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	<title>Transatlantikblog</title>
	
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	<description>Blog über Nahost, Israel, USA, Sicherheitspolitik</description>
	<lastBuildDate>Wed, 16 May 2012 12:15:01 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Israelische Dissidenten forderten 1967: Kein Diktatfrieden!</title>
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		<comments>http://www.transatlantikblog.de/2012/05/16/israelische-dissidenten-forderten-1967-kein-diktatfrieden/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 16 May 2012 12:15:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schlesinger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Wir sagen es laut und deutlich:</p>
<p>ein von Israel diktierter Frieden oder eine pax americana [...]</p>
<p>wird den Konflikt mit den arabischen Staaten nicht lösen;</p>
<p>er wird ihn höchstens einfrieren.</p>
<p>Die Schaffung eines Bantustan für die Araber aus Palästina wird [...]</p>
<p>die Palästinafrage nicht lösen wie auch die südafrikanischen Bantustans die Probleme nicht lösen können,</p>
<p>die aus dem rassistischen Charakter Südafrikas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wir sagen es laut und deutlich:</p>
<p>ein von Israel diktierter Frieden oder eine pax americana [...]</p>
<p>wird den Konflikt mit den arabischen Staaten nicht lösen;</p>
<p>er wird ihn höchstens einfrieren.</p>
<p>Die Schaffung eines Bantustan für die Araber aus Palästina wird [...]</p>
<p>die Palästinafrage nicht lösen wie auch die südafrikanischen Bantustans die Probleme nicht lösen können,</p>
<p>die aus dem rassistischen Charakter Südafrikas resultieren.</p></blockquote>
<p>Dieses Zitat vom September 1967 (!) stammt aus der früheren Monatsschrift <em>Mazpen</em>, einer Publikation von einigen wenigen linken israelischen Abweichlern, die sich gegen die allumfassende Euphorie nach dem Sechstagekrieg stemmten und vor allem gegen die damit verbundene Besatzung arabischer Gebiete.</p>
<p>Ein paar Studenten hatten offenbar schon 1967 schon erkannt, was die Regierungen Israels von damals bis heute nicht wahr haben wollen.</p>
<p>Es kann keinen Frieden als Diktatfrieden geben.</p>
<p>Es kann keinen Frieden unter Besatzung geben.</p>
<p>&#8211; Schlesinger</p>
<p>Zitat aus: Michael Warschawski: An der Grenze, S. 48.<br />
M. Warschawski ist Sohn eines orthodoxen Oberrabbiners aus Straßburg, der nach seiner Übersiedlung nach Israel in der Folge des Sechstagekriegs zum Antizionisten wurde.</p>
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		<title>14. Mai 1948 Gründung Israels: Erobern und plündern</title>
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		<comments>http://www.transatlantikblog.de/2012/05/14/14-mai-1948-gruendung-israel-grenzen-nakba/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 May 2012 12:06:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schlesinger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Staatgründer David Ben Gurion legte nie besonderen Wert darauf seine Absichten zu verschleiern.</p>
<p>Ende November 1947 beschlossen die Vereinten Nationen den sogenannten UN-Teilungsplan, der Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Teil trennen wollte.</p>
<p>Ben Gurion war mit dem Teilungsplan einverstanden, jedoch nicht in dem Sinne, dass er die dort gezogenen Grenzen akzeptiert hätte. Er wollte von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Staatgründer David Ben Gurion legte nie besonderen Wert darauf seine Absichten zu verschleiern.</p>
<p>Ende November 1947 beschlossen die Vereinten Nationen den sogenannten <strong>UN-Teilungsplan</strong>, der Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Teil trennen wollte.</p>
<p>Ben Gurion war mit dem Teilungsplan einverstanden, jedoch nicht in dem Sinne, dass er die dort gezogenen Grenzen akzeptiert hätte. Er wollte von den Vereinten Nationen nehmen, was er bekam, um später mehr daraus zu machen.</p>
<p>Zur ursprünglich vorgesehenen Trennung kam es ohnehin nicht. Die Vereinten Nationen hatten zwar einen Beschluss gefasst, aber keinerlei Vorkehrungen getroffen, um den Beschluss so umzusetzen wie er gedacht war. Die rivalisierenden Parteien der Juden und Araber fochten das Ergebnis aus.</p>
<p>Dabei war es keineswegs so, dass ein friedliches, im Werden begriffenes Israel grundlos von seinen arabischen Nachbarn angegriffen wurde.</p>
<p>Zu einem Angiff hatte sich das Arabische Hohe Kommitte erst sehr spät entschlossen, am 20. April 1948, also nur drei Wochen vor der Staatsgründung Israels. Ein Motiv dabei waren die massenhaften arabischen Flüchtlingsströme aus den Gebieten, die dem künftigen Israel zugespochen waren. In diesen 3 Wochen bis zur Staatsgründung Israels waren die Araber nicht in der Lage, sich auf einen Krieg vorzubereiten, während die israelischen Vorbereitungen längst auf vollen Touren liefen.</p>
<p>Für einige Gelassenheit auf israelischer Seite sorgte auch das Geheimabkommen Ben Gurions mit dem jordanischen König Abdullah. Jordanien dürfe die Westbank besetzen, und im Gegenzug nicht das künftige israelische Gebiet angreifen. Daran hat sich Abdullah gehalten. Damit war die mit Abstand stärkste arabische Truppe von vornherein paralysiert.** Lediglich die ägyptische Armee stellte eine Gefahr dar. Ihr mangelte es nicht an Ausrüstung, auf Ebene der kämpfenden Truppe wohl aber an Motivation und Koordination.</p>
<p>Israels Kräften gelang daher nicht nur die Abwehr der unkoordinierten, und &#8211; mit Ausnahme der Ägypter &#8211; überwiegend schlecht ausgebildeten und höchst mangelhaft ausgerüsteten arabischen Angreifer, sondern parallel dazu die massenhafte Vertreibung des Großteils der palästinensischen Zivilbevölkerung.</p>
<p>Amnon Neumann, ein israelischer Soldat, der nicht nur bei den Kämpfen dabei war, sondern aktiv an einem Massaker beteiligt war, erinnert sich:<br />
<iframe width="500" height="360" src="http://www.youtube.com/embed/KS4OXOom_vk" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<h4>Plünderungen im großen Stil</h4>
<p>Dabei wurde die Bevölkerung nicht nur vertrieben, sondern systematisch ausgeplündert. An den Plünderungen beteiligte sich das Militär ebenso wie die jüdische Zivilbevölkerung.***</p>
<p>Im großen Stil wurde alles gestohlen, was sich aus den leeren Dörfern und arabischen Stadtteilen mitnehmen ließ: Haushaltsgeräte, Möbel, Geschirr, Vieh, Fahrzeuge. Oft kam es zu Übergriffen auf die Flüchtenden, die ihrer letzten Habe beraubt, oft geschlagen und manchmal gefoltert wurden, wie Ben Gurion in seinem Kriegstagebuch am 1. Mai &#8211; also zwei Wochen vor der Staatsgründung angesichts der Ereignisse in Haifa schrieb, wo 70.000 Araber vertrieben wurden:</p>
<blockquote><p>There was a search for Arabs, they were seized, beaten, and also tortured.</p></blockquote>
<p>Angesichts der israelischen Überlegenheit im Krieg und den beachtlichen Gebietsgewinnen wurde die Grenzfrage akut.</p>
<p>Am 13. Januar 1949, während der Waffenstillstandsverhandlungen mit Ägypten, meinte Ben Gurion:*</p>
<blockquote><p>Vor der Gründung des Staates Israel, am Vorabend seiner Entstehung, war unser wichtigstes Interesse die Selbstverteidigung&#8230; Viele glauben dass wir immer noch in diesem Stadium sind.</p>
<p>Aber jetzt geht es um Eroberung, nicht mehr um Selbstverteidigung.</p>
<p>Was die Festlegung der Grenzen betrifft: Sie ist eine offene Frage. [...]</p>
<p>Keine Grenze ist absolut [...] also sind uns keine wirklichen Grenzen gesetzt.</p></blockquote>
<p>Das Volk, das sich zuletzt den ungeheuerlichen deutschen Verbrechen von Entrechtung, Enteignung bis hin zum Holocaust ausgesetzt sah, hielt sich nun schadlos an den Arabern.</p>
<p>Der Holocaust der Deutschen war eine andere Dimension des Verbrechens. Die Vertreibung der Palästinenser bleibt dennoch ein Unrecht von tragischem Ausmaß. Solange Israel sich nicht offen dazu bekennt, scheint ein Friede mit den Palästinensern schwer möglich. So ein Bekenntnis wäre auch wichtig für den Seelenfrieden der Nation selbst.</p>
<p>Wie sagte der <a title="Zochrot" href="http://zochrot.org/en/testimony/amnon-neumann" target="_blank">Vater von Amnon Neumann</a>, ein einfacher Arbeiter, der mit der zweiten Einwanderungswelle nach Palästina gekommen war, als er von seinem Sohn erfahren musste, was geschah: &#8220;Das war nicht , was wir wollten. Vielleicht wollten es die zionistischen Führer. Das war aber nicht was ich wollte.&#8221;</p>
<p>Schlesinger</p>
<p>* Zit. aus Tom Segev, 1949 &#8211; Die ersten Israelis, S. 38</p>
<p>** Zu heftigen Kämpfen mit der &#8220;Arabischen Legion&#8221; Jordaniens kam es in Jerusalem, nachdem die Israelis unter anderem den arabischen Ortsteil Sheik Jarrah eroberten.</p>
<p>*** Angaben / Zitat aus: Simha Flapan, Journal of Palestine Studies, Vol. 16, No. 4, 1987, S. 14 Weitere Details zu den Plünderungen siehe auch bei Segev: Die ersten Israelis.</p>
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		<title>Zionismus ist in. Judaismus ist in. Und Gott mit uns!</title>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2012 12:02:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schlesinger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Der Gaza-Krieg hatte eine Hymne. Wußten Sie das?</p>
<p>Die Hymne stammt von dem israelischen Künstler Mosh Ben-Ari. Das Motto des Lieds kommt aus der Bibel, Psalm 121:</p>
<p>Meine Hilfe ist von Gott
Schöpfer des Himmels und der Erde
Er wird nicht zulassen, dass dein Fuß wankt
Dein Wächter wird nicht schlummern
Denn seht, weder schlummert noch schläft Er
der Wächter Israels.</p>
<p class="wp-caption-text">Mosh [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Gaza-Krieg hatte eine <em>Hymne</em>. Wußten Sie das?</p>
<p>Die Hymne stammt von dem israelischen Künstler Mosh Ben-Ari. Das Motto des Lieds kommt aus der Bibel, Psalm 121:</p>
<blockquote><p>Meine Hilfe ist von Gott<br />
Schöpfer des Himmels und der Erde<br />
Er wird nicht zulassen, dass dein Fuß wankt<br />
Dein Wächter wird nicht schlummern<br />
Denn seht, weder schlummert noch schläft Er<br />
der Wächter Israels.</p></blockquote>
