte fast sagen: Ein Gemisch aus Positionen, das letztlich in einem schwammig umrandeten Charakter m&#252;ndet.</p>
<p>Nun aber: Der dritte Teil des Werkes. Featuring Gott, Teufel und Passion. Hier wird Saramago zum Theoretiker, ein Verlust, wie ich finde: Die wechselvollen Situationsbeschreibungen werden abgel&#246;st durch lange Dialoge und Kontemplationen. H&#246;hepunkt ist das Zusammentreffen von Jesus mit seinem Vater, id est Gott, und dem Teufel, auf einem Boot, im Nebel, auf dem See Genezareth.</p>
<p>Hier wird die Passionsgeschichte zum PR-Feldzug des Herrn, Jesu Tod am Kreuz zum notwendigen Propagandamittel. Saramago dagegen scheint verbittert durch zwischen den Zeilen, wenn Jesus Gott n&#246;tigt, &#252;ber Seiten hinweg die M&#228;rtyrer des Christentums aufzuz&#228;hlen, die Greuel der nach ihm zu benennenden Religion aufzuf&#252;hren und auf die Waagschale zu werfen, auf der anderen Seite nichts als den alles &#252;berwiegenden Willen des Herrn.</p>
<p>Vielleicht ist mein gemischtes Gef&#252;hl nach der Lekt&#252;re dieses Werkes auch in meiner unzureichenden Besch&#228;ftigung mit dem Christentum und der Bibel zu suchen, immer wieder greift Saramago auf &#220;berlieferungsschnipsel zur&#252;ck, Jesu Wunder werden kaum mehr als res&#252;mmiert, zu deutlich die angenommene Kenntnis der Sachverhalte beim Leser. Alles in allem erscheint mir das theoretische Ger&#252;st des Werkes aber zu wechselhaft, viele Gedanken laufen zusammen, ohne in meinem Verst&#228;ndnis ein Ganzes zu ergeben. Die Katholische Kirche hat sich sehr &#252;ber diesen Roman echauffiert, verst&#228;ndlich, wird doch Gott als ein skrupelloser, machtversessener Stratege dargestellt. Eine wirkliche Bedrohung kann sie aber kaum darin gesehen haben. Zuwenig, scheint es mir, macht sich Saramago die M&#252;he, tats&#228;chliche Argumentationen auseinanderzunehmen, Glaubensgrunds&#228;tze in der Untersuchung zu widerlegen.</p>
<p>Was mir gefallen hat, ist die Sprache, ist der Erz&#228;hlstil. Saramago spielt in seinen langen S&#228;tzen mit dem hehren Stil der biblischen &#220;berlieferung, l&#228;sst den Knaben Jesus seine Mutter im Stile eines Hohepriesters belehren &#8211; und dekonstruiert diese Facade mit den in sp&#246;ttischer Umgangssprache vorgebrachten Einw&#252;rfen des Evangelisten. So scheint mir die Auseinandersetzung mit der Bibel in &#8220;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499223066?ie=UTF8&amp;tag=simoncolumbus-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3499223066">Das Evangelium nach Jesus Christus</a><img style="border:none !important; margin:0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=simoncolumbus-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3499223066" border="0" alt="" width="1" height="1" />&#8221; auf sprachlicher Ebene weitaus gelungener denn auf inhaltlicher.</p>
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		<title>Das war’s – das wird’s</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Jul 2009 20:03:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Wort davor und eines danach. F&#252;r die Abi-Zeitschrift. &#8212; Das war&#8217;s Hey Du! wir sind jetzt frei! Is&#8217; schon &#8216;n cooles Gef&#252;hl, so nach dreizehn Jahren. Ich mein&#8217;, wir haben uns das nat&#252;rlich verdient. Wir waren schlie&#223;lich schon immer die Besten. Das hat ja schon angefangen bei unserer Einschulung. Wir hatten einfach den besten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Wort davor und eines danach. F&#252;r die Abi-Zeitschrift.</p>
