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Türken können überraschen

Löw warnt vor den Stehaufmännchen

Die Türken plagen vor dem Halbfinale gegen Deutschland am Mittwoch arge personelle Probleme. Bundestrainer Löw warnt seine Mannschaft dennoch: "Die Türken sind zu Außergewöhnlichem fähig."

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Bundestrainer Löw: "Die Türken sind unberechenbar."

Eigentlich hatte man sich im deutschen Lager eher auf eine Revanche gegen Kroatien eingestellt, nun aber muss sich Joachim Löw eine Halbfinal-Taktik gegen die Stehaufmännchen aus der Türkei zurechtlegen. "Die Türken sind unberechenbar, ich kenne die Mentalität in der Türkei. Wenn es bei ihnen einmal läuft, sind sie zu Außergewöhnlichem fähig", sagte der Bundestrainer, dem als ehemaliger Chefcoach von Fenerbahce Istanbul und Adanaspor der türkische Fußball selbst bestens bekannt ist. Wie schon bei der WM 2002, als die Türken mit einem dritten Platz die internationalen Experten überrascht hatten, staunen nicht nur deutschen Spieler über die Energie-Leistungen von Hamit Altintop und Co. bei dieser EM.

"Die Türken sind schwer einzuschätzen", warnte Kapitän Michael Ballack und wies auf die zwei Gesichter hin, die das Team von Fathi Terim in der Vorrunde und beim Viertelfinal-Sieg gegen Kroatien gezeigt hatte. "Die Stärke der Türken ist die gewisse Unordnung, das Überraschende", hat Mittelfeldspieler Simon Rolfes registriert. In der Abwehr konnte der deutsche Halbfinal-Gegner die DFB-Akteure bisher wenig überzeugen. Doch umso mehr beeindruckte die nicht zu beugende Gewinner-Mentalität. "Sie haben diese Qualität in der Nachspielzeit, die man eigentlich den Deutschen zuschreibt. Sie sind erst besiegt, wenn sie in den Bus steigen", betonte Thomas Hitzlsperger.

Die Spielweise der Türken erinnerte auch Ballack von der Einstellung her phasenweise an Auftritte des eigenen Teams. "Sie glauben an sich. Sie kommen sehr gut klar mit der deutschen Mentalität, da kann man schon Vergleiche ziehen. Sie sind ein ganz, ganz gefährlicher Gegner, der nichts zu verlieren hat, weil der Einzug ins Halbfinale schon ein Riesenerfolg für sie ist", sagte der Kapitän. Verwundern können die Vergleich mit Deutschland keinen: Schließlich haben zahlreiche türkische Spieler in Deutschland gelebt und gekickt. Zudem gaben viele deutsche Trainer ihre Wissen an die Teams vom Bosporus weiter.

Köpke wären Kroaten liebern gewesen

Arne Friedrich glaubt, dass die Hürde im Halbfinale nicht so hoch ist, wie sie gegen Kroatien gewesen wäre. "Sie liegen uns mehr. Sie haben hinten Probleme. Sie haben mich bisher nicht wirklich überzeugen können", erklärte der Berliner zum Kontrahenten. "Wir sind gewarnt und haben großen Respekt", ergänzte Christoph Metzelder, kennt aber auch das wirkungsvolle Gegenmittel: "Wir müssen von Anfang an unser Power-Fußball durchziehen, dann werden sie unserem Druck nicht standhalten." Nur einer aus dem DFB-Stab war etwas enttäuscht. "Ich persönlich hätte mir die Kroaten gewünscht. Wir hätten da von der WM 1998 und nach der Vorrunden-Niederlage hier gerne noch etwas geradegerückt", sagte Bundestorwart-Trainer Andreas Köpke.

Gegner Türkei kann nach derzeitigem Stand trotz vieler verletzter und gesperrter Spieler keinen neuen Akteur für das Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft am Mittwoch gegen Deutschland berufen. "Spieler können nur bis zum ersten Turnierspiel nachnominiert werden. Wir haben keine Absicht, diese Regel zu ändern", sagte UEFA-Sprecher William Gaillard bei einer Pressekonferenz in Wien.

Terim hat nur 14 Spieler

Bei den Türken sind vor der Partie in Basel fünf Akteure verletzt oder angeschlagen, vier weitere Spieler sind für das Duell gegen das DFB-Team gesperrt. Trainer Fatih Terim stünden somit nur 14 Akteure aus seinem 23-Mann-Kader zur Verfügung.

Am Freitag war Terim vor dem Viertelfinale gegen Kroatien auf einer offiziellen UEFA-Pressekonferenz noch über eine mögliche Nachnominierung befragt worden, hatte diese aber von sich aus ausgeschlossen. «Ich vertraue meinem Kader», sagte der 54-Jährige. Nun ist sein Team nach der Verletzung von Kapitän Nihat und drei Gelb-Sperren aber zusätzlich dezimiert worden.

(Jens Mende und Christian Kunz, dpa / N24)

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