<div id="attachment_5174" class="wp-caption alignright" style="width: 170px"><a href="http://www.transatlantikblog.de/wp-content/uploads/2012/05/mosh_ben_ari_israeli_singer.jpg"><img class="size-full wp-image-5174  " style="margin: 10px;" title="So cool kann Chauvinismus sein" src="http://www.transatlantikblog.de/wp-content/uploads/2012/05/mosh_ben_ari_israeli_singer.jpg" alt="So cool kann Chauvinismus sein" width="160" height="240" /></a><p class="wp-caption-text">Mosh Ben-Ari: Die Hymne zum Krieg</p></div>
<p><a title="Glick: Der Post-Zionismus ist out" href="http://frontpagemag.com/2012/05/01/post-zionism-is-so-1990s/" target="_blank"><strong>Caroline Glick</strong></a>, reaktionäre Publizistin, ehemalige Beraterin von <em>Ministerpräsident Netanjahu</em> und Mitherausgeberin der konservativen <em>Jerusalem Post</em>, posaunte unlängst mit viel Stolz, das Lied von Ben-Ari sei die &#8220;inoffizielle Nationahymne der Operation <em>Gegossenes Blei*</em>&#8221; gewesen. Das habe den sehr cool aussehenden Dreadlock-Träger Ben-Ari zum &#8220;Superstar&#8221; in Israel gemacht.</p>
<p>Glick erinnert den Leser an die unseligen 90er-Jahre. Damals habe der Post-Zionismus um sich gegriffen. &#8220;Radikale&#8221; wie <em>Yossi Beilin</em> oder <em>Avraham Burg</em> oder <em>Shulamit Aloni</em> hätten die politische Debatte bestimmt. Und diese Debatte sei defätistisch gewesen, pro-palästinensisch, verträumt, unrealistisch, kurzum: gegen Israel gerichtet.</p>
<p>Wie man die Beilins, Burgs oder Shulamits  als Radikale bezeichnen kann, bleibt ein Geheimnis von NeoCons wie Glick, die im Übrigen auch kein Problem damit hat, ihre Scheuklappen-Ideologie offen zum Ausdruck zu bringen.**</p>
<p>Sie folgt dem Motto “Wenn die historischen Tatsachen nicht mit meiner Ideologie übereinstimmen – umso schlimmer für die Tatsachen!” Denn eine Mitschuld an der Misere der Neunziger hätten die sogenannten “jungen Historiker” gehabt. Die hätten in den Unterlagen des Staatsgründers David Ben-Gurion “herumgeschnüffelt”, um nachzuweisen, dass er “Dreck am Stecken” oder “Leichen im Keller” habe.</p>
<p>Diese Formulierungen lassen jeden erschauern, der an den historischen Tatsachen interessiert ist. Frau Glick duldet Historiker nur so lange, wie sie die schönen Propaganda-Geschichten vom ewigen kleinen David gegen den ewig niederträchtigen arabischen Goliath liefern. Diese Geschichten hat Israel der Welt über Jahrzehnte mit einigem Erfolg präsentiert.</p>
<p>Nur: Außerhalb Israels mag man diese Geschichten vom kleinen David kaum mehr glauben. Dort liest man die Bücher der &#8220;jungen Historiker&#8221;, der Pappes, Zerthals, Segevs. Dort sieht man die Besatzung der arabischen Westbank und stellt mit Ernüchterung fest, wie die Worte der Zionisten mit ihren Taten übereinstimmen. Vom Jahr der Staatsgründung 1948 bis heute. Dort nimmt man zur Kenntnis, wie Menschenrechtsorganisationen in Israel zunehmend unter Druck geraten. Dort registriert man, dass es verboten ist, der Vertreibung der Palästinenser in 1948/1967 zu gedenken.</p>
<p style="text-align: center;"><em>Es steht in der Torah: </em><br />
<em>Wir müssen sie vertreiben, jetzt und für immer</em><br />
(ein Siedler in der folgenden Doku)</p>
<p style="text-align: center;">
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=UKYBAl87f6E">http://www.youtube.com/watch?v=UKYBAl87f6E</a></p>
</p>
<p>In Israel dagegen werden die <a title="Mit uns oder gegen uns!" href="http://www.transatlantikblog.de/2012/04/22/beziehungen-israel-deutschland-antisemitismus-netanjahu-merkel-guenter-grass/" target="_blank">Reihen geschlossen</a>. Dort hat man aus dem Scheitern der Verhandlungen von <a href="http://www.transatlantikblog.de/2010/10/17/lehren-camp-david-2000-barak-clinton-arafat/" target="_blank">Camp David</a> im Jahr 2000 den ungerechtfertigten Schluß gezogen, man habe den Palästinensern alles geboten aber außer Terror nichts bekommen.***</p>
<p>Endlich sei man aus den Tagträumerein des Oslo-Prozesses erwacht. Oslo sei der Wahn  zugrunde gelegen, man würde Frieden erhalten, indem man &#8220;Terroristen politisch anerkenne, ihnen Land, Geld und Gewehre&#8221; gebe.</p>
<h4>Reaktion als kultureller Erfolg</h4>
<p>Damit aber sei nun Schluß. Seit langem. Dieser neue, starke Realismus ist Glick zufolge der bedeutsamste kulturelle Wandel Israels im letzten Jahrzehnt. Zionismus sei wieder in. Judaismus sei wieder in. Israel sei endlich erwachsen geworden.</p>
<p>Dieser Wandel sei der Welt entgangen. Daher versteht die Welt auch nicht, warum alle Versuche Israel zu Konzessionen gegenüber den Palästinensern zu bewegen zum Scheitern verurteilt sind. Diese Kritiker Israels, die nach Auffassung Glicks lediglich anti-israelische Propaganda betreiben, bräuchten doch nur das Naheliegende sehen, wenn sie verstehen wollen: Netanjahus Verbleiben im Amt, die Bezugslosigkeit der Linken zur Öffentlichkeit und Mosh Ben-Aris Hymne &#8220;Meine Hilfe ist von Gott&#8221;.</p>
<p>Zur Erinnerung: Die Inschrift der Koppelschlösser der deutschen Wehrmacht lautete  &#8220;Gott mit uns&#8221;.</p>
<p>Sind das die gemeinsamen deutsch-jüdischen Wurzeln, von denen in letzter Zeit so viel die Rede war?</p>
<p>&#8211; Schlesinger</p>
<p>Photo: <a href="http://www.flickr.com/photos/tierecke/3423889147/sizes/z/in/photostream/" target="_blank">Nir Nußbaum</a> (Flickr CC Lizenz)</p>
<p>* Auf <em>engl. Cast Lead</em></p>
<p>** Yossi Beilin: früher Labour-Party, heute Meretz, Knesset-Mitglied in 5 Legislaturperioden,  u.a. früherer Finanzminister,  stellvertretender Außenminister, stark involviert im Oslo-Prozess und Mitbegründer der &#8220;Genfer Initiative&#8221;</p>
<p>Avraham Burg: Labour-Party, Knesset-Mitglied über 4 Legislaturperioden, langjähriger Sprecher der Knesset, ehem. Vorsitzender der Jewish Agency; Autor mehrerer Bücher, u.a. <em>The Holocaust Is Over: We Must Rise From its Ashes</em></p>
<p>Shulamit Aloni: Labour-Party, Meretz, Knesset-Mitglied über 7 Legislaturperioden, u.a. ehem. Erziehungsministerin, aktiv im Friedenscamp</p>
<p>*** Das &#8220;Angebot&#8221; Israels an die Palästinenser in Camp David mochte bezogen auf die in Aussicht gestellten territorialen Zugeständnisse großzügig ausgesehen haben, doch unterm Strich ging es Jerusalem darum, einen maximalen Einfluss auf die palästinensischen Gebiete zu behalten. Prof. <em>Jeff Halper</em> hat diese israelische Strategie zurecht verglichen mit dem chinesischen GO-Spiel: Dort gehe es auch nicht darum, den Gegner zu &#8220;schlagen&#8221;, sondern ihn durch geschickte eigene Züge zur Bewegungsunfähigkeit zu bringen (&#8220;<a href="http://www.icahd.org/?page_id=79" target="_blank">matrix of control</a>&#8220;). Arafat wurde durch Bill Clinton zur Teilnahme an Camp David genötigt, obwohl dem Palästinenserpräsidenten klar war, dass Israel mit nicht akzeptablen <a href="http://www.transatlantikblog.de/2011/01/16/camp-david-2000-ehud-barak-stellt-5-bedingungen/" target="_blank">Vorbedingungen</a> anreiste. Entgegen den mündlichen Zusicherungen Clintons, man werde ein Scheitern der Verhandlungen nicht den Palästinensern ankreiden, wurden sich Clinton und Barak schnell einig, wer schuld an der Misere war.</p>
<h6 class="zemanta-related-title" style="font-size: 1em;">Related articles</h6>
<ul class="zemanta-article-ul">
<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://asher813.typepad.com/dreams_into_lightning/2012/04/post-post-zionism.html" target="_blank">Post-Post-Zionism</a> (asher813.typepad.com)</li>
<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://mondoweiss.net/2012/05/dershowitz-gets-booed-for-warning-israel-supporters-not-to-boo-obama.html" target="_blank">Dershowitz gets booed for warning Israel supporters not to boo Obama</a> (mondoweiss.net)</li>
</ul>
<div class="zemanta-pixie" style="margin-top: 10px; height: 15px;"><a class="zemanta-pixie-a" title="Enhanced by Zemanta" href="http://www.zemanta.com/"><img class="zemanta-pixie-img" style="float: right;" src="http://img.zemanta.com/zemified_e.png?x-id=77a634cd-5752-407d-bf49-b9dc80a46b85" alt="Enhanced by Zemanta" /></a></div>
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		<item>
		<title>Todesmarsch KZ Dachau</title>
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		<comments>http://www.transatlantikblog.de/2012/04/27/todesmarsch-kz-dachau/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 27 Apr 2012 10:53:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schlesinger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Drittes Reich]]></category>
		<category><![CDATA[KZ Dachau]]></category>
		<category><![CDATA[Todesmarsch]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Der deutsche Vernichtungsapparat funktionierte bis zum bitteren Ende.</p>
<p>Am 26. April 1945 ließ man die Häftlinge de Konzentrationslagers Dachau antreten. Die Amerikaner waren bereits auf Bad Tölz vorgestoßen und würden bald in München sein.</p>
<p>Fast 7000 abgemagerte Häftlinge mussten mit ihrer dünnen, meist abgerissenen Häftlingsbekleidung bekleidet und oft nur mit Holzschuhen an den Füßen einen Marsch ins [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8d/Bundesarchiv_Bild_152-27-04A%2C_KZ_Dachau%2C_H%C3%A4ftlinge_bei_Zwangsarbeit.jpg"><img class="alignright" style="margin: 10px;" title="Zwangsarbeit im KZ Dachau" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8d/Bundesarchiv_Bild_152-27-04A%2C_KZ_Dachau%2C_H%C3%A4ftlinge_bei_Zwangsarbeit.jpg" alt="Zwangsarbeit im KZ Dachau" width="225" height="342" /></a>Der deutsche Vernichtungsapparat funktionierte bis zum bitteren Ende.</p>
<p>Am 26. April 1945 ließ man die Häftlinge de Konzentrationslagers Dachau antreten. Die Amerikaner waren bereits auf Bad Tölz vorgestoßen und würden bald in München sein.</p>
<p>Fast 7000 abgemagerte Häftlinge mussten mit ihrer dünnen, meist abgerissenen Häftlingsbekleidung bekleidet und oft nur mit Holzschuhen an den Füßen einen Marsch ins Ungewisse antreten.</p>
<p>Bevor eines morgens die Wachmannschaften einfach verschwunden waren, mussten viele Häftlinge an Erschöpfung sterben oder wurden von den SS-Wächtern erschlagen oder erschossen.</p>
<p>Ein <a href="http://www.gz-tm-dachau.de/todesmaersche/todesmarsch-dachau.html" target="_blank">Beteiligter</a> berichtete:</p>