<p style="text-align: center;">&#8212;</p>
<p>Das war&#8217;s</p>
<p>Hey Du!</p>
<p>wir sind jetzt frei! Is&#8217; schon &#8216;n cooles Gef&#252;hl, so nach dreizehn Jahren. Ich mein&#8217;, wir haben uns das nat&#252;rlich verdient. Wir waren schlie&#223;lich schon immer die Besten.<br />
Das hat ja schon angefangen bei unserer Einschulung. Wir hatten einfach den besten Lehrer, ganz klar. Herr Kastell ist absolut der coolste Geschichtenerz&#228;hler. Ich wei&#223; noch, &#8220;Die G&#228;nsehirtin am Brunnen&#8221; war das, auf der B&#252;hne da. Respekt.<br />
Naja, und von da an war&#8217;s halt &#8216;ne krasse Erfolgsgeschichte.<br />
Die ersten Jahre waren noch ganz l&#228;ssig, aber man muss sich das mal &#8216;reinziehen: Wir haben schon Theater gespielt, da habt ihr noch in eure Windeln geschisssen. F&#252;nfte und sechste Klasse damals. War ne geile Sache. &#8220;Die Schildb&#252;rger&#8221;. So&#8217;n richtiger Klassiker: Die Story gibt&#8217;s schon seit 1597. H&#228;ttste jetzt auch nich&#8217; gewusst, he?<br />
Hat noch ein wenig gedauert, aber in der Achten haben wir dann mal so richtig durchgestartet. Keine Frage, dass &#8220;Krabat&#8221; das beste Achtklassspiel ever war. Und Props f&#252;r Herrn Becker, der das alles gemanagt hat. Is&#8217; ja mit so Teenies auch nich&#8217; so leicht, obwohl wir nat&#252;rlich nie so schlimm wie die anderen waren.<br />
Nach dem Segeln auf dem Mondsee (sind unsere Geschwindigkeitsrekorde eigentlich noch immer ungebrochen?) ging&#8217;s dann ab in die Oberstufe. Krasse Sache. Wir nat&#252;rlich immer voll dabei, wenn&#8217;s irgendwas Neues abzufeiern gab. Ich k&#246;nnt&#8217; da jetzt viel erz&#228;hlen, aber ich hab&#8217; ihr auf nich&#8217; vor &#8216;n Roman zu schreiben, also gleich mal weiter zur Zw&#246;lf.<br />
Waldorfabschluss is&#8217; ja immer &#8216;ne krasse Sache. Theater, Jahresarbeit, Kunstprojekt. Wir nat&#252;rlich immer voll innovativ. Erstmal Theater: &#8220;Bang Bang&#8221; war jawohl der Knaller. Ich mein&#8217;, sowas Modernes is&#8217; hier auch noch nich&#8217; gemacht worden. So richtig deep, mit Blut und allem. Ich fand das auf jeden cool, dass sich da Leute verpisst haben. Ich mein&#8217;, einfach so aus dem Saal, weil wir so krass waren. Wie geil ist das denn?<br />
Naja, jedenfalls voll den Applaus gekriegt und wir gleich weiter zu den Jahresarbeiten. Sollten da nat&#252;rlich schon fast fertig sein, aber ich sach&#8217; da mal: Immer sch&#246;n l&#228;ssig. War ja am Schluss dann auch alles da, he? Wir nat&#252;rlich unsere Vortr&#228;ge &#246;ffentlich gemacht, immer sch&#246;n Avant-Garde, ja? Und Bunten Abend auch &#8211; ich mein&#8217;, was f&#228;llt denen ein, uns den wegnehmen zu wollen? Das geht ja mal gar nicht. Wir nat&#252;rlich voll gek&#228;mpft und was soll ich sagen? War nat&#252;rlich wieder &#8216;ne fette Vorstellung.<br />
Kunstabschluss war nat&#252;rlich auch schick, auf jeden. Ich mein&#8217;, wir sehen sogar in Eurythmiekleidern cool aus, das sagt doch alles?<br />
Abi brauch&#8217; ich ja gar nichts mehr zu sagen. Beste, man. Un&#8217; was geht jetz&#8217;? Is&#8217; schade, dass wir weg sin&#8217;. Ich mein&#8217;, tut mir einfach leid euch so zur&#252;ckzulassen. Aber auch die Besten m&#252;ssen halt irgendwann geh&#8217;n.</p>