<blockquote><p>Zuerst regnete es, dann schneite es, als wenn der Himmel offen wäre.</p>
<p>Auf der Strasse wimmelte es von Soldaten und Fahrzeugen, die bei Buchen mit uns in den Wald abzweigten. Da wurden wir in eine Schlucht geführt, die Wolfsöd genannt.</p>
<p>Die SS war wieder sehr brutal, Gewehrkolben und Stiefel traten in Tätigkeit und die ganze Nacht wurde geschossen.</p>
<p>Streng bewacht waren sie von etwa 500 bis 700 SS-Posten, darunter wahre Teufel in Menschengestalt, schlimmer als ihre Hunde.</p>
<p>Sie schlugen die armen Häftlinge mit Gewehrkolben und hetzten gegen sie ihre Hunde, die diesen Hilflosen Kleider und ganze Fetzen Fleisch vom Leibe rissen.</p>
<p>Wer &#8220;am Verrecken war&#8221;, wurde mit einem Prügel oder dem Gewehrkolben erschlagen oder durch Genickschuss  &#8220;erledigt&#8221;.</p></blockquote>
<p><em>Der Tod ist ein Meister aus Deutschland</em>, schrieb Paul Celan.</p>
<p>So sehr man geneigt ist diesem Satz zuzustimmen, so unzulänglich bleibt er.</p>
<p><em>Der Tod hat seine Meister unter allen Menschen</em> kommt der Sache näher.</p>
<p>Und doch war er zwölf lange Jahre ein Meister in Deutschland.</p>
<p>&#8211; Schlesinger</p>
<p>Photo: Friedrich Franz Bauer (via Wikimedia, <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Bundesarchiv_Bild_152-27-04A,_KZ_Dachau,_H%C3%A4ftlinge_bei_Zwangsarbeit.jpg&amp;filetimestamp=20081203220944" target="_blank">Commons Bundesarchiv</a>)</p>
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		<title>Israel: Mit uns oder gegen uns!</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Apr 2012 17:06:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schlesinger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>In Israels Außenpolitik gilt nur noch das manichäische Motto des George W. Bush:</p>
<p>Mit uns oder gegen uns.</p>
<p>Schwarz oder Weiß. Keine Grautöne.</p>
<p>Was das für die Beziehungen Israels zu Deutschland bedeutet, zeigt sich in der Folge der Grass-Debatte.</p>
<p class="wp-caption-text">Netanjahu, Merkel</p>
<p>Yoav Sapir, Deutschlandkorrespondent der großen israelischen Tageszeitung Maariv, hat am 9. April einen Beitrag verfasst, der die israelische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Israels Außenpolitik gilt nur noch das manichäische Motto des George W. Bush:</p>
<p><em>Mit uns oder gegen uns</em>.</p>
<p>Schwarz oder Weiß. Keine Grautöne.</p>
<p>Was das für die Beziehungen Israels zu Deutschland bedeutet, zeigt sich in der Folge der Grass-Debatte.</p>
<div id="attachment_5157" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://www.transatlantikblog.de/wp-content/uploads/2012/04/merkel_netanjahu_israel.jpg"><img class="size-medium wp-image-5157" title="merkel_netanjahu_israel" src="http://www.transatlantikblog.de/wp-content/uploads/2012/04/merkel_netanjahu_israel-300x199.jpg" alt="Netanjahu, Merkel" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Netanjahu, Merkel</p></div>
<p><em>Yoav Sapir</em>, Deutschlandkorrespondent der großen israelischen Tageszeitung <em>Maariv</em>, hat am 9. April einen Beitrag verfasst, der die israelische Sichtweise gut wiedergeben dürfte.</p>
<p>Die Grass-Debatte sei nur die Spitze eines Eisbergs, so Sapir.</p>
<p>Darunter läge eine Strömung, die jahrzehntelang verdrängt worden sei.</p>
<p>Die Lockerheit der Deutschen während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sei einem &#8220;vergangenheitslosen Nationalismus&#8221; entsprungen. Daher auch die Erfolge der neuen Piraten-Partei. Jung, allzu unbedarft sei sie, &#8220;ohne Vergangenheit, ohne Last, und ohne Verantwortung&#8221;.</p>
<p>Vernachlässigbar seien die Proteste einer Kulturelite gegen das Grass-Gedicht. Dasselbe habe man bei der Sarrazin-Debatte sehen können. Die Elite kritisiert, die Masse marschiert.</p>
<p>Nein, in Deutschland habe sich Führung und Volk in Sachen Israel längst entzweit.</p>
<p>Die Rede von Kanzlerin Merkel vor der Knesset in 2008, als sie die Sicherheit Israels zur Staatsräson für Deutschland erklärte, sei vielen &#8220;in Privatgesprächen&#8221; als eine Art freiwillige Kapitulation vor &#8220;den Juden&#8221; vorgekommen.</p>
<p>Das alles zeige, dass der &#8220;Schlussstrich&#8221; gezogen werden soll. Politisch bislang tabu, gelte nun: &#8220;Das Schlussstrich-Verbot ist dahin&#8221;.</p>
<p>Das &#8220;Ende von Deutschlands historischer Verantwortung für das jüdische Volk&#8221; habe sich seit langem abgezeichnet und erfülle sich nun.</p>
<p>Das mag man in Israel wollen oder nicht, so Sapir, aber &#8220;Deutschland wird früher als erwartet kein Freund Israels mehr sein&#8221;.</p>
<p>Das &#8220;Gebot der Stunde&#8221; sei, &#8220;sich vor allem auf sich selbst verlassen zu können.&#8221;</p>
<p>Soweit der Artikel in der Maariv.</p>
<p>Diese Bestandsaufnahme darf nicht leicht genommen werden. Sie dürfte einer weit verbreiteten Einschätzung der politischen Führung entsprechen, aber auch von vielen Israelis geteilt werden.</p>
<p>Diese Einschätzung wird in Israel zu einem guten Teil befördert durch Umfragen zum Thema Antisemitismus.</p>
<p>Im Januar berichtete die konservative <a title="Antisemitismus in Deutschland 2012" href="http://www.jpost.com/JewishWorld/JewishNews/Article.aspx?id=255105" target="_blank">Jerusalem Post</a>, in Deutschland gäbe es 20 Prozent Antisemiten. <a title="ADL Umfrage" href="http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/154047#.T5QZm3m8qnA" target="_blank">IsraelNationalNews</a> bezieht sich auf eine Umfrage der <em>Anti-Defamation-League</em>, die sich der Bekämpfung von Antisemitismus verschrieben hat und berichtet von einem Drittel aller Europäer mit antisemitischen Haltungen.</p>
<p>Nun werden viele sagen man müsse sich nicht wundern, dass die Deutschen und mit ihnen die Europäer Israel im Stich lassen. Es sind nun einmal Antisemiten. Was will man anderes erwarten?</p>
<p>Für die politische Analyse dürfte  im Beitrag Yoav Sapirs jedochvon zentraler Bedeutung sein, was er nicht gesagt hat.</p>
<p>Er hat nicht über Dinge gesprochen, über die man trefflich streiten kann: Über das nicht existierende Atomwaffen-Arsenal des Iran. Über die fortgesetzte Androhung des Präventivkriegs gegen den Iran. Über die Gründe, warum die Hetze Ahmadinejads gegen Israel bei vielen Persern und Arabern auf offene Ohren stößt, und zwar ganz unabhängig davon ob das die wahren Motive Ahmadinejads sind:</p>
<p>Weil Israel seit 45 Jahren die Palästinenser unter einer brutalen Militärbesatzung hält. Weil es ihnen das Land stiehlt, das Wasser, die Selbstbestimmung und die Würde.  Weil es der Welt zumutet so zu tun, als würde das nicht stattfinden. Weil es der Welt zumutet die ewig gleiche Rechtfertigung hinzunehmen, die Araber seien von Natur aus unwillig für einen Frieden.</p>
<p>Yoav Sapir und mit ihm Premierminister Netanjahu halten es für ausgeschlossen, dass viele Deutsche wegen solcher Fragen ein Problem mit der israelischen Sicherheitspolitik haben.</p>
<p>Nein, aus Sicht der politischen Elite in Jerusalem kommt als Motiv für eine kritische Haltung Israel gegenüber einzig und allein der Antisemitismus in Frage.</p>
<p>Man mache ein Gedankenspiel. Angenommen Umfragen zeigten, dass es in Europa keinen Antisemtismus mehr gibt. Würde Israel dann auf die Kritik hören, und sich den selbst verschuldeten Problemen in der Westbank zuwenden? Klare Antwort: Nein. Denn die Konstellation des Gedankenspiels liegt im Verhältnis Israel &#8211; USA vor. Nicht, dass es dort überhaupt keinen Antisemitismus gäbe. Aber er spielt keine Rolle in den politischen Beziehungen. Die USA haben seit 1967 eine klar ablehnende Haltung zur Frage der Besatzung. Hat es Israel je interessiert?</p>
<p>Daran ist gut zu erkennen, dass es für Israel gar nicht darauf ankommt, das &#8220;wahre Motiv&#8221; zu erkennen, das hinter einer Kritik steckt.</p>
<p>Es interessiert sich lediglich für die aus seiner Sicht bestmögliche Strategie, Kritik abwehren zu können. Dabei hat sich der Verweis auf Antisemitismus bewährt.</p>
<p>Wer die Dokumentation &#8220;Defamation&#8221; gesehen hat, weiß oder ahnt wie &#8220;professionell&#8221; und kühl der Vorsitzende der Anti Defamation League, Abe Foxman, mit dem Werkzeug Antisemitismus umzugehen versteht.</p>
<p>Bei Netanjahu steht zu befürchten, dass er einen weniger zynischen Umgang mit diesem Thema hat. Seine Memoiren, sein persönliches Trauma mit dem in Entebbe umgekommenen Bruder und seine familiäre Sozialisation &#8211; sein Vater war überzeugter Anhänger von Wladimir Jabotinsky, einem Zionisten der militärische Überlegenheit über allem anderen sah &#8211; deuten darauf hin, dass er tatsächlich die Gefahr eines Holocaust vor Augen hat.</p>
<p>Diese Verengung der Perspektive birgt eine enorme Gefahr. Wer keinen Spielraum sieht, sieht sich in der Ecke. Wer sich in der Ecke fühlt, handelt oftmals irrational.</p>
<p>Dieses Gefühl des &#8220;Wir gegen den Rest&#8221;, verbunden mit der Auffassung, man könne sich in dieser Lage nur selbst helfen, wird immer stärker in die Bevölkerung transportiert. Ende März gaben in einer Umfrage 60 Prozent an, nur ein <a href="http://jcpa.org/article/poll-77-percent-of-israelis-see-iran-nukes-as-existential-threat/" target="_blank">Militärschlag</a> würde die iranische Atomgefahr beseitigen.</p>
<p>In Bezug auf die Krise mit dem Iran gilt: Deutschland, Europa haben in dieser Lage gar keinen Einfluß. Nur Washington ist in der Lage, den Verlauf der Dinge etwas zu beeinflussen.</p>
<p>Was die Akzeptanz Deutschlands und Europas in Israel anbelangt, wird es sich zum Schlechten entwickeln: Israel wird nicht vom status quo in der Westbank abrücken. Der Westen &#8211; die USA ausgenommen &#8211; werden nicht mit Kritik daran zurück halten. Was Israel auf Antisemitismus sieht.</p>
<p>Wie sich die Krise mit dem Iran entwickelt lässt sich nicht sagen.</p>
<p>Wie sich das Verhältnis Deutschlands, Europas zu Israel in den nächsten Jahren entwickelt, lässt sich bedauerlicherweise abschätzen. Denn niemand zweifelt an der Wiederwahl Netanjahus.</p>
<p>&#8211; Schlesinger</p>
<p>Quelle für den Sapir-Text: SZ v. 21./22.April 2012, S. 20</p>
<p>Photo: <a href="http://www.flickr.com/photos/israel-mfa/4290381740/sizes/m/in/photostream/" target="_blank">IsraelMFA </a>(Flickr CC Lizenz)</p>
<p>Nachdrückliche Filmempfehlung: &#8220;Wundervolles Land&#8221;</p>
<p style="text-align: center;">
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=PcOOiV7p4Xg">http://www.youtube.com/watch?v=PcOOiV7p4Xg</a></p>
</p>
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</ul>
<div class="zemanta-pixie" style="margin-top: 10px; height: 15px;"><a class="zemanta-pixie-a" title="Enhanced by Zemanta" href="http://www.zemanta.com/"><img class="zemanta-pixie-img" style="float: right;" src="http://img.zemanta.com/zemified_e.png?x-id=720d1a61-15db-450b-bd13-319f09377709" alt="Enhanced by Zemanta" /></a></div>
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		<title>Hebron und der Tote mit dem Ständer</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Apr 2012 13:54:36 +0000</pubDate>
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<p>Mit meinem Kameraden Yoni preschten wir in der Ambulanz zum Einsatzort. Dort luden wir den Toten auf. Yoni und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Es gibt einen Toten</em>, wurde per Funk durchgegeben. Der Sanitätsoffizier fragte in die Runde, wer sich darum kümmern will. Sie habe sich gleich gemeldet, erzählt die  junge israelische Sanitätssoldatin Meytal, die kurz zuvor nach Hebron versetzt wurde:</p>
<p>Mit meinem Kameraden Yoni preschten wir in der Ambulanz zum Einsatzort. Dort luden wir den Toten auf. Yoni und ich kämpften ständig dagegen an kotzen zu müssen. Die Leiche lag unter einer Decke. Aber das hielt den Gestank nicht ab. Zurück in der Baracke befahl man uns die Leiche zu waschen und die Blutergüsse zu beseitigen. Man müsse die Leiche der Autonomiebehörde zurück geben. Die sollten nicht sehen, was passiert ist. Also fingen wir an. Der Mann hatte schwere Kopfverletzungen. Weil er nicht gleich gestorben war sondern langsam verblutete, haben seine Schließmuskeln versagt. Das ist normal, ein Körperreflex. Er hatte sich vollgeschissen und vollgepisst. Also haben wir ihn mit einem Wasserschlauch abgespritzt.</p>
<p>Die Soldaten gratulierten Meytal zu ihrem ersten Toten. Es war nicht der letzte. Irgendwann wurde es Routine, meint sie. Einmal wurde einer gebracht, den wir wie immer neben die Toiletten im Freien gelegt haben, um ihn mit dem Wasserschlauch zu waschen. Da sahen wir dass er eine Erektion hat. Das muss man sich vorstellen, da lag ein Toter mit einem Ständer. Da haben sie ein bisschen gekichert. Weil der Mann im Freien lag konnten das alle sehen. Eine Gruppe andere Sanitätssoldatinnen kam heran. Meytal sagte zu einer &#8220;Mach mal ein Photo von mir!&#8221;, stellte sich neben den Toten und ließ sich fotographieren.</p>
<p>Beim Erzählen dieser Episode muss die ehemalige Soldatin immer wieder heftig schlucken. Sie versucht ein Lächeln, um nicht weinen zu müssen. Das gelingt ihr im Laufe ihres Erzählens immer weniger.</p>
<p>Es ist eine von vielen Episoden aus der Dokumentation der israelischen Filmemacherin <strong>Tamar Yarom</strong> &#8220;<em>To see if I am smiling</em>&#8220;.</p>
<p>Eine andere Soldatin berichtet, sie sei mit einer festen Weltanschauung in die besetzten Gebiete gegangen. Aber dort war alles anders, als sie es sich vorgestellt hatte. All das was sie gesehen und getan habe, habe ihren Wertvorstellungen und ihrer Moral widersprochen. Aber man konnte nicht einfach gehen.</p>
<p>Einmal hat sie als Einsatzleiterin gesehen wie Jungs in der Nähe eines Armeepostens streunten. Ihr Herz habe wie wild angefangen zu pochen. Adrenalin pur. Sie setzte Dutzende Funksprüche ab, die würden was im Schilde führen, das sehe nach einen Anschlag mit einer Brandbombe aus. Verschiedene Patrouillen eilten zum befohlenen Einsatzort. Die Einsatzleiterin verfolgte die Szene vom Wachturm aus. In Hebron kann die israelische Armee fast alles von oben beobachten. Sie dachte sich über die Burschen &#8220;Macht schon was! Na los, tut was!&#8221; Das wäre eine wirklich unangenehme Lage gewesen, wenn sie Alarm ausgelöst hätte und nichts wäre passiert. Man musste auf seinen Status achten, sagt sie. Dann ging der Brandsatz hoch. Nur, es war keine Brandbombe. Die Kinder hatten etwas Brennbares über einen Haufen Müll gegossen, der mitten auf der Straße lag, und angezündet. Die Soldaten schossen. Dann kam der Funkspruch &#8220;<em>Wir haben einen Oleander!</em>&#8220;. <em>Oleander</em>. Es gab einen Toten. Eins der Kinder wurde erschossen.</p>
<p>Die Soldatin sagt, sie redet nur selten darüber. Als sie einmal auf Fronturlaub war, rief sie ihre Kameradin an und sagte ihr, sie bekomme ihre Hände nicht sauber. Sie könne das Blut nicht abwaschen. Ihre Kameradin habe gelacht und gar nicht verstanden, dass es kein Witz war. Nein, nicht <em>die Armee</em> hat das Kind getötet, sagt sie lächelnd, sie hat es getötet. Das Lächeln ist kein zynisches Lächeln. Es ist ihr Schutz.</p>
<p>Der Schutz funktioniert bei ihr besser als bei der ehemaligen Sanitäterin Meytal: Das mit den Photos neben dem Toten hat sie versucht zu verdrängen. Es gelang ihr aber nicht, erzählt sie. Sie will diese Aufnahmen noch einmal sehen. Sie will sehen wie sie selbst damals ausgesehen hat. Möchte wissen, ob sie damals gelächelt hat. <em>To see if I am smiling.</em> Dann fährt sie zu der Soldatin, die damals die Photos gemacht hat. Beide sitzen im Wohnzimmer zusammen. Meytal blättert das Album durch, die ganzen Bilder aus ihrer gemeinsamen Zeit in Hebron. Sie rauchen dabei und trinken etwas, reden wenig, die Stimmung ist gedrückt. Ganz hinten im Album, nicht eingeklebt und wie aus Scham umgedreht abgelegt kommen die wenigen anderen Photos. Vorsichtig nimmt Meytal das erste Photo und wirft einen Blick darauf. Ihr Gesicht verzerrt sich in schierem Horror und voll Abscheu, sie schaut auf die Seite, kann das Zittern ihrer Hände nicht beherrschen, umklammert ihre hochgezogenen Beine. Sie steckt sich mühsam eine Zigarette an und sieht mit tränengefüllten Augen aus dem Fenster, ins Leere. Nach einer Weile, als sie sich etwas gefasst hat, sagt sie in müdem Tonfall &#8220;Wie konnte ich nur glauben, das vergessen zu können?&#8221;*</p>
<p style="text-align: center;">
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=LGbrsUF14Go">http://www.youtube.com/watch?v=LGbrsUF14Go</a></p>
</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Als Israel nach dem sogenannten <strong>Sechstagekrieg</strong> von 1967 die <strong>Westbank</strong> und <strong>Gaza</strong> besetzte, glaubten nicht wenige siegestrunken man erlebe die Erfüllung der Prophezeiungen und sei nun Herr über das ganze Land Israel.</p>
<p>Der in Israel vielleicht bekannteste politische Philosoph <strong><a href="http://www.nytimes.com/1994/08/19/obituaries/yeshayahu-leibowitz-91-iconoclastic-israeli-thinker.html" target="_blank">Yeshayahu Leibowitz</a></strong> sah klarer und meinte unmittelbar nach dem Krieg:</p>
<blockquote><p>Israel muss sich von diesem Fluch befreien ein anderes Volk zu beherrschen.</p>
<p>Eine fortgesetzte Herrschaft über die Palästinenser bringt eine Katastrophe für das gesamte jüdische Volk.</p></blockquote>
<p>Der ehemalige Knesset-Abgeordnete und Friedensaktivist <a href="http://www.counterpunch.org/2003/12/29/israel-s-conscientious-objectors/" target="_blank"><strong>Uri Avnery</strong></a> fügt an:</p>
<blockquote><p>im Gespräch mit vielen Soldaten wurde ich überzeugt, dass es fast unmöglich ist dem Druck  innerhalb derArmee zu widerstehen. Die Gehirnwäsche ist intensiv und unerbittlich.</p>
<p>Die Besatzung an sich wurde zu einem Monster, dem niemand dienen kann ohne seine Humanität zu verlieren.</p></blockquote>
<p>Beider Ansichten, die von Leibowitz und die von Avnery, werden durch jede Szene in der Dokumentation von Tamar Yarom bestätigt.</p>
<p>Der letztlich einzige Grund für Israel die Besatzung beizubehalten und das militärische Regime zu führen, das es dort führt, ist die Geiselnahme der israelischen Gesellschaft durch kleine, aber überproportional einflußreiche Gruppierungen. Im wesentlichen handelt es sich um verschiedene nationale und religiöse Gruppen, die einen radikalen, messianischen Zionismus teilen. Zum zweiten handelt es sich um Profiteure wirtschaftlicher Art. Dazu gehören Immobilienbarone, aber auch die Wasserwirtschaft oder Unternehmen innerhalb der Westbank, die von den billigen Arbeitskräften vor Ort profitieren. Zum dritten gehören politische Eliten dazu, die im Bündnis mit den vorgenannten Kräften die größten Vorteile sehen, sofern sie nicht aus innerer Überzeugung ohnehin das &#8220;ganze Israel&#8221; wollen. Von außen massiv unterstützt wird diese Melange durch die Millionen fundamentalistischer Christen in den USA, die ebenfalls ein Großisrael als Vorbote der Rückkehr des Messias betrachten.</p>
<h4>Im Fleischwolf</h4>
<p>Die jungen Israelis, die ihrer Wehrpflicht nachkommen und das oft in naiver Absicht gerne tun, geraten in diesen unerbittlichen <em></em> Fleischwolf.</p>
<p>Wer nicht von Haus aus anti-arabische Sentiments mitgebracht hat, hat gute Chancen sie aus der Armee mitzunehmen. Denn für den einzelnen Soldaten gilt immer nur die persönliche Erfahrung. Du wirst im Jeep mit einem Steinhagel beworfen, unzählige Blicke zeigen dir die größte Verachtung, und womöglich stirbt ein Kamerad oder gar ein Freund bei einem Attentat. Es wäre übermenschlich, finge in so einer Lage ein Soldat an zu überlegen, dass das alles womöglich nicht ihm gilt, sondern einem brutalen Besatzungsregime, in das er hineingeriet ohne zu ahnen was auf ihn zukommt und ohne die Hintergründe zu kennen. Für die Palästinenser ist jeder einzelne Soldat ein Teil der Unterdrücker-Regimes und <a href="http://www.transatlantikblog.de/2012/04/13/martin-buber-israel-1948-unabhaengigkeitskrieg-vertreibung-araber/" target="_blank">hasst ihn dafür</a>. So nimmt der israelische Soldat all diese Erfahrungen persönlich und sieht den Steinewerfer und irgendwann alle anderen als seine Feinde.</p>