<p>K&#246;nnte uns bitte mal jemand das Wasser reichen?</p>
<p style="text-align: center;">&#8212;</p>
<p>Das wird&#8217;s</p>
<p>Ich erinnere mich gut an meine Rolle in &#8220;Bang Bang&#8221;. Mein Charakter Josh wurde h&#228;ufig von Alptr&#228;umen geplagt, w&#228;hrend denen ich von meinen Mitspielern umhergesto&#223;en wurde. In einer Szene trugen sie mich auf einer Decke liegend weg. Es war dunkel, ich ohne Brille sowieso halb blind, und ich musste mich darauf verlassen k&#246;nnen, dass jeder seinen Zipfel gut gepackt hatte.<br />
Die Arbeit auf der B&#252;hne ist ein gutes Bild f&#252;r die Entwicklung einer Klasse. Man muss gemeinsam schaffen, um das St&#252;ck zur Vollendung zu bringen. Es w&#228;re kein tiefer Sturz gewesen auf dieser B&#252;hne; sicher keiner, an dem ich mir etwas getan h&#228;tte. Es geht aber in dieser Situation wie immer auf der B&#252;hne um das Vertrauen darein, dass der andere seinen Part erf&#252;llt. Um dieses Vertrauen zu bekommen, muss man gemeinsam &#252;ben. Man muss, &#252;ber die Zeit, zu einer Einheit werden.<br />
Auch eine Klasse sollte eine solche Einheit sein. Nicht, dass einer die Aufgaben des anderen &#252;bernehmen k&#246;nnte. Eine Klausur kann mir ein Mitsch&#252;ler genauso wenig abnehmen wie einen Monolog. Aber die Klassengemeinschaft kann die Grundlage f&#252;r das Werden jedes Einzelnen bilden.<br />
Bevor wir eine Auff&#252;hrung hatten, haben wir uns immer in einen Kreis gestellt. Uns an den H&#228;nden gefasst. Unseren Spruch gesagt: &#8220;In die Ruhe liegt Kraft / Gemeinsam geschafft / Gemeinsam vollbringen / So kann es gelingen.&#8221;<br />
Wir haben dieses Ritual nicht vor den Klausuren durchgef&#252;hrt. Schlie&#223;lich musste zu diesen Pr&#252;fungen jeder einzeln antreten. Es w&#228;re aber vielleicht auch nicht richtig gewesen. Wir sind in den letzten Monaten keine Einheit mehr gewesen. Nicht allein, dass uns nach der 12 zu viele verlassen haben, um uns weiter &#8220;Wir&#8221; sein zu lassen.<br />
Diese jungen Menschen haben sich auch immer mehr zu eigenst&#228;ndigen Individuen entwickelt. Nicht, dass wir uns nicht mehr angeschaut h&#228;tten. Diese Entwicklung ist kein Zeichen von Zerfall: Ich mag viel mehr von Ver&#228;nderung sprechen, die h&#228;ufig das Ende des Liebgewonnenen mit sich bringt.<br />
Der Fr&#252;hling ist jetzt schon vor&#252;ber, wir sehen nicht mehr viele Pflanzen in voller Bl&#252;te. Aber wenn wir im April oder Mai an einem farbenfroh bl&#252;henden Baum vorbeigegangen sind war uns klar, dass die diese Bl&#252;ten einmal vergehen m&#252;ssen, damit die Pflanze Fr&#252;chte tragen kann.<br />
Genau so m&#252;ssen wir uns unsere Klassengemeinschaft vorstellen. Die Bl&#252;ten m&#252;ssen den Fr&#252;chten weichen. Um in der Welt zu bestehen mussten aus der Einheit starke Individuen hervorgehen. Aber anders als ein Apfel tragen wir, wenn wir nun mit unseren Zivildiensten, Ausbildungen und Studien beginnen, die Erinnerung an das Vergangene in uns. D&#252;rfen wir aus dem Erlebten sch&#246;pfen. K&#246;nnen wir gerade deshalb jeder f&#252;r sich der Zukunft entgegen sehen, weil wir wissen, was Gemeinschaft bedeutet.</p>
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		<title>.slam 19. Siegener Poetry Slam</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Jul 2009 00:04:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[literature]]></category>