<p>Wie erzählte die eine Soldatin in der Doku? Irgendwann habe sie gar nichts mehr gefühlt. Ob sie einer angelächelt hat, habe sie nicht mehr registriert. Nachdem eine Freundin ums Leben kam, hatte sie nur noch Aggressionen, ließ an einem heißen Sommertag 60 oder 70 Leute an ihrem Checkpoint 14 Stunden in der Sonne stehen, brüllte sie an, ließ sie &#8220;antreten&#8221; und Liegestütz machen. Die anderen Soldaten seien daneben gestanden und hätten nichts dagegen unternommen. Na ja, fügt die Soldatin an, so außergewöhnlich war es ja auch nicht.</p>
<p>Wer nach der Armeezeit unter dem Erlebten leidet, so wie die Frauen in der Dokumentation Yaroms und zahllose andere, schweigt zumeist.</p>
<p>Die Berufszyniker wie Netanjahu oder Verteidigungsminister Ehud Barak, die gerne von der israelischen Armee als der &#8220;<a title="die moralischste Armee der Welt" href="http://www.transatlantikblog.de/2011/04/10/israel-defense-forces-idf-the-most-moral-army-khirbet-khizeh/" target="_blank">moralischsten der Wel</a>t&#8221; fabulieren, wissen um diese uralten psychologischen Mechanismen und können auf deren Wirksamkeit vertrauen.</p>
<p>Sie exekutieren die Wünsche eines bestimmten Klientels. Die Jungen entrichten den Blutzoll.</p>
<p>&#8211; Schlesinger</p>
<p>* Die Schilderungen sind keine Zitate. Ich habe sie niedergeschrieben, nachdem ich den Film gesehen habe. Deshalb ist der Film verlinkt. Ein Muss für jeden, der ein realistisches Bild von der Besatzung haben will. Dieser Film einer israelischen Regisseurin zeigt, dass es nicht darum gehen darf pro-israelisch oder gegen Israel oder für die Palästinenser zu sein. Er zeigt das einzig relevante: Es ist notwendig gegen die Besatzung zu sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
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<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://www.freitag.de/community/blogs/schlesinger/martin-buber-klare-worte-zur-juedischen-besitznahme-palaestinas" target="_blank">Martin Buber: Zur jüdischen Besitznahme Palästinas</a> (FREITAG)</li>
<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://www.freitag.de/community/blogs/schlesinger/der-ganz-reale-judenhass" target="_blank">Der ganz reale Judenhass</a> (FREITAG)</li>
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<div class="zemanta-pixie" style="margin-top: 10px; height: 15px;"><a class="zemanta-pixie-a" title="Enhanced by Zemanta" href="http://www.zemanta.com/"><img class="zemanta-pixie-img" style="float: right;" src="http://img.zemanta.com/zemified_e.png?x-id=0f8c71af-7b3c-4733-ab42-8e958350bd83" alt="Enhanced by Zemanta" /></a></div>
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		<title>Martin Buber: Klare Worte zur jüdischen Besitznahme Palästinas</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Apr 2012 09:14:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schlesinger</dc:creator>
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<p>Was hat Israel nicht alles unternommen um dem Westen, ja der ganzen Welt zu zeigen welchen rechtmäßigen Anspruch man auf das Land habe und wie moralisch gerechtfertigt der dabei geführte Krieg war.
</p>
<p>Kaum wurde im Mai 1948 der Staat Israel ausgerufen, haben sich die zahlreichen arabischen Armeen über das kleine Land hergemacht, das sich tapfer verteidigte. [...]]]></description>
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<dl class="wp-caption alignright zemanta-img" style="width: 172px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://commons.wikipedia.org/wiki/File:Ben_Gurion_1959.jpg" target="_blank"><img class="zemanta-img-inserted zemanta-img-configured " title="David Ben Gurion, Israel's Prime Minister and ..." src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8c/Ben_Gurion_1959.jpg" alt="David Ben Gurion, Israel's Prime Minister and ..." width="162" height="229" /></a></dt>
</dl>
</div>
<p>Was hat Israel nicht alles unternommen um dem Westen, ja der ganzen Welt zu zeigen welchen <em>rechtmäßigen</em> Anspruch man auf das Land habe und wie <em>moralisch gerechtfertigt</em> der dabei geführte <a title="IDF - the most moral army in the world" href="http://www.transatlantikblog.de/2011/04/10/israel-defense-forces-idf-the-most-moral-army-khirbet-khizeh/" target="_blank">Krieg</a> war<em>.<br />
</em></p>
<p>Kaum wurde im <strong>Mai 1948</strong> der Staat Israel ausgerufen, haben sich die zahlreichen arabischen Armeen über das kleine Land hergemacht, das sich tapfer verteidigte. Und siegte. So wurde es uns erzählt.</p>
<p>Es hat dabei sein Gebiet &#8211; entgegen den Vorgaben aus dem UN-Teilungsbeschluss &#8211; erheblich vergrößert.</p>
<p>Die Araber waren dabei zum großen Teil verschwunden. Hunderttausende<em>. Weil sie von ihren Führern aufgefordert wurden zu gehen</em><em> um den anrückenden arabischen Armeen Platz zu machen</em>, so verbreiteten die Israelis<em></em>.</p>
<p>Wären nicht bis heute währende Tragödien mit all dem verbunden, man müsste beinahe lächeln über diese Darstellung in <em>Technicolor</em>.</p>
<p>So aber bleibt nur Staunen, wie Israel es über Jahrzehnte schaffte seine höchst brutale Vorgehensweise als rechtschaffen darzustellen, die Palästinenser als die Aggressoren und Niederträchtigen zu brandmarken und das Los der vertriebenen Zivilbevölkerung weitgehend vergessen zu machen.</p>
<p>Dabei mangelte schon damals nicht an deutlichen Berichten aus Palästina.</p>
<p>Der jüdische Philosoph <strong>Martin Buber</strong> schrieb 1948 im Angesicht des Kriegs die folgende Anklage:</p>
<h4>Schluß mit leeren Worten!</h4>
<blockquote><p>[...] Tag für Tag lesen wir in unseren Zeitungen, wir befänden uns in einem Verteidigungskrieg, weil wir doch angegriffen seien.</p>
<p>Die Tatsachen sind ziemlich einfach.</p>
<p>Vor zweitausend Jahren bewohnte dieses Land ein Volk, das große Dinge bewirkt hat und welches danach, auf dem ganzen Weltkreis verstreut, die innere Verbindung bewahrte.</p>
<p>[...] Gegen Ende des vorigen [19.] Jahrhunderts begannen kleine, später immer größer werdende Gruppen des ersten Volkes in das Land einzudringen mit der Absicht, dort eine Grundlage für seine Sammlung aufzubauen.</p>
<p>Im gleichen Maß wie sich zu dieser Aktion politische Forderungen gesellten, sah man bei dem anderen Volk [den Arabern] Zeichen des Unwillens, der Gegnerschaft und des Hasses.</p>
<p>Im Anfang akzeptierte dieses Volk das Eindringen mit Duldung, zum Teil sogar mit gutem Willen aus dem instinktiven Gefühl für das gemeinsame Interesse an der Entwicklung des Landes, obwohl von Zeit zu Zeit die Befürchtung aufkam, es könnte ihm ein seiner Lebensweise fremder Rhythmus aufgezwungen werden.</p>
<p>Jetzt aber entsteht eine viel realere Befürchtung, man wolle ihm die Lebensgrundlage entziehen, und wenn nicht ihm selbst, so doch den Nachkommen.</p>
<p>Als nun das erste Volk von Worten zu Taten schritt und die internationalen Instanzen [Vereinte Nationen] dazu bewegte, ihm politische Rechte über den besseren Teil des Landes zu  gewähren, brach ein offener Konflikt aus.</p></blockquote>
<p>Obwohl diese Worte Bubers schon in starkem Kontrast stehen zu dem, was Israel versuchte der Welt gegenüber darzustellen, war es in Wahrheit noch gravierender.</p>
<p>Der maßgebliche Teil der Zionisten hatte nie die Absicht mit den Arabern einen Ausgleich zu suchen. Für sie stand fest als künftige Herren nach Palästina zurück zu kehren.</p>
<p>Der starke Mann Israels, Staatsgründer und erster <strong>Ministerpräsident David Ben Gurion</strong>, schrieb am 5. Oktober 1937* an seinen Sohn Amos:</p>
<blockquote><p>Ich bin mir sicher wir werden auch<em> in allen anderen Teilen des Landes</em> siedeln, sei es durch ein Abkommen und einem beidseitigen Verständnis mit unseren arabischen Nachbarn <em>oder auf andere Weise</em>.</p>
<p>Wir errichten jetzt erst einmal einen jüdischen Staat, auch wenn er sich nicht über das ganze Land erstreckt.</p>
<p><em>Der Rest wird mit dem Lauf der Zeit kommen</em>. Es muss kommen.</p></blockquote>
<p><strong>Menachem Begin</strong>, Führer der militärischen Untergrundorganisation <em>Irgun</em> und späterer Ministerpräsident Israels, sagte einen Tag nach Verkündung des UN Teilungsbeschlusses im November 1947 (was de facto die lang ersehnte Gründung eines jüdischen Staates bedeutete) :</p>
<blockquote><p>Die Teilung Palästinas ist unrechtmäßig. Wir werden das nie anerkennen. [...]</p>
<p>Jerusalem war und wird für immer unsere Hauptstadt sein.</p>
<p>Das Land Israel [Eretz Israel] wird für das Volk Israel wiederhergestellt werden.</p>
<p><em>Das ganze Land. </em></p>
<p><em>Und auf ewig.</em></p></blockquote>
<p>Der <strong>Zionismus</strong> ist letztlich eine Variante des Nationalismus und Kolonialismus des 19.Jahrhunderts, einschließlich der damit verbundenen Überheblichkeit.</p>
<p>Das wurde auch innerhalb der zionistischen Reihen von einigen Wenigen mit Besorgnis gesehen. So berichtete <strong>Asher Ginsberg</strong> (<em>Ahad Ha&#8217;am</em>) nach einer Palästina-Reise im Jahr 1891 über die <a title="Ahad Haam" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Ahad_Ha%27am" target="_blank">jüdischen Siedler</a>, sie würden einen schweren Fehler begehen die Araber mit Verachtung zu behandeln und als Wilde aus der Wüste und als Esel anzusehen.</p>
<p>Psychologisch betrachtet erleichterte das die Operationen, die um die Staatsgründung herum anstanden.</p>
<p>Man musste nur die Wilden und die Esel aus dem Land jagen.</p>
<p>Der politische und militärische &#8220;<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Plan_Dalet" target="_blank">Plan D</a>&#8220;  der Führung um Ben Gurion sah dazu folgende Vorgehensweise vor:</p>
<blockquote><p>Zerstörung von Dörfern (in Brand setzen, Häuser sprengen, Minen in die Trümmer legen), insbesondere in  jenen Bevölkerungszentren, deren kontinuierliche Kontrolle schwierig ist.</p>
<p>Such- und Überwachungsoperationen nach folgenden Richtlinien: Einkreisung des Dorfes und Durchsuchung.</p>
<p>Im Falle von Widerstand müssen die militärischen Kräfte zerstört werden und die Bevölkerung muss außerhalb der Grenzen des Staates ausgewiesen werden.</p></blockquote>
<p>Manche Historiker wie<em> Benny Morris</em>, der zuletzt auch öffentlich wieder mit der Idee von Vertreibung spielte, interpretieren den Charakter von &#8220;Plan Dalet&#8221; defensiv. Eine &#8220;Säuberung&#8221; sei nicht geplant gewesen.</p>
<p>Aus den tatsächlichen Ereignissen am Boden und bestätigt durch zahlreiche Berichte auch auf  israelischer Seite bleibt jedoch wenig anderes übrig als den Schluß zu ziehen, dass alle Beteiligten sehr wohl wußten, was die politische Führung wollte: So viel Palästinenser wie möglich zu vertreiben.</p>
<p>Ein geeignetes Beispiel ist die Eroberung der weitgehend arabisch bewohnten Städte <strong>Ramle </strong>und<strong> Lydda</strong> (Operation Dani).</p>
<p>Obwohl auf arabischer Seite nur etwa 130 Mann der arabischen Legion vor Ort waren, ordnete die Haganah einen schweren Beschuss sowie Luftangriffe an, um die etwa 60.000 Einwohner beider Städte in Angst und Schrecken zu versetzen. Die Lageberichte der israelischen Kräfte berichteten von Massenpanik und schauderhaften Zuständen. Ein Großteil der Bevölkerung flüchtete mit dem Wenigen, was sie binnen Stunden auf Kärren, Pferde oder Kleinlaster packen konnten.</p>
<p>General Allon fragte Ben Gurion, was man mit der verbliebenen Bevölkerung machen solle.</p>
<p>Ben Gurion erwiderte mit einer unwirschen Handbewegung: <em>garesh otam</em>. Vertreibt sie.**</p>
<p>&#8211; Schlesinger</p>
<p>Eine ausführliche Diskussion zu diesem Thema kann auf dem <a href="http://www.freitag.de/community/blogs/schlesinger/martin-buber-klare-worte-zur-juedischen-besitznahme-palaestinas" target="_blank">FREITAG</a> verfolgt werden.</p>
<p>PS.: Hat Israel damit sein Existenzrecht verwirkt? Keineswegs. Es hatte aber nie das Recht sich als Herr des Landes aufzuführen. Und es weigert sich seit 1948 die Verantwortung zu übernehmen für massenhaft begangenes Unrecht. Beides sind Indizien, wie viel von den unzähligen Beteuerung zu halten ist, es wolle unbedingt Frieden. Ein Diktatfrieden war noch nie ein Frieden.</p>
<p>Photo: <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ben_Gurion_1959.jpg" target="_blank">Cohen Fritz</a> (Wikimedia PD)</p>
<p>* 1937: als es in Deutschland zwar Repressalien gegen Juden gab, aber noch vor der Reichskristallnacht und lange vor dem Holocaust. Kursive Hervorhebung im Zitat durch mich</p>
<p>Zitat Ben Gurion aus Avi Shlaim, The Iron Wall, S. 21 übers. d. mich</p>
<p>Zitat Menachem Begin, dto, S. 25</p>
<p>** Übernommen aus: Benny Morris: Operation Dani and the Palestinian Exodus from Lydda and Ramle in 1948, in: Middle East Journal, Vol. 40, No. 1 (Winter, 1986), S. 82-109 Weiterer Auszug:</p>
<p>(IDF = Isr. Armee, HQ= Headquarter)</p>
<p><strong>From the start, the military operations against the two towns were designed to induce civilian panic and flight</strong>-as a means of precipitating military collapse and possibly also as an end in itself. As land battles raged north of the towns, IDF bombing raids hit Lydda and Ramle. Operation Dani HQ at 11.30 hours on July 10 informed IDF General Staff/Operations in two messages that there was a &#8220;general and considerable [civilian] flight from Ramle. <strong>There is great value in continuing the bombing</strong> . . . Inform us of possibilities of aerial bombardment of Ramle now.&#8221;</p>
<p>The linkage in the minds of the Operation Dani commanders between the bombings and the desirability of civilian flight is clear. Later that afternoon Dani HQ radioed IDF General Staff/Operations: &#8220;Immediate aerial bombardment is needed as follows: 1. A strong bombardmen of Lydda. 2. Bombardment of Ramle &#8221; A few minutes later, Dani HQ radioed Yiftah Brigade HQ: &#8220;Flight from the town of Ramle of women, the old and children is to be facilitated. The males [of military age] are to be detained . . . &#8220;&#8216; A similar message was sent from &#8220;Malka&#8221; to &#8220;Tziporen,&#8221; the codenames of two Operation Dani units: &#8220;Speedy flight from Ramle of women, the old and children is to be facilitated.&#8221;&#8216;</p>
<p>The bombing and shelling of the two towns caused panic and flight (mostly from Ramle). Yiftah Brigade&#8217;s intelligence officer on July 11 reported: &#8220;The bombing from the air and [shelling by] artillery of Lydda and Ramle caused flight and panic among the civilians [and] a readiness to surrender.&#8221;</p>
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<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://www.freitag.de/community/blogs/georg-von-grote/guenter-grass---nachgedanken" target="_blank">Nachgedanken zu Grass</a> (FREITAG)</li>
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</ul>
<div class="zemanta-pixie" style="margin-top: 10px; height: 15px;"><a class="zemanta-pixie-a" title="Enhanced by Zemanta" href="http://www.zemanta.com/"><img class="zemanta-pixie-img" style="float: right;" src="http://img.zemanta.com/zemified_e.png?x-id=3e2c223d-54da-4d58-aebb-7aac14b137d8" alt="Enhanced by Zemanta" /></a></div>
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		<title>11. April 1974 Massaker von Kirjat Shmona</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Apr 2012 11:02:15 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[<p>Am 11. April 1974 drangen drei Mitglieder der PLO-Gruppierung &#8220;P.F.L.P.- Generalkommando&#8221; vom Libanon aus in Nordisrael ein.</p>
<p>In der Kleinstadt Kirjat Shmona betraten sie zunächst ein Schulgebäude, das wegen des Pessach-Festes allerdings leer war.</p>
<p>Anschließend drangen sie in eine Wohnanlage ein und töteten 18 Menschen, davon neun Kinder.</p>
<p>Sie verbarrikadierten sich in dem Haus.</p>
<p>In einem anschliessenden Feuergefecht wurden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 11. April 1974 drangen drei Mitglieder der PLO-Gruppierung &#8220;<strong>P.F.L.P.- Generalkommando</strong>&#8221; vom Libanon aus in Nordisrael ein.</p>
<p>In der Kleinstadt <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kiryat_Shmona_massacre" target="_blank"><strong>Kirjat Shmona</strong></a> betraten sie zunächst ein Schulgebäude, das wegen des Pessach-Festes allerdings leer war.</p>
<p>Anschließend drangen sie in eine Wohnanlage ein und töteten 18 Menschen, davon neun Kinder.</p>
<p>Sie verbarrikadierten sich in dem Haus.</p>
<p>In einem anschliessenden Feuergefecht wurden sie von israelischen Sicherheitskräften gestellt und getötet.</p>
<p>Nicht alles, was den Namen Widerstand und Befreiung trägt muss gerecht sein. In diesem Fall war es nur Mord.</p>
<p>Die israelische Luftwaffe flog <strong>Vergeltungsangriffe</strong> gegen <a href="http://pqasb.pqarchiver.com/latimes/access/646591282.html?dids=646591282:646591282&amp;FMT=ABS&amp;FMTS=ABS:AI" target="_blank">6 libanesische Dörfer</a>.</p>
<p>Vergeltungsangriffe gegen zivile Ziele untersagt das Kriegsvölkerrecht.</p>
<p>Die dabei zu Tode gekommenen wurden auf staatliche Anordnung ermordet.</p>
<p>&#8211; Schlesinger</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Der ganz reale Judenhass</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 16:57:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schlesinger</dc:creator>
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<p>Unwesentlich ist die Frage &#8220;Wer ist Antisemit?&#8221;. Wesentlich ist die Frage &#8220;Was hindert den Frieden im Nahen Osten?&#8221;.</p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Antisemitismusvorwurf gegenüber Grass ist hohl. Und er verhindert Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen.</p>
<p>Unwesentlich ist die Frage &#8220;Wer ist Antisemit?&#8221;. Wesentlich ist die Frage &#8220;Was hindert den Frieden im Nahen Osten?&#8221;.</p>
<p>In der aktuellen Debatte um Grass&#8217; Gedicht und sein mutmaßlich <a href="http://www.transatlantikblog.de/2012/04/06/zentralrat-graumann-grass-ss-mann-antisemit/" target="_blank">antisemitisches Motiv</a> kann hilfreich sein, sich den heute ganz real existierenden <strong>Judenhass</strong> vor Augen zu führen. Das Wort ist gut gewählt. Es geht nicht um Abneigung, Vorurteile oder Naserümpfen. Es geht um Hass, der tödliche Folgen haben kann.</p>
<p>Das geistliche Oberhaupt der Palästinenser in Ost-Jerusalem, <em>Mufti <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Muhammad_Ahmad_Hussein" target="_blank">Muhammad Achmad Hussein</a></em>, zuvor <em>Imam der Al-Aqsa Moschee</em> Jerusalems, hielt im Januar diesen Jahres anlässlich des 47-jährigen Bestehens der Fatah eine <a href="http://www.nytimes.com/2012/01/24/world/middleeast/israeli-police-arrest-2-protesting-palestinian-legislators.html?_r=2" target="_blank">Ansprache</a>.</p>
<p style="text-align: center;">
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=kDoV8ZL9Xkc">http://www.youtube.com/watch?v=kDoV8ZL9Xkc</a></p>
</p>
<p>Der Vorredner Husseins sprach zur Einleitung:</p>
<blockquote><p>Unser Krieg mit den Abkömmlingen der Affen und Schweine [den Juden, Anm.] ist ein Krieg der Religion und des Glaubens.</p>
<p>Lang lebe die Fatah! [Ich begrüße Sie,] Unser ehrenwerter Scheich.</p></blockquote>
<p>Mit mildem Lächeln und friedvollem Ton in der Stimme führte Scheich Hussein anschliessend aus, was man hinsichtlich der Radikalität allenfalls von <em>Julius Streicher </em>kennt:</p>
<blockquote><p>Vor 47 Jahren hat die Revolution der Fatah begonnen. Welche Revolution? Die moderne Revolution der Geschichte des Palästinensischen Volkes.</p>
<p>Tatsächlich ist es so, dass Palästina als Ganzes eine Revolution ist, seit [Kalif] Omar gekommen ist [um Jerusalem im Jahr 637 zu erobern], und das setzt sich heute fort, und wird dauern bis ans Ende aller Tage.</p>
<p>Die glaubwürdige Hadith** aus den zwei zuverlässigen Sammlungen Bukhari und Muslim sagt:</p>
<p>&#8220;Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen solange Ihr nicht die Juden bekämpft. Der Jude wird sich hinter Steinen und Bäumen verstecken. Dann werden die Steine und Bäume ausrufen &#8216;Oh Muslim, Diener Allahs, hier ist ein Jude hinter mir, komm und töte ihn.&#8217;<br />
Mit Ausnahme des Bocksdorn-Baums [welcher schweigt].<br />
Daher ist es kein Wunder dass man Bocksdorn-Bäume rund um die [jüdischen] Siedlungen und Kolonien sieht.***</p></blockquote>
<p>Scheich Hussein versuchte sich später zu rechtfertigen. Man habe seine Anmerkungen aus dem Kontext gerissen.</p>