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		<description><![CDATA[Semi-spontan habe ich mich am Sonntag das erste Mal zum Poetry Slam in Siegen bequemt. Vor hatte ich das schon l&#228;nger, zuletzt aber immer wieder die Termine verplant, das hier im doppelten Wortsinne zu nehmen. Obiges soll nicht hei&#223;en, Poetry Slam w&#228;re mir bisher nicht bekannt gewesen. Auf Youtube findet sich zum Gl&#252;ck eine Unzahl [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Semi-spontan habe ich mich am Sonntag das erste Mal zum <a href="http://www.myspace.com/siegenerpoetryslam">Poetry Slam in Siegen</a> bequemt. Vor hatte ich das schon l&#228;nger, zuletzt aber immer wieder die Termine verplant, das hier im doppelten Wortsinne zu nehmen.</p>
<p>Obiges soll nicht hei&#223;en, Poetry Slam w&#228;re mir bisher nicht bekannt gewesen. Auf Youtube findet sich zum Gl&#252;ck eine Unzahl an Mitschnitten zB der amerikanischen Sendung Def Poetry Jam, mit denen ich schon so manche Nacht verbracht habe. Aus Deutschland hatte es mir bisher vor allem die Rapperin und Slammerin <a href="http://www.fiva-radrum.de/start.htm">Fiva MC</a> angetan.</p>
<p>Von den am Sonntag in Siegen antretenden K&#252;nstlern war mir allerdings nur der M&#252;nsteraner Andy Strau&#223; ein Begriff (ohne, dass ich jetzt sagen k&#246;nnte, woher).</p>
<p>Der geh&#246;rte dann auch zu den vier Kandidaten, die letztlich in die Finalrunde einzogen. Strau&#223; zeigt eine wirklich beeindruckende B&#252;hnenpr&#228;senz (die ihm auch &#252;ber seinen nicht mehr ganz n&#252;chternen Zustand hinweg half). Sch&#246;n w&#228;re es nur gewesen, w&#228;re er weniger albern (oder h&#228;tte doch zumindest nicht st&#228;ndig &#252;ber sich selbst gekichert). An letzterem zeigt sich wohl auch eine Schwierigkeit des Poetry Slam, der in Deutschland in den letzten Jahren wohl so etwas wie seine Jugendjahre erlebt: Es gibt einen Wettstreit zwischen erw&#252;nschter Authenzit&#228;t und f&#252;r den Mainstream erforderlicher Professionalit&#228;t.</p>
<p>Gewonnen hat letztlich der aus meiner Sicht einzig angemessene Kandidat. Die erste Erz&#228;hlung des Berliners Gauner &#252;ber eine Reise zu den eigenen Erinnerungsst&#252;cken, wenn man es so nennen m&#246;chte, erinnerte mich in seinem Eintauchen in die materialisierte Welt der metaphysischen Souvenirs ein wenig an Torchs brillianten Track <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Svlc4eaejcU">Ich hab geschrieben</a> (ohne ihm nat&#252;rlich das Wasser reichen zu k&#246;nnen). Es war einer der wenigen tiefsinnigeren Beitr&#228;ge im Wettbewerb und schon daher mein Favorit. </p>
<p>Auch von der Vortragsweise her geh&#246;rten Gauners gereimt-gerappte Texte zu meinen Favoriten. Neben ihm und Strau&#223; aber waren es wenige, die tats&#228;chlich anklingen lie&#223;en, dass es beim Poetry Slam auch um die Pr&#228;sentation des Werkes geht. Einzig Alexander Willrich und Bente Varlemann fand ich da noch interessant. </p>
<p>Stattdessen wirkte die ganze Veranstaltung ein wenig wie Kabarett ohne das allf&#228;llige Piano auf mich: Viele Witze, viel Sex und ein wenig Politik, in einer sch&#246;nen Packung und mit der extra Portion Poesie beworben, um es als Mode zu verkaufen. </p>
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