<p>Das könnte sein. Doch bezeichnenderweise wollte er sich mit dem Hinweis <a href="http://www.liveleak.com/view?i=7f5_1327432527" target="_blank">verteidigen</a>, dass diese Ereignisse erst mit dem Ende aller Tage eintreten würden. Damit ist offenkundig, dass er sich von dem Gesagten inhaltlich gar nicht distanzieren will. Die <a href="http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/israel-attorney-general-to-investigate-jerusalem-mufti-for-incitement-1.409000" target="_blank">Staatsanwaltschaft</a> jedenfalls hat Ermittlungen aufgenommen.</p>
<p>Nun ist der Mufti von Jerusalem kein Offizieller der Fatah. Er hat seine seine Worte selbst zu</p>
<p>verantworten. Insofern geht jene Kritik deutlich zu weit, die Sätze wie die des Mufti nimmt um triumphierend auf &#8220;<em>die gewaltbereiten Palästinenser</em>&#8221; zu zeigen.</p>
<p>Dennoch bleibt festzuhalten, dass es immer wieder Araber und Perser gibt, denen es nur bedingt um eine politische Lösung mit Israel geht.</p>
<p>Dasselbe gilt für die israelische Seite. Es gibt nicht wenige, die kein Einvernehmen mit den Palästinensern wollen. Sie wollen sie am liebsten weg haben. Das wollte Staatsgründer <em>Ben Gurion</em>, das will der amtierende israelische <em>Premierminister Netanjahu</em> mitsamt seinem <em>Außenminister Lieberman</em>.</p>
<p><strong>Radikalität als Ausgangspunkt</strong></p>
<p>Radikalität findet man in beiden Lagern. Alles andere wäre ein Wunder.</p>
<p>Wie konnten die zionistischen Juden nicht radikal gewesen sein? Sie hatten ihr historisches Gepäck bei sich und durften sich ein Scheitern nicht erlauben. Sie wußten, dass sie Unrecht verursachen würden. Das lässt sich bei den Vordenkern des Zionismus wie <em>Herzl</em>, <em>Jabotinsky</em>, <em>Lichtheim</em> und anderen ungeschminkt nachlesen. Der Satz vom &#8220;<em>Land ohne Volk für ein Volk ohne Land</em>&#8221; war späte Propaganda. Die Zionisten selbst wußten es besser.</p>
<p>Hinsichtlich Radikalität gilt für die Araber dasselbe. Wie hätten sie untätig bleiben können und zusehen wie das Land, das sie seit Jahrhunderten als das ihre betrachten, in fremde Hände übergeht?</p>
<p>Diese Ausgangslage musste zwangsläufig zum Zusammenstoß führen.</p>
<p>Die bis heute zentrale Frage ist nur ob man willens ist, das Unrecht von früher der Vergangenheit zu überantworten und für das Heute einen realen Kompromiss zu finden.</p>
<p>Hier kann man an Grass anknüpfen.</p>
<p>Der bezeichnet Israels <em>Premier Netanjahu</em> als Gefahr für den Frieden. Und tut das zurecht, als er auf den fortschreitenden <em>Siedlungsbau</em> verweist.****</p>
<p>Vielleicht mit Ausnahme von <em>Yitzhak Rabin</em> strebten alle israelischen Ministerpräsidenten mehr oder weniger offen nach dem &#8220;<em>ganzen Israel</em>&#8220;, also einschließlich des biblischen Judäa und Samaria (= arabische Westbank).</p>
<p>Im kolonialen, nationalen 19. Jahrhundert, der Anfangszeit des Zionismus, mochte das Pochen auf ein größeres Herrschaftsgebiet salonfähig gewesen sei. Heute gilt das nicht mehr. Alle Welt sieht das, aber Israel kann seinen Kurs dank amerikanischer Unterstützung fortsetzen. Und wundert sich über die Ablehnung und nennt ihn Antisemitismus.</p>
<p>Aber was ist nun mit dem Mufti? Sind dessen Hetzreden und die Reden all derer, die ihm ähneln nicht bedeutsam? Sollen sie keinen Einfluß haben auf israelische Sicherheitspolitik? Ist nicht allzu verständlich, dass man mit Radikalen gar nicht verhandeln will? Dass Gespräche mit der Hamas nach Auffassung von Netanjahu tabu sein müssen?</p>
<p>Nein. Das Gegenteil trifft zu.</p>
<p><strong>Rabin wußte es besser</strong></p>
<p>Die Lösung hat <em>Yitzhak Rabin</em> Anfang der 90erJahre formuliert.</p>
<div class="mceTemp">
<dl class="wp-caption alignright zemanta-img" style="width: 220px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://commons.wikipedia.org/wiki/File:Yitzhak_Rabin_%281986%29_cropped.jpg" target="_blank"><img class="zemanta-img-inserted zemanta-img-configured  " title="Yitzhak Rabin" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/1c/Yitzhak_Rabin_%281986%29_cropped.jpg/300px-Yitzhak_Rabin_%281986%29_cropped.jpg" alt="Yitzhak Rabin" width="210" height="302" /></a></dt>
</dl>
</div>
<p>Während des beginnenden <em>Oslo-Prozesses</em> haben <a href="http://www.transatlantikblog.de/2012/02/28/usa-verweigern-knesset-abgeordnetem-einreise-terrorist-michael-ben-ari/" target="_blank">jüdische Radikale</a> wie etwa <em>Baruch Goldstein</em> oder palästinensische Radikale des <em>Islamischen Jihad</em> und der <em>Hamas</em> versucht, die Annäherung mit Attentaten zu vereiteln.</p>
<p>Rabin wollte sich nicht beirren lassen:</p>
<blockquote><p>Man muss so hart gegen die Terroristen vorgehen, als gäbe es keine Verhandlungen und man muss die Verhandlungen so weiter führen, als gäbe es keine Terroristen.</p></blockquote>
<p>Diese kluge Einsicht wird seit langem ignoriert.</p>
<p>Radikale wird es auf beiden Seiten geben, bis zum Ende aller Tage. Wer seine Politik davon bestimmen läßt macht sich zur Geisel der Fundamentalisten. Im Fall Netanjahus dürfte zutreffen, dass er sich gar nicht als Geisel sieht. Ihm kommen die Radikalen entgegen. Solange man der Welt zeigen kann, welche niedere Gesinnung der Gegner hat, kann das edle Projekt &#8220;ganz Israel&#8221; mit gutem Gewissen vorangetrieben werden.</p>
<p>Die nimmermüden israelischen Verweise auf Angriffe der Palästinenser haben einen weiteren Schönheitsfehler: Die Araber haben so gut wie nichts mehr, über das sie verhandeln könnten. Israel besetzt das Land, verwaltet das Wasser, erhebt die Zölle, kontrolliert die Grenzen.</p>
<p>Israel will einen <a title="Vladimir Jabotinsky - Die eiserne Mauer" href="http://www.transatlantikblog.de/jabotinsky-iron-wall/" target="_blank">Diktatfrieden</a> zu seinen Bedingungen und wähnt sich so stark, davon nicht abweichen zu müssen.</p>
<p>Das gefährdet den Frieden. Deshalb hat Grass in dieser Hinsicht recht.</p>
<p>Mit Antisemitismus hat das nicht das Geringste zu tun.</p>
<p>Man kann es auch anders sagen: Selbst wenn Grass Antisemit wäre, wäre seine Kritik wenigstens in Teilen zutreffend.</p>
<p>Ginge es um eine innenpolitische Frage in Deutschland, um Neonazis etwa, die jüdische Gräber schänden, dann wäre die Debatte um <a title="Was ist Antisemitismus?" href="http://www.transatlantikblog.de/2012/04/07/was-ist-antisemitismus-antisemitisch-antizionistisch-definition/" target="_blank">Antisemitismus</a> relevant.</p>
<p>In der Debatte um Krieg oder Frieden im Nahen Osten ist sie weitgehend irrelevant.</p>
<p>&#8211; Schlesinger</p>
<p>Photo: United States Air Force  (<a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Yitzhak_Rabin_%281986%29_cropped.jpg" target="_blank">Wikimedia</a> PD Lizenz)</p>
<p>PS.: Und was ist mit dem iranischen Präsidenten und seinen fortgesetzten Drohungen? Hierzu hat der israelische Schriftsteller <a href="http://www.nytimes.com/2012/01/24/world/middleeast/israeli-police-arrest-2-protesting-palestinian-legislators.html?_r=2" target="_blank">David Grossman</a> einen erhellenden Beitrag verfasst.</p>
<p>* Vorredner: &#8220;Our war with the descendants of the apes and pigs (i.e., Jews)<br />
is a war of religion and faith. Long Live Fatah! [I invite you,] our honorable Sheikh.&#8221;</p>
<p>** Hadith, hier: Mündlich überlieferte Anweisung, Belehrung oder Darstellung Mohammeds.</p>
<p>*** 47 years ago the [Fatah] revolution started. Which revolution? The modern revolution of the Palestinian people&#8217;s history. In fact, Palestine in its entirety is a revolution, since [Caliph] Umar came [to conquer Jerusalem, 637 CE], and continuing today, and until the End of Days. The reliable Hadith (tradition attributed to Muhammad), [found] in the two reliable collections, Bukhari and Muslim, says:<br />
&#8220;The Hour [of Resurrection] will not come until you fight the Jews.<br />
The Jew will hide behind stones or trees.<br />
Then the stones or trees will call:<br />
&#8216;Oh Muslim, servant of Allah, there is a Jew behind me, come and kill him.&#8217;<br />
Except the Gharqad tree [which will keep silent].&#8221;<br />
Therefore it is no wonder that you see Gharqad [trees]<br />
surrounding the [Israeli] settlements and colonies..&#8221;</p>
<p>**** Nicht im Gedicht &#8220;Was gesagt werden muss&#8221;, sondern im nachträglichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung.</p>
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<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://www.freitag.de/community/blogs/georg-von-grote/guenter-grass---nachgedanken" target="_blank">Grass &#8211; Nachgedanken</a> (Freitag)</li>
<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://www.transatlantikblog.de/2012/04/07/was-ist-antisemitismus-antisemitisch-antizionistisch-definition/" target="_blank">Was ist Antisemitismus &#8211; wer ist Antisemit</a> (Transatlantikblog)</li>
<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://treueliebe.wordpress.com/2012/04/05/wo-bitte-geht-es-nach-massada/" target="_blank">Wo bitte geht es nach Massada?</a> (Treueliebe)</li>
<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://www.freitag.de/kultur/1214-guenter-grass-als-mephisto" target="_blank">Günter Grass als Mephisto</a> (Freitag)</li>
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<div class="zemanta-pixie" style="margin-top: 10px; height: 15px;"><a class="zemanta-pixie-a" title="Enhanced by Zemanta" href="http://www.zemanta.com/"><img class="zemanta-pixie-img" style="float: right;" src="http://img.zemanta.com/zemified_e.png?x-id=467b392a-92ff-475d-9839-a0ff340a22ac" alt="Enhanced by Zemanta" /></a></div>
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		<title>Was ist Antisemitismus, wer ist ein Antisemit?</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Apr 2012 16:49:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schlesinger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Drittes Reich]]></category>
		<category><![CDATA[Gründung Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Naher und Mittlerer Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Sueddeutsche Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Zionismus]]></category>
		<category><![CDATA[Definition Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Grass Antisemit]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ist Günter Grass ein Antisemit?</p>
<p>Dieter Graumann, Henryk Broder, Rolf Hochhuth finden: Bestimmt!</p>
<p>Wie können sich die genannten Herren so sicher sein, dass Grass ein Altnazi ist, wie alle drei nahelegen mit dem Motto: &#8220;Einmal SS-Mann, immer SS-Mann&#8220;.</p>
Definition Antisemitismus
<p>Antisemitismus ist die Sammelbezeichnung für alle Einstellungen und Verhaltensweisen, die den als Juden geltenden Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund dieser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ist Günter Grass ein Antisemit?</p>
<p><a href="https://www.transatlantikblog.de/2012/04/06/zentralrat-graumann-grass-ss-mann-antisemit/" target="_blank">Dieter Graumann</a>, <a href="https://www.transatlantikblog.de/2012/04/04/kritik-an-der-kritik-gunter-grass-an-israel/" target="_blank">Henryk Broder</a>, Rolf Hochhuth finden: Bestimmt!</p>
<p>Wie können sich die genannten Herren so sicher sein, dass Grass ein Altnazi ist, wie alle drei nahelegen mit dem Motto: &#8220;<em>Einmal SS-Mann, immer SS-Mann</em>&#8220;.</p>
<h4>Definition Antisemitismus</h4>
<blockquote><p>Antisemitismus ist die Sammelbezeichnung für alle Einstellungen und Verhaltensweisen, die den als Juden geltenden Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund dieser Zugehörigkeit negative Eigenschaften unterstellen, um damit eine Abwertung, Benachteiligung, Verfolgung oder Vernichtung ideologisch zu rechtfertigen.</p>
<p>Vereinfachter könnte man auch sagen: Antisemitismus ist Feindschaft gegen Juden als Juden.</p>
</blockquote>
<div class="mceTemp mceIEcenter">
<div class="wp-caption alignright" style="width: 265px"><a href="http://commons.wikipedia.org/wiki/File:1543_On_the_Jews_and_Their_Lies_by_Martin_Luther.jpg" target="_blank"><img class="zemanta-img-inserted zemanta-img-configured" title="On the Jews and Their Lies (old german: Von de..." src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/49/1543_On_the_Jews_and_Their_Lies_by_Martin_Luther.jpg" alt="On the Jews and Their Lies (old german: Von de..." width="255" height="370" /></a><p class="wp-caption-text">On the Jews and Their Lies (old german: Von den Jüden und Iren Lügen, today german: Von den Juden und ihren Lügen) by Martin Luther, 1543. Deutsch: Deckel des Werkes Von den Jüden und Iren Lügen (Von den Juden und ihren Lügen) von Martin Luther, 1543 (Photo credit: Wikipedia)</p></div>
</div>
<h4>Formen von Antisemitismus</h4>
<p><strong>Religiöser Antisemitismus</strong></p>
<p>Er besteht in der pauschalisierenden Ablehnung und Diffamierung der jüdischen Religion mit den damit verbundenen Glaubenssätzen, Zeremonien, Rituale. Träger dieser Diffamierung war vor allem die christliche Kirche (Juden als Mörder Jesus). Diese Form von A. ging in früheren Zeiten oft einher mit Unterstellungen wie Mord an christlichen Kindern o.ä.</p>
<p><strong>Sozialer und politischer Antisemitismus</strong></p>
<p>Beide Formen sind eng miteinander verwandt.<br />
Der soziale A. kommt dadurch zum Ausdruck, dass der vermutete oder tatsächliche soziale Status von Juden in der Gesellschaft als Motiv wirkt, um ihnen ablehnend gegenüber zu stehen.</p>
<p>Der politische A. sieht die Juden als mehr oder weniger einheitliche Gruppe, die sich zu gemeinsamem Handeln zusammenschliesen um ihre gesellschaftliche und politische Macht auszudehnen. Das Ziel ist dieser Anschauung zufolge die Erlangung der Herrschaft im jeweiligen Land oder in der ganzen Welt. Oft werden verschwörerische Aktivitäten vermutet. Demzufolge stehen jüdische Kräfte hinter politischen Umbrüchen wie Kriege, Revolutionen oder Wirtschaftskrisen.</p>
<p><strong>Rassistischer Antisemitismus</strong></p>
<p>Die aus dem Biologismus des 19. Jahrhunderts entsprungene Form sieht die mutmaßlich negativen Eigenschaften von Juden in ihrer Natur begründet. Insofern ist der rassische A. die wohl schärfste Form: Sind negative Eigenschaften in der Natur des Trägers verankert, kann dies nicht verändert werden.</p>
<p><strong>Sekundärer Antisemitismus</strong></p>
<p>Diese Variante existiert nur in Deutschland. Ihr zufolge dient die fortgesetzte öffentliche Beschäftigung mit dem Holocaust nur dazu, Wiedergutmachungszahlungen oder sonstige Leistungen an Israel zu erzielen, Deutschland kleinlaut zu halten oder Israel einen Freibrief für ihre Politik im Nahen Osten auszustellen. Die Erinnerung an den Holocaust wird als &#8220;Moral-Keule&#8221; empfunden.</p>
<p><strong>Antizionistischer Antisemitismus</strong></p>
<p>Es ist die historisch jüngste Ausprägung. Die Vorbehalte richten sich gegen die Gründung des Staates Israel (1948) und den Fortbestand des Landes. Dabei geht es nicht um Kritik an Israels Politik, sondern um die Verdammung eines jüdischen Staates selbst. Dessen Aktionen werden dämonisiert.</p>
<p><strong>Stephan Kramer</strong>, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, meint dazu:</p>
<blockquote><p>Sachliche Kritik an der Politik der israelischen Regierung ist kein Antisemitismus.</p>
</blockquote>
<p>Nur: Was ist sachliche Kritik? Ob Kritik sachlich ist, sieht der Kritisierte naturgemäß anders als der Kritiker. Gerade bei Kritik an der Tagespolitik ist besonders schwer zu erkennen, was genau dahinter steckt. Hier <em>können</em> sich Argumente mit Ressentiments vermischen, wohlmeinendes Unwissen und böswillige Auslegung zu einer Gemengelage werden, in der irgendwo der Antisemitismus anfängt.</p>
<p>Kramer sagt: &#8220;Der offene Antisemitismus ist mir fast der liebste. Gegen den kann man sich wenigstens wehren.&#8221;</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Welche der hier genannten Formen könnten bei Günter Grass und dessen israel-kritischem Gedicht zutreffen?</p>
<p>Meines Erachtens nur einer: Der sekundäre Antisemitismus. Darauf deutet hin, dass Grass meint sein Gedicht konnte nur gegen Widerstand formuliert werden. Man sei hierzulande nicht frei zu sagen was man zu sagen habe. Man würde dafür gemaßregelt, sobald man Kritik an Israel äußere. Daher müsse man sich wider besserer Einsicht zurückhalten.</p>
<p><strong>Antisemitische Haltung oder Einbildung?</strong></p>
<p>Hier muß man einräumen, dass eine Zurückhaltung immer auch eine subjektive Komponente hat. Hält man sich mit einer Stellungnahme oder einer Kritik zurück, weil man Kräfte am Werk sieht, die einen dafür abstrafen, oder weil es diese Kräfte objektiv gibt?</p>
<p>Eine zweite subjektive Komponente liegt in der Sichtweise dessen, der jemanden als antisemitisch einstuft. Sieht er die Handlungen als antisemitisch, weil er er einen Antisemiten vor sich hat oder sieht er ihn so, weil die eigene Vita, die eigene Prägung mit sich bringt, allzu schnell und bei allzu vielen Anlässen Antisemitismus am Werk zu sehen?</p>
<p>Insofern wird es nie eine objektive Antwort auf die Frage geben, ob Günter Grass Antisemit ist.</p>
<p><a href="http://www.transatlantikblog.de/2012/04/06/zentralrat-graumann-grass-ss-mann-antisemit/" target="_blank">Dieter Graumanns</a> Kriterienkatalog jedenfalls scheint allzu simplizistisch zu sein. Man sehe bereits an der Bezeichnung des Gedichts, wes Geistes Kind Grass sei. Graumann:</p>
<blockquote>
<blockquote><p>Schon alleine der Titel und der Anfang. „Was gesagt werden muss“. Es ist die Formel, mit der gewohnheitsmäßig Antisemiten von jeher ihre judenfeindlichen Stammtischreden zu beginnen pflegen.</p>
</blockquote>
</blockquote>
<p>Die Formel &#8220;Das muss man ja wohl noch sagen dürfen&#8221; ist weit verbreitet und kommt immer zur Verwendung, wenn sich der Sprecher insgeheim gegängelt fühlt, ob zu Recht oder zu Unrecht. Das kann in der Firma der Fall sein, in Sachen Papst &amp; Kirche oder wo auch immer. Es als Indikator für Antisemitismus zu nehmen ist doch allzu platt.</p>
<p>Richtig ist: Das Gedicht Grass&#8217; hat mehrere Mängel, ist überspitzt und wenigstens in dem Teil, in dem die &#8220;Vernichtung des iranischen Volkes&#8221; durch Israel in den Raum gestellt wird, ziemlich dumm.</p>
<p>In einem nachträglichen Interview mit der Süddeutschen betont er glaubwürdig, dass er nicht Israel kritisiert, sondern Israels Regierung und namentlich Premierminister Netanjahu.</p>
<p>Ist Grass Antisemit? Ich meine nein. Wobei selbstredend einzuräumen ist: Niemand kann in Grass&#8217; Herz sehen und dessen wahre Motive sehen.</p>
<p>Das plausibelste Motiv scheint die schiere Egozentrik Grass zu sein.</p>
<p>Wer schlimmere Motive sehen muss, muss das wohl so.</p>
<p>&#8211; Schlesinger</p>
<p>Quellen und Zitat:<br />
Die oben genannten Definition sind eng angelehnt an Ausführungen in: Bundeszentrale für politische Bildung (Schrift <a href="http://www.bpb.de/shop/lernen/themen-und-materialien/37224/antisemitismus-in-europa-handreichungen-fuer-lehrkraefte" target="_blank">Antisemitismus in Europa</a>)</p>
<p>Photo: <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:1543_On_the_Jews_and_Their_Lies_by_Martin_Luther.jpg&amp;filetimestamp=20111109173231" target="_blank">Wikimedia </a>CC Lizenz</p>
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<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://www.freitag.de/community/blogs/georg-von-grote/guenter-grass---nachgedanken" target="_blank">Nachgedanken zu Grass</a> (Freitag)</li>
<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://www.transatlantikblog.de/2012/04/04/kritik-an-der-kritik-gunter-grass-an-israel/" target="_blank">Kritik an den Kritikern Grass</a> (Transatlantikblog)</li>
<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://www.freitag.de/community/blogs/goch/was-gesagt-werden-muss" target="_blank">Was gesagt werden muss</a> (Freitag)</li>
<li class="zemanta-article-ul-li"><a href="http://www.freitag.de/community/blogs/georg-von-grote/hat-grass-doch-ein-tabu-gebrochen" target="_blank">Hat Grass ein Tabu gebrochen?</a> (FREITAG)</li>
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<img src="http://feeds.feedburner.com/~r/transatlantikblog/CYNG/~4/bgnfwXB4sXg" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>
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		<slash:comments>4</slash:comments>
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